Samstag, den 3. Januar 1931
Nr. 2
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Presse dagegen Sturm läuft, so müssen wir erneut feststellen, daß der französische Imperialismus eine ernste Bedrohung des Friedens darstellt.
Neben Hindenburg und Reichsregkerung hat auch Mussolini, wenn auch nur teilweise, den Finger auf die Wunden gelegt, an denen Europa krankt. „Die militärische Hegemonie einer Gruppe von Staaten hält den gesamten Kontinent in Gärung. Neben der Verminderung der Rüstungen ist die Revision der Verträge notwendig, um Europa ein Gefühl der Sicherheit wiederzugeben." In Frankreich wird dem italienischen Staatsmann diese Aeußerung schwer verübelt. Das „Journal des Dèbats^ spricht von einer diplomatischen Neujahrs- offensive. Mussolinis kriegerische Reden seien in der französischen Presse seinerzeit getreu nach dem Wortlaut der amtlichen Stefaniagentur wiedergegeben worden. Die rednerischen Kundgebungen des italienischen Staatsmannes erinnerten verdächtig an diejenigen „eines andern großen Pazifisten", Wilhelm II., der auch das einemal kalt, das andere Mal hitzig gesprochen habe. „Das hat ein böses Ende genommen!" Das Blatt spricht schließlich von einem „gefräßigen Appetit", der die aus dem Friedensvertrag hervorgegangene territoriale Lage völlig umwälzen wolle. Wir können es gewiß mit Genugtuung begrüßen, daß Mussolini in so unzweideutiger Art die deutsche Forderung einer Revision der Friedensverträge unterstützt, weil diese Verträge, wie Mussolini sich ausdrückt, die schlimmsten Torheiten territorialer Art, so" wie Ungerechtigkeiten und naturwidrige Zwangsbestimmungen enthalten. Auch wenn Mussolini betont, daß d)e Verbündeten ohne die amerikanische Hilfe niemals den Krieg hätten gewinnen können, so spricht er damit eine Wahrheit aus, die die anderen „Sieger- staaten" nicht gern hören, die wir aber vorbehaltlos anerkennen. Anderseits werden wir aber doch gut tun, uns durch die Reden des italienischen Diktators nicht in übereilte und falsche Hoffnungen einwiegen zu lassen. Mussolini sieht in Frankreich naturgemäß seinen Hauptgegner, weil dieses Land überall oen Ausbreitungsbestrebungen des italienischen Faschismus entgegensteht. Er brandmarkte deshalb den französischen Militarismus und er geißelt jene Politik von Versailles, die Deutschland entwaffnete und verstümmelte und dadurch Frankreich die militärische Vorherrschaft in Europa sicherte. Aber vergeßen wir nicht, daß bei dieser Propaganda gegen Versailles und seine Zwangsbestimmungen Mussolinis Bestreben nicht darauf gerichtet ist, Deutschland zu seinem Rechte zu verhelfen, sondern nur darauf, Italien einen besseren Platz an der Sonne des „Sieges" zu sichern. Solange wir militärisch ohnmächtig sind, werden wir kaum einen treueren und zuoerläsiigeren Bundesgenossen finden. Dies braucht uns nicht zu hindern, die Aeußerungen Mussolinis gegen Frankreich anzuerkennen und sie in unserem . Kampfe für die Durchbrechung der Versailler Diktatfesieln als eine willkommene Unterstützung zu verwerten. Das Verlangen nach einer Rückgabe des deutschen Südtirol wird Mussolini freilich nicht gelten lassen wollen, obgleich doch auch hier jene Ungerechtigkeit und naturwidrige Zwangsbestimmung vorliegt, die er den Friedensverträgen zum Vorwurf macht. Der Faschismus hat noch immer den „Sacro Egoismo" den geheiligten Egoismus, als die oberste nationale Tugend betrachtet und war von ihm eine durch ^Ge- fühs'-r'aungen bestimmte Politik erwartet, wird si '"r enttäuscht werden,
Zaires Gvever fordert ein Movatorkrm
Newyork, 2. Jan. Der Bankier James Speyer veröffentlicht in der amerikanischen Presse einen Artikel über das Reparationsproblem und die Fragen der Kriegsschulden. Speyer weist darauf hin, daß Deutschland infolge der schweren ihm auferlegten Lasten gezwungen ist, seine Ausfuhr ständig zu steigern und daß von dieser Konkurrenz kein Land mehr als Amerika betroffen würde. Allgemein leide die Weltwirtschaft heute mehr unter den Folgen des Friedens als unter den Folgen des Krieges. Allerdings sei es zunächst Aufgabe der europäischen Nationen, sich untereinander zu einigen. Zu der Frage der Kriegsschulden betont Speyer, daß die Rückzahlungen den Handel stören, da die Kaufkraft des Goldes stark gestiegen ist Amerika könne sich im Interesse seiner Bevölkerung allerdings nicht leisten, alle Schulden zu streichen. Man könne aber die Anregungen Owen Poungs weiter verfolgen und den Schuldnern gegenüber ein größeres Entgegenkommen zeigen. Dies setze jedoch voraus, daß jede Schuldnernation auch ihren eigenen Schuldnern gegenüber Nachisicht zeige, wenn Amerika beispielsweise einen fünfjährigen Aufschub gewähren würde.
Europa am Scheidewege
London. 2. Jan. In einem „Europa am Scheidewege" überschriebenen Leitartikel vergleichen die „Time s" die jetzige Lage mit der vor hundert Jahren, wo mit der französischen Julirevolution die liberale Gegenbewegung gegen das System Metternichs begann. „Times" sagen u. a.:
Wieder bildet die parlamentarische Regierungsform das Hauptproblem, um das es bei der europäischen Politik geht. Beinahe überall wird die Entartung des parlamentarischen Systems zugegeben, aber Diktatur gilt nicht «ls letztes Wort und hat in vielen Fällen led al'ch Zustimmung gefunden infolge eines vorübergehen-
Lausch Gurttus-Aendevs-u
Dev wechsel im Vorsitz der Lanuar-Kaisiaautrg vollzogen
Berlin, 2. Jan. Wie wir erfahren, hat sich der britische Außenminister Henderson, der Anregung Deutschlands entsprechend, bereit erklärt, den Vorsitz in der Völkerbundstagung im Januar zu übernehmen. Reichsaußenminisler Dr. Curtius wird dann bei der nächste« Ratstagung als Präsident fungieren.
Die deutschnationalen Abgeordneten Dr. Freiherr v. Freytagh-Loringhoven und Dr. Ober- fahren haben im Reichstag folgende Interpellation eingebracht:
Nach Zeitungsmeldungen beabsichtigt der Herr Reichsaußenminister auf den ihm nach der alphabetischen Reihenfolge zustehenden Vorsitz in der Januartagung des Völkerbundsrates zu verzichten. Als Begründung wird in der Presse darauf verwiesen, daß die Führung des Vorsitzes mit der Vertretung der deutschen Interessen bei der Verhandlung über die Polengreuel nicht vereinbar sei. Der von dem Herrn Außenminister angeblich beabsichtigte Verzicht aus den Vorsitz steht im Widerspruch mit der Praxis des Völkerbundes. Bisher hat kein Ratsmit- glied auf den ihm zustehenden Ratsvorsitz verzichtet, auch wenn Fragen zur Debatte standen, die sein Interesse berührten. Es entsteht daher der Eindruck, als sei die Absicht des Herrn Außenministers, falls sie vorliegt auf auswärtige Einflüße oder gar auf auswärtigen Druck zurückzuführen, deren Urheber eine Schwächung der deutschen Position im Auge haben.
Wir fragen die Reichsregierung, ob tatsächlich eine solche Absicht des Herrn Außenministers be« teht, und ob bejahenden Falles die Reichsregierung te billigt, obgleich durch einen solchen Schritt die wutschen Interessen geschädigt würden und obgleich ein Präzedenzfall für ihn nicht besteht?"
Regieruussstu^ in Oanama?
Sitte Lotse dev wivLkchaftliKer. DeNvefsio«?
W a s h i n g < o n, 2. 3an. Nach einet dem hiesigen Gesandten der Repubsik Panama zuge- gangenen Nachricht ist die Regierung des Präsidenten Arosemena von einer natinoalen revolutionären Bewegung, die vom ganzen Volk unterstützt wird, gestürzt worden. Die Ursache soll in der Wirt- schaftsdepression liegen. Es herrscht jetzt Ruhe und Ordnung.
Wie das dem Gesandten von Panama in Washington aus Panama zugegangene Telegramm weiter besagt, wird die revolutionäre Bewegung von Dr. Amorio Arias geführt. — Der Gesandte erklärte, Arias sei ein Anwalt, der bisher
seine hervorragenden Dienste friedlichen Zwecken widmete. Zu der Zeit, als der Gesandte fein Telegramm aus Panama bekannt gab, hatten weher das Staatsdepartement, noch das KrieW Marineamt eine Meldung vom Sturz gierung in Panama erhalten. Briefliche Mitteilungen der amerikanischen Gesandtschaft in Panama an das Staatsdepartement hatten wohl eine gewisse Unruhe in Panama infolge der dortigen Wirtschaftsdepression angedeutet, aber nicht erkennen lassen, daß eine so ernste Bewegung, Revolution und Sturz der Regierung drohten.
Zehn Personen getötet
Panama, 2 Jan. Der Aufstand, durch den die Regierung des Präsidenten Arosemena gestürzt wurde, brach unerwartet aus Die Hauptstadt wurde von einem revolutionären Ausschuß unter Führung
den Widerwillens gegen die zur Wirkungslosigkeit verdammte Geschwätzigkeit, die in öffentlichen Versammlungen zutage tritt. Aber auch, wo eine Diktatur fest errichtet worden ist, gibt es heftigen Widerstand.
„Times" weifen weiter darauf hin, daß häufig eine sonderbare Verbindung der neuen Autokratien mit dem Sozialismus wahrnehmbar sei, und bemerkt in diesem Zusammenhang: Manche Aeußerungen Hitlers haben einen durchaus bolschewistischen Klang, und in der etzten Reichstagssitzung, in der es sich um Hilfe für die Opfer von Bergwerkskatastrophen handelte, waren die Aeußerungen der Anhänger Hitlers in der Heftigkeit ihrer Angriffe auf „kapitalistische 'echenbesitzer" von denen der Kommunisten nicht zu unteriche den.
Am Schlüsse des Artikels heißt es: Zwischen den Bolschewisten und Faszisten haben die mittleren Parteien Mühe, ihr Terrain zu behaupten. Das kleine Oesterreich allerdings hat .bei den letzten Wahlen einen schönen Sieg zugunsten gesunder parlamentarischer Grundsätze davongetragen. In Deutschland kämpft Dr. Brüning unter Zuhilfenahme verfassungsmäßiger Notstands-Maßnahmen einen schönen Kampf für eine parlamentarische Regierung gegen ihre hitlerischen und kommunistischen Feinde.
Deutschland mit seinen 107 „Nazis", feinen 76 Kommunisten und einer aus verschiedenartigen Elementen «usammengesetzlen knapven Mehrheit der mittleren Parteien — von seiner wirtschaftlichen Not und seiner goßen Arbeitslosigkeit ganz zu schweigen — ist ein aelreues Abbild des heutigen Eurova, und es kann sein, daß, ähnlich wie Frankreich vor hundert Jahren anderen Nationen das Beispiel gab, die weiteren Entwicklungen in Deutschland Wirkungen Hervorrufen werden, die weit über seine Grenzen Hinauegehen.
Admiral Aasdev an die ReMsmavine
Berlin, 3. Jan. Der Chef der Marineleitung Admiral Raeder hat an die Reichsmarine folgenden Neujahrserlaß gerichtet:
In dankbarer Anerkennung der treuen Mitarbeit im verflossenen Jahre spreche ich allen Angehörigen der Reichsmarine meine besten Wünsche für das neue Jahr aus. Auch für das Notjahr 1931 gilt: Mit stiller selbstloser Arbeit weiter vorwärts und aufwärts.
(gez.) Raeder, Chef der Marineleitung.
Dolett will dis Rats- entsOeèdung vevieblevve«
Genf, 2. Jan. In hiesigen unterrichteten Lrel- sen verlautet, daß die polnische Regier««g auf der Januarlagung des Völkerbundsrates die französische Unterstützung zunächst in dem Sinne suchen werde, daß durch Anzweiflung der Zuverlässigkeit des in den drei deutschen Beschwerdenoten vorgebrachten Anklagematerials eine sofortige Entscheidung unmöglich gemacht wird.
Man erwartet daher, daß in den Genfer Verhandlungen im Januar vor der sachlichen Behandlung der deutschen Beschwerdenoken von polnischer Seife die Frage aufgeworfen wird, ob und wie eine Nachprüfung des deutschen Anttagematerlals erfolgen müsse.
Eine derartige Prüfung dürfte im Hinblick auf das umfangreiche auf der sofortigen Untersuchung dec Vorfälle aüfgebauke und völlig einwandfreie deutsche Material überhaupt nicht notwendig sein. Trotzdem muß damit gerechnet werden, daß die Frage der Zuverlässigkeit des deutschen Befchwerdemakerials einen breiten Raum einnehmen und zweifellos zur Verschleppung der endgültigen Entscheidung ausgenuht werden wird. Dem Völkerbundsrat steht satzungsgemäß die Möglichkeit offen, aus seiner Mitte einen Untersuchungsausschuß zur Feststellung der Tatsachen zu bilden, der jedoch zu keinem anderen Ergebnis als dem des in der deutschen Note dargeteg- ten Materials gelangen könnte. Einer Verschleppung der endgültigen Entscheidung, in dem offenbar von Polen angestrebten Sinne, muß dagegen von deutscher Seite mit allen Mitteln entgegengearbeilel werden.
von Harmadio Arias übernommen. Der Aufstand wurde von der Accion Comunal gefördert, einer patriotischen Organisation, die die angebliche Korruption der Regierung unter den Präsidenten Chiari und Arosemena scharf angegriffen hatte. Heute früh fuhr eine Gruppe von etwa 10 Mann zum Hauptquartier der Staatspolizei, die Panamas einzige stehende Armee bildet und besetzte nach Abgabe einiger Schüsse die Polizeistation. ,
Nach Den ersten Meldungen sind zehn Personen getötet und etwa 2 0 verwundet worden. Der Platz, um das Präsidentenschaftspalais zeigt Blutspuren. Der Aufstand verlief zedoch verhältnismäßig ruhig. Außer in der unmittelbaren Umgebung der Polizeistation und des Palais erfuhren die 'Einwohner erst von dem Aufstand, als sie
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mit einer Abteilung Polizei und bewaffneter Zivilisten nach Panama zu marschieren, daß der Gouverneur der Kanolzone aber abgelehnt habe, der bewaffneten Truppe den Durchzug durch die Kanalzone zu gestatten. Telephon und Telegraph arbeiten nicht: deshalb ist es nicht bekannt, wie das Innere des Lan
des die Bewegung aufgenommen hat.
Newyork, 2. Jan. Associated Preß meldet aus der Stadt Panama, daß der Präsident am Nachmittag Dr. Harmadio Arias zum Premierminister ernannte und dann seinen Rücktritt bekanntgab. Arosemena hat somit Dr. Arias die Präsidentschaft und die Neubildung überlassen.
Die SeieeftSWett frei dsv Rei«Salm
Berlin, 2. Jan. Nachdem zwischen der Reichsbahn und den Gewerkschaften generelle Vereinbarungen über Feierschichten in den Werkstätten und in der Bahnunterhaltung nicht zustande- gekommen waren und ein Vermittlungsversuch des lleichsarbeitsministers erfolglos geblieben war, hat die Reichsbahn Feierschichtvereinbarungen mit den Arbeitern selbst zu treffen gesucht. Dieses Torgeben wird von den Gewerkschaften als Tarifbruch bezeichnet. Demgegenüber erklärt die Reichsbahn, daß ie rechtswirksam von Bestimmungen des Tarifvertrages im Wege der einzelvertraglichen Regelung abweichen könne, wenn diese Bestimmungen abdingbar seien. Um eine solche abdingbare Bestimmung handele es sich aber bei dem Paragraphen 3 Ses Lodntarikvertrnges für die Arbeiter der Reichsbahn, der die regelmäßige Arbeitszeit regelt. Die Reichsbahn werde daher, so erklärt sie, weiter be- mü^t bleiben, durch den Absch'uß der örtlichen Feierschichtvereinbarungen Entlassungen von Arbeitern zu vermeiden.
Sovausderahluus der Osr- mdgeussieuev fite 1931
Behandlung der Erlaßanträge
Berlin, 2. Jan. Da mit Wirkung vom 1. Januar 1931 die Vexmögensteuerfreigrenze aus 20 000 Mark erhöht worden ist und infolgedessen mit einer großen Anzahl von Anträgen auf Erlaß . der Ver- mSgensteuervorauszahlung für 1931 zu rechnen sein wird, sind die Finanzämter angewiesen worden, aus Antrag solchen Steuerpflichtigen, die glaubhaft machen, daß am 1. Januar 1931 ihr Gesamtvermögen 20 000 Mark nicht überstiegen hat, die Vorauszahlungen für die Vermögensteuer für 1931 zinslos zu stunden. Ferner sind die Finanzämter ermächtigt worden, auch ohne daß ein Antrag vorliegt, von solchen Steuerpflichtigen, deren Gesamtoermögen bei der letzten Einheitsbewertung 20 000 Mark nicht überstiegen hat und bei denen, nach Lage des einzelnen Falles, bestimmt erwartet werden kann, daß das Vermögen auch nach dem Stand vom 1. Januar 1931 die genannte Grenze nicht überschritten hat, von vornherein Vorauszahlungen für 1931 nicht anzufordern.
Marschall S-ffve t
Paris, 3. Jan. Marschall Joffre ist vormittag 8.23 Uhr gestorben.
Heutz
Marschall Joffre
in
Josef Joffre wurde am 12. Januar 1852 Ribefaltes, einem kleinen Weinort in den Ost« p Pyrenäen, als Sohn eines Küfers mit zahlreichen Familienmitgsiedern geboren. Erzogen wurde er f zunächst in den College in Perpignan. Dann kam » er auf die Ecole Politechnique, die Frankreich die» Artillerie- und Pionieroffiziere liefert. Als Pionier. 5 offizier nahm er am Kriege 1870/71 teil. Im Jahre , 1901 war er Brigadegenerai in Madagaskar, später | Kommandeur einer Artillerie-Brigade. Ende 1906 f
wurde er Divisionsgeneral. Als solcher befehligte s er die 6. Division in Paris, dann von 1908 ab das [ zweite Armeekorps m Amiens Jm Juni 1911 . wurde er Chef des Gensralftabes und für den Kriegsfall als oberster Führer ausersehen. Als der Weltkrieg ausbrach, ergriff er zunächst die Offen- ' sive. Seine Operationen wurden aber durch den k Vorstoß des rechten deutschen Flügels durchkreuzt. Er sah sich nach den August-Schlachten genötigt, das französische Heer in Anlehnung an die Festung Paris zurückzunehmen, wobei er jedoch die Wieder«
aufnahme der Offensive alsbald in Aussicht nahm. Sie wurde schon anfang September auf die Initiative des Generals Gâllièni hin auf dem linken Flügel begonnen. Die Marne-Schlachten gestifteten Joffre, wieder Terrain zu gewinnen, bis die Front festwuchs. Joffre führte dann noch die Operationen der Jahre 1915 und 1916 durch. Nachdem aber dann auch die drei Monate dauernde Somme-Schlacht keinen durchschlagenden Erfolg zeitigte, wurde anfang Dezember 1916 der Ober- befehl an General Nivelle übertragen. Joffre sei-
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mandeurs de guerre ernannt unduMkWm—»«, Borsiitz im Obersten Kriegsrat der Allierten. _ Am 26. Dezember 1916 wurde Joffre zum Marschall von Frankreich ernannt, als erster General seit Bestehen der Republik. Militärisch trat Joffre wäh« reich des Krieges nicht mehr hervor.
Remscheid, 2. Jan. Die kommunistische Ge- werkschafksopposikion des Deutschen Metallarbeiter- verbandes in Remscheid beschloß heute als Protest gegen den letzten Schiedsspruch, der einen Kprozn- tigen Lohnabbau vorsieht, in den Streik zu treten. Im Laufe des Tages kam es bereits bei mehreren Fabriken zu Stillegungen. Im Augenblick erscheint es aber noch fraglich, ob sich alle 23 000 Metallarbeiter in Remscheid am Streik beteiligen. Die Streikenden veranstalteten heute zusammen mit den Erwerbslosen große Kundgebungen, bei denen es zu kleineren Zwischenfällen mit der Polizei kam. Die Streikenden haben bereits Ausschüsse gebildet und wollen gewaltsam durchsetzen, daß alle Remscheider Fabriken stillgelgt werden.
GeuaSsumdUduns ohue GoziasdemoKrassu in fernen
Bremen, 2. Jan. Die Bürgerschafssraktion der Deutschen Volkspartei hat auf die öffentliche Anfrage der NSDAP., ob sie bereit sei, sich für einen „antimarxistischen" Senat einzusetzen, geantwortet, daß sie zu Verhandlungen über eine „Um- oder Neubildung des Senates" bereit sei. Diese Antwort dürfte von den Nationalsozialisten, wie verlautet, alsbald mit positiven Vorschlägen erwidert werden. Da außer der Deutschen Bolkspartei auch die Wirtschaftspartei, die Konservative Volkspartei und die Hausbesitzer zustimmend geantwortet haben und die Mitwirkung der Deutschnationalen gleichfalls gesichert ist, wird es nunmehr zwischen diesen Parteien, die insgesamt 61 yon 120 Bürgerschaftsmandanten umfassen, zu Verhandlungen über eine Mehrheitsregierung unter Ausschluß der Sozialdemokraten und Kommunisten kommen.
Dor der GMearms in her . OeZuer OrotzZudufirZe
Peine, 2. Jan. Zur Beilegung des Tarifstreits beim Peiner Walzwerk und der Jlseder Hütte hatte der Regierungspräsident in Hildesheim die Parteien für Mittwoch zu einer Besprechung gebeten. Auch diese Verhandlungen brachten kein Verständigung.
Die Werksleitung macht heute durch Anschlag in den Betrieben bekannt, daß die Zahl der Unterschriften derjenigen Arbeiter, die suh zur Weiterarbeit zu den im Schiedsspruch festgelegten Bedingungen (Sprogentige Lohnkürzung) bereit erklären, nicht genüge, um den Betrieb wirtschaftlich ausrechtzuerhalten, und daß demnach die Stilllegung der Werke am 3. Januar erfolgen müsse.
Was Prozesse kosten
Der Strafprozeß in Stettin, der in den Monaten September und Oktober 1930 in der zweiten Instanz wegen des Einsturzes der Gartzer Oderbrücke verhandelt worden ist, hat nach bem „Bau- Ingenieur" einen Kostenaufwand verursacht dessen Höhe die Summe von 300 000 RM überschritten hat. Diese Summe erklärt sich einerseits aus der ungewöhnlichen Dauer des (seit 1926 laufenden) Prozeß-Vrfahrens, andererseits aus der Heranziehung einer außergewöhnlich großen Zahl oon Sachverständigen.