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Pt. 22 Dienstas den
23. Lanuav
1931
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. - Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch ans Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. ^Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernfpr. 3956, 3951,3958
ß-Wyk ^takeyklk-^ow
* Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde der sozialdemokratische Antrag auf Staffelung der Gehaltskürzung behandelt. Dietrich erklärte sich bereit, die Frage in einem Sonderausschuß erneut zu prüfen.
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* Der Führer des preußischen Zentrums, Hetz, sprach in Münster über die Koalitionsmöglichkeiten feiner Partei. Ein Zusammengehen mit den Extremen liege außerhalb jeder Möglichkeit.
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Gestern nachmittag 13.43 Uhr traf Reichs- außenrninist er 'Dr. Curtius mit den übrigen Mitgliedern der deutschen Delegation für die Genfer Ratstagug wieder in Berlin ein. Zu der ursprünglich für Dienstag angekündigten Katz i n e t t s s i tz u n g, in der der Bericht des Außenministers über Genf entgegengenommen werden sollte, erfahren wir, daß der Termin noch nicht festgelegt worden ist. Es ist jedoch anzunehmen, daß die Sitzung noch im Laufe dieser Woche statt« finden wird.
♦ Als Bewerber für die Oberbürgermeisterstelke in Berlin hat sich auch ein Zirkusdirektor gemeldet, der glaubt, auch mit dem Berliner Stadtparlament fertig zu werden.
Drei reichsdeutsche Studenten der Innsbrucker Universität und zwar Conen aus Rös- dorf (Rheinland), Klingmüller, Kiel, und Prenzel, Berlin, unternahmen am 22. eine Skitour auf die Lizum im Wattental. Es wurde festaestellt, daß sie die Nacht zum 23. noch auf einer Almhütte verbracht hatten Seither fehlt jede Spur von ihnen. Die Suche nach den Vermißten wird von mehreren Erpeditionen durchgeführt. Bisher waren alle Nachforschungen ohne Erfolg.
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schen Außenminister Dr. Schober ein neuer Freund- schafts- Vergleichs- und Schiedsvertag zwischen Oesterreich und Ungarn unterzeichnet, der eine Ergänzung des Vertrags vmn Jahre 1923 bilden soll.
Die bulgarische Regie ung bat an die italienische Regierung das Ersuchen gestellt, daß eine italienische Mil tärmission die Ausbildung der bulgarischen Armee überwacht. Italien hat sich bereit erklärt, diesem Ersuchen stattzugeben. Eine italienische Marinemission weilt bereits in der Türkei und in Griechenland, während die Heere der Kleinen Entente auf französische Sachverständige und auf französisches Kriegsmaterial angewiesen sind.
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In der Ost stelle bei der Reichskanzlei fand gestern eine Besprechung über die Meinungsverschiedenheiten zwischen der ostpreußischen Generallandschaft und der Landstelle Königsberg sowie über andere mit der Osthilfe in Verbindung stehende Fragen statt. An der Besprechung nahmen u. a. teil: Reichskanzler Brüning, Reichsminister Treviranus, ein Vertreter der preußischen Staatsregierung, ein Vertreter der ostpreußischen Generallandschaftsdirektion. v. Hippel, und Ministerialrat Mussehl, der Leiter der Landstelle Königsberg.
Der ehemalige demokratische Gouverneur des Staates New Jersey und frühere Bundessenator E d w a rd s brachte sich gestern in seinem Schlafzimmer eine Schußverletzung bei, an deren Folgen er abends starb. Der Sohn des Verstorbenen erklärte, sein Vater sei seit mehreren Monaten krank gewesen und habe an einer Gemütsdepression gelitten. Edwards war einer der Hauptgegner der'Prohibition.
Nach einer Meldung aus Moskau ist die Todesstrafe für böswillige Desorganisierung des Berkehrswesens von der Zentralexekutive angeordnet worden. Darunter sind einbegriffen oerspä- tete Abfertigung von Zügen oder Dampfern, Ber- stopsung auf den Strecken, mangelhafte Reparatur an dem beweglichen Eigentum der Eisenbahnverwaltung oder irgendwelche Nachlässigkeit, die zu Unglücken führen oder aber Staatseigentum be» schädigen kann. Ebenfalls soll die Nichtdurchfüh- rung des Planes mit der Todesstrafe zu büßen sein.
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Nach der Kopenhagener Zeitung Politiken schweben zurzeit Verhandlungen zwischen dänischen und französischen Politikern, deren Ziel eine dä- uisch-französische Zusammenarbeit bei Kolonisie- ^ngsarbeiten in großem Stil in Nordfrankreich ist. soll eine große Anzahl von landwirtschaftlichen Anwesen nach dänischem Muster und mit dänischen Arbeitskräften errichtet werden.
Wie aus Santiago de Chile gemeldet wird, sind auf der der chilenischen Küste vorgelager- wn Insel Chiton überaus reiche Platinvorkammen futdeckt worden. Das Gestein soll, wie sich aus den 'n Deutschland und England angestellten Versuchen ergeben habe, 12 bis 14 Gramm Platin je Tonne Ergeben.
*) Näheres siehe im politischen Teil.
Das franzSMche Lavine«
gebildet
Laval mruMevpvSftdent, Nviand Autzenmwrftev
Paris, 27. Jan. Um 1.30 Uhr nachts französischer Zeit teilte Laval den Pressevertretern mit, daß das Kabinett gebildet sei. Die Kabinettsliste lautet wie folgt:
Ministerpräsident und Inneres: Laval, Senator, parteilos:
Justizminister: Céou B é r a r b, Senator, rep. Union (poincaté);
Außenminister Briand. Sozialrepublikaner:
Kriegsminister: Maginot, Abgeordneter, dem..soz. Aktion;
Marineminister Dumont, Senator, radikale Fraktion;
Luslsahrtminister: Dumesnil, Abgeordneter ehem. radikal. Partei;
llnterrichtsmiaister: Mario Roussin, Senator, radikal;
Finanzminister: Flandin, Abgeordneter,
Linksrepublikaner;
Budgetminister: p i é l r i, Abgeordneter, Linksrepublikaner;
Oeffenltiche Arbeiten: Dellgne, Abgeordneter, radikale Linke;
Arbeitsminister: Landry, Abgeordneter, radikale Linke;
Handelsminister: Rollin, Abgeordneter, Linksrepublikaner;
Ackerbauminister: Tardieu, Abgeordneter, Linksrepublikaner;
Minister für Handelsmarine: de Lhappede- l a i n e, Abgeordneter, radikale Linke;
dikaie Linke;;
Kolonialminister: Paul Reynaud, Abgeordneter, dem.-soz. Aktion;
Pensionsminister: Champetier de R i - b e s. Abgeordneter, katholischer Demokrat.
- Von den 18 Ministern und 12 Unterstaatssekretären, aus denen sich das Kabinett Laval zu- sammensetzt, sind 5 Senatoren und 25 Abge- i s,nete. Die 5 Senatoren sind: 1 unabhängiger
48 Oiefee Reichstag arb-Ustäbis 7
Oie Sovavboite« füv die beginnende «aviamentsseMon
Berlin, 27. Jan. Am kommenden Dienstag tritt der Reichstag erneut zusammen. Es ist, wenn man so will, die Haupttagung der Heurigen Parlamentsfession Ja ihr wird zu entleiben haben, ob und wie weit dieser Reichstag überhaupt arbeits- fähig ist. In Regierungskreisen glaubt man noch immer, daß es möglich sein wird, aus dem Parlament vom 14. September vorigen Jahres ein einigermaßen brauchbares In-
strument zu formen.
Nach dieser Richtung hat man in den letzten Wochen schon vorgearbeitet: Auch die Reise des Kanzlers, die die „Kreuzzeitung" gehässig und weg- werfend „Propagandareise" nennt, sollte wohl mehr oder weniger solchem Ende dienen. In der lausenden Woche gedenkt man diese Vorarbeiten mit besonderem Eifer fortzusetzen. Am Montag fand bereits eine Besprechung des Kanzlers mit Vertretern der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion statt über die von den Sozialdemokraten beantragte Staffelung bei der Kürzung der Beamtengehälter. Eine Besprechung mit Vertretern der Deutschen Volkspartei gewissermaßen als Fortsetzung der neuerlichen Konferenz mit dem Abge- ordneten Dingeldey soll folgen: Die Vertreier der Deutschen Volkspartei sollen sich bei der Gelegenheit darüber äußern, welche Sparmöglichkeiten sie bei ihrem 300-Millionen-Antrag im Auge haben.
Der „Demokratische Zeitungsdienst" will dann noch wissen, daß im Laufe der Woche auch zwischen den Parteien selber eine engere Fühlungnahme stattfinden soll. Der, Recchstags- präsident Löbe hat bekanntlich vor ein paar Tagen im „Vorwärts" Vorschläge zu r Parlamentsreform veröffentlicht. Darüber will man sich nun eingehend unterhalten. Unter anderem soll angeregt werden, nach dem Beispiel anderer Staaten Anträge, die finanziell Aufwendungen er- fordern, nur dann zuzulassen, wenn mit ihnen auch gleichzeitig Anträge verbunden werden, die für die so entstehenden Ausgaben Deckung sichern. In diesem Zusammenhang wünscht man auch Maßnahmen zu treffen gegen den Mißbrauch der Immunität durch Reichstagsabgeordnete, die gleichzeitig als verantwortliche Redakteure
Laval, 3 Radikale Dumont, Roustan und Josiot, 1 Mitgl. der Republ. Bereinigung Bèvard. Die 25 Abgeordnete verteilen sich auf die Parteien wie folgt: 6 Linksrepublikaner: Tardieu, Flunder Radikalen Linken: Dëngüe, Chappedekaine, Guermer, Landry, Gerard. 4 Mitglieder der Demokratischen Vereinigung: Maguinot, Reynand, Tonted und Frey; 3 Mitglieder der sozialen und radikalen Linken: Richë, Catala und Morinaud; 2 Sozialrepublikaner: Briand und Pomaret; 2 Mitglieder der Rep. demokr. Vereinigung: Fould, Blaisot; 1 Kath. Demokrat: Deribes und 2 Parteilose: Dumesnil und Foulon.
zeichnen, und auf diese Weise ihre Blätter dem gesetzlichen Zugriff entziehen. Die „Vossische Zeitung" meint, daß die Besprechungen zwischen den Parteien über eine Reform der Geschäftsordnung, die ein sachliches Arbeiten des Reichstages ermöglichen soll, noch ehe die eigentlichen Etatsberatungen beginnen, in der Form von Initiativanträgen vor dem Reichstag ihren Niederschlag finden sollen.
Reform der Geschäftsordnung des Reichstages
Berlin, 27. Jan. Die Besprechungen der Millel- parkeren und der Sozialdemokraten über eine Aenderung der Geschäftsordnung des Reichstages haben, den Blättern zufolge, dazu geführt, daß in Zukunft ein Mißtrauensantrag den Vorrang vor einem Vertrauensvotum haben soll Außerdem soll die Regierung. wenn mehrere Vertrauens- oder Mißtrauensanträge eingebracht worden sind, das Recht haben, zu erklären, für welchen dieser Anträge sie den Vorrang bei der Abstimmung verlangt. Auch die Bestimmungen über Interpellationen sollen geändert werden. In Zukunft sollen Interpellationen nur Fragen enthalten dürfen, aber keine kritischen Ausführungen. In die haushalts- ordnung soll eine Bestimmung ausgenommen werden, wonach Anträge, die eine finanzielle Belastung bewirken, nur gleichzeitig mit Vorschlägen eingebracht und beraten werden dürfen, die eine Deckung der neuen Ausgaben vorsehen. Die neuen Vorschläge sollen in Form von Anträgen vor dem Reichstag gebracht werden, ehe die eigentliche Etats- beratung beginnt. Die beteiligten Parteien haben dem Reichskanzler über ihre Besprechungen auf dem laufenden gehalten.
Deutungen und rNitzdeuiunsen
Der Reichskanzler hat vor den christlichen Gewerkschaften eine Rede gehalten, die mit allerlei Andeutungen auf die bevorstehende Tagung des Reichstages abzielt. Brüning stellt in seinen Ausführungen der verantwortungs- bemußten und auf lange Sicht berechneten Regierungspolitik das Verhalten des Reichstages gegenüber, von dem er für die Zukunft mehr Disziplin und mehr Verantwortungsbewußtsein fordert. In diesem Zusammenhang betonte der Reichskanzler die Notwendigkeit, einen großen Plan für ein Jahrzehnt in Angriff zu nehmen, den man aber nicht auf einmal bekanntgeben könne. Diese Stelle in der Rede des Reichskanzlers ist zahlreichen Deutungen ausgesetzt gewesen. Man hat sich gefragt, was es mit diesem geheimnisvollen „Zehnjahreplan" wohl auf sich habe. , Alles Hin- und Herraten durfte aber vorläufig nur eine Zeitvergeudung sein, da man annehmen kann, daß der Kanzler selbst keinen Plan vor Augen hat, der in allen Einzelheiten auf die Dauer von zehn Jahren im voraus festgslegt ist. Das Ziel, das Brüning erreichen will, ist bekannt.
Die Reichsfinanzen sollen auf eine feste unerschütterliche Grundlage gestellt und die Wirtschaft soll wieder zu neuer Tatkraft und neuer Blüte gebracht werden. Mit dem viel kommentierten Satz seiner Rede hat der Kanzler wohl nur sagen wollen, daß man bis zur Erreichung des Zieles ein volles Jahrzehnt ansetzen muß. Damit hat er ebenso, wie er es in Chemnitz getan hat, vor der Illusion ge» jüariu, als ob jia; â vieles und chwereu Probleme unserer Wirtschaft und unserer Fi» nanzen in kurzer Zeit bewältigen ließen. Man braucht nur an die notwendige Reform der Arbeitslosenversicherung zu denken, um diese Warnung vor Illusionen zu verstehen. Man wird der Zielsetzung des Reichskanzlers aber auch entnehmen können, daß Brüning an seine Mission glaubt und daß er nicht der Führer eines kurzlebigen Kabinetts, sondern ein Reichskanzler auf lange Sicht fein will.
Niemand weiß, inwieweit die Zukunft dem Reichskanzler in diesem Punkte recht geben wird. Sicher aber ist, daß ein solcher Reformplan auf lange Sicht nicht durchgeführt werden kann, wenn der Reichstag wie bisher auf die Mitverantwortung verzichtet und sich mit einer passiven Rolle begnügt. Was der Reichskanzler nach dieser Richtung hin in seiner letzten Rede gesagt hat, ist vollkommen eindeutig. Er hat hervorgehoben, der Reichstag werde in seiner bevorstehenden Tagung nicht im Hinblick auf die Maßnahme der Regierung, sondern im Hinblick auf seine eigenen Maßnahmen vor gewaltige Entscheidungen gestellt sein. Es werde dann Klarheit geschaffen werden, wo Wirklichkeit und Ver- antwyrtung zu finden sei und wo leere Agitation . . .
Mit diesen Worten richtet Brüning einen Appell an den Reichstag, sich auf seine Aufgabe und seine verfassungsmäßige Stellung zu besinnen und positiv an dem Reformwerk der Regierung mitzuarbeiten. Wir werden in den nächsten Wochen sehen, ob der Appell des Reichskanzlers von Erfolg begleitet ist. Auf jeden Fall aber — darin hat Brüning recht — wird sich in den nächsten Wochen und Monaten entscheiden, wie weit der Reichstag noch mit der Ausschaltung seiner Verantwortung gehen kann, ohne sich und das parlamentarische System um den letzten Kredit zu bringen.
Ueber diese Zusammenhänge hat auch der Führer der Deutschen Volkspartei, Reich stzgs- abgeordneter Dingeldey am Sonntag in einer viel beleuchteten Rede gesprochen. Eine Diktatur hat er mit aller Entschiedenheit ab- aelehnt und ebenfall«, wie schon bei früheren Gelegenheiten, die Notwendigkeit betont für die Erledigung der dringenden Reformen eine verantwortunasbewußte und arbeitswillige Mehrheit zu schaffen. Die Frage ist nur: Wie soll man diese Mehrheit gewinnen? Besteht irgendwelche Aussicht, die Parteien mit in eine positive Arbeit-memeinschait 'beziehen, die bisher auf der rechten Seite in schärfster Opposition gegen das Kabinett Brüning gestanden haben. Die bevorstehende Ta-
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