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Freitag den 9. Januar 1931
Nr. T
Dev vevkiinnnevte Gevuchsfttm
Auch eine Errungenschaft die Blumen nicht mehr, ।
der Zivilisation. — Duften
oder riechen wir sie nicht?
— Der Sex Appeal der Tiere. — Geruchsina als Rassegefühl der Ameisen
Man will die Beobachtung gemacht haben, daß die Blumen durch die Ueberzüchtung mehr und mehr an Duft verlieren, und daß die verfeinerte
Zucht und Auslese zwar die äußere Erscheinuna dieser Blumen verschönt, daß aber dabei nur ein Sinn jiuf seine Rechnung kommt, während dabei zwei Sinne beteiligt sein sollen. Denn an der Schönheit der Blume sind ja Nase und Auge gleichzeitig interessiert. Möglicherweise aber liegt/ wie der Direktor des Londoner Aquariums ausführt, der Fehler nicht nur an den Blumen, sondern auch an uns. Der Geruchrfn
niemals eine be» des zivilisierten
sonders ausgeprägte Menschen gewesen, ui
Menschen gewesen, und die Lebensverhältnisse, wie sie sich beute herausgebildet haben, tragen nur noch dazu bet, diesen Sinn mehr und mehr verkümmern zu lassen. Die künstliche Heizung, schlecht gelüftete und überfüllte Transportmittel, Tabak und andere Faktoren stumpfen einen Sinn ab, der bei den meisten niederen Tieren eine wichtigere Rolle spielt als das Augenlicht oder das Gehör. Geruch und Tastsinn sind eng miteinander verbunden, ja, sie sind identisch. In der höheren Tierwelt, wie bei Säugetieren und Bögeln, sind die „Tastzellen" über die Zunge und den Gaumen verteilt, wobei die den Geruch übermittelnden Zellen am oberen Ende der Nasenhöhle liegen. Bei vielen Vertretern der niederen Tierwelt sind dagegen diese Geruchs- und Tastzellen allgemein verteilt und können an allen Teilen des Körpers in Funktion treten.
Bei den Menschen selbst ist der Geruch nebensächlich. Gerüche können gelegentlich unseren Sinnen schmeicheln, aber tut allgemeinen sind sie eher dazu angetan, sie zu beleidigen. Bei den wilden Tieren dagegen dient dieser Geruch dazu, d.e Artgenoffen des anderen Geschlechts anzuziehen, die
genossen 5es anderen Geschlechts anzuziehen, die Mitglieder der eigenen Art zu erkennen und vor den Feinden zu warnen. Der „Sex Appeal" des Geruchs ist unter den Tieren allgemein verbreitet. Die Moschusträger waren ja sogar unter den zivilisierten Völkern eine Zeitlang als Parfümlieferanten gesucht. In der komplizierten Welt des Ameisen- staates tritt der Geruchsinn sozusagen an die Stelle des Raffegefühls. Ameisen mit dem rechten Geruch sind als „gute Ameisen" geduldet, während die anderen, denen dieser Geruch fehlt, aus der ®e» «Neinschaft ausgestoßen und meist sogar getötet werden. Wenn eine fremde Ameise die den rechten Geruch zeigt, oder eine eingeborene, die einen fremden Geruch aufweist, in der Siedlung auftreten, so wird unweigerlich die fremde Ameise als Ge- noffin begrüßts die eingeborene aber als Abtrünnige geächtet. Es ergibt sich daraus, daß unter den Ameisen der Geruchsinn über» Blut und Intelli
genz den Sieg davonträgt.
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Fußspuren von riesigen Dinosauriern, die vor Millionen von Jahren, noch bevor sich die Rocky Mountains aufgetürmt hatten, an den Seen Nordkanadas hausten, wurden kürzlich oberhalb des Peace River in Britisch-Columbien aufgefunden. Die Fundstelle liegt rund 630 Kilometer hinter der Grenze der Vereinigten Staaten und viel weiter nördlich als alle früher gefundenen Spuren vorsintflutlicher Tiere überhaupt. Der Paläontologe der kanadischen Regierung machte die Entdeckung an einer Stelle, wo der Fluß eine tiefe Schlucht ausgewaschen hat, die viele Steinschichten mit fossilen Resten von Farnen aufweist. In diesen Felsen des Peace River fand der kanadische Gelehrte über 400 Fußabdrücke, die von mindestens fünf verschiedenen Arten von Dinosauriern herrühren. Die größte dieser Fußspuren war rund 52 Zentimeter breit: danach dürfte das Riesentier, das diese Spuren zurückgelassen hat, mindestens 12 Meter hoch gewesen sein Die kleinste Spur im Ausmaß von 15 Zentimeter dürfte ein 4 Meter hohes Tier hinterlassen haben Trotz sorgsamster Durchsuchung des Gebietes wurden aber weder Eier, noch Knochenreste von Dinosauriern gefunden. Das größte Lager solcher Knochen und Skelette wurde seiner Zeit in Kanada, in der Nähe des Red Deer River, ent- deckt. Seltsamerweise aber konnte in diesem Bezirk nur eine einzige Fußspur gefunden werden. Zur Zeit der Dinosaurier war das Massiv der Rocky Mountains noch nicht vorhanden. Dort befand sich damals eine Kette von Süßwasserfeen, die vermutlich mit dem großen Salzwaffersee in Verbindung standen, der sich vom Golf von Mexiko bis zur Arktis erstreckte.
«MeME auf deVSttttenSavse
Der französische Staatsmann ßéon Barthou ist ein leidenschaftlicher Sammler von Visitenkarten. In seiner Kollektron offenbart sich die menschliche Eitelkeit, besonders die Titelsucht, um so drastischer, als Barthou ausschließlich Karten in seiner Sammlung aufnimmt, deren Berufsangabe keinen Zweifel läßt, daß der Inhaber mit der Titulatur Eindruck zu machen gedenkt. Da ist beispielsweise ein William Busnach, der sich beruflich schlechtweg als „Jude" bezeichnet und das obendrein zu einer Zeit, als der Antisemitismus in Frankreich seinen Höhepunkt erreicht hatte. Man findet ferner einen Robinson
ster eines einstmals dort wohnenden Landwirtes Josef Földvary noch lebe, da dieser Földvary vor einige Wochen in Amerika gestorben sei und seiner in Ungarn lebenden Schwester laut Testament eine Million Pengö hinterlassen habe. Der amerika
Nische Testamentsvollstrecker bat um baldige Auskunft, um das Geld an die Erbberechtigte überweisen zu können. Die Behörde in Gany brauchte
lange nachzufragen, denn die Frau, die
Crusoe, der sich als „Friseur des Präsidenten des Gerichts in Pont-ä-Pitre" vorstellt, ein Fräulein Yvonne Malard, die sich stolz „Kammerfrau des Herren Senators Charnel" nennt. Da ist ein Alexandre Baudot, der sich mit seiner Visitenkarte als der „historische Trompeter bei der Eroberung des Malakoff, wie sie das Bild im Museum von Versailles darstellt", einführt. Eine Witwe Marie Papi aus Marseille kann sich nicht versagen, auf ihrer Karte ihren Stammbaum mitzuteilen, in dem sie sich als „geborene Papi vom Stamm der Pharaonen Papi der sechsten Dynastie" zu erkennen gibt. Ein Herr Perrey empfiehlt sich auf seiner Karte als „Präsident des Verbandes der Fabrikanten von Ochsenmaulsalat". Das Schlimmste ist, daß alle diese Titulaturen und Standesbezeichnungen ernst gemeint sind.
Die Ehefrau ei» als ArrsesteUie
Eine verheiratete Frau, die von ihrem Manne erhalten wird, ist nach der Entscheidung einer Pariser Zivilkammer eine Angestellte, und ihre Stellung als Leiterin des Hauswesens des Gatten ist der eines Gehalt beziehenden kaufmännischen Angestellten gleichzuachten. Das Urteil erging in einem Prozeß, den eine Frau Yvonne Duverny gegen einen reichen Saufmann • namens Combescot angestrengt hatte, well der Beklagte sie dazu überredet hatte, ihren
well der Beklagte sie dazu überredet hatte, Gatten und das eheliche Heim zu verlassen. Aus den Darlegungen der Klägerin ging hervor, daß Combescot, der selbst verheiratet war, sich in sie verliebt und ihr solange die verlockendsten Zukunftsbilder vor Augen gezaubert hatte, bis sie sich bereit fand, sich von «ihrem Manne scheiden zu lassen, um ihren Verehrer zu heiraten. Als Combescot dann von einer längeren Geschäftsreise aus Südamerika zurückkehrte, teilte er ihr schonungslos mit, daß er anderen Sinnes geworden sei und nicht mehr daran denke, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, um eine neue Ehe einzugehen. Die Frau sah sich nun aller Mittel beraubt, und da es ihr trotz aller Bemühungen nicht gelang, eine Stellung zu finden, verklagte sie ihren Liebhaber, weil er die Ursache war, daß sie die einzige Stellung, die sie hatte, aufgegeben hatte. Der Gerichtshof schloß sich ihren Darlegungen an und verurteilte den Kaufmann, der Klägerin eine lebenslängliche Monatsrente in Höhe von 3000 Francs zu
zahlen.
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Jahre 1900 eine sensationelle Tragödie abgespielt hatte. Der Erblasser Josef Földvary lebte damals in glücklicher Ehe, da er an der Treue seiner Frau nicht zweifeln zu müssen glaubte. Eines Tages kam er überraschend schnell von einem Viehkauf nach Gany zurück und ertappte hier seine Frau und seinen besten Freund beim Ehebruch. In seinem Zorn ergriff er die Axt, die am Herd stand und schlug damit seinem Freund den Schädel ein.
satz zu den französischen Selbsthilfe in Liebes- und Eheangelegenheiten nicht billigen, so wurde er verurteilt Man sah von einer Verurteilung wegen Mordes ab, da Földvary ohne Vorsatz und in berechtigter Erregung gehandelt hatte, aber der Verbrecher wurde wegen Totschlags schuldig ge. sprachen und sollte 6 Jahre Zuchthaus abbüßen. Er wurde nach Szeged in die Strafanstalt überführt, um hier sein' Verbrechen zu büßen. Aber Földvary sann nur auf ferne Befreiung, da er sich keiner Schuld bewußt, sondern im Gegenteil überzeugt war, recht gehandelt zu haben. Er konnte nicht einsehen, daß er sich an seinem Freunde nicht rächen durfte, der ihm verräterischerweise die Liebe seiner Frau gestohlen hatte. Tatsächlich gelang es ihm, wohl mit Hilfe einiger guter Freunde, schon nach kurzer Zeit aus dem Zuchthaus zu entfliehen. Trotz der eifrigsten Nachforschungen der Behörden konnte sein Aufenthalt nicht ermittelt werden. Er schien völlig vom Erdboden verschwunden zu sein und blieb -30 Jahre lang verschollen. Hin und wieder sickerte eine Nachricht durch, daß irgendein Landsmann ihn tief in Amerika entdeckt habe, wo er sich als Farmbesitzer durch große Viehzucht ein beträchtliches Vermögen erworben habe und in großem Reichtum lebe. Man hielt diese Nachrichten aber für amerikanische Phantasiegespinste. nre sie so häufig auftauchen, und stellte auch keine Nachforschungen nach dem entsprungenen Sträfling an. An seine Familie in Gany gelangte jedenfalls während der ganzen Zeit kein einziges Lebens- zeich->n und schon aus dem Grunde glaubte man die Nachrichten von dem Zuchthäusler aus Amerika nicht. Umso überraschter waren jetzt alle, als durch die amtliche amerikanische Mitteilung die Wahrheit dieser ©erWe erwiesen wurde. Földvary war tatsächlich Millionär geworden. E'nen großen Teil seines Vermögens hatte er wohltätigen Stiftungen vermacht, als er vor kurzer Zeit starb Den Rest seiner eisigen Schwester, die noch in Gany lebt,
Nie GivaSemreMssv des tVeiimsevss
Wracks, eine Gefahr für die Wellfchiffahrk. — 17 000 Funkstellen. — Radio hilft nicht immer. — Lin Wrack, das 1100 Tage unterwegs war. — Der Friedhof des Ozeans.
. Mehrere, teilweise recht verlustreiche Schfffs- Unglücke der letzten Zeit haben die Gefahren sichtbar werden lassen, von denen sich die Schiffahrt in dieser Jahreszeit besonders bedroht sieht. Daß bei den Schiffsuntergängen nach dem Krieg verhältnismäßig wenig Menschenleben gefordert wurden, ist ein Verdienst der Funkentelegraphie. Es gibt heute 15 000 Funkstellen an Bord von Schiften und 2000 an Meeresküsten. Ergeht ein 8O8-Ruf, wie er seit 1906 in der Weltschiffahrt eingefüh^t ist dann haben alle Schiffe in der Nähe des gefährdeten di« Pflicht, ihren Kurs unter allen Umständen zu unterbrechen Die Küstenfunkstationen alarm'eren sofort Küstendampfer. Bei diesen Verständ'gungs- möglichkeiten ist es trotzdem schon Dorgefomnvn. daß ein mit einer Funkstation ausgerüstetes Sch ff twa^
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