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Samstag den 1k. Januar 1931

Nr. 14

^raffen Zusammenfassung aller deutschen Län- der — hoffentlich Deutschösterreich bald einge­schlossen — und energievollste Kräftean- spannung aller Volksteile läßt uns die Hoff- nung, daß wir die unsagbare schwere Zeit der Not und Entbehrung ertragen, überwinden werden. „Im Glauben an die Zukunft er­tragen wir die Gegenwart! Die Größe der Vergangenheit gibt uns das Recht auf den Glauben an die Zukunft!" Diese Worte sprach Gustav Stresemann am 18. Januar 1921 — sie haben heute noch Gültigkeit.

Vor 60 Jahren sind wir ein Reich ge­worden mit Hilfe des ganzen deutschen Volkes. Gewiß stand damals ein großer Staatsmann an der Spitze, der bewiesen hat, daß ein solcher ein schaffender Künstler von Gottes Gnaden ist. Doch auch Bismarck hätte die Ger­mania nicht in den Sattel heben können, wenn die große Sehnsucht des deutschen Vol­kes nicht in Jahrzehnten die Herzen und die Geister bereit gemacht hätte, wenn also das Volk ihm nicht alles gegeben hätte, den gro­ßen Willen, dessen Führer er wurde, die ge­sammelte Kraft, die er zu lenken verstand, den bewundernswerten Opfermut an Gut und Mut und Leben. Persönlichkeiten machen die Geschichte, ja. Aber sie vermögen es nur, wenn ein Volk in Gläubigkeit und Stärke zu ihnen steht. So sind wir ein Reich geworden. Ein Vermächtnis, besten wir auch in der Repu- blick niemals vergessen dürfen.

Wie sieht es damit aber heute aus? Das deutsche Volk ist zerrissen, Dutzende von Par­teien und Gruppen haben sich aufgetan, der politische Kampf ist verroht, wird mit Stuhl­beinen und Biergläsern, ja mit Dolch und Re­volvern ausgetragen. Besteht angesichts dieser traurigen Tatsache nicht Gefahr, daß das Erbe von 1871 doch noch vertan wird?. Ein Reich verfällt, auch wenn ein Alexander oder Cäsar es aufgerichtet hat, denn nur dann vermag es zu leben, wenn das Volk einig ist, wenn die Lebendigen das Reich tragen. Hier beginnt das große Vermächtnis von 1871 sich umzu­wandeln in die Pflicht der Erben. Daß wir wieder ein Volk werden! Ein Volk, das sich besten bewußt ist ,daß durch seine Zusammen­gehörigkeit allein das Reich erhalten und noch fester gefügt werden kann — ein Volk, das ab­läßt von dem Hader und Gezänke, ein Volk, das damit endlich aufhört von Stammeseigen­arten und Stammesrechten zu sprechen, das erkennt, daß man mit solchen Gedanken und Forderungen geschichtlicher Romantik den Ein­heitsbau des Reiches nur bedroht, ein Volk, das nur den einen Gedanken hat, daß es eine nationale Notgemeinschaft bildet, bereit, der Staatsführung die Kraft zu geben, Volk und Land aus den Niederungen"der Gegenwart wieder empor zu führen. Diese Bereitschaft muß auch dann vorhanden sein, wenn ^s ein- _v4Uäl Fehlschläge und Rückschläge gibt.

Daß wir ein Volk werden, damit wir ein Reich bleiben können! Eine Mahnung, die wir vor allem am Tage der 60. Wiederkehr der Reichsgründung wirken lassen wollen. Wenn man auf das stolze Werk Bismarcks blickt und sich vergegenwärtigt, daß das Köstlichste von dem, was der große Staatsmann uns gegeben hat, noch heute, trotz Krieg und Revolution, vorhanden ist, sollte nicht da doch ein Weg ge­funden werden, der uns zu dieser Einigkeit führt? Sollte dies nicht umso eher möglich sein, als heute ein Mann an der Spitze des Reiches steht, der uns in all seinen Worten und Taten diesen Weg stets vorlebt? Reichs­präsident v. Hindenburg hat die Idee der Volksgemeinschaft zur obersten Maxime seines Handels gemacht. All seine Reden und Kund­gebungen der letzten Jahre waren von diesem Gesichtspunkt beherrscht. Auch für Hinden­burg gilt das Bismarckwort, das für ihn immer nur ein einziger Kompaß, ein ein­ziger Polarstern, nach dem er steuere, bestan­den hat: Salus publica, das öffentliche Wohl. Eifern wir ihm nach, streifen wir die Fesseln des Eigennutzes und der Eigensorge ab und richten wir unser ganzes Augenmerk darauf, ein einig Volk zu werden, damit wir ein Reich bleiben können, ja damit es wieder größer: werde, als es heute ist. Das Reich ist in seiner Form nicht umwandelbar. Es war größer, : wie wir es vor 1918 besaßen und es wird grö- i her sein, wenn auch die letzten Brüder wieder heimgekehrt sind, die heute im Osten, Norden und Süden noch gezwungener Maßen vor den verschlossenen Toren harren. Diese unsere Brü­der wollen wieder zu uns, ihre Rückkehr wird aber nur möglich, wenn wir zur Einigkeit Zurückkehren, die allein uns befähigt, im Her­zen Europas wieder eine unablässige freie Macht zu werden.

Deshalb wollen wir in ernster Samm­lung des Tages der Reichsgründung geden­ken. Und ziehen wir aus diesem Gedenken die rechte Lehre, dann wird es sich zeigen, daß Bismarck uns nicht umsonst sein großes Ver­mächtnis hinterlassen hat, dann wird das Deutsche Reich, das auf ein sechzigjähriges Be­stehen zurückblickt, und das Deutsche Volk einem neuen Morgenrot entgegensetzen.

R. H.

DsvK»USndev vackt aus

(Fortietzuro von Seite 1.)

Regierungen augenblickkick gewisse Ausnahmen für unmöglich hielten.

Vach vierjähriger Arbeit müsse man feststellen, daß die heutige Lage anstatt eine Verbesserung eine Verschlechterung gegenüber 1927 aufweise und mehr noch: die ganzen Verhältnisse ent­wickelten sich mehr und mehr rückwärts.

Was siebt uns bevor?

Goebbels kündigt de« EntMeidungskanwk an - HdrNng übev das Thema r »Mavkthfevtès am 22. Sebvnav"

Berlin, 17. Jan. Gestern abend hielt der national­sozialistische Gauleiter Abgeordneter Goebbels im Kriegervereinshaus vor einer überfüllten Ver­sammlung seine erste diesjährige Rede in Berlin. Unter stürmischem Beifall seiner Parteifreunde kündigte er der, wie er sich ausdrückte, „herrschen­den Rechtlosigkeit" einen Entscheidungs­kampf an. Wir werden, so führte Abgeordneter Goebbels aus, nicht Urlaub nehmen. Unser Weg ist legal und wird alle Möglichkeiten der Legalität "nsschöpfen, wenn wir an das Regime kommen. Wir vergessen aber nicht, was geschehen ist: Rache ist ein Gericht, das kalt genossen wird. Vielen geht der Umstellungsprozeß zu langsam. Sie möchten ein Husarenstück von uns. Wir werden uns aber nicht zu Unüberlegtheiten hin­reißen lassen. Was wir tun können, wird getan, um die Massen zurückzuhalten, aber über 'eine Kraft fottn niemand. Die Spannung und Empörung in unseren Reihen ist bis zur Siedebitze gestiegen. Die Zeit ist vorbei, wo man in Deutsch­land unbestraft über uns lügen konnte. Heute füh­len sich davon Millionen Menschen betroffen. Wir werden auf streng gesetzmäßigem Baden bleiben und werden unser Ziel erreichen oder zerschellen. Läßt man uns nicht gesetzmäßig arbeiten, dann kommen die Folgen nicht auf uns, sondern auf die anderen, die Deutschland zu einer Einöde der Recht­losigkeit gemacht haben.

Jeder Nationalsozialist ist innerlich davon über­zeugt, fuhr Dr. Goebbels fort, daß das Jahr 1931 di e Entscheidung bringen wird. Man hat die Frage aufgeworfen, ob wir koalitions- und regierungsfähig seien. Dieses Frage allein ist eine freche Unverschämtheit. Regierungsfähig ist jeder, der das Volk hinter sich bringt. Gibt das Volk uns die Macht, dann werden wir sie auch gebrauchen. Wer uns verfassungswidrig daran bindert, wird von uns, wenn wir die Regierung haben, als Hochverräter nach Leipzig geschickt wer­den. Das Jahr 1931 wird von uns unerhörte Opfer an Gut und Blut fordern, aber es gibt für uns kein Zurück mehr.

Während die Versammlung selbst ohne jede Stö­rung verlief, wurden vor und nach der Versamm­lung insgesamt 8 Nationalsozialisten festgenommen. Teilweise mußte die Polizei vom Gummiknüppel Gebrauch machen.

In einer großen Anzahl von Ländern hätten die Völker alles Vertrauen in die Wirtschaftsarbeit des Völkerbundes verloren. Eine Zeitlang habe sich eine freiere Auffassung in der Handelspolitik durch- etzen können; in dem Augenblick aber, wo sich der Luropaausschuß versammelt, um über die gemein- amen Leiden Europas nachzudenken, hauchten die Kräfte der Mäßigung ihr Leben aus. U e b e r a l l erhöhte man die Zollgrenzen und ge- tvifje Länder übten "re Handels­politik nur nach ihren Interessen aus. Durch künstliche leichtere man Dumping-Methoden und dieses Dum­ping starke wiederum den Protektionismus. Grup­pen und Parteien träten aus persönlichen oder Wahlgründen mit unmäßigen Ansprüchen hervor, ohne auf die internationale Lage Rücksicht zu neh­men. Im Hintergründe stehe die Gefahr eines all­gemeinen Zollkrieges. Man müsse sich fra­gen, ob heute noch Abhilfe möglich sei.

Wenn das Ziel des Europa-Ausschusses nur sei, in langer Arbeit langsam fortzuschreiten, dann müsse er, Colijn, den Außenministern zurusen, sie sollten nicht glauben, daß die Wirtschaftsfragen nur ihre Kollegen vom Handel angingen.

Die Schaffung einer besseren wirkschafllicken Organisation ganz Europas gehöre auch zu den Aufgaben derjenigen Minister, die für gute Be­ziehungen unter den Völkern zu sorgen hätten.

Er wisse, daß das Bild, das er entwerfe, düster sei, aber es gebe immer noch eine Möglichkeit, den Ge­fahren auszüweichen, indem man die jetzt in Gang befindlichen zweiseitigen Wirtschastsverhandlun-gen weiterbetreibe. Wenn diese Verhandlungen ein Er­gebnis hätten, werde es vielleicht auch noch mög­lich sein, das allgemeine Handelsabkommen in Kraft zu', setzen; andernfalls müßte man darauf verzichten. Ein Zollkrieg fei die höchste Gefahr, und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Be­ziehungen zwischen den Staaten eine .Eonditio sine qua non", wenn der Europa-Ausschuß sein Ziel erreichen wolle. Aber dazu müsse man ohne Zeitverlust handeln.

Nach den Ausführungen Colijns, deren Bedeu­tung Briand in einem Schlußwort noch besonders unterstrich, vertagte sich der Europa-Ausschuß auf Samstag vormittag.

Ein Slnsvnk BinseMsyS MW RsichssvündnngstÄ«

Berlin, 16. Jan., Die Nationalliberale Korre­spondenz veröffentlicht folgenden Aufruf des Füh­rers der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, an die Mitglieder und Freunde der Parr.'i:

Der 18. Januar mahnt uns an die große geschichtliche Tat vor sechzig Jahren, da sich der Traum von Jahrhunderten erfüllte und wieder ein einiges Deutsches Reich geschaffen wurde. Bismarck, der Schmied des Deutschen Rei­ches, hat es ausgesprochen, daß ihm bei seinem Werk unter allen Parteien ausschließlich die Natio­nalliberale Partei die feste Stütze gewesen ist. Als die Nachfolgerin der Reichsgründungspartei hat so die Deutsche Volkspartei ein geschichtliches Recht, das sechzigjährige Bestehen des Reiches besonders zu feiern. Wir veranstalten daher überall Reichs- gründungsfeiern, um die große Erinnerung an den 18. Januar 1871, fernab jeder Parteipolitik, würdig zu begehen.

Wir erleben diesen Tag in einer trüben Zeit, in der uns sowohl die wirtschaftliche Sorge wie die politische Not des Vaterlandes tief bedrückt. Die Geschichte unseres Volkes sollte uns aber gerade an diesem Tage lehren, daß eine Nation, die sich ihrer großen Aufgaben und ewigen Werte bewußt bleibt, noch immer den Weg aus dem Dunkel zu Hellen Zielen gefunden Hot. Möge dieser 18. Januar alle Deutschen zur Selbstbesinnung rufen

«vogrammatische Rede des Relchsba»nev-N««des-

Magdeburg. 17. Jan. Der Bundesführer des Reichsbanners, Oberpräsident z. D. Hörsing sprach gestern in zweistündiger Rede über das Thema: „Marschsertig am 2 2. Februar". Er erklärte, man müsse offen zugeben, daß durch die Wahlen vom September die Republikaner eine schwere Schlappe erlitten hätten. Wir, das Reichs­banner Schwarz-Rot-Gold, wollen keinen Bürger­krieg. Wir wollen auch nicht, daß Köpfe '-ollen. Wenn aber die Feinde der Republik sich erdreisten sollten, gegen uns und damit gegen die Republik vorzugehen, so werden wir mit derselben Art und Methode und auch mit allen Mitteln, mit denen sie uns angreifen, ihnen entgegentreten. Wir wer­den sie, wenn die Interessen der deutschen Nation es fordern sollten restlos bis auf den letzten Mann vernichten. Auch wir stehen auf dem Standpunkte, daß der Houngplan nicht erfüllt werden kann. Wir wissen aber auch, daß der Doungplan und der Ver­sailler Friedensvertrag nicht mit Redensarten er- ledigt werden sönnen, sondern daß dazu ein klarer, kalter Kopf zum Verhandeln mit unseren ehem. Gegnern gehört.

Unter Hinweis auf die Ziele der Kommunisten und der Nationalsozialisten sagte Hörsing: „Ich glaube, daß, solange Deutschland in Vernunft lebt, man sich weder Italien noch Rußland wird anschließen können. Wir müssen alles daran setzen, daß ein solches Bündnis, das den Krieg auf deut­schem Boden bedeuten würde, verhindert wird. Das ist die große Aufgabe der Republikaner ganz all- gemein und des Reichsbanners im besonderen: So habe er die Parole ausgegeben: „marschfertig am 22. Februar", d. h. an dem Tage, an dem das Reichsbanner vor 7 Jahren gegründet wurde.

Wir wollen den Bürgerkrieg verhindern. Wir wissen aber, daß die von rechts und die von Links auf den Bürgerkrieg hinarbeiten, und deshalb sagen wir chnen: „Am 22 Februar marschbereit".

Die Ausführungen Hörsings wurden oft von stürmischem Beifall unterbrochen.

und in ihren Herzen den Glauben an eine nationale Wiedererstarkung neu er­wecken. «Einigkeit und Recht und Freiheit" soll unser Wahlskpruch für jede Arbeit im Dienst des Vaterlandes und seiner Zukunft sein: Einigkeit unsers Volkes in allen vaterländischen Fragen, treue Verbundenheit mit den Volksgenossen jenseits der Reichsgrenzen; Recht für alle Deutschen, vor allem auch für die wirtschaftlich Schwachen, Esleich- berechtigung für unser Volk unter den Nationen der ganzen Welt; Freiheit für den einzelnen in recht verstandenem Sinn nätionafét Disziplin und der Achtung vor jeder ehrlichen Ueberzeugung, Freiheit für unser deutsches Volk von den Fesseln der Diktate.

Wir grüßen das sechzigjährige Reich, das Erbe unserer ruhmreichen Vorfahren. Es ist uns als letztes hohes Gut aus der Zeit Bimarcks und Kaiser Wilhelms des Ersten geblieben. Wir wollen dieses Vätererbe verwalten, indem wir das Reich zu einem neuen starken Nationalstaat gestalten.

Ihm, so schließt der Aufruf, unserem Vaterland, dem Deutschen Reich, gehöre die beste Kraft unseres Lebens, unserer Arbeit und unseres Glaubens. — Haltet und erneuert das Reich!

Reichsqvündungsfeiev und Râ«EsÄ«s«

Die Reichstagsfraktton Hal kein Interesse

Berlin, 16. Jan. Die nationalsozialistische Reichs­tagsfraktion hat mit einem Schreiben an das Reichsministerium des Innern die ihr zur Reichs­gründungsfeier im Reichstag übermittelten Eintritts­karten zurückgesandt.

Zur Begründung dieses Verhaltens, das „Der Angriff", das Organ von Dr. Goebbels „eine deutsche Antwort" nennt, wird angeführt, Mitglieder der Fraktion könnten nicht an einer Feier teilneh- men, die von einem Kabinett ausgehe, dem die Minister Dr. Wirth und Groener angehörten. Ge­gen diese Minister hätte — in den Anträgen der nationalsozialistischen Fraktion — der Vorwurf einer „schuldhaften Verletzung der Reichsverfassung" erhoben werden müssen.

GZn VommuMMch. MttdZB- Heim «Zs FtmMHIsâVMLSle

Gotha, 17. Jan. Eine Abteilung der Polizei­direktion Gotha unternahm am Mittwoch eine Durchsuchung des kommunistischen Kinderheims „Mopr", in dem zurzeit eine Bezirksfunktionärschule für jugendliche Kommunisten unter Leitung des kommunistischen Lehrers und preußischen Landtags­abgeordneten Duddins-Erfurt unterhalten wird. Da man vermutete, daß sich dort streckbrieflich ver­folgte Personen verborgen halten, rückten eine große Anzahl Beamter der thüringer Landespolizei, Gendarmerie und Kriminalbeamte in das Gebäude ein. Der Verdacht bestätigte sich, denn man fand den Arbeiter Karl Fischer aus Salzungen, gegen den Haftbefehl wegen Landfriedensbruch vom Ober­staatsanwalt in Eisenach vorlag. Fischer wurde festgenommen und nach dem Amtsgerichtsgefängnis Salzungen gebracht. Im Kinderheim wird zurzeit ein Lehrgang zur Ausbildung von kommunistischen Funktionären abgehalten. Da bei der Amtshand­lung der dringende Verdacht hervortrat, daß der Lehrstoff den Tatbestand einer vorbereitenden Handlung zum Hochverat im Sinne des § 86 des Reichsstrafgesetzbuches darstellt, wurden ein Teil des Lehrmaterials und eine Reihe von Aufzeich­nungen sowie eine dabei vorgefundene Pistole mit scharfen Munition beschlagnahmt und der zuständi- gen Staatsmw lltschaft in Ilmenau augefettet.

Das unvtthrse Zudken

Schwere Zusammenstöße in Bombay. — . 100 Verletzte.

Bombay. 16. Jan. Im Zusammenhang mit dem heute hier von der Songreßparlei veranstal. keken „Tag der Blärlyrer von Scholapur" kam es an verschiedenen Stellen der Stadt zu Zusammen- stößen zwischen der Menge und der Polizei, die mit dem Knüppel gegen Ansammlungen auf Straßen und Plätzen vorging. Insgesamt wurden rund IM Personen verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Massen der Anhänger des Kongresses stehen in der Nähe der Gerichte. Die Straßenbahnen und Kraft- droschken verkehren wie sonst in der Stadt außer in dem Viertel der Spinnereien. Rund 140 000 Ar­beiter sind in einen eintägigen Streik getreten. Die meisten Hirdniâdea sind geschlossen.

Bâ"WWvozetz -OASK Äe« ^VVstVSUhSK des SchWßMM-

Sveffes Garbsen

Dresden, 16. Jan. Der große Betrugsprozeß gegen den früheren Vorsitzenden des Schwimm- kreises Sachsen, Dr. Bummer hat heute vormü- tag vor dem gemeinsamen Schöffengericht begon­nen. Nach dem Eröffnungsbeschluß wird Dr. Bum­mer zur Last gelegt, sich in fortgesetzter Handlung rechtswidrige Vermägensvorteile beschafft zu haben durch falsche Eintragungen in erhaltene Privat­urkunden und Selbstanfertigung von Urkunden Die Sächsische Wohlfahrtshilfe ist durch die Darlehensgesuche Dr. Bummers für die sächsischen Schwimmvereine zur Auszahlung von 262 000 RM veranlaßt worden. Die­sen Betrag, soll Bummer im eigenen Nutzen verbraucht haben. Um sich die Mittel zur Rück- Zahlung der aufgenommenen Darlehen zu beschaf. fen, soll Bummer laufend auch für den Schwimm- kreis Sachsen selbst Darlehen in Höhe von 136 000 RM ausgenommen haben. Weiter soll er den Landesausschuß für Leibesübungen dadurch geschä­digt haben, daß er die Mitgliederzahl bet Schwimmkreises um mehr als 200 Pro- Zent zu hoch angab und dadurch erreichte, daß an den Schwimmkreis 59 000 RM zuviel au» gezahlt wurden. Auch diesen Betrag soll er für sich verbraucht haben. Im April 1929 soll Bummer der Wahrheit zuwider einer Reihe von Großbanken geschrieben haben, der Schwimmkreis habe 46 000 Mitglieder 44 000 RM Einnahmen aus Kreisbel- trägen und 27 000 RM aus der Staatsbeihilfe. Dadurch veranlaßte er drei Banken, ihm je 15 000 RM Kredit zu gewähren. Im Herbst 1929, als bei der Verschmelzung von zwei beteiligten Banken du doppelte Kreditentnahme bekannt wurde hat Bum­mer diesen Banken 43 000 RM noch nicht fälliger Beiträge abgetreten. Die gesamten Berun- t r e u u n g e n belaufen sich auf etwa 300 000 RM-

Am Nachmittag wurde folgendes Urteil ver­kündet: Der Angeklagte wird wegen Betrugs in drei Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit gewinnsüchtiger Urkundenfälschung, zu vier Jahren Gefängnis kostenpflichtig verurteilt. Die verbüßte Untersuchungshaft von 13 Monaten wird auf â Strafe ungerechnet. ® ie. bikaerl^

Noch ein Todesopfer in Alsdorf j Alsdorf, 16. Jan. In der vergangenen Nacht starb der 36 Jahre alte Bergmann Benders, der bei den Aufüumungsarbeiten auf der Grube 2 in Alsdorf beschäftigt war. Er hatte sich bei der Ber­gung der letzten Leichen eine Blutvergiftung zu­gezogen.

Selbstmordversuch auf offener Straße.

Spandau, 16. Jan. Ein 33 Jahre alter Former, der verheiratet und Vater mehrerer Kinder ist/be­ging heute auf offener Straße einen Selbstmord­versuch, indem er sich zum Entsetzen der Passanten mit einem Taschenmesser beide Pulsadern aufschnitt und sich außerdem noch sechs Stiche in die Brust beibrachte. Der Grund zu der furchtbaren Tat ist in wirtschaftlicher Notlage zu suchen, da der Mann seit Monaten ohne Arbeit ist. Nach Anlegung von Notoerbänden wurde er ins Krankenhaus ein«- liefert.

Fahlbusch durch Kohlenoxyd vergiftet

Berlin, 16. Jan. Die Leiche des früheren Feld­webels August Fahlbusch wurde heute vor dem zu­ständigen Richter des Amtsgerichts Osterholz- ' Scharmbeck obduziert. Die Leichenöffnung wurde durch zwei Kreisärzte in Gegenwart des Ersten Staatsanwalts von Wesermünde vorgenommen. Die Leiche wies keine äußeren Verletzungen auf. Die Obduktion hat völlig einwandfrei ergeben, daß der Tod durch Kohlenoxydgasvergiftung eingetre- en ist, als Fahlbusch in der mit diesen Gasen ange- üllten Kajüte eines Motorbootes übernachtete.

Drei Monate Gefängnis wegen Mitführens einer Gummiknüppels

Berlin, 16. Jan. Der Baufchlosser Güstrow, der Mitglied der Bismarck-Jugend ist, wurde heute vom Schncllrichler zu drei Monaten Gefängnis verur­teilt, weil er in einer Versammlung der Deutschs rationalen Volkspartei einen Gummiknüppel ^ ich gehabt hatte.

Letzte Lelesesmrme.

Mensv âsnMA tu dsv fsamrMche« RWßSVnns?

Paris 17. Jan. Im Anschluß der gestrigen Sitzung der Kammer, in der die Interpellation über die Landwirtschaftspolitik der Regierung zur Be­ratung stand, gab Landwirlschaflsminisker Borel die Erklärung ab, er holte einen preis von Francs für den Zentner Getreide als im Interesse der Landwirtschaft angemessen. Diese Aeußerung wurde in den Wandelgängen der Kammer ein­gehend erörtert. Der Unlerstaatssekretär Leon Meyer nahm in den Wandelgängen gegen seinen Miniskerkollegen Stellung und erklärte, er sei in das Kabinett Steeg gegangen, um die Frage der Lebenshaltungskosten zu verfolgen. Wenn man den Getreidepreis auf 175 Francs erhöhe, werde da« eine Erhöhung des Drotpreifes im Gefolge haben. Einzelne Zeichen sprechen dafür, daß Staatssekretär Leon Meyer seinen Protest durch Austritt aus der Regierung zum Ausdruck bringen werde, was einer Stellungnahme der Radikalen gegen die Reich»- Politik der Regierung glelchkäme.