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Freilag, den 2. Januar 1931

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Slug»-, die neue «rottkpvmhe

Welhiropaganda für ein vereinfachtes Englisch ' Jahrhundertealte Wünsche werden erfüllt Ueber- raschend leichte Erlernbarkeit

Mit einer neuen Weltsprache, die sichAnglic" nennt, ist der Professor der englischen Sprache an der Universität Upsala, Zachrisson, an die Oeffent- lichkeit getreten. Im Gegensatz zu seinen vielen Vorgängern ist dieses neue Idiom keine künstlich erdachte Sprache, sondern reines Englisch, das sich von diesem nur durch das wesentlich vereinsachte Aussprachesystem unterscheidet. Zur Verbreitung der neuen Sprache ist bereits in Upsala eine Gesell­schaft gegründet worden, die ein eigenes Organ er­scheinen läßt und zahlreiche Propagandaschriften verbreitet. Dasanglico" stellt einen radikalen Versuch dar, ein Ziel zu erreichen, das die zum gleichen Zweck gegründeten Gesellschaften in Eng- : land und Amerika seit langem anstreben. Pro­fessor Zachrisson weist darauf hin, daß bereits der Kanzler der Königin Elisabeth, Thomas Smith, im Jahre 1560 eine Reform der englischen Aussprache anstrebte, und daß 20 Jahre später Bullokar mit einem anderen vereinfachten Aussprachesystem her­vortrat. Seitdem sind rund 70verschiedene Aussprache- i», lysteme ausgearbeitet worden, von denen sich aber Mnicht eins hat durchsetzen können. Der Grund ist Finnin zu suchen, daß alle diese Sprachreformatoren f chr System auf den Grundsatz der phonetischen Aussprache aufgebaut und sich dadurch zu der eng- ' lischen Tradition in Widerspruch gesetzt haben. Statt dessen hat Professor Zachrisson die 42 eng­lischen Sprachlaute, die in 500 verschiedenen Arten gesprochen werden, eingehend geprüft und mitein­ander verglichen. Er konnte dadurch den statistisch belegten Nachweis erbringen, welche Aussprache bei einem bestimmten Laut am häufigsten zu verzeich­nen ist. Bor einigen Monaten richtete der Pro­fessor fünf Lehrkurse in englischer Sprache auf Grund seines Aussprachesystems ein. Es nahmen daran verschiedene Gruppen schwedischer Schüler teil, die vorher von der englischen Sprache nichts wußten. Nach zwanzig Lektionen zu je 90 Minuten waren die Schüler soweit, Englisch geläufig lesen, schreiben und sprechen zu können, ' obgleich ihr Vokabelschatz naturgemäß beschränkt war. Die dem gleichen Zweck dienenden englisch-amerikanischen Gesellschaften haben ihre volle Zustimmung zu dem neuen schwedischen Programm erklärt und wollen sich mit Professor Zachrisson zusammentun, um für die Verbreitung desAnglic" an Stelle anderer Aussprachesysteme mit aller Kraft einzutreten. Auch Lord Cecil, Professor Gilbert Murray, der amerika­nische Professor Krapp und verschiedene andere prominente Neuphilologen haben sich im gleichen Sinne ausgesprochen, und es sollen im Interesse der Verbreitung desAnglic" in allen zivilisierten Ländern RLlljchüfteir gegründet werdâ die sich" - -n-c Aufgabe unterziehen wollen, dasAnglic" zur herrschenden Weltsprache zu machen.

Der Filmlöwe und sein Thronfolger.

Der vielgenannte Hollywooder Löwe Numa, der zwar nicht mehr König der Wüste, sondern des Film­studio war, ist tot. An seine Stelle ist nach dem auch dort geltenden Grundsatz:Der König ist tot, es lebe der König" sein Enkel Pluto getreten. Aber die amerikanischen Filmschauspieler werden vor der aus- gestopften Hülle des beliebten vierbeinigen Kollegen ihre Trauer nicht verbergen können, denn Numa war wegen seines umgänglichen Wesens und im späteren Alter wegen seiner stumpf gewordenen Zähne ge­schätzt, während sein Nachfolger Pluto gelegentlich keinen Zweifel aufkommen läßt, daß er ein wirk­licher Leu ist, und daß seine Zähne lang und scharf sind. Numa gehörte ursprünglich einem Zirkus, der ihn zu einer Filmaufführung ausgeliehen hatte. Der Erfolg dieses Debüts war so durchschlagend, daß Pluto später in allen Filmstücken mitwirkte, in denen ein Löwe gebraucht wurde. Eine seiner letzten gro­ßen Rollen zeigte ihn an der Seite Charlie Chaplins in dem FilmZirkus", wo sich der frühere Menage- rielöwe offensichtlich ganz zu Hause fühlte. Numa hatte 1914 in Abessinien das Licht der Welt erblickt, er hinterläßt eine Nachkommenschaft von 25 Köpfen auf der Löwenfarm, die sein Herr gegründet hatte, als ihm der Erfolg des berühmten Filmstars gezeigt hatte, welche Aussichten sich dem Löwenzüchter eröff­neten.

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Iehn Jahve Reichswehr; und Reichsmavine

die persönliche Tüchtigkeit und den inneren Wert jedes einzelnen Soldaten, soweit wie möglich, aus­zugleichen. Nachdem der Reichswehrminister dann noch Fragen der AusbiDung und verschiedenen Re. formen auf dem Gebiet des Strafwesens ein­gehender behandelt und sich ferner mit dem Aufbau der deutschen Marine beschäftigt hatte, schloß er unter nochmaliger starker Betonung des Gedankens, daß die Reichswehr weder einen Rechts­no ch Linkskurs kennt, mit der Feststellung, daß niemand in Deutschland einen Krieg wolle, aber daß die Landesver­teidigung eine Lebensfrage der Na­tion sei. Ohne Wehrhaftigkeit und Selbst­behauptungswillen könne kein großes Staatswesen bestehen.

Am 1. Januar 1931 sahen Reichswehr und Reichsmarine auf ihr zehnjähriges Bestehen in ihrem heutigen, durch das Versailler Friedensdiktat vor geschriebenen Aufbau zurück. Obige Männer schufen Heer und Marine.

1. Reihe: die Reichswehrminister Noske 191920, Geßler 192028, Gröner seit 1928.

2. Reihe: die Chefs der Heeresleitung v. Seeckt 192026, Heye 192630, v. Hammerstein seit 1930.

3. Reihe: die Chefs der Marineleitung Zenker 192428, Raeder seit 1928, Behncke 192024.

Dev ReichsKvastVertt au die Wehvmacht

Berlin, 31. Dez. Der Reichspräsident richtet an die Wehrmacht folgenden Erlaß:

Am 1. Januar 1931 besteht die Reichswehr ein Jahrzehnt lang in der Form, die ihr der Vertrag von Versailles bestimmte. 3m Zeichen der vater­ländischen Roz wurde sie unter meinem Amksvor- gänger geschaffen. Trotz altex ihr auferlegten Fes­seln hat sich die WehrmaM als Hort des.Meren und inneren Friedens, als eiserne klammer des Reiches und als feste Stütze des Staates erwiesen. Das ihr zu treuen Händen übergebene Erbe der alten Armee und Marine hat sie gut verwaltet.

Ich danke der Wehrmacht für die Arbeit dieses Jahrzehnts und entbiete ihr meine herzlichsten Wünsche zum neuen Jahr. Möge sie weiterhin ihre Ehre dareinsehen, in Gehorsam und treuer Pflicht­erfüllung dem Vaterlande zu dienen.

Berlin, 31. Dezember 1930.

Der Reichspräsident (gez.) von Hindenburg

Der Reichswehrminisker (gez.) Gröner.

RetthswehvsräMev OvVttSv üSsv die Reichswehv

Berlin, 1. Jan. Anläßlich des 10jährigen Be­stehens der Reichswehr sprach Reichswehrministsr Gröner heute abend auf der Deutschen Welle im Rundfunk über Geschichte, Aufgaben und Leistungen der Reichswehr. Er stellte fest, daß die Wehrverfassung, die uns,den zu 12jäh­

riger Dienstzekt verpflichteten Berufssoldaten ge­bracht hat und im Vergleich zu dem Wehrsystem der anderen Länder die relativ höchsten Kosten verursache, dem Willen des deutschen Volkes wider­spreche. Dann ging er auf den ungeheuren Gegen­satz zwischen den Deutschland auferlegten Beschrän­kungen im Aufbau seiner Wehrmacht und dem Er­gebnis her letzten Genfer Abrüstungsbe- s p r ech u n g e n ein.

Deutschland verlange für sich das gleiche Maß an Sicherheit, das alle anderen Staaten für sich in Anspruch nehmen. Die Welt dürfe über die Tragweite dieser Frage nicht im Unklaren bleiben. Ls handele sich hier um eine Lebens­frage, nicht nur für uns, sondern auch für den

Völkerbund und die Zukunft der Welt.

Der Aufbau der deutschen Wehrmacht unter den oorgeschriebenen Bedingungen stelle an die Selbst­zucht, die Berufsfreudigkeit und das Staatsbewußt­sein der Reichswehrangehörigen die höchsten Anfor­derungen. Aus der Auflehnung gegen den äußeren Druck seien Ereignisse, wie die des Jahres 1920, und Stimmungen, wie sie im Leipziger Prozeß sichtbar wurden, zu erklären. Die Staatsräson for­dere aber ihre strenge Unterdrückung. Die Reichs­wehr, dürfe niemals eine Prätorianergarde werden, die nach eigenem Gutdünken in die Geschicke des Staaes eingreift Unabhängig vom Streit der Par­teien habe die Wehnnacht nur dem Staat zu dienen. Die beiden bisherigen Reichspräsidenten hätten dafür gesorgt, daß die Linie der Ueberpar- teilichkeit auch in Zeiten politischer Hochspannung bisher Rar eingehalten worden ist. Die äußeren Schwächen der Wehrorganisation gelte es durch

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Eine IeitgenofM Ätzvotts und wattev Scotts, die noch lebt

Am 4. November 1820 wurde dem englischen Baron Plumker eine Tochter geboren, die den Namen Kacharina erhielt. Sie lebt noch und erfreut sich, trotz ihren 110 Jahren, einer beneidenswerten Ge­sundheit. Die Greisin ist' die letzte nodf lebende Zeit­genossin Lord Byrons und Walter Scotts. Ihr Alter ist, was die wenigsten vielgenannten Methusalems von sich sagen können, dokumentarisch nachweisbar. Lord Plumket war mit Walter Scott eng befreun­det. Der gefeierte Romancier pflegte der kleinen Kacharina vor dem Schlafengehen Geschichten zu er­zählen. Noch heute spricht die Greisin von den ent­zückenden Märchen, die der berühmteste Schriftsteller der damaligen Zeit chr vor mehr als hundert Jahren erzählt hat.Ich habe viel erlebt," erzählt Katharina Plumket. die unverehelicht geblieben ist, einem JournalistenIch habe meine erste Reise auf dem ersten Dampfschiff gemacht, das zwischen Irland und England verkehrte. Im Jahre 1839 fuhr ich mit der ersten Eisenbahn von London nach Birmingham. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie Königin Victoria als junges Mädchen im Jahre 1838 in London ge­krönt wurde. Ganz deutlich erinnere ich mich an den Krimkrieg, als ob er gestern gewesen wäre. Ich finde, die heutige Generation hat, trotz Sport und Hygiene, nicht das Verständnis für ein langes Leben. Ich glaube nicht, daß viele von unseren jungen Mädchen mein Alter erreichen werden. Die Jugend von heute macht sich auch zu viel Sorgen. Es wird viel über Arbeitslosigkeit geschrieben. Dieses Problem ist doch sehr einfach zu lösen. Man braucht nur allen Wür­denträgern Englands ihre Bezüge zu kürzen, die ein­gesparte Summe unter die Arbeitslosen zu verteilen und zugleich die öffentlichen Arbeiten zu fördern.

Bibelverkrieb zwischen Bestien und Räubern

Doß die Bibel das Buch mit den größten Auf­lagen und über die ganze Well verbreitet ist, und daß ihr Absatz noch immer steigt, ist bekannt. Weniger bekannt dagegen sind die Schwierigkeiten, mit denen die Verkäufer, besonders die Kolporteure in fernen Ländern zu rechnen haben. Sie müssen oft unter Lebensgefahr ihre Bibeln an den Mann bringen. Da ist z. B. in Tsin Tsin ein ehemaliger Räuber, Chang Hwei, als Verkäufer tätig. Er wurde bereits dreimal von seinen ehemaligen Spießgesellen gefangen genommen und entging nur durch ein Wunder dem Tode, indem es ihm jedesmal gelang, das Weite zu suchen. Im Orissa- gebiet in Indien besucht ein eingeborener Kol­porteur Dorf um Dorf. Sein Weg führt chn dabei mitten durch das Dschungel, wo er ständig mit Angriffen eines Tigers rechnen muß, der dort ein Schrecken der ganzen Umgegend ist, was man verstehen kann, wenn man hört, daß das Raubtier in diesem Jahr bereits 55 Menschenleben auf dem Gewissen hat, während chm im Ganzen 362 Dorfbewohner auf das Konto geschrieben werden. Ein Land, wo die Bibel nicht abgesetzt werden darf, ist zurzeit Rußland. Der Ausfall dieses ungeheuren Gebietes tut jedoch der Verbreitung des Buches der Bücher keinen Abbruch. Im letzten Jahr wurden 12175 292 Bibeln gedruckt, d. h. 750 000 mehr als im Jahr zuvor.

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Hanau KoBisorvdtorium für Musik stadthaiie

Wiederbeginn des Unterrichtes: Donnerstag, den 8. Januar 1931.

Neuanmeldungen baldigst erbeten.

Ausbildung in allen Fächern der Tonkunst Teilnahme auch für Hospitanten (Damen und Herren) an den Theoriekursen, an der Orchester- und Chorklasse.

Musikgeschichtliche und musikwissenschaftliche Vorlesungen (ebenfalls für Hospi­tanten offen).

Prospekte sind in den hiesigen Musikalienhandlungen und bei der Direktion des Konservatoriums kostenlos zu haben. 16

Werbeabend

Die Hanauer Evangel. Deutsche Bahnhofs­mission veranstaltet am Montag, 5. Januar in der Turnhalle (fahnstraße) einen

Werbeabend

Generalsekretärin FrJ. Th. Reineck-Berlin und Frl. Aug. Kröger-Kassel, Geschäftsführerin des Unter- verban des der Ev. Deutschen Bahnhofsmission Kurhessen und Waldeck sprechen über

Aufgaben u. Arbeit der Bahnhofsmission

Anfang 7»/» Uhr Eintritt frei

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Ein frohes neues Jahr

wünscht ihren werten Gästen

Frau B. Neubauer u. Familie

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Erste Auflage zur

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Samstag, 3. Januar, abends 8 Uhr. 2303t