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Fr. 1

Samstag, ben 3. Januar 1931

Sette I

Stadt Hanau

Die svaue Kvont

Mein Friseur teilt die Menschen in Leute ein, Ne sich selbst rasieren und in andere, die über so viel Wagemut noch nicht verfügen. Er macht kein Hehl daraus daß er auf Seiten der letzteren steht, aber erzürnt ist er über einen früheren Gehil­fen, der sich selbständig gemacht hat, ohne sich zu etablieren. Dieser Jüngling ist ohne Arbeit, aber nicht ohne Beschäftigung; im Gegenteil, er bringt die älteren Selbstrasierer in Versuchung, sich doch wieder in fremde Hände zu begeben, denn behut­sam steigt er die Treppen hinauf und hinunter und schlägt dort so liebenswürdig den Schaum ums Kinn, daß sie vom Selbstrasieren abstehen, weil-sie hier auf die billigste Art die neuesten Nachrichten erfahren, .,6s ist unerhört," pflichten nur alle bei, warum wird der Sache kein Ende bereitet." Man weiß nichts Genaues," sagt der Friseur, das Publikum hat einen kleinen Vorteil davon und die Gesamtheit einen großen Nachteil."

Das ist die schwarze Front. Die Arbeitslosigkeit zwingt den Menschen, seinen Beruf zu verlassen; sie reiht ihn dem grauen Heer ein, das täglich aus Posten steht, gleichgültig wird und sich dem Leben immer mehr entfremdet. In den Kasernen der Arbeitsämter werden sie zum Appell zusammen­gerufen. Dann ziehen sie wieder an ihre einsame Stelle, wo man sie achtlos stehen läßt. Der eine vertreibt sich die Zeit durch Pfeifenrauchen, der andere greift nach der Karte, der dritte hat im Hause etwas zu tun, und dieser und jener macht aus derNot eine Tugend", zieht den Arbeits­losenrock aus und geht über die Hintertreppe der Beschäftigung" nach. Schlimm, daß es Schleich­wege gibt, die von der Allgemeinheit bezahlt wer­den; an sich ist jedem, der Tätigkeitsdrang in sich spürt. Arbeit zu gönnen. Die Leute suchen nach billigen Preisen und vergeben ihre Arbeit an den, der es am billigsten macht, heimlich und ohne lange hinzusehetr. Aber ein Wehe über die schwarze Front.

Dies« Art Leute hat es auch an der Kriegsfront gegeben; sie konnten nicht stillsitzen und waren ewig geschäftig und aufs Verdienen; sie suchten ihre Vorteile, wo sie sie fanden, verhandelten ihre Ausrüstungsgegenstände an die Zivilbevölkerung und machten sich kein Gewissen daraus, daß sie damit Verräter der großen Sache wurden.

Die graue Front wird von dieser Unmoral sicherlich nicht diskreditiert. Dazu sind viel zu viel ehrstche unter ihnen; aber sie müssen es mit an­hören, wie man diele Fälle zusammenträgt, auf- bauscht und ausschlachiet. Der Berufstätige wehrt sich dagegen wie der Arbeitslose, aber Hilfe tritt erst ein, wenn alle fest entschlossen sind, diese Schwarzarbeit zu itttferërtibé^ damit einer geiund-n Aufastung wieder den Weg zu ebnen. ^Die graue Front trägt so schon schwer genug an der inneren Qual eines drückenden Bewußtseins; man muß sie entlasten von Elementen, die eine durch die Zeit notwendige Einrichtung mit Füßen treten und entehren. Wir rufen unseren Lesern zu:Augen auf, Gewissen eng, Herz Ur gegen , die Marodeure, die, im Dunkeln und über Hinter- treppen schleichen: es steht die Ehre biederer Ehren­männer auf dem Spiele, wenn dem ruchlosen Trei­ben nicht Einhalt geschieht!"

Einreichung des Lohnfieuev- Velese

Der Reichsfinanzminister gibt über die Ein­reichung der Lohnsteuerbelege, die nach der Verordnung vom 10. Dezember 1930 bis zum 20. Januar 1931 zu erfolgen hat, folgendes bekannt:

1. Arbeitgeber, hie im Kalenderjahr 1930 è>e Lohnsteuer ihrer Arbeitnehmer in bar oder durch Ueberweisung abgeführt haben, müssen für jeden am 31. Dezember 1930 in ihrem Dienst gestände-

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Don Belloc Lowndes

Copyright by Ernst Oldenburg. Verlag. Leipzig C L

22 Fortiekung. (Nachdruck verboten.

Einige von den Spielmarken waren rund, andere quadratisch oder auch rechteckig. So viel konnte Angela bei dem Schein der hohen elek­trischen Bogenlampen, die zu beiden Seiten der Straße standen, erkennen.

Machen Sie Ihren Beutel auf", sagte die Prinzessin ungeduldig. Angela gehorchte mit nervöser Unruhe und erhielt den Beutel zur Hälfte Mit dem angefüllt, was die Prinzessin eben mit Spielgeld" bezeichnet hatte.

S ar Mötzlich fragte sie mit dem scharfen Ton, der Angela an die Szene vom Morgen erinnerte: »Haben Sie meinen Vetter heute " gesehen? Ich I meine, nachdem wir nachmittags aus Monte Carlo zurückkamen?"

Ich habe ihn erst heute abend gesehen."

Jch^ frage das, weil Sie gar nicht erstaunt waren über fein verändertes Aussehen."

Da Angela keine Antwort gab, fuhr sie fort: «Die Männer find oft so drollig! Kaum waren wir m Nizza angelangt, als mein Vetter meinte, es wäre ihm langweilig, immer gleich auszusehen. Eine kleine Veränderung könne nichts schaden. Also!"

Angela verhielt sich schweigend. Was hätte sie auch sagen sollen!

Mögen Sie ihn so besser leiden?"

»Er sieht mehr wie ein Ausländer aüs," war Angelas ehrliche, aber diplomatische Antwort.

Das ist er ja auch," meinte die Prinzessin kalt.

hat sich dem englischen Geschmack erst seit kur­zem angepaßt. Vermutlich treffen wir heute abend kjn paar alte Freunde. Da wollte er seinen früheren »ti! wieder annehmen."

Das Auto hielt jetzt vor dem Kasino. Gleich oarauf gingen sie alle vier durch die Halle des großen weißen Gebäudes. Angela zeigte ihren Paß vor und erhielt eine Eintrittskarte für die Dauer rines Monats. Dann begab man sich in das Restaurant.

AusverSaußt

Ueberall schreit es uns entgegen das Zauber- wortInventurausverkauf", vom großen Waren­haus bis herunter zum kleinsten Lädchen kündigen die Plakate di« herabgesetzten Preis« an. Wie die Weihnachtslichler dahinschmolzen und ganz klein und bescheiden werden, so auch die Preise, so sagen wenigstens die Geschäftsleute und mir die Käu­fer haben es zu glauben.

Männer sind von Natur Skeptiker und da außerdem unsere Brieftasche erhebliche Lücken von Weihnachten und Silvester her zeigt, ziehen mir es vor, die Ausverkaufsschlacht an uns herankommen zu lassen.

Anders di« Frauen. Die müssen zum Aus- verkauf. Sie geraten in diesen Tagen geradezu in einen Wirbel von Kauflust und eine nach der an­deren wird angesteckt, das geht wie eiâ Grippen­wells über Hanau hin. Niemand bleibt verschont. Kaum haben die Kaufleute ihren Inventurausver­kauf starten lasten, geht es los.

Mangeht auf Ausverkauf". Viel Geld hat man zwar nicht, und man will eigentlich nicht alles aus­geben, aber die Sachen sind ungeheuer preiswert. Man hac schon seinen Wunschzettel vorher fertig­gemacht. Andererseits will man sich überraschen lassen. Sanftmütige Frauen wüten, wühlen und wüsten drauflos, sie wüten von einem Geschäft ins andere; sie wühlen unter dem lächelnden Blick der Verkäuferinnen das Unterste zu oberst. (Papa soll doch für 65 Pfg. noch einen neuen Schlips haben, sein Weihnachten war sowieso etwas schmal ge­raten;) sie wüsten auf ihr Wirtschaftsgeld los, als gäbe es hier Gelegenheiten, die ihnen nie wieder so geboten werden. Es blitzt auch in manchem Frauen­auge ein heimlicher Funke, als befände man sich

nen Arbeitnehmer dem Finanzamt die Steuerkarte für 1930 mit einer Bescheinigung nach Maßgabe des Vordrucks auf der Rückseite der Steuerkarte übersenden. Die Uebersendung hat bis zum 20. Januar 1931 an das Finanzamt zu erfolgen, in dessen Bezirk die Steuerkarte für 1931 ausgeschrie­ben worden ist. Die Steuerkarten dürfen also die­sen Arbeitnehmern am Jahresschluß nicht aus­gehändigt werden.

2. Für die übrigen im Jahre 1930 beschäftigt gewesenen, aber vor dem 31. Dezember 1930 aus- geschiedenen Arbeitnehmer müssen die Arbeitgeber bis zum gleichen Zeitpunkt den Finanzämtern, in deren Bezirk die Steuerkarte für 1930 ausgeschrie­ben worden ist, Lohnsteuer-Ueberweisungsblätter übersenden. Vordrucke werden von den Finanz­ämtern in zweifacher Ausfertigung unentgeltlich ausgegeben. Die zweite Ausfertigung ist dem Ar­beitnehmer auf dessen Verlangen auszuhändigen.

Zu 1 und 2 ist bei Arbeitnehmern Personen des öffentlichen Dienstes, deren Bruttoarbeits­lohn den Betrag von 9200 RM überstiegen hat, unter den Angaben über die einbehaltene Steuer der als Reichshilfe einbehaltene Betrag unter Hinzu­setzung des WortesReichshilfe" handschriftlich ein­zutragen.

Bei Arb ettuehmern, di« dem Ledigen Zuschlag unterlegen haben, ist in der linken unteren Ecke der Lohnsteuerbescheinigung auf der Rückseite der Steuerkarte für 1930, auf dem Lohnsteuerüber­weisungsblatt dagegen hinter den WortenDie ein» behaltene Steuer" in der quadratisch umrahmten Stelle der BuchstabeL" einzusetzen.

3. Arbeitnehmer, für die im Kalenderjahr 1930 Steuermarken verwendet worden sind, sind ver- vflichtet, die in ihrem Besitz befindlichen Steuer- karten für 1930 mit den mit Steuermarken bekleb­ten Einlagebogen bis zum 20. Januar 1931 bei dem Finanzamt abzuliefern, in dessen Bezirk sie am 10. Oktober 1930 gewohnt haben. Die Einlage­bogen müssen dem Vordruck entsprechend qnsgefüllt und aufgerechnet sein. Die Nummer der Steuer­karte für 1931 und die Behörde, die diese aus­gestellt hat, sind bei der Ablieferung anzugeben.

Sie wurden mit besonderer Hochachtung be­grüßt und der Manager sührte sie persönlich an den mit Blumen geschmückten Tisch, der für Prinzessin Lola Draganov reserviert worden war. Er war am Rande der freien Tanzfläche gelegen.

Man blieb noch einen Augenblick stehen und Prinz Nicholas machte Angela, der die Sache jetzt anfing zu gefallen, auf verschiedene Berühmtheiten ausmerksam.

Ah, da ist ja auch Madame Alido," sagte er auf englisch zu seiner Kusine, worauf sie sofort antwortete:Da wirst du dich wohl verstecken müssen, mein Lieber, wenn du in Ruhe essen willst."

Dann geschah etwas, das Angela ganz heiß vor Angst werden ließ.

Mein Gott, was sagst du dazu, Joan! Dort ist Luke Sussex. Der muß wirklich Nerven haben!" Angela sah in das haßerfüllte Gesicht eines älteren Herrn, der diese Worte ausgerufen hatte.

Luke Sussex, der neben ihr stand, zuckte nervös zusammen. Sie fühlte Mitleid mit ihm und stellte erleichtert fest, daß die anderen diese grausame Bemerkung nicht gehört hatten.

Sie nahmen Platz, Angela neben dem Eng­länder, die Prinzessin an der Seite ihres Vetters.

Haben Sie in den letzten paar Tagen Glück gehabt?", fragte die Prinzessin und klopfte Luke Sussex auf den Arm.

Er fuhr zusammen, als ob er aus einem Traum erwache.O ja," sagte er hastig.So lala. Es geht auf und ab bei mèineip System, aber im großen und ganzen funktioniert es gut."

In ein oder zwei Tagen wollen wir mit Mrs. Graham nach Monte Carlo gehen. Vielleicht näch­sten Sonntag. Dann sollte sie eigentlich ihr? fabel­haftes System versuchen, lieber Freund

Ob das wohl ungefährlich wäre," murmelte er halb zu sich selbst.

Während des Essens wurde dem Prinzen eine Mitteilung überreicht. Seine Stirn runzelte sich leicht. Aber er stand unverzüglich auf und ging um die Tanzfläche herum auf die andere Seite des Restaurants. Es war schon ziemlicher Betrieb und gleich darauf tanzte er ebenfalls mit einer großen, dunkelhaarigen Dame, die einen au^erwählten Schmuck trug.

Das Paar tanzte vorzüglich, weit bester als die meisten Anwesenden.

Äusvevrauk!

hier auf verbotenem Wege, um Strandgut an sich zu bringen, denn tatsächlich gibt es Sachen von er­staunlicher Billigkeit, die alle bisherigen Begriffe verwirren und ein Rechenfieber verursachen, das erst bei völliger Ebbe der Kasse zur Ruhe kommt.

Jeden Tag kommen neue Entdeckungen heraus. Man sagt sich, die. guten Quellen, wenn man sie selbst gehörig geplündert hat. Die Geschäfte merken das an dem raubvogelartigen Zustoßen der Kund­schaft. DieSchlager" sind weg wie warme Sem­meln. Sie reißen das Publikum in jene Kauflust hinein, die dem Handel die blühende Farbe größter Geschäftigkeit auf di« Gesichtszüge malt.

Beim Ausverkauf strahlen alle. Jeder scheint auf seine Kosten zu kommen; es ist eigentlich bhs Weih­nachten der Hausfrau, wo sie sich nach Herzenslust beschert und sich müde kauft. Die Wochen des Aus­verkaufs sind anregeyder als eine Badereise. So viel Bewegung macht man sich im Bade selten. Man muß allerdings sagen, eine Dampfbadereise, denn prustend und keuchend kommen sie mit ihrem Paket beladen angeschleppt. Sie wollen bewundert sein. Wehe, wenn du deine Anerkennung versagst! Dann machen sie wenig FederleseK mit dir. Du wirst mitgeschleppt ob du willst oder nicht und mußt dich von der Billigkeit und Güte an Ort und Stelle überzeugen. Da wir Männer aber nicht leicht zu überzeugen sind, dauert die Prozedur einige Stun­den und am Schluß mußt du doch deine 10 Pakete nach Hause schleppen, bloß um den Einkaufstag hinter dich zu kriegen. Besser ist es schon der Frau vo vornherein nachzugeben und sie allein auf Ein­kauf zu schicken. Geld sparst du zwar nicht, aber Zeit, viel Zeit . . .

H

4. Arbeitnehmer, die am 31. Dezember 1930 in keinem Dienstverhältnis gestanden haben und im Besitze ihrer Steuerkarte 1930 sind, haben diele unter genauer Angabe der Wohnung bis zum 20. .Januar 1931 dem Finanzamt einzusenden.

Daten für 3. und 4. Januar. 106 v. Chr.: Mar­cus Tillius Cicero in Arpinum geb. 1829: Der Phi­lologe Konrad Duden auf Gut Boffigt b. Wefel geb. 1912: Der Historiker und Dichter Felix Dahn in Bres­lau gest. 4. Januar. 1785: Der Sprachforscher Jakob Grimm in Hanau geb. 1849: Franz Xaver Gabelsberger, Begründer der deutschen Steno­graphie in München gest. 1880: Der Maler Anselm Feuerbach in Venedig gest. 1913: General Alfred von Schlieffen in Berlin gest.

Winlersporlzüge. Morgen Sonntag verkehren die Wintersportzüge Frankfurt Hanau Lauter­bach und zurück Abfahrt Hanau 7.50, Ankunft Lau­terbach 10,54, Abfahrt Lauterbach 17,17, Ankunft Hanau 20.14. Uhr.

* Preuß. Klaffenlotterie. Nochmals sei darauf hingewiesen, daß übermorgen Montag der letzte Erneuerungstag für die 4 Klasse ist.

* Taubstummen-Goltesdiensl. Am Sonntag, 4. Januar, findet um 3 Uhr nachm., im Evange­lischen Vereinshaus ein Taubstummen-Gottesdienst mit nachfolgender Weihnachtsfeier statt.

* Wer kann Auskunft geben? In der Nacht zum 2. Januar wurde in der Römerstraße von einem Kraftwagen die Scheibe zertrümmert und aus dem Wageninnern ein Herrenmantel gestohlen. Die Tä­ter wurden kurze Zeit darauf am Brunnen des Marktplatzes gesehen, als sie sich die blutenden Hände wuschen und sich darauf nach der Französi­schen Allee zu entfernten. Einige Passanten haben die Geschädigten auf die Täter aufmerksam gemacht. Diese Zeugen werden gebeten, sich umgehend bei der Kriminalpolizei, Zimmer 248b, zu melden. Die Angaben werden auf Wunsch vertraulich behandelt.

* Evgl. Kasino Hanau. An Stelle des Winter­festes findet in Anbetracht der Notzeit morgen abend %8 Uhr im eogl. Vereinshause eine

Hoffentlich läßt Madame Alido Nicholas Zeit, sein Essen in Ruhe zu beenden", sagte die Prin­zessin verstimmt.Sie ist eine sehr verwöhnte Dame! Aber sie kann es sich leisten, denn sie ist unheimlich reich."

Sind die Brillanten all« echt?" fragte Luke Sussex obenhin.

Er spielte mit seinem Essen herum und obgleich er dann und wann einen spöttischen Blick auf die tanzenden Paare warf, schaute er doch meistens auf seinen Teller.

Echt, mein Lieber?" Die Prinzessin lachte hart und kurz auf. Dann sprach sie in Französisch weiter, das Angela besser verstand als sprechen konnte:Fragen Sie doch Nicholas selbst, ob er mit der Frau tanzen würde, wenn ihr Schmuck unecht wäre!"

Sie wissen positiv, daß er echt ist, einschließlich jener Perlen," bestand Luke Sussex.

Ich bin meiner Sache ganz sicher," sagte Prin­zessin Lola auf englisch.Auch die großen Sma­ragdohrringe sind echt. Sie sind wertvoller als die Perlen uns gär nicht abzuschätzen.

Luke Sussex legte Messer und Gabel hin und starrte auf die Menge der Tanzenden. Es war jetzt so voll, daß man die einzelnen Paare nur schwer unterscheiden konnte. Endlich tanzte Prinz Dragonov mit seiner juwelengeschmückten Partnerin dicht am Tisch vorbei.

Sie \ hat zwei große Diamanten und keine Smaragden in ihren Ohren heute abend." sagte Luke Sussex.

Täuschen Sie sich nicht?" fragte die Prin­zessin rasch.

Nein, es stimmt." .

Als das Paar wieder dicht bei ihnen vorbei­tanzte, lächelte die Same ihnen schmachtend zu.

Ist sie Spanierin?" fragte Angela.

Die Prinzessin verneinte.Madame Alido ist die Gattin eines brasilianischen Diamantenkönigs. Aber was ja häufig bei Fürstlichkeiten der Fall ist König und Königin verstehen sich nicht. Deshalb ist sie hier und er drüben."

Nachdem N'cholas Dragonov seine Same wieder an ihren Tilch begleitet hatte, wo sie mit einer größeren Gesellschaft dinierte, ließ er sich mit einem Seufzer der Erleichterung auf seinen Stuhl fallen.

Familienunterhaltung statt, der ein gutes Pro­gramm zu Grund« liegt. Musik, Vorträge und Ge­sang werden miteinander abwechseln. Im Mittel­punkt des Abends steht die Ansprache des Vorsitzen­den. Zu dieser Feier können Gäste eingeführt werden.

* Festabend des Gesangvereins der Marienkirche. Der Gesangverein der Marienkirche hatte aus An­laß seines 60jährigen Bestehens auf 1. Januar im Riesen" einen Familienabend veranstaltet, der überaus gut besucht war. Die uneingeschränkte An­erkennung, die dem Chore anläßlich des Jubiläums- konzertes am 1. Weihnachtsfeiertage durch die Kon­zertbesucher und durch die fresse gezollt worden war, kam auch am Festabend erneut zum Ausdruck. In echt familiärer Weise ohne eine gedruckte Vortragsfolge wurde mit einer Fülle von gesang­lichen, musikalischen, vortraglichen, turnerischen und humoristischen Darbietungen aufgewartet. Alle Mit­wirkenden hatten sich bereitwilligin uneigennützi­ger Weise in den Dienst der Feier gestellt, ein Be­weis, daß der Gesangverein der Marienkirche ein gutes Ansehen unter den hiesigen Vereinen genießt. Man lauschte den wohlklingenden Musikweisen eines freundschaftlichen Trios, man hörte gespannt die herrlichen Weihnachtslieder eines Chororchesters und des Gesamtchors, man vernahm ernste Weih­nachtsmelodramen und Hoffnung kündende Neu­jahrs, und Festprologe, man erfreute sich an den schmeichelnden Vorträgen und flotten Märschen der Rothenbucher Wanderkapelle, man war entzückt von den so fein aufgeführten rhythmischen und Volks­tänzen einer Gruppe der rhythmischen Abteilung der Turngemeinde 1837, man verfolgte gespannt das gut dargestellte WeihnachtsstückUnter dem Tannenbaum" und lachte herzlich über die heiteren Rezitationen unseres einheimischen Rezitators. Im Mittelpunkt des Festabends stand die tiefschürfende Ansprache des langjährigen Vorsitzenden, die aus­gehend von dem Segen des Weihnachtsfestes und den Hoffnungen des Neujahrstages 1931 einen Rückblick über die Arbeit des Kirchenchors in den verflossenen 60 Jahre brachte. Anschließend nahm der Vorsitzende die Glückwünsche der anwesenden Kirchen- und Vereinsvertreter entgegen, gab die schriftlich eingegangenen Glückwünsche bekannt und ehrte 26 Chormitglieder für eine 45», 25«, 15» und 10jährige treue und vorbildliche Mitgliedschaft durch Ueberreichung des schlichten Sängerabzeichens, der goldenen. bzw. silbernen Nadel. Der lebhafte Beifall nach jeder Darbietung dürfte Zeugnis da­von fein, daß der Abend allen Besuchern gefallen hat.

* Weihnachks-Feier des Arlillerlevereins, Hanau. Einer seit Jahren mit stets schönem Erfolg ge­übten Gepflogenheit folgend, hatte der hiesige Artillerieverein unter der bewährten Leitung seines 1. Vorsitzenden Herrn Georg Franz am Sonn- tag, 28. Dezember, im Saale des HotelsZum Riesen" seine Mitglieder nebst Angehörigen zur Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung eingeladen. Unter den Klängen der Kapelle Löffler zog die rechte Weihnachtsstimmung ein, die Kinder gaben mit hübschen Gedicht-Vorträgen von Herzen kom­mende Kostproben all des Dankes, den sie durch die mit Spannung erwartete Weihnachtsbescherung mit dem Artillerieverein auch in diesem Jahr wie­der verbindet. Besonders wohl gelungen war auch der Reigentanz, aufgeführt von 4 kleinen Mädels. Helle Freude 30g ein als Knecht Rupprecht . (Kamerad Engelbrecht) feinen Einzug hielt und jedepr der jüngsten Artilleristen ein nettes Geschenk überreichen konnte. Für den nötigen Humor sorgte Herr Humorist F r. Noll. Die Jugendgruppe des Evangelischen Arbeitervereins hatte sich ebenfalls in den Dienst der guten Sache gestellt, 5 Damen dieser Jugendgruppe boten Bestes mit einem humoristischen Quartett, weitere Mitglieder mimten der sehr beifallsfreudigen Zuhörerschaft ein Theaterstück:Der geprellte Onkel" vor und be­wiesen damit, daß sie für gute Unterhaltung das richtige Zeug mitbringen. Zu erwähnen bliebe noch der Prolog von Fräulein Louy. Nach einer gut arrangierten Verlosung wurde dem Tanze das Feld geräumt.

* Don den Apotheken hat Sonntags- bzw. Nachtdienst von heute abend 7 Uhr bis nächsten Samstag abend 7 Uhr die Hofapotheke.

Das ist spaßhaft, daß sich Madame Alido auf mich besonnen hat nach zwei Jahren," sagte er auf englisch.

Wenn du dich nicht so zurecht gemacht hättest, wie du damals aussahst, würde sie dich kaum er» kannt. haben." antwortet« seine Kusine leise.

Sie ist so aufgeregt, die Aermst«! Ich wußte gar nicht, daß sie ihre smaragden verloren hat," sagte der Prinz hastig.

Das ist mir ebenfalls neu, Nicholas."

Sie erzählte mir, daß jeder Juwelier auf dec ganzen Welt die Steine kennt," meinte er kurz unb leise.

Das tut mir sehr leid für sie," sagte die Prin­zessin.

Während der Kaffee serviert wurde, der Prinz fertig. Auf der Autofahrt durch Frankreich hatte Angela bemerkt, daß er sehr wenig Alkohol zu sich nahm. Heute er kaum, trank <6er um so reichlicher.

Endlich war man so weit, um in die Spirlsâle zu gehen. Das Restaurant war fast leer geworden, nur die Tanzfläche war noch voll besetzt. Der Prinz wartete auf die Rechnung. Seine Kusine unterhielt sich mit einer ihr bekannten Französin. Der Prinz wandte sich flüsternd an Angela:Wollen wir rasch einmal tanzen?"

Sie las in dem Ausdruck seiner dunklen Augen, der sie so sehr an den Reisegefährten erinnerte, daß sein Gefühl ihr gegenüber heute abend das gleiche war wie damals in Avignon.

Es hat immer etwas Beglückendes für eine Frau, geliebt zu werden, wenn es auch nur in bescheidenem Maße ist und sie hätte mit Freuden ja" gesagt. Aber Prinzessin Lola drehte sich rasch herum und in ihrem finsteren Gesicht lag etwas, das sie vor diesemja" warnte.

Vielleicht ein anderes Mal," sagte Angela lächelnd.Ich bin wirklich^neugierig auf die Spiel­säle." Sie Wolke auf dem Gesicht der Prinzessin verschwand. Sie wandte sich an alle:

Ich denke, wir fangen mit dem Fünfhundert­francstisch an."

Angela rechnete. Das bedeutet« einen Einsatz von etwa vier Pfund. In ihren Augen war bas sehr viel.

fSorhefiuno Mat'