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Nr. 6

Donnerstag den 8. Januar 1931

Sette S

Stadt Sana»

Avgiene am Waschtisch

Reinlichkeit ist eine der wichtigsten Grundregeln vorbeugender Gesundheitspflege. Diese Erkenntnis hat sich, dank der immer weitere Kreise erfassen­den hygienischen Volksbelehrung, schon allenthal­ben Bahn gebrochen. Allein was nützt uns alles hygienische Wissen, wenn wir es im entscheidenden Moment nicht richtig anzuwenden verstehen! So begehen wir täglich allerlei Sünden wider die Ge­sundheit, z. B. auf dem Gebiete der Reinlichkeit.

Diele Menschen pflegen sich am Waschtisch mit Vasser, Seife und Schwamm zu waschen. Das ist gewiß recht schön und gut, aber dieser Schwamm liegt meist ungeschützt gegen Staub und Schmutz auf dem Waschtisch, dieser Schwamm wird oft tagelang benutzt, ohne daß auch er einer gründ­lichen Reinigung unterzogen wird! Statt uns also zu säubern, bringen wir gedankenlos diesen un­reinen Schwamm mit unserem Gesicht oder unse­ren Händen in Berührung! Wer die Umständlich­keit solcher Reinigungsprozedur scheut, . dem sei statt dessen der Gebrauch eines leicht in heißem Wasser aiuszuwasch enden Waschlappens empfohlen.

Der täglichen Waschsünden gibt es aber noch mehr. Wir trocknen uns Hände und Gesicht nach hem Waschen an einem Handtuch ab. Abgesehen davon, daß dieses Handtuch, wenn es frei und nicht im Schrank verschlossen dahängt, aus der Luft auch allerlei Staub- und Schmutzkeime auf­nimmt, mit dem wir die frischgswaschene Hand gleichsam „einreiben", so wird besonders in der Familie dieses Handtuch oft hintereinander vom Vater, von der Mutter, und von den Kindern be­nutzt. Daß hierbei der Uebertragung von allerlei Schmutz- und Krankheitskeimen trotz vermeintlicher Reinlichkeiten Vorschub geleistet wird, versteht sich ganz von selbst. Damit erbebt sich für das Hand­tuch die selbstverständliche Forderung: „Jedem das Seine." Jedes Familienmitglied benutze ein eige­ner Handtuch, das z. B. durch ein farbiges Bänd­chen, ein Monogramm oder ein Schildchen leicht gezeichnet werden kann. Mit noch größerem Nach­druck muß die Forderung „Jedem das Seine" er­hoben werden für alle Waschgelegenbeiten in öffentlichen Gasthäusern, in denen leider noch immer das „ewige Handtuch", das „Handtuch auf der Rolle" anzutreffen ist. Hier ist die Gefahr der Krankheitsübertragung noch größer, da man na­türlich den Gesundheitszustand des Vorbenutzers niemals konnt Schließlich sei vom Wasch'isch noch der Zahnbürste gedacht. Wieviele Menschen bür- sten sich, getreu den Mahnungen der Hygiene, morgens und abends mit der Zahnbürste die Zäbne, aber wer denkt daran, daß diese Zahnbürste noch der Benutzunq sedesmals sorgfältig, am testen in heißem Wasser, gereinigt werden muß! Veich-eht dies nicht, so sucht man eben nur „den Teufel mit Beelzebub" zu vertreiben.

Darum aufg-'^aßt! Mcht das Wißen allem macht's, man muh es auch anzuwenden verstehen.

Me #ffW ruv Beschaffung vvV ÖUnéetoeie

éin Amtsgerichtsrat i. R. hatte feine Bezüge von mehreren Gerichtskassen empfangen; es kamen zuletzt die Gerichtskasse in H. und die Gerichtskasie in S. in Betracht. Als in S. eine Steuerkarte nicht vorhanden war, waren 10 Prozent Lohnsteuer für August 1928 abgezogen und abgeführt worden. Wegen zu hohen Abzugs forderte der Amtsgerichts­rat Rückerstattung von 16.50 RM und betonte, seitdem er im Ruhestande stehe, hätten die Ge- richtskassen für ihn Steuerkarten beschafft oder von den Gemeinden bekommen; er habe ohne Ver- s-b'ilden annehmen können, daß auch die Gerichts- kasse in S. eine Steuerkarte für ibn besorgen werde Das Finanzamt und das Finanzgemchi vertraten den Standpunkt, daß der Amtsgerichts- rat i. R. sich selbst rechtzeitig eine, Steuerkarte hatte beschaffen müssen. Der angerufene Reichs- finanzhof aber erklärte nach Mitteilung der Deut- schon Beamtenbund-Korrespondenz die Rechts­

ÄW ^M ^Hj

Von Belloc Lowndes

Copyright by Ernst Oldenburg Verlag Leipzig C 1.

26 Fortsetzung (Nachdruck verboten)

War etwa Nicholas Dragonov der Magnet, der dieses kluge und anziehende russische Mädchen an diesen sonderbaren Haushalt fesselte? Angela be­fürchtete es fast, und Kattys launenhaftes Wesen ihr gegenüber während dieser drei Tage schien ihre Vermutung zu bestätigen. Oftmals während der langen Nachmittags- und Abendstunden zeigte Katty sine fast überschwengliche Zutunlichkeit. Dann wie­der sprach sie in einer kalten, hochmütigen Art, die um so abstoßender wirkte, als sie vielleicht eine Stunde vorher noch sehr freundlich war.

Hätte der Prinz ihr nicht den Hausschlüssel ge­geben und ihr so eine gewisse Freiheit verschafft, würde Angela dieses unnatürliche Leben nicht drei Vage ausgehalten haben. Seit sie zufällig Lady Mangel getroffen hatte, war ihr auf ihren Morgen- Ipaziergängen noch kein Bekannter wieder begegnet. 216er wo sie ging und stand, ob sie wachte oder träumte, immer verfolgte sie der Gedanke an Lord Vherwesl. . ,

. Endlich sollte ihre Einsamkeit ein Ende haben.

vierten Morgen nach chrer Ankunft m Bel- caire überbrachte Katty die Mitteilung, daß oer Prinz und die Prinzessin am Nachmittag zusam­men mit Luke Sussex nach dem Kasino von Jolie Plage fahren wollten und hofften, daß sie mit» 'ame.

„Ob ich wohl wieder spielen werde," rief Angela Otts.

. „Aber natürlich. Mrs. Graham, wozu sind Sie denn sonst hier!" Katty warf ihr einen häßlichen «lick zu. ‘ „

„ „Sie hätten mich ebenso gut auffordern können. ®5 wäre Platz genug gewesen, fuhr die Russin fort, „schon aus dem Grunde, weil bei einer sol- W Gelegenheit niemals genug Menschen an» lesend sein können. Ich weiß, Nicholas hatte mich gern dabei gehabt. Aber er ist ja so feige und hat solche Angst vor Lola, daß er gegen feine bessere

beschwerde des Amtsgerichtsrat für gerechtfertigt. Er führte aus: abgesehen davon, daß im vorlie­genden Falle der Arbeitgeber für die Beschaffung einer neuen Steuerkarte hätte sorgen müssen, habe der Amtsgerichtsrat auch annehmen dürfen, daß die Gerichtskasse in S. ein« Steuerkarte für ihn beschaffen oder dem Amtsgerichtsrat hätte mittei­len müssen, daß eine Stererkarte für ihn nicht vor­handen sei. Als schließlich die Gerichtskasse dem Amtsgerichtsrat von dem Fehlen der Steuerkarte Mitteilung gemacht habe, sei von ihm alles getan worden, um eine Steuerkarte zu beschaffen; ihn treffe daher kein Verschulden.

eMttww vom 2. Lebensiahv ab?

Don einem medizinischen Mitarbeiter

Im Kultusministerium wird der Plan erörtert, das schulpflichtige Alter vom 6. auf das 7. Lebens­jahr hinauszusetzen. Als im 19. Jahrhundert die allgemeine Schulpflicht von Deutschland ausgehend sich den größten Teil der Welt eroberte, wurde ziemlich allgemein das 6. Lebensjahr als der Be­ginn festgesetzt. In der Zwischenzeit sind aber die Fortbildungsmöglichkeiten und Fortbildungspflich­ten auch für Volksschüler beträchtlich gesteigert worden und haben in den Fortbildungsschulen usw. eine über den bisherigen Rahmen der Schul­pflicht hinausgehende Erweiterung erfahren. Auf der anderen Seite wurde vielfach von Aerzten die Befürchtung ausgesprochen, daß die Kinder im 6. Lebensjahr noch nicht kräftig genug seien, um die großen Anforderungen der Schule ohne völlige Be­einträchtigung der Gesundheit zu ertragen. Die Be­wegung, das schulpflichtige Alter mindestens auf 7 Jahre festzusetzen, reicht schon längere Zeit zurück, da sich die Grundbedingungen für den frü­hen Beginn der allgemeinen Schulpflicht in den letzten Jahrzehnten erheblich geändert haben. Die gesteigerten Anforderungen, die der Kampf ums Dasein an jeden Menschen der Jetztzeit stellt, kön­nen nur erfüllt werden, wenn die Gesundheit Nicht durch den Schulbesuch geschwächt ist. Während frü­her derartige Bedenken völlig außer Acht gelassen wurden, hat man in der letzten Zeit Schulärzte an­gestellt, um besonders schwächliche. Kinder, deren Eintritt in die Schule gefährdet werden könnte, ein weiteres Jahr von der Schulpflicht zu befreien, so­daß für diese erst das 7. Lebensjal;r in Betracht kommt. Es ist selbstverständlich, daß her, plötzliche Wechsel in den Lebensbedingungen des Kindes auf seine Entwicklung den allergrößten Einfluß aus­übt. Während das Kind bis dahin nur unter der Obhut der Eltern lebt und frei und sorgenlos sich seinen Spielen widmen kann, tritt plätzlich an das junge Gemüt der harte Zwang der Pflicht heran, die Arbeit, die Rücksichtnahme, der Gehorsam und die Ordnung. Die gesunden und kräftigen Kinder werden diese Umschichtung der Lebensbedingungen ohne Schaden ertragen, obwohl auch bei diesen wohl auch mehr gesündigt wird, als sich nachträg- lich feststellen läßt, da von berufener Seite die Befürchtung ausgesprochen wurde. daß die große Verbreitung nervöser Schwächezustände unter der Bevölkerung z. T. auch auf den Schulbeginn in verhältnismäßig frühen Jahren zurückzuführen ist. joeute herrschen andere SebenbbebvnguTigen tow vor 50 und mehr Jahren. Aber die Schulpflicht hat noch keine diesen neuen Bedingungen angepaßte Form erhalten. Es wäre darum zu begrüßen, wenn unter Berücksichtigung der allgemeinen wirt­schaftlichen und gesundheitlichen Verhältnisse auf diesem Gebiete eine Neuordnung eintrate. Ob sich vielleicht die Einführung eines „Vebergangslahres bewahren würde, durch das die Kinder allmählich für die neuen Anforderungen der Schule geeignet gemacht werden sollen, ist eine Frage, die durchaus der Erörterung wert ist. Dadurch konnte der schroffe Wechsel in den Lebensbedingungen des Kindes vermieden werden. Zugleich konnten in we- sem Ueberaangsjabr allmählich die Grundlagen für die Ausbildung der Kinder geschaffen werden, so daß dann die Kinder vom 7. Lebensjahre an eine schnellere und gediegenere Ausbildung . erhalten können. Dadurch würde der Mangel des einen ver­lorenen Schuljahres ausgeglichen werden, soweit es

Einsicht nachgibt. Er hat eben erst erwähnt, daß ich in Jolie Plage vielleicht ganz nützlich sein könnte —" .

„Nützlich?" Angela schaute die Sprecherin an und wunderte sich, was sie wohl damit meinte. „Soll ich vielleicht die Prinzessin fragen, ob Sie mitkommen können?" meinte sie gutmütig.

Katty starrte sie einen Augenblick an. Dann lachte sie pöttisch: „Glauben Sie etwa. Sie wurde Ihnen das zubilligen, was sie Nicholas bereits ver­weigert hat? Da kennen Sie sie schlecht!

„Wieso sollte ich sie auch kennen? Ich bin doch erst seit drei Tagen hier!" entgegnete Angela gereizt. „Ein einziges Mal bin ich mit ihr allein aewesen und zwar die wenigen Minuten im Auto, als wir am ersten Abend meines Hierseins ms Kasino fuhren. Ich weiß nur soviel, daß sie ^^autze^ ordentlich launisch ist. Sie hatte mir ausdrücklich gesagt, daß sie jeden Nachmittag mit mir ausgehen würde." _

Obgleich Angelas Gefühle der,Zu- und Ab­neigung für dieses schöne russische Mädchen von Stunde zu Stunde wechselten, kam sie doch ganz gut mit ihr aus. Katty Raevskr war gewiß heftig und zu Zeiten von einer albernen Eingebildetheit, aber sie war doch wenigstens mitfühlend. Und das schien sonst niemand von den anderen zu sein. Selbst Nicholas Draganov hatte sich tw semem Be­nehmen während der drei letzten '~age als gefühl­los erwiesen. Ein einziges gesprochenes oder ge­schriebenes Wort wäre chr wertvoller gewesen als die Schachtel Konfekt!

Als Angela' die kleine Gesellschaft in der Titele traf, grüßte die Prinzessin sie so, als ob sie sich heute schon gesehen hätten, ^^^e Sussex nickte kurz und setzte sich dann zum Chauffeur. Obgleich der Prinz "ihre Hand festhielt und sie bedeutungsvoll drückte, während seine Kusine sich abgewandt hatte, um Clarisse noch ein paar Anweisungen zu geben, sprach er sie auf der langen Fahrt nach dem lieb­lichsten aller Rivieraorte kein einziges Mal an.

Jolie Plage hatte sich aus dem einfachen Fischer­dorf noch nicht zu einem Modebad entwickelt, wie fast alle die bekannten Plätze an der Riviera. Bis zu der Zeit, da eine Bereinigung bekannter fran­zösischer Architekten ein verlassenes «chlotz eine Mette landeinwärts 8°kauft hatte war es einer der wenigen einsamen Küstenstriche längs der Eisenbahnlinie gewesen. Heute glich Josie Plage ! einer Art künstlerisch komponierter Landschaft, Das

möglich ist, und was nicht ausgeglichen wird, wür­den die Kinder an Gesundheit gewinnen. Dadurch würde sich auch die Einführung eines 9. Schul­jahres erübrigen. Die Zeit des gesamten Schul­besuches wäre nur um ein Jahr verschoben. Bei den höheren Schulen könnte der Lehrgang um ein Jahr verkürzt werden, zumal es notwendig werden wird, den neuen Anforderungen der moderenen Zeit ent­sprechend vielen toten Ballast aus vergangenen Jahrhunderten des Bildungsideals aus dem Lehr­plan der höheren Schulen zu entfernen. Bei der Umgestaltung dieses Lehrplanes im Sinne uner Ausbildung für bas praktische Leben könnte auch der spätere Beginn der Schulpflicht und der dadurch hervorgerufene Verlust eines Jahres insofern be­rücksichtigt werden, als der gesamte Lehrstoff auf 8 Jahre verteilt wird. Es sipd nicht nur theoretische Erwägungen, die gegen die Schulpflicht vom 6. Le­bensjahr ab sprechen, sondern auch zahlreiche Er­fahrungen in der Praxis. Es wurde nämlich fest- gestellt. daß in den Ländern, wo der Beginn der Schulpflicht vom 7 Lebensjahr an möglich ist — wobei auch der Schulbesuch vom 6. Lebensjahr an zugelassen ist — die Kinder in körperlicher und geistiger Hinsicht sich viel besser entwickeln. Ihre Leistungen sind bei weitem besser, als diejenigen der Schüler, die schon auf Wunsch ihrer Eltern vom 6. Lebensjahr an den Unterricht genießen. An Tiefe und Gediegenheit des Wissens wird das ge­wonnen. was durch das eine Jahr des späteren Schulbesuchs verloren wird. Falls der Beginn der Schulpflicht allgemein auf das 7. Jahr verlegt wer­den sollte, gibt es auch keine Benachteiligungen durch Schüler, die schon früher die Schule besuchen.

Svemdenvevrebv 4936 im Rheia-Maittsebiet

In der Jahresübersicht 1930 des Verbandes der Hessen-Nassauischen Industrie- und Handelskam­mern wird über den Stand des Hotelgewerbes und des Bäderverkehrs im Bereich der angeschlossenen Handelskammerbezirke des Rhein-Maingebietes u. a. folgendes berichtet: Das abgelaufene Geschäfts­jahr wird weder für die Großstadt Frankfurt noch für die Plätze Wiesbaden, Schlangenbad, Bad Schwalbach, Bad Soden, Bad Homburg, Bad Ems und andere Luft- und Kurorte günstig beurteilt. Der Fremdenverkehr hat, wie fast überall, einin Rückgang von 25 bis 30 Prozent aufzuweisen. Ins­besondere hat sich die Aufenthaltsdauer der Einzel­reisenden verringert. Weite Kreise des deutschen Publikums können sich eine Erholungsreise nicht mehr leisten. Es ist eine Abwanderung festzustellen vom Großhotel nach den mittleren Häusern, von diesen nach kleineren Hotels und von diesen wieder nach Pensionen und Privatzimmern. Auf steuer­lichem Gebiet wirkte sich zumal in Wiesbaden die Steigerung der Grundsteuern besonders belastend aus. Die Hauszinssteuer der Hotelbetriebe wird als kaum mehr erträglich empfunden, der Bericht for­dert ihre Anpassung an den Umsatz. Der Bericht be­zeichnet die Tarifpolitik der Reichsbahn als hem­mend für den Fremdenverkehr. Die zu hoch ge­schraubten Personentarife hielten das Auslands­publikum davon ab, die Nord-Südroute den Rhein entlang oder über Frankfurt zu wählen und dräng- tert ès su^ bxe bUlxQer^xx *va.n50^ â)LW Qâxxxqxx. D-rv Besuch der Restaurants ist gegen das Vorjahr um 25 Prozent zurückgegangen. Bei vielen Gaststätten habe zurzeit eine ungefunbe Schleuderung der Preise eingesetzt.

* Daten für 8. Januar. 1873: Napoleon HL in Chislehurst gest. — 1908: Der Maler und Dich­ter Wilhelm Busch in Mechtshausen (Harz) gest.

• Seinen 80. Geburtstag feiert am Freitag, 9. Januar Herr Fritz Müller, Salzstrahe 28.

* Hospilatkirche. Heute abend 8 Uhr findet in der Hospitalkirche Bibelstunde durch Pfarrer Knell statt.

* Kulturfilm. Als zweite Veranstaltung in die­sem Winterhalbjahr läuft am 12. Januar, 20M Uhr, in der Stadthalle der Kulturfilm -„Am Rande des

kleine Kasino war eine Nachahmung von Trianon und die in der Umgebung liegenden Villen er» höhten den Eindruck des Emporblühens.

Als das Auto vor einem Restaurant hielt, das mit Vorliebe von Feinschmeckern ausgesucht wurde, sagte Luke Suffex in fast melancholischem Ton: „Sie haben keine Ahnung, Mrs. Graham, wie wunderschön Jolie Plage war, als es noch eine liebliche unentdeckte Bucht bildete! Hinter der Küste gab es dank der natürlichen Quellen, die man sonst hier nur selten hat, üppige Wiesen mit vielen Blumen und Wasserpflanzen. Damals hatte ich noch einen kleinen Wagen und kam oft hier heraus —"

Die Prinzessin, die trotz feiner leisen Stimme gehört hatte, was er sagte, wandte sich ihm heftig

„Natürlich bedauert unser guter Luke schon mal wieder vergangene Dinge! Jolie Plage ist sehr hübsch so, wie es jetzt ist. Wenn ich Geld hatte, würde ich es bei der Aktiengesellschaft Jolie Plage cinlccicn!^

Zu Angelas Belustigung kaufte sich der Prinz ein Fischnetz, um seine Spielmarken darin aufzu­bewahren. Er sprach kaum mit Angela, aber sie fühlte, daß er sie mehr als einmal ansah.

Nach dem Tee begab sich die kleine Gesellschaft ins Kasino. Es war ungemütlich voll dort.

Drei von ihnen spielten — Nicholas Draganov, Luke Sussex und Angela. Die Prinzessin hatte darauf bestanden, den beiden Herren je ein Spiel- aeschenk von zweitausend Francs zu machen. Das war wenig im Vergleich zu der Summe, Die sie selbst wagen wollte. Gleich bei ihrem Eintritt in das Kasino hatte sie ihrer Gesellschafterin hundert Pfund in englischen Banknoten gegeben mit der Weisung, sie in Spielmarken umzutauschen. Das erschien Angela reichlich viel für ein Nachnlittags- vergnügen.

'Der Batcaratraum war fast ganz voll. Aber bald machte man der reizenden jungen Engländerin Blatz. Angela hatte jedoch anscheinend kein Gluck beute. Sie verlor ungefähr sechzig Pfuâ Als Die Prinzessin nach zwei Stunden das Zeichen zum Aufbruch gab, war sie zu Angelas Erstaunen nicht einmal böse wegen des Verlustes.

Der Prinz, der an einem anderen Tisch mit höheren Einsätzen gespielt hatte, gesellte sich zu Angela. „Ich habe fast nur verloren, klagte sie, „dreißig Pfund sind noch übrig geblieben.'

ewigen Eises". Dieser Film aus nordischen Zonen zeigt in schönen und wohlgelungenen Aufnahmen die großen Wunder der nordischen Natur und die klei­nen Wunder der nordischen Tierwelt. Bilder aus dem Leben der Bewohner dieser Zonen fesseln den Zu­schauer bis zum Ende. Einführende Worte spricht Herr Dr. Leser, Assistent am Dölkermuseum in Frankfurt a. M. Kartenvorverkauf in der Musi­kalienhandlung Schaaf, Marktplatz.

* von einem Auto angefahren wurde am Diens­tag früh auf der Landstraße Rückingen — Hanau der 62jährige Arbeiter Brüll aus Rückingen, der sich mit seinem Fahrrad auf dem Wege zu keiner Ar- beitsstätte in Hanau befand. Der Verunglückt« trug Verletzungen am Kopfe davon und mußte in das Landeskrankenhaus verbracht werden.

* verworfene Revision. Der Rennruderer Maiec aus Offenbach kollidierte am Pfingstsamstag v. J. beim Training auf dem Main unweit der Weitz­schen Badeanstalt mit einem hiesigen Schwimmer, der bei dem bedauerlichen Unfall ein Auge verlor. Vom hiesigen Schöffengericht wurde Maier im Sommer dieserhalb wegen fahrlässiger Körperver- letzung zu 200 RM Geldstrafe verurteilt Die Große Strafkammer als Berufungsinstanz bestätigte in ihrer Verhandlung vom 19. September das Urteil des Schöffengericht. Gegen dieses neuerlich« Urteil legte der Angeklagte Revision ein, die nunmehr durch Beschluß des Reichsgerichts vom 9. Dezember zerworfen wurde.

* Neues Fernsprechbuch. Die Oberpostdirektion in Kassel wird Ende April ein neues amtliches Fern» fprechbuch herausgeben, das in Größe und Gliede­rung der Ausgabe 1930 entspricht. Die hauptsächlich­sten Bestimmungen über die Gestaltung der Ein­tragungen sind in dem jetzt gültigen Fernsprechbuch auf Seite XIV unter H enthalten. Für die Inhaber eines Fernsprechanschlusses empfiehlt sich eine Prü­fung, ob die Eintragungen zweckmäßig abgefaßt oder ob Abkürzungen und Einschränkungen geboten sind. Firmen haben darauf zu hasten, daß ihre Ein­tragungen mit dem Firmenwortlaut übereinstim­men, und daß besonders der Name und die Ge­schäftsbezeichnung an der Stelle des Buches er» scheinen, wo sie in der Regel gesucht werden. Ferner werden die Anschlußinhaber gebeten, das Bestreben der Deutschen Reichspost auf deutsche Abfassung der Eintragungen und Vermeidung von Fremdwörtern sowie auf Einführung der Einheits-ABC-Regeln zu unterstützen. Aenderungen, die in der neuen Auf­lage berücksichtigt werden sollen, müssen bis zum 1. F e b u r a r schrifüich dem Vermittlungsamt mit­geteilt werden, an das der Teilnehmer angeschlossen ist. Eintragungen, die bis dahin nicht berichtigt sind, werden in die neue Auflage unverändert aus­genommen.

* Die Finsternisse des Jahres 1931. Im Jahre 1931 finden drei Sonnen- und zwei Mondfinster­nisse statt. Die erste ist eine totale Mondfinsternis am Abend des 2. April, die die Mitteleuropäer in ihrem ganzen Verlauf verfolgen können. Dann folgt eine partielle Sonnenfinsternis, die aber nur in den Nordpolargebieten und in Ostasien gesehen werden kann. Die Finsternis ist in der Nacht vom 17. zum 18. April. Auch die am 12. September stattfindende teilweise Sonnenverfinsterung kann 1 nur in Alaska und Nordostsibirien gesehen wer- beu. Am Meist). Les 26. September folgt bann erste totale Mondfinsternis, die bei uns — klares Wet­ter vorausgesetzt — gut beobachtet werden kann. Dagegen ist die am 11. Oktober stattfindende par­tielle Sonnenfinsternis nur in Südamerika sicht­bar. Somit bleiben uns von den fünf Finsternissen in Europa nur die beiden Mondfinsternisse, die wir allerdings sehr gut werden beobachten können, während für Europa im kommenden Job re keine einzige Bedeckung der Sonne durch den Mond sich ereignet.

• Die Sektion Hanan des Alpenverein, wird ihr diesjähriges Winterfest als „Volksfest im Par- zinn" Samstag, 10. Januar, abends 8 Uhr, in der Stadthalle feiern. Die Vorbereitungen sind ge­troffen, so daß allen Teilnehmern, Mitgliedern und Freunden der Sektion, einige genußreiche Stunden bevorstehen. Kartenvoroerkauf im Sport­baus Schwaab.

„Das ist nicht zu ändern. Sie können doch nicht immer Glück haben! Dafür habe ich für zwei ge­wonnen!" Er hielt sein Fischnetz hoch, das bis oben mit Spielmarken angefüllt war. „Würden Sie die vielleicht mit Luke zusammen umwechseln, während ich nach dem Auto sehe? Nehmen Sie irgendwelche Banknoten, die der Kassierer Ihnen anbietet."

Es war spät geworden und eine Menge Leute hatten sich angestellt, um ihre Gewinne gegen Geld einzutauschen.'

Angela sah Luke Sussex an. Trotzdem er sich als wohlerzogener Engländer benahm, machte er ein verstimmtes, ärgerliches Gesicht. Alle Welt drehte sich schließlich nach ihm um, als er wütend sagte: „Wie unpraktisch das doch alles in Frank- reich eingerichtet ist! Wir stehen hier mindestens schon zehn Minuten!"

Endlich kamen sie an die Reihe und der Kassierer beglückwünschte sie.

'Angela wollte eben erklären, daß sie diesen Gewinn nicht gemacht hätte, als ihr Begleiter ihr kurz das Wort abschnitt: „Lassen Sie das und geben Sie dem Kerl hundert Francs."

Sie tat das mit ein paar liebenswürdigen Worten und als sie fortgingen, rief ihnen der Franzose noch nach: „Bonne chance! Er hatte sie anscheinend für Hochzeitsreisende gehalten.

„Na, das haben mir ja fein gemacht, Mrs. Graham, ich bewundere Ihre Kaltblütigkeit."

„Meine Kaltblütigkeit?" Sie sah chn mit dem größten Erstaunen an.

„Ich finde es gemein von Lola, das Unange- nehme immer Ihnen oder mir zuzuschieben. Sie und Nicholas könnten sich einmal damit be- fassen —"

„O, aber ich spiele furchtbar gern!" sagte sie eifrig.

Ec sah sie beinahe mit Verachtung an. „Jetzt macht es Ihnen noch Spaß, aber mit der Zeit be- kommen Sje die Sache satt. Außerdem geht es nach und nach auf die Nerven."

„Das habe ich schon heute gemerkt, bekannte Angela offen.

„Ich hatte solche Sorge, daß die Prinzessin un­gehalten sein würde über meinen Verlust."

tFsrvetzuno folgt.)

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