Nr. 13
Donnerstag den 15. Januar 1931
Seite 5
Hausrat G- m. b. H. gezahll. Der Landeshauptmann hat seinerseits rund 210 000 RM aufgebracht. Bekanntlich hatte man seinerzeit gehofft, daß alle Gesellschafter gemeinschaftlich di« erforderlichen Be- träge für die 60pxozentige Abfindung der kleinen Gläubiger aufbringen würden. Da sich aber die Städte Wiesbaden und Offenbach weigerten, die anteiligen Beträge in der Höhe von 52 839 und 35226 RM aufzubringen, mutzten diese Beträge gon der Stadt Frankfurt und von dem Landeshauptmann mit bezahlt werden.
Ablehnung des Frankfurter Metallarbeller-Schieds- spruchs
• In einer stark besuchten Versammlung haben hie Vertrauensleute und Betriebsräte des Metallarbeiterverbandes zu dem Schiedsspruch für die Frankfurter Metallindustrie, der einen etappenweisen Abbau der Löhne vorsieht, Stellung ge- nammen. Nach einem Referat des Geschäftsführers Mulansky hat die Versammlung einstimmig beschlossen, den Schiedsspruch abzulèhnen.
MS «ab und Seen.
Tragikomödie um einen Toten
' — Mainz, 13. Jan. Jm Juni des Jahres 1926 erhielten der Eisenbahner L. aus Pasewalk und seine Gattin von der Mainzer Polizei die Nachricht, daß man ihren 21jährigen Sohn Heinrich ermordet aufgefunden habe. Als die Estern nach Mainz kamen, war der junge Mann, den man auf Gründer bei ihm vorgefundenen Papiers identifiziert hatte, bereits begraben. Man könnte den schmerz- gebeugten Eltern nur noch eine Photographie zeigen, die man von. dem Toten gemacht hatte. Trotzdem auf diesem Lichtbild das Gesicht durch schwere Hiebverletzungen sehr entstellt war, glaubte die Mutter doch, daß dies das letzte Bild ihres Sohnes war. Seit diesem Zeitpunkt betrauerten die beiden alten Leute ihren toten Sohn. Ma» kann sich vorstellen, in welch einen Zustand der Verwirrung, bangen Erstaunens sie gerieten, als sie in den letzten ' Weihnachtstagen von ihrem totgeglaübten Sohn aus Bochum einen Brief erhielten, • in dem dieser um die Uebersendung von Geld bat. Die Eltern glaubten natürlich zunächst, daß sich jemand einen schlechten Scherz erlaubt habe oder eine Cr- pretzung beabsichtigte. L. fuhr trotzdem sofort nach Bochum, wo er dann tatsächlich den seit vielen Jahren Totgeglaubten lebend und: bei bester Gesundheit auffand. Der junge L. hatte anfangs des Jahres 1925 sein Elternhaus nicht gerade unter den friedlichsten Umständen verlassen. Es war zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und feinem Vater gekommen, und so verließ er das Elternhaus mit den Worten: „Ban mir hört ihr jetzt sechs Jahre lang nichts!" Und das hatte Heinrich L. nahezu wahr gemacht. Die seltsame Todesnachricht war alles was seine Eltern in der ganzen Zeit von ihm erfuhren. In fast allen Städten und Ortschaften Deutschlands hatte sich Heinrich L. aufgehalten. Kaum eine Landstraße, die ihm unbekannt geblieben'war. In Hamburg wurden ihm 1926 seine Papiere gestohlen, und das ist bishex der einzige Hinweis auf den rätselhaften Toten von Mainz, der 'ür Heinrich L. galt. Seltsamerweise hatte sich L. Um die Zeit, da man in Mainz den Erschlagenen begrub, ebenfalls in der Stadt aufgehalten, ohne jedoch das geringste von „seinem Begräbnis" zu wissen. Mit seinem Auftauchen erhebt sich nun die Frage: Wer ist der Tote?
Die Bluttat in Mainz
— Mainz, 14. Jan. Zu der Ermordung der Arbeiterin Anna Claude durch den Dachdecker Ca- zarè werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Diè. Getötete hatte seit Jahren ein Verhältnis mit dem Cazarè, däs vor einiger Zeit aus unbekannten Gründen gelöst wurde. Zu dieser Zett lernte die Claude den Arbeiter Otto Kleber kennen. Cazarè, dem das Verhältnis der Claude mit dem Kleber ein Dorn im Auge war, verfolgte ihn beständig. Es kam öfters zwischen den beiden Rivalen zu Aus-
etwa im Alter von 40 Jahren zeigt. Es wurde von Aharon 1916 in einem Bostoner Antiquitätenladen aufgestöhert. Der Antiquar hatte es von einem Sammler erworben. Alles spricht dafür, daß sich das Kunstwerk, seit etwa 70 Jahren in Amerika befindet,. und Sachverständige sind der Meinung, daß es aus der Kirche Santa Maria delle Grazie in Mailand stammt, wo Leonardo an seinem berühmten „Abodmahl" arbeitete. Na- poleyn hat es von dort nach Frankreich gebracht, von wo es später nach Amerika kam. Es entsprach dem besonderen. Wunsche Aharons, daß die beiden Kunstwerke zuerst in Mailand ausgestellt wurden, doch sollen sie später auch in anderen Städten ge- ätigt werden.
6 Dressestimmen über das Pfalzorchester. Im Hinblick auf das heute abend stattfindende Konzert des Pf a l z o r ch e st e r s dürfte es interessant sein, einige Presseurteile über die Wie- ^rgabe von Kompositionen, welche auch auf dem heutigen Programm stehen, kennen zu lernen. Ueber die Aufführung der „Kleinen Nachtmusik" von Mozart durch das Pfalzorchester schreibt die Deutsche Musikerzeitung" in Berlin: „Nach Mozarts Kleine Nachtmusik (Serenade für Streicher) "achte man, das Orchester sein ein Spezialist für âkokomusik. Der in der Freischützouvertüre so stistig entwickelte Streicherton nahm bei Mozart '"oh Wahrung des gesanglichen Schmelzes . jene Uilime, heiter-trockene Grazie an, die zur Wieder- gabe dieser Musik erforderlich ist, indessen nicht oft gut, so ehrbar wie von den Pfälzern verwirk- »cht wird." — Das „Berliner Tageblatt" urteilt: "Mozarts Kleine Nachtmusik Netz schon das in tonen Streichern erlesen besetzte Orchester vortetl- hast hervortreten." — Die Wiedergabe der -Konzertanten Symphonie" von Haydn wurde vor 'urzem in der „Neuen badischen Landeszeitung
folgt besprochen: „Man staunt bei diesem ^ork über die Kühnheit, mit der der angeblich so gemütliche Papa Haydn über die musikalischen Mittel verfügt, mit der er, um nur ein Beispiel A nennen, dem letzten Satz (in Rondoform) ein Aolinsolo von rezitativischem Charakter voraus- ch'ckt. Um die von Generalmusikdirektor Prof, ^nft Boehe feingeistig geleitete, ausgeglichene Abführung machten sich Josef Sauer (Violine) Walter Kölscher (Cello), Ernst Gruhn (Oboe), und vriedrich Zeit (Fagott) verdient, die sich aus dem
Das geätzte Trockendock EuvovaS im Bau
Das neue Riesendock ll in Bremerhaven während der Bauarbeiten
In Bremerhaven wird das Dock II gegenwärtig auf eine Länge von 335 Metern erweitert. Schiffe bis zu 75 000 Tonnen werden darin Platz finden.
einandersetzungen auf der Straße, die gewöhnlich mit einer Schlägerei endeten, bei der Kleber die Oberhand behielt Da die Claude fortgesetzt den Verfolgungen des Cazarè ausgesetzt war, und er ihr dauernd in der Nähe ihrer Wohnung auflauerte, mußte sie von Kleber bis an ihr Haus begleitet werden. Kurz vor der grausigen Bluttat gestern abend wurde die Claude von Kleber bis an die Haustür gebracht, und Kleber wartete vor der Tür, bis seine Braut das Zimmer betreten hatte. Nachdem die Claude von der Zimmertür aus chrem Bräutigam noch einen Abschiedsgruß zugerufen hatte, begab er sich nach feiner elterlichen Wohnung. Kurz darauf ist dann die furchtbare Bluttat geschehen. Es besteht die Möglichkeit, daß Cazarè mit dem Rasiermesser bewaffnet, in die Wohnung^-eingedrungen ist, wo er die Tat ausgesührt hat. Hausbewohner hörten den Täter die Treppe herabeilen und begaben sich nach dem Zimmer des Mädchens, das im gleichen Augenblick, schwer am Halse blutend, aus ihrem Zimmer stürzte. Zwei junge Leute nahmen sich des Mädchens an und brachten es zum Polizeirevier. Dört wurde sofort ein Arzt requiriert, der die Verbringung der tödlich verletzten Claude ins Krankenhaus anordnete. Dort ist sie, ohne vernommen werden zu können, an der schweren Verletzung gestorben. Nach den ärztlichen Feststellungen war der Schnitt mit solcher Wucht geführt, daß der Hals bis auf den Wirbel durchschnitten war. Eine Rettung der Unglücklichen war unmöglich.
Auf der Jagd erschossen
— Dillenburg, 14. Jan. In Rittershcmsen (Dill- kreis) ereignete sich gestern ein eigenartiger Vorfall. Der Waldwärter Koch, der Gastwirt Erhelger und der Neffe des ersteren, ein 18jShriger junger Mann namens Oppermann, befanden sich auf der Jagd. Arhelger soll, als er auf dem Anstand saß, vom Hund angesprungen worden sein. Als er diesen abwehren wollte, lößte sich plötzlich aus seinem Gewehr ein Schuß, der den in der Nähe stehenden Oppermann in Brust und Hals traf. Schwer verletzt wurde der junge Mann ins Dillenburger Krankenhaus gebracht, wo er kurz noch feiner Einkieferung starb. Wie sich der Vorfall tatsächlich zugetragen hat, ist noch nicht restlos geklärt, so daß zunächst das Ergebnis der polizei- rlchen Ermittlungen ab gewartet werden muß.
gewohnten Hintergrund des Pfalzorchesters zu einem gut aufeinander abgestimmten Quartett zusammengesetzt hatten. Herzlicher Beifall des gut besuchten Hauses rief Boehe und die Solisten immer wieder hervor.
o Skadttheaker. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Morgen Freitag, abends 7.30 Uhr, gelangt als 17. Vorstellung im Freitag-Abonnement der beliebte und erfolgreiche Operettenschlager „Das Musikantenmädel". Operette in 3 Akten von Georg Jarno zur Aufführung. — Am Samstag, abens 7)4 Uhr, findet zu kleinen Preisen von 50 Pfg. bis zu RM 2.30 einschl. Garderobengebühr die 25. Aufführung des Operetten-Welterfolges „Das Land des Lächelns". Operette in 3 Akten von Franz Lehar statt. — Kommenden Sonntag, abends 7)4 Uhr, gelangt erstmalig „Katja, die Tänzerin „Operette in 3 Akten von Jean Gilbert zur Aufführung. Die Musik dieser Operette enthüllt durchwegs den feinen, graziösen, kullivierten Musiker.
o Maria Stuarts letzter Brief. Einer der kostbarsten Schätze der schottischen NationaDibliothek ist der letzte Brief Maria Stuarts. Er wird im Februar auf einer Ausstellung in London gezeigt werden Eine Gruppe von wohlhabenden Schotten hat den Brief im Jahre 1918 der Bibliothek geschenkt. Er ft in französischer Sprache geschri:be^ und unter dem 18. Februar 1587, wenige Stunden vor der Hinrichtung, datiert. Maria Stuart wendet sich darin an ihren Schwager, König Heinr'ch III. von Frankreich. Der hinter den Gittern des Schlosses Fotheringay in der Grafschaft Northamptonshire im Angesicht des Todes verfaßte lange Abschiedsbrief verrät majestätische Ruhe. Den „aller- christlichen König, Bruder und einigen Verbündeten" bittet Maria Stuart um ein gutes Andenken Er solle nie vergessen, daß sie für die katholische Kirche gestorben sei. Ihren Sohn und ihre treuen Diener. empfiehlt sie der Großmut des Königs.
o D'Annunzio bestellt sich fein Mausoleum. Der italienische Soldato-poeta hat sich soeben ein Mausoleum bestellt. Mit der Ausführung der Arbeit hat er seinen Lieblingsbildhauer Renato Brozzi betraut. D'Annunzio scheint von Todesahnungen gequält zu werden, denn in dem Telegramm, das die Bestellung enthielt, heißt es: „Mein Auftrags für ein Mausoleum eilt sehr," •
Vom Zug erfaßt und getötet.
— Darmstadt, 14. Ian. Als am Dienstag abend der Zug 670 im hiesigen Hauptbahnhof eingelaufen war, überschritt der 60 Jahre alte verheiratete Oberbahnschaffner Philipp Küchler das Gleis 9. Hierbei wurde er von der bereits zum Umsetzen in Fahrt befindlichen Lokomotive des Zuges erfaßt und überfahren. Der Unglückliche wurde durch Eindrücken der Schädeldecke und mehrfachen Bruch des rechten Beins so schwer verletzt, daß der Tod auf der Stelle eintrat.
— Driedof, 14. Jan. Die Reichsbahndirektion teilt mit: Am Mittwoch nachmittag gegen 14 Uhr wurde die Ehefrau des Pfarrers Metzler aus Driedorf (Westerwald) auf dem Bahnhof Driedorf von einem von Herborn kommenden Pcrfonenzug erfaßt und getötet. Frau Metzler wollte mit ihrem Mann ihren in dem Zug befindlichen Sohn abholen. Die Untersuchung der Schuldfrage ist zur Zeit noch nicht abgeschlossen.
Lchuhraub auf Strümpfen über die Dächer hinweg
— Butzbach, 14. Jan Ein verwegener Einbruch wurde in die hiesige Schuhfabrik von Dreher verübt. Der Dieb zog seine Stiefel aus und kletterte auf Strümpfen über eine Leiter und zwei Dächer hinweg durch das Bodenfenster in das Lagerhaus der Schuh fad mk hinein. Hier packte er etwa 25 Paar Schuhe in einen Sack ein und pirschte wieder auf Strümpfen durch das Bodenfenster über die Dächer und die Leiter nach seinem Ausgangspunkt zurück, worauf er sich auf und davon machte. Die Nachforschungen nach dem dreisten Spitzbuben sind .im Gange.
22 Schweine verbrannt
— Groß-Gerau, 14. Ian. Auf Gut Hohenau bei Trèbur, auf dem in der Hauptsache entlassene Strafgefangene beschäftigt werden, entstand in einem Schweinenotstall ein Brand, dem das Stallgebäude und 22 Schweine zum Opfer fielen. Da das Gut sehr abgelegen liegt, kam die Feuerwehr zu spät, um noch etwas retten zu können.
3m Streit niedergeschossen
— Hamm (Rheinhessen), 14. Jan. Am Montag abend gerieten die Korbmacher Schreiner und Dro- mershäuser in einen Wortwechsel. Sie waren mit-
o Ein Reffe Heinrich Heines — auf der Landstraße gestorben. Aus Budweis wird gemeldet: In der Nähe von Wittingau in Südböhmen war vor einiger Zeit die Leiche eines unbekannten Landstreichers gefunden worden. Aus seinen wenigen Papieren ging nur hervor, daß er Reichsdeutscher gewesen sei. Man sandte seine Fingerabdrücke und die Personenbeschreibung an die deljt- 'chen Behörden. Jetzt teilte die Kriminalzentrale in Dresden mit, daß es sich nur um den 78 Jahre alten K. K. Heine, einen Neffen des Dichters Heinrich Heine, handeln könne. Er liegt im Ortsfriedhofe der kleinen Stadt Seoetin begraben. Als Todesursache ist Altersschwäche und völlige Entkräftung festgestellt worden. — Der Neffe Heines — erst durch die Nachricht von seinem Tode erfährt man, daß er gelebt hat. Ein Unbekannter, ein Mann mit traurigem Schicksal, bitterem Ende. Nachkomme Heines — vielleicht ein Erbe seines Genies? Oder ein Ruheloser, von Wandertrieb und Unrast oder aus wer weiß welchen Motiven durch die Welt umher gejagt? Das Ende einer Tragödie vielleicht, sicherlich die Heimkehr von der Erdenpilgerfahrt eines, der einen großen Namen trug. Und vielleicht gar nichts davon wußte. Oder zu schwach und unfähig war, ihn zu wahren.
o „Schiffbruch, ahoi!", deutsche Komödie 1919, in 3 Akten von Curt Wesse (Wiesbadener Staats- theater). <1919, Schieber- und Kettenhandelszeit. Auch auf einer kleinen Ostseemiel versuchen sich Reder, Versicherungsdirektoren, Seeleute, Schiffer, mit Erfolg in diesem damals einträglichen Geschäft, schieben in versicherten Schiffen, fälschlich deklarierten Ladungen. Die Schieber geraten in ein Fremdenheim von Sommergästen hinein, und einige lustige Verwicklungen verlängern die recht dürftige Handlung. Wesse zeigt eine für ein Erstlings-Bühnenwerk bemerkenswerte Geschicklichkeit, Fäden zu knüpfen und zu entwirren. Auch einige Typen sind gut gezeichnet. Aber der Stoff wirkt — 1931 — völlig antiquiert, re'cht auch nicht für drei Akte. Doch gefiel die leichte Unterhaltungsware am Premierenabend, zumal die Darsteller allen Typen individuelles Leben verliehen, (Herta Genzmer als sächselndes, älteres Fräulein, fei vor allen genannt) genügend, um sie mit Beifall zu bedenken und den Autor mit aufmunterndem Beifall vor die Rampe zu rufen. (Verlag Oesterheld u. Co.)
einander feit langem verfeindet, da Schreiner mit der Ehefrau des Dromershäuser vorher verlobt gewesen war. Der Streit artete alsbald in Tätlichkeiten aus, in deren Verlauf Schreiner eine Pistole zog und auf Dromershäuser drei Schüsse abgab. Schwer verletzt wurde dieser nach Worms ins Krankenhaus gebracht. Der Täter wurde verhaftet und in das Amtsgericht Osthofen eingeliefert.
Ein Geheèmbund mit 3CCCCCCC Mitgliedern
Das unbekannte China — „Rieder mit den weißen Teufeln!" — Unverwundbarkeit durch Zauberei — Mit Körben in di« Schlacht
Nach den Bekundungen eines Kenners, der das Geheimbundwefen in China und seine Organisation zu seinem besonderen Studium gemacht hat. zählt der Burti) des „Roten Speer", de- mächtigste der vielen Geheimgesellschaften Chinas, heute unter den Bauern der Provinz Honan nicht weniger als 30 Millionen Ahänger. Diese Geheimgesellschast gewinnt übrigens in Nordchina ständig an Boden, und die andauernden Bürgerkriege wie die Untaten der zahllosen Räuberbanden haben nur dazu beigetragen, den kriegerischen Geist der Angehörigen dieser Bünde, die ausnahmslos militävfch aufgezogen sind, und aus denen sich die reguläre Armee Chinas gern rekrutiert, zu entwickeln. Dieser „Rote Speer" ist ein Ableger der Boxer- bewegung vom Jahre 1900. Die Devise „Tod den weißen Teufeln" wurde auch von den Führern der geschlagenen Buxer nach chrem Rückzug nach der Provinz Schantung angenommen, und auch die heutigen Führer der Bewegung werden nicht müde zu erklären, daß für die Fremden die letzte Stunde geschlagen habe, und daß alle niedergemacht werden müßten. Die heutigen Anhänger der Vereinigung des „Roten Speer" bekennen sich zu re» ligiösen Grundsätzen, die eine Mischung von den Zehn Geboten des Dekalogs und Elementen buddhistischer Götzenverehrung, sowie des auf Lootse zurückgehenden Taoismus darstellen.
In den Zauberpraktiken der Führer spielen der brenende Docht einer Kerze, der fünf Minuten lang im Munde gehalten wird, und das Verschlucken von Amuletten und Zaubertränken, welche die Führer Hieb- und kugelfest machen sollen, eine bedeutsame Rolle. Um die Unfehlbarkeit dieser Zaubermittel zu beweisen, durchbohren sie sich selbst gelegentlich mit Schwertern und schießen ; Pistolen auf sich ab Der Glaube ist allgemein, i daß die dadurch hervorgerufenen Wunden nicht bluten, und daß die zurückbleibenden weißen unb roten Wundmale bald wieder verschwinden. Die Parteigänger des Bundes teilen sich übrigens in viele Sekten, die sich oft untereinander bekämpfen. Wie verlautet, zeigt der Chef der mächtigsten Sekte kannibalistische Gelüste die sick im Verzehren von Lebern menschlicher Wesen äußern Ein anderer bedeutender Geheimbund ist die „Gesellschaft des schwarzen Sveer", die von Lu Peng-Sha begründet wurde, der sich magischer Kräfte und prophetischer Gesichte rühmte. Auch feine Anhänger bedienen sich besonderer Zauberformeln, die dazu bestimmt sind, Minen im Kampf Unoerwunübarkeir zu verleihen. Die „Religion der fünf Roisi'cheffel" ist der absonderliche Name einer anderen Geheimgesellschaft, die gleichfalls ihren Mitgliedern die Un- verwundbarksit im Kampfe verheißt Sie entlehnt ihren Namen von der Eintrittsgebühr, die fünf Scheffel Reis oder deren Geldwert beträgt Die Mitglieder der „Gesellschaft des magischen Fächers" sind mit Schwertern ausgerüstet, die dem Feind den sicheren Tod bringen sollen, sowie Fächern, die ihren Trägern ihrerseits die Unverletzlichkeit verbürgen. Die „Gesellschaft der Gefolm'chaft der schönen Körbe" endlich besteht ausschließlich aus Frauen. Diese ziehen in die Schlacht m" Körben, die die Flintenkuaeln der Geaner wie Bälle auf» fangen, während man ihren Schwertern die gleiche durchschlagende Wirkung wie den Feuerwaffen nachrühmt.
■■■■■■■■■■■■■■■■■■■l
o Entdeckung des Trägers des Fünftagesiebers. Aus Amsterdam wird gemeldet: Dr. W. K. Mertens ehemaliger Regierungsarzt in Indien, identifizierte zwei wichtige Träger des Fünftagefiebers. Einen hiervon hatte man seit längerer Zeit als Träger der Keime hn Verdacht gehabt, und dieser Verdacht wurde nun von Dr. Mertens wissenschaftlich bestätigt, der gleichzeitig auch den zweiten Träger feststellte. Im ersteren Falle handelt es sich um Stegomya faSciata. im zweiten Falle um Aedes albopictus. Die wissenschaftlichen unb ärztlichen Kreise messen der Entdeckung großen Wert bei, da das Füvftage'ieber so gut wie in ganz Asien vorkommt. Versuche wurden im vorigen Jahre im Amsterdamer Koloniatinstitut, Abteilung Tropische Hygiene, in dieser R'chtung unternommen und erfahren nunmehr ihre Bestätigung. Freiwillige, die sich für die Versuche zur Verküaung stellten, wurden von den vcrdächtiaen Fliegen gestochen und erkrankten danach tatsächlich am Fünf- .tagefieber.
o Ein interessanter Filmprozeß wird in nächster Zeit die Gerichte beschäftigen. Eine nationalsozialistische Vereinigung hat als Sondervorstellung für ihre Mitglieder den Ufa-Film „Die letzte Kompagnie" vorgeführt. Dieser Film wurde in der Ioe-May- Produktion der Ufa hergestellt. Das Manuskript stammt von Kosterlitz, die Musik von Benatzky, Regie führte Bernhard, Hauptdarsteller war Conrad Veith, weiter wirkten in Hauptrollen u. a. Alexander Granach und Ferdinand Hart mit. Auch eine Anzahl weiterer jüdischer Persönlichkeiten sind bei der Ausführung des Films beschäftigt gewesen. Zu Beginn gab Goebbels eine Erklärung ab, daß dieser Film am meisten den Filmidealen der National- fozialisten nabekäme, „obgleich in ihm noch eine Reihe von Juden mitwirkten. Bei der Vorführung des Films blieb aber der Vorspann mit den Namen der Beschäftigten fort. Mehrere Beteiligte wollen jetzt wegen der Fortlassung ihrer Namen gegen die Veranstalter eine Schadenersatzklage einreichen. Nach der herrschenden Rechtsprechung dürfte dies zu einer Verurteilung führen. In diesem Falle müßten dann die nationalsozialistischen Veranstalter den jüdischen Autoren und Mitwirkenden nachträglich eine Geldentschädigung zohlem