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Menslag den 13. Januar 1931
Nr. 10
Stadt Sana»
Ne Vetvase«Sre«sttv soll falle«
Maa schreibt uns: Bekanntlich hat der preußi- 1- Unterrichtsminister die Provinzialschulkollegien Ewiesea, künftig die Prädikate über Betragen tiö Aufmerksamkeit in den Schulzeugnissen fort« gen zu lassen. Das hat einige Bedenken erregt, obei, sehr mit Recht, betont wurde, daß für die eurtellung des Reifens und der Reife eines jungen Menschen ganz selbstverständlich sein „Betragen" it maßgeblich sei, und zwar durchaus nicht an letzter
In den Erläuterungen zu diesem Erlasse ist dann letont worden, er wolle nicht etwa das allgemeine. Wiche Verhalten des Schülers innerhalb und auher- >alb der Schule als unwichtig hinstellen, sondern er volle vielmehr erzielen, daß im Falle von Entglei- ungen der Lehrer unmittelbar auf den Schüler ein« virte und auch eine engere Fühlungnahme mit dem ilternhauje anstrebe.
Soweit der Erlaß gewisse Unbilligkeiten besei- igen will, die sich aus der Art der sich immer aus »inen längeren Zeitraum erstreckenden Schulzeugnisse ergaben, kann man ihm gewiß zustimmen. Wer gibst einmal Schüler oder Schülerin gewesen ist „ und wer wäre es nicht? — erinnert sich mit Schrecken des „Klassenbuches", in das alle kleinen mb großen Unbotmäßigkeiten des Schülers, einge- chlossen das „ungefragte Sprechen im Unterricht" mb das „Papierwegwerfen auf dem Schulhofe" ein- letragen wurden. Wenn nun am Anfang des Ter» lato eine Eintragung ins Klassenbuch erfolgte, so )erbarb sie unweigerlich noch das am Schlüsse aus- lestellte Zeugnis in der Betragnote. Derartige Grau- amteiten sollten in der Tat aus den Schulzeugnissen ernbleiben in einer Zeit, die sogar gegenüber wirk- ichen Verbrechern „menschlich" zu sein bemüht ist. Andererseits haben die Eltern ein begründetes Recht m wissen, wie bte Lehrer ihres Kindes es nicht nur lach seinem Wissen und seinen Leistungen, sondern ,uch nach seinem „Betragen", seinem sittlichen Er- iarken, dem Grade seines Reifwerdens einschätzen, das läßt sich freilich mit einer einfachen „Numme- sierung" von 1 bis 5 schlecht ausdrücken und man hüte erwägen, ob es nicht recht hübsch und zweck- aäßig wäre, wenn der Lehrer seinem Schüler ins falbfahreszeugnis eine Anmerkung positiven 3n» Ms schriebe, wie er sich als „Mensch" „gemacht" lat. Die Schule, so sagt der Nachrichten-Dienst der Bela (Vereinigung der leitenden Angestellten E. V.) oll natürlich Kenntnisse vermitteln; aber sie soll doch uch, je nach ihrer besonderen Aufgabe, auch Charak- >re erziehen helfen. Und im Kampfe ums Dasein, lie er sich schärfer und schärfer gestaltet, wäre es sanz gut verwendbar, wenn einer in seinen Zeugnissen neben allerlei Rühmendem, was ihm „Berech- igungen" usw verschafft, auch vielleicht eine An- lerkung stehen hätte wie: „Ein Mensch, auf den un sich verlassen kann."
Dev Avrt W vevaniwovtKch
[ Nicht selten entstehen Streitigkeiten zwischen lerzten und chren Patienten wegen vermeintlicher Mr wirklicher Kunstfehler des Arztes in der Be- fcbluua-ber Kranken.. Die zivil-, oder strafrechtliche Msiung der Wirkungen solcher Kunstfehler ist M rechtlich außerordentlich schwierige Frage. Jetzt Md ein Urteil des Reichsgerichts 111/328/29 bekni, das über die Sorgfaltspflicht des Arztes Fest- kllungen trifft. Der Beklagte, ein Facharzt der Kirurgie, hatte den Kläger am Schultergelenk ope» lert. Er legte m die Wunde, um den Eiter abfließen i lassen, zwei Gummiröhrchen und wechselte regel« âßig den Verband. Bei einem Vrbandswechsel fand ir Arzt in der Wunde nur ein Röhrchen. Er suchte itt Instrumenten nach dem zweiten, das er ein» liegt hatte, und drückte die Wunde auch aus. Als is Röhrchen nicht zum Vorschein kam, äußerte er iem Kläger seine Ueberzeugung, daß sich nichts mehr i der Wunde bfände und das Röhrchen aus dem erband herausgerutscht sein müsse. Der Kläger urdè mit seiner Einwilligung von einem Assistenz- # weiter behandelt, dem der Beklagte von dem
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Don Belloc Lowndes
Copyright by Ernst Oldenburg, Verlag, Leipzig O 1.
Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
»Ich dränge Ihnen meine Gesellschaft förmlich “b Mrs. Graham," sagte er plötzlich. „Aber viel- M werden wir uns längere Zeit nicht sehen, und 9 möchte Sie noch auf ein paar Dinge aufmerk- >m machen."
»Dielen Dank," sagte sie beunruhigt.
, Sie war sicher, daß ihr Begleiter sie für viel Mcher einschätzte, als sie wirklich war und daß er den Wunsch hatte, sie noch mehr in die Schwie- Miten ihres jetzigen Lebens bei diesen sonder- eren Ausländern einzuführen. Sie wußte, daß S der Prinz und seine Kusine liebten. Das hatte Katty Raevski sehr bald zu Beginn ihrer Be- ?"ntschaft mit brutaler Offenheit erzählt. Und Katty selbst hatte Angela durchaus keine »It. mit Luke Sussex zu sprechen! Er schien, die W und anziehende, kleine Russin nicht leiden f können, obgleich er von ihrem heimlichen Bund- '? mit dem Prinzen wohl nicht einmal etwas »Kennen Sie die Draganovs schon lange?" * Angela.
,.âas verstehen Sie unter lange", meinte er Ä lächelnd. „Im Gefängnis sind wir nich BMMèn gewesen, — wenn Sie das meinen! P« hören Sie, Mrs. Graham, warum wollen / uns gegenseitig Rätsel aufgeben? Was hat 3 für einen Zweck? Ich habe Sie schon immer ? allein sprechen wollen. Dies ist für uns beide $ günstige Gelegenheit dazu, die wir nicht ver- Q™ dürfen."
â sah ihn mißttauisch an. Was meinte er ^ Ihrer Meinung nach hatten sie sich nichts zu Jie steil ansteigende Straße war im Augen- 5 '-er Luke Sussex ging rasch ein paar Schritte und versperrte ihr den Weg. „Sie wissen aller- ^'uber mich, aber ich weiß nichts über Sie, rief
-UmtvArendev Vorschlag zur âlen-erresorm
BevLÄKchttsuns des Sommeviahves - GechstSgrse Woche
schicht die Luft erwärmt. Vergleichende Messungen zwischen der Temperatur einer Stadt und der einer lenachbarten Landgegend haben ergeben, daß es elbst dann, wenn auf dem Lande die Bedingungen zur Wärmerückstrahlung vom Boden aus günstig .........Grad C wär-
waren, in der Stadt fast um
war
Zu den Vorschlägen für die bevorstehende Kalenderreform, mit der sich allmählich alle Kreise der Bevölkerung in aller Welt beschäftigen, ist aus Kreisen, die der deutschen Lehrerschaft nahestehen, ein neuer hinzugekommen, der im ersten Augenblick recht phantastisch anmutet. Der Vorschlag geht von der Voraussetzung aus, daß eine Aenderung des Kalenders nicht alle paar Jahre möglich sei, so daß, wenn schon der seit 1582 geltende heutige Kalender geändert würde, ganze Arbeit gemacht werden müßte. Es muß also ein Kalender geschaffen werden, der in praktischer wie in wissenschaftlicher Hinsicht, dem Ideal der Vollkommenheit am nächsten kommt. Dazu hält der Vorschlag am geeignetsten eine Beziehung auf das Sonnenjahr, da unserem gesamten Leben der ewige Wechsel von Hell und dunkel, von Erwachen und Sterben zugrundeliegt.
Da das Sonnenjahr mit der Wintersonnenwende beginnt, müßte nach diesem Vorschlag dieser Tag mit Neujahr zusammenfallen. Da zugleich Weihnachten gefeiert wird — wir zählen die Jahre doch von Christi Geburt ab — so wäre also Wintersonnenwende, Weihnachten und Neujahr zu einem großen dreitägigen Fest zusammenzufassen. Mit dem Tage nach Neujahr beginnt die Zählung: Sonntag, 1. Januar. In jedem Vierteljahr haben die beiden ersten Monate je 30 Tage, der dritte
Vorfall keine Mitteilung machte. Später wurde das fehlende Gummiröhrchen in der Wunde noch vorgefunden. Der Kläger erhob deshalb Schadenersatzanspruch. Das Landgericht bejahte den Anspruch dem Grunde nach. Berufung und Revision des Chirurgen blieben erfolglos. Das Berufungsgericht erklärte, dem Arzt feien zwei Irrtümer unterlaufen. Es habe sich erwiesen, daß das Röhrchen nicht aus dem Verbände herausgerutscht sei, wie er vermutete, und er habe das Röhrchen in der Wunde nicht festgestellt, weil es hinter einer Biegung des Wundkanals gesessen hätte. Daß der Arzt in beiden Richtungen nicht die Möglichkeit eines Irrtums in Betracht gezogen habe, werde ihm ohne Ueberspannung der Sorgfaltspflicht des Arztes als Verschulden beigemessen. Ein gewissenhafter Arzt, so sagt das Gericht weiter, der im Laufe seiner Praxis wiederholt Gelegenheit habe, Fehlerquellen bei menschlichen Feststellungen rückwirkend zu erkennen, mußte sich sagen, daß das Herausrutschen des Röhrchens aus dem Verbände und sein unbemerktes Verschwinden eine Kette von Zufälligkeiten erforderte, die im allgemeinen nicht wahrscheinlich sei. War das Röhrchen bei der Untersuchung mit Instrumenten nicht zu finden, so hätte der Arzt das für solche Fälle gegebene Untersuchungsmittel brauchen und die Wunde durchleuchten müssen.
E. Halley in Greenwich gest. 1767; Der Schauspieler aus der Schröder-Jfflandchen Schule Friedrich Jonas Beschort in Hanau geb. und am 5. Januar 1846 in Berlin gest. 1874: Der Erfinder des Telefons Ph. Reis gest. 1905: Der Physiker Ernst Abbe in Jena gest.
* Reichsgründungsfeiern sind keine Lustbarkeit. Das Reichsfinanzministerium hat, wie das Nachrichtenbüro des VdZ. hört, dem Reichsrat den Entwurf einer Verordnung zugeleitet, wonach Veranstaltungen, die aus Anlaß und zu Ehren der 60. Wiederkehr der Reichsgründung stattfinden, der Vergnügungssteuer nicht unterliegen. Mit dieser Verordnung soll für die Reichsgründungsfeier am 18. Januar dieselbe Steuererleichterung herbeige- führt werden, die schon die Veranstaltungen anläßlich der Verfassungsfeier am 11. August genießen.
„Ueber mich gibt es weiter nichts zu erzählen, sagte sie abweisend. „Ich habe kürzlich mein kleines Vermögen verloren und mußte mich deshalb nach einem Verdienst umsehen. Zufällig wurde mir die die Stellung einer Gesellschafterin bei der Prinzessin Lola Draganov angeboten, und da habe ich zugegriffen."
„Ich vermute, daß Sie doch irgend eine Ahnung davon hatten, welcher Art Ihre Stellung, wie Sie sich ausdrücken, sein würde?"
Wieder schaute er sie von der Seite mit diesem sonderbaren spöttischen Blick an, den sie weder verstand, noch vertragen konnte.
Ohne Zögern antwortete sie: „Ja und nein! Vis zu einem gewissen Grade war der Prinz ganz offen gegen mich. Aber über den Charakter seiner Kusine hat er mich im dunkeln gelassen. Aber selbst, wenn er mir etwas über ihr seltsames Wesen gesagt hätte, wäre ich wohl doch hierher ge« kommen. Es ging mir so schlecht damals, daß ich keine Wahl hatte. Um des lieben Geldes willen hätte ich sonst etwas unternommen."
Er betrachtete sie jetzt mit einem anderen, viel weicheren Gesichtsausdruck. „Das erklärt mir allerdings vieles, was mir an Ihnen unfaßlich erschien. Unsere Schicksale ähneln sich in manchem," sagte er nachdenklich.
Sollte das etwa bedeuten, daß Luke Susiex die Stelld eines Sekretärs bei dem Prinzen versah? Das würde ihr allerdings auch manches Unbegreifliche erklärt haben.
Sie gingen ein paar Schritte weiter. Wieder sah Angela auf seinem Gesicht den ihr so unange- nehmen Gesichtsausdruck.
„Sie sind trotz allem erstaunlick gut ange- zogen, Mrs. Graham —" Sie sah, wie seine Augen mit einem ziemlich dreisten Beifall über ihren vorzüglich sitzenden weißen Flanellmantel und das schicke dunkelblaue Hütchen glitten. So wie sie nun einmal geartet war, fühlte sie sich dadurch nicht geschmeichelt, sondern empfand sein Gefallen an 'ihr als etwas so Aufdringliches, daß sie die Blumen, die er ihr geschenkt hatte, am liebsten in den Rinnstein geworfen hätte.
Sie machte kehrt und ging raschen Schrittes die Straße wieder herunter. Eine Weile sagte er gar nichts. Als sie jedoch in der Nähe des Blumenmarktes angelangt waren, auf dem sich inzwischen auch die Engländer eingefunden hatten,
Da
Monat 31 Tage. Der durch das ungewöhnliche tum 31 ausgezeichnete letzte Tag eines jeden Vierteljahres wird zum Feiertag erhoben, so daß an jedem Vierteljahr ein zweitägiges Fest stattfindet. Der Mittjahrstag, wird an die Spitze des zweiten Halbjahrs gestellt, so daß sowohl die erste Hälfte des Jahres als auch die zweite Hälfte mit einem dreitägigen Fest eingeleitet wird.
So ergeben sich vier über das Jahr gleichmäßig verteilte Feste, die mit der Sonnenbahn überein« stimmen. Die Vermehrung der Feiertage, von denen heute etwa 61 bestehen, wäre gar nicht beträchtlich, könnte sogar eher reduziert werden, wenn
man sich entschließen würde, alle religiösen, natio« nalen und sozialen Feiertage auf die öffentlichen Feiertage zu verlegen. Will man unter diesen Um» ständen an 12 Monaten im Jahr festhalten, müßte man sich zu einer Verkürzung der Woche auf 6 Tage entschließen. Es fiele der Samstag fort und tauchte nur am Ende des Vierteljahres als 31. auf. Die Wirtschaft könnte mit 25 Werktagen im Monat das ganze Jahr hindurch rechnen, während alle Feiertage außerhalb der Arbeitswoche liegen. Außerdem haben alle Monate die gleiche Datierung und alle Monate fünf glatte Wochen. Die Verteilung der Feste kommt nach der Meinung des Vorschlagenden auch dem Erholungsbedürfnis des Menschen besser entgegen.
Der Reichsrat wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag dieser- Woche mit der Verordnung beschäftigen.
* Roch keine Sperrung der Mainschiffahrt. Wegen vorübergehender Erwärmung wird die Sperrung der Bergschiffahrt Frankfurt—Aschaffenburg und der Talschiffahrt für heute aufgehoben. Die Bergschiffahrt durch Kostheim bleibt wegen Ankündigung baldiger Wiederkehr des Frostes weiter gesperrt. Keine kostenfreien Nacht- schleusungen.
* Ein Aulozusammenstoh ereignete sich gestern nachmittag gegen 1.30 Uhr an der Ecke Römer- und Steinheimer Straße. Bei dem heftigen Zusammenfahren wurde der Personenkraftwagen eines auswärtigen Autobesitzers derart stark beschädigt, daß er abgeschleppt werden mußte. Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.
* von der Ortskrankenkasse. Für die freiwilligen Mitglieder der Allgemeinen Ortskrankenkasse Hanau- Stadtkreis ist im heutigen Inseratenteil eine wichtige Bekanntmachung betr. Einzahlungen, auf die wir unsere Leser besonders aufmerksam machen.
* Schlichkungsverhandlungen für Behörden-An- gestellke! In dem Tarifstreit um die sechsprozentige Gehaltskürzung bei den Reichs- und den preußischen Staatsangestellten hat, wie der GDA.-Pressedienst mitteilt, der Reichsarbeitsminister Schlichtungsverhandlungen auf den 15. Januar anberaumt.
unzulässig! Es dürfte noch nicht allgemein bekannt sein, daß von der Postbeförderung alle Gegenstände ausgeschlossen sind, deren Beförderung eine Gefahr für die Postsendungen oder für die Postbediensteten bildet. Darunter fallen in der Hauptsache alle leicht entzündlichen Sachen und ätzende Flüssigkeiten wie Schießpulver, Feuerwerkskörper, Zündhölzer, Benzin usw. Wer derartige Gegenstände durch die Post verschickt, haftet für allen entstehenden Schaden. Er setzt sich außerdem der Bestrafung nach dem Strafgesetzbuchs aus.
* Rauch als Kätteschuh. In großen Städten ist es immer wärmer als auf dem wenig besiedelten Land; im Innern der Stadt wärmer als in den Außenbezirken. Das hängt, nach den Untersuchungen des Forschers Disterdick, damit zusammen, daß die fast ständig über der Stadt liegende Rauch
meinte er plötzlich: „Ehe wir uns trennen, möchte ich Ihnen noch ein letztes Wort sagen, kleine Frau."
Und als sie schwieg, fuhr er fort: „Mir scheint, Sie halten sich für sehr klug, und bis zu einem gewissen Grade sind Sie es auch, denn Sie haben mich vollkommen für sich eingenommen."
«Wieso, Mr. Sussex? Bis heute habe ich ja kaum mit Ihnen gesprochen!"
„Das ist vielleicht der Grund, weshalb ich Sie bis heute morgen für ein ganz alltägliches Geschöpf gehalten habe. Ich hatte schon einen ganzen Roman um Sie gesponnen!"
Es lag etwas so Verletzendes in feinem Ton, daß heiße Tränen in Angelas Augen aufstiegen.
„Ich verstehe kein Wort von alledem," rief sie aus. „Es liegt auch nicht das geringste Geheimnis über meiner Person. Mein Mann, Angus Graham, gehörte dem 60. Regiment an und war schwer leidend seit dem Kriege. Wenn ich nur einigermaßen Vernunft gehabt hätte, würde ich sofort nach seinem Tode einen Beruf ergriffen haben."
Sie wandte sich ab, um ihre Tränen zu llocknen.
„Verzeihen Sie mir, Mrs. Graham." Luke Sussex sagte das in aufrichtiger Reue. „Wie kann ich es überhaupt wagen, die Beweggründe und die Handlungsweise anderer Menschen zu beurteilen?" _
Sie fuhr hastig fort, so, als ob sie seine Zwischenrede gar nicht gehört hätte. „Es ist schon wahr, daß mir meine jetzige Tätigkeit nicht sehr zusagt. Aber ich habe nichts gelernt und bin beruflich ganz unerfahren. Folglich mußte ich annehmen, was sich mir gerade bot."
„Ich habe mich eben wie ein ungebildeter Mensch benommen," sagte er beschämt und fuhr in ernstem Tone fort: „Wir haben wirklich ein ähnliches Geschick. Beide müssen wir um des Geldes willen Dinge tun, die —"
Angela war viel zu gutherzig, um nicht schon wieder'Mitleid für Luke Sussex zu empfinden.
„Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte Ihnen wirklich Helsen," flüsterte er ihr zu. „Ich glaube, Sie kennen die Gefahr gar nicht, in die sie hineinrennen. Ich weiß, wie überzeugend Nicholas sein kann. Mich hat er doch zum Schluß auch immer da, wo er mich haben will, selbst wenn meine bessere Einsicht sich dagegen sträubt.
mer war als auf dem Land.
der Temperaturunterschied an den Sonntagen und Montagmorgen, und zwar deshalb, weil die meisten Industrieanlagen, von denen der die Stadt bedeckende Rauch ausgeht, den Sonntag über ruhen, so daß die Luft während dieser Zeit weniger Rauch enthält. Den wärmenden Einfluß des Rauches machen sich auch die Gärtner nutzbar, in« dem sie bei Frostgefahr im ersten Frühling in der Gewächsen große
Nähe von frostempfindlichen Rauchfeuer anzünden.
* Die Lohnverhandlungen Metallindustrie. Gestern fand
in der Hanauer vor dem Schlich-
tungsausschuß eine Güte-Verhandlung statt. Vom Vorsitzenden des Ausschusses, Herrn Langerichts- direktor Grau, wurde ein Einigungsversuch unternommen, der jedoch zu seinem Ergebnis führte, so daß nunmehr eine Verhandlung vor der Sammer des Schlichtungsausschusses stattfindet. Von Arbsitgeberseite wurde wie bisher ein 15prozen- tiger Lohnabbau verlangt, während die Arbeitnehmer für Beibehaltung der jetzigen Sätze eintraten. Von einer Lohnerhöhung, die man bisher gefordert hatte, war nicht mehr die Rede.
* „Am Rande des ewigen Lises". Die zweite Kulturfilm-Vorführung in der Stadthalle hatte erfreulicherweise einen etwas besseren Besuch als die vorhergegangene zu verzeichnen. Bot bereits der erste Film von den Waldmenschen Sibiriens einen reinen Genuß, so war dies erst recht bei dem gestrigen der Fall, der den dankbaren Zuschauern ca. lü Stunden lang die großen Wunder der nordischen Natur in glänzend gelungenen und stellenweise unendlich fein beobachteten Aufnahmen vor Augen zauberte. Der in fünf Abteilun- gen zerfallende Film wußte von Anfang bis Ende ungemein zu fesseln. Ganz hervorragend war be
sonders der zweite Teil, der der nordischen Bogelwelt gewidmet war. Auch die Bilder aus dem Leben der Lappen, jene Nomaden des Nordens mit ihren riesigen Renntierherden, boten interessante Einblicke und standen nicht hinter den Aufnahmen von den Robbenjagden, der Hochseefischerei und dem Dorschfang an den Lofoten zurück. Der letzte Teil zeigte in anschaulicher Weise die Bemühungen der schwedischen Regierung um eine planmäßige Einschulung der Lappenkinder. Für den verhinderten Herrn Dr. Leser vom Völkermuseum Frankfurt gab Herr Kaiser-Frankfurt eine kurze Einführung. Der Film fand allgemein stärksten Beifall und bleibt zu hoffen, daß die kommenden Vorführungen noch weit größeres
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Interesse in allen Schichten der Bevölkerung erfahren, wie es in anderen Städten längst der Fall ist
* Der Begriff der gewerblichen Schlachtungen ist einer Kammergerichtsentscheidung vom Februar 1930 grundsätzlich auch auf das Auspfunden von Fleisch durch Landwirte ausgedehnt worden. Das Schlachten selbstgezogenen Viehes durch den Landwirt zum Zwecke der gewerblichen Verwertung H,LS LLMLnaenep LeM.es sichnur, M^ aus nahmsweife als landwirtschaftliches Nebengewerbe dar, wenn besondere Umstände des betreffenden landwirtschaftlichen Betriebes dieser Art der Verwertung anstelle des üblichen Verkaufes des lebenden Viehes notwendig machen, etwa das Schlachten eines kranken Rindes. — Die Ortspolizeibehörden und Landjägereibeamten sind ersucht worden, eine Ueberwachung der landwirtschaftlichen Setriebe in Bezug auf genaueste Einhüllung der Vorschriften der Regierungspolizeiverordnung vom Oktober 1926 über den gewerbsmäßigen Verkehr mit Fleisch, Fleischwaren usw. vorzunehmen. Sämtliche Fälle des Verpfundens von selbstgezüchtetem Vieh sind den zuständigen Gerichten anzuzeigen, die zur Beurteilung der Frage, ob gewerblicher Betrieb oder landwirtschaftlicher Nebenbettieb vorliegt, und zur Bestrafung zuständig sind.
Sie waren jetzt an einem Tor mit einem Rundbogen angelangt, das zu einem Besitztum ge- hörte, an dem auf einer grauen Tafel „Zu ver» mieten" stand.
„Kommen Sie mit in diesen Garten," drang er in die. „Ich werde Sie keine fünf Minuten auf« halten. Ich habe Ihnen wirklich etwas Wichtiges zu sagen."
Sie folgte ihm. Der starke Duft der Syringen erinnerte sie später noch oft an den eigenartigen Menschen Luke Sussex.
In einem ganz anderen Ton sagte er jetzt: „Wenn Sie auch sehr klug sind, Mrs. Graham, so wird es Ihnen doch nicht gelingen, eine Frau wie die alte Lola und einen Menschen, von dem Sie annehmen, daß er ihr Vetter fei, zu durchschauen."
„Ist er denn nicht verwandt mit ihr?" unter- brach sie.
„Ich weiß nicht viel über beide. Ich weiß nicht einmal, ob sie Russen sind. Katty sagt nein — und die müßte es ja wissen." Das sagte er zu ihrer Verwunderung in einem ungeduldigen Ton.
„Ich glaube sicher, daß der Prinz aus Rußland stammt," meinte Angela zögernd.
„Wo sie alle beide geboren sind, spielt gar keine Rolle," sagte er gereizt. „Ich habe nur den einen Wunsch, Ihnen zu helfen, Mrs. Graham, und zwar nur deshalb, weil Sie meine Landsmännin sind. Ich gebe Ihnen den guten Rat, jeden kleinsten Geldbettag, den man Ihnen gibt, beiseite zu legen und möglichst viel aus den beiden herauszuschlagen. Lassen Sie sich nicht hinreihen, Ihr Geld für Kleinigkeiten auszugeben. Wechseln Sie alles in gute englische Währung um und heben Sie die Summen an einem sicheren Ort auf. Es könnte eine Zeit kommen, wo Sie Ihr Geld brauchen, um von hier fortzugehen und zwar —
plötzlich."
• Es leuchtete ihr ohne weiteres ein, daß Luke Sussex es tatsächlich gut mir ihr meinte. Aber sie schüttelte den Kopf. „Ich habe mein Wort gegeben, drei Monate bei der Prinzessin zu bleiben."
„Und doch würden Sie Ihr Versprechen nicht gehalten haben, wenn Lola Ihnen den Haus» schlüssel entzogen hätte."
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