peinlich berührt. In Indien halten M« Frauen in Gesellschaft mit fremden Männern ihre Schultern und den Hals ängstlich verhüllt. Frau Raman befolgte, als sie in London zu einer Soiree geladen war, diese Gewohnheit und zog während des Abends einigemal das Tuch hoch. Die Frau des Hauses schien diese Gebärde mißzuverstehen, denn sie rief plötzlich: „Oh, Entschuldigung, .Ich werde so«
Frau Raman ist es kalt . . fort besser heizen lassen!"
Kuriositäten von dem großen Welt-Inventur-Ausverkauf.
Von Peter Holmgren.
Wenn man einmal so ein bißchen mit Muße die Zeitungen studiert — oft geschieht es ja aus Mangel an Zeit sowieso nicht — und wenn man auch überdies noch die innere Ruhe aufbringt, sich so seine Gedanken darüber zu machen, was da so alles in, über, zwischen und hinter den Druckzeilen steht, so drängt sich einem bald die Ueberzeugung auf: Herrjeh — die ganze Welt macht wohl so langsam Inventur-Ausverkauf...
Da sind so manche lieben, alten Dinge, „seelische Güter" und derlei, die sind überhaupt schon restlos ausverkauft, und von gewissen Begriffen sind auch nur noch höchst spärliche Restbestände auf dem Markt zu finden. Sogar von den materiellen Dingen, mögen sie noch so kostbar, selten und seltsam sein, gibt es kaum noch eines, was nicht für Geld oder andere Werte zu haben wäre. Da verkauft ein Mann fein und seiner Vorfahren Erbschloß, dessen Portal die Jahreszahl 1463 trägt, um ein rentableres Automobilgeschäft aufzumachen. Wertvolle Sammlungen, in deren zusammengetragenen Kostbarkeiten die Lebensarbeit vieler Männer steckt, werden auf ihren Marktwert geprüft, auseinandergerissen und wandern in die weite Welt — zum ersten, zweiten, dritten. Je seltener das Geld wird, je schwerer es zu erwerben ist, um so größer werden die Möglichkeiten, die sich einem Menschen bieten, der eben dieses Geld besitzt. Die ganze Welt mit allen ihren greifbaren und unsichtbaren Werten veranstaltet einen Ausverkauf — einige besonders interessante Kuriositäten seien hier öffentlich ausgeboten.
Vielleicht findet sich ein Käufer für einen tadellos erhaltenen Vulkan?
O ja — garantiert erloschen. Wie würde es sonst das ehrwürdige Handelsministerium der Republik Honduras — mit einiger Mühe findet man sie in Zentralafrika — wagen, diesen Vulkan zum Verkauf anzubieten? Er liegt nahe dem Städtchen Cholutecca^ ist 2200 Meter hoch
erst ein einziges Preisangebot vor, das von einer kalifornischen Bergbaugesellschaft gestellt wurde, und auch das ist lächerlich niedrig. 10 000 Dollar. Zehntausend Dollar für einen erloschenen Vulkan--zum ersten, zweiten, dritten???
bringt häufig ausrangierte Kriegsschiffe zum Verkauf, und auch das U-Boot 8, das zurzeit preiswert angeboten wird, ist geradezu eine einmalige Gelegenheit. Denn die Ware wird nicht nach dem Sammelwert oder nach einem anderen Gesichtspunkt veranschlagt, sondern rein nach Gewicht verkauft, zum üblichen Preise von Alteisen. Das U-Boot 8 ist allerdings eines der ältesten Typen der amerikanischen Marine mit geringem Aktionsradius — aber ich bitte Sie — für eine Rekordreise um die Welt, für eine Unterwassertrauung oder Kindtaufe bei 300 Meter unter dem Meeresspiegel reicht es allemal aus.
Sehr zu empfehlen ist auch
der biblische Berg Nebo.
Sie wissen natürlich, daß das jener Felsen ist, von dessen höchster Spitze aus Moses das gelobte Land erblickte. Es ist heute ja weiter nichts an dem Berg zu sehen — man dürfte ihn eher als kahl und unfruchtbar bezeichnen, aber sein Wert ruht eben in seiner historischen Bedeutung. Er kostet die Kleinigkeit von 30 000 Mark, und die Beduinenscheichs, seine augenblicklichen Besitzer, werden möglicherweise auch noch mit sich reden lassen. Zurzeit, so sagt man, soll ein Vertrauensmann der Mormonen zur Besichtigung des Verkaufsobjektes in Palästina eingetroffen sein, denn möglicherweise
Man fragte Frau Raman auch, ob sie und ihr Mann, da dieser nun den Nobelpreis bekommen habe, sich nicht ein Automobil anschaffen würden. Doch davon wollte sie absolut nichts wissen. „Wir besitzen ein Pferd und einen Wagen, und wenn ich Eile habe, nehme ich ein Autotaxi. Nein, unsere Gewohnheiten werden wir nicht ändern."
DfecebVoLteÄ. iCt^O
Wie wäre es mit einem
vor kurzem renovierten Gefängnis?
Das Städtchen Bayonne in Südfrankreich — na, wieviel Einwohner wird es schon haben, fünf-, sechstausend, mehr gewiß nicht — hat vor einigen Jahren, nach heftigen Debatten im Stadtrat, eine Renovierung seines städtischen Gefängnisses durchgeführt. Nun ja — und die Stadtältesten haben es ja von Anfang an gesagt — es war keine rentable Transaktion. Denn kaum waren die Zellen mit neuzeitlichem Komfort eingerichtet, die Fassade unschuldsweiß geputzt und die Mauer' verstärkt, als auch schon diesen wohnlichen Ort aufzusuchen. Es geschahen buchstäblich keine Einbrüche. Morde, Brandstiftungen mehr.. Die Menschen sind eben undankbar. Und was soll man machen? Bayonne kann es sich nicht leisten, rund 40 guteingerichtete Räume unbenützt stehen zu haben — und so bietet es eben ein schön renoviertes Gefängnis zum Kauf an. Bisher ohne Erfolg allerdings.^
Eines der wertvollsten Objekte ist inzwischen leider schon vergeben — es handelte sich um einen
will man dort oben den Tempel Salomonis neuem errichten. Eile ist also geboten. . .
Auch London will nicht zurückstehen, bietet
einen kompletten Untergrundtunnel
zum Kauf an. Der Bau dieses Tunnels, 18 Meter unter der Themse entlangführt, nicht weniger als vier Jahre in Anspruch
von
Es
der hat ge-
nommen und seine guten 20 Millionen Mark gekostet. Leider erwies er sich dann später als unbrauchbar, weil die Ventilation nicht zufriedenstellend war, und außerdem auch der lockere Boden nicht gerade unbedingte Sicherheit des Baus garantiert. Aber so als Garage oder zur Champignonzucht wäre der Tunnel durchaus geeignet — meinen die Stadtväter von
an den Mann zu bringe
Und so könnte man einen ganz hübschen, kleinen Band füllen mit all den Objekten, die die große Weltinventur zum Verkauf stellt. Ein Wunder bleibt bei alledem wirklich, daß noch niemand auf den Einfall kam, meistbietend und
und, wie gesagt, erloschen — seit dem 14. Juli 1866. In landschaftlich reizvollster Umgebung erhebt sich sein Kegel — bis zu halber Höhe von einem Urwaldgürtel umgeben, in denen Tiger, Brüllaffen und Riesenschlangen (ungiftig) ihr Wesen treiben. Auf den Hängen wollen eingeborene Geologen reiche Schwefelund Bimssteinlager festgestellt haben — immerhin keine schlechte Kapitalsanlage. Zuvor liegt
historischen Friedhof, der im Norden Spaniens zum Verkauf stand und für die runde Summe von 15 000 Dollar an einen romantischen Amerikaner überging. Dieser Friedhof birgt die sterblichen Reste einiger bekannter Dichter und Denker, und der beneidenswerte neue Besitzer wird in mondklaren Nächten zwischen den Hügeln einher- wandern und mit den Geistern der Abgeschiedenen Zwiegespräche halten können.
Mehr Freude, vielleicht auch -infolge seiner größeren ' praktischen Verschwendungsmöglichkeiten wird man an
einem Unterseeboot a. D.
haben. Das Marineamt der Vereinigten Staaten von Nordamerika erteilt über das Objekt bereitwilligst Auskunft. Diese Behörde
Indische Frau besucht Europa.
Der fortschrittlichste Erdteil in den Augen eines anderen.
Frau Raman, die Gattin des berühmten indischen Gelehrten, Professor Raman, der für seine bedeutsamen chemi-physikalischen Entdeckungen in diesem Jahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, begleitete ihren Mann auf seiner Europareise nach Stockholm, um der feierlichen Ueberreichung des Preises beizuwohnen. Und sie spricht in einer schwedischen Zeitung über die Eindrücke, die sie von Europa gewonnen hat.
„Nein, auf den Rücken gefallen bin ich nicht vor Erstaunen über Europa. Fast icheint es mir, als habe die westeuropäische Stau mehr Anlaß zu Staunen und Bewunderung, wenn sie nach Indien kommt. Sehen Sir, die Technik beispielsweise, man hat mir derlei Wunderdinge von der europäischen
Gewissensfragen, die eine Bank stellt.
Wenn einer Bankangestellter werden will, so meint man, das sei schließlich eine einfache Sache. Man bewirbt sich um die Position, und wenn man Glück hat, ganz unverschämtes, unverdientes Glück, dann wird man zur persönlichen Vorstellung gebeten, und wenn dann alles schon beinah nicht mehr mit rechten Dingen zugeht, so bekommt man die Stellung — (Probezeit — Mindesthonorar und Abbau im Hintergrund — aber immerhin). Ja, so einfach mag sich diese Angelegenheit vielleicht im alten Europa abspielcn. In Amerika sieht die Sachc wesentlich schwieriger aus.
Zugegeben, daß die Möglichkeiten, diese Stellung zu bekommen, größer sind, aber ihre Erlangung kostet Arbeit, schwere Arbeit. Nicht allein ein Lebenslauf wird verlangt, nebst den üblichen Zeugnissen und Eeburtsbestätigungen, nein, man legt dem eifrigen jungen Bewerber einen Fragebogen vor, der nicht weniger als 13 0 Sätze mit Fragezeichen enthält. Und nicht ohne Verwunderung liest man einige dieser Fragen, die ein harmloser junger Mann zu beantworten hat, der sich um eine Stellung an einer Bank bemüht:
„Wie heißt wohnt er?
Besitzen Sie Welche Marke? Raten bezahlt?
Ihr Zahnarzt? Und wo
ein Automobil? Wie lange? Preis? Barkauf oder in Ist die Schuld vollkommen
preiswert — steigern.
das Blau des Himmels zu ver-
getilgt? Was kostet Sie monatlich die Garage?
Welcher Religion gehören Sie an? Wie heißt Ihr Pfarrer, Priefer, Rabbiner? (Nichtzutreffendes durchzustreichen.)
Sind Sie Hausbesitzer? Wenn ja, be- schreiben Sie das Haus und die Kosten, die
^"a MM -
Wer ist Inhaber der ersten, wer der zweiten Hypothek?
Leben Sie bei Ihren Eltern? Was zahlen Sie Ihnen für Pension?
Geben Sie Namen und Adresien all der Personen an, die Sie unterstützen, zugleich die Summen, die Sie ihnen zukommen lasten.
Haben Sie Schulden? Und bei wem? Geben Sie die Höhe der Summen und die Schuldbedingungen genau an.
unseren Angestellten",
R. S
Führen Sie eine glückliche Ehe? nein, warum nicht?" . . .
130 Fragen dieser Art legt die Bank Trust" in New York jungen
Und wenn
RLAUE
„Chemical Bewerbern
Technik erzählt, daß mich die Wirklichkeit nur enttäuschen konnte. Denn ganz vergessen, wieviel von der westlichen Technik, bereits nach Indien vorgedrungen ist." Und wenn sie als gute Hausfrau die Bücher ihres Mannes abstaubte, hat sie aus vielen Werken in Bild und Wort eine lebendige Vorstellung von jenem Europa gewonnen, von dem man so viel spricht.
Sie liest sehr wenig, denn, wie die meisten indischen Frauen, hat sie keine besondere Erziehung genosien. Mit dreizehn Jahren war sie bereits verheiratet. Erst viel später lernte sie die englische Sprache. Man glaube aber deshalb nicht, daß die indischen Fauen mit ihrem Schicksal unzufrieden sind. Sie werfen nicht, wie die Türkinnen, ihre Nationaltracht ab, um sich europäisch zu kleiden, sie halten.an den nationalen Traditionen fest und nehmen von der westlichen Kultur bloß das, was sie für nützlich halten. Es gibt auch in Indien gelehrte Frauen, seit tausenden Jahren haben sich dort Frauen aus-.
gezeichnet, und alte Mythen wissen von ebenso hervorragenden Frauen zu erzählen, wie die Bibel der Europäer. Viele Inderinnen sind Aerzte, Lehrer, Journalisten, aber für die exakten Wisienschaften hat die indische Frau nichts übrig. So hat zum Beispiel Professor Raman noch nie einen weiblichen Schüler gehabt:
Was Frau Raman in Europa am sonderbarsten fand, das war die Etikette zwischen den Geschlechtern. Sie war sehr verblüfft, zu sehen, daß in einer Gesellschaft der Mann aufsteht, wenn eine Frau eintritt, und daß auf der Straße die Frau neben dem Manne und nicht einige Schritte hinter ihm geht. Es war Madame Curie, die sie lehrte, daß sie nicht hinter ihrem Manne herlaufen solle, sondern neben ihm schreiten müsse. Das war ihr anfangs recht fremdartig erschienen, aber nun hat sie sich daran gewöhnt. Aber ob sie auch in Indien neben dem Manne gehen werde, daß weiß sie noch nicht. Frau Raman war oon, den Abendtoiletten der Damen ebenfalls.
zur Beantwortung auf Ehre und Gewissen vor. Und warum? Ihre verantwortlichen Leiter behaupten, die Leistung eines Menschen und ihre finanzielle Bewertung erst dann beurteilen zu können, wenn man genauestens über sein Leben und seine Verpflichtungen orientiert ist. Sie handelt nach dem Grundsatz „Dienst an
Das ewige Streichholz.
Das Ende des Streichholzes scheint nahe zr sein. Denn eine neue Erfindung — als Schöpfer zeichnen die I. E. Farbenwerke — wird auf den Markt gebracht — das ewige Streichholz. Aber diese Bezeichnung ist nicht zutreffend. Von Holz kann gar nicht die Rede sein, denn wenn auch die Form des Entzünders die gleiche blieb, das Material veränderte sich. Das ganze Stäbchen besteht aus der Substanz, die bisher als Zündstoff nur die Kuppe des Hölzchens bedeckte, es ist also kein Streichholz mehr, vielmehr eine Zündkerze. Denn dieses Stäbchen kann beliebig oft angestrichen werden und erfüllt weitaus öfter seine Pflicht, als das einmal einzige Streichholz. Wieder einmal eine Erfindung, die wie das Ei des Columbus an« mutet. Was aber sagt Herr Kreuger dazu?