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Montag den 26. Februar 1931

Nr. 21

Dev Handschuh einst und jetzt

Ausstellung bei Säusel & Jacobi

Daß es in der Vergangenheit Handschuhe gegeben hat, wissen wir alle aus Schillers Gedicht von der hochmütigen Dame, die ihrem Kavalier dieses Be­kleidungsstück aus dem Löwenkäfig holen ließ. Aber der Handschuh war schon weit früher bekannt. Im Grabe-Tutanchamons fand man einen Handschuh und auch in der Bibel lesen wir, daß Rebekka ihrem Sohn Jakob die Hände mit dem Fell eines Bäckchens bedeckte. Also reicht die Existenz des Handschuhs als Kulturgut bis zu den Ansängen der Menschheitsgeschichte zurück.

Sehr interessant ist deshalb eine Ausstellung des Königsbergers Carl Ledermann, der eine Sammlung von Handschuhen aus alten Zeiten bis zur Gegenwart zeigt. Die einzigartige Schau ist in dieser Woche bei Kausel & Jacobi, Nürn­berger Straße zu sehen. Eine große Zahl hoch­interessanter Originale wurde aufgetrieben und wo es nicht möglich war, die echten Stücke zu erhalten, ist durch gute Bilder oder naturgetreue Kopien, die von der Handschuhfirma Roeckl-München hergestellt sind, Ersatz geschaffen. Die 250 Ausstellungsstücke und 400 Bilder umfassende Ausstellung ist eine kulturhistorische Schau ersten Ranges. Man sieht Fausthandschuhe aus dem 9. Jahrhundert. Handschuhe für die Falkenjagd. Einen Priester­handschuh aus dem 15. Jahrhundert. Der Geistliche trug bei der. Messe Handschuhe, um rein und keusch das Opfer darzubringen. Die Priester­handschuhe mußten nacht alter Vorschrift gewirkt sein. Die Krönungshandschuhe aus dem 12., 13. und 14. Jahrhundert sind reich verzierte Prunkstücke in Gold- und Silberarbeit, und auch bei anderen Stücken bewundert man die reiche Verzie­rung. Ganz im Gegensatz dazu steht der schlichte Handschuh, den Friedrich her Große getragen hat.

Die Blütezeit des Handschuhes fällt in das 16 Jahrhundert. Immer raffinierter und wertvoller nterden die Handschuhe. Man bestickt und bemalt sie, tränkt sie mit duftenden Essenzen. Ein Hand­schuh aus dem Besitz der Königin Elisabeth ist ein Prunkstück der Ausstellung. Wir können dann an vielen Stücken die Weiterentwicklung der Mode ver­folgen, dere nEinzelheiten hier nicht aufgezählt wer­den können. Ein Handschuh der Königin Luise zeigt den einfachen preußischen Stil, während zur selben Zeit anderswo noch großer Luxus mit der Hand- bekleidüng getrieben wurde.

Eine Sonderabteilung zeigt den Herstellungs­prozeß des Handschuhes, der entgegen allen anderen Modeartikeln nur mit der Hand gefertigt werden kann. Den Schluß der Ausstellung bildet eine Ab­teilung in Handschuhen aus unseren Tagen. Man hatte den Handschuh etwas vernachlässigt, aber er kommt wieder in Mode. Die Modelle, die gezeigt werden, sind teils praktisch und dem täglichen Be­darf angepaßt, teils aber auch luxuriös ausgestattet und von hohem Geschmack gezeichnet. Die Aus­stellung, die ein so lebendiges Bild von der Ent­wicklung eines Kleidungsstückes gibt, sollte von jedermann besucht werden.

Staub 3ddCiüC Arbeitsuchende in Hessen und Hessen-Äassun

WbensnwmTagenn

Hessen-Nassau berichtet das Landesarbeitsamt Hes­sen in Frankfurt a. M.: Vom 1. bis 13. Januar 1931 stieg die Zahl der Arbeitsuchenden um weitere 25 557 auf rund 300 000 an. Diese wesentliche Ver­schärfung der Arbeitsmarktlage wurde nur zum Teil durch das Frostwetter, das zur vorübergehenden Einstellung fast aller Außenarbeiten zwang, ver­ursacht. . Größere Zugänge kamen auch aus der Forstwirtschaft (Bau- und sonstige Arbeiter, die nach Beendigung des Holzeinschlags wieder am Ar­beitsmarkt erschienen), sowie aus der Tabakindustrie infolge völliger oder teilweiser Betriebsstillegung wegen der Tabakzollerhöhung. Die Zahl der ar­beitsuchenden Tabakarbeiter und -arbeiterinnen stieg um mehr als das Doppelte (rund 4600) auf 8182. Die übrigen Verufsgruppen gaben auch noch wei­tere Arbeitskräfte, zum Teil in größerer Zahl, frei. Arbeitslosenunterstützung erhielten am 15. Januar 141438, Krisenunterstützung 42 742 Hauptunter­

stützungsempfänger. Zusammen wurden also 184180 Personen (ohne Angehörige) unterstützt gegen 165 774 am 31. Dezember 1930 und 147 216 am 15. Januar 1929. Außerdem unterstützte die Reichsanstalt Ende Dezember 1930 insgesamt 7796 Kurzarbeiter, die drei Tage und weniger wöchent­lich arbeiten, gegen 7235 Ende November.

* An übertragbaren Krankheiten wurden in der Wochd vom 18. bis 24. Januar amtlich gemeldet: Scharlach 1 Fall aus Hanau und 2 Fälle aus Bruch­köbel; Diphtherie 2 Fälle aus Langendiebach; Tu­berkulose 1 Fall aus Hanau und 1 Todesfall aus Bruchköbel.

* Krankenkassenmitglieder und Notverordnung. Bei der Durchführung der Bestimmungen der Not­verordnung in den Apotheken treten insofern oft Schwierigkeiten für die Patienten auf, als diese un­genügend oder falsch bezeichnete Rezepte vorlegen. Im Falle der Patient von dem Kostenanteil befreit ist, hat er dafür zu sorgen, daß der behandelnde Arzt den Vermerk „Gebührenfrei" auf dem Rezept an­bringt. Nur der 2lrzt ist hierzu verpflichtet, der Apotheker ist nicht in der Lage, diesen Vermerk anzubringen, sondern muß dann den Patienten zum Arzt zurückschicken. Ebenso sind Vermerke wie „Kriegsbeschädigt" oder „Erwerbslos" ungenügend. Lediglich der Sermert „Gebührenfrei" befreit den Patienten von der Verpflichtung, den Kostenanteil in der Apotheke zu bezahlen.

* Internationaler Schutz der Wachtel. Seit lan­gem bereits haben sich die einschlägigen Stellen im Reichsgebiet dafür eingesetzt, einen internatio­nalen Schutz der Wachtel herbeizuführen. Die staat­liche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen war schon vor geraumer Zeit in diesem Sinne um Unterstützung gebeten worden. Diese hat nunmehr erwirkt, daß bei dem 7. Internationalen Ornitho­logenkongreß in Amsterdam, wie jetzt bekannt wird, folgender Beschluß gefaßt wurde: „In der Erkennt­nis, daß die Wachtel in allen europäischen Ländern als Brutvogel rasch abnimmt, da sie auf ihrem Zuge beständig mit Netzen gefangen wird, richtet der Kongreß an die Regierungen aller Länder Europas und Nordafrikas die dringende Bitte, die Ein- und Ausfuhr dieser Vögel auf wenigstens drei Jahre zu verbieten."

* Der Besuch der Landwirtschaftsschulen in unserem Bezirk hat gegenüber dem Vorjahre einen Rückgang von 46 Schülern aufzuweisen, der an sich nicht merklich wäre, wenn er sich nicht bei einigen Schulen ganz kraß auswirkte. Im ganzen bestehen 23 Schulen, bei denen in 9 eine teils sehr beträcht­liche Vermehrung der Schülerzahl festzustellen ist, während andere Schulen einen ganz ansehnlichen Schülerverlust erlitten, .so besonders leider auch Hanau, das im vergangenen Jahre 46 Schüler, in diesem Winter aber nur 27 hatte, und dabei nur noch von den Kreisen Gelnhausen (26) und Witzen­hausen (15) unterboten wird. Man glaubt diesen Rückgang mit der Notlage der Landwirtschaft und dem Geburtenrückgang in der Kriegszeit in Ver­bindung bringen zu müssen. Beide Umstände mögen wohl mitbestimmend an dem schwachen Frequen­tieren der Hanauer Schule sein, doch ist ein Haupt­umstand der, daß man sich trotz der reich in Er­scheinung tretenden Erfolge der die Landwirtschasts- schulen besuchenden jungen Landwirte in vielen Kreisen der' Landwirtschaft immer noch nicht zu Erkenntnis durchringen kann, gerade in der heuti­gen Notzeit, die in den landwirtschaftlichen Schulen vermittelten vielseitigen Kenntnisse zum Erhalt der Wirtschaftlichkeit und zur Verbesserung der Scholle ausnützen.

* verschiedene Strompreis-Ermäßigungen. Wie aus der Bekanntmachung der Städt. Betriebswerke ersichtlich, sind verschiedene Strompreis-Er­mäßigungen und sonstige Tarif-Vergünstigungen erfolgt.. U. a. werden versuchsweise die Höchpreise für Licht- und Kleinkraftstromabnehmer derart be­grenzt. daß der jährt. Durchschnittspreis nich mehr als 70 Pfg., bzw. 40 je Kilowattstunde beträgt. Für die Verbrauchs-Monate Februar und März erfolgt die Abrechnung für «diesen Zeitabschnitt. Die Abnehmer mit Doppeltarif haben insofern eine Vergünstigung erfahren, als sowohl der Arbeits­preis als auch die Sperrzeiten heruntergesetzt wur­den, während für die Kleinkraftabnehmer die zur-

zei gültigen 2(rbeits= und Einheitspreise je Kilo­wattstunde wieder auf den alten Stand gebracht sind. Eine weitere Tarifverbesserung soll versuchs­weise den Schneider-Heimarbeitern gewährt wer­den, die sich verpflichten, neben dem Lichtverbrauch elektr. Schneider-Bügeleisen zu verwenden. In solchen Fällen soll der Wohnungs-Vergünstigungs- Tarif gelten, wonach nach einem bestimmten Regelverbrauch jede weitere Kilowattstunde nur 10 Pfg. kostet. Der Magistrat hat sodann mit Zu­stimmung des Verwaltungsausschusses der Be­triebswerke eine Ermäßigung der Leistungspreise für Geschäfte beschlossen, die vorbehaltlich der Ge­nehmigung der Stadtverordneten bereits eintreten soll.

* Bajazzos Ende. Die vor einigen Jahren wohl in allen Wirtschaften aufgestellt gewesenen bekannten Bajazzo-Automaten mußten bekanntlich, da sie als Glücksspielautomaten angesehen wurden, von der Bildfläche verschwinden. Die Wirte, die noch im Be­sitz solcher Automaten angetroffen wurden, erhielten nicht unwesentliche Geldstrafen zudiktiert. Die Auto­maten selbst wurden beschlagnahmt Wenige Monate später tauchten die sogenannten „Atlantik-Auto­maten" massenhaft auf. Der Unterschied zwischen Bajazzo und Atlantik bestand lediglich im Namen. Sonst waren sie einander gleich. Man hatte nur das Wort Bajazzo in Atlantik umgeändert. Auch diese Apparate wurden beschlagnahmt. Dagegen wehrten sich die Hersteller der Automaten und such­ten richterliche Entscheidung herbeizuführen. Auf Beschluß der Großen Strafkammer des Oberlandes­gerichts zu Frankfurt wurden jetzt die Beschwerden der Unternehmer zurückgewiesen. Bajazzo muß also endgültig verschwinden.

LVEevbevkcht

Der nordöstlich von England liegende Tief­druckwirbel füllt sich langsam auf und verlagert sich mehr nach Nordosten. An seiner Rückseite kommt es noch immer im Bereich der kälteren Luftmassen zu einzelnen Schauern. Da der Luft­druck im Westen aber stark ansteigt, ist mit einem Nachlassen der Niederschläge und zunehmender Aufheiterung zu rechnen. — Vorhersage bis Mon­tag abend: Wolkig bis aufheiternd, nur ganz ver­einzelte Regenschauer, etwas kühler, frisch^ west­liche Winde. — Witterungsaussichten für "Diens­tag: Weitere Besserung wahrscheinlich.

«veks Nüdk«se«.

Nutzholzversteigerung im Düdelsheimer Gemeindewald

Am Dienstag den 27. Januar, vormittags 9% Uhr anfangend, kommen zur Versteigerung: Fichtenstämme: 24 Stück 1a-Klasse, 23 Stück 1b-Klasse, 24 Stück 2a-Klasse, 4 Stück 2b-Klasse, 7 Stück 3b- Klasse, 3 Stück 3b-Klassc;

Fichtenderbstangen: 13 Stück Klasse 1—3;

Fichtenreisstangen: 300 Stück Klasse 4—6;

Lärchenstämme: 61 Stück 1a-Klasse, 43 Stück 1b-Klasse, 9 Stück 2a-Klasse, 1 Stück 2b-Klasse;

Lärchenderbstangen: 53 Stück Klasse 1—3;

Eschenstämme: 30 Stück 1a- und 1b-Klasse;

Eschenderbstangen: 17 Stück Klasse 2—3.

Zusammenkunft am Fichtenküppel.

Polizeiverordnung zur Bekämpfung des Kartoffel-

Krebses. Vom 20. Januar 1931.

Auf Grund des Artikels 64 des Gesetzes, betreffend die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen vom 8- Juli 1911 und der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6- Februar 1924 wird unter Zustimmung des Kreisausschusses und mit Genehmigung des Ministers des Innern und des Mini­steriums für Arbeit und Wirtschaft, Abteilung für Er­nährung und Landwirtschaft, verordnet:

§ 1. Aufsicht.

!■ Die mit Kartoffeln bebauten Felder und die Vor­räte an Kartoffeln unterliegen der amtlichen Beauf­sichtigung zum Zwecke der Bekämpfung des Kartoffel­krebses. Die Aufsicht kann auf Felder erstreckt werden, die nur erst für Bestellung mit Kartoffeln bestimmt oder bereits abgeerntet sind. Sie wird von der Orts­polizeibehörde sowie dem zuständigen Landwirtschafts­amt ausgeübt.

st. Die mit der Aufsicht betrauten Personen biirf6ll die betreffenden Grundstücke und Aufbewahrung räume betreten, auch Kartoffelpflanzen sowie dere, Teile, insbesondere Knollen, in angemessenem Umfangt für die erforderlichen Untersuchungen entnehmen.

8 2. Feststellung des Kartosfelkrebses-

I. Krëbsverdächtige Erscheinungen an ausgepflanzte, oder aufgespeicherten Kartoffeln sind binnen 24 Stu«, den der Ortspolizeibehörde anzuzeigen. Die Anzeige Pflicht liegt bei Kartoffelpflanzen dem Nutzungsberech, tigten des Grundstückes und in dessen Abwesenheit dey Vertreter, bei Vorräten dem, der sie in Verwahr»^ hat, ob. Die genannten Behörden können die Au-" stellung eines Fragebogens fordern.

II. Die Anzeigepflicht besteht nicht, wenn von andr, rer Seite bereits Anzeige erstattet worden ist.

Hl. Die Ortspolizeibehörde hat die Anzeige un»et> zllglich an das zuständige Landwirtschaftsamt weich, zuleiten, insoweit nicht dieses selbst an Ort und Steil, die krebsverdächtigen Erscheinungen bereits festgesich hat. Das Landwirtschaftsamt hat bei Vorliegen Mit Krebsverdacht die ihm zugeleiteten Anzeigen ob« eigene Feststellungen unverzüglich der Hauptftelle ft Pflanzenschutz in Gießen zuzuleiten.

IV. Die Merkmale des Kartosfelkrebses sind i„ Anhänge angegeben.

V. Für die Feststellung des Kartosfelkrebses ist ft Entscheidung der Hauptstelle für Pflanzenschutz oder du von ihr Beauftragten maßgebend.

VI. Die Hauptstelle für Pflanzenschutz hat jede Fch stellung der Biologischen Reichsanstalt anzuzeigen.

8 3. Nutzungsbeschränkungen für verseuchte Felder,

' I. Auf den Feldern, auf denen Krebskranke K^ toffeln festgestellt worden sind (verseuchte Felder), sich alle stark kranken Knollen, alle Geschwülste somit sonstige Rückstände der Kartoffelpflanzen, insbesondre nicht geerntete Knollen und Kraut, sorgfältig zus» menzubringen und zu verbrennen, oder sofern bi« nicht möglich ist, mindestens % Meter tief zu m graben.

II. Die sonstigen auf einem solchen Feld geerntet Kartoffeln dürfen

1. nicht als Pflanzkartoffeln verwendet,

2. nicht ohne polizeiliche Erlaubnis aus dem W trieb, in dem sie gebaut worden sind, entfernt,

3. nur in gekochtem oder gedämpftem Zustande reo füttert werden.

Die Ortspolizeibehörde darf die unter 2. ango gebene Erlaubnis nur mit Zustimmung des Lach Wirtschaftsamtes erteilen.

III. Auch die Abfälle solcher Kartoffeln (II) müllte sorgfältig gesammelt und verbrannt oder vor da Verfüttern gekocht werden.

IV. In Betrieben, in denen Fabriken für die $tt arbeitung von Kartoffeln bestehen, werden die « . verseuchten Feldern geernteten Knollen am best- I ihnen zugeführt. Im übrigen ist jede Befördern I nach Möglichkeit zu vermeiden, da auch die an iw | Knollen haftende Erde den Krankheitserreger es f hält.

V. Auf den verseuchten- Feldern dürfen nur fc toffelsorten gebaut werden, die das Landwirtschâ amt als krebsfest erklärt hat. Bei dieser Beschw kung bleibt es, bis sie von der OrtspolizeibsW nach gutachtlicher Aeußerung des Landwirtschch amtes ausdrücklich aufgehoben wird.

VI. Betriebe, in denen Kartoffelkrebs feffgofitE ist, dürfen Stalldünger und Jauche nicht verkach oder sonst weitergebcn

VII. Auf krebsverseuchten Felden geerntete hrei- feste Kartoffeln, die von anerkanntem fcrebsfejlä Pflanzgut stammn, können zum Nachbau auf k«b verseuchten • Feldern innerhalb desselben oder A» unmittelbar angrenzenden Betriebes in Gemarku^. von einem Flächenumfang bis zu 750 Hektar innerhalb dieses Bezirkes verwendet werben.

Vm Senar und

"von Krebskranken Kartoffeln, sowie Ackergerätes aus verseuchten Feldern Verwendung gefunden hab sind nach Gebrauch mit Kalkmilch zu desinfizier^

§ 4. Ausnahmen und weitergehende Vorschriften.

I. Die vorstehenden Bestimmungen finden auf d Tätigkeit amtlicher Versuchsanstalten, landwirtsch« licher Forschungen sowie die Entnahme von Prob durch die Aufsichtsorgane keine Anwendung.

II. Weitere polizeiliche Verordnung über die 8 Nutzung verseuchter Felder sind zulässig.

8 5. Ansteckung verdächtiger Felder.

Wenn damit gerechnet werden muß, daß der $ steckungsstofs auch auf andere Felder übertragen ß ohne daß bisher dort der Kartoffelkrebs feftgefieü worden wäre, oder wenn zu besorgen ist, daß er. cP entsprechende Maßnahmen dorthin übertragen mit) kann die Ortspolizeibehörde die vorstehenden 8 stimmungen in vollem Umfange oder zum Teil s auf diese Felder (der Ansteckung verdächtige Feld!« erstrecken. Den Umfang der verdächtigen Zone k stimmt die Ortspolizeibehörde auf Grund gutachtliche Aeußerung des zuständigen Landwirtschaftsamtec.

Pa«t wegenev im Stadttheaiev

„Mavw Magdalena'*

Man wäre schon dankbar gewesen nach all den Unterhaltungsstücken mit ihrem erdachten Humor und ihrer Kinodramatik wieder einen Hebbel vor­gesetzt zu bekommen. Schon das Erlebnis dieser 'Mâria Magdalena" wäre ein Ereignis gewesen, selbst wenn nicht Paul Wegener gekommen wäre. Auf der Bühne regieren keine Papiermenschen, son­dern Gestalten aus Fleisch und Blut, und bei der Ueberspitzung der Gedanken geht es um Ideen und nicht ufa Gedankenkonflikte.

Aber man gab das Hebbeldrama nicht um feiner selbst Willen, sondern um den Meister Anton mit PaulWegener. Sein Name hatte genügt, das Theater bis auf den letzten Platz zu füllen. Seine Persönlichkeit war stark genug, endlich einmal wie­der ein ausverkauftes Haus zu erzielen. Und die ge­kommen waren, wurden nicht enttäuscht, sie durften ein großes schauspielerisches Erleben mit nach Hause nehmen.

Der Meister Anton bekommt leicht es Selbst­gerechtes, Starres, ist ein kleiner Haustyrann. Nicht so bei Paul Wegener. Diese Dramengestalt be­kommt, durch ihn neue Ausdeutungen. Er steigert den Alten zu klassischer Größe. Dieser Meister Anton kann nicht anders handeln, er ist nicht der kleine Tischlermeister, der in seiner Familie den Takt schlägt, nein, schon wenn er in die Türe tritt, spürt man die menschliche Größe dieses einfachen Mannes, der nach eigenen Gesetzen denken muß, für den es keine Halbheiten gibt und der nicht nach­geben darf. Diese schicksalshaste Größe weiß Wege­ner lebendig zu machen. Es wetterleuchtet um diesen Graukopf. Man ist erschüttert von der Gewalt sei­ner Persönlichkeit. Soll man dabei betonen, daß Wegener seine Rolle ausgefeilt hat bis ins kleinste, daß keine unbedachte Bewegung kommt, daß jedes Mundabwischen, jedes Aufschnaufen genau überlegt ist, es tut nicht not, aber die Technik des Spielers ist so vollendet, daß all das Technische abfällt und wieder alles Natur wird. Paul Wegeners Meister Anton ist eine Leistung ganz großen Formats.

Was aber war neben diesem Riefen? Nur Zwerge, kein einziger, der nur normales Maß er­reichte. Im Schatten dieses Titanen wurden ihre Fehler doppelt enthüllt. Am ersten konnte noch Greta Schröder-Wegener als Klara ge­fallen. Ihr blasses Dulderantlitz zeigte zuweilen echte Tragik. Alle übrigen Darsteller waren nur Staffage für den Haupthelden. Wir können es uns ersparen, auf die Einzelleistungen einzugehen, von denen keine herausragte. Sicher gaben alle ihr Bestes, aber es ist nicht leicht neben solch einer Größe zu spielen.

Das Publikum war begeistert, und sicher hatte ein jeder den Wunsch, den Künstler recht bald wieder zu sehen. Rü.

o Konzert der Kammermusik-Vereinigung. Die Kammermusik-Vereinigung der Herren Direktor H. Appunn, W. Vissing, 'S. Winter und R. Stenger hat sich auf Grund des wohlgelungenen 1. Konzertes entschlossen, am Donnerstag, 19. März in der Stadt­halle einen 2. Kammermusikabend mit Werken von Beethoven und Schumann zu veranstalten. Nähere Ankündigungen folgen demnächst.

o Stadttheater. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Morgen Dienstag, abends 7>5 Uhr, findet als 19. Vorstellung im Dienstag- Abonnement die erste Wiederholung des großen Opereiten-Erfogels „Katja, die Tänzerin", Operette in 3 Akten von Jean Gilbert statt. — Am Mitt­woch, abends 8 Uhr, geht als 19. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement das ganz entzückende Lust­spiel „. . . Vater sein dagegen sehr" von Carpen­ter in Szene. — Am kommenden Donnerstag, abends 8 Uhr, veranstaltet Herr Karl Ettlinger, München, einen einmaligen heiteren Abend. Herr Ettlinger ist bereits in früheren Jahren hier auf­getreten und hat sich stets größter Beliebtheit er­freut. Sein neuerliches Auftreten wird deshalb all­seits begrüßt werden. Eintrittskarten sind im Vor­verkauf an der Theaterkasse schon zu haben.

o Raffaels schönster Teppich. Wie der Gene­raldirektor der Vatikanischen Museen in der „Jllustrazione Vaticana" mitteilt, wird nach Be­endigung der Erneuerungsarbeiten der weltbe­rühmte Teppich „Die Erblindung des Zauberers Elymas", das schönst« Stück unter den Teppichen

Raffaels, demnächst wieder der öffentlichen Be­sichtigung zugänglich gemacht werden. Bis jetzt fehlte dieser in der Sammlung der Teppiche, die im Vatikan ausgestellt sind. Sein funkelnder Glanz von Gold und Seide hatte im Mai des Jahres 1527, während des „Sacco di Roma", die Begehr­lichkeit der Eroberer erregt. Die Soldateska war damals in die Sixtinische Kapelle eingedrungen und hatte in der Gier nach dem Gold des Teppichs die untere Hälfte des kostbaren Raffaelschen Werkes abgeschnitten. Der Versuch, an einem rasch ent­zündeten Feuer das in das Gewebe eingelassene Gold zu schmelzen, war aber mißlungen, und die Plünderer begnügten sich damit, die Teppiche wie­der zusammenzurollen, um sie dann später als Beutegut zu Geld zu machen. Die Raffaelschen Teppiche, die diesem Schicksal entgingen, werden in Zukunft im Palast der Pinakothek, der in den Vatikanischen Gärten jetzt seiner Bollendung ent­gegengeht, in einer ihrem unschätzbaren Wert ent­sprechenden Umgebung untergebracht werden. In einem der von dem Architekten Beltrami ent­worfenen Säle wird eine kleine Seitennische die Hauptstücke Raffaels, die aus der Zeit feiner Jugend und Reife stammen, aufnehmen, während auf der anderen Seite jene zehn Teppiche aufge­hängt werden sollen, die nach den von Raffael selbst «entworfenen Kartons ,ausgeführt wurden. Dar­unter wird sich dann auch jener Teppich befinden, der bis heute zusammengerollt in den Kellern ver­wahrt wurde, und der jetzt wieder ergänzt und er­neuert ans Licht der Oeffentlichkeit tritt. Natür­lich würde niemand das Wagnis unternommen haben, das fehlende Stück des Teppichs neu zu weben. Aber nach mehreren Vorlagen ist auf dem Gewebe der verlorene Teil in so einwandfreier Weise wiederhergestellt worden, daß, wenn auch der Beschauer auf den ersten Blick den echten von dem nachgemachten Teil unterscheiden kann, er doch einen befriedigenden Eindruck des Teppichs und der Komposition erhält, wie sie von Raffael er­dacht und koloriert wurde.

I^eafer* Spielpläne.

O Stadt-Theater Hanau. Dienstag, 27. Januar, abends 7.30 Uhr: „Katja, die Tänzerin. Mittwoch, 28., abds. 8 Uhr: .... Vater sein dagegen sehr".

Donnerstag, 29., abds. 8 Uhr: Einmaliger heite«! Abend aus eigenen Werken „Karlchen", Karl Ek linger, München. Freitag, 30., abds. 8 W „Jedermann". Samstag, 31., abds. 7.30 Uhr: ,I- Tenor der Herzogin". Sonntag, 1. Februar, * 7.30 Uhr: „Katja, die Tänzerin".

o Frankfurter Opernhaus. Montag, 26. 3»" abends 7 Uhr: „Viktoria und ihr Husar". Dienst«! 27., abends 7.30 Uhr: Zur Feier von Mozfll- 175. Geburtstag: „Figaros Hochzeit". M woch, 28., abds. 7.30 Uhr: „Ballett-Abend". * nerstag, 29., abds. 7 Uhr: „Viktoria und ß Husar". Freitag, 30., abds. 7.30 Uhr: „Tiefland« Samstag, 31., abds. 6 Uhr: „Lohengrin". Senk tag, 1. Februar, nachm. 3 Uhr: „Zar und ZimM mann". Abds. 7.30 Uhr: „Das Land des Lächelns« Montag, 2., abds. 7.30 Uhr: „Ballett-Abend".

o Frankfurter Schauspielhaus. Montag, Januar, abds. 8 Uhr: „Mississippi". Dienstag, & abds. 8 Uhr: „Grand Hotel". Mittwoch, 28- „Phaea". Donnerstag, 29., abds. 8 Uhr: I" Lärm um nichts". Freitag, 30., abds. 8 W „Sturm im Wasserglas". Samstag, 31., abds.' Uhr: „Phaea". Sonntag, 1. Februar, nachmiW 4 Uhr: „Die neue Sachlichkeit". Abends 8 l®« „Phaea". Montag, 2., abends 8 Uhr: „Sturm >" Wasserglas".

o Neues Theater Frankfurt. Montag, 26. 3M abds. 8 Uhr: „Torquato Tasso". Dienstag, 2'- abds. 8 Uhr: „Voruntersuchung". Mittwoch, nachm. 3.30 Uhr: „Tischlein deck dich. . ." Abds« 8 Uhr: „Voruntersuchung". Donnerstag, 29., abds« 8 Uhr: „Voruntersuchung". Freitag, 30., abds.6 Uhr: „Dig 3 Groschenoper". Samstag, 31., nc* 3.30 Uhr: „Tischlein deck dich . . ." Abds. 8 Äf „Viktoria"., Sonntag, 1. Februar, nachm. 3.30 w- „Ein Sommernachtstraum". Abds. 8 Uhr: toria". Montag, 2., abds. 8 Uhr: „Die 3 Grosche oper".

Allerlei Wissenswertes

Von den Gedichten Heines gibt es über 3^ Kompositionen.

' Auf der ganzen Erde gibt es 672 Vulkane, ode« nur M0 derselben sind noch tätig.