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HanaueMzeiger

MVVeltLval Anzeiger Me^EM?&<mmt Giadtund Land

W<m Madi und Land

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag äL, Samstag 12 N-pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 N-Pfg., Im Neklameteil von 68 mm Breite 25 N-Pfg. Osfertengebühr 50 N-Psg.

Nr. 2

Gamstas de«

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. - Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder aui Rückzahlung des Bezugspreises. / Für plahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.,Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956, 3957, 3958

3. La«uav

1931

^EM %^^^^^

Auf der Rückreise von feinem kurzen in Baden­weiler verbrachten Erholungsurlaub weilte Reichs­kanzler D r. Brüning gestern nachmittag in Freiburg wo er mit dem gegenwärtig gleichfalls in Oberbaden auf Urlaub befindlichen Reichsfinanz­minister Dietrich und dem von Berlin eingetrossenen Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald eine mehrstün­dige Besprechung hatte. Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsarbeitsminister Stegerwald haben Frei­burg mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug nach Ber­lin um 17.31 Uhr verlassen, während Reichsfinanz- minister Dietrich noch in Oberbaden verbleibt.

Da Staatsminister Dr. Hirtsiefer gesundheitlich noch nicht völlig wiederhergestellt ist und der Arzt ihm die Teilnahme an der O st r e i s e untersagt hat, wird der zuständige Vertreter des Ministers als preußischer Staatskommissar für die Osthilfe, Staatssekretär Krüger, an der Reise teilnehmen.

Das preußische Justizministerium hat den Mi­nisterialrat Mark nach der Strafanstalt Celle entsandt, wo sich in den Weihnachtstagen ein noch nicht völlig aufgeklärter Vorfall ereignet hat. Nach den bisherigen Nachrichten kam es bei der Weihnachtsfeier der Gefangenen zu einem Zwischenfall, der fast zu einer Revolte geführt hätte. Erft wenn der Bericht des Ministevialrats preußische Justiznnni- ang nehmen

vorliegen wird, kann das sterium zu dem Vorfall Stellung

* Wie wir erfahren, Yai sich der britische Außen- Mchler Henderson, der Anregung Deutschlands entsprechend, bereit erklärt, den Vorsitz in der Völkerbundstagung im Januar zu übernehmen.

Die Reichsbahndirektionen sind von der Haupt-

Verwaltung der Reichsbahn angewiesen worden, mit Wirkung vom 1. Januar 1931 vv» tzeu "

all neri

Etu timen aber*

. ,.t Gebrauch zu machen, in den Bahnhofswirtschaften H ö ch st p r e i s e für die gangbarsten Speisen und Getränke festzusetzen. Hierunter sollen vor allem fallen: Einfache, warme Mittag- und Stammessen, warme Würstchen, einfach belegte Brote und alko­holfreie Getränke. Die Reichsbahn will auch eine Herabsetzung der Pacht in Kauf nehmen, wenn durch diese Preisbeschränkung eine erhebliche Min­derung des Ertrages der Bahnhofswirtschaften ein­treten' sollte und beim Pächter kein ausreichender

Verdienst verbleibt.

* Marschall Joffre ist heute früh g e - st o r b e n.

Die englische Fliegerin Amy Johnson Est gestern 14.35 Uhr von Lüttich kommend auf dem Kölner Flughafen Butzweiler Hof glatt gelandet. Infolge des schlechten Wetters wüd Miß Johnson erst heute zur nächsten Etappe ihres Fluges nach Peking über Berlin nach Warschau starten.

Der österreichische Gesandte Kral in Angora wurde am Silvestertag auf der Straße von einem Karren zu Boden gerissen, wobei ihm ein Arm

und eine Rippe gebrochen wurden.

Eine Feuersbrunst richtete fenartlagen von Jersey City für Schaden an. Mehrere Piers der

in den Ha- eine Million Pensylvania-

Eisenbahn, deren jeder 150 Meter lang ist, und andere Einrichtungen wurden zerstört.

An Stelle des bei dem Unglück des Luftschiffes R. 101 umgekommenen Sir Seston Brancker hat die Regierung Oberstleutnant F. C. S h e l m e r d i n ? zum Leiter des zivilen Flugwesens ernannt. Shel- merdine, der 49 Jahre alt ist, ist zurzeit Leiter oes zivilen Flugwesens in Indien. Während des Kru­ges diente er in den Luftstreitkräften. Später war er sowohl in England wie in Aegypten im Amt sür das zivile Flugwesen beschäftigt.

Auf der Hallig-Langeneß ist eine Flaschen- p o st angetrieben, die von der während des Welt­krieges torpedierten und untergegangenen Luifi- tana" stammt. Die Flasche, die über und über mit Algen und Muscheln bedeckt war, enthielt einen Zettel mit der Mitteilung, daß dieLuisitiana" in zehn Minuten sinken werde. Die Mitteilung ist von zehn Fahrgästen unterschrieben. Da die Flaschenpost als echt angesehen wird, ist der Zettel der Cunard Line zugeschickt worden.

Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen der eidgenössischen Volkszählung vom 1. Dezember stellt sich die Gesaintbevölkerung der Schweiz auf 4 060 000 Personen. Die Bevöl­kerungszunahme seit 1920 dürfte sich auf rUnd 180 000 Seelen belaufen.

DerOsservatore Romano", das halbamtliche Blatt des Vatikans, fordert die Katholiken der gan­zen Welt auf, sich organisch zusammenzuschließen, um das ganze Gewicht ihrer Weltanschauung in Wort und Schrift für das Werk des Friedens ein- »usetzen.

Die GireLAage im Ruhrbembau Die GewsEchafLe« lehnen den GieeiK ab.

Stveik

Wie bereits kurz gemeldet, kam es gestern auf einer ganzen Anzahl von Zechen im Ruhrgebiet unter dem Druck von Arbeitslosen, die die Zechentore besetzt hatten, zu wilden Streiks. Die Gesamtzahl der Ausständischen betrug bei der Frühschicht 11,91 Prozent. In der Nachmittagsschicht trat gegenüber der Worgenschicht eine wesentliche Aenderung nicht ein. In einzelnen Gebieten war allerdings eine Verschärfung der Streiklage zu verzeichnen. Am Niederrhein ist es am Nachmittag zu Anruhen gekommen, wobei ein Unbeteiligter ge-

tötet wurde.

Die SèVÄAagö

Lsien, 2. Jan. Die Zahl der von der Streikbe­wegung betroffenen Schachtanlagen hat sich nach neueren Meldungen auf 22 erhöht. Am stärksten macht sich die Streikbewegung im Hamborner Be­zirk bemerkbar, wo in vier von sechs Schächten die Arbeit zum Teil niedergelegt wurde. Die Hälfte dec 5500 Mann starken Belegschaften ist hier nicht eingefahren. In Len Waschkauen und anderen Räu­men der Hamborner Zechen wurden heute früh Be­legschaftsversammlungen abgehalten, in denen sich die Mehrheit für den Streik aussprach. Als Grund wird hier das Kündigungsschreiben der Zechenbe­sitzer angesehen. Im Bezirk Recklinghausen sind von 18 Schachtanlagen bis jetzt 5 von der Streikbe­wegung betroffen.

Der Essener Bergbauverein teilt mit: Auf einigen Zechen des Ruhrgebietes wurde heute von kom- munistischer Seite versucht, die Belegschaft von der Arbeit abzuhalten. Der weitaus größte Teil der .^legjWm ist Der Grâarolc « L. ganze Süden des Bezirkes, die Bezirke Dortmund, Witten, Bochum, Wattenscheid, Essen und Mül­heim sind streikfrei. Die Gesamtzahl der Ausständi­schen beträgt 11,91 Prozent der Frühschicht. Die Streikbewegung erstreckt sich hauptsächlich auf die Reviere Hamborn, Gladbeck, Buer und Hamm. Auf einzelnen Zechen standen auswärtige Arbeitslose Streikposten.

Später meldet der Bergbauverein: In der allgemeinen Streiklage ist in der Nachmittagsschicht gegenüber der Morgenschicht eine wesentliche Aende­rung nicht eingetreten. Zu den bestreikten Zechen sind die Schachtanlagen Diergardt II und Friedrich Thyssen II/V im Hamborner Bezirk hinmgekom- men, während die Belegschaft der Zeche Bismarck VII/VIII, die in der Frühschicht zum Teil am Streik beteiligt waren, in der Nachmittagsschicht vollständig angefahren sind. Auf mehreren Zechen sind einige Leute, die in der Morgenschicht gefehlt haben, in der Mittagsschicht ongefahren. Vielfach wurde von auswärtigen Elementen an den Zechen­toren ergebnislos versucht, die einfahrende Beleg­schaft für eine Steifbeteiligung zu gewinnen.

Wie wir hierzu von Gewerkschaftsseite erfahren, bat die Streiklage in den Hauptstreikgebieten Buer, Gladbeck, Hamm und Recklinghausen sich in den heutigen Mittagsstunden teilweise noch verschärft, da die Zechentore weiter von großen Trupps von Erwerbslosen, Frauen usw. belagert werden, die die Belegschaften an der Einfahrt zu hindern ver­suchen. Während auf einzelnen Schachtanlagen die Bergleute sich gewaltsam Eingang zum Schacht ver­schafften, mußten auf anderen Zechen die Beleg- 'chaftsmitalieder wieder nach Hause zurückkehren, da sie den Stoßtrupps machtlos gegenübsrstanden. Auf der Zeche Gustav in Essen wurden drei kommu­nistische Betriebsratsmitglieder, die sich an dem Streik beteiligt hatten, fristlos entlassen.

Mu Stufens der vier NLvsavvMevvsvbSnde

Essen, 2. Jan. Die Bergarbeitergewerkschaften des Ruhrgebietes wenden sich heute in Form eines Flugblattes mit einem besonderen Aufruf an die Ruhrbergarbeiter, in dem es, wie folgt, heißt:

Kameraden! Die Unternehmer des Ruhrberg­baues haben die Kündigung aller Arbeitsverträge bis zum 15. Januar ausgesprochen. Mit brutaler Gewalt soll die Lohnkürzung, die bei den Schlich­tungsverhandlungen nicht erreicht werden konnte, duchgesetzt werden. Die Not der Bergarbeiter soll noch vergrößert werden. Sie sollen die Schäden der Krise allein tragen. Kameraden! Macht die Ab­sicht der Bergwerksbesitzer zuschanden, zeigt, daß ihr nicht gewillt seid, Euch dem Diktat der Unter­nehmer zu beugen, lehnt den Abschluß von neuen Arbeitsverträgen ab, weigert Euch, die Bedingun­gen der Arbeitgeber anzunehmen. Von Eurem Ver­halten hängt der Ausgang des Lohnkonfliktes ab, deshalb schließt keine neuen Arbeitsverträge ab, vertraut Euch der Führung der vier Bergarbeiter- verbände an. Kameraden! Weist die Kommu­nistischen Parolen zurück. Sie haben nur den Zweck, Euch in einen aussichtslosen Pursch hineinzutreiben: sie dienen nur der Reaktion und fördern die Diktaturgelüste der Unternehmer. Lehnt

diese Parolen ab, folgt den Weifungen der vier Bergarbeiterverbände.

Verband der Bergbauindustriearbeiter Deutsch­lands, Gewerkverein christlicher Bergarbeiter, Ge­werkverein Hirsch-Duncker, Polnische Berufsver­einigung.

Der Alte Bergarbeiterverband rich­tet an die Ruhrbergleute folgenden Austuf: Die Kommunisten haben heute morgen den Versuch ge­macht, auf den Zechen des Ruhrgebietes Streiks hervorzurufen. Auf ungefähr 20 Schachtanlagen ist ihnen der Streik durch Anwendung von Gewalt in mehr oder minder großem Umfange gelungen. Der Verband fordert seine Mitglieder und die Beleg­schaften auf, solchen Putschparolen keine Folge zu leisten, und sich den Versuchen, sie gewaltsam durch­zuführen, energisch zu widersetzen:

WM kdMMUUMUWLV

Bergarbellevführer Husemann über die Streiklage

Berlin, 2. Jan. Der Vorsitzende des Ver­bandes der Berabauindustriearbeiker Deutschlands (Deutscher Bergarbeiterverband) Fritz Husemann hat sich in einer Unterredung mit dem Bochumer Mitarbeiter des »Tempo" über die durch die Streik­aktion der revolutionären Gewerkschaftsopposition entstandene Lage im Ruhrgebiet dahin geäußert, daß das Endziel der Bewegung seiner Ansicht nach die Gründung eines kommunistischen Berg­arbeiterverbandes bezwecke. Hufemann glaubt, daß die kommunistische Streikaktion schon in kurzer Zeit zusammenbrechen werde, weil die überwiegende Mehrheit der Bergarbeiter einsähe, daß ihr mit derartigen Bewegungen nicht gedient sei. Trotz der kommunistischen Reberrumpelungs- crfolge auf einzelnen Schachtanlagen könne jeden­falls die Masse der Bergarbeiterschaft als fest in der Hand ihrer verantwortungsbewußten Führer bezeichnet werden.

SOweve GtveMmruhen in LNoevs

Lin Todesopfer

Moers, 2. Jan. Aus der Zeche »Niederrhein" in Neukirchen kam es heute nachmittag zu Unruhen. In roher und unflätiger Weise wurden die arbeits­willigen Bergleute, die einfahren wollten, von etwa 500 Streikenden belästigt. Die Arbeitswilligen wur­den geschlagen und mit Steinen beworfen. Auch riß man ihnen die Kaffeekannen weg. Die Neukir- chener Polizei, die zu schwach war, sah sich schließ­lich gezwungen, Verstärkung von Duisburg anzn- fordern. Mit Gejohle und Schimpfworten wurde das Polizeiaufgebot empfangen. Da der Aufforde­rung, den Platz zu räumen, nicht Folge geleistet wurde, machten die Beamten vom Gummiknüppel Gebrauch und trieben die Menge auseinander.

Beim Einfahren der Nachtschicht kam es vor Schacht V der Zeche »Rheinpreußen" wieder zu großen Menschenansammlungen. Als die Polizei die Streikenden zurückdrängte, wurde plötzlich aus der Menge geschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer und es kam zu einem regelrechten Feuergcfecht, das mehrere Minuten anbauerte. Ein unbeteiligter, der Bahnarbeiier Hackstein, wurde von uehreren Kugeln getroffen. Um Mitternacht ist er im Krankenhaus erlegen. Wie verlautet, sollen mehrere Personen leichte Verletzungen bei der Schießerei erlitten haben.

Teilte movgeu Verschärfung der Lage

Essen, 3. Jan. Nach den bisher vorliegenden Meldungen hat sich die Streiklage im Bezirk Moers heute früh noch weiter verschärft. Die Zahl der zur Frühschicht eingefahrenen Belegschaften hat sich ver­ringert. Ein Gesamtbild der Streiklage im Ruhr­bergbau läßt sich noch nicht geben, da die Meldun- gen der einzelnen Schachlanlagen noch nicht vor­liegen.

NsuiaZvÄ-Votithaften- Diian»

Auch in diesem Jahr hat es dem alten Brauch gemäß nicht in Neujahrs-Botschaften gefehlt, unter deren Verfassern die berühmtesten ührenden Staatsmänner der zivilisierten Welt zu finden waren. Von Hindenburg bis Musso- ini, von Macdonald bis Hoover alle haben ich geäußert, alle haben Wünsche ausge- prochen, die wie Programme klangen. Ihr Inhalt? Er läßt sich in einigen kurzen Wort­ten zusammenfassen. Als Ausgangspunkt galt fast immer die Feststellung, daß 1930 ein uner­freuliches Jahr war, und die Hoffnung, daß 1931 ein glücklicheres . fein werde. Dann kamen Ueberlegungen zur allgemeinen poli­tischen und wirtschaftlichen Lage. Das Er­gebnis dieser Ueberlegungen war meistens in Worten konzentriert, wie Frieden und Ab.­rüstung, Beseitigung der Arbeitslosigkeit und der nationalen Zusammenarbeit. Das klang durchaus nicht neu. Es sind ja die zur Ge­nüge bekannten Schmerzenskinder unserer Zeit. Präzise und laut vernehmbar erklang in Deutschland der Ruf, der dem jungen Jahr das Gepräge geben wird: der Ruf nach Revision. Zwar spielte der Revisionsgedanke schon im Jahre 1930 eine scharf ausgeprägte Rolle. Aber zu einem unmittelbaren Kampf um die Revision ist es bis jetzt nicht gekommen. Wird dieser Kampf im Jahre 1931 stattfinden? Ver­sailles und der Poungplan das sind die bei' den großen Streitobjekte, um die es geht. Sie gehören aufs engste zusammen. Als Teilziele im Revisionskampf sind Abrüstung und Schuldenmoratorium anzusehen. Das zweite ist an sich auch eine Art Abrüstung, nämlich eine wirtschaftliche. Die Aufgaben sind schwie­rig, ebenso schwierig wie die Beseitigung oder auch nur Linderung der Arbeitslosigkeit. So wird schon unmittelbar nach dem Neujahrs­tage klar, daß das Jahr 1931 ein Kampfjahr auf allen Gebieten fein wird. Es wird um die Heilung der gefährlichsten Krankheiten ge­rungen, die die Menschheit je heimgesucht haben. Die Diagnosen stehen endgültig fest. Man möge nur an die Krankheitsbehandlung mit rasches Entschlossenheit, gleichzeitig aber mit genauem Einblick in die inneren Zu­sammenhänge herangehen. Es geht bei. un= ferem Gesellschaftssystem um Leben und Tod, es geht um die letzte Entscheidung. In diesem Zeichen steht das Jahr 1931. Das war der letzte Sinn aller Neujahrbotschaften.

Auf die Bedeutung der Reden des Reichs­präsidenten v. Hindenburg und des Reichs­wehrministers haben wir schon gestern hinge­wiesen. Dennoch sei nochmals festgestellt, daß sowohl Reichswehrminister Gröner namens der Reichsregierung wie Reichspräsident von Hindenburg mit allem Nachdruck g l e ich e s Recht und gleiche Sicherheit für alle Völker gefordert haben. Diese Fest­stellung wiederholen wir deshalb, weil diese Stelle der Neujahrskundgebungen in Frank­reich ein erregtes Echo ausgelöst hat. So schreibt das nationalistische CotyblattLe Fi­garo" (andere Blätter vertreten die gleiche Ansicht):

Vor allen Dingen darf man auf keinen Fall zulassen, daß, soweit die Sicher­heitsfrage in Betracht kommt, für Deutsch­land und Frankreich derselbe Maß- st a b gelten soll.^ Es ist nicht richtig, daß die Lehre von der Sicherheit für das eine Land ebenso gilt wie für das andere. Die Völker gleichen'stch nun einmal nicht, ebensowenig wie die Menschen. Frankreich will den Frieden einmütig. Deutschland bildet im Gegensatz dazu eine ständige Drohung. Frankreich hat keine Stahlhelmer, keinen Hitler. Es stützt sich auf Vertragstexte, deren Aenderung sogar nach dem Eingeständnis der Pazifisten auf unsrer Linken zum Krieg führen müßte."

Wir verstehen zwar, daß Reichspräsident und Reichsregierung mit jener Aeußerung die verwundbarsten Stelle Frankreichs getroffen haben, dennoch wird sich Frankreich damit ab­finden müssen, daß wir den Grundsatz der Gleichberechtigung, auf den wir ein s e l b st - verständliches Anrecht haben, auch wei­ter vertreten werden, bis er gewährleistet ist; denn das deutsche Volk ist in feiner Sicherheit mehr als je bedroht. Wenn die französische

Sie heutige Kummer umfaßt 24 Sette«