Mrnskag, den 30. Dezember 1030
Nr. 304
Zu der Bluttat in planig
— Planig, 29. Dez. Zu der bereits gemeldeten Bluttat in sinnig, wo am Weihnachtsabend der Schiffsheizer Anton Jngenbrand von seinem Bm- der erschlagen wurde, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Die grauenvolle Tat bildet den Abschluß einer seit Jahren spielenden Familientta- gödie. Die Schuld an dem unheilvollen Zwist soll nach den bisherigen Feststellungen des Staatsanwalts auf beiden Seiten liegen. Beide Brüder waren im Dorf als streitsüchtig und gewalttätig bekannt. Streitigkeiten um das Erbe führten schon fest Jahren zwischen den beiden Brüdern, die in dem Hause ihrer Mutter wohnten, zu den schlimmsten Tätlichkeiten. Dem Getöteten waren schon vor einiger Zett von seinem Bruder Paul beide Wangen mit einer Mistgabel durchstochen morben. Er konnte seit langem seine. Wohnung nicht mehr durch die Haustür, sondern nur noch unter Benutzung einer Lefter erreichen, da er den Gewalttätigkeiten seines Bruders ausweichen mußte. Der Mörder versuchte bei seiner Vernehmung die Tat als einen Akt der Notwehr hinzustellen, da sein Bruder ihn mit der Axt angegriffen habe. Er habe ihm diese entwunden und, als der Angreifer mit einer Mistgabel auf ihn losgegangen sei, den Hieb ausgeführt, der dem Anton den Schädel spaltete. Der Täter wurde in das Landgerichtsgefängnis nach Mainz übergèführt.
Das Gebiß verschluckt
— Ulrichstein, 29. Dez. Der Sohn einer hiesigen Familie verschluckte sein Gebiß. Er mußte sich einer Operation unterziehen, da das Gebiß am Mageneingang stecken geblieben war. Der junge Mann ist gestorben.
Entdeckung eines alten Gemäldes
— Fürfeld, 29. Dez. Bei Renovierungsarbeiten in der hiesigen evangelischen Kirche stellte man fest, daß sich unter dem alten Anstrich ein altes Kunstgemälde befand. Es wurde freigelegt und damit der Kirche ein alter Kunstschatz zurückgegeben.
, von seinem Mieter ermordet
— Bensheim a. d. B., 29. Dez. Der 24. Jahre alte Schuhmacher Karl Holzner, Sohn achtbarer Ettern,, der seit drei Jahren verheiratet und Vater von drei Kindern, erstach gestern in der zehnten Abendstunde mit einem Schustermesser den etwa 42 Jahre alten Schlosiermeister Friedrich Sartorius auf offener Straße. Der Täter, der von- Sartorius eine Werkstätte gemietet hatte, soll seit einiger Zeit gegen den Erstochenen. Groll gehegt haben. Zahlreiche Stiche in Hals, Kopf und Brust, wobei das HerZ-getroffen wurde, führten den sofortigen Tod des «chlossermeisters herbei. Der Täter wurde alsbald feftgenommen. Der Täter ist als jähzorniger und roher Mensch bekannt. Erst vor kurzem -mißhandelte. er seine junge Frau so schwer, daß sie dem Krankenhaus zugeführt werden mußte. Auch seine Eltern hat der Täter, der auf der Säuferliste stand, um einen großen Teil des Vermögens gebracht-
Ein Bürgermeister im Obdachlosenasyl fesk- genqmmen
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Darmstadt. 29. Dez. Der 45jährigs Bürger-
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nrbe auf Grund eines Ausschreibens vom Polizei-
wurde auf Grund eines Ausschreibensvom Polizei-. Präsidium in Berlin wegen Untreue im Amt in Darmstadt im Obdachlosenasyl festgenommen und dem zuständigen Richter zugeführt.
Verhaftung von Rauschgiftschmugglern
— Zweibrücken, 29. Dez. Schon seit längerer Zeit war den behördlichen Stellen besannt, daß im Bezirk Zweibrücken mit Rauschgiften, deren Ein-, und Durchfuhr gesetzlich verboten ist, Schmuggel getrieben wird. Die Spuren der verbotenen Ausfuhr wiesen nach Niederauerbach, Großsteinhausen und Mittelbach. Während einer Ler letzten Nächte ist es nun Grenzaussichtsbeamten durch überraschenden Zugriff gelungen, einen aus Großstein- Hausen stammenden Schmuggler auf frischer Tat zu ertappen. Sofort oorgenommcne Haussuchungen in Niederauerbach und Mittelbach hatten zur Folge, daß zwei weitere Personen aus diesen Ortschaften wegen Verdachts der Teilnahme festgea immen wurden. Die Festgenommenen wurden in das Untersuchungsgefängnis nach Zweibrücken einge- lisfert.
Gnskands Retievin - eine Scan?
Eine Spionin, die Englands Flotte im Weltkrieg vor völliger Vernichtung rettete — Der englische Nachrichtendienst plaudert aus der Schule — Tüchtige und untüchtige weibliche Agenten — Wenn die
Mauen haben sich von jeher in der Spionage betätigt. Em prominenter Mitarbeiter des englischen Nachrichtendienstes hält aber nicht sehr viel von ihnen, wenigstens nicht von ihrer Mehrzahl. Sem soeben erschienenes Buch bringt hierzu unbekanntes Materwl bei, „Geheimagentinnen" lo be-
hienenes Buch bringt hierzu unbe= ranntes ’-utatertal bei. „Geheimagentinnen", so behauptet der anonym gebliebene Autor, „siind wenig zuverlässig". Die ewige Nervenspannung verführt sie zu dem Genuß von Rauschgiften, der ihren Organismus in kürzester Zeit zerstört. Man tinn ferner nie wissen, ob eine Spionin nicht durch die Liebe zu einem Mann, dem sie ein Geheimnis ent« reißen soll, zu einer entgegengesetzten Aktion gezwungen wird. Dennoch gibt es sehr tüchtige weibliche Spione, die allerdings in der Minderheit bleiben. Der tüchtigsten eine war die Gräfin de Vmier alias Madame de Charerolles alias Minna Srerngraye; nicht einmal wir.im Nachrichtendienst rannten ihren wahren Namen. Sie war es, die die englische Flotte beim Skagerrak vor dem Unter- gang rettete. Es gelang ihr auf unbegreifliche Art, unmittelbar vor der Schlacht einen Blick in die Gehumakten der Marmelestung in Kiel zu werfen. Der^deutjche Ausmarjchplan für ein Treffen mit den Engländern wurde durch Minna Sterngrave dem Admiral Jèllicve mitgeteilt feine Kenntnis reitete die Engländer vor völliger Vernichtung.
Eine der gefährlüMten Spioninnen der Welt- geschichttz war Nida Wtzzniewski, eine Polin, die von einer.Wäscherin in Paris erzogen worden war. Sie verheiratete sich als siebzehnjähriges Mädchen mit einem achtzigjährigen polnischen Aristokraten, dem Fürsten Wiszniewfki. Nach dessen Dod brachte die schöne Witwe sein ganzes Vermögen in den Spiel- sälen von Monte Carlo durch. Während des Welt-
weib!
Das ««teil
des »GNgeW vom ^udson^ gelöst
Aus der Unterwelt emporgestiegen — Das große Glück einer kleineu Räuberin — Ein seltsames Wiedersehen -- Eine geheimnisvolle Gabenbringeri«
Der „Engel vom Hudson" ging in den letzten Tagen wieder in Newyork um. Alljährlich, kurz vor Weihnachten, werden zahlreichen Newyorker Familien aus den Armenvierteln der Riesenstadt Geschenke aller Art gebracht oder geschickt, ohne daß man bisher den Namen des eigenartigen Mannes oder der gütigen Frau feststellen konnte. Die Persönlichkeit war »am Geheimnis umwittert. Dabei war auch die Tatsach« rätselhaft, auf welche Weise sich der Wohltäter über die Verhältnisse der Beschenkten zu unterrichten verstand, denn fast stets wurde das geschickt, was die Familien am dringendsten brauchten. Kinderreiche Ehepaare erhielten Geschenke für Kinder, Kranke wurden mit Gaben bedacht, die ihrer Genesung dienen konnten, kurz, jeder erhielt, was er brauchte. Man nannte den Spender allgemein den „Engel vom Hudson" und alljährlich wartete man gespannt, ob er zur Weihnachtszeit wieder in Tätigkeit treten würde. Aber seit 5 Jahren konnten die Zeitungen stets von diesem geheimnisvollen Mchltäter berichten.
In diesem Jahr ist durch einen Zufall die Lösung des Rätsels geglückt. Der Engel vom Hudson wurde „entlarvt" und das Sonderbare ist, daß der Wohltäter oder vielmehr die Wohltäterin — denn es handelt sich um eine Frau — auch in ihrer äußeren Erscheinung etwas von einer engelhaften Schönheit hat. Die Zeitungen erklären, daß man sich nicht darüber wundern könne, denn so viel seelische Vorzüge müssen sich auch in körperlicher Schönheit offenbaren. Vor einigen Tagen hielt an einer Straßenkreuzung des Hafenviertels von Newyork ein prächtiger Wagen. Vor ihm stand eine junge Frau, die einem mit Paketen beladenen Chauffeur eindringlich genaue Aufträge gab. Sie war so eifrig bei der Arbeit, daß sie einen Mann gar nicht beachtete, der sie erstaunt ansah, als ob er seinen Augen nicht trauen konnte. Endlich ging er mit den Worten: „Du bist doch unser „Sport, baby" auf sie zu und gab ihr einen wohlgemeinten Schlag auf den Rücken. Die junge, schöne Frau war durchaus nicht erschrocken oder beleidigt, sondern antwortete: „Hallo, alter Mtl, hast Du mich endlich entlarvt?"
Nun gab- es eine seltsame Unterhaltung zwischen dem Mann der Unterwelt und der offenbar reichen und vornehmen Dame, und das Eigen- artige dabei war, daß diese Unterhaltung in ruhigem Flüstertöne von feiten der Dame gerührt wurde, und daß dann der alte Bill vor lauter Rührung den Fluch ausstieß: „Goddam, es gibt doch komische^ Hühnèrl Er hatte nämlich erfahren, daß
Die «SvdttchKe LunWatio«
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Rußland, das auf weite Strecken hin an die Nord-
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polgrenze grenzt, sieht eine Hauptaufgabe darin, die Nordostpasjqge zwischen der Leng-Mündung und der Beringstraße für den Schiffsverkehr zu er« schließen. Bisher unzugängliche Küsten unb uner». forschte Inseln erhallen jetzt meteorologische Stationen, um den künftigen Verkehr zu ermöglichen. Im Institut für Meereskunde zu Berlin berichtete der russische Polarforscher Professor Dr. Wiese- Leningrad über zwei russische Expeditionen dieses und des vergangenen Jahres. Im Sommer 1929 fuhr der Eisbrecher „Sedow" unter Leitung von Professor Otto Schmidt von Archangelsk, mit Bau-
Materialien, wissenschaftlicher Kaen Laboratorien, Pferde an Bord, hinaus ins N
enten, ja,
ien
sieben Mann, die auf Franz- ikstation bedienen sollen, wurden
Kzen Laboratorien, Pferden, Rindern und Hunan Bord, hinaus ins Nördliche Eismeer. Für eine Gruppe non " ' ™ ~
Josefsland eine Funkst Lebensmittel und Koh!
üenvorräte auf drei Jahre mit«
genommen.
Nach dreitägiger Fahrt hatte der „Sedow." die Eisgrenze erreicht. Das Schiff drang nur langsam weiter vor. Eines Tages war es in Nebel und' Schneesturm völlig vom Packeis eingeschlossen. Viex- undzwanzig Stunden lag es fest. Zur selben Zeit waren zwei norwegische, eine schwèische, eine ifa« ienische und eine spanische Expeditton nach Franz-, zostfsland unterwegs, die aber alle wieder um« ehren mußten. Auch der „Sedow" kam auf der fahrt nach Norden nicht durch, so daß er die Oft« üfte des von dem Oesterreicher Payer entdeckten und Franz-Jos«phs-Land benannten Archipels an« teuern mutzte, den die Russen jetzt auf Fridtjof Nansen, den großen Forscher und Menschenfreund, umgetauft haben. Auch auf seiner neuen Route hatte das Schiff schwer mit dem Eis zu kämpfen. Dichter Nebel behinderte immer wieder die Sicht. Am 28. Juli 1929 tauchte endlich ein schwarzer Streifen am Horizont auf: bps Kap Flora auf Franz-Jllsephs-Land, das schon viele Polarsxpedi- ionen gesehen hatte. Von dort aus war mancher Forscher, der den Nordpol entdecken wollte, ausgegangen, um nie wieder zurückzukehren. Im Jahre 1895 wurde Nansen dorthin verschlagen. Ein Denkstein aus italienischem Granit trägt die Namen dreier Begleiter des Herzogs der Abruzzen, die irgendwo, in der Eiswüste umgekommen sind.
Der „Sedow" dampfte nach der „Stillen Bucht weiter, die von Vogelzügen und Seehundsherden angekündigt wurde. Von Walrossen war auf der ganzen Fahrt fast nichts zu seh«n; der Mensch hat unter ihnen furchtbar aufgeräumt. Anfang August warf der Eisbrecher in der Stillen Bucht Anker. Das Baumaterial wurde ans Felsenufer gebracht, vierzehn Zimmerleute machten sich sofort an die Errichtung einer Wètterfunkwarte. Kühe und Pferde fanden sich bald mit den kargen Grasnarben der Insel ab. Die Hunde dagegen schwammen immer wieder ängstlich zum Schiff zurück, das zur Nordwestküste wetterfuhr. An der Insel Kronprmz Rudolf-Land' wurde wiederum Anker geworfen.
krieges spionierte sie mit großem Erfolg in Deutsch- zu verschwinden. Ihr Ziel war Amerika. Dort ge« land für die Entente. Nach dem Kriege gab sie in riet sie auf die fchiese Ebene. Sie lockte junge Man- "eß sie Lebensversicherungen abschließen und sie dann. Dor einiger Zelt tauchte sie in ' ' . ersuchte auf dieselbe Art, einen Kanadier umzubringen. Als die Polizei sie verhaften,
land für die Entente. Nach dem Kriege gab sie Paris eine Zeitschrift unter dem Titel „Etudee Diplomatiques" heraus, Sie beherrscht« fließend Herordentlich gebubt jedoch, aus Frankreich
^iplomatiques" heraus, Sie zwölf Sprachen und war' aus Eins Skândalaffäre zwang sie |
das „Spürtenädel" — so hieß die schöne Frau einstmals in den Kreisen der Unterwelt — vor Jahren ein.großes Glück gehabt habe. Bei einem Einbruch, den sie auf eigene Faust unternahm, war sie in die Wohnung eines reichen, aber sehr starken und unerschrockenen Mannes gekommen, der sie überraschte und, ohne sich vor ihrem Revolver zu fürchten, sie lächelnd entwaffnet hatte. Dann nahm er ihr die Maske, diese „lächerliche Spielerei schlechter Kriminalromane" ab und saß wortlos da, denn er war über ihre Jugend und Schönheit efftaunt. In einer längeren Unterhaltung stellte er fest, daß das junge Mädchen von zartester Gesinnung sei, und daß „sie nur von einer gehässigen Gewalt im Zorn zur Verbrecherin gemacht worden sei". Zugleich machte er sich anheischig, sie auf den Weg der bürgerlichen Moral und Wohlanständigkeit zurückzuführen und hatte in ihr eine gelehrige Schülerin. Wenn ein Mann, Junggeselle, reich und unabhängig, plötzlich einem unbekannten jungen und schö-
nen Mädchen gegenüber Erzieherpflichten in sich fühlt, dann ist die Liebe nicht sehr weit, zumal wenn die Spulerin sich so bereitwillig von.ihrem Meister auf den Pfad der Tugend führen läßt. Das ergibt seelische Bindungen, die fast zwangsläufig zur Ehe führen, wenn beide Partner einverstanden sind. Der .Lehrer" muß auf Grund der Kenntnisse der Charakterfestigkeit seltner Schülerin zu ihr sehr großes Zutrauen gehabt haben, wenn er ihr auch
' der Heirat gestattete, hin und wieder ihren
Kreis, der ihr, wie sie erzähste, sehr zugetan
nach alten
war, zu besuchen. Bedingung war aber, daß sie über ihren Umschwung der Verhältnisse schwieg, denn b' ' '------ '
der junge Ehemann wollte nicht, daß sein Haus ein Mittelpunkt ehemaliger oder augenblicklicher Mitglieder der Unterwelt
. „ werde. Er hatte
zu diesen nicht im entferntesten das Vertrauen, wie zu seiner Frau. Aber gern war er damit einverstanden, daß sie jedes Jahr zur Weihnachtszeit ihre Kenntnisse des Armenviertels zu umfangreichen Hilfsmaßnahmen benutzte. Geld genug hatte er, und er war von Haus aus auch nicht geizig, nur zu bequem, um sich um solche Dinge zu kümmern. Seine Frau, die „Verbrecherin", stieg aber erheblich in [einer Achtung. Der Name. soll verschwiegen werden. Nur so viel sei mitgeteilt, daß die junge Frau, die früher den Namen. „Sportbaby" in ihren Kreisen führte, weil sie eine tüchtige Fußballspielerin und Fünfkämpferin war, sich auch seit Jahren in ihren neuen und angenehmeren Verhältnissen hin und wieder auf dem Gebiete des Sports auszeichnet.
Dort hatte 1914 Leutnant Sedow, den russischen Polarforscher, das Schicksal «reift. Sedow hatte im Eismeer große. Entdeckungen gemacht und wollte nun, obwohl er schwer skorbutkrank, mit zwei Matrosen über das Packeis zum Nordpol »erbringen. Auf dem Schlitten wurde er mehrfach bewußtlos. Aber feine Hand ließ den Kompaß nicht los. Seine beiden Begleiter kehrten ohne ihn zurück. Das Grab, das sie ihrem Führer bereitet hatten, konnten die Leute der Sedow-Expedition nicht mehr finden. Die Eisbären werden es zerstört haben. Am 28. August 1929 kehrte der Eisbrecher in die Stille Bucht zurück. Dort, war inzwischen die Funkstation, die nördlichste der Welt, fertiggestellt. Ein Wohnhaus, ein Badehaus und ein Geräteschuppen nahmen nun die sieben Leute der „Sedow" auf, die dort auf weltverlorenem Posten in der Eiswüste zurückblieben, um einen regelmäßigen Meldedienst über die Wetterlage zu ermöglichen.
Die zweite Fahrt der „Sedow", an der auch Professor Samouowitsch, einer der Retter Nobiles, teilnahm, ging Mitte Juli 1930 von der Murman- Küste ab. Seine Aufgabe war, die Funker und Gelehrten auf den russischen Polarinseln mit allem Notwendigen zu versorgen, sowie das Samojeden- gebiet auszusuchen, das die Sowjetregierung seit 1928 zu kolonisieren versucht. Dort hat man russische Hunde, die widerstandsfähiger sind als die der Samojeden, sowie im Interesse besserer Ernährung der Eingeborenen, das zahme Renntier heimisch gemacht. Bisher hatten bie Samojeden vom Robbenfang und der Jagd auf Eisbären und Polarfüchse gelebt. WU dem Fischfang ist es seit 1920 besser geworden, da seit jener Zett ein Zweig des Golfstroms ins Karische Meer fließt und Kabeljau und Lachse in die Netze der Samojeden treibt. Auf der Rückkehr nach Archangelsk entdeckte man eine Reihe unbekannter Inseln. Auf der einen fanden sich viele alte Renntiergeweihe, welche die Vermutung nahe legen, daß sich eine Herde einmal auf das Packeis verirrt hat und auf die Insel verschlagen wurde, wo sie Hungers sterben mußte. Traf man auf Franz-Josephs-Land Scharen von Vögeln an, so waren die neuentdeckten Samoilo- witsch-, Schmidt- und Wieseinseln tot und teer. Nur Eisbären traf man unterwegs an. Das wissen- schastliche Material der Sedow-Expedition wird zurzeit in Leningrad gesichtet. Zum erstenmal ist der südöstliche Teil des Karischen Meeres auf Tiefe und Wärme untersucht worden.
Als überraschendes Ergebnis darf die Expedition die Entdeckung einer neuen Insel im nordwestlichen Teil des Karischen Meeres verzeichnen. Professor Wiese hatte das Vorhandensein von Land schon 1924 auf Grund der Analyse der Trist des Expeditionsschiffes „St. Anna" vom Jahre 1913 vorausgesagt. Fast genau an dem von Wiese be- aneien Ort wurde eine etwa 30 Kilometer e, ganz flache Insel entdeckt, bie den Namen Wiese-Jnsek erhielt.
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wollte, war die Wiszniewfki spurlos verschwunden. Seitdem ist sie verschollen. Eine Emma Stubert hat im Wellkriege dem englischen Nachrichtendienst gleich, falls wichtige Dienste geleistet. Sie hielt sich während des Krieges in Lugano auf. Dort verliebte sie sich in den Mann, den sie ausspionieren sollte. Sie erklärte aber dem Nachrichtendienst ehrlich, daß sie ihre Aufgabe nicht erfüllen könne. Nach dieser Er- klärung verschwand sie spurlos.
3m selbsigebaulen Segelflugzeug abgestürzt
Berlin, 30. Dez. Der 20jährige Pilot Mätzke der Segelfliegergruppe Eisenach unternahm gestern an den Hängen des großen Hörselberge» einen ging mit einem selbstgebaulen Flugzeugkyp, mit dem er bereits erfolgreiche Probeflüge ausgeführt hatte. Kurz nach dem Aufstieg stürzte er am Südhange des Berges aus beträchtlicher Höhe ab. Er wurde den Trümmern des Apparates hervor
tot unter
gezogen. Seine Eltern waren Zeugen des Ab- sturzes.
Schüsse auf Polizeibeamlen
Berlin, 29. Dez. Auf ein Lokal in der Wiener Straße, in dem sich Nationalsozialisten zu einer Weihnachtsveranstaltung zusammengefunden hatten, wurden heute abend von etwa 15—20 jugendlichen Burschen mehrere Schüsse abgegeben und auch Steine geworfen. Einer herbeigeellten Polizeistreife gelang es, einen der Täter festzunehmen, während die übrigen flüchteten. Auf dem Transport des Vèr. hafteten wurden die Beamten von einigen der Burschen verfolgt: kurz vor dem Eintreffen auf dem Polizeirevier erhielt einer der Beamten einen Beckensteckschuß, der seine Ueberführung in da, Staatskrankenhatts notwendig machte.
Unterschlagungen beim Bremer Hauptpostamt
Bremen, 29. Dez. Ein über 50 Jahre alter mitt« lerer Beamter des Hauptzollamts/ der ble Stinten» stelle leitete, hat im Laufe der letzten Monate nach und nach etwa 30 000 RM unerschlagen, Ast die Veruntreuungen am Tage vor Weihnachten enbeckt wurden, beging der schuldige Beamte einen Selbstmordversuch, indem er sich die Pulsadern aufschzitt. Er lieg mit schweren Verletzungen danieder und, ist noch nicht vernehmungsfähig,
Auf der Entenjagd ertrunken.
Göhren auf Rügen, 27. Dez. Am Dienstag fuhr der. Reedereib esitzer Wittmiß mit seinem Kafttän Koos in einem Ruderboot auf die Entenjagd. Da beide bis gestern abend icht zurückgekehrt finb, »tri angenommen, daß sie in der Ostsee ertrunken sind, umsomehr, als inzwischen schwerer Nebel und heftiger Wind aufgekommen waren. Die Nachforchun« gen sind bisher ergebnislos verlaufen.
Großer Diebstahl orientalischer Sunstgegensisde.
Stralsund, 27. Dez. Beim Pastor in Bedorf (Kreis Franzburg) wurde ein schwersr Einbuchs- disbstahl verübt, Den Dieben fielen zwei Danar- zener Schüsseln mit silberner arabischer Jnshnst, sieben Damaszener Trinkschalen, ein arabisch« Kaffeetablett mit sechs Tassen, eine silberne arabische Kaffeekanne, drei Damaszener Vasen, ein großer pen käs-sä'-rä^
Tragischer Vorfall auf dem Bahnhof Derendorf
Düsseldorf» 28. Dez. Auf dem alten Düsstldorsic Bahnhof Derendorf kam heute vormittag die ÄjÄ- rige Stütze Plankert aus Düsseldorf auf traMe Weise ums Leben. Sie hatte sich auf dem Bauhof von ihrem Bräutigam verabschiedst. Als dieserlurz darauf die Derendorfer Brücke betrat, bie üb«den Bahnkörper führt, winkte ihm seine Braut vom Bahnsteig aus noch einmal zu. In diesem Augeblick brauste der Rheingold-Expreß heran. Er ersass die Winkende und überfuhr sie. Entsetzlich zugechtet, konnte sie nur als Leiche geborgen werden.
Ein Gèldschrank mit 6000 Mark geskohle«
Tespe a. d. Elbe, 29. Dez. In der verganten Nacht brach eine Einbrecherbande durch ein Saften in das Haus des hiesigen Gemeindevorstehers chütt ein, durchwühlte sämtliche Schränke und tranoor- tierte schließlich einen 5 Ztr. schweren Geldsäank durch das Fenster über den Deich in einen breit* gehaltenen Elbkahn. Dieser wurde später abnirts bei Schwinde angetrieben. Er enthielt nur nocstin- zelne Stücke des zertrümmerten Celdschranks. Ion den Räubern fehlt bisher jede Spur. Da ber®e* meindevopsteher zugleich Gemeinde-, Post- und S»r- kassenverwalter war, hatte er in dem Geldschqnt eine größere Summe, schätzungsweise über ßOOOfllt. aufbewahrt. Auch eine Kassette mit Kleingeld boyd sich in dem Schrank.
schcchungsweiss über ßOOOßlt- : Kassette mit Kleingeld bann
In den Bergen vermißt.
Salzburg. 29. Dez. Zwei Beamte der Hallmer Sparkasse versuchten am ersten Woihnachtßfeierrge die Wllde Freithof-Platte am Hohen Göll ohne Tier zu erklettern. Seither werden sie vermißt. Han nimmt an, daß sie einer Lawine zum Opfer gefden sind.
Die Frau in Männerkleideru
Aus Wien wird gemeldet: In der mähriiicn Ortschaft Bordek bei Olmütz unternahm die 15* jährige Tochter eines auswärtigen Hoteliers eien Raub üb erfüll auf die dortige Postbeamtin. As Mädchen wollte Filmschauspielerin werden, süß dabei auf den Widerstand des Vaters und wate sich durch den Ueberf alt die Mittel zu einer R^e nach Berlin verschaffen. Die Holeliertochter fühte den Raubüberfall in der Weise durch, daß sie cs Mann verkleidet der diensthabenden Seamk Paprika in die Augen streute und ihr einen Po'- sack mit 43 000 Tjchechenkranen entriß. Als sie ^t dem Postsack entfliehen wollte, stürzte die Räuber« zu Boden. Auf die Hilferufe der Beamtin kams Leute herbei und es gelang, die Täterin zu ve« haften. Sie wurde in das Kreisgericht emgeliefer: Ihr Vater versuchte durch eine Kaution ihre En- Haftung zu erwirken, was jedoch abgelehnt würd.
Amerikanische Lüstenwachboote beschlagnahme« fit 170 000 Dollar Spirituosen.
New London (Connecticut), 28. Dez. Küste!« wachboot« beschlamnchmten den britischen Moto- schoner „Eleanor Ioan", der Spirituosen im Wer« von 170 000 Dollar nach den Vereinigten Staat« einschmuggeln wollte. Die elf Mann starke Besatzun; wurde nach Newyork gebracht, wo sie abgeurteit werden soll. Por der Beschlagnahme des Motor schöner» hatten die Küstenwachboote mehrer« Schüss' auf das Schmugglerbot abgegeben, ohne er zu treffen.