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Am Sarkophag Bismarcks hat die Reichsregierung gestern einen Lorbeer- kranz niederlegen lassen, dessen schwarz-rot- goldene Schleifen die Inschrift tragen „Der Reichs- kanzler und ine Reichsregierung zum 18. Januar".
Der Haushaltsausschuß des Reichstages setzte am Samstag seine Beratungen fort. Die Abstimmungen über die verschiedenen Streichungsanträge finden am Montag statt..
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Im Dezember 1930 betrug die Einfuhr in Deutschland 681,3 Millionen Mark, während sich die Ausfuhr ausschließlich der Reparationssachlieferungen auf 851,9 Millionen stellte.
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Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, werden als Vertreter der preu- ßischen Staatsregierung an den Genfer Verhandlungen Ministerialrat Geheimer Regierungsrat Gürich vom preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und Ministerialrat Rathenau vom preußischen Ministerium des Innern an der Beratung der Minderhestenfragen teUnehmen.
lna der tet findet in
Konser-
Berlin am
Die Reickstagun vativen Volkspart-. _______
14. und 15. Februar 1931 statt. Alle Nachrichten wegen einer angeblich beabsichtigten Liquidierung der Bewegung werden als unzutreffend bezeichnet. Die Führung der Partei hat bereits die von Reichsminister Treviranus vollzogene Ernennung von Dr. Paul Lejeune-Jung zum gefchastsfuhren- ben Vorsitzenden einstimmig gebilligt. Unserem Bernehmen nach wird die Führung der Reichs- iagunq vorschlagen, die konservative Front mog- rw' beweglich zu gestalten, um jede Partei-
Äls sich gestern vormittag in Hamburg meh- 'rere Nationalsozialisten aus einem Lokal in der Eiffe-Straße, vor dem sich Kommunisten angesammelt hatten, auf die Straße begaben, kam es zwischen den Anhängern der beiden extremen Parteien zu einem schweren Zusammenstoß, bei dem, wie die Polizei mitteilt, auf beiden Seiten Schüsse fielen. Ein Kommunist erhielt einen Streifschuß am Kopf, ein Nationalsozialist einen Rückenstich und ein anderer einen Armschuß. Die Polizei nahm mehrere Personen fest. Ein mit sechs Patronen geladener Revolver wurde in der Nähe des Tatortes gefunden und beschlagnahmt.
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Der österreichische Außenminister Dr. Schober hat dem deutschen Außenminister eine Einladung der österreichischen Regierung nach Wien sür den Reichskanzler und den Re'ichs- außenminister überbracht. Die Einladung wurde angenommen. Der Besuch soll im Laufe des Februar stattfinden.
Die Wiederherstellungsarbeiten am verbrannten Flügel des Riesenflugzeuges Do X sind bendet. Nach Erklärungen des Direktors des Hauses Dornier, Bernard, wird das Flugzeug am 3. 5 e b r u a r nach den Kapverdischen Inseln und Natal mit nur zwei Fluggästen, dem Adniiral Gago Continho und dem italienischen Maior Brenta, ab fliegen.
In einem Kino auf dem Großen Boulevard in Paris wurde gestern nachmittag. wie Havas meldet, von mehreren Camelots du Roi die Leinwand zerrissen, als in der Wochenschau das Bild des Ministerpräsidenten Steeg gezeigt wurde. Da die Ruhe- ! störet trotz Eingreifens der Polizei weiter lärmten und protestierten, mußte die Borstellung abge- ! brachen werden. Zwei Camelots du Roi wurden verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert. Sie werben wegen Sachbeschädigung in öffentlicher Ber- sammlung gerichtlich verfolgt werden.
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| Der Nachtschnellzug Paris—Irun, in dem sich der Prinz von Wales und sein Bruder befanden, ist gestern früh in der Nähe von Bordeaux entgleist, ohne daß Menschenopfer dabei zu beklagen sind. Zwei Wagen stürzten um I und versperrten beide Geleise. Der Zugverkehr ist vorläufig durch Umsteigen aufrechterhalten.
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Beim Versuch eines Bauers, eine auf dem Schlachtfeld bei Görz gefundene I Granate zu entladen, sind am Samstag in San Pietro Jfonzo zwei Männer und drei nn Hose spielende kleine Kinder getötet worden.
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„ In einer Landesversammlung der Juristen ganz Ungarns unter Vorsitz des I Grafen Albert Apponyi wurde Sonntag vormillag | Memorandum zm Diskussion aestellt. das den I tristen der ganzen Welt zugeschukt werden soll, I um die Unhaltbarkeit d e s . T r i a n o n e r I Friedensdiktats auch vom Gesichtspunkte de» internationalen Rechts darzulegen.
Die Feiern ruvReichsgeündung
Eindrucksvoll« Kundgebungen fäe die Einheit des Keichs
Die große Feier im Reichstag
Blick in den festlich geschmückten Reichstag während der Rede des Reichskanzlers. Links vom Rednerpult die Reichsregierung, rechts die preußische Regierung.
Die Loge des Reichspräsidenten.
Neben ihm links Reichstagspräsident Loebe, neben ihm rechts Reichswehrminister Gröner und Reichsinnenminister Dr. Wirth.
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Berlin, 18. Jan. In ernster, würdiger Form gedachte heute die Reichsregierung im Reichstag in Anwesenheit des Reichspräsidenten des Tages, an dem vor 60 Jahren in Versailles das Deutsche Reich gegründet wurde. Der große Sitzungssaal des Reichstages war festlich geschmückt. Ueber dem Präsidentensitz war wieder der große Reichsadler angebracht, darunter die Worte „Einigkeit und Recht und Freiheit". Zu beiden Seiten des Präsidentenplatzes zwei große Fahnen, links die schwarz- rot-goldene Flagge des Reiches, rechts die schwarzweiß-rote Reichskriegsslagge mit der schwarz-rot- goldenen Gösch und dem Eisernen Kreuz in der Mitte des Fahnentuches. Vor dem Präsidentensitz gus einem Hintergrund von weißem Flieder die Kolossalbüste des Fürsten Bismarck in Bronze; rechts und links sowie hinter den Regierungsbänken an den Wänden entlang die ruhmreichen Fahnen des alten Heeres, die zum Teil schon in dem Kriege vor 60 Jahren mitgeführt waren, getragen von Reichswehrsoldaten der Traditionsbataillone unter dem Kommando von zwei Offizieren. Von der Reichsregierung nahmen mit dem Kanzler die Reichsminister Dietrich, Dr. Schätzel, Schiele, Dr. Stegerwald, Treviranus an der Feier teil. Von der preußischen Regierung waren erschienen die Minister Severing Dr. Grimme und Hopker- Aschoff; die stiinmfiihrenden Bevollmächtigten der Länder waren vollzählig erschienen. Außerdem sah man die Chefs der Heeresleitung und der Marine- leitung. Die auswärtigen Missionen waren nicht geladen da es sich um eine rein nationale Feier handelte. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Reichstagsparteien hatten, mit Ausnahme der Nationalsozialisten und Kommunisten, Vertreter entsandt. Unter den Eingeladenen.befanden sich sieben Kriegsveteranen aus dem Feldzug von 1870 71, darunter vier, die an der Kaiserproklamation im Spiegelsaal zu Versailles am 18 Januar 1871 teilgenommen hatten.
Pünktlich zur festgesetzten Stunde um 11.15 Uhr erschien der Reichspräsident, der durch die Ver- sammelten durch Erheben von den Sitzen begrüßt wurde. Der Reichspräsident begleitet von dem Reichstagsmasidenten Löbe, dem Reichswebr- minister Gröner und dem Reichsinnenminister
Wirth.
vvok. âahls Festrede
Nach einem musikalischen Vortrag «griff Ge- heimrat D. Dr. Wilhelm Kahl das Wort zur Festrede. Er begann mit einer Schilderung der Kaiserproklamation zu Versailles, ine er selbst
miterlebt hatte. Rechtlich sei am 18. Januar 1871 nichts neues geschehen. Die Verträge, die die deutsche Einheit brachten, waren Ende 1870 bereits fertiggestellt. Aber wo bisher das Wort „Präsident" und Bund" gestanden hatte, trat nunmehr das Wort „Kaiser ünb Reich". Was durch zwei Menschenalter das deutsche Volk in nationalen Dingen geträumt, gedichtet, gehandelt, worum es gestritten und gelitten hatte, war erfüllt. Seit jenem Tage, fuhr der Redner fort, seien 60 Jahre vergangen. Der „ewige Bund", wie es in der Verfassung des deutschen Kaiserreiches hieß, habe nur 47 Jahre zehn Monate acht Tage gedauert. Ein Weltbeben habe die europäische Staatenordnung erschüttert, das Reichs an den Abgrund gerissen und seine Grenzen eingedrückt. Aus der Quelle einer Lüge seien ihm unerträgliche Lasten aufgebunden. Die Reichsgründungsfeier soll keine Jubelfeier werden, sondern eine Feierstunde tiefen Ernstes heiliger Entschlüsse, eine Atempause auf dem Werdegang deutscher Einheit und Freiheit.
Der Redner gab einen kurzen Rückblick über die deutle Geschichte seit 1806. In Steins Bekenntnis: „Ich kenne nur ein Vaterland, das heißt Deutschland", liege der Wurzelboden des deutschen Reichsgedankens. Aber erst nach den Freiheitskriegen habe der Leidensweg und Äe Probe vaterländischer Geduld begonnen. Der „Deutsche Bund" habe den deutschen Einheitsgedanken in alle Schlupfwinkel verfolgt. Die Sturmfahre 1848 und 1849 brachten neue Enttäuschung. In den folgenden Jahren war das nationale Düsein noch ärmer als zuvor. yur die Weltpolitik kam Deutschland überhaupt nicht in Betracht. Der Bruderkrieg von 1866 schien Einheit und Reich auf immer zu zerstören Es war die schwerste Probe und die letzte. In der Stille war einem überragenden Geiste die Lösung der beutfdjen Frage schon anvertraut, der Reichsgründer schon auserwählt. Die Schicksalsführung der Weltpolitik habe eingegriffen, eine spanische Thronkandidcitur zum Kriege und sur deutschen Waffenbrüderschaft geführt. Seit dem Tage von Sedan war der Reichsgedanke Gemeingut.
Aber die heutige Feier, fuhr Dr. Kahl fort, soll nicht nur Gedächtnis und Erinnerung sein, der Tag hat tieferen Sinn: Willenserneuerung, vaterländische Entschlüsse im Geist unserer Geschichte. Feier der Roichsgründung kann keinen anderen Sinn haben als die Losung „Haltet das Reich!" Alle Werte unseres staatlichen und nationalen Lebens sind im Reich geboren, es ist der einzige Hort und Bürge auch unsrer Freiheit. Halten wir heute me Einheit, so wird auch die Freiheit wieder leuchten. Was ist zu tun? Mein Appell auf diese Frage richtet sich an seelische, sittliche, vaterländische Wiederauf, baukräfte im deutschen Volk. Staat und Volk ist das Grundproblem. Die Kluft liegt heute in der
Zerrissenheit des Volkes selbst gegenüber dem «taat. Parteien an sich sind unvermeidlich, ja notwendig. Selbst die Vielheit der Parteien ist zu ertragen, aber .
es fehlt an der inneren Verbundenheit der 'Parteien untereinander im letzten Zweck, nichts anderes zu fein als Gliederungen für den Dienst am Staat, Volk und Vaterland.
Erft dann wäre die Bahn für die so schmerzlich vermißte Achtung vor der Ueberzeugung auch des politischen Gegners freier. Dankbar übernehme ich dinen Satz aus Gustav Radbruchs Verfassungsrede von 1928, in der er die schönen Worte prägte: „In Wahrheit hat jede Partei zu ihrer Aufgabe und ihrem Inhalt nichts anderes als eben das Vater- land" Ebenso verhängnisvoll ist der Parterkomps gegen den Staat, gegen „diesen" Staat Wer Reichserhaltung will. muß gewillt sein, auch biete Kluft zu schließen. Grundsätzlicher Kampf gegen .diesen" Staat, gegen seine Verfassung, kann und darf niemals Volksparole sein, nicht zu reden na- türlich von dem Wahnsinn oder dem Verbrechen eines gewaltsamen Umsturzes. In die neue Ze«t sich aeiunden zu haben oder zu finden war und ist für Millionen Deutscher eine Sache schwersten rechtlichen und sittlichen Konflikts. Ich rechne auch selbst dazu, so betonte Professor Kahl, und fordere Verstehen für alle. Aber dieser Konflikt muß gelöst werden durch seelische und sittliche Enftchluß- kräfte. Schaffen kann es allein die Sorge um das Vaterland Verloren ist nur das Volk, das sich selbst verloren hat.
Geduld in vaterländischen Dingen ist schwerste
Probe.
Die Zeitmaße der Geschichte sind andere als unseres stürmisch verlangenden Herzens. Kämpfen wir weiter gegen die Lüge, gegen aufgezwungene Vcr- träae und' Lasten, gegen die geschändeten Grenzen, um' unsere Deutschen draußen, um unsere Wehr- haftifeit Aber jeder Einsichtige und Ehrliche weiß, daß Kräfte und Mittel zur Durchsetzung dieser Ansprüche gebunden sind. Das ist nicht Bekenntnis der Schwäche, sondern Bekenntnis zur Wahrheit. In dankbarer (Ehrerbietung grüßt heute das deutsche Volk den Vater des Vaterlandes Es dankt den Staatsmännern, die an erster und schwerster Stelle die Verantwortung tragen, seien sie lebend oder tot —
Profesior Kahl erinnerte zum Schluß an Fichtes Riif zur weltgeschichtlichen Verantwortung:
„Es ist daher kein Ausweg: Wenn ihr versinkt, so versinkt die ganze Menschheit mit, ohne Hofs-
Die heuige Nummer umfaHt 10 Serse«