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Sette 2

Montag den 26. Februar 1931

Nr. 21

von Versailles Dit letzte Zunahme der Erwerbs­losenzahl' um IX Millionen entfällt auf das Schuldkonto der Nationalsozialisten und ihrer Hel­fershelfer. der Kommunisten. Wenn Hitler immer das Rassenproblem in den Vordergrund schiebe, jo fei demgegenüber festzustellen, daß Hitlers Mutter eine Tschechin sei, die kein Wort Deutsch verstehe, und nur Hitlers Vater sei Deutscher; Hitler sei also selbst ein Mischling. Die Geduld des Reichsbanners fei am Ende. 3m Bewußtsein der Verantwortung, die er, Hörsing, als Reichsbannerführer zu tragen habe, proklamiere er: Wir werden den Herr'chaf- ten entgegentreten, nicht mit Blumen oder Myr- tenzweigsn. sondern werden dasselbe wie jene in den Händen haben, und wenn es das Interesse des deutschen Volkes oder der Republik gebietet, so werden wir sie restlos bis zum letzten Mann ver­nichten. Es ist zu Ende damit, daß wir ruhig zu­sehen, wie Reichsbannerkameraden ermordet werden.

Da die Rede Surfings infolge ihrer Form und ihres Inhalts zweifellos weitgehende Rückwirkungen auf die politischen Auseinandersetzungen der näch­sten Zeit haben dürfte, wird man auch an ihren Schlußsätzen einschließlich der außenpolitischen An­spielungen nicht Vorbeigehen dürfen. Hörsing führte in den Schlußsätzen nach dem uns vorliegenden Be­richt u. a. aus: Hitler sei zu jung, unerfahren und dumm. Das einzige, was diesen politischen Hochstap­ler noch retten könne, sei, daß er sich unverzüglich aus dem Staube mache. Zwischen Hitler und Stalin bestehe ein Geheimvertrag. Beide spielten mit ver­tauschten Rollen, um zu dem gemeinsamen Ziele kommen zu können. Daneben nähmen die National­sozialisten Geld von den Feinden Deutschlands, von Mussolini und neuerdings von den englischen Lords. Das Reichsbanner hingegen wolle weiter kämpfen für Deutschlands Größe und der Republik Freiheit.

Älustvttt aus dev WivtschaftSvaviei

Halle, 25. Jan. Der Fraktionsführer der Wirt- fchaftspartei im Präsidiallandtag der Provinz Sachsen, Dr. Baumgart-Delitzsch, ist im Anschluß an den Streit ColosserDrewitz aus der Wirt- fchaftspartei nunmehr ebenfalls ausgetreten. Er hat sich der Richtung der sächsischen Separationsbe­wegung angeschlossen. Dr. Baumgart begründet feinen Austritt in einem ausführlichen Schreiben an die Parteileitung, in dem er auf die Zerfahren­heit des politischen Bodens der Wirtschaftspartei hinweist.

Laval beauftragt

Paris. 25. Jan. Nachdem Briand die Bildung des neuen Kabinetts mit der Begründung abgelehnt hat, daß er zu der schweren Last des Außenmini­steriums nicht noch das Ministerpräsidium überneh­men könne, hat Doumergue den früheren Arbeits­minister Laval mit der Kabinettsbildung beauf­tragt. Laval hat den Auftrag angenommen.

Paris, 26. Jan. Sanator Laval hat in der ver- oangenen Nacht bis 12.20 Uhr verhandelt. Er emp­fing Marin, mit dem er sich bis 11.20 Uhr aussprach und hatte anschließend eine Unterredung mit ^ Mr

Delhi, 25. 3an. Der Vizekönig hat die be­dingungslose Freilassung Gandhis und der anderen Mitglieder des Arbeitsausschusses des Allindische« Kongresses angeordnet. Gleichzeitig hat er die Aechtuvg dieses Ausschusses als ungesetz­liche Körperschaft aufgehoben.

Die Freilassung Gandhis ist eine unmittelbare Auswirkung des Abschlusses der Londoner Round- Table-Konferenz, der die englische Regierung zu einer Kursänderung in Indien veranlaßt hat. Gandhi wurde am 5. Mai vorigen Jahres als Führer im Kampf gegen das Salzmonopol, der den Auftakt zum allgemeinen Freiheitskampf bil­den sollte, verhaftet. Es bleibt abzuwarten, ob er an feiner Politik des passiven Widerstandes fest­hält oder an den kommenden Verhandlungen über die Neuregelung der Stellung Indiens innerhalb des Britischen Reiches teilnimmt.

«Kit freiwilliges Geständnis im rieuköllnev Mnomovd

Hamburg, 25. Jan. Der Raubmord an dem Geschäftsführer des Mercedes-Palastes in Neukölln hat heute durch di« Selbstgestellung des Mörders eine überraschende Aufklärung gefunden. Bei der hiesigen Kriminalpolizei erschien heute vormittag der 36jährige Melker Herbert König aus Charlottenburg mit den Worten:Ich stelle mich freiwillig, weil ich in Berlin am M. Januar einen Raubmord begangen habe* König hat nach seinem Geständnis die Gelegenheit zur Tat tagelang vor­her sorgsam aurgekundjchaftet und dabei festgestellt, daß der Geschäftsführer Hie Einnahenen nachts im Büro abzurechnen pflegte Er kaufte sich eine Waffe, schlich sich dann abend in das Büro ein und rief Direktor Schmöller zu:Hände hoch! Geld her!" Dieser soll vor Schreck wie gelähmt gewesen sein. König behauptet nun, daß sich, als er das Geld zu- sammenrafftc, plötzlich ein Schuß und kurz darauf beim Verlassen des Büros noch ein zweiter aus der Waffe gelöst habe. Den Rest der Nacht will er sich in Berlin herumgetrieben haben und am nächsten Morgen nach Hamburg gefahren sein. Den Revolver hat er nach seinen Angaben auf der Fahrt weggeworfen. In Hamburg verpraßte er das Geld. König hatte nur noch drei Pfennige bei sich. Nach feinen Aussagen hat er nach Besuch der Volks­schule zuerst als Laufbursche, später als Melker auf dem Lande und zuletzt als Arbeiter wieder in Berlin gearbeitet. Seit Anfang Januar ist er an­geblich arbeitslos,

Fahrlässigkeit in einem Krankenhaus

Essen, 25. Jan. Im katholischen Krankenhaus in Essen-Werden ereigneten sich zwei Todesfälle unter verdächtigen Umständen. Bei zwei männlichen Patienten, die wegen Tuberkulose operiert werden sollten, trat nach einem neuen Betäubungsverfab- ren, das dem beabsichtigten chirurgischen Eingriff vorausging, der Tod ein. Die Krankenhausleitung mußte von diesem Vorfall der Behörde Mitteilung machen. Am Samstag nahmen Beamte der Essener Kriminalpolizei die ersten Feststellungen vor, die Kas Ergebnis hatten, daß die Essener Staatsanwalt­schaft für Montag die Leichenöffnung anordnete. Der Aufklärung des Falles, der großes Aufsehen trreat, sieht man mit Interesse entgegen.

AvkOluS dev Genies Tagung

Das Ergebnis der deutschen Polen-Vekchwerde - Scharfe ÄbvüstungsgegeukSbe

Genf, 25. 3an. Die 62. Tagung des V ölkerbundsrales hat am Samstag ihren Ab- schluh gefunden. Die deutsche Delegation ist heute abend 18 Uhr von Genf abgereist. Die französische und englische Abordnung verließ en schon um 14 Uhr Genf.

Dev ^bevsGleftenbevicht angenommen

Genf, 25. Jan. Der Völkerbundsral hat am Samstagabend in der öffentlichen Schlußsitzung den endgültigen Bericht des japanischen Botschafters in seiner Eigenschaft als Berichterstatter über die Re­gelung der deutschen Beschwerde gegen Polen we­gen der Vorgänge in Oberschlesien und im Korridor einstimmig angenommen.

Der Bericht ist auf den in den direkten Verhand­lungen der deutschen Abordnung mit dem Bericht­erstatter und dem englischen und französischen Außenminister getroffenen Vereinbarungen aufge­baut, und er enthält zusammengefaßt mit einer Wiedergabe der Stellungnahme der deutschen und der polnischen Regierung eine Bewertung der Vor­gänge und der Lage sowie die sich hieraus ergeben­den Schlußfolgerungen für den Völkerbundsrat. Der Bericht besteht aus vier Teilen:

Der erste Teil gibt zusammenfassend den Inhalt der drei deutschen Noten an den Völkerbund wieder, nach denen

ein Bruch der Bestimmungen des Genfer Minderheitenabkommens sowie des Polen auf­erlegten allgemeinen Minderheitenschuh- verlrages vorliegt.

Der zweite Teil behandelt eingehend die anor­malen Bedingungen, unter denen sich die polni­schen Wahlen im November 1930 für die deutsche Minderheit vollzogen hätten und stellt fest, daß durch die Haltung der polnischen Behörden gegen­über der deutschen Minderheit nach Ansicht der deutschen Regierung eine Verminderung in Polen herbeigeführt worden sei. Die polnische Regierung führe jedoch die von der deutschen Regierung ange­gebenen Wahlvorgänge auf anders als die von der deutschen Regierung angegebenen Ursachen zurück. Der Bericht stellt dann fest, daß die polnische Re­gierung die Vorfälle als solche nicht leugnet, jedoch auf die Behandlung dieser Vorfälle durch die in den Wahlgesetzen vorgesehenen Rechtsinstanzen Hin­weise. Es lägen keine ausdrücklichen Anzeichen da­für vor, daß sich in den Wojewodschaften Posen und Pomerellen ähnliche Vorgänge wie in Oberschlesien abgespielt hätten. Jedoch liege die Annahme nahe, daß sich in diesen beiden Wojewodschaften doch ähnliche Vorgänge abgespielt haben. Für den Völ­kerbandsrat seien jedoch nicht die Einzelheiten, sondern

die politische Seite dieser Frage allein von entscheidender Bedeutung.

Der dritte Teil behandelt die unmittelbar gegen die Person oder gegen das Eigentum der Angehöri­gen der deutschen Minderheit in Polen gerichteten Angriffe und weist auch auf die Beschwerde des âèn Vokksbundes 5" f®M*W« Rn d derartige Fälle angibt. In dem Bericht heißt es so­dann wörtlich:

Niemand hat bestritten, daß Vorfälle dieser Art stattgefunden haben und daß diesen Vor­fällen ein genügendes Schwergewicht beizu­messen ist, um darauf in vielen Fällen aus einen Bruch des Artikels 75 und 83 des Ober- schlesischen Minderheikenabkommens schließen zu können.

Der entscheidende Teil 4 des Berichtes, der die eigentliche Stellung des Völkerbundsrats enthält, hat folgenden Wortlaut:

Ich gebe mit völlige Rechenschaft über den besonders heiklen Charakter der in­direkten Verantwortlichkeit der polnischen Behörden. Ich möchte zunächst die hohe Bedeutung der Tatsache unterstreichen, daß sowohl im Interesse der inneren Kon- folidierung als auch des inter­nationalen Friedens in solchen Gebieten, wie in der Wojewodschaft Schlesien alles vermieden werden muß, was auf eine direkte oder indirekte Weise die Gemüter erregen, oder die Lei­denschaften auspeitschen könnte. Es versteht sich von selbst, daß sie den polnischen Be­hörden eine besondere Verant­wort l i ch k e i t und Verpflichtung aufer­legt und ihnen eine gewissenhafte Achtung vor den Rechten der Minderheit und weitestgehend den Geist der Verstän­digung zur Pflicht macht.

Besonders ist es unbedingt erforderlich, daß in keinem einzigen Fall eine polnische Behörde, welche sie auch sei, und je höher die betreffende Behörde gestellt ist, umso dringender stellt sich diese Ver- pslichtunq dar, in den Verdacht geraten kann, an den politischen Kämpfen teilzunehmen, insbeson­dere, wenn sie einen Minderheitencharakter tragen.

Anderseits ergibt sich aus den dem Völkerbund vorgelegten Urkunden und den Verhandlungen der letzten Tage der Eindruck, daß

der Verband der Aufständischen von einem Geist beseelt war, der sicher nicht geeignet war, die Annäherung zwischen den beiden Elementen der Bevölkerung zu erleichtern.

Die Versöhnung der Elemente ist eine Bedingung der politischen Konsolidierung in diesem Teil Europas. Es ist offensichtlich, daß in Gebieten gemischter Bevölke­rungen, wie in Oberschlesien, kein Verband von aus­gesprochen n a tl o n a l e r Tendenz eine privi­legierte Stellung einnehmen darf, die die Interessen einer Minderheit einschränkt. Es liegt daher ein dringendes Interesse vor, daß die polnische Regie­rung um dieses Ziel zu erreichen,

die notwendigen Maßnahmen ergreift, damit das besondere Band verschwindet, das zwischen den Behörden und diesen Organisationen, die eine politische Tätigkeit ausüben, bestehen könnte, wie gerade beim Aufständischenverband.

In jedem Falle ist es unerläßlich, daß der deutschen Minderheit in der Wojewodschaft Schlesien das Ge­fühl des Vertrauens wiedergegeben wird, das leider auf» Tiefste erschüttert zu sein scheint und ohne das eine Zusammenarbeit zwischen dem Staat und der

Minderheit nicht hergestellt werden kann. Die inter­nationalen Verträge und die Beschlüsse der Vollver­sammlung und des Rates des Völkerbundes legen diese Zusammenarbeit dem Staat und den inter­essierten Minderheiten als eine unabweisbare Pflicht auf. Der Völkerbundsrat wird daher zu gegebener Zeit noch vor der nächsten Tagung des Bölkerbunds- rates von den Beschlüssen Kenntnis zu nehmen haben, die die polnische Re­gierung in dieser Frage ergreift".

Dev EndvuE in Genf

Genf, 25. Ian. Die Entscheidung des Völker- bundrats in der oberschlesischen Minderheitenbc- schwerde hat in Genf allen Kreisen, nicht nur bei den deutschen, sondern auch bei den Minderheiten und bei den zahlreichen Abordnungen der Rats­mächte Befriedigung und Genugtuung hervor­gerufen. In keiner Minderheitenentscheidung hat der Rat in so entschiedener und eindeutiger Weise Stellung genommen wie hier. Den deutschen For­derungen ist voll Rechnung getragen worden. Die Verletzung der Genfer Konvention und der Minderheitenverträge ist durch den Völkerbund offiziell öffentlich und feier- lich festgestellt und verurteilt, die Wiedergutmachungen sind zur Pflicht gemacht wor­den.

Auch über die Aufständischenverbände und über die Rolle, die dem Woiwoden in die­sem Zusammenhang zukommt, ist bestenfalls das Urteil f o scharf ausgefallen, wie es vor dem Völkerbundsrat im Rahmen seiner internationalen diplomatischen Sprache möglich ist. Es wird für Polen unmöglich sein, die Aufständischenverbande noch weiter als eine illegale Aufstandsgrupve der Behörden bestehen zu lassen, und wenn der Bericht von der polnischen Regierung fordert, daß siealle besonderen Verbindungen schwinden läßt, die zwi­schen den Behörden und den Aufständischen be­stehen", dann heißt das, daß auch der Woiwode Graczynski verschwinden muß.

Das Vorgehen gegen Polen werde manchen anderen Staat davor bewahren, die Minderheitenrechte etwa als eine papierene Angelegenheit zu betrach­ten. In diesem Sinne hat vor allem die hoch­bedeutsame und wichtige Rede des englischen Rats­präsidenten Henderson gewirkt. Durch sie ist der oberschlesische Fall in die Sphäre des gesamten Minderheitenproblems hinaufgehoben worden.

Schärfe

Deutschland suhlt sich durch den Abrüslungs- entwurf nicht gebunden

Gens, 24. Jan. In seiner Vormittagssitzung vom Samstag erörterte der Völkerbundsrat noch die am Freitag' in der Geheimsitzung gefaßten Beschlüsse über die Einberufung der Abrüstungskonferenz zum 2. Februar 1932. Der englische Außenminister Hercherion, als Präsident der Konferenz, gab eine Erklärung ab, in der er feststellte, daß der vom Abrüstungsausschuß ausgearbeitete Abkommens­entwurf den Rahmen der künftigen Kon- ferenzverhandlungen barstelle, innerhalb dessen die Regierungen nur noch ihren ziffernmäßigen Rüstungsstand darstellen mußten. Er hoffe, daß diese Ziffern unter dem heutigen Niveau der Rü­stungen liegen würden.

Diese Erklärung des englischen Außemmmpers Henderson, die im Gegensatz zu der deutschen Auffassung in dem Abkommensntwuri des Ab- rüstungsausschufses eine Grundlage für bic Ab­rüstungskonferenz erblickt, führte zu einer großen politischen Aussprache, in der Dr. Curtius und Briand den grundsätzlichen Standpunkt ihrer Re­gierungen zum Ausdruck brachten.

Das gab Dr. Curtius Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß es bei der Abrüstungskonferenz sich'nicht nur darum handle, Zahlen in einen vor­handenen Rahmen einzusetzen. Der Abrüstungs- entwurft bilde keine verpflichtende Grundlage, und Verhandlungen über ihn seien notwendig. Der Entwurf Hinde keine Partei; auch das System der Abrüstung stehe noch nicht fest und müsse erst in der Konferenz festgelegt werden.

Darauf antwortete Brkand, er sind« die Vor­behalte des deutschen Ratsvertreters natürlich. Der Abrüstungsausschuß habe aber gewisse Grund­sätze für die Land-, See- und Luftabrüstung aufgestellt. Es gebe natürlich Anschauungen, die mit der Auffassung der Mehrheit nicht übereinstimm- ten und es sei durchaus natürlich, daß die Konferenz in dieser Hinsicht nicht begrenzt jei; aber man müsse die Vorarbeiten des Abrüstungsvorausschusses ernst nehmen, man könne die Ergebnisse der fünf­jährigen Verhandlungen nicht in Frage stellen, sonst richte man vor der Welt ein neues schweres Hindernis gegen die Abrüstung auf. Dann könne man nicht erwarten, daß die Abrüstungskonferenz zu einem Erfolg führe. Er müsse dies sagen um die Verantwortlichkeit f e st zu st e l l e n, und er hoffe, daß es keine Regierung gebe, die die Verantwortung nicht verstehe.

Curtius entgegnete auf diese Rebe Briands, in der bereits alle Thesen keimhaft enthalten sind, die von französischer Seite auf der Abrüstungskon- ferenz dem deutschen Wunsch nach wirklicher Ab. rüffung entgegengehalten werden dürften; er habe schon in seiner ersten Abrüstungsrede im Rat und auch in den späteren Verhandlungen stets daraus hingewiesen, daß Deutschland eine wirkliche Ab­rüstung, und zwar so schnell wie möglich, wünsche. Er habe auch selber damals schon betont, daß der Abrüstungsvorenlwurj keine rechtliche Bindung für irgendeine Partei bild«. Das heiße nicht, daß man sämtliche Fragen von Anfang a« wieder anfroerfen müsse; es seien aber noch sehr viele Fragen offen, und die müßten durch die Regierungen vorher ge­klärt werben. Er muss- noch einmal feslskellen, daß der Abrüstungsentwurf durch die Verhandlun­gen im Rat nicht angenommen, sonder« lediglich zur Kenntnis genommen sei unb keine rechtliche Verpflichtung bilde.

Der Bericht des spanischen Botschafters 3[: Berichterstatter für die Abrüstungsfrage wich dann ohne weitere Aussprache angenommen.

Eine Rebe Dingeldev»

Bab Nauheim, 25. Jan. Samstag und Sonnte versammelten sich hier die Volksparteiler aus Hessen zu ihrem Landesparteitag. Der Sams:»: brachte Tagungen des kommunalpolitischen Land-- ausschusses, der Reichsgemeinschaft junger Vol^ varteiler in Hessen, der Ausschüsse für Sean» Landwirtschaft, Mittelstand, Angestellte, Jugetz des Kulturausschusses und des Landes-Fraulf ausschusses mit einschlägigen Referaten. Am Eos tag vormittag wurde der eigentliche Landespiim tag vom stellvertretenden Landesvorsitzenden EG (M. d. L.) mit Begrüßungsworten eröffnet. Annahme einer neuen Satzung des LandesverG des und Neuwahl des Landesausschusses, dem » 18 Frauen angehören, ergriff, von lebhaftem U fall begrüßt, der Parteiführer, Reichstagsabgc«» neter Dr. D i n g e l d e y das Wort.

Redner beschäftigte sich zunächst mit dem J, gebnis der Genfer Tagung. Was : bisher erlebt hätten, fei keine Fortsetzung des $ kommens von Locarno, sondern eine Rückkehr a den Methoden des Diktats von Versailles. Hier hL die deutsche Politik die Verpflichtung, in leW Stunde ihre warnende Stimme zu erheben uti sagen, daß eine Fortsetzung dieser Methoden , Folgen führen würde, die nicht nur vernichtend jE das deutsche Volk, sondern auch für die Kultur anderen europäischen Nationen fein müft? Deutschland wolle keinen Revanchekrieg, es M Achtung vor seinen Lebensmöglichkeiten, um bie ihr vom Schicksal verliehenen geistigen und wirt^r lichen Kräfte zu entwickeln. Dr. Curtius habe st in Genf wacker und schneidig geschlagen. Sie flärung der polnischen Regierung, daß sie alles tu werde, um Abhilfe zu schaffen und die Betaute lichen zur Verantwortung zu ziehen, könne von 3 aber nicht mit innerem Glauben angenommen m den. Die Geschichte des polnischen Staates sei k Beweis dafür, daß derartige Erklärungen in uw: kehrten Verhältnis zu dem Willen ständen, durchzuführen.

Dr. Dingeldey wandte sich dann den innr: deutschen Politik zu und beschäftigte sichji nächst mit der nationalsozialistischen. Bewegt Heute müsse man sich darüber klar sein, daß titi Bewegung, nachdem sie eine Millionenbewechnz nachdem sie die zweistärkste Partei des Deutjs!-: Reichstags geworden sei, ihren Wert vor her schichte des deutschen Volkes nur beweisen Ä durch staatsmännische Leistungen, nicht aber fe agitatorische Anträge und laute Massenoersammh gen. '

Die nationalsozialistische Bewegung möge nicht darüber täuschen, daß das beutfdjie Volk in p ner überwältigenden Mehrheit die Diktatur Radikalismus unter allen Umständen ablehoc. Deutsche Volkspartei habe oft in einem aus^iu chenen geistigen Kampfe mit dem Zentrum best. Sie gehe aber an der nüchternen Tatfache n vorüber, daß man den deutschen Staat nur aufs ten unb groß mache« kann im verständigen 3'M

Nationalsozialisten.

Er, der Redner, habe den iEndruck, daß itür innerstaatlichen Leben Deutschlands einem W^ punkt entgegen gehen. Das Parlament verdiene» Schicksal, das ihm bereitet worden sei. Die P: u - hätten den Beweis nicht .erbracht, daß sie in -.n > ordentlichen Zeiten, wo nur unpopuläre Maß^ men ergriffen werden könnten, den Mut habe:', S für diese einzusetzen. Der Parlamentarismus Deutschland sei von den Parteien selbst dadurch einen schweren Entartungszustand bineingeji^ worden, daß sie einen uferlosen Wettlauf um - Gunst der großen Masse hemmungslos Jah» durch getrieben hättsn:<<HsMi das stärkste Verdis des Reichskanzlers Dr, "VriWW. baß er mit d ihm innewohnenden Zähigkeit» den & weitergegangen fei, der vor allem Volk das erhältnis zwischen Allmacht des Parlaments Ä Verantwortungsbewußtsein des Parlaments M deutlich erscheinen lassen. Wir müßten uns $ dem System des staatssozialistischen Wohlfalm staates wieder frei machen. Dies bedeute eine - zichtleistung von allen Schichten des Volkes Forderungen, die sie sich während des letzten Zehnts angewöhnt hätten an den Staat zu steif Alles, was die Reichsregierung auf diesem tue, werde sich als unpopulär' erweisen. Die erforderliche Autorität werde aber nicht gest® wenn in der Regierung Männer säßen, bie- Dr. Wirth, glaubten, der nationalsozialistiich Bewegung durch polizeiliche Schikanen und $ nahinen entgegentreten zu können, die von altes her sich nur als das beste Mittel zur $ reiebung des Gegenteils erwiesen

Dr. Dingelden verteidigte zum Schluß die ff deruna der Deutschen Volkspartei auf Erspnrr!" von 300 Mill. RM im Reichshaushalt. Wenn > einigen Monaten wiederu.n ein starkes Defizit « uns läge, würde das den Zusammenbruch e>!' Vertrauensgrundlagen sowohl im Inland wie Ausland bedeuten. Der Parlamentarismus in sen- überspitzten Form müsse eingeschränkt werden gunften einer stärkeren Herausarbeitung der pral dialen Stellen und jhr verantwortlichen Rei« regierung. Neben dos Parlament müsse zur rung seiner Beschlüsse eine erste Kammer ge^ werden, zusammengesetzt aus Vertrauensmänner aus den organisierten Perufsständen und aus dc vom persönlichen Vertrauen des Reichspräsiden- Berufenen. Das Wahlalter müsse auf die Stu heraufgesetzt werden, die eine politische Reife pp aussetzt. Die ganze 3ltmosphäre könne ent^N werden, wenn die Rxichsregierung sich entschließ gegen alle Widerstände starke Schritte vorwärts / Durchsetzung einer Reichsrefom zu tun. Die Mi Dingeldèys wurde mit außerordentlich starkem - fall ausgenommen.

Schweres Autobusunglück in Bromberg 6

Bromberg, 25. Jan. Ein schweres Autohu Unglück ereignete sich heute früh gegen 8 W Bromberg. Ein Autobus, mit einer Gefellschap 1 16 Personen besetzt, die von einer Unterhaltung einem Vorort Brombergs zurückkehrte, fuhr f abschüssige Straße, die auf die Brahe zusiihri, unter und konnt« infolge Glätte vom Gmiuij' nicht zum Halten gebracht werden. Der Srarn^ stürzte in den Fluß. Sechs Passagiere fanden Tod und vier wurden schwer verletzt in das berger Krankenhaus eingeliefert.