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M. 305
Mittwoch den
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31. Dezemdev
1630
An der Jahreswende 1930/31
Was war
? Und was wird sein?
Politische
Jahresschau
Es gehört zu geordneter Gepflogenheit, daß am Jahresschluß der einzelne, wie die große Gemeinsamkeit über Tätigkeit, Erfolge und Mißerfolge die Bilanz zieht, die für die Erhaltung und Förderung der Lebensexistenz unbedingt notwendig ist. Aber auch im politischen Zusammenleben dürfen wir in der Tretmühle des Alltags diese Notwendigkeit des Rückblickes nicht gleichgültig übersehen. Im Gegenteil, ein solcher Rückblick kann sich von großem Wert erweisen, wenn man die Mahnungen, die ein abgelaufenes Jahr ausgesprochen hat, erhört und beherzigt. Darüber hinaus hält man auch Ausschau, die ebenfalls unerläßlich ist, um unserm ganzen Leben den nötigen Impuls zu sichern. So wollen wir denn in dieser Stunde, da wir dabei sind von 1930 in 1931 überzutreten, einen politischen Rück- und Ausblick halten — vielleicht können wir aus ihm Nutzen ziehen.
Februarwoche dem „Neuen Plan" zu, ebenso der Reichsrat. Letzterer unter Zurückstellung sehr schwerer Bedenken. Es wurde offen ausgesprochen, daß in die Durchführbarkeit des Poungplanes die schwersten Zweifel gesetzt werden müßten, sowohl in der Fähigkeit Deutschlands, die Jahresleistungen aufzubringen, die durchschnittlich zwei Milliarden betragen, also ungefähr 500 Millionen Mark weniger als im Dawesplan vorgesehen, wie in die Möglichkeit, die aufgebrachte Summe dann in fremder Währung an die Gläubigermächte zu transferieren. Ausschlaggebend war für die Zustimmung, daß die Finanzlage des Reiches eine Rückkehr zu dem Dawesplan nicht vertragen hätte. Am 11. Februar
Reichsrat.
schlaggebend war
Rückblick
Als vor einem Jahre die Silvesterglocken mit ehernem Mund 1930 verkündeten, glaubten wir uns berechtigt zu hoffen, daß dieses 1930 in inner- wie außenpolitischer HiMht ein Jahr des Aufstiegs werde. Wir hofften auch, daß die wirtschaftlichen stchâMr würden. Leider, leider und wir an der Sc
sehen, daß die Erwartungen nicht eingetroffen sind — und nicht nur das, sondern in vieler Hinsicht hat sich die Lage bedeutend verschlechtert. Man kann wohl sagen, daß unser deutsches Volk selten an einem Jahreswechsel so von Sorgen und Rot umdrängt war, wie in diesen Stunden des neu heraufziehenden Jahres 1931. Das innenpoltische Bild könnte einem zur Verzweiflung bringen. Ueberall wo man hinschaut, sieht man Parteihader, Neid, ■ Streit. Zerklüftet ist nicht nur das deutsche Volk, sondern auch das Bürgertum, somit zur Ohnmacht verurteilt. Wirtschaftlich sind wir in eine Not geraten, wie wir sie bisher nicht kannten — die fürchtd ‘
r sie bisher nicht kannten — die fast 4 Millionen Arbeitslosen ________,. Sprache von maßlosem Elend. Die Zahl der Konkurse und Geschäftsschließungen übertrifft alles bisher Erlebte. Und außenpolitisch sehen wir ein Erstarren der Diskussion, die im Laufe dieses Jahres um Reparationen, Abrüstung und Grenzfragen begann.
, iare Zahl von , , redet eine deutliche Sprache
Als wir in das Jahr 1930 eintraten, hatte Deutschland eine schwere Aufgabe vor sich liegen, nämlich die Haager Schlußkonferenz, über die An- ' L— ~___ig -Plan es. Auf dieser Son= fèrenz war Deutschland durch i Curtius und den Finanzminist
nghme des V o u n
den Außenminister
____ ____ .......ster Moldenhauer als Hauptdelegierte vertreten. Wie zu erwarten war, versuchten die Gläubigermächte zum Nachteil Deutschlands Korrekturen an den Abmachungen vörzunehmen, die auf der ersten Haager Konferenz een worden waren und zwar wollten sie in 25 in Abänderungen durchsetzen, die weit über den Rahmen des Erträglichen hinausgingen. Es befanden sich darunter Forderungen, die die Souveränität des Deutschen Reiches erheblich einengten und gegen die daher die deutsche Delegation angehen mußte. Letztere hatte dabei einen schweren Stand, auch insofern, als bei uns auch auf dieser Konferenz das alte Erbübel der Uneinigkeit auftrat. Während Man bei unseren Gegnern wochenlang vor Beginn der Konferenz bemüht gewesen war, eine geschlossene Einheitsfront zu schaffen, um alle Extratouren zu verhindern, mußte man bei uns eine Zerrissenheit und Spaltung wahrnehmen, die sogar zu einem recht unliebsamen Konflikt zwischen der deutschen Dele- Wion und dem Reichsbankpräsidenten Schacht führte. Letzterer lehnte es infolge einer Reihe von der Gegenseite gestellten Forderungen ab, die Reichsbank in der Bank für Internationale Zahlungen zu vertreten. Glücklicherweise konnte dieser Streit bald geschlichtet werden — wenn auch nur vorübergehend, bcnn Dr. Schacht trat einige Tage später zurück und wurde durch den früheren Reichskanzler Dr. Luther ersetzt — und auch sonst gelang es der deutschen Delegation, die meisten Forderungen abzuweisen. Immerhin mußten wir uns zu einigen Konzessionen herbeilassen. Nach vierzehntaglger Dauer konnte die Konferenz geschlossen werden. Am Januar wurde das Haager Schlußprotokoll unterzeichnet. Deutschland hatte den Dawes-Plan Mit dem Zoung-Plan vertauscht. In Deutschland war Man über das im Haag erzielte Ergebnis geteilter Ansicht. Wohl war niemand hoch erfreut über das Erreichst, aber ein Teil erklärte, daß angesichts der starken Einheitsfront der Gläubigermächte. Nichts günstigeres für uns herauszuholen gewesen fei, way- Avd der andere Teil den ganzen Plan als undurch- •üorbar ablehnte. Das Kabinett stimmte in der ersten
starken Einhei Künftigeres füi
begann dann der parlamentarische Kampf im Reichstag, der sich sehr schwierig gestaltete. Nach wochenlangem Hin und Her wurde am 12, Mai der Poung- plan angenommen und zwar mit 266 gegen 193 Stimmen Glaubte man damals, daß es doch möglich sein werde, wenigstens die ersten Jahre die festgesetzten Tributlasten zu tragen, so ist heute schon dieser Glaube zerstört, ebenso die Jllussion der anderen, als könnte das besiegte Deutschland allein die Lasten des Krieges tragen. Wir befinden uns in einer Weltwirtschaftskrise, die den Zwang zu neuen gemeinsamen Handlungen in sich trägt und so auf Aenderung und Revision des vor knapp Jahresftist abgeschlossenen Vertrages wirkt.
Mit der Ratifikation des Doungplanes war die
erste Voraussetzung für die vorzeitige Rheinlandräumung erfüllt; auch die anderen Boraussetzungen, wie internationale Zahlungsbank usw. wurde erfüllt, so daß am 30. Juni die endgültige Rheinlandbefreiung erfolgte, der letzte französische Soldat deutschen Mutterboden verließ. Trotz aller Not herrschte Freude und Jubel über dieses so heiß herbeigesehnte Ereignis. Ein, wertvoller Schritt nach vorwärts war getan, wertvoll nicht zuletzt deshalb, weil feit Jahrhunderten zum feststehenden Bestandteil der französischen Außenpolitik die Forderung gehörte, die Rheinlands Frankreich anzugliedern oder aus dem Rheinlande einen unter französischer Oberherrschaft stehenden Pufferstaat zu machen. Die Erreichung dieses Zieles war vereitelt und zwar durch die glänzende Haltung der Rheinlandbevölkerung und 1 die unermüdliche diplomatische Arbeit des deutschen Außenministeriums mit Dr. Stresemann an der Spitze.
Bereits während des parlamentarischen Kampfes um den Poungplan hatte sich Regierung und Reichstag mit der mißlichen Finanzlage des Reiches, die aus dem alten ins neue Jahr mit übernommen werden mußte, zu beschäftigen. Hatte man zu Ende des Jahres 1929 noch den schönen Traum, von der in allernächste Nähe gerückten Steuersenkung, durch die man eine Erleichterung der Wirtschaft und damit eine Besserung unserer ganzen wirtschaftlichen Lage erhoffte, so zerrann dieser
Von Reichskanzler Dr. Brüning
Das Jahr 1930 werden Millionen und Aber- schon mitten in der Katastrophe drin, so kann man demgegenüber nur sagen, sie wissen nicht, was
Millionen unseres Volkes mit einem gewissen Aufatmen scheiden sehen; gut, daß wir es hinter uns haben! Denn es war ein schweres Jahr, ein Jahr, das uns viel zu schaffen gemacht hat. Die Konjunktur von 1927/28 setzte ihren Abstieg von 1929 bis in das Tal einer tiefen Depression fort und machte Millionen deutscher Volksgenossen erwerbslos. Die Finanzverhältnisse des. Reiches, der Länder und Gemeinden wurden kritisch. Depression und Krisis der Finanzen mehrten das Mißtrauen in unserem Volke; ob das Leben und das Wachstum unserer Nation mit der gegebenen verfassungsmäßigen Ordnung der politischen Kräfte am besten gewährleistet sei. Es wurden Bewegungen groß, die über dieses Mißtrauen hinaus die gegenwärtige Ordnung unserer politischen Verhältnisse als des Ruins des Staates und der Nation Schuldige anklagten und sich anheischig machten, Volk, Staat und Kultur aus ihren Grundsätzen, ihrem Blute und ihrer Tatkraft erneuern zu können. Solche Bewegungen waren vorauszusehen. Sie zeigen sich stets einige Zeit nach einer politischen Neuordnung, weil dann die hinter der Umgestaltung Zurückgebliebenen sich im Angriff auf sie mit jenen finden, die von ihr enttäuscht sind, weil nicht alle ihre Blütenträume reiften. Von außen fanden die innerpolitischen Erregungszustände Nahrung in der allgemeinen politischen' Unrast in der Welt, sowie in der Abneigung der Mächte in den Fragen der Abrüstung und der deutschen Tributverpfstchtung, sowie der Souveränitätsverhältnisse im Osten.
Politischer Verstand oder Unverstand sind bei uns wahrscheinlich noch weniger als bei anderen Völkern Reservat bestimmter Schichten oder Berufe. Im Gegenteil finden wir überall beides in hohem Grade. Dasselbe läßt sich auch sagen von der praktischen politischen Betätigung. So kommt es, daß unser politisches Leben so mannigfaltig ist, daß es darin quirlt und braust, daß immer was los ist. Das macht es aber auch so schwer, eine sachliche, d. h. wirkliche Politik nach wohlüberlegten Richtlinien auf Jahre oder gar auf Jahrzehnte berechnet zu betreiben, wie es doch eigentlich fein müßte.
Dennoch aber hat sich im abgelaufenen Jahre o vieles politisches Verständnis äußern und durch- etzen können, daß wir den Finanzen — trotz der ortschreitenden Depressionen — wieder eine festere Grundlage geben konnten. Und was geordnete Finanzen bedeuten, sollte allgemein bekannt sein. Wir haben sodann so manches tun können, um den Ablauf der Konjunktur zu erleichtern. Die Arbeitslosenversicherung — die weit mehr ist als ihr Name besagt — konnte besonders Dank der Arbeitnehmerschaft selbst in ihren Leistungen gesichert werden, wie denn überhaupt unser ganzes staatliches, soziales und wirtschaftliches Leben glücklicherweise, und ich sage es ausdrücklich, keineswegs nur durch die Tätigkeit der politischen Organe, sondern mindestens ebenso sehr durch die Tätigkeit und Ordnungstreue aller Vernünftigen' in Stadt und Land vor der Katastrophe bewahrt geblieben ist, die zeitweise ernsthaft drohte. Wenn es aber Leute gibt, die da meinen und ausrufen, wir stecken ja
sie reden.
Traum schon in den ersten Monaten des neuen Jahres. Die Finanzmisere des Reiches wurde immer katastrophaler, so daß an Steuersenkung und Herabsetzung der sozialen Belastungen nicht mehr gedacht werden konnte, der hohe Stand der Arbeitslosigkeit warf alle Vorausberechnungen über den Haufen, neue Deckungspläne, die u. a. auch eine erneute Anziehung der Steuerschraube vorsahen, tauchten auf. In das Problem der Finonzsanierung spielte auch das der Arbeitslosenversicherung. Hierüber kam es im Kabinett zu Meinungsverschiedenheiten, die schließlich durch ein Kompromiß ausgeglichen wurde. Doch die sozialdemokratische Fraktion lehnte dieses Kompromiß ab und das Kabinett Müller trat am 28. März zurück. Noch am gleichen Tage wurde der Führer der Zentrumsfraktion, Dr. Brüning, mit der Kabinettsbildung beauftragt. Der neue Kanzler erwies sich als ein guter Kletterer, dem es gelang die Gebirgskette der parteipolitischen Widerstände rasch zu überwinden. Binnen 48 Stunden hatte er sein Ministerium auf die Beine gestellt und zwar ein rein bürgerliches Kabinett, bestehend aus Vertretern des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartei, der Demokraten, der Bayrischen Volkspartei und der Gruppe Treviranus, die aus der Deutschnationalen Partei ausgeschieden war. Außerdem erhielt der deutschnationale Abgeordnete Schiele, der die Verbindung nach rechts Her- stellen sollte, den Posten des Ernährungsnunistcrs. Der neue Kanzler wurde von Hindenburg mit autzer- ordentlichen Vollmachten ausgestattet und sollte, wenn das Kabinett sein Finanz- und Steuerpio- grammnichtannehmen würde, die notwendigen Maßnahmen auf Grund des Paragraphen 48 der Reichsverfasfung treffen, und wenn der Reichstag dann diesen Maßnahmen seins nachträgliche Zustimmung versagte, das Parlament auflösen. Die Regierung hoffte, daß diese Auflösungsdrohung die Parteien, die samt und sonders, mit Ausnahme der
Links- und Rechtsradikalen, an einer Neuwahl in
So stehen wir an der Schwelle zwischen dem jenem Augenblick kein Interesse hatte, zu etwas Zürn und dem neuen Jahre als Männer, die von rückhaltung veranlassen würde. Und in der Tat
alten und dem neuen Jahre als Männer, die von schwerer, gar nicht ästethischer Arbeit kommen und
die Spuren davon an sich tragen, und die wissen, daß sie morgen wieder so herangehen müssen, weil das Werk ja längst nicht fertig ist. Ja, die wissen, daß es überhaupt nicht fertig wird, weil Politik ein Teil des Lebens ist und so lange dauert, als es Leben gibt. Wer einmal ein Werk begonnen hat, wird es nicht freiwillig bei der halben Sache bewenden lassen. So werden auch wir von der Absicht, unsere Verhältnisse zu bessern, nicht ablassen, so lange Leben und Kraft in uns sitzt. Leben und Kraft aber haben wir. Das hat uns die Haltung des Volkes im abgelaufenen Jahre bewiesen. Freilich müssen die Kräfte diszipliniert sein. Sollen sie aufbauen und nicht zerstören.'
Wenn ich an der Schwelle zum neuen Jahre uns allen und mir politisch etwas ganz Tiefes und Großes wünschen darf, dann ist es dieses:
Möge unser Volk in seiner Gesamtheit in allen fesmen Schichten, Berufen und Ständen und Lebensaltern zunehmen in der Fähigkeit die Geschicktheit seiner großen Anlage und unerschöpflichen Kräfte richtig zu behandeln und einzusetzen — besonders im politischen. Möge es also einsehen, daß alle taktische Politik Aufbau ist, daß aber aller Auf. bau nicht darin besteht, daß alles gleichzeitig getan wird, sondern daß sich ein Stein auf den anderen fügt. Zerstören geht viel rascher als Aufbauen, geht sozusagen gleichzeitig und ohne besondere Geschicklichkeit. Formen wir zunächst, was wir haben, suchen wir es zu erhalten und zu verbessern. Dazu gehört mehr Mut, als zum Zerstören. Aber dazu gehört auch noch anderes, nämlich Fleiß, Ausdauer, Geduld, immer erneutes Prüfen und Wägen ohne Haß und Neid (denn sie machen blind) und stetige Arbeit, die geringe Dinge auch dann gering 1 nimmt, wenn sie sich wichtig geben und wichtige Dinge wichtig nimmt, auch wenn sie kaum auffallen. Und lernen wir maßhalten, nicht nur im politischen selbst, sondern auch in den Forderungen an unserer Politik. Sie kann viel, aber sie kann die Menschen nicht glücklich machen. Es drängt mich gerade heute, die : Bedingtheiten der Grenzen jeder Politik hervorzu- ; heben, um vor Illusionen zu warnen, ihnen folgt । die Enttäuschung, der Entäuschung, aber allzuoft | nur das Versagen im Bereiche des sonst Möglichen. < Sodann aber meine ich, daß jeder die in ihm - ruhenden Kräfte umso besser zur Wirkung bringen I wird, umso mehr er erkennt, daß er mit dazu bei- 1 tragen kann zum Gelingen an dem großen Ge- ! schehen, das wir Politik nennen. ‘
Wir begrüßen dieses Jahr als Männer mit Ehr- ■ furcht und Hoffnung und wenden uns morgen wieder dem unvollendeten Werke zu.
wurde auch in der zweiten Aprilwoche die von der
Regierung eingebrachte Deckungsvorlage im Reichstag durchgesetzt. Ein sozialdemokratischer Mißtrauensantrag verfiel der Ablebung, da die Deutschhielten. Dann kam
nationalen noch zur Regierung H ein neuer Kampf. Die Finanzlc „ zwischen weiter verschlechtert und zwar einmal durch den immer größer gewordenen Fehlbetrag der Arbeitslosenversicherung und zum andern durch die ungenügenden Steuereingänge. Im Monat April
age hatte sich in»
waren die Steuern mit annähernd 50 Millionen Mark hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Eine neue Deckungsvorlage ■ mußte eingebracht. werden, die u. a. das bekannte Notopfer enthielt. Den ganzen Juni über tobte über diese Vorlage ein heftiger Kampf. Neichsfinanzminister Moldenhauer trat am 20. Juüi zurück und wenige Tage später trat Dietrich an seine Stelle. Die Deckungsvorlage wurde etwas abgeändert: Abtrennung der Arbrits- lo-fenversicherung vom Etat, Milderung des Notopfers, Einführung der BürgerabgaLe.' Doch alle Versuche, eine parlamentarische Mehrheft zu erhalten, scheiterten, und so griff der Kanzler am 16. Juli zur Notverordnung auf Grund des Artikels 48 der Verfassung. Zwei Tage später wurde von der Sozialdemokratie die Aufhebung dieser Notverordnung gefordert und siehe da, der Antrag wurde, da die deutschnationale Fraktion auseinanderfiel, mit 13 Stimmen Mehrheit angenommen. Die Folge war die Auflösung des Reichstages und der Erlaß einer neuen Notverordnung, die außer dem Kompromiß auch die Arbeitslosen- und Krankenoersicherungsreform, ferner den Etat in Kraft setzte. Man mag über die Anwendung des Artikels 48 denken wie man will, auch wir sind kein Freund davon, doch die Regierung war zu dieser Anwendung gezwungen, wenn sie nicht versagen und Monate später durch die Unmöglichkeit, die finanziellen Verpflichtungen des Reiches gegenüber Beamten, Ländern und Gemeinden zu erfüllen, die Ordnung und Sicherheft des Reiches bedrohen lassen wollte.
Am 14. September ging die Reichstags- wahl vor-sich. Waren die Parteien hierfür gerüstet? Rechts und links ja — aber in der Mitte, das Zentrum ausgenommen, nicht. Wohl hatte sich im Laufe des Jahres bei den Mittelparteien ein frischer Sufthauch kundgetan, ein Wille, über ver- staubte Doktrinen und tote Schranken'hinweg zu gemeinsamer Aufbauarbeit in großen starken Sammelparteien das Bürgertum neu Ml organu fieren — doch es war nur ein Hauch, der durch parteitaktefche Engherzigkeit und egoistische Inter- essenpolitik wieder erstickte. Der so oft gesonderte Zusammenschluß zur breiten bürgerlichen Front
Die heuMe LZummsv nmfatzt 24 Gekien