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Stift e

Donnerstag den 22. Januar 1931

Nr. 18

Die âlase des ^dnrss von Vosttieu" Lin seltsamer Prozeß vor dem Pariser Staatsgericht Der wahre Kronprätendent von Bosnien als Rechtsanwalt Die alte bosnische Königsdynastie

Vor dem Pariser Strafgericht klagte vor einigen Tagen der Rechtsanwalt Milosch de Zeliez, der für sich königliche Rechte in Anspruch nimmt, da er in Wirklichkeit der rechtmäßige König von Bosnien ist* Es handet sich hier nicht um einen Geisteskranken, der Lustschösier baut, sondern um geschichtlich be­gründete Tatsachen. Bor einiger Zeit stand bekannt­lich in Riga der einzige Nachkomm« der ehemaligen Könige von Lettlarch vor Gericht. Hier in Paris liegt ein ähnlicher Fall vor, beim Rechtsanwalt Milosch de Zeliez ist tatsächlich der einzige Abkömm­ling des uralten Königsgeschlechtes in Bosnien. Das Land stand nach der Völkerwanderung bald unter ungarischer, bald unter serbischer, bald unter kroa­tischer Herrschaft, da hier die Machthaber häufig wechselten. Erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde Bosnien vorübergehend unabhängig und hatte einen eigenen König. Aber auch diese Herr­lichkeit dauerte nicht sehr lange, denn das Land war ein Wetterwinkel, über den unausgesetzt politische und militärische Stürme dahinbrausten. Das Ende der Freiheit Bosniens war gekommen, als die tür­kischen Heerscharen das Land überfielen und Mo­hamed H. seine gewalttätige Herrschaft hier er­richtete. Der letzte König wurde enthauptet und fast die ganze Bevölkerung als Sklaven fort­geschleppt. Vom Ausgang des 15. Jahrhunderts bis zum Berliner Kongreß waren die Türken die Zwingherren des Landes, das dann unter österreich­ische Oberhoheit kam und jetzt wieder wie vor Be­ginn der türkischen Herrschaft von den serbischen Königen regiert wird.König Milosch", der augen­blicklich im Hauptberuf Pariser Rechtsanwalt ist, erkennt aber die Herrschaft der Dynastie Karageor- giewicz über Bosnien ebenso wenig an, wie er früher die österreichische Oberhoheit als rechtmäßig ansah. Bosnien Hot nach seiner Anschauung nur einen einzigen angestammten König, der dem alten bosnischen Königshaus« entstammt und jetzt leider durch die Ungunst der Verhältnisse gezwungen ist, sich durch Verteidigungsreden vor Pariser Gerichten fein Brot zu verdienen, anstatt in Sarajewo in

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irgendeinem Schlöffe zu fitzen und zu regieren. Noch sein Urgroßvater ist, wie er berichtet, Herzog von Dalmatien und Ellyrien gewesen, d. h. er hat diesen Titel geführt. Im Jahre 1810 wanderte der Herzog aber aus Bosnien aus, um sich der türkischen Gewalt zu entziehen und zog nach Frankreich, wo er von Napoleon L mit allen Ehren eines großen

Herrn empfangen wurde. Kaiser Napoleon verlieh ihm auch das französische Bürgerrecht. Sein Groß­vater nannte sich damals de Zelicz nach einem alten Schloß, das den ehemaligen Königen von Bosnien gehörte, da er nicht über die Mittel verfügte, um das Leben eines Herzogs von Dalmatien und Illyrien führen zu können. So verbarg er sich unter dem Jnkognitonamen de Zelicz, den alle seine Nachkommen, sein Sohn, sein Enkel und sein Ur­enkel nach ihm führten, ohne dadurH jedoch das Recht aufgegeben zu haben, sich Herzöge von Dal- Marien, Illyrien und Bosnien zu nennen. Er erklärt, daß bie Vorfahren der jetzigen serbischen Könige noch unbekannte kleine Bauern wären, als feine Familie bereits auf dem Königsthron von Bosnien saß. Trotzdem aber kennt weder die Geschichte, noch die Politik derartige Rücksichtsnahmen auf uralte Rechte, die vor vielen Jahrhunderten be­standen haben, sondern auf diesem vielumstrittenen Gebiete herrscht der Augenblick. Entthronte Für­sten gehen betteln und ehemalige einfache Soldaten sitzen, wie z. D. in Persien, auf dem Königsthron, und was der alten persischen, türkischen und anderen Dynastien recht ist, das- ist auch bem ehemaligen König von Bosnien billig.

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das

Mit Stolz nennen wir unser Jahrhundert Zeitalter der Technik", ohne daran zu denken, daß die Völker vergangener Jahrtausende geradezu wunderbar anmutenbe Wettrekorde auf diesem Ge­biet geschaffen haben. Einzelne Nachrichten darüber sind hin und wieder bekannt geworden, So hat man gehört, daß Plato eine Weckeruhr besaß, die nach den Grundsätzen der Wasserorgel gebaut war. Auch die Tatsache, daß die alten Aegypter bereits Taxameter besahen, ist schon erwähnt worden. Der berühmte Mathematiker und Mechaniker Hero aus Alexandria beschreibt- sogar derartige Taxa­meter genau und wir erkennen aus dieser Mit­teilung, daß bei manchen Systemen Kugeln zur Messung des Weges dienten, aber auch die heute allgemein angewandte Bekanntgabe der zurückge­legten Strecke durch Zeiger auf einen graduierten Kreis mar damals schon üblich. Der alte Aegypter, der in einer Mietdroschke fuhr, konnte also von seinem Sitz aus an der Taxameteruhr genau er­kennen, welche Strecke er gefahren war. Nach Mit­teilungen des Vitruv, der zur Zeit des Augustus gelebt hat, gab es gerarti-ge Taxameter auch in Rom. Unbekannt ist. aber die Tatsache, daß es in ältesten Zeiten auch schon Maschinengewehre gab. Wenn mit diesen auch natürlich nicht Kugeln ab- geschossen wurden, sondern Pfeile, so war doch das Prinzip mit Hilfe von Kurbeldrshungen zu ar­beiten und auf mechanischem Weg« immer neue Geschoße einzulegen, dem der heutigen Maschinen­gewehre ganz ähnlich. Neben den beiden oben ge­nannten technischen Meistern und Schriftstellern Hero und Vitruv berichtet darüber auch Philon. Ueber die Urgeschichten zahlreicher Erfindungen, die für uns von größter Bedeutung geworden sind, sind wir überhaupt noch im Unklaren. So ist es bestimmt nicht richtig, daß Gutenberg der Erfinder der Buchdruckerkunst ist. Der Lehrer Ciceros, Po- seidonios, spricht bereits von der Möglichkeit des Druckens mit beweglichen Lettern. Die alten Araber hatten bereits Papierfabriken, und das älteste Druckpapier wurde sogar schon in den ersten Jahren unserer Zeitrechnung hergestellt. Auch die Erfindung des Blitzableiters durch Benjamin Frank­

Giner, der an Tausends Machen schäften verdient das

München, 21. Jan. Am dritten Verhandlungs­tag im Prozeß gegen denGoldmacher" Tau­send wurde die Vernehmung des Angeklagten fort­gesetzt. Dabei kamen die verschiedenen zum Teil recht komplizierten Geldgeschäfte zur Sprache, die Tausend bzw. feine Vertreter tätigten. Tausend hat eine Reihe von Darlehen ausgenommen, für die er seine bereits in der Dienstags-Verhandlung zur Sprache gekommenen Goldgutscheine aus- gab. Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten vor, daß es doch nur Papierfetzen gewesen seien. In Wirklichkeit sei ja keine Golddeckung vorhanden ge- wsen, und diese Goldgutscheine hätten also auch kein Pfand dargestellt. Auf diesen Vorhalt erklärte Tausend mit zynischem Lächeln:

Meine Goldgulscheine waren mindestens so­viel wert als die alten Tausendmarkscheine. Dafür hat man ja auch fein Gold mehr bekom­men."

(Große Heiterkeit im Zuhörerraum.) Ausführlich werden dann die Geldverhandlungen mit dem früheren Münchener Stadtrat und Rechtsanwalt Dr. Buckeley besprochen, der für Tausend in Garmisch ein Haus kaufte und verschiedene Dar­lehen vermittelte. Dieser Fall ist insofern inter­essant, als Buckeley einer der wenigen in dieser Affäre ist, der nicht geschröpft wurde, sondern daran verdient hat. Buckeley befindet sich jetzt in Süd­amerika, wo er seinen Gewinn in Ruhe verzehren kann. Er hatte der Gesellschaft rund 53 000 RM Zur Verfügung gestellt. Später, als er anscheinend unbequem wurde, wollte man ihn wieder los sein.

Man bewilligt ihm in einer Gesellschaftsver­sammlung in Wien, in der Tausend den Vorsitz führte. 90 000 RM als Ablösung.

Die Gesellschafter waren deswegen so großzügig, weil Taufend damals offenbar den Stand seiner Erfindung als besonders günstig hinstellte. So wurde damals in dieser Sitzung in Wien ein nach München gesandtes Telegramm aus Augsburg vor­gezeigt, in dem es hieß:Drei Kisten Drahtstifte 164 abgegangen." 164 war in der Gesellschaft der Deckname für Gold. Tausend bestreitet zwar, mit diesem Telgramm etwas zu tun zu haben, bestätigt aber, Dr. Buckeley 90 000 RM ausgezahlt zu haben.

Ein Münchner Fabrikant und dessen Gattin haben Einlagen in bar und in anderer Form gemacht und sind

um über 300 000 RM geschädigt worden. Der Fall der Geldgeber in Freiberg wird erneut aufgerollt. Tausend' hatte ihnen ein Dar- lchn von 25 000 RM verschafft, während sie bei der Gesellschaft ein Guthaben von 66 000 RM be- ' saßen. Als der Vorsitzende fragt, warum Tausend j dieses Darlehen nicht auf den GuthabènanteU der 1 Geldgeber in der Gesellschaft verrechnet habe, er- ; klärt Tausend unter allgemeiner Heiterkeit,

er habe sie nicht um ihre Gewinnchancen bringen wollen.

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geber in die Gesellschaft ein. Der Vorstand bewilligte

500 Mark Gehalt, Tausend erhöhte es von sich aus

_________ . Sodann wird die Verhandlung auf Donnerstag Vor der Vertagung auf den Nachmittag be- vormittag vertagt.

auf 600 Mark.

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lin beweist nur, daß dieses wichtige Mittel zum Schutz der Häuser gegen Blitzgefahr in unserer Zeit aufs neue gefunden werden mußte, da es mit ziemlicher Sicherheit schon bei den alten Aegyptern bekannt war. In der altägypttschen Stadt Edfu gab es einen wunderbaren Tempel, an dem durch eine Aufschrift mitgeteilt worden war, daß vier das Gebäude überragende Masten zum Schutze dienten. Aehnlichen Zwecken waren am Tempel von Den- drah mehrere Holzstangen gewidmet, die ungefähr 30 Meter hoch und mit Kupfer beschlagen waren. Auch hier wies eine Inschrift auf den Zweck dieser Stangen hin. So ist es nicht verwunderlich, daß auch die alten Hebräer nach den Mitteilungen des Physikers Zimmermann in ihren 60 Ellen hohen Holzstangen mit metallenen Spitzen ein um­fassendes System von Blitzableitern zum Schutz der Bundeslad« errichtet hatten. In großartiger Weise weist Zimmermann 'ferner darauf hin, daß di« Bundeslade eine gewaltige elektrische Batterie war, da alle Einzelheiten ihrer Herstellung aus Holz und Gold klar darauf hindeuten. Die Priester sollen übrigens bereits damals verstanden haben, was heute der Traum aller Techniker und Er­finder ist Elektrizität aus der Atmosphäre zu gewinnen. Heute sind wir nach nicht so wett, wenn wir auch wissen, daß auf diese Weise gewaltige Mengen von elektrischer Kraft der menschlichen Arbeit dienstbar gemacht werden können. So soll der Tod der Söhne des Hohepriesters Aaron durch dies« elektrische Energie hervorgerufn worden sein, da sie das Geheimnis der Entladung nicht kann­ten. Falls die alten Hebräer tatsächlich diese Kennt­nis gehabt haben sollten, so würden sie einen Welt­rekord erreicht haben, der hèut immer noch ein Traum der Menschheit ist. Auch dies wäre aber nicht verwunderlich, denn mir wissen, daß die Alten tatsächlich Erfindungen kannten, um die wir uns heute noch eifrig, aber vergeblich bemühen. Aus einem Berichte von Jbn-Lel-Alkohm an den Sohn des Kalifen Harun al Raschid über den In­halt einer altägypttschen Pyramide erfahren wir, daß darinGlas, das gebogen werden konnte und nicht zerbrach", gefunden wurde. Auch die alten Römer haben nach einer Mitteilung in der Schrift des Protenius dasGastmahl des Trimalchio" Glaspokale gehabt, die mit dem Hammer bearbei­tet werden konnten, ohne zu zerbrechen. Die Po­kale erlitten dadurch nur eine Einbiegung. Das biegsame Glas der Aegypter mürbe schon vor 4000 Jahren erfunden. In den Pyramiden wurde auch nichtrostendes Eisen gefunden Die waren also auf diesem Gebiete auch schon sehr weit fortgeschritten. Die Liste der technischen Weltrekorde vor mehreren

schwertc sich Tausend mit einer Erklärung darüber, daß die deutschen Behörden

den Auslieferungsverlrag mit Italien verletzt haben. Er fei von Italien ausgeliefert worden nur wegen zweier Fälle, niemals aber wegen politischer Dinge, über die jetzt in der ganzen Angelegenheit verhandelt werde. Der Vorsitzende stellt richtig, daß nicht der geringste Zweifel darüber besteht, daß die Auslieferung für sämtliche Fälle, die Tausend zur Last gelegt werden, erfolgt sei.

In der Mittagspause hat der Angeklagte dem ihn begleitenden Schuhmann verraten, daß er den Staat wegen unschuldig erlittener llnler- suchnngshaft auf einen Schadenersatz von 5 Millionen Mark verklagen werde.

In der Nachmittagsverhandlung wurde zunächst Professor Lautenschläger - Frankfurt a. M. vernommen, der über die Versuche Tausends mit einem blutstillenden Mittel sowie über die Herstellung von Morphium aus Kochsalz und über ein Zink­superoxydreinigungsverfahren berichtete. Der Zeuge erklärte, daß die Verfahren, die Tausend in feinen Theorien entwickelt habe, etwas Neues und Bedeu­tungsvolles wären, wenn sie durchführbar seien. Der nächste Zeuge R i e n y a r d t, Referendar in München bekundet, daß er im Januar 1924 mit Tau­send durch ein Inserat bekannt geworden sei. Tau­send, der ihm von vornherein gesagt habe, daß er Autodiktakt sei, habe über seine Arbeiten berichtet, die der Zeuge sich dann näher erklären ließ. Später habe er ihm auch von einem Zufallserfolg erzählt, wobei Gold zutage getreten fei. Im April 1925 er­klärte ihm Tausend, daß er mit seinen Goldversuchen vorwärts gekommen sei. Der Zeuge habe dann die Verbidung mit General Ludendorff hergestellt, der wiederholt Besuche bei Tausend gemacht habe. Der Chemiker Kummer, der als Sachverständiger bei den Vorführungen zugegen war, habe berichtet, daß sich bei den ersten Versuchen Gold gezeigt habe und zwar in Stecknadelkopfgröße.

Nach den weiteren Aussagen des Zeugen Rieu- Hardt sind auch in Ludendorffs Villa Versuche gemacht worden.

Man wollte dann das Verfahren weiter ausbilden, um Goldkörner in Linsengröße herzustellen, kam aber nickt recht weiter. Der Zeuge versuchte nun auch in München, nach den Tausendschen Rezepten Gold herzustellen, erklärte aber, er sei sehr enttäuscht gewesen, als er vergeblich nach den Goldkörnchen suchte. Die weiteren Aussagen des Zeugen beschäf­tigten sich dann mit der Gründung derGesellschaft 164", die den Zweck haben füllte, Tausend Gelegen­heit zu geben, ungestörter arbeiten zu können. Tau­send sollte dabei nach Möglichkeit von den finan­ziellen Angelegenheiten nichts erfahren. Nach der An­sicht des Zeugen ist Tausend wohl erfinderbegabt, doch hat er nicht die entsprechende technische Ausbil­dung gehabt. Bei Besprechung der Beteiligung Tau­sends kam die Rede auch auf Rechtsanwalt Buckeley. Auf diesen habe Tausend einen ganz besonderen Eindruck gemacht und Buckeley habe auf Vorfüh­rungen verzichtet mit dem Hinweis, daß man Tau-

einem Mann mit so wunderbaren Christus" äugen,' unbedingt vertrauen könne.

tausend Jahren ist also sehr groß. Ptolomäus Philadelphos hat übrigens auch die wunderbarsten künstlichen Menschen" geschaffen.

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Line ' unscheinbare Baumrinde als Wohltäter Menschheit. Chinin gegen Erkältungen und dere Krankheiten.

der an-

Als Pizarro mit seinen Abenteurern in Peru einfiel, dachte er nicht daran, daß ein unschein­barer Baum im Lande der Inkas der Menschhett zu größerem Segen gereichen würde als das er­sehnte Gold. Die Rinde dieses Baumes, zu Pul­ver zerrieben, benutzten die Eingeborenen als Mit­tel gegen fieberhafte Krankheiten: sie hießen sie kina", d. h.die gute Rinde". Erst hundert Jahre nach der Eroberung Perus brachte man die Chinarinde" die also mit China nichts zu tun hat nach Europa. Einer Frau soll dies zu dan­ken sein: der Gemahlin des Vizekönigs von Peru, der Gräfin del Chinchon, und nach ihr wurde der Baum Chinchona genannt, was heute, der leich­teren Aussprache wegen, Cinchona geschrieben wird. Die Ersten die dem Chinarindenpulver einen Rus in der Heilkunde verschafften, waren die Je­suiten; das Mittel wurde daher auch lange Zeit Jesuitenpulver genannt. Es dauerte freilich noch eine geraume Zeit, bis man die anfängliche primi­tive Art der Verwendung aufgeben und in dem eigentlich wirksamen Bestandteil, dem Chinin, eine viel reinere, besser wirkende Droge herstellen konnte. Der Erste war der spanische Arzt Dr. Go­mez, der 1810 dasChinchonin" aus der Rinde kristallisieren konnte. Die Vollender waren die französischen Aerzte Joseph Bienaimä Caventou und Joseph Pelletier in Paris, die 1820 zum ersten Mal das reine Chinin gewinnen konnten. Seit­dem hat es einen Siegeslauf als Heilmittel ange­treten. Es wird zwar am meistens immer noch, wie früher, zur Bekämpfung der Malaria ver­wandt, aber auch, rein oder mit anderen Drogen vermischt, bei vielen anderen Krankheiten. Es ist gar nicht möglich, sie hier im Einzelnen aufzuzäh­len. Eine kurze Uebersicht ergibt, daß Chinin eine Rolle spielt bei der Behandlung gewisser Lungen­komplikationen nach der Operation, der Venenent­zündung, der Basedowschen Krankheit, der Zucker­krankheit, der Migräne, gewisser Störungen des

Süv das GtresemKtm-Ghventttal in Mainz

Die Stresemann-Büste von Bildhauer 8. Lipp- Mainz, die von Berliner Verehrern des ver­storbenen Außenministers für das Mainzer Ehren­mal gestiftet wurde.

Herzens, der Hämorrhoiden, in der Geburtshilst usw.

Neuerdings verwendet man es auch bei Erkäl­tungskrankheiten und zwar als Vorbeugungs- und Heilmittel. Vorzüglich bewährt hat es sich wäh­rend der großen Grippe-Epidemie im Krjegsjch 1918. Aber auch bei allen möglichen anderen Er­kältungskrankheiten, bei Lungenentzündung, Keuch­husten, Bronchitis z. B., tut das Mittel der alte» Inkas feine Wirkung. Wenig bekannt wird fein, daß wegen feiner vorzüglichen desinfektorische» Eigenschaften viele Verhütungs- und Ansteckungs­schutzmittel Chinin enthalten. Auch in vielen Haar- wössern findet es sich, freilich nur in geringen Mengen! Denn das Chinin wirkt, wie alle Arznei­gifte, anregend oder zerstörend, je nach der Stärke der Dosis, in der es verabreicht wird. Uebermaß ist, wie alles Zuviel, schädlich für den Menschen und kann zu schweren Vergiftungen führen. Die Folgen sind: Uebelkeit, Erbrechen, SchrHM, Ohrensausen und, wegen der narkotisierenden wW 886. ÄS >SWM und verlieren den Geruchssinn, der Puls kleiner, die Atmung langsamer, bis der Tod tritt: durch Stillstand der Atmung oder, tÄl diese künstlich weitergeführt wird, durch Herzsch!-?.! Manche Menschen sind besonders empfindlich -unb | reagieren auf die geringsten Dosen von Chinin mit I Vergiftungserscheinungen und Ausschlägen. Viei-I fach werden die Arbeiter in chemischen Fabrikei I die mit dem pulverisierten Präparat in Berührung! kamen, von dieser Chininidiosynkrasie geplagt. -Eri gibt kein anderes Mittel dagegen, als sie vor fetal Berührung mit der Droge zu bewahren. Die meb | sten Chinarinden kommen heute aus Niederländisch-I Snbien, d. h. aus West-Java. Die Chinchona MI nämlich ihre ursprüngliche Heimat, die tropische«! Anden im westlichen Südamerika, verlassen und I sich in der Mittte des 19. Jahrhunderts auch b I Ostindien, Java, Ceylon und Jamaika angesiedelt | Am besten gedeiht der Baum in West-Java, wo günstiges Klima und systematische Kultur die ge­haltvollsten Rinden erzielen. 90 Prozent unserer Chinarindeneinfuhr kommen heute von dort.

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Oslo, 17. Jan. Das aus Holz bestehende 0t: baude der Haaerups-Schiffhandels-Gefellschaft in das bedeutendste Unternehmen dieser Art m Nord-Norwegen, brannte ab. Der angerichteik Schaden beträgt weit über 100 000 Kronen. Sei dem Brand wurden zwei Leute schwer verletzt Das Auffallendste jedoch ist, daß man glaubt, daß em Meteorstein den Brand verur- i a ch t hat. Unmittelbar vor dem Ausbruch des Feuers beobachteten mehrere Leute eine große Feuerkugel über dem Lagerplatz, die eine derartige Leuchtkraft hatte, daß alle Anwesenden geblendet wurden. Man ist überzeugt, daß diese Feuerkugel, der ein Meteorstein gewesen sein muß, den Brand verursacht hat, um so mehr, als irgendwelche andere Brandursachen nicht entdeckt werden konnten. ®f£ bekannte norwegische Geologe Professor Scheteug erklärt hierzu, auch er halte es für wahrscheinlich, daß dieser Meteorstein die Ursache des Brandes gewesen ist. Der Meteorit ist, wenn er von1 Himmel herabsause, so glüheno, daß der Stein oder das Metall unbedingt schmelze. Selbst wenn der Meteor in der Luft explodiere, was gewöhnlich der Fall, sei, so sehe man, daß sich eine neue SchmelzrindO also sowohl eine primäre wie eine sekundäre Schmelzrinde gebildet habe. Es sei klar, daß wenn ein Stück Meteorstein in leicht brennbaren Stoff falle, ein Brand entstehen müsse. Beispiel seien hierfür vorhanden. Er glaube sich erinnern zu können, daß der riesige Meteorstein, den man vor einigen Jahren in Sibirien gefunden hat, einen Waldbrand verursacht habe.' Vorkommen von Meteorsteinen seien äußerst selten, denn die meisten dieser Meteoriten würden tief in die Erde sausen.