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Mittwoch den 28. Januar 1931

Ät. 23

gung wechselte und zunächst bei den Radikalen landete. Joseph Caillaux war dabei sein Be­schützer. Noch vor kurzem galt Laval als Se­nator der Linken. Heute steht er zu Tardieu

und Maginot und wird von den Radikalen bekämpft. So hat er einen Weg zurückgelegt, den vor ihm Millerand und zum Teil auch Briand gegangen si

Die Regierung &

'ind.

Die Regierung Laval ist politisch schwer be­lastet. Gehören ihr doch neben Tardieu Poli­tiker wie Maginot und Flandin an. Maginot, der Kriegsminister, ist als Rüstnngsfanatiker weit über die Grenzen Frankreichs hinaus zur Genüge bekannt. Flandin hat, als er noch Mi­nister im Kabinett Tardieu war, eine großan­gelegte Propagandareise durch Ost- und Süd­europa gemacht mit dem unverhüllten Ziel, die französische Hegemonie unter den Vasallen Frankreichs zu befestigen und die anderen Länder in die Einflußsphäre Frankreichs ein­zubeziehen. Es hat nicht viel gefehlt, so hätte man auch den berüchtigten Kammerabgeord­neten Franklin Bouillon als französischen Mi­nister gesehen, dessen Deutschfeindlichkeit immer krankhaftere Formen annimmt. Der Versuch Lavals, diesen ehemaligen Radikalen mit einem Ministerportefenille zu beschenken, schei­terte am Widerstand Briands, dessen Politik von Franklin Bouillon in der Kammer ge­hässig bekämpft wird. Solche Kollegen wie Maginot stören aber Herrn Briand anschei­nend nicht. Der französische Außenminister ist ein großer Taktiker. Anscheinend glaubt er, die Politik der Abrüstung und Befriedung mit Hilfe der offenen Feinde dieser Politik ebenso „erfolgreich" durchzuführen wie bisher . . . Ganz so leicht wird ihm dies nicht gemacht werden. Auf alle Fälle steht fest, daß seine Arbeit schwieriger sein wird als zur Zeit des gestürzten Ministeriums Steeg, in dem er per­sönlich bedeutend mehr Aktionsfreiheit besaß als im neuen Kabinett Laval, wo er als euro­päisches Weltkind zwischen den Nationalisti­schen Propheten Tardieu und Maginot sitzt.

Hugenbergs «acoten fite 1931

Reichsgründungsfeier der D. N. V. p.

Berlin, 27. Jan Die Deutschnationale Volkspar- tsi veranstaltete im dicht besetzten Sportpalast eine Reichsgründungsfeier, die der'Parteivorsitzende Ge­heimrat Dr. Alfred Hugenberg zu einer programmatischen Rede benutzte, in der er u. a. ausführte: Spätestens im Frühjahr 1932 ist verfassungsmäßig ein neuer preußischer Landtag zu wählen Im Frühjahr 1932 ist auch ein neuer Reichspräsident zu wählen. Das ist der Entschei- ■bungstampf. Auf ihn richtet sich fünf Vierteljahre hindurch der Geist und der Wille des deutschen Vol­kes. Das ist unsere erste Parole für 1931. Aber ist es nölig^daß wir noch fünf Viereljahre lang tiefer und tiefer in das Elend hineinmarschieren? Wir Bedangen, daß der veränderten VolksWirmrng^ Rechnung getragen und daß der Preußische Land­tag aufgelöst und neugewählt wird. Das ist unsere zweite Parole für 1931. Denn was ist das Ball­spielen zwischen Sozialdemokratie und Zentrum an­deres als eine verkappte Große Koalition? Wir rufen schon heute laut und öffentlich den von uns gewählten Reichspräsidenten an, der übers Jahr vor dem Ende seines Amtes steht: Möge er auf der Hut fein, nicht in das Gegenteil von dem Hinein­gezogen zu werden, was er will, in die geschichtliche Verantwortung für einen neuen Staatsstreich, für einen Staatsstreich in Preußen, dem die Reichswehr Gewehr bei Fuß gegenübersteht wie 1918 das alte Heer der roten Matrosenrevolution! Wir verlangen zum Beweise dessen, daß man so etwas nicht will, die Neuwahl des Preußischen Landtags in diesem Frühjahr! Aber wir sind gefaßt darauf, daß um diese Forderung gekämpft werden muß. Je länger man die Landtägswahl verschiebt, umso mehr steigt im Herzen des deuichen Volkes das Barometer auf Sturm. Das neue Reich, für das wir kämpfen, steht klar vor unseren Augen. Es ist Bismarcks Reich und noch ein ganz anderes Reich.

Es gibt einen Weg, der unser Volk aus dem Elend herausführen kann, nur die nationale Oppo­sition kann ihn weisen und gehen. Kurz konnte man ihn mit dem Worte bezeichnen: zurück zur Helfferichsmart! Wir werden denen, die guten willens sind, den aesetz- und vertragsmäßigen Ausweg auch aus solchen selbst gelegten Schlingen zeigen, mögen die heute Verantwortlichen nur erst einmal abtreten und uns ihren Platz einräumen. Die wirtschaftspolitische Rettung unseres Volkes, das ist die dritte Parole für 1931. Dr. Hugenberg schloß mit den Worten: In allen Fugen zittert das, was heute noch den Namen Deutsches Reich, den Namen der Schöpfung Bismarcks führt. Es zittert in allen Fugen, weil es nicht mehr von feinem Geiste und vom Geiste der großen deutschen Väter beseelt ist. Aber wir wollen: Es soll nicht fallen' Der alte Geist soll in neuen Formen neu auf­richten.

Hofprediger D. Doehring knüpfte an die letzten Worte Dr. Hugenbergs an und stellte die Frage, ob sich wohl jemals in der Weltgeschichte einer unsterblicher blamiert habe als die Führer der Sozialdemokratie. Sie hetzten den Arbeiter in den Umsturz hinein, um ihn heute in Erwerbslosig­keit oder Kurzarbeit verelenden zu lassen.

Der Redner führte weiter aus, Arm in Arm mit den Sozialdemokraten gehe das Zentrum. Sollte der kluge Brüning nicht wissen, weisen Schritt­macher er ist?, daß neben ihm sein Koalitions- genoffe Braun marschiert, der seine politischen Ten­denzen deutlich genug in seinem bekannten Wort offenbart habe: Marxismus und Bolschewismus unterscheiden sich nur im Tempo! Die deutsche Nation lasse das Reich Brünings samt seinen bol­schewistischen Folgezuständen hinter sich und sehe dem dritten Reich, dem neuen deutschen Kaisertum entgegen.

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Verhandlungen im Strafrechtsausschuß

Berlin, 27. Jan. Im Reichstagsausschuß Pst Strafrechtsreform wurden gestern unter

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Der Haushalt des AeichsveeLedesminifteeiums M die Gehälter der leitende»» Reichsbahnbeamten sollen herabgesetzt werden

Berlin, 27. Jan. Der Haushaltsausschuß des Reichstages erledigte heute einige Kapitel des Etats des Reichsverkehrsministeriums. Dabei wurde ein kominunistifcher Antrag angenommen, wonach veranlaßt werden soll, daß die Beförderung der Schwerkriegs- und Schwerunfallverletzten bei Entrichtung des Fahrpreises für die 3. Klaffe in der Polsterklasse erfolgt. Ein nationalsozialistischer An­trag, wonach der Minister alle Schritte unterneh- mne sollte, um die Auflösung der Reichsbahndirek­tion Magdeburg zu verhindern, wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt.

Einstimmig angenommen wurde dagegen ein na­tionalsozialistischer Antrag, wonach die Reichsbahn veranlaßt werden soll, die hohen Gehälter des Ge­neraldirektors und der hohen Reichsbahnbeamken den Gehältern der gleich zu bewertenden Reichs­beamten anzupassen und auch die Entschädigungen der Verwaltungsmitglieder entsprechend herabzu­sehen.

Gelegentlich des Etatskapitals über den Reichs- waslerfchutz, dessen Aufgaben auf Preußen und Sacysen übergehen sollen, entspann sich eine längere Aussprache.

Die Abgeordnetn Berndt (Dnatl.), Dr. Gereke (Lv.) und Morath (DVp.) griffen den Erlaß des preußischen Innenministers Severing an, der vor Uebernahme der betreffenden Relchswasserschutz- offiziere eine genaue Prüfung hinsichtlich ihrer Ver­fassungstreue verlangt hatte.

Reichsverkehrsminister v. Guèrard bemerkte daraufhin, es fei damit zu rechnen, daß der Ueber- gang des Reichswasserschutzes auf die Länder sich noch bis zum 1. Juli verzögern könnte. Von dem Erlaß des preußischen Innenministers habe er zu­erst durch Herren des Reichstages Kenntnis er­halten. Er müsse gestehen, er fei durch das Vor­gehen des preußischen Innenministers befremdet gewesen. Er habe hiergegen Einspruch erhoben; denn bis zur Ueberführung auf die Länder seien die Beamten ihm beamtenrechtlich unterstellt. Das

Vorgehen des preußischen Innenministers bedeute, i

nicht nur einen Eingriff in die Rechte des Verkehrs- Kraftfahrwesens und des Eisenbahnwesens unner Ministers, sondern auch in die Reichszuständigkeit. I ändert genehmigt.

Vorsitz von Dr. Kahl (Deutsche Vp.) Teile der Paragraphen 9 und 15 behandelt, die eine genaue Umschreibung der Begriffe „Kind" und „Jugend­licher" im Sprachgebrauch enthalten und die straf­rechtliche Verantwortung des Kindes und des Jugendlichen festlegen?

Die Vorlage unterscheidet zwischen .Kindern", worunter die noch nicht 14 Jahre alten Personen verstanden werden. und ^Jugendlichen" womit die Person bezeichnet sind, die 14, aber noch nicht 18

M KM Mn jWWMichK^ im Sinne der Altersstufe ist die Rede im Para­graphen 15 bezüglich deren Zurechnungs- f ä h i g k e i t. Die Behandlung von Personen zu regeln, die vor Vollendung des 18. Lebensjahres eine strafbare Handlung begangen haben, überläßt die Vorlage einem besonderen Jugendge­rich t s g e s e tz. Da ein allgemeines Strafgesetz­buch indessen nicht ganz an der Frage vorübergehen kann, welche Bedeutung dem Alter des Täters für die Zurechnungsfähigkeit beizumessen ist, spricht Paragraph 15 in Uebereinstimmung mit dèm Jugendgerichtsgesetz den Grundsatz aus, daß Kin­der bis" zum vollendeten 14. Lebensjahr ftrafun- mündig sind.

Die Sozialdemokraten haben einen Antrag eingebracht, daß die Strafunmündigkeit bis zum vollendeten 16. Lebensjahr erstreckt werden soll, Die Nationalsozialisten wollen sie bis zum 15. Lebensjahr ausdehnen. Angenommen würde der s o z i a l d e m o k r a t i f ch e Antrag. Als Altersgrenze für „Jugendliche" wurde dagegen das 18. Lebensjahr beibehalten.

Der Ausschuß genehmigte dann die Bestimmun­gen über die Zurechnungsfähigkeit in der Fassung der Vorlage, ebenso die Bestimmungen über Vor­satz und Fahrlässigkeit. Im weiteren Verlauf der Beratung wurde beschlossen, daß als „Kind" im Sinne des Strafgesetzbuches gilt, wer noch nicht 16 Jahre alt ist. Cs wurde also der sozialdemokratische Antrag angenommen, die strafrechtliche Zurech nungsfähigkeit nicht schon mit dem 14., sondern erst mit dem 16. Lebensjahr eintreten zu lassen. Als Altersgrenze für „Jugendliche" wurde dagegen das 18. Lebensjahr beibehalten.

Der Ausschuß genehmigte bann die Bestim­mungen über die Zurechnungsfähigkeit in der Fassung der Vorlage. Ebenfalls in der Fassung der Vorlage wurden die Bestimmungen über B o r* satz und Fahrlässigkeit angenommen.

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Der Iustizminister weist die Staatsanwälte an

Berlin. 27. Jan. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst^ mitteilt, hat der preußische Justizmini­ster Dr. Schmidt die Staatsanwaltschaften er­neut darauf hingewiesen, daß es im Staatsinteresse unerläßlich sei, die durch Wort, Druck oder Schrift gegen den Staat und feilte Organe gerichteten Be­leidigungen mit dem ihrer Bedeutung für das öffentliche Leben entsprechenden Nachdruck und mit größter Beschleunigung zu bekämpfen. In Sonder­heit müsse dem häufig zu beobachtenden Streben der Angeklagten, die Aburteilung zu verschleppen, mit Strenge und mit allen nach der gegenwärtigen Rechtslage zu Gebote stehenden Mitteln entgegen getreten werden. Erforderlich sei auch, daß die Staatsanwaltschaft mit Ernst und Nachdruck das Staatsinteresse in den Mittelpunkt ihrer Ausfüh­rungen stelle und in der Regel ensprechend der von dem Täter an den Tag gelegten Niedrigkeit der Ge­sinnung empfindliche Freiheitsstrafen in Antrag bringe.'

Der Iustizminister weist weiter die Staatsan­waltschaften daraus hin, daß bei einfachen Fällen im Interesse beschleunigter Aburteilung die Frage zu prüfen sei, ob der Erlaß eines Strafbefehls in Frage komme. Abgesehen von Fällen mit verwickel- ter Sachlage könnte in solchen Strassachen auch im beschleunigten Verfahren Anklage erhoben werben.

Die in Rede stehenden Offiziere seien als Wasser­schutzbeamte seit zehn Jahren im Reichsdienst. Dem Reichsverkehrsminister feien niemals Bedenken hin­sichtlich ihrer Verfassungstreue zu Ohren gekommen.

Zur Sache übergehend, erklärte der Minister: Zur Bekämpfung der Hochwassersolgen sei eine dauernde Zusammenarbeit mit Preußen notwendig. Ueber das Verhältnis zwischen Reichsbahn und Kraftwagen hoffe er, noch in der ersten Hälfte des Februar einen Gesetzentwurf vorlegen zu können, der beiden Verkehrsmitteln das ihre gibt. Ebenso sei eine Vorlage vorbereitet, die die vom Reich be­absichtigten Bauvorhaben für Wasserstraßen zusam­menfaßt und die Finanzierung der Bauten auf eine neue Grundlage stellt.

Zum Schluß fand eine eingehende Erörterung des Luftsahrtkapitels statt. Die Sozialdemokraten hatten eine Reihe von Kürzungen beantragt. Der Verkehrsminister wies darauf hin, daß kein Gebiet so schwierig sei wie die Luftfahrt, namentlich wegen der großen Distanzierung von den anderen Län­dern. Das Ziel sei die Gesamtbesreiung der deut­schen Luftfahrt von dieser Distanzierung. Deutsch­land müsse sich sehr einrichten, um mit geringen Mitteln unter den luftfahrttreibenden Nationen Geltung zu behalten. Mit großer Schärfe wandte sich der Minister gegen den in Genf unternommenen Versuch, die Zivilluftfahrt in die militärische Ab­rüstungskonvention einzubeziehen. Sehr energisch setzte er sich für die deutsche Verkehrsfliegerschule ein, deren Unterhaltsinittel, im Jahre 1929 von 3,5 auf 2,3 Millionen RM gekürzt worden seien, und er bat um Ablehnung des sozialdemokratischen Kürzungsantrages. Der Ausbau der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt sei für die Flugsicher­heit und die Verbesserung der Motoren ein unauf­schiebbares Problem geworden. Gegen die Gehälter der Flugzeugführer könnten keine grundsätzlichen

Einwendungen erhoben werden.

Alle sozialdemokratischen Anträge auf Drosselung verschiedener Mittel für den Lustfahrthaushalt wur­den darauf abgelehnt, der Luftfahrtshaushalt und die allgemeinen Ausgaben auf dem Gebiete des

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Berlin, 27. Jan. Wie der gewerkschaftliche Presse­dienst mitteilt, ließ das Reichsarbeitsministerium erkennen, daß keine Aussicht besteht, daß der Schiedsspruch für die Reichs- und preußischen Sraatsangejtelllen, der eine öprozennge Gehalts-.

könnte. Die Organisationen stimmten daher trotz schwerer Bedenken einem Vorschlag des Reichs- arbeitsministeriums zu, wonach laut Schiedsspruch für die Monate Februar und März eine öprozen- tige und ab 1. April eine sechsprozc-ntige Gehalts­kürzung eintritt. Als Abgeltung für die Pflichibei­träge zur Angestellten- und Erwerbslasenversiche­rung erfahren die kürzungspflichtigen Bezüge noch eine Verringerung, so daß der Gehaltsabzug ab 1. April rund 5,7 Prozent beträgt.

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auf eine nationalsozialistische Autokolonne

Görlitz, 27. Ian. Nach einer gestern in Sagan bei Muskau abgehaltenen nationalsozialistischen Versammlung, bei der es bereits zu Schlägereien mit Kommunisten gekommen war, wurden die spät in der Nacht 'n zwei Lastkraftwagen nach Hause fahrenden Nationalsozialisten in der Nähe der Grube Theresia von den Kommunisten mit Back­steinen beworfen, so daß 13 Nationalsozialisten, zum Teil schwer verletzt wurden. Die Verletzten mußten im Muskauer Ratskeller verbunden werden. Von den Kommunisten, ^ie sich in einer Stärke von etwa 35 Man an dem Ueber fall beteiligt hatten, konnten im Laufe der Nacht 11 Mann festgestellt werden. Ein großes Landiägeraufgebot ist noch mit dm Er­mittlungen beschäftigt. ,

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Aufrechterhaltung des Boykotts und des Salv kampfes

Bombay, 27. Zan. In einer Unterredung mit einem Pressevertreter erklärte Gandhi, die Frei­lassung der indischen Führer werde nur dann ihre volle Wirkung ausüben können. wenn alle wegen „zivilen Ungehorsams" Verurteilten ebenfalls frei­gelassen würben. Selbst, wenn die Steife des All- indischen Kongresses glaubten, auf Grund der Er­klärungen Wacdonals ihre Mitarbeit zum Ver­fassungswerk anbieten zu dürfen, so würde man doch weder auf das Recht, Streikposten vor den Ge­schäften auszuskellen, noch auf dasjenige, für die Millionen Hungernden Salz herzustellen, verzichten können.

Grbwere Iusammeusihtze in Bombay

Bombay. 27. Jan. Aus der Esplanade, wo sich heute eine gewaltige Menge eingesunden hatte, um Gandhi reden zu hören, kam es zu schweren Zusaim- menstößen, bei denen zahlreiche Personen verletzt wurden. 31 Verletzte mußten in die Krankenhäuser gebracht werden, wo eine Frau ihren Verletzungen erlag. Die Rednertribüne, von der Gandhi sprechen sollte, war von dichten Menschenmassen umlagert, so daß Gandhi den Zugang versperrt fand und seine Absicht, eine Ansprache zu halten, aufgeben mußte Er ist heute abend, von mehreren Führern der nationalistischen Bewegung begleitet nach Allahabad abgereist.

Anschlag auf einen Gisenbahnzug

Breslau, 27. Jan. Wie die Reichsbahndirektioil mitteilt» wurde heute bei Kilometer 9.02 der Strecke Meleschwitz—Breslau—Schottwitz ein 60 Kilogramm schwerer Chausseestein auf die rechtsseitigen Schienen gelegt. Der Triebwagen 1430. der um 6.34 Uhr diese Stelle passierte, schleifte den Stein elf Meter mit und kam zum Halten Nach Entfernen bes Steins konnte der Triebwagen die Fahrt fortsetzen. Personen sind nicht verletzt. Am Triebwagen sind der Schienenräumer und der Hahn des Luftbehälters beschädigt. Die Täter sind noch nicht ermittelt.

In der Nähe der jetzigen Attentatsstelle wurde vor etwa fünf Wochen ebenfalls ein Attentat ver­übt. Auf einem Chausfetz-Uebergang bei Breslau- Schweitfch wurde damals eine starke, mehrere Meter lange Eisenstange in die Fahrtrille gelegt. Offenbar war beabsichtigt, den Zug zur Entgleisung und jum Absturz in das an dieser Stelle vorbeifließende Schwarzwasser zu bringen. Das Hindernis wurde jedoch rechtzeitig bemerkt. Es handelt sich wahr, scheinlich um bi? gleichen Täter.

Ium MayhacheV GVubsn- ungSüB

Saarbrücken, 28. Jan. Das Oberbergamt Saar­brücken veröffentlicht eine längere abschließende Mit, teilung über die Entstehung und Ausdehnung des Maybacher Grubenunglücks am 25. Oktober v. 3«. Aus der Mitteilung geht hervor, daß die anfänglich Vermutung, der Ausgangspunkt der Explosion sei im Hauptquerschlag zu suchen, nicht aufrecht erhalte» werden könne, vielmehr deuten starke Koksbildunzi und Brandfpuren im Holz darauf hin, daß die Ex plosion im Aufbau der westlichen Grubenstrecke m Flöz 4 auf der 4. Tiefbausohle zu suchen ist. Eine Annahme, die noch verstärkt wird durch die Tat­sache, daß hier eine Benzinlampe gestanden hat, deren Drahtkorb deutliche Spuren des Durchschla­gens der Flamme aufweist. Die im Aufbau oorhaa- denen Schlagwetter sind wahrscheinlich zur Entzöm dung gekommen und hatten in dem vorhandenen Kohlenstaub kräftige Nahrung. Eine große Zahl der Verunglückten wurde ein Opfer der Vergiftungen durch die Nachschwaden der Explosion.

Eine Bluter erschießt ihren Sohn und vergiftet sich selbst

Königsberg, 28. Jan. Die Ehefrau des Zoll- kommiffars Neumann tötete heute in Abwesenheit ihres Mannes ihren 14jährigen Sohn durch einen Revolverschuß, während die zwei anderen Kinder sich dem gleichen Schicksal durch die Flucht ent­ziehen konnten. Als die Geflohenen mit Mitbe­wohnern, Polizei und Feuerwehr sich Eingang in die Wohnung verschafften, hatte Frau Neumam sich mit Gas vergiftet. Es wird angenommen, das die Uinglückliche ih geistiger Umachtung gehandelt hat.

Selbstmord im Untersuchungsgefängnis

Nürnberg, 27. Jan. Der frühere Vorstand eine

Untersuchungsgefängnisses erhängt. Rund soll ein 48 000 RM unterschlagen haben. Er hatte bem kurz vor seiner Verhaftung einen Selbstmordv'e' such unternommen.

Attentat auf den italienischen Generalkonsul in Zürich

Zürich, 27. Ian. Auf den italienischen General konsul in Zürich wurde heute vormittag durch einen jungen Italiener namens Lino Bassi, der schon mehrmals erfolglos auf dem Konsulat wegen einet Unterstützung aus der Militärdienstzeit vor­gesprochen hatte, ein Attentat verübt. Bassi, der auch heute wiederum durch den Vizekonsul abgr- wiesen wurde, verlangte den Generalkonsul zu spre­chen, der ihm den Entscheid der Regierungsstelle aut Ablehnung vorlas. Darauf schoß Vassi auf den Ee- neralkonsül Bianchi, der eine Verletzung der linken Lunge, des unteren Leibes und der linken Hand er­litt. Sein Zustand ist nicht lebensgefährlich. Der Täter konnte auf der Straße verhaftet werden.

Furchlbar« Jamilientragöbie

Belgrad, 27. Jan. In Alt-Kanisza bei Zen» hatte vor etwa zwei Monaten der Kaufmann Trist Javanov sein ganzes Geld 3500 Mark, in einer Nacht im Kartenspiel verloren. Obwohl er Vater von neun Kindern war, beging er Selbstmord durch Erschießen. Die Last zur Erhaltung der gesamten Familie ruhte nun auf den Schultern des erst 15' jährigen ältesten Sohnes. Da dieser nicht so Diel Geld verdienen konnte, um seine Geschwister um seine kranke Mutter zu ernähren, sagte er sich gleich' falls eine Kugel durch den Kopf. Von der Leiche der Sohnes eilten nun die Mutter und die älteste Toch­ter an die Theiß, banden sich mit einem Stria zusammen und sprangen in den Fluß. Fischer, die die Vorbereitungen beobachtet hatten, eilten herb^, konnten aber die beiden nicht mehr retten.

Nobiles Retter löblich abgestürzl

Der schwedische Fliegeroffizier Hauptmano Lundborg, der Retter von Nobile, ist am Dienstaß in der Nähe von Lindköping mit seiner Maschine abgestürzt. Lundborg wurde so schwer verletzt, vag èr kurz nach dem Unfall verschied. Das Flugzeug ist vollkommen zertrümmert.

Geisteskranker Lokomolivführer

Kopenhagen, 27. Jan. In Nordschweden hat eine unheimliche Entdeckung die Bevölkerung aufge­schreckt. Es hat sich gezeigt, daß der Nordland- Schnellzug ein halbes Jahr lang unter seinen Loko­motivführern einen Mann hatte, der völlig geil^’ krank ist und häufig an epileptischen Anfällen liu- Es wurde festgestellt, daß er öfter bewußtlos während des Dienstes auf der Lokomotw- gelegen har, während der Zug dahinsauitc Es ist ein reiner Zufall, daß kein Unglück geschehen ist, und auch nur durch einen Zufall wurde der Zu­stand entdeckt. Dieser Lokvmotiofiihrer Erik BeE gren wurde nämlich in Lulea wegen Dieb­stahls von Schmucksachcn und Uhren verhaftet. Während der Vernehmung kam der Behörde der Gedanke, daß es nicht gaM risttig mit ihm bestellt sei. Der Arzt, der ihn beob­achtete, stellte fest, daß er geisteskrank ist. itf Krankheit hat bereits im vergangenen Sommer an gefangen und sich seitdem schwer verschlimmert, jo daß der Mann als gefährlich für seine Umgebung bezeichnet wird.