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Sette 2

Donnerstag den 15. Januar 1931

Nr. 12

überschätzt; wenn sie aber vorhanden wären, wäre eg wett besser, bei diesen Arbeiten nicht im Wege der Arbettsdienstpslicht beschaffte Zwangsarbeiter zu beschäftigen, sondern freie Arbeitslose, deren arbeit jedenfalls weit wirtschaftlicher als die unausgebildeter und unerfah» renerJugendlicher ist. Das Festhalten der 14jährigen in den Schulen und die Nichtzulastung ausländischer Saisonarbeiter würden etwa 230 000 deutschen Arbeitskräften zusätzliche Beschäftigung geben.

von den Möglichkeiten eines Preisabbaues hat das große Publikum eine völlig falsche Vor­stellung gehabt.

Es ist selbstverständlich nicht möglich, daß an einem bestimmten Stichtage alle Preise um einen ganz bestimmten Betrag fällen; das wäre höchstens dann möglich, wenn an diesem Stichtag auch gleichzeitig sämtliche Produktionskosten einschließlich der Steuern und Abgaben um einen entsprechenden Be- trag gesenkt würden. Davon aber sind wir bisher weit entfernt. Trotz der Erhöhung der Ausgaben für Wohnung, Verkehrs- und Versorgungstarife sind die Gesamtlebenshaltungskosten vom Juli 1929 bis Ende 1930 um 9,1 v. H. gesunken.

Es ist, grundsätzlich falsch, fuhr der Minister fort, in einem Lande, das wie Deutschland arm an Kapital und reich an Arbeitskraft ist, viel Kapital und wenig Arbeitskraft zu verwenden. Cs wäre für unser Volk viel besser gewesen, die Rationalisierung sich in einer

Senkung des Preisniveaus stakt In einer nominellen Steigerung der Löhne attsroirfen zu lasten. Jetzt muß der schmerzliche Weg zurück unternommen werden, wobei die Lobn- und Gehaltssenkungen fast überall nur eine An­gleichung an das gegenüber der letzten Lohn- und Gehaltsreaukieruna veränderte Preisniveau bedeu­ten und keine Minderung der realten Kaufkraft gegenüber jener Zeit.

Die Verbilligung unserer Verhältnisse muß sich selbstverständlich auch sobald als möglich auf die Kreditbedingungen erstrecken. Aber so einfach, wie die Nationalsozialisten sich das vor­stellen, ist die Brechung der Zinsknechtschaft nicht. Der Antrag, einen Höchstzins von 4 Prozent zu be­stimmen, ist völlig undurchführbar; denn die Gel­der. die die Kreditinstitute der Wirtschaft zuführen, sind zum allergrößten Teil solche, die die Kredit­institute selbst geborgt und deshalb zu verzinsen haben.

Befreiung von der Zinsknechtschaft kann man nur erreichen durch eine Politik, die den Geld­gebern des In- und Auslandes Vertrauen in die Beständigkeit der beuffdien Verhältnisse einttökk. Die Drohung mit Umsturz und Ge- walk ist das Gegenteil von Brechung der Zins­knechtschaft.

Die Wähl vom 14. September hat unsere Anleihe- bedinaungen um etwa 25 Prozent verschlechtert. Befreiung von der Zinsknechtschaft läßt sich auch nicht dadurch herbeiführen, daß man neues Geld druckt, selbst wenn man damit Häuser oder andere nützliche Werte schafft. Ein solches Vorgehen würde nur die Schrecken der Inflation über unser Volk wieder heraufbeschwören. Befreiung von der Zins- knechllchäst kann nur dadurch erzielt werden, daß das Kap na lan geb o t ne r m e hr t und 'Ält der Zinssatz vermindert wird. Das erreicht man nur durch Erleichterung der Kapitalbildung und durch Anlockung ausländischen Kapitals. So wie bisher darf aber auf dem Gebiete des Anleihe- wefens nicht weiter gewirtschaftet werden.

Die Ordnung der Reichs-, Länder- und Ge- meindestnanzen ist auch die Voraussetzung zur Reuaufwerfung der Reparalionsfrage.

Es ist falsch, dem PoungvIan die Schuld an un­seren Notständen zuzuschreiben, während sie der Tributverpflichtung überhaupt zu- kommt. Da der Poungplan gegenüber der Dawes- reoelung eine jährliche Erleichterung von 700 bis 800 Millionen gebracht hat, ist selbstverständlich, daß die . Aufrechterhaltung des Dawesvlans unsere Verhältnisse noch weit schwieriger gestaltet hätte, als das jetzt der Fall ist. Es ist nicht zu ertragen, daß heute 12 Jahre nach dem bitteren Kriegsende die Beziehungen unseres Volkes zu anderen Völkern noch immer unter der Perspektive von Sieg und Niederlage betrachtet werden.

Es ist alle Energie, aber auch alle Besonnenheit auf das eine Ziel zu richten, die völlige wirtschaft­lich? und politische Freiheit wieder zu erlangen. Dabei ist es falsch, sich Illusionen hinmgeben und die Reithsrealerung ohne genügende Vorbereitung In ein Revisionsabenteuer hineinzutreiben. Diese Vorbereitung aber wird nicht nur bestehen in immer erneuter Darlegung des schweren Anrechts, das man uns zuoefügt hat, sondern in einer Haltung des ganten Volkes, die dem Ernst unserer Lage anaepaßk ist und die Entschlossenheit unseres Willens zum Ausdruck bringt Von der Geschlossen­heit unseres Volkes, feinem Derantworfnngsgefüht und seiner Opferbereitschaft hängt es ab, ob und wann wir die Freiheit wieder erlangen.

Die Rede des Sinam- miniftevs Nielvick

(Forbetzuva von Seite 1.)

sich gehalten habe, müsse über diese Entwicklung erschrecken. Es habe daher keinen Zweck, den Reichshaushall mit Gewallmitteln zu beeinflussen; es sei vielmehr

notwendig, den oft nicht gerechtfertigten Vessi- mismus im deutschen Volke zu bekämpfen.

Wenn an allen Ecken und Enden immer nur geunkt werde, verliere das Volk noch den letzten Rest seines Mutes. Auf einen Zwischenruf des kommunistischen Abgeordneten Stoecker erklärte der Minister, daß er sich nicht für eine Erhöhung der Steuern, auch nicht der Umsatzsteuern, aussprechen werde. Beson­ders die Erhöhung der Umsatzsteuer würde eine untragbare Herabdrückung der Lebenshaltung der deutschen Bevölkerung herbeiführen.

Die StuSsKvache

Abg. Hergt (Din.) vermißte in der Rede des Finanzministers eine genügende Würdigung der Tendenz des Niederganges der gesamten deutschen Wirtschaft, was umso bedauerlicher sei, als dieser Niedergang im engsten Zusammenhang mit den un­tragbaren lljouna-Lasten stehe. Aus diesem Grunde wandte sich' der Redner auf das entschiedenste gegen die Folgerungen, die der Minister in seiner Rede zum Ausdruck gebracht habe. Die finanzielle Lage

Schweres Erdbeben in MeseiSo

SabwÄche SSusev tMM - Die Zahl der ©»fee noch nicht bekannt

Rewyork, 15. Jan. Rach Meldungen bee Associated Preß ' aus Mexiko Stadt ereignete sich dort am Mittwoch ein starkes Erdbeben von mehr als 2 Minuten Dauer, das unter der Bevölkerung eine Panik hervorrief. Die Einwohner verließen eiligst ihre Wohnungen, da sie Einstürze befürch­teten. Zur Zeit des Bebens war ein eigenartiges gelbliches Licht am Himmel zu beobachten, au» dem Blitze hervorzuckten. Das Erdbeben war von Wolkenbrüchen begleitet. Dem ersten heftigen Erd­stoß folgten kleinere. Viele Gebäude find durch Risse beschädigt. Einige Denkmäler sind von ihren Sockeln gestürzt. Ernster Schaden oder Todesopfer sind aber nicht gemeldet. Die Licht-, Telephon- und Telegraphenleitung war zeitweise unterbrochen.

Mexiko, 15. Jan. Das gestrige Erdbeben in Mexiko wird nach bisher vorliegenden Berichten als das schwerste, das man seit dem großen Bebe« im Jahre 1911 bei dem in 41 Städten über 2000 Men­schen umkamen, bezeichnet. Das Zentrum des Bebens war in der Rähe der Stakst Matamorasy-

zucar, südöstlich von Mexiko- Stadt im Staate Pueblo. Es scheint, als ob das Beben dem Rio Panuco entlang gelaufen ist. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Bisher wird 1 Toter und 4 Verletzte gemeldet. In Mexiko-Stadt brachen in mehrere« Stadtteilen Brände aus. 3n Tampico stießen eine Anzahl Eisenbahnwagen zusammen.

Rach Meldungen desAssociated Preß" verur­sachte ein starkes lang andauerndes Erdbeben am Mittwoch abend in Vera Lruz große Panik. Auch andere Städte des Staates Vera Cruz sollen non dem Erdbeben heimgesucht worden sein. Dem Beben ging eine dreitägige ungewöhnliche Kälte voraus.

Mexiko, 15. Jan. Die Zahl der Verletzten bei dem gestrigen Erdbeben hat sich in der Stadt Mexiko um weitere 21 vermehrt. Etwa 50 Häuser sind etn- gestürzt. Das gemeldete grelle Licht während des Bebens wird durch den Ausbruch des Vulkans Popokalepekel erklärt. Die Erdstöße waren mehrere 100 Meilen weit spürbar.

Eine euMche GettSeuns zur Slbrüftungsßrage

Sovdeeungen Rußlands bezüglich der Wahl des Ssv sitzenden und des Tagungsortes dev Weltkonsevenz

In unterrichteten Kreisen rechnet man vorläufig doch immer noch damit, daß es gelingen wird, eint Verständigung herbeizuführen, die den Wünsche» der Deutschen Volkspartei Rechnung trägt.

Bonden Berliner Pressestimmen zur Dietrich-Rede seien die uns zur Verfügung stehen, den wiedergegeben: DerVorwärts" schreibt: Die Rede vermochte die Schwächen des Haushalts. Plans für 1931 nicht zu leugnen, sie rückte sie aber nach besten Kräften unters Verkleinerungsglas und suchte über den Rest, der auch so noch zu tragen blieb, mit demgemäßigten Optimismus himäg. zukommen, zu dem Herr Dietrich sich bekannte. Diesergemäßigte Optimismus" mag gellen, aber drohenden Gefahren soll man rechtzeitig vorbeugen. Wir haben nun genug Lehrgeld bezahlt. Die V o s s. Z tg." unterstreicht die Ablehnung neuer Steuern und gibt der Ansicht Ausdruck, daß bei ter anerkannten Bedeutung der öffentlichen Finanzen als der wahren Grundlage aller Wirtschaft die be­ruhigende und belebende Wirkung vielleicht noch größer sein würde /wenn die Einnahmeseite mit etwas besseren Reserven ausgestattet wäre. Die D. A. Z." betont, daß Grund zu neuen oder ver. stärkten Befürchtungen nicht gegeben sei, weder in materieller Beziehung noch' auf dem Gebiete der Vertrauens und des Kredites. Was Minister Dietrich vorzutragen hatte, sei so unerfreulich ge. wesen, wie es der schlechten Wirtschaftslage ent« spreche. DieDeutsche Tageszeitung" bezeichnet esals einigermaßen schwer, die Be­rechtigung eines auch nur gedämpften Optimismus aus dem Ueberblick über die getätigte und geplante Finanzpolitik des Reiches herauszulesen".

Dev âonslikt in der MjviMaftSvavtei

Lolosser aus bet Partei ausgetreten Die drei sächsischen Wahlkreise brechen die Be­ziehungen zur Reichsparleileilung ab.

Berlin, 14. Ja-n. Die Versuche einiger Wahl, kreisorganiisationen der Wirtschaftspartei und der Abgeordneten Ladendorsf, den Austritt des Reichs­tagsabgeordneten Coloffer aus der Partei zu ocr« hindern, sind am Mittwoch abend gescheitert. C»- losser hat jetzt seinen Austritt aus der Partei in einem Schräm an das für Donnerstag einberufene Parteigericht erklärt.

In dem Schreiben stellt Coloffer unter anderem fest, daß eine Mehrheit der Verantwortlichen der Wirtschaftspartei kein Reinigungsbedürfms habe, denn sein Kampf gehe um Reinheit und Sauber­keit. Er scheide aus der Partei aus, weil er roh Röinlichkeitsgefühl besitze. Es genüge ihm die Tatsache, daß ein Prüfungsausschuß noch ge- gewissenhafter Arbeit festgestellt habe, daß seine nur zum Teil bekannt gewordenen . Behauptungen im wesentlichen wahr seien. Er behalte sich vor, der Osffentlichkeit eine ausreichende Darstellung zu unterbreiten. Colosser will sein Reichstagsmcm- dat zunächst als Fraktionsloser weiter ausüben.

Vom Parteivorsitzenden, dem Abgeordneten Drewitz, wird dem Nachrichtenbüro der VdZ erklärt, er habe bereits Strafantrag gegen Collosser den Sohn des bisherigen Parteigeschäftsführs^ De^bnoeieiotgenbenöebaupturtgm

Partei vorstand habe ihn zunächst an eines gericht­lichen Austrgung des Konfliktes gehinderr; erst bet Reichsausschüß habe ihm auf sein Verlangen freie Hand gelassen, seine Beleidiger vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen. Das werde jetzt geschehen.

Moskau, 14. Ian. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion veröffentlicht folgende Meldung: An-> gesichts der zurzeit stattfindenden Erörterung der Frage des Vorsitzes, des Zeitpunktes und Ortes der Abrüstungskonferenz haben die Sowjetbot- fchaften bzw. Sowjetgefandtfchaften in Großbritannien, Deutschland, Italien, Norwegen« Persien, Polen, Frankreich und Japan den Außen­ministern dieser Länder folgende gleich­lautende mündliche Erklärung abge- geben:

Gemäß den Beschlüssen der Mehrheit der Vor­bereitenden Abrüstungskommission wird sich der Völkerbundsrat in der nächsten Session wahrschein­lich mit der Festsetzung des Ortes und des Zeit­punktes der Einberufung der Abrüstungskonferenz unb der Ernennung des Konferenzvorsitzenden be­fassen. Nach Ansicht der Sowjetregierung kann diese Konferenz eventuell von internationaler Be­deutung sein, denn von den Ergebnissen der Konfe­renz kann in erheblichem Maße die Frage der Ver­längerung und . Festigung des Friedens und die °Fr^e "eines neuen "Zsrstorüngskrieges äbyangen. Die Sowjetregierung hat sich wiederholt in dem Sinne geäußerst, daß unter den gegebenen Verhütt- Nissen die einzige Grantie eines wahren Friedens die Abrüstung oder zu mindest größmögliche Her­absetzung der Rüstungen sein würde. Sie hat bei der Vorbereitenden Abrüstungskommission dahin­gehende Konventionsgesetze eingebracht und wird sie auch wieder zur Prüfung der Konferenz vor­legen. Das zeugt von dem

besonderem Interesse der Sowjetunion an einem Erfolge der Konferenz und vo« ihrer Bereit­schaft, an den Arbeiten der Konferenz aufs aktivste Anteil zu nehmen.

Nach Ansicht der Sowjetregierung ist es für einen Erfolg der Arbeiten der Konferenz erforder­lich, daß allen Konferenzteilnehmern, sowohl den großen als den kleinen Mächten volle Gleichberechtigung gesichert ist. Sie sieht sich aber gezwungen, festzustellen, daß diese Gleich­berechtigung in der Abrüstungskommission gegen­über der SowjetdelMtion nicht nur durch die Be­schlüsse der Kommission, sondern namentlich durch die offen parteiische Haltung des Kommissionsvor­sitzenden verletzt wurde. In den Protokollen der Kommiion sind nicht wenig Belege für diese Be­hauptung zu finden. Es bedurfte besonderer Selbst­beherrschung und Geduld der Sowjetdelegation wie auch der Erkenntnis der enormen Bedeutung, die ihre Regierung der Sache der Abrüstung beimißt, um unter dem Eindruck der Taktlosigkeit und Grob­heiten des Kommissionsvorsitzenden ihre Teilnahme an der Kommission nicht abzubrechen.

In der von den russischen diplomatischen Aus­landsvertretern abgegebenen Erklärung heißt es weiter: Unzweifelhaft wurde die Haltung des Vor­sitzenden unter anderem auch durch seine Zugehörig-

sei katastrophal. Der Verschlechterung des Der- mögensstandes des Reiches sei ungeheuerlich. Der Regierung fei der Vorwurf zu machen, daß sie dem Auslande gegenüber diese katastrophale Entwicklung der deutschen Finanzen nicht deutlicher und ein­dringlicher betone.

Abg Dr. Neubauer (Komm.) war gleichfalls der Ansicht, daß der Niedergang der Finanzen und der Wirtschaftslage Deutschlands zur Katastrophe geworden sei. Die Mittelchen, die zur Linderung der Krise angewandt worden seien, seien verpufft und hätten sich als völlig unzureichend erwiesen. Die Preisabbauaktion sei gescheitert.

Hierauf wurde die allgemeine finanzpolitische Aussprache auf Donnerstag vertagt.

Die Rede des Finanzministers hat keine Ueber- raschungen gebracht. Sie wird insoweit erheblich beruhigend wirken, als Dr. Dietrich jede neue Steuer und jeden weiteren Eingriff in die Beamten­besoldung abgelehnt hat und darüber hinaus fest­stellen konnte, daß die Kassenlage keinerlei Schwierigkeiten für den Ablauf des Finanzjahres mehr erwarten läßt. Allerdings hat der Minister zugeben müssen, daß der Einnahmeausfall für das kommende Haushaltsjahr, den er auf 900 Millionen geschätzt, vielleicht zu niedrig gegriffen ist und noch um 100200 Millionen höher werden kann. Aber er hat Optimismus genug, um dieses Risiko auf sich

keit zu einem Staate bedingt, der im Laufe von 14 Jahren normalen Beziehungen mit der Sowjet­union ausweicht, dem es an wirklichen Quellen zur Information über die Sowjetunion gebricht, und der deshalb mehr als andere kapitalistische Staaten Vorurteilen gegenüber der Sowjetunion unter­worfen ist.

In Anbetracht dessen glaubt die Sowjetregie- runa, daß die Beteiligung a« der Wahl des Sonferenzvorsitzonden allen Konferenzmilglie- der« ohne Ausnahme gewährt werden müsse, und daß der Vorsitzende daher nicht von einer Staatengruppe und auch nicht einer Organi­sation. der nicht alle Konferenzteilnehmer ange­hören, sondern vom Plenum der Konferenz er­nannt werben müsse.

Die Sowjotrogierung glaubt, zum Vorsitzenden und somit auch zum Leiter einer so wichtigen Wett­konferenz könne nicht gewählt werden ein Ver­treter eines solchen Staates, der bereits in der Vorbereitenden Abrüstungskommisjion eine be= stimmte ablehnende Haltung ' ^WWktiber der Ab­rüstung gezeigt hat, noch eines Staates, der eine entwickelte Kriegsindustrie von internationaler Be­deutung besitzt und sonach an der Aufrechterhaltung und Steigerung der Rüstungen wirtschaftlich inter­essiert ist, noch eines Staates, der nicht mit allen Staaten, die an der Konferenz teilnehmen, nor­male Beziehungen aufrechterhätt.

Selbstverständlich kann zum Vorsitzenden der Konferenz auch nicht eine Persönlichkeit gewählt werden, die durch ihre Vorurteile gegen diesen ober jenen Staat bekannt ist.

Ferner ist für eine erfolgreiche Arbeit der Kon­ferenz notwendig, daß allen ihren Teilnehmern die nötige Ruhe und Möglichkeit, sich auf den Gegen­stand der Arbeiten der Konferenz zu konzentrieren, gesichert ist. An dieser Ruhe fehlte es der Sowjet­delegation bei der Vorbereitenden Abrüstungsk.m- mission in erheblichem Maße angesichts der feind­lichen Atmospähre, die ihr gegenüber durch die Genfer Presse und durch örtliche Antisorvietorgam- sationen geschaffen war, zu denen auch die inter­nationale Organisation zur Vorbereitung einer Intervention in der Sowjetunion mit dem Be­schützer des Körpers des Sowjetbotschafters Wo» rowski an der Spitze gehört. Vorurteile und Dor- eingenommenheit gegen die 'Sowjetunion sind naturgemäß stärker in jenen Ländern, die in der Sowjetunion keine Vertreter haben, denen es an authentischer Information über die Sowjetunion fehlt, und die ihre Information ausschließlich aus Berichten verantwortungsloser Journalisten be­ziehen.

Die Sowjetregierung glaubt daher, daß als Ort bet Abrüstungskonferenz ein Land gewählt werden müsse, das mit allen Staaten die an der Konferenz teilnehmen, normale Beziehungen aufrechterhätt.

zu nehmen, weil er von der bevorstehenden Besse­rung der Konjunktur eine Belebung der Einnahmen erwartet. Hier hat denn auch die Kritik der Par­teien bereits eingesetzt, da der Minister gleichzeitig bezweifelt, daß, wie die Deutsche Volkspartei das beantragt hat. noch 300 Millionen an dem Etat für 1931 gekürzt werden könnten. Um die Forderung der deutschen Volkspartei wird sich wohl ein Teil des Kampfes in der nächsten Zeit abspielen. Wie bekannt, sieht die V o l k s p a r t e i in der Erfüllung ihrer Forderung weitere Abstriche von 300 Mil­lionen die entscheidende Voraussetzung für die Fortsetzung ihres bisherigen Verhältnisses zur Reichsregierung. Wir glauben zu wissen, daß der Vertreter der Deutschen Volks- partei, Abg. Dr. Cremer, der für heute im Haupt­ausschuß als erster Redner angesetzt ist, an diese Forderung erinnern und erklären wird, daß feine Fraktion, wenn ihrem Verlangen nicht Rechnung getragen wird, keine Möglichkeit sieht, die parla­mentarische Verabschiedung des Etats positiv zu unterstützen. Damit würde die Wahrscheinlichkeit zunehmen, daß der Reichsetat schließlich doch durch Notverordnung in Kraft gesetzt werden muß. Wie die Deutsche Volkspartei sich dann zu einem An­trag auf Auslösung der Notverordnung stellen würde, läßt sich heute natürlich noch nicht sagen.

Dresden. 14. Jan. Die drei sâchischen Wahl­kreise der Wirischaflsparlei haben auf einer Tagung am 11. Januar in Dresden unter Hinweis darauf, daß die öffenttiche Erörterung des bedauer­lichen Führerstretts für die Partei untragbare Formen angenommen habe, vom Parkeivorsihènden Drewitz den freiwilligen Rücktritt verlangt. Dre- witz hat dies abgelehnt.

Die drei sächsischen Wahlkreise brechen nunmehr, wie von der Geschäftsstelle des Wahlkreises Osk- sachsen der Partei mitgeteilt wird, in vollkommener Einmütigkeit die Beziehungen zur Reichsparteilei« tung ab.

Bktttai auf dem Dammer Eristtbahnbattamt

Danzig, 15. Jan. Am Dienstag vormittag erschien der Arbeiter Walter Gengerski aus Danzig- Stadtgebiet auf dem Eisenbahnbauamk, um eine von ihm cusgeftagte Zahlung zu erheben. Dabei geriet er mit dem Angestellten Slyrbicki in Streit, in dessen Verlauf Gengerski dem Slyrbicki einen Messerstich in die Magengegend versetzte. Geugerski flüchtete; er konnte jedoch bereits mittags gefaßt und in das Voltzeigefängnis eingeliefert werden. Der schwerverletzte Slyrbicki wurde nach Anlegung eines Rotverbandes in das Städtische Krankenhaus übergeführt. An seinem Aufkommen wird gezwei­felt.

Geugerski gab bei seiner Vernehmung an, ar­beitslos und in Rot zu sein, weswegen er die Zahlung dringend brauchte. Gengerski ist bisher unbestraft und gilt als allgemein verträglich. Er wurde in Haft behalten und dem Gerichlsaefängms zugeführk. DieDanziger Volksstimme schreibt zu dem Vorfall: Dieser Vorfall hat in Eisenbahner- kreisen großes Aufsehen erregt. Allgemin bedauert man den Täler Gengerski und gibt dem Gestochene« die Hauptschuld an dem bedauerlichen Vor­fall. Gengerski gehörte zu den Arbeitern, die von der polnischen Slaatsbahn- direktion nicht den ihnen zustehenden tariflichc« Lohn erhielten. Die Staatsbahudirektion wurde verurteilt, die Differenz zwischen dem Tariflohn und dem tatsächlich gezahllen Lohn nachzuzahlen- Die Arbeiter müssen jedoch täglich erleben, daß da Slaatsbahndirektion unter allerlei Ausflüchten die Zahlung des Restlohnes hinausschiebt. Die Arbeiter die vielfach schon längere Zeit arbeitslos sind uno die ihnen zustehenden Gelder dringend benötigen, werden immer wieder abgewiesen und auf spätere Zeit vertröstet. Sie werden schleckt behandelt u«o obendrein noch verhöhnt. Der gestochene Stnrhio* war dieserhalb bei den Danziger Eisenbahnern "e- konnt und gehaßt. Gengerski gab bei feiner Ver­nehmung «och an, daß Slyrbicki die Worte brauchte:Luch deutschen Hunden werden wir das schon auskreichen!"

Die polnische presse versucht, diesen bedauer­lichen Vorfall in unerhörter Weise politisch auszv- werlen.