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Selke 6

Dienstag den 27. Januar 1931

sind 120 evangelisch, 3 römisch-katholisch, 1 israeli­tisch. Die Zahl der Schulkinder betrug 5449; es waren 2776 Knaben und 2673 Mädchen. Dem Be­kenntnisse nach waren 5187 Schulkinder evange­lisch, 133 röm'sch-katholisch, 78 israelitsch, 3 frei­religiös. 48 sonstige (Sekten). Bei Beginn Les Schuljahres 1930/31 wurden 784 Kinder neu ins 1. Pflichtschuljahr ausgenommen, außerdem wur­den noch 64 Knaben und 177 Mädchen in Privat­schulen neu ausgenommen (Schulrekruten). Das Schulwesen steht unter Leitung des Herrn Kreis- schulrates Göckel in Büdingen.

v Langenberghelm, 27. Jan. Am Mittwoch, abends 8 Uhr, finden in der Gastwirtschaft von Ed. Frank ein Bortrag über das Thema: „Fütterung des Milchwehes" durch den Direktor des Land­wirtschaftsamtes Büdingen, Herrn Grimm, statt.

k Niedergründau. 24. Jan. Der hiesige Fußball- sportverein, gegr. 1929, hielt am Freitag abend in der Gastwirtschaft Emmel seine Generalversamm­lung ab. Zum 1 Borsitzenden wurde Herr Wil­helm Faß wiedergewählt, zum 2. Vorsitzenden Herr Wilhelm Schneider 2. neu gewählt. Ebenso wurden die Herren Karl Semmel als Schriftführer, Karl Henning'als Kassierer und Willy Preißler als Vor­sitzender des Spielausschusses wiedergewählt.

Kreis Gelnbaule«.

s Gelnhausen, 27. Jan. Der dem Verband Hessischer Keinkaliberschützenvereine angeschlossen« Kreisverband Gelnhausen der K. S. hielt hier bei recht stattlicher Beteiligung, unter der Leitung des Kreisschießmeisters, Revierförstex Kuba aus Geln- hausen-Altenhaßlau, sein diesjähriges Wrnter- fchießen ab. Vertreten waren 14 Vereine des Kreises, von denen 19 Mannschaften zu je 5 Schützen und 38 Einzelicbützen in den Wettbewerb traten. Jungmannschaften stellten die Vereine Schlierbach, Wächtersbach und Altenhaßlau. Wah- 'rend des Schießens wurde dem verdienten Vor- sitzenden des Kreisverbandes, Landwirt G. H. Stichel aus Gondsroth, die vom Landesverband Hessen verliehene „Ehrennadel für besondere Ver­dienste um den Kleinkalibersport" verliehen, bzw. überreicht. Beste Jungschützenmannschaft blieb Schlierbach mit 320 Ringen. In der Wettkampf- klasse 2 siegte die erste Gelnhäuser Gruppe mit 463 Ringen, die zweite Gelnhäuser Gruppe hatte 291 Ringe. An zweiter Stelle stand Schiierbach 1. mit 373 Ringen. Beste Einzelleistungen erzielten bei den Jungschützen Wagner-Wächtersbach mit 81, bet den älteren Schützen Kuba-Altenhaußlau mit 93 Ringen. ,,

k Gelnhausen, 26. Jan. In der Zeit vom 10. bis 15 Februar d I. findet in Gelnhausen (Steitzsaal „Brauhaus") eine Abendsingewoche statt. Die Leitung hat Herr Bernhard von Peinen, Frank­furt a. M., vom „Finkensteiner Bund" übernom­men Der allgemeine Teilnehmerbeitrag ist auf 3 RM festgesetzt Ueber die Aufgabe und den Zweck der Veranstaltung sagen die Veranstalter, Kreisjugendpflegerin Frl. Luise Wien und Kreis- jugendpfl. Dr. Michels. u. a. folgendes: „An vielen Orten hat das neue Singen neues Leben geweckt. Viele Menschen tragen die Gewißheit in sich, daß solches Singen vor der Frage steht, was Volk-Sein in dieser Gegenwart bedeutet. Wo diese Frage lebendig ist, kann eine musikalische Erneuerungs­bewegung, wie sie beispielsweise der „Finkensteiner Bund" bedeutet, sich nicht beschränken auf Aus­bildung von Erziehungstheorien oder Lebendig­erhaltung der Gebrauchsmusik der Jugendbewe­gung. Unsere Zeit entfesselter Mächte läßt sich nicht durch gesteigerte Einzelbildung bewältigen, sondern nur durch Einordnung in neue Bindungen. In die­ser Art „gebunden" ist das Volkslied. Auf es wer­den wir besonders hören müssen. Je nach der Ar­beitsfähigkeit des sich zusammenfindenden Kreises werden wir auch zu entfalteterer Musik und zur Aussprache über grundlegende und wesentliche Ge­setzmäßigkeiten kommen . . . Die Menschen, die das innerliche Schicksal unseres deutschen Volkes tragen, stehen überall. An ihrem Dasein wie an unser aller Not werden Volkslied und Singen eine Richtkrast zu bewähren haben, um derentwillen allein aufgerufen wird. Das Ziel der Abendsinge­woche erfordert Hingabe und Strenge. Werden sie von den Teilnehmern aufgebracht, wird die Freude am Tun nicht ausbleiben, ebenso wird ernstes Fachwissen auf seine Rechnung kommen . . ." Das Mindestalter für männliche Teilnehmer ist auf 17, für weibliche auf 16 Jahre festgesetzt.

s Meerholz, 25. Jan. In seinem Vereinslokal, der Gastwirtschaft Kaufmann, hielt am Samstag abend der hiesige Verkehrsverein (Ortsgruppe Meerholz des Spessartbundes e. V.) seine dies­jährige Generalversammlung unter Leitung des Vorsitzenden Wilhelm Stumpf ab; die erstatteten Berichte über das Wanderwesen, Verkehrsverbesse- rungen usw. ließen eine rege Vereinstätigkeit für das Jahr 1930 und überhaupt eine sehr vielver­sprechende Entwickelung des Vereins erkennen. Was insbesondere die Hebung des Fremdenverkehrs im Orts und der Umgebung anlangt, so hat der Verein innerhalb der kurzen Zeit seines Bestehens schon manches Erwähnenswerte erreicht und es verstan­den, Meerholz zum Wanderziel größerer Vereini­gungen usw. zu machen. Auch die lokale Orts- geschichte und die sonstigen, hiehergehörigen Be­lange erfreuen sich eines regen Augenmerkes seitens des Vereins, der demnächst auch eine Heimatsamm­lung zu errichten gedenkt und sich nach jeder Seite hin Mühe gibt, auch kulturell zu wirken und den Orts- und Geschichtssinn der Eingesessenen zu he­ben. An der Aussprache über die Möglichkeiten der Steigerung des Fremdenverkehrs, Verkehrsverbesse­rungen u. a. m. beteiligte sich in besonderem Maße Bürgermeister Paul. — Ein größeres Gesangs­konzert wird am kommenden Sonntag der einhei­mische Gesangverein „Frohsinn" seiner zahlreichen Gönnerschaft bieten und mit einem größtenteils Werke neuzeitlicher Tonschöpfer umfassenden Pro­gramme aufwarten. Inmitten der Darbietungs­folge, die Chöre von Lendvai, Arnold Mendelssohn, Koeßlèr u. a. m. verzeichnet, steht als eine Ehrung der Opfer der letzten schweren Grubenkatastrophen in Schlesien, Rheinland und Saarbrücken der Chor „Bergmannslos" von Prof. Heuser. — Eine Mo­zartfeier veranstalteten am Dienstag, 27. Februar, die Volksschule Meerholz, der Kirchengesangverein und der Gesangverein „Sängerlust" im Saale der Gastwirtschaft Jost.

ss Neuenhaßlau, 26. Jan. Am Samstag abend hielt die hiesige Turngemeinde im Vereinslokal „Zum Adler" ihre diesjährige Jahreshauptver­sammlung ab, die sehr gut besucht war. Nachdem

der Vorsitzende die Mitglieder begrüßt hatte, er­stattete er einen ausführlichen Jahresbericht. Er erwähnte vor allem die Schaffung des Handball­platzes und dankte allen, die sich an dieser Arbeit beteiligten. Des weiteren streifte er die Teilnahme und die Erfolge am Gauturnfest und Jugendtur­nen, sowie die Tätigkeit der Faustball- und der Handballabteilung. Der Kassierer Philipp Betz gab den Kassenbericht und der 2. Turnwart Heinrich Schultheis den Turnbericht. Recht interessant war der Spielbericht des 1. Spielwartes Konrad Schneider, aus dem hervorging, daß die Handball­mannschaft im verflossenen Jahr außer den 12 Pflichtspielen 17 Freundschaftsspiele austrug, wäh­rend sich die Faustballmannschaft bei den in Nie­derrodenbach ausgetragenen Gaumeisterschaften als die beste Mannschaft der A-Klasse erwies und in diesem Jahre an den Spielen der Meisterklasse teil­nimmt. Im Anschluß an diesen Bericht ergriff der Vorsitzende das Wort und ermahnte die Mitglie­der der Handballaüteilung in diesem Jahre die Spiele mit größerem Eifer durchzu führen, damit ein besserer Tabellenplatz erreicht wird. Nach Ent­lastung der einzelnen Vorstandsmitglieder wurde zur Neuwahl des Vorstandes geschritten, die fol­gendes Ergebnis zeitigte: 1. Vorsitzender Karl Ja­kob Betz (Wiederwahl), 2. Vorsitzender Philipp Stichel (Wiederwahl), 1. Kassierer Philir- Betz (Wiederwahl), 2. Kassierer Wilhelm Weingärtner (Neuwahl), 1. Schriftführer Wilhelm Wagner (Neuwahl). 2 Schriftführer Heini Wälzlein (Neu­wahl), 1 Turnwart Karl Weingärtner (Neuwahl), 2. Turnwart Heinrich Schultheis (Wiederwahl),

1. Spielwar» August Semmel 3. (Neuwahl), 2. Spielwart Georg Semmel (Neuwahl), Zeugwart Heinrich Betz (Wiederwahl), Beisitzer Konrad Betz (Neuwahl). Als Vertreter für den Gautag wurde Philipp Stichel bestimmt, für den Gauspieltag Philipp Stichel und August Semmel. Der diesjäh­rige Familienabend soll Anfang März abgehalten werden. Die Vorarbeiten wurden dem Vorstand übertragen. Nachdem noch einige kleine Angelegen­heiten erledigt waren, schloß der Vorsitzende nach Gesang des Turnnerliedes die harmonisch verlau­fen« Versammlung

ss Neuenhahlau, 26. Jan. Der hiesig« Bauern­verein hatte gemeinsam mit dem Darlehnskassen- verein für Sonntag abend zu einem Filmabend im Saale „Zum deutschen Haus" eingeladen. Herr Ernst Wilhelm Herbert eröffnete in seiner Eigen- schaft als Vorsitzender des Bauernvereins und Vorsteher des Darlehnskasienverein den Abend, und begrüßte alle Erschienenen. Er erteilte zunächst Herrn Geschäfsführer Semmel das Wort, der einen sehr interessanten Vortrag über das Thema „Vor­teile des genossenschaftlichen Ein- und Verkaufes" hielt. Herr Dr. Stoewe verbreitete sich sodann über richtige, gewinnbringende Düngung und über die Beschaffung von wirtschaftseigenem, eiweißreichem Kraftfutter durch Pf'ege und Düngung der Wiesen und Weiden und vor allem durch Anbau von Lu­zerne. Im Anschluß an seine Ausführungen führte Herr Dr. Stoewe einen mit Schallplattenmusik be­gleiteten Film „Mit 60 PS ins Glück" vor. In einer äußerst interessanten abwechslungsreichen und mit köstlichem Humor gewürzten Handlung wird die Reise des jungen Bauernsohnes Johann Zweifel geschildert, der auf der Fahrt durch Deutschland die landschaftlich schönsten Gegenden kennenlernt und x Einblick erhält in die Her- steüimg. ^Verwendung und die Erfolge des Tho-

w Somborn, 26. Jan. Der unter der Leitung des Herrn Chormeisters Berthold Dambruch-Hanau stehende rührige Gesangverein „Sängerlust" hielt am vergangenen Samstag abend im Saale von Karl Gutmann feinen diesjährigen Familien-Abend ab, der sich eines starken Zuspruchs erfreute und einen schönen Verlauf nahm. Der 1. Vorsitzende, Herr Vonrhein, sprach herzliche Begrüßungswarte. Gesangsvorträge, heitere Couplets und lustige Ein­akter füllten das reichhaltige Programm aus. Zum Schlüsse fand eine Verlosung statt.

m Somborn, 26. Jan. Das Fest der Silberhoch­zeit feiern morgen die Eheleute Landwirt Johann Brückner und Anna, geb. Bilz, Freigerichtstraße, und die Eheleute Schuldiener Adam Simon und Katharina, geb. Schneider, Friedrichstraße.

Aus Seanksuvt a. St.

Das Vev-verhen an einer fünfjährigen

In den Schwurgerichtssaal kommt ein kleines yräulein hereingetrippelt und hält ein Negerpüpp­chen am Arm. Die Mutter begleitet die fünf- jährige Erika zum Richtertisch, wo sie über ihr Er­lebnis Auskunft geben muß. Drunten auf der Anklagebank sitzt ein korpulenter, geistig beschrän­kt Mann mit gutmütigem Gesichtsausdruck, der 23jährige ledige Wilhelm Neuberger, der des Tot- sthlagsoersuchs und der Vornahme unzüchtiger Handlungen an einer Minderjährigen beschuldigt wird. Das Kind wird von der Mutter auf den Tisch gehoben, dann biegt es den Kopf nach hin­ten und läßt die Narbe der Wunde sehen, die ihm der Angeklagte im Stadtwald mit dem Taschen­messer beigebracht hat. Nachher sitzt Kleinerika still bei der Mutter und spielt mit dem Püppchen, der Vorgänge im Saal sich nicht bewußt. Die Tat Neubergers hat großes Aufsehen erregt. Am Nachmittag des ersten November war der Ange­klagte angetrunken. Am Kornmrakt gewahrt er das Kind, bietet ihm Bonbons, verleitet es sich ihm anzuschließen, fährt mit ihm in der Tram nach Sachsenhausen, nimmt das Kind unterwegs auf den Schoß, küßt, es, fragt es, ob er sein Papa sei, geht mit ihm in den Wald, in eine Schonung, nimmt unzüchtige Handlungen vor. Als die Kleine - es dämmert schon — schreit, wird er aufgeregt, bekommt es mit der Angst zu tun , daß Leute kämen, zieht sein Taschenmesser und sticht dem Kind in den Hals. „3n meiner Erregung sagte ich mir, daß das Mädchen dran glauben müsse, damit es mich nicht verrate", so äußerte er später, als ihn ein Kriminalbeamter vernahm. Das Kind schrie weiter, er läuft davon. In der Altstadt übernachtet er in einer Gastwirtschaft, die nächste Nacht schläft er im Haupbahnhof. Dann am folgenden Mor­gen, einem Montag, wird er in der Braubach- straße von der Polizei verhaftet, als er mit dem Taschenmesser, das er zu der Tat benutzte, sein Frühstücksbrot schnitt. Die weinende Klein« lief nach dem Hainerweg zu, fällt einem Radfahrer auf, der Blut an ihrem Kleidchen findet. Ein Oberlehrer nimmt sich des Kindes an und läßt es durch die Rettungswache ins Spital bringen. Die Kleine erzählt, daß sie gestochen wurde und bald

sind die Recherchen nach dem Täter im Gang, der sich nicht lange der Freiheit erfreuen sollte. Die Verhandlung vor dem Schwurgericht zeigt, daß der Angeklagte eine wenig selbständige Person ist, und daß er im angetrunkenem Zustand zur Gemein- gesährlichkeit neigt. Er war Volksschüler, kam aber nach drei Jahren ins Waisenhaus nach Id­stein und schließlich in das Heim Marienhausen bet Aßmannshausen. Bon dort erzählt er in sexueller Hinsicht Dinge, wie sie aus Lampels Revolte tm Erziehungshaus bekannt sind. Diese Angaben lassen auch erklärlich erscheinen, daß er sich im Vor­jahre an einem Jungen verging und Mitte März zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde, die man ihm bedingt aussetzte. Verkehr mit weib­lichen Wesen scheint er kaum gehabt zu haben, sicher war er zu ungelenk zu allem. Ueber stme Neigungen ist er sich selbst nicht klar. Sein Pech war, daß ihn andere an jenem Tag zum Trunk einluden. Der Angeklagte ist erblich belastet und geistig minderwertig. Die Verhandlung ergab weiter, daß durch den Stich große Gefäße nicht verletzt wurden. Das Gericht verurteilt M. im Sinne der Anklage zu zweieinhalb Jahren Gefäng­nis wobei es betonte, daß infolge der Gemein­gefährlichkeit des Tuns eine milde Bestrafung nicht am Platze fein könne.

Der Arfenlod der Schlaftranken.

: Im Jahre 1929 befand sich in der Nerven­klinik des städtischen Krankenhauses der 20jährige Telegrammbesteller Wilhelm Schmidt in Behand­lung. Der junge Mann hatte mit vierzehn Jahren eine Gehirngrippe besessen, die eine chronische Schlafkrankheit zur Folge hatte. Bon August bis Dezember 1929 war der Patient in ambulanter Be­handlung und bekam Einspritzungen gemacht. Der Zustand des Kranken muß sehr bitter gewesen sein, denn der ihn behandelnde Arzt erinnert sich einer Aeußerung des Schmidt, wonach er sagte, wenn es so weitergehe, schieße er sich eine Kugel durch den Kopf. Der Patient trug sich also mit Selbstmord­gedanken, eine Tatsache, die von wesentlicher Be­deutung in einer Verhandlung vor dem Großen Schöffengericht zu sein schien, denn als am 12. De­zember 1929 der Patient die Augen für immer schloß, da ergab es sich, daß er keines natürlichen Todes gestorben war, denn bei der Sektion wurde Arsenvergiftung festgestellt. Der normale Verlauf der Dinge war zunächst folgender: Schmidt bekam häufig Einspritzungen mit natrium cacodylium und sollte auch, als er an jenem 12. Dezember in der Klinik erschien, eine derartige Einspritzung erhal­ten, diesmal allerdings eine starke Dosis. Dieses arsenhaltige Mittel war ausgegangen und man schickte zur nächsten Apotheke. Als der dort ange­stellte Apotheker Arthur G. das Rezept in die Hand bekam, fiel ihm die hohe Dosierung auf. Er holte das Arzneibuch, beriet sich mit feinen Kollegen und gab das Mittel dann schließlich in der gewünschten Dosierung ab, da eine Maximaldosis bei diesem Mittel nicht vorgeschrieben ist. Das Mittel stand mit anderen Arsenpräparaten im Giftschrank. Der Provisor bezeichnet es als ganz ausgeschlossen, daß er eine Verwechslung begangen haben könnte, denn einmal sei gerade dieses Mittel im Gegensatz zu anderen Arsenpräparaten kristallförmig, dann hätte sich an den anderen arsenhaltigen Fläschchen kein solche« Quantum befinden können, wie man es hier

Klinik. Der Arzt prüfte nochmals das Rezept und dann bekam Schmidt die Einspritzung. Schon 15 Injektionen, die zu früheren Zeiten bei dem Pa­tienten gemacht wurden, waren gut abgelaufen, diesmal kam es anders. Der Arzt hatte zur In- jektion dem Fläschchen 5 ebem entnommen, bisher hatte der Patient nur bis 3,5 ebem eingespritzt er- Haltett. Schmidt fiel nach der Einspritzung plötzlich hin und es traten die typischen Erscheinungen einer Arsenikvergiftung auf. Gegen elf Uhr nachts starb der Kranke. Der Arzt ließ sofort das Fläschchen wegschließen und zwei Tage später hat es die Statsanwaltschaft Professor Dieterle zur Untersu­chung überwiesen, der zu dem Schluß gelangte, daß das Arsen, das abgegeben wurde, keines organischer Form, sondern anorganischer Form, also das gift­haltigere war. Es ist natrium arfenicosum. Sol­ches stand auch in dem Giftschrank. Der der fahrlässi­gen Tötung des Schmidt beschuldigte Apotheker würd« setzt vom Gericht zu vier Monaten Gesang- nis verurteilt.

200 Junglehrer werden in Frankfurt überflüssig

: Wie wir erfahren, schließt das Sparprogramm der Stadt Frankfurt am 1. April die Entlassung von 200 Junglehrern in sich. Um Einsparungen im Schuletat zu machen, sollen die Klassenzahlen ver­ringert werden, d. h. die Klassenfrequenz auf 50 Schüler erhöht werden. Gleichzeitig ist geplant, die Stundenzahl der einzelnen Lehrer heraüfzusetzen.

Das Frankfurter Wielelnigungsaml soll einer staat.

Uchen Behörde übertragen werden.

: Der Magistrat hat beschlossen, das Staats­ministerium zu ersuchen, die Aufgaben des städti­schen Mieteinigungsamtes einer staatlichen Behörde zu übertragen. Nach der Notverordnung vom 1. De­zember 1930 soll eine solche Uebertragung erfolgen, wenn der Umfang der Geschäfte des Mieteinigungs­amtes die Einrichtung oder Aufrechterhaltung einer besonderen Behörde nicht rechtfertigt. Der bisher schon eingetretene Rückgang der Geschäfte des Miet­einigungsamtes Frankfurt läßt diese Voraussetzun­gen als gegeben erscheinen.

Billigeres Schweinefleisch und Wurst in Frankfurt

: Die rückläufigen Einkaufspreise auf dem heu­tigen Schweinemarkt bedingen auch für die Metz­gereien einen Preisabschlag. Er beträgt für Schweinefleisch 5 Pfennig und für bessere Wurst­sorten bis zu 20 Psg. pro Pfund. Die weiteren neuen Verkaufspreise für den Monat Februar sol­len in einer am Mittwoch stattfindenden Versamm­lung der Schweinemetzger bekannt gegeben werden.

Vom Lastkraftwagen erfaßt und gelötet.

: Heute nachmitag gegen 4 Uhr wurde ein Rad­fahrer, der in der Richtung Kelsterbach fuhr, von einem Lastkraftwagen erfaßt und vom Rade ge­schleudert. Er geriet unter die Räder des Anhän. gers und wurde auf der Stelle getötet. Die Identi­tät des Toten konnte noch nicht festgestellt werden. Der Führer des Lastkraftwagens konnte festgestellt werden.

Für mehrere Tausend Wark Strümpfe und Wäsche gestohlen.

: In der Nacht zum Sonntag wurde in ein Ge­schäft in der Taunusstraße eingebrochen. Hierbei wurden Damenstrümpfe und Damenwäsche im Werte von einigen Tausend Mark gestohlen.

Ek« Deutkchev wkvd Museums, dkvektov in Bagdad

Prof. Iuliu» Jordan.

der Berliner Altertumsforscher, wurde zum Direkt» der Abteilung für Altertümer in Bagdad ernantz Prof. Jordan, der der Vorderasiatischen Abteils der Berliner Staatsmuseen angehört, trat sch- mehrfach durch erfolgreiche Forschungsexpeditim« hervor.

Aus «ab und Seen,

Verlagsdirektor Gotthelfl t

dl Kassel, 26. Jan. Der Verlagsdirektor des i 83. Jahrgang« erscheinenden „Kasseler Tagesblch Earl Gotthelst ist heute früh nach kurzer, schwrn Krankheit an einer chronischen HerzbeutelenW dung im Alter von 43)4 Jahren im LandeskraM Haus gestorben. Er war der älteste Sohn des Zs tungsverlegers, früheren Hofbuchdruckers Albs Gotthelst, dem Mitbesitzer des DruckereioerlaM „Kasseler Tageblatt", hatte in Kassel das Fr« richsgymnastum besucht, war dann als BuchdruK in Leipzig, München und Wien tätig, versuchte J dann in Wien und London als journalistischer M arbeitet. trat aber wieder in das eigentliche Ä lagsfach zurück und kam nach Kassel, wo er nach d« Weltkriege in die Verlagsleitung des „KossÄ Tageblatt" eintrat. Unter seiner Mitwirkung mutl dann in 1929 eine Arbeitsgemeinschaft mit ) „Kasseler Neueste Nachrichten" gegründet, mott auch der Druck und Verlag der „Kasseler Neue Nachrichten" in das Haus des „Kasseler Tageblai in die Kölnische Straße verlegt wurde. Es muri eine A.-G. für Druck und Verlag vormals Geb Gotthelst gegründet und in dieser A.-G. will Carl Gotthelst als kaufmännischer Direktor. unerwarteter Heimgang hat allseitige Teilnahi gefunden.

Tagung des Reichsbundes der Kriegsbeschädi-zK

— Kassel, 26._ Jan.^ Der Reichsbund der Krieg

seine 18. Reichskonserenz. ab. In ihrem öffentlich Teil sprach der zweite Bundesvorsitzende Noa-B« über den neuen Reichshaushalt und die Förden gen des Reichsbundes. Die Verhandlungen fanl ihren Niederschlag in einer einstimmig angeno menen Entschließung, in der zum Ausdruck gebro wurde, dastder Reichsbund in den Auswirkung der beiden Notverordnungen des Reichspräsidenl schwere rechtliche und wirtschaftliche Nachteile s die Kriegsopfer erblickt. Die Reichskonferenz fordi von der Reichsregierung und dem Reichstag, di künftighin alle Rechtsansprüche der Kriegsopfer nt dem Reichsversorgungsgesetz unter allen Umstand unangetastet bleiben. Trotz voller Würdigung 6 Notlage des Reiches müßte eine Reihe von brin sicher Forderungen bei den Beratungen des neu: Haushaltsplanes im Reichstage Beachtung findn U. a. wurde gefordert, daß mit Rücksicht auf d Ausgabebegrenzung nach der zweiten Notvemj nung die Schaffung eines besonderen Planes die Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterblieben!» Versorgung erfolgt und daß innerhalb der Verlos gung freiwerdenden Mittel zur Ausgestaltung e!» zelner Gebiete der Versorgung, vornehmlich ade derjenigen der Hinterbliebenen, verwendet werbt« Ferner sollen ausreichende Mittel, besonders für 6ii Rentenversorgungs-Zusatzrenten bereitgestellt M den, um Rückgriffe auf die KapitalabfindungsnM zu vermeiden. Diese müßten außerdem erhß werden, wie auch ausreichende Mittel zur Bewei!' erhebung und Kostenerstattung im Verloraunasv» fahren bereitgestellt werden müßten. Die Verlöt1 gung der alleinstehenden Kriegerwitwen müßte gi hoben werden. Außerdem spricht sich die EntW' ßung für die volle Aufrechterhaltung der Vor|of gungsbehörden aus.

Ein Lahnschiff knapp einer Sakastrophe entgangn Erneute Stillegung der Lahnfchiffahrt infolge Hochwassers

— Von der unteren Lahn, 26. Jan. Infolge M andauernden Regensälle der letzten Tage ist W Lahn erneut gestiegen, da besonders die Bergbächs viel Wasser mitführen. Bei Obernhof hat das SN „Lahnfahrt 2" einen schweren Unfall erlitten, d" leicht zu einer Katastrophe hätte werden sönnen. Durch die starke Strömung lief das hochgeladc"! Schiff auf Grund auf; dabei brach das Steuerrudi« Die Strömung trieb das Schiff aber weiter und Bemühunosn der Mannschaft, es ans Land zu brW' gen, blieben erfolglos Der Strompfeiler W Obernhofer Eisenbahnbrücke brachte das quer E dem Fluß treibende Boot in eine gefährliche ation. Nachdem es zunächst den herbeigeeilten C®1 wohnern von Obernhof gelungen war, ein vo^ Schiff geworfenes Drahtseil aufzufangen und einen Baum zu schlingen, riß das Seil wieder um das Schiff trieb mit großer Geschwindigkeit aus Brückenpfeiler zu. Noch im letzten Moment gelang es glücklicherweise, vom Ufer aus den Schiffern ew Seil zuzuwerfen, wodurch der Anprall gegen Brückenpfeiler verhindert werden konnte. Trotz' dem trieb das Schiff noch mehrere hundert Meter stromabwärts, ehe es am Ufer befestigt werde" konnte. Das Schiff hat außer dem Verlust des M ders noch starke Beschädigungen erlitten. Fracht mußte umgeladen werden. Es ist der erste größere Unfall feit der Wiedereröffnung der Lahn' schiffahrt vor zwei Jahren.