KanaueMzeiger
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12. Lannae
1931
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Reichskanzler Dr. Brünin
irn abend
gegen 11 Uhr von seiner Ostreise nach Berlin zurück- gekehrt.
Auf einer gestern in Duisburg stattgefundenen Tagung der kommunistischen revolutionären Gc- Verkschaftsopposition wurde ein neuer Streikbeschluß für den Ruhrbergbau gefaßt. Soweit heute morgen festgestellt werden konnte, hat sich dieser Streibeschluß nicht auswirken können, da die Bergärbeiterschaft des Ruhrgebiets heute vollzählig eingefahren ist.
Als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Warschauer Gesandten Rauscher, ist der jetzige Dirigent der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes, Vortragender Legationsrat von M o l t k e, m Aussicht genommen. Als sein Nachfolger in der Ostabteilung wird der jetzige Generalkonsul in Leningrad Erich Zechlin genannt.
Wie das hessische Landtogsamt mitteilt, bleiben die fünf bisherigen demokratischen Abaeord- neten des Hessischen Landtags in "einer Fraktion zusammen, die sich Demokratisch-Staats- parteiliche Arbeitsgemeinschat nennt.
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Der polnische Zentralverband der Bergarbeiter hielt gestern in Kattowitz einen Betriebsrätekongreß ab, in welchem zu den gegenwärtig im Bergbau schwebenden Lohnverhanlun- aen Stellung genommen wurde. Der Kongreß beschloß, daß unter keinen Umständen eine Senkung der Löhne von den Bergarbeitern geduldet werden könne. Gleichzeitig beschloß der Kongreß, daß unverzüglich mit den Streikvorbereitungen begonnen werde.
Die beutfdje Fliegerin Elli Beinhorn bete am Samstag nachmittag nach vierstündigem
fönte herzlich empfangen würde.
ir in
„Associated Preß" zufolge lag bis 23 Uh Horta keine Nachricht über das Ozeanflug- Seug „Trabe Wind" vor.
Wie die Agentur „Havas" berichtet, ist am 2. Januar eine französische Patrouille in Anam von einer Abteilung bewaffneter Eingeborener in Stärke von etwa 70 Mann über- fallen worden. Sechs Mann der Patrouille wurden von den Eingeborenen getötet, ihre Leichen in den Song-Ca-Fluß geworfen. Daraufhin wurde eine stärkere Abteilung alarmiert, die gegen die aufständischen Eingeborenen vorging unb'3Ö von ihnen tötete.
Nach einer Mitteilung der halbamtlichen Agentur Preß soll der Abschluß einer französichen Anleihe mit der Firma Schnekder-Creuzer Co. im Betrage von einer Milliarde französischer Franken (ungefähr 165 Millionen Reichsmark) zur Vollendung der sogenannten Kohlenmagistrale von Ober« Westen nach dem Hafen Gdingen bevor- stehen, doch ist über die finanziellen Bedingungen der Anleihe eine Entscheidung noch nicht gefallen. Der Bau der Bahn, die zweigleisig sein wird, soll im Dezember 1932 vollendet werden. Die Verpachtung der Bahn an die französische Gesellschaft ist einen Zeitraum von 55 Jahren vorgesehen.
Der weltbekannte Menschenfreund Nathan Straus ist in Newyork im Alter von 85 Jahren R e ft o r b e n. Straus war ein gebürtiger Pfälzer. Er gelangte als Warenhausbesitzer zu großen, Reiche mm und verwandte feine Mittel zu wohltätigen Stiftungen und Schenkungen.
.Der Transatlantikverkehr ist durch widrige Winde und hohen Seegang beträchtlich gestört worden. Der Lloyddampfer Eurova ras am Samstag morgen in Neuyork mit zwölf- tündioer Verspätung ein, während die Leviathan, Üe frühere Vaterland, die am Samstag morgen ®iq war, nicht vor heute abend erwartet wird. Auch die Küstenschiffahrt ist durch das Wetter in Mitleidenschaft gezogen worden.
Der norwegische Reederverband in Kopenhagen teilt mit, daß ihm unter dem 8. Januar aus Leningrad gedrahtet worden ist, dort seien zwei norwegische Schiffe angekommen, die zehn bzw. 'eben Tage im Eis gesteckt hätten. 30 befrachtete Fahrzeuge, darunter 14 norwegische, warteten auf Eisbrecherhilfe. Es bestehe keine Gefahr für Einfrieren, aber eine lange -Wartezeit fei unvermeidlich.
Der Verband der schweizerischen veidenstosfabriken hat seinen Mitgliedern wegen der Krise und der auswärtigen Konkurrenz Ewen allgemeinen Lohnabbau nahegelgt. An oie Arbeiterschaft wurde ein aufklärender Aufruf Erlassen.
*) Näheres gehe im politischen Teil.
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Dev GchiZdsßvvuch im Auhr-evs-au
würd von den AvhsSLsshevn und dsn Gewerkschaften abseSehnL - Mene StveWhetze
Essen. 11. Jan. Der am Samstag gefällte Schiedsspruch, der einen Lohnabbau von v. H. vorsieht, ist sowohl von den Arbeitgebern wie von den tarifbeteiligten Bergarbeiter-
gewerkschaften abgelehnt worden.
Dev GMsdâvttch
Essen, 10. 3an. In der heutigen Sitzung der Schlichtungskommission gaben die beiden Parteien zunächst ihre Erklärung ab. Kurz nach 12 Uhr zog sich der Schlichter mit den beiden Unparteiischen zurück, um den Schiedsspruch zu formulieren und der Kammer vorzulegen. Die Fällung des Spruches kann sich vielleicht noch eine Stunde hinziehen.
Der Schiedsspruch wurde um 13.45 Uhr von dem Schlichter und den beiden Unparteiischen e i n st i m m i g gefällt. Er besagt:
1. Der Vertrag vom 4. 9. 30 wird vom 1. 1. 31 wieder in Kraft gesetzt mit der Maßgabe, daß sich die Löhne um 6 Prozent ermäßigen.
2. Die zum 15. 1. 31 zum Zwecke der Vertrags- änderung ausgesprochenen Kündigungen gelten als zurückgenommen.
3. Dieser Vertrag läuft bis zum 30. 6. 1931 und läuft bei sechswöchiger Kündigungsfrist je ein halbes Iahr länger. Die Erklärungsfrist läuft am Montag vormittag 9 Uhr ab. Die Rachverhandlun- gen sind auf Montag nachmittag 5 Uhr im Reichs- arbeitsministerium festgesetzt.
Die Arbeitgeber haben sofort erklärt, den
Äl-lsHnttttS durch -Ze GeweEOaftstt
Efsen, 11. Jan. Die zwei maßgebenden Gewerkschaften, der freigewerkschaftliche Bergbau-Industrie- arbeiterverband und der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands, befaßten sich heute mit der Lage und nahmen in den einberufenen Versammlungen zum Schiedsspruch Stellung. Bereits nach den gestrigen Verhandlungen wurde bekannt, daß die Gcwerksckaften ihr Angebot auf eine Lohn- s e n k u n
den.
u n g bis um 4 v. H. zurückgezogen Ha-
Dieser Schritt, für den offensichtlich nur taktische Erwägungen wohl mit Rücksicht auf die kommunistische revolutionäre Gewerkschaftsopposition maßgebend waren, wird mit einer Besserung der Lage des Ruhrbergbaues begründet. Nach neueren Berechnungen sei die Lage nicht so schlecht, wie sie von den Zechenbesitzern hingestellt werde.
Für die Ablehnung des Schiedsspruchs wird außer der Höhe des Lohnabbaus auch die Rück
Wirkung ab 1. Januar d. I. angeführt. Ferner ergeben sich bei den Abzügen Schwierigkeiten, da die Akkord- und Gedingeverträge bereits für den ganzen Monat Januar abgeschlossen seien. Die Zechen haben bei Abschluß der Gedingelöhne für Januar den Borbehalt gemacht, daß, falls ein neuer Lohntarif mit Lohnsenkung zustandekommt, auch die Gedingelöhne in gleichem Verhältnis sich ermäßigen. Demgegenüber machen die Gewerkschaften rechtliche Bedenken geltend. Der Tarifvertrag bestimme als gültige Arbeitsordnung die Festsetzung der Gedingelöhne für den ganzen Monat; diese Bestimmung sei unabdingbar.
In der Bochumer Revierkonferenz des frei- gewerkschaftlichen Bergbau-Jndustriearbeiter-Ver- bandes gab das Vorstandsmitglied Martmöller einen eingehenden Ueberblick über die Tarifverhandlungen . Ein Lohnabbau sei keine wirtschaftliche Notwendigkeit und werde von den Gewerkschaften nicht als Mittel zur Milderung der Wirtschaftskrise angesehen. Mehr als die Unternehmer hätten die Bergarbeiter das Recht, diesen Schiedsspruch als unberechtigt abzulehnen und ihn als einen politischen Schiedsspruch zu bezeichnen. Grinchsätzlich sei zu beachten, daß die gegenwärtige Krisenzeit keinen gun' stigen Boden für einen erfolgreichen Kampf biete. Bedenklich fei es außerdem, gegen einen verbindlich erklärten Schiedsspruch anzukämpfen. Die Bergarbeiterverbände lehnten nach wie vor die gewissenlose Streik-
Givensev MMiev in Stzkna
Hunderte von Todesopfern
Schanghai. 12. Jan. Ueber ganz China ist ein derartig strenger Winter hereingebrochen, wie er seit Menschengedenken nicht zu verzeichnen war und der unter der ärmeren Bevölkerung bereits hunderte von Todesopfern gefordert hat. In Ehar- lein sank das Thermometer auf —48 Grad. Sämtliche Flüsse sind eingefroren und viele Personen sind der grimmigen Kälte mm Opfer gefallen. Aus Kolgan und anderen Städten werden zahlreiche
Parole der Kommunisten ab, so berechtig' auch die Erbitterung der Bergarbeiter über den Lohnabbau fei. Die Belsegschasten müßten vor allem beachten, daß sie bereits in wenigen Monaten im Ruhrbergbau mit neuen und schwerwiegenden Tarifkonflikten zu rechnen hätten, die noch mehr als jetzt die Einmütigkeit und Schlagkraft der Bergarbeiter erforderlich machten. Entscheidende Auseinandersetzungen würden ihnen nicht erspart bleiben.
Verschiedene Ausspracheredner gaben in der Ver- sammlung ihrer Empörung über den Schiedsspruch Ausdruck. Für den organisierten Bergarbeiter werde es außerordentlich schwer, den Lohnabbau kampflos hinzunehmen. Wenn sich die Sergarb&teroerbänbe
Hinausschiebung des Kampfes ent- he das in der Hoffnung, daß dem-
trotzdem für eine .
schlöffen, so geschehe . ... . .
nächst der Zeitpunkt zum Losschlagea gün-
st i g e r wäre.
Auch die außerordentliche Generalversammlung des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter lehnte den Schiedsspruch ab. In einer Entschließung wird der Entrüstung über den Lohnabbau Ausdruck gegeben. Der Spruch nehme in Leiner Wetze Rücksicht aus die grobe Notlage Ler Verarbeiter und ihrer Familien. Während ;ür die Gehalts- und Pensionsempfänger in Reich, Staat und Gemeinden erst ab 1. Februar ein Abzug von 6 v. H erfolgen soll, nehme man den Ruhrbergleuten schon âb 1. Januar durch den Schiedsspruch
6
v. H. ihres Lohnes.
Kette Gèvâevfttche
Duisburg-Hamborn, 11. 3an. Don
der der
kommunistischen Streikleitung Ruhrbergarbeiker war für heute die dritte Schachtdelegiertenkonferenz einberufen worden mit dem Ziele, Stellung zu den Schlichlungsverhandlungen und der Streitlage sowie zur Gründung eines
Roten Einheitsverbandes der Bergarbeiter Deutschlands zu nehmen. Die Tagung dauerte etwa 6^ Stunden. Vertreten waren 134 Schachkanlagen mit 1268 Delegierten. Zunächst nahm man allgemein Stellung gegen den Schiedsspruch und den von ihm festgesetzten 6- prozentigen Lohnabbau und forderte zur Fortführung des Streiks am Montag auf. Dann beschloß die Konferenz einstimmig die Gründung des Einheitsverbandes der Bergarbeiter Deutschlands. Die Redner wandten sich scharf gegen die Gewerkschaften und ihre Führer Husemann und Imbusch, denen man Verrat vor- warf. Als Zweck des neuen Verbandes wurde angegeben die Herstellung einer großen Einheitsfront "der Bergarbeiter auf der Grundlage des revolutionären Klassenkampfes, Führung erfolgreicher Kämpfe um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für die Bergarbeiter, ferner Kampf bis zur Vernichtung des kapitalistischen Systems und zur Auflösung der jetzigen Bergarbeitergewerkschaf- ten. Die neue Streikwelle solle der Auftakt sein zu einer großen Offensive für die 7-Slunden-Schicht, die Einbeziehung der Gemaßregelten und Erwerbslosen in den Produktionsprozeß und gegen die Lohnsenkung. Beschlossen wurde der Beitritt zur Roten Hilfe zur Unterstützung bei Streiks und Aussper- runngen. An die oberschlesischen Bergarbeiter wurde ein Begrüßungstelegramm gerichtet, ebenso eine telegraphische Mitteilung über den Beschluß eines neuen Streiks und die Gründung des Einheitsverbandes an die Sowjetregierung in Moskau. Der neue verband erstrebt den Anschluß an die Rote Gewerkschaftsinlernationale. — An die Tagung schloß sich eine Demonstration in Duisburg und eine zweite in Ruhrort, die beide ohne Zwischenfälle verliefen.
Todesfälle infolge der Kälte gemeldet. Self Freitag sind über 100 Personen der ärmeren Bevölkerung erfroren. Peking wurde von einem Schneesturm heimgesucht. In Tientsin verzeichnet man bisjeht mehr als 30 Todesopfer. Der Teih-Fluß ist binnen einer Rächt zugefroren und hat den Hasenverkehr von Tientsin völlig lahmgelegt. In Ranking, wo das Thermometer auf —25 Grad sank, ist die Zahl der Todesopfer geringer. Auch Mitkelchina wurde von einem Schneesturm heimgesucht, der alle Verkehrs- verbindungen unterbrach.
»GuvovaS Rettung*'
„Europa wird vereint — im Leben oder im Tod", so schrieb vor wenigen Tagen einer der bekanntesten außenpolitischen Journalisten Frankreichs, Jean Piot, im „L'Ouevre". Der Leitartikel Piots war im Hinblick auf die unmittelbar bevorstehende Paneuropa-Konferenz in Genf gefaßt. Bekanntlich tritt die Pan- europo-Konferenz am 16. Januar unter der bescheidenen Bezeichnung einer Tagung des Studienkomitees einer europäischen Union beim Völkerbund zusammen. Schon seit Wochen werden die Aussichten dieser Konferenz in der französischen Presse aufs lebhafteste debattiert. Dies geschieht nicht nur, weil die Aufrollung der Paneuropa-Frage Sache eines Franzosen war, sondern auch weil man in Frankreich nicht ohne gute Gründe annimmt, daß die Paneuropa-Konferenz vielleicht in einem noch höheren Maße als die Januartagung des Völkerbundsrats die augenblickliche politische und wirtschaftliche Situation Europas widerspiegeln wird
Es sind in erster Linie wirtschaftliche Gesichtspunkte, die die französische Oeffentlichkeit veranlassen, der Paneuropa-Auseinandersetzung die größte Bedeutung beizumessen. Die Welt produziert heute in einem Jahr mehr, als sie in fünf Jahren brauchen kann. Obwohl überall enorme Warenmengen aufgestapelt sind, erleiden Millionen und Abermillionen die bitterste Not. Wohin, soll das führen? Wo ist der Ausweg aus dieser tragischen Lage? Die französischen Freunde der Paneuropa- Jdee antworten: „Es ist notwendig, die Produktion, die Währungsfragen und den Verbrauch international zu regeln."
ML eine, weitestgehende. ^^^^^ ftändigung, also der erste Schritt zur engsten europäischen Zusammenarbeit. Diese These stellt die wirtschaftlichen Fragen in den Vordergrund, während die politischen im. Schatten bleiben. Es ist zwar richtig, daß die Weltpolitik heute mehr denn je durch den Weltmarkt und Finanzfragen regiert wird, ebenso wie es richtig ist, daß eine Verständigung auf wirtschaftlichem Gebiet die politische Verständigung erleichtern könnte. Erleichtern, aber nicht mit Notwendigkeit nach sich ziehen. Nun besteht jedoch die „Eigenart" der heutigen Situation darin, daß jeder Versuch einer wirtschaftlichen Lösung der internationalen, konkreter: europäischen Schwierig- keiten mit . . . politischen Schwierigkeiten rechnen muß.
Ein Beispiel: die Reparationen. Der Poung- Plan sollte angeblich das Reparationsproblem „entpolitisieren". Aber die Wurzeln der Reparationen sind in Versailles zu suchen, bilden also eine politische Realität.
Versailles und der Poung-Plan, der deutsche Osten und die Minderheitenfrage . . . Man ist in Frankreich unzufrieden und besorgt, daß diese Problems heute in Deutschland eine so große Rolle spielen. Die „L' Oeuvre", die zu den deutschfreundlichsten Blättern Frankreichs gehört, und die eine Verständigung mit Deutschland aufrichtig erstrebt, schreibt dazu: „Es ist umso schlimmer für die Deutschen, wenn sie nicht verstehen wollen, daß die Erleichterung des Arbeitslosenelends wichtiger sei, als der polnische Korridor oder einige' dunklen ostoberschlesischen Wahlgeschichten."
Dieser Satz ist überaus charakteristisch. Er zeigt, daß man selbst in den bestgesinnten fran- , zösischen Kreisen der augenblicklichen politischen Situation in Deutschland ungenügend Rechnung trägt. „Ich sage allen, die es nicht sehen wollen, daß die Seit gekommen ist, an anderes zu denken als an die Grenzstreitigkeiten, die, zusammen mit der Ueberfüllung der Lagerbestände, uns zu einem Krieg führen müssen, oder durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch des europäischen Kontinents, zum Bolschewismus." Soweit Jean Piot. Er mag in vielem recht heben. Es ist aber nicht ganz ritterlich, wenn sich gerade der abfällig über die „Grenzfchwierigkeiten" — gemeint sind natürlich gegenwärtige politische Fragen im ganzen — äußert, der sie selbst nicht kennt. Frankreich und Polen sind die Nutznießer des ungerechten Versailler Vertrags. Sie haben es gut, über ihn hinwegzugehen. Das ist leich-
Ote beutle Kummer umfa-t 10 Gekteu