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Areitag den 16. Januar 1931

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feit In politischer Hinsicht wünschen die Kon- ser»ativen eine so weitgehende britische Kon­trolle über die Organe indischer Selbstver­waltung, daß diese letzteren niemals eine Gefahr für den Bestand des britischen Welt­reich bilden können.

Hier berühren die Konservativen die schm-rzk'^"^ Wunde der gegenwärtigen eng­lischen Politik. Was wird geschehen, wenn In­dien ein vollwertiges Dominion wird? Auf der letzten, unter peinlichen itmftön^n ver­tagten Reichskonfetenz, wurde die interessante rechtliche Frage diskutier, wie es um !'as Recht der Dominions stünde, jederzeit nach freiem Entschluß aus dem Bestand des bri­tischen Staatenbundes auszutreten. Diese Frage wurde nicht endgültig beantwortet und wjxd noch die maßr.^- Gerichts- und Verfassungsinftstutionen bschäftigen. Wie die endgültige Lösung auch fallen mag, — die Tatsache allein, dâß ein solches Problem über­haupt zur Diskussion gestellt wird, zeigt deut­lich. wie wacklig die Grundlagen des britischen Weltreichs geworden sind und welche tödliche Gefahren die Errichtung eines indischen 'Do­minions in der Praxis nach sich ziehen müßte. Es scheint, daß die Bedenken der Konser­vativen auch von einem Teil der Liberalen und selbst den Angehörigen der Arbeiterpartei geteilt werden.

Soweit die englische Oeffentlichkeit. Und Indien? Bekanntlich wollte die maßgebendste politische Organisation Indiens, der Nationale Kongreß, der im Zeichen Gandhis und Nehrus steht, von Anfang an nichts von der Konferenz am Runden Tisch wissen. Die Vertreter der Gandhi-Partei weigerten sich daher ganz ent­schlossen, an der 'Konferenz teilzunehmen. Nun aber erklärt ter in London weilende indische Liberalenführer, der Gemäßigte Sir Balavru Sipru, daß auch für ihn keine Lösung -n- nehmbar sei, die die Dollzugsgewalt in den Händm eines Engländers, eines Vizekönigs, oder, nach dem Beispiel der Domions, eines Generalgouverneurs, belaste . . .

Unter diesen Umständen ist es leicht ae- greiflich, mit welcher Spannung man sowohl in England wie in Indien den kommenden Ereignissen entgegensieht, welche das Schick­sal beider Länder für absehbare Zeit be­siegeln werden. Das britische Reich steht vor der schwersten Stunde seiner neuen He- schichte. Der jetzige englische Ministerpräsident Macdonald hat eine Last auf sich genommen, unter der er jeden Augenblick zusammen- brechen kann.

Gmavke Bettie am KelchSeial

(Forvetzung von Seite t.) wesentlichen weitere Einsparungen bei Reichswehr und Marine für möglich.

Abg. Dr. Schlittenbauer (Bayer. Vp.) betonte, daß das Reich niemals finanziell gesunden werde, solange es für die Länder und Gemeinden den Finanzvormund spielen wolle. Die beste Lö­sung wäre die Einführung des Zuschlagsrechtes zur Einkommensteuer für die Gemeinden. Ferner sollte man den Ländern eine Standardsteuer zu eigener Verwaltung überlassen.

DZeivKH in der VevteMgung

Darauf nahm erneut Reichsfinanzminister Dietrich das Wort. Er wies darauf hin, welche Sorgen in der Etatsgebarung jetzt auch das reiche Nordamerika habe, wo man zum ersten Male die Reparationszahlungen zur Balancierung des Etats verwenden mußte. Trotzdem habe sich noch ein Defizit ergeben. Auch England und Italien hätten mit Etatsjchwierigkeiten zu kämpfen. Man müsse unter diesen Umständen zugeben, daß die Reichs­regierung bestrebt gewesen sei, die Finanzen in Ordnung zu hallen. Man dürste die Dinge nicht immer nur pessimistisch sehen. Gerade die schwarz- seherische Art, über die gegenwärtigen Finanzver­hältnisse in Deutschland zu urteilen, trage viel zu der Psychose bei, daß jede Unternehmungslust im Keim erstickt werde. Es werde dadurch eine Stim­mung erzeugt, der unsere wahre finanzielle Lage gar nicht entspreche. Für die Gesundung der Ge­meind cfinanzen müßten die Länder sorgen. Es ge­höre zu einem der betrübensten Kapitel, wenn beispielsweise ein Oberbürgermeister mehr Pension habe als ein Reichsminister Gehalt beziehe.

Zur Abstellung dieser Dinge sei ein Gesetz not­wendig, das im Reichstage einer Zweidrittelmehr­heit bedürfe. Der Minister sprach sich auch gegen die hohen Gehäller der leitenden Persönlichkeiten in der Industrie aus. Bezüglich der Forderung der D. V. P. auf Streichung weiterer 300 Millionen im Etat erklärte der Minister, Dr. Kremer möge wenigstens Anhaltspunkte dafür angeben, wo er die Einsparung für möglich halte. Die Reichs­regierung habe bewiesen, daß sie die Führung in der Hand habe, aber sie sehe im Augenblick feinen Weg, derartige Ersparnisse zu erreichen.

Zur Preissenkungsaktion erklärte der Minister, daß mit behördlichen Eingriffen in die Preisgestaltung einmal Schluß gemacht werden müsse, da sonst eine Wirtschaftserholung nicht mög­lich sei. Zur Frage der Arbeitsbeschaffung wies er darauf hin, daß er in Stuttgart seine Vorschläge nicht in der apodiktischen Form gemacht habe, wie es die Presse nachher behauptet habe. Der zustän­dige Minister Stegerwald prüfe zurzeit die An- gelegenheit und werde zu gegebener Zeit dem Reichstage darüber berichten. Ueber die Sanie- rungsmaßnahmen für die Knappschaft werde beim Haushalt des Arbeitsministeriums zu sprechen sein. Der Minister ging dann auf verschiedene Vorschläge ein, die von den Parteien zur Behebung der Fi­nanznot gemacht worden sind. Er verwarf Hugen­bergs Projekt einer löprozentigen Reparations­abgabe, das im Widerspruch zu unserer ganzen Handelsvertragspolitik stehe und außerdem technisch nicht durchführbar sei Auch der frühere Reichs­tagsabgeordnete und Parteifreund Hugenbergs, Dr. Reichert, habe in einer Denkschrift diesen Plan ab­fällig kritisiert. Ebenso wandte sich der Minister gegen den Vorschlag, zum Zwecke der Geldausnahme

anstatt

MV Gurova-ckronteren»

. 21 Staaten beteiligen sich

Genf. 15. Jan. Am Freitag vormittag um 11 Uhr beginnt die europäische Konferenz, die sich auf der letzten Völkerbundsversammlung in Gestalt eines „vtudienkomitees für die Europäische Union* konstituiert hat. Die Verhandlungen leitet der französische Außenminister Briand. Es nehmen daran die 27 europäischen Staaten, die dem Völ­kerbünde angehören, teil; Rußland und die Türkei sind nicht eingeladen: über ihre Teilnahme an den weiteren Arbeiten des Komitees wird vielleicht die jetzige Konferenz einen Beschluß fassen. Die über­wiegende Mehrzahl der teilnehmenden Staaten hat ihre Außenminister entsandt. -

Die Konferenz beginnt mit einer vertraulichen Sitzung, in der das Programm der Tagung er­örtert wird. In der dann folgenden öffentlichen Sitzung wird der Präsident der Wirtschaftskonfe­renz, die im November in Genf tagte, Colijn- Holland einen Bericht über die Arbeiten dieser Konferenz erstatten. An diesen Bericht wird sich eine allgemeine Aussprache anschließen. Es ist weiter vorgesehen ein Bericht des Vorsitzenden des Finanzkomitees Suvich-Italien. Hauptaufgabe der- jetzigen Tagung ist die Festsetzung eines Arbeits­programms. Die Konferenz wird wahrscheinlich bis Dienstag nächster Woche dauern.

Die Vesvveihungen Kendevkons mit Briand

Paris, 15. Jan. Zu der gestrigen Unterredung des französischen Außenministers Briand mit

durch das Reich die Neubesitzanleche zu einer ver­zinslichen Anleihe zu machen. Auch ein Sparzwang fei nicht durchführbar, da er als Zwangsanleihe wirke und die Lust am Sparen einschränke.

Abg. E r s i n g (Z.) protestierte auf das schärfste gegen die journalistische Aufmachung der gestrigen Rede des Finanzministers. In der Presse sei es so dargestellt worden, als ob wir ein neues Defizit von einer Milliarde hätten, während die Entwicklung im Jahre 1930 zu den bisher genannten 900 Millionen und auch nur möglicherweise einen weiteren Fehl­betrag von 100 Millionen erbringen werde.

Ferner hielt es der Redner noch für wünschens- wert, wenn die Regierung einmal geeignete Schritte unternehme, um zur Beruhigung der Bevölkerung in der Oeffentlichkeit Klarheit über die tatsächlichen Kostenverhältniffe in der öffentlichen Verwaltung in Reich, Ländern und Gemeinden zu schaffen.

Bedauerlich sei die ablehnende Haltung der Marken-

Industrie gegen eine Preisherabsetzung. Dabei han­dele es sich durchweg um gut fundierte Unterneh

rchweg um gut fundierte Unterneh- losser habe jid/ durch n sich diese nicht zu emer Preis- ! durch feine Presseangr I Prozent verstechen sollten, uMemzeme

3 allgemein die Preisbindungen auf- haltens schuldig gemad

munaen. Wenn fentüng von 10

Regierung ganz heben.

Darauf wurden die Verhandlungen abgebrochen

und auf Freitag vertagt.

Die um

gewöhnlich scharfe Kritik, die der volks­parteiliche Abgeordnete Dr. Cremer an der Rede des Finanzministers heute geübt hat, hat in par­amentarischen Kreisen großes Aufsehen erregt. In

)er Regierung nahestehenden Kreisen hält man Dr. Cremer entgegen, daß er sich auf eine rein negative Kritik beschränke und es abgelehnt habe, positive Vorschläge zu machen. Solche Vorschläge zu prüfen wäre die Regierung durchaus bereit, doch ist nicht anzunehmen, daß ihr noch vor der Beratung des Etats im Plenum das von Dr. Cremer gewünschte Programm vorliegen wird. Man glaubt noch nicht, daß es dadurch zum Bruch mit der Volkspartei kommen wird.

Dvetvk- i-bev de» jftcnflitt in Dec WivtseSaKsvaviri

Jena, 16. Ian. Auf einer öffentlichen Versamm­lung der Wirtschaftspartei sprach gestern abend der Parteiführer Drewitz über die politische Lage. Bei dieser Gelegenheit äußerte er sich auch kurz über den in der Wirtschastspartei herrschenden Konflikt. Die Meinungsverschiedenheiten in der Wirtschaftspartei, betonte er, seien bereits bei der Wahl des Reichstagspräsidenten aufgetreten. Seiner Meinung nach sollten Differenzen in der Führung innerhalb der Partei ausgetragen werden. Die Gegenseite aber habe der Linkspresse Material gegen ihn in die Hände geliefert, das gewaltig auf­gebauscht worden sei. An den Beschuldigungen fei auch nicht ein Fünkchen wahr. Nur das Bestreben, die Beschlüsse der Parteiinstanzen abzuwarten, habe ihn bisher daran verhindert, die Sache der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Nachdem aber das Ehrengericht einmütig Herrn Kolosser ausge­schlossen habe, sei der Weg zur gerichtlichen Aus­tragung reif. Wenn ich mir, schloß Drewitz seine persönlichen Ausführungen, irgendwelche Ver­fehlungen hätte zu Schulden kommen lassen, so würden Sie mich heute nicht an diesem Platz sehen. Drewitz wandte sich dann einer ausführlichen Be­sprechung der politischen Lage zu.

Berlin, 16. Ian. Die sächsische Wirtschaftspartei teilt, wie die D. A. Z. aus Dresden berichtet, zu ihrem Beschluß, durch den sie die Beziehungen zur Reichsparteileitung abgebrochen hat, mit, daß die­ser Schritt keineswegs einen Austritt aus der Wirtschaftsparte! oder die Vorbereitung dazu be­deute. Trotzdem könne sie nicht verhehlen, daß die organisatorischen Beziehungen zur Reichspartei­leitung in schroffster Weise abgebrochen seien,_ da die sächsische .

teibeiträge mehr nach Berlin abführe, sondern auch an den' Parteiausschußsitzungen nicht mehr teil-

Par-

nehmen wolle.

Solossev doch «och (utaeeWfoffeu

Berlin, 15. Jan. Das Ständige Schiedsgericht der Wirtschastspartei hatte sich am Donnerstag mit

dem englischen Außenminister Henderson schreibt der „Statin", die beiden Außenminister hätten vor allem über ihre Haltung zum deutsch- polnischen Streitfall gesprochen. Sie seien der Ansicht gewesen, daß der Völkerbundsrat es sich im allgemeinen Interesse schuldig sei, zuzu­lassen, daß die Vertreter Berlins und Warschaus frei ihre Argumente vorbringen unter der Bedin­gung, daß die Diskussion nicht aus dem Rahmen der Verträge, betreffend den Schutz der Minder­heiten, heraustr»te, und niemals die Verpflichtun­gen aus dem Auge verliere, die diese Verträge so­wohl Deutschland wie Polen auferlegen.

London, 16. Ian. Der Genfer Berichterstatter der Morningpost meldet: In Völkerbundskreisen werden den Besprechungen Henderson — Briand große Bedeutung beigemessen. Vor allem glaube man, daß Frankreich und Italien endlich zu einem, wenn auch nicht völligen, Einvernehmen in der Flottenfrage gelangt seien. Wahrscheinlich werde etwas daraus bei der Völkerbundsrat-Session ver­lauten. Wenn auch der Fortschritt nur gering sei, so herrsche doch die Ansicht vor, daß er die Festsetzung des Datums der all­gemeinen Abrüstungskonferenz stark beeinflussen werde. Ueber das Datum selbst bestände noch eine I große Meinungsverschiedenheit. In Genf glaubt man,. England werde in dieser Beziehung eine wichtige und entscheidende Rolle zu spielen haben.

Wirtschastspartei 31 Abgeordnete bereit-

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dem Anträge der Parteileitung auf Ausschluß des Rèichstâgsabgeordneten Cölosser aus der ' ' , beschäftigen. Zwar hatte der :s gestern in einem Schreiben den Austritt aus der Wirtschaftspartei erklärt, er hatte dieses Schreiben aber nicht an die für solche Er­klärungen zuständige Instanz, sondern an das Schiedsgericht gerichtet. Für das Schiedsgericht hat daher, nach den Satzungen der Wirtschaftspartei, Kolosser noch immer als Parteimitglied zu gelten

gehabt. Den Verhandlungen des Schiedsgerichtes lagen die Angriffe Colossers gegen die Partei, gegen einzelne ihrer Mitglieder, vor allem gegen Drewitz, zugrunde. Der einstimmige Beschluß des Schiedsgerichtes lautet wie folgt:

1. Der Reichstagsabgeordnete Otto Colofser, Berlin-Friedenau, wird aus der Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) hiermit ausgeschlossen.

2. Die Kosten des Verfahrens fallen satzungs­gemäß der Antragstellerin zur Last.

In den Gründen des Spruches heißt es, Ko= i sein Verhalten, besonders

gemacht, das mit den Pflichten eines Mitgliedes in schärfstem Gegensatz stehe. Das Verhalten Colossers fei doppelt verwerflich angesichts der Tatsache, daß er Mandatsträger und Vorstandsmitglied der Partei war.

5 statt 6 Wv-rsni G-baliS- abbau

Schiedsspruch für die Reichs- und preußischen Slaalsangestelllen

Berlin, 15. Ian. Wie der Gewerkschaftsbund der Angestellten mitteilt, hat in dem Gehaltsstreit zwischen der Reichs- und der preußischen Staats- regierung und den Angestelltenorganisationen heute vor dem Reichsarbeitsministerium eingesetzte Schlichtungsausschuß unter Vorsitz des Unterstaats­sekretärs a. D. Professor Dr. v. Moellendorf einen Schiedsspruch gefällt, der eine Zprozentige Gehalts­kürzung für die Reichs- und preußischen Staats­angestellten vorsieht. Die Vertreter der Reichs- und preußischen Staatsregierung hatten eine Gehalts­kürzung gleich der der Beamten um 6 Prozent ge­fordert" Frei von der Kürzung sind Gehaltsbezüge bis zu einem Betrage von 125 RM monatlich sowie der vom Angestellten zu tragende Teil des Pflicht­beitrages zur Angestelltenversicherung und Er­werbslosenversicherung. Ferner unterliegen Kinder­zuschläge und Kinderbeihilfen, die Aufwandsentschä­digungen, Reisekostenvergütungen, Beschäftigungs­tagegelder, Nachtdienstentschädigungen und Um­zugskostenvergütungen der Kürzung nicht.

Neamssn rmd GsMShMm

Berlin, 15. Jan. Der Disziplinarhof für die nichtrichterlichen Beamten hatte vor einiger Zeit in einer Berufsangelegenheit gegen einen Polizei­beamten zu verhandeln, der an einer öffentlichen Veranstaltung des „Stahlhelm" als Tambour- major in Stahlhelmkleidung teilgenom­men hatte. Der Disziplinarhof ist der Entscheidung der ersten Instanz des Disziplinargerichtes der Regierung in Oppeln beigetrefen und hat deren Urteil auf Strafversetzung und Kürzung des D i e n st e i n k 0 m m e n s um eine Gehalts­stufe aufrecht erhalten. Aus der Urteils­begründung des Disziplinarhofes gibt der Amtliche Preußische Pressedienst nunmehr die folgenden be­sonders bemerkenswerten Stellen wieder:

„Aus der Reichsverfassung ergibt sich, daß grundsätzlich auch den Beamtn das Recht der freien Meinungsäußerung zusteht. Die Ausübung dieses Rechtes darf aber bei einem Beamten nicht über die ihm durch sein Dienstverhältnis zum Staat gezogenen Grenzen hinausgehen. Dieses Dienstver­hältnis verpflichtet die Bamten zur Treue und zum Gehorsam gegenüber dem Staat und verbietet ihnen, von dem Recht der freien Meinungsäuße­rung und der politischen Betätigung einen gleich weiten Gebrauch zu machen, wie es jedem anderen Staatsbürger gestattet ist, der nicht unter dem Zwang« der im öffentlichen Interesse unerläßlichen Dienstzucht steht." — Das Urteil stellt dann fest, daß der vorgesetzte Minister ohne weiteres berech­tigt sei, die ihm unterstellten Beamten auf die ihnen obliegende Beschränkung in Ansehung ihrer politi­schen Betätigung hinzuweisen.

Der Beamte, so heißt es weiter, darf auch außerhalb des Diestes nicht in der Oeffenllichkett an Veranstaltungen von Verbänden tellnehmen, die nicht einwandfrei auf dem Boden der gellenden Verfassung stehen. Daß zu solchen Verbänden auch der „Stahlhelm" gehört, hat die Vorinstanz zutres. send festgestellt. Ob die hier erörterte Veranstal, tung des „Stahlhelm" ihrer Wesensart nach selbst politisch war oder nicht, ist ohne Bedeutung, da es nur auf die Gesamteinstellung des Verbandes gegenüber der bestehenden Staatsform im allgemei­nen ankommt.

Der Disziplinarhof stellt fest, daß er die von der Staatsanwaltschaft beantragte Strafe der

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Dienstentlassung in ernsteste Erwägungen gezogen und von der Verhängung dieser schwersten Straß lediglich abgesehen hat, weil der Angeschuldigte Unterhaltspflichten gegenüber vier Kindern hat, sich

im Kriege gut geführt und auch als Poilzeibeam- ter sonst seins dienstlichen Pflichten zur Zufrieden- heit seiner Vorgesetzten erfüllt habe.

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Zunahme -ev iVohlfahets. evwevhMoien

in den kleineren Städten

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Berlin, 15. Jan. Nach den Ermittlungen des 1,1 Reichsstädtebundes wurden am 31. Dez. 1930 von ?■ 1097 Städten mit bis zu 25 000 Einwohnern w 101 000 Wohlfahrtserwerbslose und Fürsorge- L

arbeiter oder 15,3 auf 1000 Einwohner unterstützt. K Gegen November, wo von 1032 Städten 91104 >

Wohlfahrtserwerbslose ober 13,3 auf 1000 Kin«

wohner unterstützt wurden, ist eine Steigerung um 15 Prozent zu verzeichnen. Diese Steigerung dürfte z. T. auf die Neuregelung der Krisenfür­sorge zurückzuführen sein.

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Pirmasenser Bombenpvozetz &

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Pirmasens, 15 Jan. Heute vormittag begann vor dem Erweiterten Schöffengericht Pirmasens die Verhandlung gegen vier in der bekannten Bombenaffär« ângeklagte Kommunisten, und zwar den 30jährigen Fabrikarbeiter Heinrich Reinhardt, den 22jährigen Del. und Milchhändler Christian Schäfer, den 30jährigen Fabrikarbeiter Lothar Näher und den 30jährigen Zuschneider Karl Dorn­berger, sämtlich aus Pirmasens. Drei der Ange­klagten sind verheiratet und Väter mehrerer Kin- der. Alle befinden sich bereits seit September in Untersuchungshaft. Das Gerichtsgebäude ist streng abgesperrt, nur gewisse Personen werden in den Verhandlungenssaal zugelassen, und aych diese nur nach einer genauen Leibesdurchsuchung. Die Ange­klagten sind beschuldigt, sich Sprengstoffe ana­eignet und an andere Personen weitergegeb«n«tzu haben.

Die Verhandlung, für die man eine Dauer von zwei Tagen angenÈnmen hatte, konnte bereits heute nachmittag zu Ende geführt werden. Es wurden verurteilt: Der Angeklagte Reinhardt zu 1% Jahren Gefängnis, der Angeklagte Schä> f e r zu zwei Jahren Gefängnis, der Angeklagte Näher zu zwei Jahren Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte Dörnber- g e r wurde freigesprochen. Die Angeklagten Näher, Schäfer, und Reinhard, werden unter Polizeia^- sicht gestellt. Die Angeklagten haben mit

Dornberger« die Kosten des Glicht fahrens zu tragen.

Teilte GttiwakMrmMsnoie dsv VoiMaWeänfsVsm

Paris, 15. Jan. Zu den heute früh vom „Newyork Herald" veröffentlichten Angaben über angebliche Beschlüsse der Botschafterkonferenz in der Frage der Entwaffnung Deutschlands erklärt man, wie die Agentur Havas meldet, in autori­sierten Kreisen, daß diese Angaben über die angeb­lich im Verlauf der letzten Sitzung der Botschafter­konferenz behandelten Fragen unrichtig seien. So sei insbesondere kein Rundschreiben, das die Aufmerk­samkeit der Regierungen der Staaten, die den Ver­sailler Vertrag unterzeichnet haben, auf Ver- f e h l u n g e n Deutschlands bei der Er­füllung feiner Entwaffnungsverpflichtungen lenke, vorbereitet oder bei dieser Gelegenhest von der Botschafterkonferenz ins Auge gefaßt worden.

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Re w y 0 r k, 15. Jan. Rach einer Meldung der Associated preß aus Mexiko hat das gestrige "Erd­beben am schwersten die Stadt Oaxaca heimgesucht. Dec Militärkommandant von Oaxaca, General Perez, berichtete dem Präsidenten Rubio, daß min­destens 25 Personen getötet oder verletzt worden seien und stündlich aus den Trümmern neue Opfer geborgen werden. Die Stadt sei ein einziger Trüm­merhaufen; der Sachschäden sei noch nicht im ent­ferntesten zu übersehen. Das Beben, das um 10 Uhr abends begann und drei Minuten dauerte, hatte unter der Einwohnerschaft eine ungeheure Panik zur Folge. Die Bevölkerung lagert jetzt im Freien. Eine Hilfsaktion ist eingeleitet.

politischer Zusammenstoß in Wernigerode

Wernigerode, 15. Jan. Hier kam es heute abend zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und linksstehenden Elementen. Die Nationalsozia­listen hatten nach dem Kurhaus eine Versammlung einberufen, in der der braunschweigische Landtags- obgeordnete Schneider über das^ Thema „Zusam­menbruch und Kriegsgefahr" sprechen sollte. Po^ litische Gegner, verstärkt durch Zuzug aus dem Lande, veranstalteten einen Demonstrationszug zum Kurhaus. Trotz polizeilicher Sicherungen erzwangen sich die Demonstranten Einlaß zum Saal, angeblich ohne Eintritsgeld zu zahlen. Es kam zu einer wüsten Schlägerei. Polizei vertrieb die Eindring­linge mit Gummiknüppeln aus dem Saal. Auf bei­den Sesten wurden mehrere Personen verletzt.

Italienisches Fluggeschwader in Rio de Janeiro

Rio de Janeiro, 15. Jan. Die italienische" Transozeanflieger, die heute vormittag von Bäh'" zum letzten Etappenflug nach Rio de Janeiro auf- gestiegen waren, sind nachmittags 4.30 Uhr (brasi­lianischer Zeit) über Rio eingetroffen, über dem sie unter dem Jubel der Bevölkerung in ge­schlossener Formation ihre Kreise zogen. Sie gin­gen dann auf die Bucht von Rio nieder. Damit haben von den 14 Wasserflugzeugen, die am 17. Dezember von dem italienischen Seeflughafen Orbetello zu dem Brasilienflug gestartet waren, 12 Flugzeuge die 10 000 Klm. lange Strecke . in 6 Flugllbschnitten glücklich zurückgelegt.

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