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Samstag den 7. Februar 1931

Nr. 32

Parlament gewählt, daß sie dort praktische positive Arbeit leisten sollen. Die Regierung hat das Parlament zu dieser positiven Mit­arbeit aufgerufen, versag» es jetzt, dann schaltet nicht die Regierung das Parlament aus, son­dern das Parlament schaltet sich selbst aus und letzeres hat kein Recht, sich darüber zu be­schweren.

Die Mitarbeit des Parlaments ist aber nicht nur für die Innen-, sondern auch für die Außenpolitik von ausschlaggebender Bedeu­tung. Mit Recht hat der Kanzler erklärt, d.:ß die schwierige Lage, in der sich die Wirtschaft des Deutschen Reiches heute befindet, bedingt ist durch einen Mangel an Vertrauen in ine Stabilität der deutschen Politik und Wirtschaft. Es ist entscheidend für die zukünftige Entwick­lung, daß dieses Vertrauen in die Stabilität der deutschen Politik und Wirtschaft wiederge­wonnen wird und das ist nur möglich, wenn der Reichstag positiv mitarbeitet, bzw wenn der Etat auf normalem parlamentarischen Wege zur Verabschiedung gelangt. Wir haben schon gestern darauf hingewiesen, daß die vielen kurzfristigen Auslandskredite, auf die

wir heute in der fchaftskrisen und

Zeit der allgemeinen Wirt- Arbeitslosigkeit mehr denn je angewiesen sind, allen verantwortlichen Re­gierung-, Finanz- und Wirtschaftskreisen große Sorge bereiten. Diese Sorge muß sich aber noch vergrößern, wenn es nicht gelingen sollte, feste parlamentarische Verhältnisse in Deutsch­land zu schaffen. Wir erinnern bei dieser Ge­legenheit an ein Warnungssignal, an die wirt­schaftlichen Folgen der Reichstagswahlen vom September v. J. Damals wurde das deutsche Volk durch den Geld- und Dsvisenabfluß der Reichsbank, durch die Kündigung zahlreicher kurzfristiger Kredite daüber belehrt, daß die deutsche Wirtschaft von der Weltwirtschaft nicht loszulösen ist, und daß ein Land mit einer der­artig umfassenden engen weltw.rHchuftl'chen Verflechtung wie Deutschland es ist, die Stabi­lität der inneren Verhältnisse einen unent­behrlichen und ausschlaggebenden Faktor für die Aufrechterhaltung feiner Ledensmöglich- keiten darstellt. Es liegt uns vollkommen fern, etwa dafür einzutreten, daß das deutsche Volk sich in all seinen Lebensfragen nach der Mei-

all seinen Lebensfragen nach der Mei­nung des Auslandes richten soll — nein, das

Ausland hat in unsere inneren Verhältnisse nichts reinzureden. Aber ein törichtes Unter­fangen wäre es, wenn man dem Volke weis­machen wollte, daß es überhaupt keine Rück­sichten zu nehmen hätte und schalten und wal­ten könnte, wie es will. Das ist nicht angängig — wir als verschuldetes deutsches Volk brau­chen ein großes Kapital an politischem Ver­trauen und an finanziellem Kredit, ein Kapital, das Deutschland sich in Zeiten ruhiger Ent­wicklung angèsammelt hatte, im legten Jahre aber schwer zusammengeschmölzen ist Dieses Kapital müssen wir wieder Zurückgewinnen und dies kann nur geschehEwennttn Reichs­tag wieder eine starke Mehrheit geschaffen wirb; getragen von der staatspolitischen Er­kenntnis, daß so und nicht anders die Politik Deutschlands geführt werden muß. Eine solche positive Sicherung gilt es zu schaffen. Der Kanzler hat dazu aufgerufen — die Parteien, vor allem die bürgerlichen, sollten diesen Ruf hören, und danach handeln. Lor allem d i e bürgerlichen Parteien, die sich noch nicht restlos in die entschiedene Front gegen die Regierung gestellt haben. Durch die erbitterte Auseinan­dersetzung, die der Kanzler am Donnerstag mit den Nationalsozialisten und den Deutich- nationalen hatte, ist mit diesen beiden Parteien

für absehbare Zeit die Möglich Anknüpfung kaum mehr gegeb

ket einer neuen i»n. Noch dieser

Richtung sind die Brücken, um deren Aufrecht­erhaltung sich weite, politisch andersdenkende Kreise bemüht hatten, wohl endgültig abge­brochen worden. Dafür sollten aber die anderen bürgerlichen Parteien auf dem Posten sein und dafür sorgen, daß der Kanzler durch das Vor­gehen von rechts her nicht 'm eine falsche Front gedrängt wird.

„Die parlamentarische Verabschiedung des Haushaltes ist auch der sicherste Weg für eine baldige Lösung der Reparationsfrage." Auch diese Aeußerung des Kanzlers muß unter­strichen werden. Wenn Deutschland eine neue Lösung der Revarationen vorbereiten will, muß die Wirtschafts- und Finanzpolitik auf weite Sicht aufgebaut werden — und dazu ist zunächst erforderlich, daß dem Reich der für das nächste Jahr nötige Haushaltsplan ge­währt wird Der Kanzler hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Reparationsfrage heute akut geworden ist. Gewiß nichts Neues — der Kanzler hat um der außenpolitischen Debatte in der nächsten Woche nicht vor- greifen, mehr registrierende als program­matische Darlegungen gemacht — aber doch in­sofern bemerkenswert, als der Kanzler weiter erklärt hat, daß nur eine Gesamtlösung der Reparationsfraae, also keine Teillösung, in Betracht kommen kann. Diese Gesamtlösuna ?tU es vorzubereiten und dazu ist ein Vertreter es Zentrums in erster Linie geeignet, weil seine Partei seiner Zeit den Tributverbandlun­gen im Haag mit größter Skepsis oefolgt ist. Näheres über die Entschlüsse der Regierung werden wir sicher gelegentlich der außennolt- tischen Debatte in der nächsten Woche zu hören bekommen. Wir hoffen, daß die Regisruna sich mit der stolzen Würde aussprechen wird, lie dem Willen des deutschen Volkes entspricht

Die am Donnerstag eingetretene Entspan­nung im Reichstag hat auch am gestrigen Frei- tag angehalten und alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Mittelparteien die Mahnungen des Reichskanzlers zu beherzigen gedenken und

Aus dem Reichstag

(ForNesiuno von Seite 1.)

aber dieser Kampf ist schwer und sein Erfolg leidet darunter, wenn wir unsere ganze Energie in den Dienst der Aufgabe stellen, den Schuldigen unter uns zu suchen. Das ist der große Fehler der National­sozialisten. Ihre Bewegung, die durch eine gewaltige Gefühlswelle in die Höhe gehoben worden ist, wird ihre Bewährung erst dann beweisen können, wenn es ihr gellngt, die Gefühlswerte, denen sie ihren Auf­schwung verdankt, umzuschmelzen zu wirklich staats- politischen Werten. (Lachen bei den Nationalsozia­listen.) Wenn Sie die Macht haben wollen, dann müssen Sie vorher dem deutschen Volke sagen, wie Sie die Sache zu machen gedenken. Das Dritte Reich ist ein nebelhafter Begriff. (Rufe von den National­sozialisten: „Sie haben es zu verantworten, Sie stehen hier als Angeklagter mit Ihrem System!") Ich lehne es rundweg ab, mich aus die Anklagebank führen zu lassen. Die nationalsozialistische Bewegung ist zu stark geworden, als daß sie sich länger den un­erhörten Goebbels-Satz leisten könnte: „Was wir tun, wenn wir die Macht haben, geht niemand etwas an."

Mit Sorge blicken wir auf das Vordringen ge­wisser Kräfte aus dem Moskauer Organisations­zentrum nach Deutschland Wir sehen auch mit Sorge auf die Entwicklung der Kulturpolitik in Preußen und fordern, daß auch der evan­gelischen Kirche ein Vertrag gewährt werde, der ihr in Preußen die Gleichberechtigung mit der katholischen Kirche gewährt. Der Begriff der Mittel­partei, den wir vertreten, hat seine Bewährung oft genug bewiesen. Sie (zu den Nationalsozialisten) sollen diesen Nachweis für ihre Bewegung erst er­bringen.

Abg. Simpfendârfer (Ehr.-Soz.) verlangt von der Regierung eine Politik der Autori­tät und des stärksten Verantwortungsbewußtseins. Sparmaßnahmen dürfen nicht auf Kosten sozialer Einrichtungen durchgeführt werden. Straffe Durch- hührung der Osthilfe und Bekämpfung der Arbeits­losigkeit seien vordringliche Aufgaben. Die Möglich­keit einer freiwilligen Arbeitsdienstpflicht müsse schleunigst geprüft werden. Mit schräfstem Nachdruck sei eine aktive aufbauende Kulturpolitik zu fordern. In der Erwartung der Erfüllung dieser Forderungen lehne seine Partei die Mißtrauensanträge ab.

Abg. Wollalh (Wirlschastsparlei)

betont, daß die gestrige Kanzlerede zehn Jahre zu spät gehalten worden sei. Die offensichtliche Stützung des Kabinetts Brüning durch die Sozialdemokraten unterstreiche das Mißfallen der Wirtschaftspartei. Gleichzeitig müsse man aber auch den rechtsstehen­den Parteien den Vorwurf machen, daß sie durch ihre sture Oppositionsstellung den anderen natio­nalen Parteien den Weg zu einer praktischen Mit­arbeit verrammeln. Kaum ein Wort aber habe der Kanzler für den Mittelstand gefunden. Der Redner fordert die Einführung der Arbeitsdienstpflicht, den Geschäftsordnungsreformen stimmt er zu.

Abg. pfeger (Bayerische BpL) begrüßt die Erklärung des Reichskanzlers, daß er bei der Erledigung diejes Etats nicht an die Att-

Das Volksbegehren des Stahlhelms

Heidelberg, 7. Febr. In einer Versammlung des Stahlhelms des Gaues Kurpfalz sprach gestern abend hier, wie die „Frankfurter Zeitung" berich­tet, der Stahlhelmführer Franz Seldte zum ersten Mal nach der Einbringung des Volksbegeh­rens auf Auflösung des Preußischen Landtags offiziell über dasselbe. Er führte dabei u. a. aus:

Der Stahlhelm hat sich einen Zweijahres­plan für die innere und äußere Freiheit Deutsch­lands zurechtgelgt. Der Stahlhelm sieht in diesem Plan vier Etappen vor:

1. das eingebrachte Volksbegehren,

2. die preußischen Landtaaswahlen,

3. eine Reichstagswahl und

4. die im Jahre 1932 stattfindende

Reichs-

präsidentenwahl.

Durch die Wahlen am 14. September hat sich nach der Meinung Seldtes der Volkswillen gegen das heutige System ausgesprochen, und da nun der Stahlhelm der Meinung ist, daß trotz des Bankrotts des Systems die Nutznießer desselben die Macht bis in die letzte Minute halten werden, gelte das Volksbegehren dem Kampf gegen diese Nutznießer. Der Stahlhelm hat als staâtspolitifcher Bund, der ohne parteimäßige Bindung die Auf­gabe des Sammelns hat und sammeln kann, das Volksbegehren eingebracht. Seldte betonte weiter, )aß er sich in diesem Begehren einig fühle mit amtlichen rechtsstehenden Parteien und vaterlän- üschen Bewegungen. Der jetzige Moment sei mit allem Vorbedacht ausgewählt. Das Gelände sei nach seiner Meinung streng sondiert, Freund und Feind geschieden, und der Augenblick sei so gewählt, >aß das Unternehmen zu einem wirklichen Erfolg ühren müsse. Weiter betonte er, daß der Stahl­helm bewußt in diesen Kgmpf eingetreten sei, um

daß ein parlamentarischer Block — nennen wir ihn ruhig „Block der Vernünftigen" — im Werden begriffen ist, bereit ist mitzuhelfen, die Weltvertrauenskrise gegen Deutschland zu überwinden. Das ist erfreulich und dürfte auch im Lande Befriedigung auslösen und dazu beitragen wird, die Un­sicherheit, die Panikstimmung in weiten Krei­sen des Volkes zu beseitigen, das Volk, wie Reichsminister Dietrich gestern sehr treffend ausgeführt hat. von dem Wahne zu befreien, daß politisch etwas ganz Neues bevorstehe Wenn nicht alle Zeichen trügen, werden in der heutigen Reichstaossißung die M.ßtraueus- anträge gegen das Kabinett abgefeimt, wo­durch der Kanzler die Möglichkeit erhält, mit gestärkter Autorität weiterzuarbeiten. R. H.

Wendung des Artikels 48 denkt. Leider habe der Kanzler auch nicht das Geheimnis gelüftet, wo und wie die angekündigten Ersparnisse gemacht werden sollen. Im weiteren Verlauf seiner Red« kommt es zu lebhaften Zwischenrufen der Nationalsozialisten, die dem Redner vorwerfen, er habe für sein Ein­treten zugunsten der Warenhäuser 2000 RM er­halten und sei von den Warenhäusern bestäche worden. Präsident Löbe rügt diese Zurufe. 211 dann

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Abg. Dr. Mierendorf ($03.)

das Wort erhält, verlassen die Nationalsozialisten den Saal. Der Redner ruft ihnen nach: Bleiben Sie hier, Dr. Goebbels, wenn sie den Mut haben, einem Kriegsteilnehmer ins Auge zu sehen. Wir wären heute schon weiter, wenn alle am Wieder- aufbau mitgearbeitet hätten. Aber Sie (nach rechts) haben hinter dem Busch gesessen und Steine auf uns geworfen, als wir den Karren aus dem Dreck zogen. Man kann die heutige Not nicht beheben mit dem Hokuspokus der Nationalsozialisten.

Abg. Stöhr (Nat.-Soz.) beantragt Vertagung. Nationalsozialisten, Deutschnationale und Kommu­nisten verlassen den Saal.

Präsident Löbe stellt die Beschluß- unfähigkeit fest und beraumt die nächste Sitzung für Samstags 12 Uhr an mit der Tages- ordung: Fortsetzung mit der Beratung der Ge- Ichaftsordnungsreform. Bei dem Aufruf dieses Ge- genstandes ruft Abg. Stöhr (Nat.-Soz.): Die Ge- fchaftsordnungsreform werden wir schon verbin- dern!

SMvnWonsabKchi«« dev Ssvokttto«

Der Widerstand gegen die Geschäftsordnungsreform des Reichstags.

Berlin, 7. Febr. Zur Vorbereitung der heu­tigen Verhandlung über die Geschäftsordnungs­reform haben die Nationalsozialisten, wie die „D. A. 3 “ berichtet, gestern eine Besprechung abgehalten, dre sich bis in die späten Abendstunden ausdehnte. Wie das Blatt erfährt, wollen die Oppositions­parteien gemeinsam versuchen, die Beschluhunfâhig- keit des Reichstags herbeizuführen, um das Zustande­kommen der Reform vorläufig zu verhindern.

Nationalsozialisten und Deutschnationale wollen bei allen Anträgen, auch bei den Anträgen auf Aufhebung der Immunität einzelner Abgeordneter, namentliche Abstimmung verlangen, um durch die dann notwendig werdenden über hundert namentlichen Abstimmungen die Mehrheitspar- leien zum Abbrechen der Abstimmungen zu veran- lassen. Die Rechtsparteien hoffen dabei auf die 2HU- HUfe der Kommunisten.

Die hinter der Regierung stehenden Parteien bereiten, wie das Blatt erfährt, Gegenmaßnahmen vor, um unter allen Umständen zu versuchen, sämt­liche Anträge zur Genehmigung von Strafverfü­gungen und die Aenderung der Geschäftsordnung heute zu verabsckiedea.

eine 1932

anzuzeigen, daß der langsam« und zähe Aufbau und Vefreiungsweg des Bundes in Offensive übergegangen sei, die bis zum Jahre I mit einem vollen Sieg abgeschlossen würde.

«ationalloriaMe« und Gtablhelm-SoSkSbegebvs«

Essen, 6. Febr. Die Nationalzeitung, die in Westdeutschland als das maßgebende Blatt der NSDAP, angesehen wird, bemerkt heute zur Ein­reichung des Stahlhelm-Volksbegehrens folgendes: Seitens der politischen Tagespreise sind in diesen Tagen alle möglichen Kombinationen an das Stahl­helm-Volksbegehren geknüpft worden, die das Ver­halten der NSDAP zu dem Vorgehen, des Stahl­helms betreffen. Hierzu stellen wir fest: Wie der Führer Adolf. Hitler in den vergangenen Wochen schon mehrfach zum Ausdruck brachte, wird der Zeitpunkt eines Volksbegehrens und Volksentscheids unsererseits durch ihn bestimmt. Wir haben daher, solange Hitler zu dem Begehren des Stahlhelms keine Stellung genommen hat, keinerlei Veran­lassung, uns befürwortend zu äußern. Wir haben Anlaß anzumehmen, daß das auch die Ansicht maß­gebender Stellen der Partei ist.

Die Mimte des RekhMsmdbrmves

Berlin, 6. Febr. Der Reichslandbund teilt mit, daß er das vom Stahlhelm eingeleitete Volksbe­gehren zur Auflösung des Preußischen Landtages unterstützen werde.

Meivich «ege« den Aiein- mui des dsutkiden Volkes

Berlin, 6. Febr. Reichsfinanzminister Dietrich hielt heute abend bei einer vom Deutschland-Bund im Sportpalast veran­stalteten Kundgebung gegen politische Verwilderung eine Rede, in der er sich gegen den Kleinmut des deutschen Volkes wandte. Er führte u. a. aus:

die Mittelschichten, die früher politisch führend gewesen seien, liefen nach der Wahl vom Sep­tember dem Wahne nach. daß politisch etwas ganz Neues bevorstehe. Wirtschaftlich aber sei das ganze Volk iu einen lethargischen Zustand geraten, in dem der Unternehmungsgeist er­losch und das Jammern jeden positiven Willen übertöne. Zu einem großen Teil seien die wirl- schaftlichen Schwierigkeiten auf diese geistige Einstellung zurückzuführen.

Noch verwirrender aber sei die innen» und außenpolitische Großsprecherei der neu aufgekom­

menen Gruppen, die dem Volke vortäuschten, doi sie imstande wären, mit einem Schlage die schastlichen Nöte zu beheben und zugleich auj>J politisch bas Problem der Tributzahlungen lösen, indem sie erklärten, diese Verpflichtung einfa* durchstreichen zu wollen, als ob man mit einem Federstrich die Kriegsfolgen beseitigen könnte, u selbst die Sieger Frankreich und England zu trage» genötigt seien. Sei es nicht noch verwegener, meinen, daß man die Kapitalnot Deutschlands dm» Redensarten beheben könnte oder durch Ausgâ von irgendwelchen Geldscheinen, die nur eine neue Inflation Hervorrufen würden? Mit schlechten teln könne man einer guten und großen Sach« M dienen. Notwendig sei das Eindringen in die sch^ rigen Fragen. In der ganzen Welt wachse allen!, halben das Verständnis, daß in den Tributjabiunge» eine Gesamtursache der weltpolitischen Sorgen und Nöte liegt.

Die Regierung kann den Kampf um die LSsun» der Aufgaben nicht allein führen. Das Volk und die Presse müssen mithelfen, und es muß getämpft werden mit den Waffen des Geistes, mit dem der Ueberzeugung und nicht mit den Methoden Demagogie.

Me ÄvleSnNse des deutsch«, MesevS Senfe in Voten

Berlin, 6. Febr. Der deutsche Sportflieger Hein, rieb Gruse, der aus dem polnischen Gefängnis ent. lassen worden ist, ist in Breslau eingetroffen.

Flieger schildert einem Vertreter der „Nachtausgabe' seine Erlebnisse u. a. folgendermaßen: Auf meinen, Fluge am vorigen Freitag geriet ich kurz rot Bentschen in dichten Nebel, verlor di« Orientiert™ und ging auf 200 Meter herunter, um bessere SH zu haben. Ich hatte keine Ahnung, daß ich mit auf polnischem Gebiet befand. Ueber Wollstein seift infolge Oelmangels der Motor aus. Mir blies nichts anderes übrig, als eine Notlandung dop zu nehmen. Nach kurzer Zeit erschienen Polizei- uni Zollbeamte aus Wollstein. Man brachte mich aus die Polizeiwache. Erst gegen 18 Uhr erschien« zwei Polizeibeamt«, die mich zu Fuß nach dem 6» richt brachten. Auf dem Gericht wurde ich not einem Richter und einem Staatsanwalt sehr W führlich verhört. Auf dem Richtertische lagen u,; Photographien und Putzlappen. Die Putzlapp« waren zu einem dicken Bündel zusammengelegt. meinen Augen wurde das Bündel auseinandn- gewickell und es kam ein photographischer Apvam deutschen Ursprungs von der Größe 4% mal 6 a zum Vorschein. Auf den Kopf wurde mir zugesch daß dies mein Apparat sei, was jedoch falsch w«, da ich meinen Apparat in Schneidemühl zurüt gelassen hatte. Man legte mir eine Photograph» von der Größe 4& mal 6 cm vor und beschuldig mich, mit diesem Apparat die Aufnahme gemäß zu haben. Dieses Bild stammte jedoch gar nicht dm mir. Wie raffiniert man mir irgendetwas am Zeuzi zu flicken veriuchte, zeigt folgendes: Mir wurde rot weitere Photographie von der Größe 4% mal 6 cm gezeigt und erklärt, daß auch dies« Aufnahme mi dem bewußten Apparat gemacht worden sei. 5t Wahrheit war diese Aufnahme von meinem 5 nq 8 cm Apvarat vor langer Zest gemacht worde' und von Den Polen auf 4% mal 6 cm „jure# eschnitten", wrrdLL.. Dann wurde em Has'beM r-trtKHTTSvfrrn;^^ wurde vönëinem PMM MMWWWWWff âiM Macht, R nach Lissa transportiert zu werden... ,

Sin AnkMas ans Mussolini?

Rom, 6. Febr. Die Polizei verfolgte seit längeml Zeit die Bewegungen des aus Sardinien stammen' den bekannten Anarchisten Michel S ch i r r u, M im März 1930 Amerika verlassen hatt« und mf langen Wanderungen durch versa-.ebene Sanier Europas vor kurzem nach Italien mit tem Dor satz gekommen war, politische Terrorakte aus zuführen. Vorgestern abend wurde Schirru k einem Hotel im Zentrum Roms v e r h a f.t e t. W auf dem Polizeirevier eine Leibesvisitation non genommen werden sollte, zog der Verhafte plötzA einen Revolver aus der Tasche und gab mH rere Schüsse auf die drei anwesenden Polizei' beamten ab, von denen einer schwer, die bei)# mberen leichter verletzt wurden. Hierauf riffelt er die Waffe gegen sich selbst, ohn« sich!«' doch lebensgefährlich zu verletzen. Schirr» ialk noch in einem anderen Hotel ein Zimmer gemietet Dort wurden zwei Höllenmaschinen, I mit hochbrisanten Sprengstoffen geladen waren unb auf Schlag- oder Zeitzündung' eingestellt werde« konnten, aufgefunden.

Schirru hat im Laufe eines langen Verhöre erklärt, daß er seit seiner frühesten Jugend anat1 distilchen Ideen gehuldigt habe. Während seines Aufenthaltes in Paris im vorigen Sommer sei N der Gedanke gekommen, einen Anschlag aul Mussolini auszuführen. Die DurchführunS dieses Planes habe er in Belgien vorbereitet. Charleroi habe er mit eigenen Händen die jetzt W ihm beschlagnahmten Bomben Hergestell tum sich in Lüttich die nötigen Sprengstoffe zu ib^ Ladung verschafft. Er sei nach Rom gekommen mit der festen Absicht, seinen Plan auszuführen uw war mit der Ueberlegung der Einzelheiten »f schäftigt als er verhaftet wurde. Schirru ist de« Sondergerichtshof zum Schutz des Staates üben antwortet worden, der auf Grund der bestehende« Gesetze die Handhabe hat, über den Anarchisten d>« Todesstrafe zu verhängen. Bezeichnend ist er, "chirru sich als Aufenthalt in Rom das Royal ausgesucht hat, das in der Via Venti Seim mie liegt, die Mussolini fast täglich durchauert. ist also denkbar, daß Schirru vor seinem Hotel de« Kraftwagen Mussolinis auflauern wollte.

Lâ-s LeSesramme.

GffsnbahnunslttB bei âvakau

Kalkowlh, 7. Febr. In der NSbe Gükerbahnhofes von Krakau fließen heute gegen 5 Uhr zwei Schnellzüge Berlin— Kaltowitz^ Krakau—Warschau aufeinander. Die beiden moliven sollen entgleist und zahlreiche Wagen lrümmerl sein. Einzelheiten liegen der hiesigen Eisenbahndirektion noch vor. Tatsache ist nur, daß bis zur Stunde £ um 7.05 in Kallowih fällige Schnellzug aus noch nicht eingetroffen ist, auch sonst keine dieser Strecke. Es heißt, daß zahlreiche Tote zu ” klagen seien. *