Einzelbild herunterladen
 

Sette 4_______________

* Postalische Aenderungen von Reusahr an. Vom 1. Januar an find im Verkehr zwischen Deutschland und Norwegen Brieftelegramme zur Hälfte der vollen Wortgebühr zugelassen. Min- bestens 30 Wörter werden berechnet. Die Ausser- Ägung auf Schmuckblatt ist gestattet. Im übrigen sind die Bedingungen dieselben wie für den be- stehenden Brieftelegramm-dienst nach dem Ausland. Von Neujahr ^an sind im Fernsprechverkehr mit Portugal und Spanien verschiedene Gesprächs­arten möglich: Monatsgespräche zur halben Gebühr in der verkehrsschwachen Zeit, solche zur einfachen und dreifachen Gebühr in der verkehrsstarken Zeit sowie XP-Gespräche, solche auf feste Zeit und Aus­künfte. Von dem genannten Tage an kann man von allen Orten Deutschlands mit allen Orten in Südslavien sprechen, die bereits am Verehr mit Deutschland teilnehmen.

* Luflposten nach dem Ausland gehen im Januar von Berlin über Hannover nach Amster- dam und London; von Köln über Brüssel nach Lon- Lon; von Hamburg über Düsseldorf nach Ant­werpen und Brüssel; von Berlin über Hannover und Halle nach Köln und Paris; von Breslau nach Prag: von Nürnberg nach Straßburg und Paris; von Berlin über Hamburg noch Kopenhagen und Malmö; von Berlin über Dresden nach Prag und Wien mit Anschluß nach Venedig und Rom; von München nach Wien; von Nürnberg über Prag, Wien und Budapest nach Belgrad; Bukarest und Konstantinopel; von Breslau nach Warschau; von Stuttgart nach Genf, Marseille und Barcelona. Ueber Moskau gehen wieder 15 Luftposten. Be­flogen werden die Linien London-Karachi-Delhi, Amsterdam-Bangkok-Saigon, Neapel-Beirut. Ferner verkehren Luftposten in Afrika, Brasilien, Kolum­bien, Peru und Newyork für ganz Amerika zur Beförderung der deutschen Sendungen.

* Frachtermäßigung für Güler des sogenannten Rollariss. Zur Unterstützung der Preissenkungsbe­strebungen der Regierung hat sich die Deutsche Reichsbahngesellschaft, wie bereits früher mitgeteilt wurde, entschlossen, für die im Nottarif genannten Lebensmittel und Lebensmittel-Rohstoffe im Wa­genladungsverkehr eine Frachtermäßigung zu ge­währen. Hierzu werden folgende Einzelheiten be­kannt: 1. Getreide, Mehl und Hülsenfrüchte wer­den, soweit es sich um Sendungen der Hauptklasse handelt, d. s. in der Regel solche von mindestens 15 Tonnen, künftig zu den Frachtsätzen der Klasse D des Normaltarifes befördert. Die Frachtsätze der Nebenklassen werden in der Weise festgesetzt, daß für solche von mindestens 10 Tonnen die um 5 Prozent, für solche von mindestens 5 Tonnen die um 10 Prozent erhöhten Sätze der Hauptklasse be- rechnet werden. 2. Bei, den übrigen im Nottarüf ge­nannten Gütern tritt zur Erleichterung und Ver- billigung des Bezuges kleinerer Sendungen eine Er. Mäßigung der Frachtsätze für 10 und 5 Tonnen ein. Es handelt sich bei der Neuregelung des Ta­rifs für Lebensmittel um Ermäßigungen, die ins­besondere bei Wagenladungen geringeren Ge­wichts recht erheblich sind. So stellt sich der 5-To.- Frachisatz für Gemüse und für Mehl in der Ent- sernungsstuse von 200 Kilometer künftig um 20 Prozent billiger als jetzt. Die Tarifänderungen werden voraussichtlich zum Beginn des neuen Jahres in Kraft treten.

* Umfrage bei den Rundfunkteilnehmern über die Art der benutzten Rundfunkempfangsgeryle. Die Deutsche Reichspost w- Anfang Januar 1931 bei allen Rundfunkteilnehmern in Deuuchlaftd eine Umfrage veranstalten über die Art der von ihnen benutzten Runüfunkempfangsgeräte. Ueber den Zweck dieser Umfrage teilt "uns die Deutsche Rsichspost folgendes mit:Genaue Unterlagen dar. über, wie sich die Rundfunkteilnehmer auf Detek­tor- und Röhrenempfänger verteilen, liegen bisher nicht vor. Mit Rücksicht auf den Ausbau des Deut­schen Rundfuntsendernetzes ist es für die Deutsche Reichspost aber unbedingt notwendig zu wissen, mit welchen Empfängertypen der Rundfunk ab- aehört wird. Auch ist die Funkindustrie und der Funkhandel für die Durchführung planmäßiger absatzpolitischer Maßnahmen darauf angewiesen, einen Ueberblick zu erhalten, welch« Arien von Rundfunkempfangsgeräten sich in Deutschland im Gebrauch befinden, da die vorhandenen Produk­tionsstatistiken hierüber keinen Aufschluß geben. Die

Freitag, den 2. Januar 1931

Umfrage bei den Rundfunkteilnehmern soll dazu dienen, über die von den Rundfunkteilnehmern be­nutzten Empfangsgeräte zuverlässige Zahlen zu ge­winnen." Zur Erreichung dieses Zieles wird allen Rundstinkteilnehmern dringend empfohlen, die von den Postämtern verteilten Fragerarten ausgefüllt zurückzugeben.

* Immer stärkerer Andrang zum Hochschul­studium. Wie amtlich mitgeteilt wird, betrug die Gesamtzahl der an den wissenschaftlichen Hochschulen im Deutschen Reich immatrikulierten Studierenden im Sommersemester 1930 132 090 gegenüber 122 391 im Wintersemester 1929/30 und 123 700 im Sommersemester 1929 Die Zahl der Studierenden im ersten Semester, die den Andrang zum Stu- dium kennzeichnete, betrug im Sommerscmester 1930 für die Reichsdeutschen allein 24160; sie hat gegenüber dem Sommersemester 1929 noch um 2,8 Prozent zugenommen. Interessant ist die Fest­stellung, daß der stärkste Andrang bei weiblichen Studierenden festgestellt wird. ' Während im Sommersemester 1929 von 23 504 Neu-Jmmatriku- lierten 19 014 männlich und 4490 oder 19 Prozent weiblich waren, befanden sich unter den 24 160 Neu Immatrikulierten im Sommersemefter 1930 nur noch 18 850 männliche, dagegen 5310 oder 22 Prozent weibliche. Die Zahl der weiblichen Studierenden ist im Sommersemester 1930 auf 19 428 oder 14.7 Pro­zent aller Studierenden gestiegen. Besonders stark ist wieder die Erhöhung der Zahl der Studierenden der medizinischen Fächer, während der Anteil der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften zurückging. Starke Zu­nahme weisen noch auf Evangelische Theologie, Päda- gogik für Volksschullehrer sowie fast alle anderen für das^ehramt vorbereitenden Fächer. Vonden weib­lichen Studierenden wurden wie bisher bevorzugt: allgemeine Medizin, neue Sprachen, Germanistik, Prädagogik, Mathematik. Die Zahl der auslän­dischen Studierenden auf den deutschen Hochschulen betrug 7009 oder 3.8 Prozent mehr als im Sommer­semester 1929. Bon den Ausländern waren 974 oder 13.9 Prozent weibliche Studierende. Die Aus­länder bevorzugten die Studienfächer Allgemeine Medizin, Chemie, Rechts- und Staatswissenschaft, Zahnheilkunde und Maschineningenieurwesen.

LaudSreiS Aanau.

x Windecken, 2. Dez. Abschiedsfeier. Mit dem 1. Januar ist Herr Landjägermeister Jochim nach über 41 jübriger Dienstzeit, davon 23 Jahre Jahre im Landkreise Hanau vor Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand getreten. An dieser Stelle wurde bereits vor einiger Zeit betont, wie sehr es der Scheidende während seiner Amtszeit verstand, mit viel Takt ein gutes Einvernehmen mit der Bevölkerung seines Bezirks dauernd auf­recht zu erhalten. Nun fand am vergangenen Dienstag im Kasino der Schutzpolizei in Hanau eine von den Kameraden des in den Ruhestand tretenden arrangierte Feier statt, die noch einmal so recht die Beliebtheit des Herrn Jochim bei seiner vorgesetzten Behörde und den Ortspolizeiverwaltern seines Bezirks und seinen Kameraden zeigte. Herr Landrat Kaiser als staatlicher Polizeiverwalter des Kreises ehrte die vorbildliche Pflichterfüllung Jochims bis zum Letzten in herzlichen Worten, er sieht in ihm den Typ des alten gewissenhaften Landjägers der Vorkriegszeit, der auch unter den neuen Verhältnissen stets gleichblcibend feinem ver­antwortungsvollen Posten vorstand. Herr Landrat Kaiser verlas am Schluffe feiner Ansprache ein Schreiben des Herrn Regierungspräsidenten, das ebenfalls Dank für die Treue Jochims enthielt; für den Kreisausschuß überreichte Herr Landrat ein kleines Geschenk. Von der Regierung in Kassel war der Oberaufsichtsbeamte der Landjägerei, Herr Landjägermajor Roßeburg, erschienen, der gleicher­maßen die treue Pflichterfüllung und den kamerad­schaftlichen Sinn Jochims hervorhob; er gedachte dabei auch mit anerkennenden Worten der Land­jägerfrauen und der Frau Jochim im besonderen; sie hätten einen großen Anteil daran, die Dienst- freudigkeit der auf exponiertem Posten stehenden Landjägereibeamten wachzuerhalten. Für die Bürgermeister des Bezirks sprach Herr Bürger­meister Adam, Eichen, der ebenfalls die stets gleich­

bleibende Verantwortungsfreudiakcit und das Be- streben Jochims hervorhob, mir den Bewohnern seines Bezirks in gutem Einvernehmen zu bleiben. Seine lange Tätigkeit habe außerordentlich er- zieherisch gewirkt. Für die Landjägerbeamten des Kreises sprach deren Obmann, Landjägermeister Holzwger, Großauheim, der u. a. betonte, daß der aus dem Dienste Scheidende ein Vorbild echter Kameradschaft gewesen sei. Er überreichte ein Ge­schenk. Von allen Rednern wurde betont, Herr Jochim möge auch im Ruhestand weiter der gute Berater und Kamerad bleiben. Der also Geehrte dankte in sichtlicher Rührung für all die unverhoff- ten Ehrungen. Der äußere Rahmen der Veranstal­tung war äußerst geschickt aufgemacht. Neben einer flotten Kapelle sorgte ein Humorist für gediegene Unterhaltung.

Oberdorfelden, 31. Dez. Am Dienstag, 30. Dez., fand eine Dringlichkeitssitzung der Gcmeindever- treter statt. Die Dringlichkeit in ar veranlaßt, durch ein Schreiben der Kreisverwaltung, wonach allen Gemeindeangestellten mit mehr als 1500 Mark Jahresgehalt bis zum 31. Dezember 1930 zu kün­digen sei. Der Bürgermeister hatte die Kündigungen mit dem gesetzlichen Gehaltsabbau von 6 Prozent bereits vorgenommen. Ein Gemeindevertreter be­dauerte in der folgenden kurzen Debatte, daß durch die Notverordnungen unsere kleinsten Angestellten am härtesten getroffen werden, besonders für den Nachtwächter sei eine Neuregelung notwendig, um einen Ausgleich herbeizufllhren. Zu Punkt 2, Holz­verkauf im Gemeindewald, welcher mit einer Ein­nahme von 1562 Mark abschließt, wurde einstim­mige Genehmigung erteilt. An der Säuberung des Gemeindeschlagwaldes von minderwertigem Ho^z kann sich von jedem Haushalte eine Person beteili­gen, als Entschädigung wird das so gewonnene Holz unter die Beteiligten verteilt. Nach kurzen Be­sprechungen und einem Glückwünsche für das neue Jahr wurde die letzte Sitzung für 1930 geschlossen.

Aus Stekuherm stitfe Itmsevm»«

ai Hainsladk, 31. Dez. Unfälle. Beim Fuß­ballspielen brach der 16jährige Karl Schnabel, Sohn des Schneidermeisters K. Schnabel, das rechte Bein. Dr. Euteneuer leistete die erste Hilfe. In der Nacht vom 30. auf 31. Dezember fuhr das Lastauto der Fa. Döring von Hanau die Pro­vinzialstraße SeligenstadtHainstadt passierend, vor dem Eingang des hiesigen Ortes infolge Ver­sagen der Steuerung die 5 Meter hohe Böschung des Maines hinunter ohne sich zu überschlagen. Personen kamen nicht zu Schaden. Sterb e- fall. Heute verstarb unsere älteste Einwohneriü Frau Eva Blumör im Alter von 88 Jahren.

ai Hainstadt, 31. Dez. Der GesangvereinHar' monie" hielt im Saale zum Löwen seinen Familien­abend ab, der sich wie immer eines zahlreichen Be­suches erfreute und einen stimmungsvollen Ver­lauf nahm. Nach Begrüßung durch den Vorsitzen­den Ludwig Maier, der allen Anwesenden einen vergnügten "Abend versicherte, kam der Eröffnungs­chorWeihe des Gesangs" mit Orchesterbegleitung zum Bortrag, der mit großem Beifall ausgenom­men wurde. Hierauf folgte ein Singspiel in drei AktenAls ich Abschied nahm, als ich wieder kam", dem das Publikum große Aufmerksamkeit schenkte. Nach Vortrag eines Musikstückes wurde der Chor Donauwellen" mit Orchesterbegleitung zu Gehör gebracht Ein humoristisches SingspielDie Meister­singer von Krümmelwitz" löste im Publikum größte Heiterkeit aus. Der Abend war ferner ausgesüllt mit Verlosung und Vortrag von Musikstücken, aus­geführt durch das auf der Höhe stehende Salon- orchester Hechler, Hainstadt. Das Publikum, das den Vorträgen mit größter Aufmerksamkeit folgte, dankte dem Orchester für die musterhafte Begleitung der Lieder und Darbietungen schöner Konzertstücke durch reichen Beifall.

Nr. 1

" «reis Büdingen.

verschlucktes Gebiß

i Ulrichstein, 1. Jan. Hier verschluckte ein junger Mann sein Gebiß, das am Mageneingang stecken geblieben war. Wne sofortige Operation hatte keinen Erfolg. Der junge Mann ist nach kurzer Zeit gestorben.

i Allenstadl, 2. Jan. Die Eheleute, Weihbinder Philipp Bingel, dahier, begehen heute das Fest der goldenen Hochzeit.

t Hainchen, 30. Dez. Am 2. Weihnachtsfeier^ hielt der GesangvereinLiedertafel" einen sehr gut besuchten Theaterabend ab, in dessen Mittelpunkt das SchauspielEin Frühlingstraum" nach dem- gleichnamigen Roman von Fr. Lehne stand. Sämt­liche Mitwirkenden waren mit Lust und Liebe bei der: Sache, so daß eine abgerundete, äußerst beifällig' aufgenommene Aufsührung zustande kam.

AttH Gelnvanfe«.

s Gelnhausen, 1. Jan. Im benachbarten Wirt­heim wurde in einer der letzten Nächte an nicht weniger als drei Stellen eingebrochen; die Diebes / beute bestand in Anzügen, Lebensmittln und derglI Bei einem Versuche, ein Fahrrad durch ein Fenster zu bugsieren, machten sich die Langfinger bemerk­bar und mußten ihre Beute im Stiche lassen. Mar nimmt nicht zu Unrecht an, daß es sich um eine mehrköpfitzeInteressengemeinschaft" handelt, die planmäßig die Gegend bereist. In der Geln< Häuser Oberstadt wurde in einem Lebensmittel.-) geschäft am hellichten Mittag zum zweiten Male bereits die Ladenkasse ihres Inhaltes beraubt und, wie auch im ersten Falle, ein Barbetrag in Höhe von 2530 RM gestohlen.

m Somborn, 31. Dez. Gemeindevertre­te r s i tz u n g. Punkt 1 der Tagesordnung: Be­schlußfassung über die Renovierung des Gemeinde- , backofens in der Barbarossastraße oder Neubars eines Backofens wurde zurückgestellt. Es soll zun nächst ein Kostenvoranschlag bezüglich der beabsich­tigten Renovierung eingeholt werden. Belaufen fid;^ aber die Instandsetzungskosten dafür zu hoch, wirdW in der nächsten Sitzung evtl, der Neubau beschlösse::-- und der Bauplatz dazu bestimmt. Das erwähntes Backhaus bildet schon seit langer Zeit ein Ver-W kehrshindernis, weshalb auch die Vertretung ge­neigt ist, den Erfordernissen der Zeit Rechnung zuM tragen. Der zweite Antrag: Erhöhung der-U schlüge zu den Gemindeumlagett kam, nachdem aud|6 der Gemeindevorstand eine ablehnende HaltunM eingenommen hae, zur Ablehnung. Eine ErböhunM des Sprunggeldes für Ziegen erfolgt nicht, es» bleibt , h?- äLN^H"*""'''^ ^rya von RM 1. £ pro'Ziege. Der gemeinbImje5)ol5Bme^^

Selzert" findet am Montag den 5. SanuarTW statt. W

§ Hailer, Post Meerholz, 1. Jan. Der Kurhellüch: Junglandbund hält hier, zusammen mit der Kreis- - jungbauernschaft Gelnhausen und geleitet vom^ Direktor der Christlichen Bauernhochschule Los-" Hausen, Pfarrer Fritsch, einen Führerlehrgang für' die Heranbildung geeigneter Junglandbundängeböri-[ ger ab, der vom 5. bis 9. Januar 1931 imMn- j burger Hof" zu Hailer mit folgender Vortragsreihen stattfindet: 1.Ländl. Geschichte" (Ref. Pfarrer I Fritsch); '2.Landbund und politische Parteien";-» 3.Unsere heutige Zoll- und Handelspolitik und» ihre Auswirkung auf die Landwirtschaft"; 4.Be-N deutung des Genossenschaftswesens und Notwendig-W seit des genossenschaftlichen Absatzes"; 5.Heutige« Lage und Aufgaben des Landbundes"; 6.DieW volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft";» (Ref. Dr. Cordes von der LandwirtschaftskammerU zu Kassel); 7.Innere Verwaltung des Reiches und« der Länder"; 8.Eine Siedlungsiabrt in den deut­schen Osten (Junglandbundvorsitzender Heinrich Herbert-Meerholz).

Stadttbeaiev Kanan

Vrmtev GUvefiSBabend

Radio-Bild-Funk-Hanau.

Der traditionelleBunte Abend" am Silvester fand auch diesmal wieder allgemeinen Anklang und wer gekommen war, brauchte es nicht zu bereuen. Die Darbietungen waren nicht nur zahlenmäßig von großem Umfang, sondern auch durch ihre Art so recht geeignet, Silversterstimmung hervorzubringen. Es gab von jedem etwas und die Künstler haben bewie­sen, daß sie verstehen, ein gutes Kabarett aufzuziehen. Das aus 20 Nummern bestehende Programm aufzu­zählen, würde ermüden und einzelne Nummern her» vorzuheben, wäre ungerecht.

Man hatte als Rahmen ein Funkprogramm ge­wählt und Mario Ditmar verstand es aus höchster Höhe, aus allen Ländern etwas herbeizu­holen. Seine Ansage war dabei witzig und nett. Die Regie des Abends hatte Heinrich Bauer, die musikalische Leitung Dr. Wödl und H. Hilde- b r a n d t Neben gewohnten Vorträgen sah man Zauberkunststücke, Tänze, Musikklown, Ensemble­nummern und eine hübsche Polka von H. Hildebrandt, getanzt von den Damen des Balletts. Die sehr nied­liche Operette10 Mädchen und kein Mann" von Supvs beschloß den gelungenen Abend. Ein Bravo den Damen für ihr Xylophonspiel. Das Publikum sah sich ausgezeichnet unterhalten und strebte in ge­hobener Stimmung dem Silvesterpunsch zu..

^eimM vsèZ Stephan

zu seinem 100. Geburtstag

o Dr. Hemrich von Stephan, Gsneralpostmeister und Staatssekretär, wurde am 7. Januar 1831 zu Stolp in Pommern geboren. Nach Ablegung der Reifeprüfung und Erreichung des vorgeschriebenen Mindestalters Eintritt als Postschreiber (damalige Bezeichnung der Anwärter für den höheren Post­dienst) beim Postamt Stolp am 20. 2. 1848. Nach Ablegung der Fachprüfung, Ableistung des einjährig-freiwilligen Militärdienstes und kurzer Beschäftigung im Generalpostamt in Berlin kommt Stephan nach Köln, wo er den Auslandsdienst kennen lernt. Am 1. 5. 1856 wird er wieder in

das Generalpostamt berufen und am 14. 8. 1858 zum Postrat bei der Oberpostdirektion Potsdam ernannt. 1863 wird Stephan Oberpostrat, 1865 Geheimer Postrat und vortragender Rat, 1867 Ge­heimer Oberpostrat und am 26. 4. 1870 General-

Heinrich von Stephan

postdirektor des Norddeutschen Bundes. Die Uni­versität Halle verleiht ihm 1873 die Würde eines Ehrendoktors. Anläßlich der Verschmelzung des Reichstelegraphen mit der Reichspost (1876) wird Stephan Generalpostmeister mit dem Prädikat Exzellenz". Nach Einrichtung des Reichspostamts erhält Stephan die AmtsbezeichnungStaats­sekretär des Reichspostamts". 1885 wird er in den erblichen Adelsstand erhoben und 1895 mit dem Rang eines Staatsministers ausgezeichnet.

Stephans Verdienste um das Postwesen be­stehen zunächst in der Schaffung neuer Dienst- zweige sowie der Vereinheitlichung und Ver­billigung der Gebühren. Eine hervorragende Leistung war die Ueberführung vieler Landesposten in die Preußische Postoerwaltung' und die Be­

seitigung des Thurn- und Toxischen Postwesens im Jahre 1867. Zahlreiche Postverträge mit dem Ausland, die Stephan in den Jahren 1863 bis 1870 abfchloß, haben eine Vereinfachung und Er­leichterung des zwischenstaatlichen Verkehrs zur Folge gehabt.

Im Oktober 1865 bereits schlug Stephan die Einführung der Postkarte vor, die 1870 im Nord­deutschen Postgebiet ausgegeben wurde. Im Kriege 1870/71 organisierte Stephan die Norddeutsche Feldpost, 1871 führte er den Postauftrag ein. Alle von ihm geschaffenen Erleichterungen und Ver­besserungen bewirkten einen außerordentlichen Aufschwung des Postverkehrs. Zur Verbesserung der Postverhältnisse auf dem Lande wurden im Jahre 1871 Postagenturen und 10 Jahre später Posthilfsstellen als Ergänzungsanlagen für den Landzuftelldienst eingerichtet. Nach Stephans Vor­schlägen endlich wurde 1874 auf dem allgemeinen Postkongreß in Bern der Weltpostverein gegründet.

Die große Bedeutung des Fernsprechers wurde zuerst von Stephan erkannt, der im Jahre 1877 in Berlin die ersten Sprechversuche anstellen ließ und das neue Verkehrsmittel in den Reichspost- und Telegraphenbetrieb aufnahm. In feine Amts­zeit fällt auch die Verbindung aller wichtigen Haupt- und Handelsstädte des Reichs durch unter­irdische Kabel. Gleichzeitig wandte er bem Ausbau der Seekabelverbindungen seine volle Aufmerksam­keit zu. Erwähnt fei auch die Einstellung von Reichspostdampferlinien, die Einrichtung von Post­anstalten im Auslande und in den deutschen Kolonien wie nicht zuletzt die Gründung des Reichs­postmuseums, dessen Lichthof sein am 1. Mai 1899 enthülltes Standbild ziert.

Mit großem Erfolg war Stephan auch schrift­stellerisch tätig. 1859 erschien seineGeschichte der preußischen Post", 1868 und 1869 veröffent­lichte er verschiedene Arbeiten über das Verkehrs­wesen im Altertum und im Mittelalter. Ein Vor­trag über das heute besonders aktuelle Thema Weltpost und Luftschiffahrt" erschien schon 1874 im Druck. Ein besonderes Verdienst erwarb sich Stephan schließlich um die Reinigung der Amts- wie überhaupt der deutschen Umgangssprache von Fremdwörtern. Stephan starb am 8. 4. 1897 in Berlin.

o Konservatorium Stadthalle. Am Donnerstag, 8. Januar, wird mit dem Unterricht wieder begon­

nen. Neben der Einzeln-Ausbildung in allen Fächern der Tonkunst sind Klassen für Theorie, Orchester und gern. Chorgesang eingerichtet, an denen außer den Schülern des Konservatoriums auch Hospitanten (Damen und Herren) teilnehmen können. Auch an den musikgeschichtlichen und musik­wissenschaftlichen Vorlesungen können sich Hospi­tanten beteiligen. Die Prospekte des Konservato­riums sind kostenlos in den hiesigen Musikalien­handlungen und bei der Direktion erhältlich (siehe Inserat in der heutigen Nummer desHan. Anz."). o Skadttheater. Aus. dem Theatevbüro wird uns geschrieben: Heute abend 8 Uhr wird als 16. Vor­stellung im Freitag-Abonnement erstmalig bet durchschlagend Lacherfolg ......Vater sein dage­gen sehr", Lustspiel in drei Akten von Carpenter wiederholt. Ein neuer Gedanke, geschickt durchge- führt, im Dialog sein pointiert, der Humor sym­pathisch, die Tragikomik, die über dem ganzen liegt, nicht aufdringlich, und die Gestalten gut gesehen. Also ein Lustspiel wie man es sich wünscht. - Morgen Samstag,, abends 7.30 Uhr gelangt für die ! 15. Vorstellung im Freitag-Abonnement der große. Lehar-ErfolgDer Zarewitsch", Operette in drei Akten von Franz Lehar, dem Komponisten von Land des Lächelns", zur Aufführung. Kom­menden Sonntag, abends 7.30 Uhr geht der be­liebte und erfolgreiche OperettenschlagerDas Musi- kantenmädel", Operette in drei Akten von Georg Jarno in Szene.

Radioweihnachlen in Alaska

Wie Telegramme aus den fernen nordischen Ge­genden der Hudson-Bai melden haben Missionare und Eskimos das diesjährige Weihnachtsfest dank dem Rundfunk besonders angenehm verleben kön­nen. Die Eskimos führten auf dem Schnee Tänze aus, zu denen die Orchester aus allen Weltteile" die Musik lieferten. Man veranstaltete weiterhin turnerische Spiele, verteilte Geschenke und ließ sich das gewohnte Mahl aus Walfischfleisch wohl­schmecken Auch an der Barrow-Spitze verteilten die Missionare unter den Eingeborenen Geschenke. Man erfreute sich der Darbietungen eines ausge­dehnten Rundfunkprogramms, das von den ameri­kanischen und asiatischen Sendestationen bestritten wurde. Zum ersten Mal konnte büi dieser Ge­legenheit Amerika auch den Konzerten der jap"' Nischen Radiostationen lauschen.