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Cotton Stadt

Land

1931

8. Sa««a«

Mittwoch de«

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Anzeiger (SM

Neue Wege in der GrwerdSioseniürsorge

Aufsehenevvegeude Kode des NerchStwemrmwMeeS Dietrich - SSedevuns dev LndEvie

statt mweoduttwev Slebettslosenwesovse?

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* Auf der Landesversammlung der württember- gischen Demokraten sprach Reichsfinanzminister Dietrich über die Wirtschaftskrise, das Arbeits­losenproblein und die Reparationsfrage. Bei dieser Gelegenheit legte er seinen Plan dar, an die Stelle der A r b e it sl o s enun te r st ü tz u ng eine Lohnb elihilfe zu setzen.

V

* Die B e r m i ttlung akt i o n des Reichs­arbeitsministers Steg er mal d im Ruhrkonflikt ist gescheitert. Trotzdem ist ein Rückgang der Streikzifser festzustellen.

* Eine Reche maßgebender Wirtschaftsverbände will erneut eine Aktion wegen Senkung der Eisenbahn t a r i f e vornehmen.

Die .Athletik-Kommission des Staates Newyork hat beschlossen, denz deutschen Schwergewichtswelt­meister Max Schmeling den,Welt.melfter- titel abzuerkennen. Der Beschluß der Kommission kann Geltung nur für den Staat New­york beanspruchen.

bKntragt» beim Senat btt Verschärfung der Bestimmungen über die Ausweisung von Ausländern, insbesondere die Befugnis zur Auswerfung beim Bvrliegèn irgendwelcher strafbaren Handlung. Nach amtlicher Schätzung halten sich 400 000 Ausländer unbefugt in den Ver­einigten Staten auf, von denen jetzt nur 100 000 ausgewiesen werden konnten.

Das Befinden des Grafen Luckner, der am 15. Dezember bei einem Kraftwagenunfall in der Nähe von Waukegan (Illinois) ernstlich verletzt wurde, hat sich so weit gebessert, daß er am Diens­tag mit der Bahn die Reise nach Newyork antreten konnte. Zu der Fahrt wurde ihm der Sa­lonwagen des Präsidenten der Pennsyloania- Eisenbahngesellschaft zur Verfügung gestellt.

Der polnische Außenminister Zaleski wird am 10. d. M. im Auswärtigen Ausschuß des Sejms ein Exposé über.die internationale Lage und aus­wärtige Politik Polens halten. Minister Wieczor Warszawski erklärt, daß die polnische Re­gierung bereits dem Sekretär des Völkerbundes ihre Einwendungen zu den in den deutschen Noten enthaltenen Vorwürfen einsenden will.

Zu den europäischen Verhandlungen, die mit der Tagung des Studienausschusses für die Europa-Union am 16. Januar in Genf beginnen, werden folgende Außenminister erwartet: Briand, Dr. Curtius, Henderson, Grandi, Zaleski, Marinkowitsch, Mowinckel, der Herzog von Älba-Spanien, Hymans, Benesch, Prokope, Ramel- Schweden, Bech-Luxemburg, Belaerts van Blook­land, Munch-Dänemark und Zaunis-Litauen.

Der Streit um die Einführung des Mehrwebstuhlfystems in Lancashire hat jetzt zu einem offenen Arbeitskampf geführt der allerdings sich vorläufig noch in engen Grenzen hält. Die Webereien in Burnley, die das System bereits eingeführt hatten, haben sich geweigert, es wieder aufzuheben. Die Arbeiter haben darauf die in Frage kommenden Werke bestreikt, und es sind insgesamt heute 4000 Arbeiter in diesen Arbeits- kainpf verwickelt. -

In der Nähe von Charle st o n (West Virginia) ereignete sich in einem Kohlenbergwerk eine schwere Explosion, bei der a ch t B e r g - teufe den Tod fanden. Bisher wurden vier Leichen geborgen. Achtzig andere Bergarbeiter konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Ursache des Unglücks ist noch unbekannt.

Die Ueberführung der sterblichen Hülle des Marschalls Joffre von der Militärschule nach der Notre dames-Kirche, die in 6er vergangenen Nacht erfolgte, nahm über eine Stunde Zeit in Anspruch. Die Leiche war in einen eigenen Sarg gebettet und mit einem Fabm bedeckt. Als der Leichenzug am Grabe des Unbe­kannten Soldaten halt Machte, ertönten Ehren- falven und die Marseilaisse wurde gespielt. Die Truppen präsentierten das Gewehr, dann ging der Zug weiter zur Kirche, wo die Leiche in, eurer Nebenkapèlle aufbewahrt wurde. An der Ueber­führung nahmen der Ministerpräsident und zahl- reiche Minister teil.

*) Näheres siehe im politischen Teil.

MetviOs Mähe

ms Nesettisung des LVWèMafEMe

Berlin, 6. Ian. Auf der heutigen Drei-Könige-Tagung der württembergischen Demo­kraten in Stuttgart hielt Reichsfinanz mini sterDr. Dietrich eine Rede, in der er u. a. die Pläne und Absichten der Reichsregierung zum Arbeitslosenproblem erörterte.

Reichsfinanzminister Dr. Dietrich führte u. a. aus: Die größte Sorge ist die Wirtschafts­krise und die damit verbundene Arbeits­losigkeit, die zurzeit noch verschärft wird durch die Auseinandersetzungen im Kohlenrevier, die die Regierung aber zu bewältigen hofft. Auf 2,2 Mil­liarden Mark sind die Ausgaben für die Arbeits­losen ohne die Wohlfahrtsunterstützungen geschätzt. 1,7 Milliarden sind die Tributlasten, über 2 Milliar­den Mark sind die inneren Kriegslasten Deutsch­lands.. Es ist klar, daß

solche unproduktiven Ausgaben von mehr als

6 Milliarden Mark jährlich eine fürchterliche, vielleicht untragbare Last sind.

Die Lage unseres Volkes ist besonders schwer durch sie &M» daß mir zwischen dem Bolschewismus uitb .femi ^^ o- eingekeilt sind. Wir sind auch tatsächlich in unserem wirtschaftlichen Gebühren von dem Westen insofern grundverschieden, als bei uns ein Drittel des Volks­einkommens durch die öffentliche Hand läuft. Die Frage ist nun:Können wir unser heutiges W i r t s ch a f t s s y st e m in dieser Form erhalten?"

Ich bejahe diese Frage, lehne den Sozialis­mus grundsätzlich ab, bin aber der Meinung, daß die Aufrechterhaltung des privatwirlschaft- lichen Systems nur möglich ist, wenn die Män­gel, an denen es leidet, ausgemerzt werden können.

Die Hauptmängel der Gegenwart sehe ich in Dier Punkten: In der Verdrängung des, selb­ständigen Unternehmers, auf dessen Er­findergeist und wirtschaftlichen Wagemut allein unser wirtschaftliches System sich aufbauen kann. Sodann in der Zu ammenballung gan = zer W irtscha ftsgrup pen auf einen oder einige Konzerne, die in ihrer bürokratischen Organi­sation und in ihrer Abhängigkeit von den Banken auf die Dauer eine Gefahr bedeuten. Die dritte SchwierigkeU liegt darin, daß die Arbeitslosen­versicherung das Band der Verantwor- tung zwischen Arbeitgeber und Ar­beitnehmer in einem bedeutenden Ausmaß ge­lockert hat. Ein erheblicher Teil der Arbeitslosigkeit dieses Winters beruht darin, daß Geschäfte, die in früheren Jahren ihren Angestellten und Arbeitern durch geeignete Maßnahmen durch den Winter hin­durchgeholfen haben, bei dem heutigen Stand der Dinge, wo sie hohe Beiträge zahlen müssen, ihre Betriebe einschränken, und dadurch Arbeiter und Angestellte brotlos machen. Endlich hat die Ar­beitslosenversicherung das Familienverant- wortungsgefühl in einem gefährlichen Um­fang verringert. Ein System, das nicht imstande ist, mit der gegenwärtig ungeheuerlichen Arbeits- lofigeit aufzuräumen, und das genötigt wäre, sich mit dieser Tatsache als einer Dauereinrich- tu na abzufinden, wäre dem Untergang verfallen, tisch _

genau so, wie die Wirtschaftssysteme früherer Zei-I ebenso sehr mit Ruhe wie mit Energie zu führen.

DaS (Mo dev Rede

DiâiOs tSvötzteS Aufsehen - Die Ludustvie evbebt Bedenke»

Der Plan des Reichsfinanzministèrs Dr. Diet­rich, an die Stelle der Arbeitslosenuntekstützung eine Lohnhilfe zu setzen, wird in der Oeffentlichkett ein lebhates Echo hervorrufen. Begreiflich, denn in allen Schichten des deutschen Volkes ist man sich wohl darüber dinig, daß die furchtbare Arbeits­losigkeit nicht länger hingenonnnen werden darf als etwas Unabänderliches^ sondern daß . ernstlich ver­sucht werden muß, Arbeit zu beschaffen Dies um­somehr, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, daß die Gesundung der Reichsfinanzen für die Katz war. Aus der Rede Dietrichs erfährt man erfreu- licheVweise, daß die Reichsregierung sich nicht dabei

ten in dem Augenbick, in dem sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen konnten, untergingen. Man darf sich deswegen keinem Zweifel hingeben, daß das Lebensproblem ist, nicht durch Ver­sicherung die Arbeitslosen zu unterstützen, sondern sie zu beschäftigen.

Dabei ist zu unterscheiden, was ist gegenwärtig nötig, und was ist auf lange Sicht zu tun? Für den Augenllick ist zu prüfen, ob es einen Weg gibt die Wirtschaft anzukurbeln-, wobei man die Hoffnungen nicht zu hoch schrauben darf. Der Widersinn, daß wir für 4 Millionen Arbeits­lose über 2 Milliarden Mark ausgeben mit dem, was die Gemeinden zahlen, sind es vielleicht nahezu 3 Milliarden ohne einen Gegenwert zu be­kommen, ist so ungeheuerlich, daß trotz aller grollen neuer Wege gewagt werden muß.

Wenn wir zur Zeit in einem Monat eine Viertelmilliarde brauchen für die Arbeitslosen, so konnte es vielleicht nicht allzu vermessen sein, wenn man versuchte, mit dem Betrag dieser Summe entweder an einem Punkt anzu- setzen, indem man die entscheidenden Roh- fioffproduktionen antreibt, oder aber, indem man eine verarbeitende Industrie, die beson­ders viel lebenswichtige Rohprodukte ver­braucht, in Bewegung bringt

Ich sehe darin keine Subvention, wenn man, nachdem man dis Frage entschieden hat, wo man anpacken will, in diesen Berufen das, was die Arbeitslosen kosten, zur Verbilligung und Vermeh­rung der Produktion verwendet, wobei man

für jeden eingestellten Arbeitslosen oder Ar­beiter eine entsprechende Summe zuzahlt.

Ich weiß, daß über diese Dinge der größte Sturm losgehen wird, aber wo vier Millionen Menschen in Gefahr sind, in die Verzweiflung getrieben zu werden, sind Bedenken nichts und posi­tive Maßnahmen alles. Wir brauchen die Dinge nicht für die Ewigkeit zu machen, wir können sie einmal für ein Vierteljahr oder ein halbes Jahr probieren.

Dor den Wunderdoktoren, erklärte Fi­nanzminister Dr. Dietrich weiter, die dem Volk einreden, es gäbe neue Wege zur Beseitigung der Not, muß auf das entschiedenste gewarnt werden.

Mit Geldtheorien und Reden von dec Zins- knechtschaft ist weniger als nichts anzu fangen.

Diejenigen, die heute an der Spitze des Reiches stehen, glauben an die Lebenskraft und Zukunft des deutschen Volkes. Wir haben nicht die Absicht, das Steuer aus der Hand zu geben. Wir sind ent­schlossen, uns durch das ungeheure Durcheinander im deutschen Volke und sein manchmal geradezu

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^stündliches Gebaren den Blick für das prak- Mögliche nicht trüben zu lassen und den Kampf

begnügen will, die Gesundung der Reichsfinanzen auf dem Papier durchg «führt zu haben, sondern daß sie entschlossen zu fein scheint, dem Kernproblem, der Versicherung gegen Arbettslosigkett, endlich ernsthaft zu Leibe zu gehen. Mit Recht hat es der Reichsfinanzminister als einen Widersinn bezeich­net, wenn das Reich und die Gemeinden für Mil­lionen von Arbeitslosen insgesamt über drei Mil- liarden Mark ausgeben, während sie dafür nicht den geringsten Gegenwert erhalten und die volks­zerstörenden Wirkungen einer erzwungenen Be- schästigungÄosigkeit noch mit in Kauf nehmen müssen. Es ist doch schon etwas, daß von der Re-

gierung endlich die Frag« aufgeworfen wird, ob man die Milliarden, die die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit verschlingt nicht nutzbringender an- legen könne, als es bisher geschieht.

Es wäre verkehrt, schon heute den Plan Diet­richs anzunehmen ober abzulehnen, denn er be­findet sich noch im Anfangsstadium und bedarf noch reiflicher Ueberlegung, bzw. der Lösung einer ganzen Anzahl von Zweifelsfagen. Fachleute und Sachverständige werden sich auch in den nächsten Tagen und Wochen schon sehr eingehend mit dem angeschnittenen Thema beschäftigen. Dabei wird sich sehr viel Material ergeben, das man bei der späteren offiziellen Behandlung des Dietrichschen Planes wird verwerten können.

Bm «Nissel der Ssviinev Messe

Berlin, 7. Jan. Ein Teil der Blätter beschäftigt sich bereits in Leitartikeln bzw. in Kommentaren mit dem von dem Minister vorgeschlagenen Plan einer Lohnbeihilfe zur Bekämpfung der Arbeits- letzten Wochen. Der Wille zu neuen Wegen in der Arbeitslosenfrags sei hoch erfreulich. Schon letzt müsse freilich vor unüberlegten Schritten gewarnt werden. Das Urteil über die Maßnahmen der Re­gierung werde sich danach richten, ob sie nur kleine vorläufige Mittelchen seien oder ob man den gro­ßen Wurf einer planmäßigen neuen nationalen Wirtschaftspolitik endlich wag«. DerVor­wärts" spricht von einemphantastischen Pro­jekt" undWirtschastsankurbelung auf Kosten der Arbeitslosen" und fragt, was während der An- kurbelung aus den Arbeitslosen werden solle, die keine Unterstützung erhielten. _ DerLoka l - anzeig er" sicht trotz der Erklärung des Mi­nisters, er wolle keine Subventionen, in seinem Vorschläge eine Subventionspolitik, gegen die ün- heheuere Bedenken vorlägen. Das Blatt bezeichnet die ganze Frage als noch nicht spruchreif. Das Tageblatt" nimmt an, daß der Finanz- minister feine Gedankengäng« nicht norgetragen habe, ohne daß sie von den anderen Kabinettemtit- gliedern wenigstens in ihren Grundzügen gebilligt seien. Zweifellos würden die Vorschläge Aufsehen Hervorrufen. Am ausführlichsten beschäftigt sich derD ö r s e n - C o u r i er* Mit dem Lahnb ei- hilfeplan. Das Blatt bringt unter her Ueberschrift Verfehlt!" einen ArtikelVon maßgebender indu- strieller Seite", in dem die ernstesten Bedenken gegen den Plan erhoben werden. Der Artikel be­zeichnet als den springenden Punkt die Sicherung dafür, daß nicht nur vorübergehend für eine kurze Zeit Arbeitslose beschäftiat mürben, sondern daß sie dauernd wieder die Möglichkeit hätten, zu ar­beiten. Wenn das nicht der Fall sei, so sei die Folge ein Zusammenbruch der noch gesunden Be­triebe, denen weitere Mittel entzogen würden. Der Vorschlag fäme auf nichts anderes heraus als auf eine weitgehende Subventionierung der pri­vaten Petviebe mit öffentlichen Mitteln. Durch die Subventionen werde der Selbsthilftgedan 'e ge­radezu eingeschläfert. Es sei dann kein Wunder, wenn ein derartiger B-trieb schließlich in die äffens« liche Hand übergehe. Zum Schluß fragt das Blatt, wo man bie Mittel für den Plan hernehmen wolle.

Lndtâie gegen bett Man

Berlin, 7. Jan. Der Reichsverband der deutschen Industrie, der maßgebenden in- dustriellen Spitzenorganisation, lehnt die Gedanken- gänge des Reichsfinanzmimsters direkt ab, da alle Bedenken die noch unlängst der Reichsverband der deutschen Industrie in einer Denkschrift gegen die Subventionspolitik erhoben habe, auf den Plan Dr. Dietrichs zuträfen. Es müsse zum mindesten Sicherheit dafür geschaffen werden, daß nicht nur für eine kurze vorübergehende Zeit Ar- beitslose beschäftigt würden, sondern daß eine dauernde Arbeitsmöglichkeit für die aus dem Pro­dukttonsgang ausgelchalteten Arbeiter geschaffen werde. Wenn es sich dagegen nur um vorüber­gehende Maßnahmen handeln sollte, die lediglich unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsbe­schaffung ergriffen werden, so würde die Folge auch ein Zusammenbruch der noch gesunden Betriebe sein. Der Dieterische Plan läuft, so wird

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