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Vanau Stadt und Land
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3. Sebeuair
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Die nationalsozialistische Reichstagsfraktion hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, der den Reichspräsidenten ersucht, den Reichstag gemäß Art. 25 der Reichsverfassung sofort aufzulöfen. *
Im Fraktionszimmer des Zentrums im Reichstag trat gestern nachmittag der Geschäfts- führende Vorstand der Deutschen Zentrumspartei zu einer längeren Be- ratung zusammen. Anwesend waren u. a. auch Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsarbeitsminister Steaerwald und Reichsinnenminister Dr. Wirth. In Dieser Sitzung wurden u. a. die Fragen behandelt, die mit dem Steuervereinheitlichungsgesetz in Zusammenhang stehen. Da diese Fragen besonders die süddeutschen Länder interessieren, waren auch die Führer des württembergischen, badischen und hessischen Zentrums hinzugezogen worden.
„Dirke Luft" im Reichstag
Ernste Probe säe die Parteien - Die «ationatkoriatifte» foedeen AuftSiuns des Reichstages
Berlin, 3. Febr. Der Reichstag findet bei seinem heutigen Zusammentreten das vor, was man im Felde als „dicke Luft" zu bezeichnen pflegte. Der Reichslandbund hat feine Tagung mit dem Feldgeschrei „Fort mit dieser Regierung" beschlossen. Die Nationalsozialisten haben einen Antrag eingebracht, der nicht mehr und nicht weniger fordert als die sofortige Auflösung des Reichstags und auch der Sparantrag der Volksparkei trägt zur Verschärfung der Lage bei.
Im Buchdruckgewerbe ist ein Schiedsspruch gefällt worden, der den tariflichen Spitzenlohn bis zum 30. August auf 55 RM festlegt.
Der Funktelegrammdienst für Flugpassagiere ist gestern auf der Strecke Berlin- Dresden — Prag— Wi
ien eröffnet worden.
* Jm Prozeß Tausend kamen die Sachverständigen zu dem Ergebnis, es bleibe die einzige Möglichkeit bestehen, daß das Gold von Taufend in betrügerischer Absicht in den Arbeitsprozeß eingeführt worden sei.
Die apostolische Nuntiatur teilt mit, daß der Papst den Domvrobst von Köln Dr. Joseph Vogt zum Bischof von Aachen ernannt hat. Die Ernennung erfolgte gemäß dem Konkordat
Wie wir hier schon wiederholt andeuketen, gedenkt der Kanzler sich durch alle diese Sturmzeichen in seinem Kurs nicht beirren zu lassen. Er ist — und das Kabinett mit ihm — der Auffassung, daß es jetzt vor allem gelte, die Nerven nicht zu verlieren. Auch dann nicht, wenn die Mehr- Hxit für eine ordnungsmäßige Verabschiedung des Haushalts 1931 sich nicht finden sollte. Heute ist es nicht mehr zweifelhaft, daß die Regierung bei einem Versagen der Parteien ihre Maßnahmen zur Stabilisierung von Ruhe und Ordnung ohne die Volksvertretung durchzuführen gedenkt. Greift Dr. Brüning abermals zum Artikel 48, so müßte der Reichstag von neuem über die Aufhebung einer solchen Notverordnung Beschluß fassen. Die unausbleibliche Folge einer Aufhebungsentscheidung wäre, was die Nationalsozialisten wollen: Auflösung und Neuwahlen. 3m anderen Falle würde der Reichstag vermutlich bis zum herbst vertagt werden.
Der „Zungdeutsche" mahnt das Parlament, sich
dieser außerordentlichen Verantwortung bewußt zu sein. Neuwahlen im Mai oder 3 u n i könnten Deuls chland in noch viel größere Krisen werfen, als es die find, in denen es sich schon befindet. Auch die „Germania" redet den Parteien ins Gewissen und versichert, daß der Kanzler vor einem rebellierenden Reichstag nicht kapitulieren werde. „Die Regierung, so erklärt das Kanzlerorgan, ist entschlossen, den Reichshaushalt so durchzuführen, wie er ist und sich nicht auf Abänderungen einzulassen, die eine vollkommene Verschiebung der finanziellen Verpflich. lungen bedeuten. Der Reichstag steht vor einer neuen, vielleicht seiner ernstesten probe. Wenn er sie besteht, wird er der Ordnung der Finanzen und damit der Festigung der Finanzen dienen. Wenn er sie nicht besteht, wird die Regierung auch ohne ihn den Weg gehen müssen, der die Ordnung im Staate garantiert."
Die Reform dev AZiOstass
Kandidaten. *
Die Bomben-Wasserflug zeuge, die unter dem Kommando des italienischen Luftfahrtministers Balbo an dem Brasilienflug teilnahmen, sind, wie den italienischen Zeitungen aus Rio de Janeiro berichtet wird, von der brasilianischen Regierung erworben worden. Balbo tritt mit seinen Begleitern am kommenden Mittwoch auf einem italienischen Passagierdampfer die Rückreise an.
Die türkische Kammer hat die Todesurteile des Kriegsgerichtes gegen 28 Verschwörer von Menemen b e st ä t i g t. Nur in vier Fallen wurden : die Todesstrafen in Gefängnis umgewandelt.
Dor ihrer Abreise aus Allahabad, wo sie Be- -sprechungen mit Gandhi gehabt hatten, erklärten mehrere Führer des Windischen Kongresses, daß sich eine Lösung der schweben» den Fragen vielleicht finden lassen ! werde.
GkttdSmmuttg vekuev Agitation - âanzfvasen, âß- tvanensantvSge, SntsVvMaironen werden in der Aenderung neu gesegelt
Berlin, 2. Febr. Zwischen Mitgliedern des Reichskabinetts, Vertretern des Reichs- tagspräfidiums und der einzelnen Parteien haben heute vormittag Besprechungen über die Aenderung dec Geschäftsordnung des Reichstages stattgefunden. Man hat sich zunächst auf vier Punkte geeinigt:
In Le Havre ist am gestrigen Montag ein Teil der Dockarbeiter in den Streik getreten, weil die Arbeitgeber eine von ihnen verlangte Entschädigung nicht bewilligen wollten.
Associated Preß meldet aus Mexiko: In der überfüllten Kathedrale in Guadalajara entstand gestern während der Mittagsmesse infolge des Einsturzes eines der Kirche benachbarten Gebäudes eine Panik. Die Anwesenden drängten zu den Ausgängen. 60 Personen wurden verletzt, davon Zwölf schwer.
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Wie der Associated Preß aus Bogota (Kolumbien) gemeldet wird, sind bei Zusammenstößen aus Anlaß der gestrigen Kongreßwahlen min- bestens 27 Personen getötet und 21 verletzt worden.
In einer Besprechung mit den Eisenbahngesell- Ichaften erklärte der kanadische Minister für das ^inwanderungswesen, die Beschränkung der Einwanderung nach Kanada werde im Jahre 1931 nicht gelockert werden, jedoch werde sie entsprechend der Aufnahmefähigleit des Landes gehandhabt werden. Nur solche Einwanderer würden zugelassen, die genügend Kapital zur Bestreitung ihres Unterhalts in den ersten Monaten besitzen und die überdies als von ehrlichem Willen erfüllte Ansiedler betrachtet werden können.
Zn Neuloslmthal im Bezirk Tachau Mesen bei einer Tanzunkerhalkung die «rüber Ignatz und Andreas Wenzl aus Böhmisch- nenhäusl mit dem Häusler Grünberger aus Neu- °i>mthal in Streit, in dessen Verlauf einer der bei- den Brüder den Grünberger durch einen Schuß title. Kurze Zeit später wurden beide Bruder mit schweren Verletzungen int Walde ausgefunden. Matz Wenzl war bereits tot. Andreas Wenzl starb M darauf im Tachauer Krankenhaus. Eine Ge- M-kommlssion und eine Abteilung Gendarmerie ^ben sich an den Tatort begeben,
*) Näheres siehe Im politischen Teil.
1. Die Behandlung von Vertrauensund Mißtrauensanträgen wird grundsätzlich geändert durch die Feststellung, daß eine amtierende Regierung ohne weiteres das Vertrauen des Parlaments besitzt, wenn es ihr nicht ausdrücklich entzogen wird. Die grundlegende Aenderung kommt dadurch zum Ausdruck, daß künftig die Entziehung des Vertrauens ausgesprochen werden soll. Außerdem wird bestimmt, daß alle Anträge, die sich auf die Person eines Ministers oder des Kanzlers beziehen, nur in der Vollversammlung des Reichstages zulässig sind.
2. Eine Verschärfung der .Disziplinarmaßnahmen soll dadurch eintreten, daß man in den § 90 der Geschäftsordnung eine Bestimmung einfügt, wonach ein Redner, dem das Wort entzogen worden ist, in der gleichen Sitzung nicht noch einmal sprechen kann.
3. Vorlagen, die sich mit F i n a n z f r a g e n beschäftigen, sowohl Regierungsvorlagen wie auch Initiativanträge der Parteien gegen in Zukunft sofort an den zuständigen Ausschuß. Soweit Anträge aus dem Parlament neue Ausgaben vorsehen, können sie nur bei Zustimmung der Regierung ange- nommen werdest, und sie sind nur zulässig, wenn
sie gleichzeitig eine Deckungsvorlage enthalten. Dabei kann über einen Antrag auf Erhöhung der Ausgaben und über den Deckungsvorschlag nur gemeinsam, nicht getrennt abgestimmt werden. Als Deckung im Sinne dieser Bestimmung gilt es nicht, wenn in einem Antrag die Einnahmen aus einer bestimmten Steuerquelle einfach höher geschätzt werden, als die Regieungsvorlage vorsieht. Ob es sich um eine Finanzvorlage handelt oder nicht, entscheidet der Reichstagspräsident.
4. Die Zulässigkeit von Interpellationen, also Anfragen über bestimmte Tatbestände, wird künftig davon abhängig gemacht, daß sie nur Tatsachen, die der Klärung bedürfen, enthalten, nicht aber Kritik und Angriffe auf die Regierung. Unparlamentarische Aeußerungen in Interpellationen sind unzulässig, und der Reichstagspräsident hat in einem, solchen Fall das Recht, die ganze Interpellation zurückzuweisen, wobei der Aeltestenrat als Revisionsinstanz gilt.
Zu diesen vier Vereinbarungen müssen nunmehr die Fraktionen Stellung nehmen. Wenn sie den Vorschlägen zustimmen, wird zunächst der Aeltestenrat, dann der Geschäftsordnungsausschuß sich damit zu beschäftigen haben.
Meß« Austritt aus dem VStrevbund ArrivSse im AustVâvtise« Ausschuß abgelebut
Berlin, 2. Jebr. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages hatte am Montag
eine
Entscheidung zu treffen, der man mit großer Spannung seit langem entgegensah. Ls lagen ihm zwei Anträge vor, die auf den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund abzielten.
Die Frage dieses Austrittes ist seit geraumer Zeit in politisch interessierten Kreisen viel erörtert worden, auch außerhalb der Reihen der Antragsteller. Die Kommunisten hatten die weitgehendste Forderung gestellt, sie verlangten den sofortigen Austritt aus dem Völkerbund. Der nationalsozialistische Antrag lautete: „Die Reichsregierung wird ersucht, angesichts des völligen Versagens des Völkerbundes, vor allem in der Frage des Schutzes der nationalen Minderheiten und in der Abriistungsfrage, gemäß Artikel 1, Absatz 3 der Dölkerbundssatzung den Aus-
tritt Deutschlands aus dem Völkerbund durch Kündigung seiner Mitgliedschaft vorzubereiten."
Für den Antrag der Kommunisten stimmten nur diese selbst, so daß er sofort abgelehnt war. Auch der nationalsozialistische Antrag blieb in der Minderheit, da es den Antragstellern nicht gelang, die Vertreter des Landvolkes und der christlich-sozialen Gruppe zu sich herüberzuziehen. Für den Antrag stimmten außer den Nationalsozialisten nur die Deutschnationalen und die Kommunisten, womit er abgelehnt war.
Die verschwundene »Wer
Die Wellen der Wirtschaftskrise haben endlich auch Frankreich überflutet, dasselbe Frankreich, das bis jetzt als eine Insel der Prosperität galt. Die Wirtschaftstheoretiker, die diese Insel für uneinnehmbar hielten, haben sich geirrt. Es gibt heute kein einziges Land, das sich von der Außenwelt isolieren und in der Zeit gedeihen könnte, wo es allen übrigen schlecht geht. An dieser elementaren Wahrheit muß nunmehr auch Frankreich glauben.
Schon die Häufung von Bankkrachs und Korruptionsasfären bei gleichzeitigem Rückgang der Produktion mußte jedem aufmerksamen Beobachter bedenklich stimmen. Und doch war es für viele ein Blitzschlag aus heiterem Himmel als bekannt wurde, daß der französische Haushalt zum ersten Mal seit einer Reihe von Jahren nicht ausgeglichen ist, sondern einen Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Francs aufweist. Wie ist es dazu gekommen?
Die Antwort auf diese Frage ist nicht schwer zu finden: die Steuereinnahmen blieben hinter dem Voranschlag zurück — eine Erscheinung, die sich in allen von der Krise heimgesuchten Ländern schmerzlich bemerkbar macht. Man bedenke aber, daß Frankreich noch im Vorjahre einen Einnahmenüberschuß von mehreren Milliarden aufweisen konnte!
Die Franzosen sind als Menschen bekannt, die mit dem Gelde besonders sorgfältig umzugehen verstehen. Umso überraschender kam für die breite französische Oessentlichkeit das De- Ijsizit. ^Allerdings der französische Haushalt wies 4«' ' ' •
rapide Steigerung auf. Von 39,5 Mi im Jahre 1927 ist er auf 50,3 Milliarden im laufenden Jahr gekommen. Diese letzte Zahl muß nach um 1,8 Milliarden erhöht werden, die im Rahmen der neueingeführten Sozialversicherung ausgegeben werden müssen. Dieses ungeheure Anwachsen des staatlichen Budgets ist zum Teil durch die erhöhten Mili- tärausgaben, zum Teil durch die stets zunehmenden Schuldenzahlungen zu erklären. Doch konnte das reiche Land bis jetzt ohne erhebliche Schwierigkeiten dieses Riesenbudget tragen. Im Laufe der Jahre hat die Presse so gut wie gar nichts über den Stand der Staatsfinanzen gebracht. Jetzt nun plötzlich ist dieses Thema zum Mittelpunkt der Pressediskussion geworden. Wo es schmerzt da greift man hin.
Die Defizitzahlen des französischen Budgets sprechen eine umso beredtere Sprache als die französische Wirtschaftsstatistik, die an Genauigkeit recht viel zu wünschen übrig läßt, bisher das Anschwellen der Krise zu verbergen wußte. Heute, nachdem die erste Schockwirkung da ist, macht man in Frankreich immer neue Enthüllungen. Es stellt sich unerwarteter Weise heraus, daß das „Land ohne Arbeitslose" in Wahrheit eine recht beträchtliche Arbeitslosigkeit aufzuweisen hat. Während nach offiziellen Angaben die Zahl der Arbeitslosen von Ende 1929 bis Mitte November 1930, also bis zum Beginn der eigentlichen Krise von 700 auf 17 000 gestiegen ist, ist es heute ein offenes Geheimnis, daß die Zahl der Kurzarbeiter, welche nicht mehr als 24 Stunden pro Woche tätig sind, seit langem eine Million überschritten hat. Was die offizielle Zahl von 17 000 Arbeitslosen betrifft, so muß dabei berücksichtigt werden, daß die Institution der Sozialversicherung im November des vergangenen Jahres noch nicht funktionierte, und daß die französischen Arbeiter, streng individualistisch gestimmt, bisher von dem Anmelderecht zum Empfang der Arbeitslosenunterstützung so gut wie keinen Gebrauch gemacht haben. Nach inoffiziellen Berechnungen gab es in Frankreich bereits vor einem Vierteljahr über 200 000 arbeitslose Franzosen, von den zallreichen Ausländern ganz abgesehen, die bisher in Fabriken untergebracht waren, die aber heute in immer größerer Anzahl das Land zu verlassen gezwungen sind. Daß das Steigen der Arbeitslosigkeit eine nur schwache Widerspiegelung des allgemeinen Produktionsrückganges ist, braucht kaum erwähnt zu werden. Es genügt nur darauf hinzuweisen, daß der Rückgang der Be anspruchung des französischen Eisenbahnnetzes in der zweiten Woche des laufenden Jahres
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