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Montag den 19. Januar 1931

Nr. 15

wmg einer einstigen Wiederherstellung" und an Schenkendorfs hoffnungsfreudige Verheißung der Zukunft: „Nimmer wird das Reich zerstört, wenn ihr einig seid und treu."

Nachdem das Orchester von der Beethovenschen Fünften Symphonie in kl-Moll den vierten Satz vorgetragen hatte, nahm das Wort:

Rs;<hska«zlev Dv. Bvünkng

Sechzig Jahre sind heute vergangen, so sagte èr, leitbem das Reich gegründet und ein Ring um die Stämme Deutschlands geschlungen wurde. Stunde« schweren Unglücks waren dem Reich be- schieden, und Schatten Leides und tiefer Trauer haben sich auf unser Volk gesenkt. Aber das vor sechzig Jahren geschmiedete Band eint uns noch heute. Das Gut der Reichseinheit ist gerettet. Bange Sorgen lasten schwer auf uns,1 aber das wechselvolle Geschehen unsers Volkes in seiner tausendjährigen Geschichte bezeugt, daß es auch die härtesten Stürme überwindet und siegreich durch alles Leid geht, wenn es einig und geschlossen ist. An diese Einheit und an dieses Zusammenhalten soll uns die Erinnerung an jeden Höhepunkt deut­scher Geschichte mahnen und uns leuchtend vor der Seele stehen. Wir werden in dem Glauben an eine bessere deutsche Zukunft nicht ver­zage« und alles daran setzen, dem feierlichen Wunsch der Proklamation von 1871 entsprechend auch unserseits auf dem Gebiet nationaler Wohl­fahrt. Freiheit und Gesittung Mehrer des Deutschen Reichs an den Gütern und Gaben des Friedens zu fein. Für dieses Ziel wollen wir für Reich und Volk unsre letzte Kraft hingeben und dafür im Gedenken an den großen Ka«zler, den Fürsten Bismarck, Zeugnis ablegen..

Der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes beschloß die Feier. Inzwischen hatte auf dem Platz Ler Republick die Ehrenkompanie, gestellt vom Reichswehrinfanterieregiment 13 (Ulm) Auf­stellung genommen. Außerdem war eine Ehren­batterie aufgefahren. Während der Reichspräsident noch im Reichstagsgebäude die Veteranen von 1870 begrüßte, marschierten die Träger der Fahnen der alten Armee die große Freitreppe des Reichstags hinab und rückten auf den rechten Flügel der Ehren­kompanie. Dann donnerten die Salutschüsse, die Musik spielte den Präsentiermarsch mit dem Deutschlandlied, und unter dem Jubel vieler Tausen­der, die sich vor dem Reichstagsgebäude und am Bismarck-Denkmal eingefunben hatten, erschien Hindenburg i« Begleitung des Reichswehrministers unb des Chefs der Heeresleitung und schritt die Front der Ehrenkompagnie ab. Von den Zu­schauermengen immer wieder lebhaft begrüßt, fuhr der Reichspräsident darauf vom Reichstag zur Kundgebung des Kyffhäuser-Bundes nach dem Sportpalast, während die Ehrsnkompagnie mit den Fahnen an der Spitze unter klingendem Spiel abmarschierte.

Mnvmrhrrrg fsrdert w felbMofen Angabe aus AaLerland auf

Berlin, 18. Jan. Der Reichskriegerbund Kyff- häuisr feierte heute mittag um 12 Uhr im größten BèrM?k' Mast dem Sportpamst,' 5te 60fäbrrge Wiederkehr des Reichsgründungstages. Der riesige Saal, der über 10 000 Menschen faßt, war bis in die höchsten Ringe hinein dicht besetzt. Unter das Zivil der zahlreichen Kriegeroereinsabordnungen aus dem Reich und der geladenen Berliner Gäste mischten sich die Uniformen der alten Armee und der Kyffhäuserjugend. Der Saal war mit Aus­nahme von grüner Bekränzung der Präsidentenloge und des Rednerpults ganz ohne Fahnen - und Blumenschmuck. Der Grund hierfür war offensichtlich, daß der Besuch des Reichspräsidenten erwartet wurde, der Ehrenpräsident des Reichskrie­gerbundes ist. Auch mochte dies mit Rücksicht auf die vom Kyffhäuserbund stets zur Schau getragene Neutralität angeordnet worden sein.

Als Hindenburg in der von Ehrenposten in der alten Uniform des Garde du Corps flankierten Loge erschien, erhob sich die Menge unter begeister­ten Zurufen von den Plätzen. General der Artillerie, von Horn, der die Haupjansprache hielt, führte u. a. aus: In zahlreichen deutschen Orten feiern die im Reichskriegerbund zusammen- gefaßten 30 000 Kriegervereine mit ihren drei Mil­lionen Mitgliedern den Tag, an dem vor 60 Jahren das Reich gegründet wurde. Der Kyff- Häuserbund habe sich stets bemüht, den Reichs- gründungstag zum Nationalfeiertag zu erheben. Das deutsche Volk schuldet diese Feier seiner Jugend, die unsere Fahnen einer bessern, lichtern Zukunft entgegentragen wolle. Als Gene­ral von Horn dann der Toten gedachte, die unser Reich erkämpft haben, erhob sich die Ricsen- versammlung von den Plätzen. Die Musik spielte in verhaltenem Tempo die alte Weise von: Guten Kameraden. Der Redner beklagte, wie sehr die gro­ßen Persönlichkeiten der deutschen Vergangenheit von einem großen Teil der Jugend vergessen seien. Statistisch sei festgestellt, daß ein wachsender Hun- dersatz der jungen Leue, die in die Reichswehr ein­gereiht werden, nicht mehr wisse, wer Bismarck, Moltke und Friedrich der Große gewesen seien. Ebensowenig wüßten sie etwas von dem zweiten Versailles und der dort verübten Schändung der Rechtsbegriffe. Wir feien in den alten Fehler des Westfälischen Friedens und des Wiener Kongresses verfallen, auf die Lockstimme der Feinde zu hören. Den Deutschen beherrsche wie vor Jahrhunderten Mißtrauen gegen das eigene Gute und Borliebe für das Fremde. In einer Zeit, wo aus jedem Tages- Iportflieger ein Weltheld gemacht werde, müsse ge­sagt werden, daß die Leistungen der Soldaten im Weltkrieg echte Höchstleistungen gewesen seien. Früher spielten unsere Gegner in Deutschland die Stammesgegensätze heute spielen sie mit gleichem Erfolg die Klassengegensätze gegenein­ander aus. Hätten wir diesen Verlockungen zum Trotz zusammengehalten, so hätten wir den Zusam­menbruch nicht zu erleben brauchen. Der Geist des ersten Versailles müsse bei uns wieder lebendig werden. Er werde es erreichen, daß der Geist des zweiten Versailles überwunden werde. Es gehe nicht an, daß der äußere Druck immer wieder in Parteistreit umgeprägt werde.

Es bleibe uns nichts andere« übrig, als die natioale Sicherheit aus dem Streik der Parteien heraugzunehmen

Dcr Kyffhäuscrbund könne und wolle ein Beispiel

für die Bildung einer>großen deutschen___— ...

Front sein. Um zu Freiheit und Ehre zu gelangen weiterhin die jetzt regierenden Parteien als geecg^

ReiGssvünduugskeiemt anMalb Berlins

3« Genf

Genf, 18. Jan. Im Hause des hiesigen deutschen Generalkonsuls Dr. Völckers fand heute mittag eine schlichte Feier des sechzig­sten Jahrestages der Gründung des Deutschen Reiches statt. Herr und Frau Dr. Völckers empfin­gen die etwa hundert geladenen Gäste, an der Spitze den Reichsaußenminister und die übrigen Mitglieder der deutschen Delegation, sowie die deutschen Be­amten des Völkerbundes und des internationalen Arbeitsamtes, und ferner eine Reihe führender Männer der hiesigen deutschen Kolonie, die deut­schen Journalisten und Vertreter der deutschen Studentenschaft.

Nach einer kurze« Begrüßungsansprache von Dr. Völckers hielt Reichsaußenminist er Dr. Curtius eine Rede, die auf dem Motto Einheit und Freiheit, dem Losungswort der Begründung des Reiches aufgebaut war. Dr. Curtius forderte Ehrfurcht vor der Vergangenheit, Willen zur Gegenwart und Glaube an die Zukunft. Wir bedürfen zurzeit mehr denn je einer festen Führung, und das wichtigste sei, daß das deutsche Volk das Gefühl für die Volksgemeinschaft nicht verliere. Dann nur werde es mötzlich sein, alle Kräfte für die Erringung nationaler Freiheit anzuspannen.

Die Leiern 8m Reiche

Berlin, 18. Jan. Auch im Reich wurde der Gedenktag der Reichsgründung allenthalben festlich begangen.

In München veranstaltete die bayerische Staatsregierung im Odeon eine Feier, an der die bayerische Regierung in ihrer Gesamtheit, ferner viele Landtagsabgeordnete, zahlreiche Vertreter der Reichs-, Länder- und Gemeindebehörden, des Diplo­matischen Korps, der Reichswehr, der Münchener nochschulen und der Wirtschaft teilnahmen. Prof. Alexander v. Müller hielt die Festrede. Redner legte ein warmes Bekenntnis für Bismarck ab, das über Weltkrieg und Zusammenbruch gedauert habe und auch in Zukunft nicht untergeben werde. Doch sei nur der organische Rahmen eines Föderativ staates der geeignete Weg. Ministerpräsident Held brachte ein Hoch auf das Reich und den Reichspräsidenten aus. Die Ver- ammlung erhob sich und sang das Deutschlandlied.

In Stuttgart versammelten sich die Reichs- wehrgruvpe des Standortes Stuttgart im Hof des neuen Schlosses, wo ein Appell mit Parade statt- und, dem die gesamte württembergische Staats­regierung beiwohnte. Nach der Parade fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung in der Stadt- halle eine gemeinsame Reichsgründungsfeier der württembergische« Staatsregierung, der Reichs­

behörden, der Reichswehr, der Stadt Stuttgart, der Technischen Hochschule Stuttgart und der Landwirt- lchäkMchen Hochschule Hohenheim Wisset der Üniversitätspröfessor Dr. Schönfeld die Festrede hielt. Redner führte u. a. aus: Das deutsche Volk und auch das Deutsche Reich ist eine Schöpfung aller Deutschen, aller Stämme und aller Schichten. Seine Gründung ist eine Gesamtgründung, wie jede Grün­dung, weil sie im guten Willen aller ruht. Aber Bismarck, der das' Haus des Deutschen Reiches gebaut hat, der es bewacht hat als fein getreuer Ekkehard, er hat umsonst gewacht. Das Furchtbare ist über uns gekommen, daß es den Tod Bau­

müsse die Kriegsschuldlüge fallen. Zum Schluß sprach General von Horn, dessen Ausführungen wiederholt durch den Beifall der Versammlung unterbrochen wurden, über die Belebung des Wehr- gedankens und den Kampf gegen den moralzer­setzenden Einfluß des Bolschewismus. Mit warmen Worten pries der Redner die Verdienste Hindenburgs in Krieg und Frieden. Er schloß mit einem Hoch auf den Reichspräsidenten, in das die Versammlung laut einstimmte. "

Hindenburg erwiderte mit weithin schallen­der Stimme in folgenden kurzen Sätzen:

„L.ebe Kameraden! Heute vor 60 Jahren zählte ich zu denen, die dem ersten Kaiser des wieder­erstandenen Deutschen Reiches zujubelten. Seitdem haben wir vieles verloren, was uns lieb und teuer war und unseren Soldatenherzen auch weiterhin unvergessen bleiben wird. Eins aber ist uns ge­blieben: Das Vaterland. Ihm wollen wir in seiner Rot über alles Parteiwesen hinweg in selbstloser Liebe und Treue dienen und solches Ge­lübde in dieser Weihslunde durch den alten Krieger­ruf bekräftigen: Deutschland Hurra!"

Der Eindruck des knappen, aber erschöpfenden Appells war außerordentlich. Die Feier schloß mit dem großen Zapfenstreich. Hindenburg unterhielt sich, bevor er unter stürmischen Ovationen in sein Palais in der Wilhelmstraße zurückkehrte, noch längere Zeit mit Kriegskameraden jeglichen Ranges.

KâsgvKrsdtMAsW« des Stahlhelms in âl«

köln, 18. Jan. Bei der Reichsgründungsfeier des Stahlhelms, Gau Rheinland, die heute abend in der großen Messehalle stattfand, führte der zweite Bundesführer, Oberstleutnant D u e st er­be r g, unter anderem aus: Es fei heute Ehren­pflicht und Gebot der Selbstachtung, erneut für die Unschuld des Deutschen Kaiserreiches am Weltkriege einzutreten. Je mehr Deutschland heute seine natür­lichen Grenzen entbehre, umso dringender müsse man die Forderung nach einer starken Wehrmacht erheben. Die Wehrlosigkeit sei für uns die größte Gefahr. Der Stahlhelm kenne den Krieg und wolle den Frieden, aber einen Frieden in Ehren. Deutsch­land müsse aus eigener Kraft seine Neutralität sichern können, und deshalb fordere der Stahlhelm die Aufrüstung. Das sei kein Imperialismus, son­dern unser heiliges Recht. Der Kampf des ganzen Krieges und der Nachkriegszeit richte sich unbewußt gegen Preußen. Es müsse durch einen gesetzlichen Akt wie der Stahlhelm ihn plane, eine Befragung des'ganzen Volkes stattfinden, ob dieses Volk noch

meistörs in Macht und Herrlichkeit nur zwei Jahr­zehnte überleben sollte. Die Gegenwart, in der wir uns befinden, ist unsere neue Reichs­oerfassung. Wohl ist sie Stückwerk, weil sie von Menschen stammt. An uns ist es, daß die Gerechtigkeit nicht untergehe im deutschen Vaterland und, wo sie sich geneigt hat, wieder zurückkehre. Volk und Regierung sind es sich wechselseitig schul­dig. daß unser Leben feinen Wert behält. Wir wissen, daß wir kämpfen müssen bis zum letzten Atemzug, kämpfen den guten Kampf des Glaubens an Deutschlands Auferstehung.

In Karlsruhe fand anläßlich der 60. Wie­derkehr des Reichsgründungstages eine Feier im Festsaale der Stadthalle statt, an der die Mitglieder der badischen Regierung, die Spitzen der Behör­den und etwa 3000 Personen teilnahmen. Professor Dr. Holl von der Technischen Hochschule hielt die Festrede. .

In Bremen bildete das Abholen der alten bremischen Regimentsfahnen vom Rathaus durch die Traditionskompagnie des Infanterie-Regi­ments 16 den Höhepunkt der Reichsgründungs­feier. Eine nach Tausenden zählende Menge hul­digte bei diesem feierlichen Akt entblößten Hauptes den alten Feldzeichen. Der Stahlhelm veran­staltete mit Mannschaften aus Bremen, Vegesack, Blumenthal und Bremenhaven-Wesermünde einen Marsch durch die Stadt. Bei der anschließenden Feier auf dem Doinhof, dem größten Platz im Zentrum der Stadt, hielt Landesverbandsführer A u g n e r eine Ansprache, in der er erklärte, daß der Stahlhelm sich mit allen Kräften gegen die­jenigen wenden werde, die mit dem Bürgerkrieg spielten.

In Kiel wies bei dem Appell der Garnison auf dem Kasernenhof in der Wiek der Stations­chef, Konteradmiral Hansen, in einer An­sprache auf die Bedeutung des Tages hin. Um 4.30 Uhr wurde auf allen im Hafen liegenden Kriegsschiffen, die von morgens bis abends Flaggenparade angelegt hatten, eine Musterung mit Ansprachen der Kommandanten abgehalten. 2 Uhr mittags gaben das Linienschiff „Hessen" und die Salutbatterie „Friedrichsort" 21 Schuß Salut ab, während von allen Kirchtürmen Glocken­geläut ertönte.

In Frankfurt a. d. Oder fand auf dem Hof der Jnfanteriekaserne ein militärischer Festakt tatt, bei dem der Kommandeur der I. Kavallerie- Dioifion, Generalmajor v. Bock, die Ehrengäste und sie Altveteranen willkommen hieß, darunter einen Augenzeugen der Kaiserproklamation im Versailler schloß. Nach den Salutschlüssen wurde von dem Offizierkorps und den Ehrengästen der Parade­marsch der Truppen abgenommen.

In Darmstadt wurden die Reichsgrün­dungsfeiern von der Darmstädter Studentenschaft mit ihrer Feier in der Otto-Berndt-Halle eröffnet.

Kirnberger, der Prälat der evangelischen Landes­kirche D. Dr. Diehl usw. erschienen waren. Der Rektor der Technischen Hochschule, Prof. Dr. Wöhler hielt die Festansprache. Abends hielt der Evangelische Bund eine Reichsgründungsfeier im Saalbau ab. Die vereinigten Kriegervereine Darmstadts versammelten sich ebenfalls zu einer Feier, zu der auch der frühere Großherzog, Prälat D. Dr. Diehl und Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden erschienen waren.

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net betrachte. Es komme nicht darauf an, wer Deutschland rette, sondern, daß es gerettet werde.

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Berlin, 17. Jan. Da nach Ansicht des Reichs­tagspräsidenten Löbe keine Möglichkeiten vorhanden sind, den Reichshaushalt bei Beibehaltung der ge­genwärtigen Geschäftsordnung auf parlamentari­scher Grundlage zu verabschieden, schlägt er, wie die „B. Z." meldet, in erster Linie eine Aenderung der Geschäftsordnung vor. Dadurch würde das Budget bis zum 31. März auf jeden Fall erledigt werden können. Statt der bisherigen drei Lesungen sollen in Zukunft nur noch zwei Lesungen stattfinden, und

das Plenum hätte sich nach Löbes Vorschlag nur den allgemeinen Grundsätzen der Gesetz-

noch mit entwürfe beratung

zu beschäftigen, während die Einzeh den Ausschüssen überlassen bliebe.

Bayern Aasè

Die Bayerische Volkspartei fordert Erhebung

Bayerns gegen Eingriff in die Lebensrechle der Länder

München, 18. Jan. Dec Landesausschuh der Bayerischen Volkspartei hat heute un­ter Teilnahme des Ministerpräsidenten Dr. Held, der der Partei angehörenden Kabinettsmitglieder und äußerst zahlreicher Delegierter aus allen Lan- üestân eine Sitzung abgehalten, über deren Er­gebnis u. a. mitgeteilt wird:

Der Landesausschuß der Bayerischen Volks­parlei betrachtet die Ausnahme des sogenannten Steuervereinheillichungsgesehes in die Notverord­nung vom 1. Dezember 1930 als einen schweren, mit den Grundsätzen der Reichsverfassung im Widerspruch stehenden Eingriff in die Lebensrechle der Länder. Der Landesausschuß weiß, daß damit ein entscheidender Abschnitt in dem Kampf um die Erhaltung der Selbständigkeit der Länder begonnen Hal. Er ist deshalb der Ueberzeugung, daß alle rechtlichen und auch die letzten politischen Mitteln von Seiten der Partei eingesetzt werden müssen. Die Klage vor dem Staatsgerichtshof des Deutschen Reiches ist sofort zu erheben. Ihr hat die Anwen­dung der letzten politischen Mitteln zu folgen, wenn nicht in angemessener Frist die Reichsregierung ein befriedigendes Ergebnis schafft.

Wie der Landesdienst des Süddeutschen Korre­spondenzbüros hierzu erfährt, wird diese Klage beim Staatsgerichtshof des Reiches in den nächsten Tagen durch die bayerische Staatsregierung er­folgen.

Met Beivvschttttsen

Genf, 18. Jan. Reichsaußenminster Dr. Curtius hatte heute nachmittag eine Unterredung mit dem französischen Außenminster Briand. Die Unterhal­tung der beiden Minister dauerte ungefähr eine Stunde und hatte die auf der Tagesordnung des Völkerbundsrates stehenden Fragen zum Gegen­stand. Die betreffenden Fragen mürben, wie über, einstimmend von französischer und deutscher Seit« erklärt wird, in freundschaftlicher Weise erörtert. Anschließend fand im Hotel Metropole eine Be­sprechung zwischen Dr. Curtius und dem Bericht­erstatter für die oberschlesischen Minderheitsfragen, dem japanischen Botschafter in Paris, Poshisaw^ statt, in der die Dispositionen für den Verlauf der Sitzung des Rates, in der die Beschwerden der deut- schen Regierung wegen der Wahlvorfälle in Ost- oberschlesien behandelt werden, besprochen worden sind. Am Montagvormittag findet eine Unter­redung zwischen Dr. Curtius und dem italienischen Außenminister Crandi statt.

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Berlin, 19. Jan. Im Hause Lutherstraße 32 in Lharloklenburg brach in den ersten Nachtstunden im Dachgeschoß eines Vorderhauses ein Brand aus, der alsbald gewaltige Dimensionen annahm. Bevor die Feuerwehr zur Stelle sein konnte, verbrannte eine Frau in ihrer im 4. Stock gelegenen Wohnung bei lebendigen Leibe. Eine andere Frau konnte noch im letzten Augenblick den Flammen entrissen wer­den. sie wurde mit schweren Wunden ins Kranken. Haus gebracht. Die Bekämpfung des Brandes war sehr schwierig. Der Brand konnte in den Morgen- stunden auf seinen Herd beschränkt werden. Ver- muklich ist das Feuer durch ein umgeworfene, brennendes Licht entstanden. Die Tote ist eine 4öjährige Näherin die gelähmt war und infolge ihrer Krankheit verbrennen mußte.

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Konstantinopel, 19. Jan. Bei einem Groß­feuer im Geschästsvierlel von Galata brannte ein Gebäude aus, das mehrere Büros und ein Lager von Kinofilmen enthielt. 10 Personen kamen in den Flammen um, 4 Personen, die aus dem Fenster sprangen, erlitten schwere Knochenbrüche; ferner wurden 10 Stenotypistinnen schwer verletzt.

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Köln, 17. Jan. Der flüchtige Rentmeister Schloemer aus Türnich bei Köln, der nach Unterschlagung von 115 000 RM aus der ©e- meindekasse mit einem Kraftwagen ins Ausland geflüchtet war, ist gestern in Amsterdam ver­haftet worden. Von dem unterschlagenen Gelde fand man in seinem Besitz nur noch 10 000 RM. Dieser Betrag und der Kraftwagen wurden sicher, gestellt. Falls sich Schloemer der deutschen Polizei nicht freiwillig stellt, dürfte er auf Grund einer Auslieferungsantrages nach Deutschland zurückb^ fördert werden.

In der Gemeinderatssitzung in Türnich tßinv der Bürgermeister mit, daß außer den bar u ü schlagenen Beiträgen no s eine weitere Unter ■ f

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sich auf rund 190 000 RM beläuft. Die letzte Unterschlagung sei auch in der Weise gemacht wol den, dach Schloemer große Steuerbeträge in ba erhoben hat, ohne sie zu verbuchen. Sodann be­handelte der Bürgermeister die finanziellen Aus­wirkungen des Verlustes für die Gemeinde. Es sei von der Verwaltung für den Rest des Rechnungs­jahres ein Notetat aufgestellt worden, der durch rücksichtslose Streichung aller nicht für dieses Jahr unbedingt notwendigen Ausgaben den Bedarf fe weit heruntersetzt, daß er durch die noch zu erwar- tenben Einnahmen bis auf einen Fehlbetrag von rund 22000 RM gedeckt werde.

Riesenbrand in den Siemens-Werken

Berlin, 18. Jan. In den Siemens-Plania-Werken A.-G. für Kohlefabrikate, in Lichtenberg, im Ber­liner Osten, brach heute abend in dem hinter dem Hauptgebäude liegenden Flachbau Feuer aus. Zahl­reiche dort lagernde Sauerstofflaschen gingen mit ungeheurem Getöse Jn die Luft, und durch den starken Luftdruck wurden mehrere Mauern einge­drückt. Infolge des starken Windes griff es auch auf das Vordergebäude über, dessen Dachstuhl in 2000 Quadratmeter Ausdehnung bald in Hellen Flammen stand. Acht Löschzüge der Berliner Feuer­wehr und eine Reihe von Wehren aus den benach­barten Vororten waren zur Stelle. Gegen 21 Uhr war die Gewalt des Feuers gebrochen *

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ZNolorrad saust gegen Lastkraftwagen. — Zwei Tole

Bochum, 18. Jan. Im Stadtteil Bochum-Ost er­eignete sich gestern ein schweres Verkehrsunglück- An einer Straßenecke fuhr ein mit zwei Personen besetztes Motorrad in voller Fahrt gegen einen Lastkraftwagen. Der Führer des Kraftrades und der Soziusfahrer wurden so schwer verletzt, daß sie kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus ver- starben. Beide Verunglückte waren junge Leute von etwa 25 Jahren.

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Die Opfer des mexikanischen Erdbebens

Newyork, 18. Ja». Beim Einsturz der Kirche von Huixkepec wurden 50 Personen, darunter der Prediger, getötet. 20 Personen starben an den Folgen der Verletzungen, die sie beim Einsturz des Gotteshauses erlitten.

Automobil vom Zuge erfaßt — Vier Tote

Prag, 17. Jan. Auf der Strecke Prag-Turnau, zwischen den Stationen Josefsthal und Jungbunz- lau, stieß gestern ein Personenzug mit einem Auto­mobil zusammen. Der Kraftwagen wurde Zer­trümmert und seine vier Insassen getötet.

Zugunglück

Danzig, 19. Jan. Heute früh stieß bei Gdingen ein Personenzug auf einen Güterzug auf, habet wurden 3 Personen getötet und etwa 20 verletzt. Die Ursache des Unglücks konnte noch nicht er­mittelt werden.

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Anstelle des verstorbenen Abgeordneten D.

h. c. Herold tritt Frau Helene Drießen (Bocholt i. W.), Zentrumspartei, in den Reichstag ein.

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