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Montag, den 29. Dezember 1930

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âünsche mit einem viel größeren Nachdruck vertreten könnten, da ja das neue Zoll­unionsgebiet den Handels- und Vertragspart­nern den erhöhten Anreiz eines größeren Ab­nehmers und Lieferanten bietet. Die deutsche Zollunion wird als größ­tes Zollgebiet Europas mit Aus­nahme Rußlands ein achtungsgebie- tender und erfolgreicher Ver­handlungspartner."

Zu derlei vom Tage fort- und über ihn hlnausführenden Erwägungen schwang sich bei uns kaum eine wirtschaftliche Körperschaft auf. Im übrigen aber führten wir Zollkrieg. Ueberfluteten Oesterreich mit billiger deut­scher Maffenware und hoben an, den sozusagen angestammten Balkanmarkt ihm einzuschnü­ren. Die Zahl der Arbeitslosen in dem kleinen Oesterreich näherte sich dem vierten Hundert­tausend. Auch die treuesten Anschlußanhänger, Männer von ganz unzweifelhaft deutscher Ge­sinnung, begannen irre zu werden.

Der Abschluß der Handelsoertragsverhand- lungen im Frühsommer dieses Jahres schien einen Wandel anzuzeigen. Aber es war, lei­der, nur Schein. Alsbald fing der Hader von neuem an, und der schlechte Stand der Wirt­schaftsbeziehungen begann allmählich auch die politischen zu beschatten. Mit Tarifver- trägen nach dem hergebrachten Schema ist das Problem eben nicht zu lösen. Oesterreich und Deutschland sind nicht nur Gl' der desselben Volkes; sie sind im Grunde auch Teile derselben Volkswirtschaft. Früher oder später werden wir den Weg, den schon dèr Elberfelder Buchbindersohn Karl Ludwig Bruck, der auch als Finanzminister Franz Josephs nicht aufgehört hatte, ein gan­zer deutscher Mann zu sein, zu gehen vorhatte und den ihm dann Rudolf Delbrück verlegte, von neuem zu beschreiten haben. Damls hieß man es Zollverein; heute sagt man anscheinend lieber Zollunion. Oder man spricht von Nach­barrecht und Reform der (in der Tat reichlich antiquierten) Meistbegünstigungsklausel. Der Name ist Schall und Rauch. Die Hauptsache: es gibt gar keine andere MöglichkeU, Oester- re' h auf die Dauer in dem gemeindeutschen Wirtschaftsraum festzuhalten, der zugleich der Lebensraum der deutschen N a t i o n ist. In Oesterreich war, von Theore­tikern und Praktikern, der Gedanke längst bis in die Einzelheiten durchdacht worden. Wir aber behielten den Rechenstift in der Hand und überschlugen Gewinn und Verlust nur für den nächsten Tag. In privatwirtschaft- lichem Denken verstrickt, umfangen von aller­lei innerpolitischen Erwägungen, die trotz ge­legentlichen pathetischen Deklamtionen uns das durchaus Primäre bleiben, finden nur die wenigsten Zeit, sich klarzumachen, wo wir

n^chen nie wieder, den von Lateinamerika kaum je in dem unserm Exporthunger ge­nügenden Maße erlangen wird. Daß wir ganz anders und aus viel härterem Zwang als zu den Zeiten Friedrichs Lists auf den Balkan und den nahen Orient angewiesen sind und auf solchen Wegen Wiens und Oester­reichs dringend als Mittler bedürfen.

'Nochmals: es ist erfreulich, daß diese Ge­danken, nachdem die Landwirtschaft sich ihnen schon seit Jahr und Tag geöffnet hatte, nun auch die Schwerindustrie zu durchziehen begin­nen. Als etwa vor Monatsfrist in Wien die Oestereichisch-Deutschen Arbeitsgemeinschaften tagten, ging übereinstimmend, bei Deutsch- österreichern wie Reichsgenossen, die Meinung dahin, daß alle Bestrebungen um die Bildung größerer Wirtschaftseinheiten in Mittel- und Südosteuropa auf dis Gesamtheit deutscher und österreichischer Wirtschaft als Kern und Voraussetzung sich zu gründen hätten. Das berührt sich mit Ideen des Reichsfinanzmini­sters Dietrich, die er schon als Ernährungs- Minister und auch während seines kurzen Gast­spiels im Wirtschaftsministerium vertreten hatte. Die am meisten dringliche Zukunft saus gäbe in diesem Be­reich bleibt, die den Sitzen der Deutschen vorgelagerten südöst­lichen Agrarländer mit uns in eine feste Relation zu bringen. Das einzige Tor aber zu diesem Block der Zu­kunft heißt: die deutsch-österreichische Wirt­schaftseinheit.

GW neue# SsthMeseketz

Berlin, 28. Dez. Müte Januar wird das Reichs- tabinett eine Vorlage für ein vier Jahre geltendes Osthilfegesetz an den Reichsrat leiten, und zwar unter Zugrundelegung des jetzigen Geltungs­bereichs, für den die geschätzte Finanzierung --esickert ist. Mit dieser Ankündigung verknüpft der Minister Treviranus, der Reichskoinmissar für die Ost« Hilfe, in derD. A. Z." eine Kritik des Hugenberg- jchen Entschuldungsplanes. Sie läuft auf eine Höf- Ache Ablehnung hinaus. In schonendster Form sucht Treviranus Herrn Hugenberg, dessenanerkannte Sachkunde" er unterstreicht, zu beweisen, daß auf diesem Weg der Landwirtschaft nicht geholfen wer­den könne, zumal über die finanzielle Deckung kein Eterbenswörtchrn im Programm enthalten sei.

. Reichskanzler Brüning, Vizekanzler Biet« * ich und die Ostkommissare Treviranus und Hirtsiefer werden nach dem bisherigen Pro- gramm ihrer gemeinsamen Bereisung des Osthilfe, gebietes am 6. Januar von Berlin aus in Lauen­burg in Hinterpommern eintreffen. Die Reise geht dann durch die pommerschen Grenzkreise Bütow und Rummelsburg nach Schnsidemühl weiter und

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®on dort aus über den Korridor nach Königsberg, i Vaters gegenüber an den Tag. Er war bereits Auf der Ru^rerie sollen die schlesischen Botgebiete! ..Engländer" geworden. Im Juni 1928 erhielt er befugt Eden. Iden Lord-Titel und trat in das Oberhaus ein. Im

besucht werden.

Gin absesavteies Spieß

mv EutkeâKuug des deutschen vovstoSes in dee

Paris, 28. Dez. Das Interview, das der polnische Außenminister Zaleski einem Mit­arbeiter des PriserMatin" gewährt hat und in dem er sich in einer gegen Deutschland gerichteten aggressiven Form über die Zwischenfälle" bei den ostoberschlesischen Wahlen äußerste hat in der ge­samten Pariser Presse starken Widerhall gefunden. Dabei ist natürlich festzuhalten, daß es sich zweifel­los um ein abgekartetes Spiel handelt, dazu be­stimmt, den deutschen Vorstoß in der Minderheiten­frage, der wahrend der Januarsitzung des Bölter» bundsrates zu erwarten ist, zu entkräften.

Wenn Herr Zaleski sich darauf beruft, daß die polnischen Westprovinzen der allmählichen@nt> germanifierung" entgegengehen und Deutschland sich mit dieser Tatsache abfinden müsse, so ist dem ent« gegenzuhalen, daß es eben Deutschlands Pflicht und Aufgabe ist, die Methode aufzudecken, mit denen Bolen die Entgermanisierungspolitik verfolgt, Me­thoden, die mit dem Minderheitenschutz auf dessen Prinzipien auch Polen verpflichtet wurde, nicht in Einklang zu bringen sind. Es stimmt auch keines­wegs, daß die deutschen Proteste gegen die Unter­drückung der Minderheiten während der Wahlen erst zwischen den Sejm- und den Senatswahlen er­folgt seien, als die ersteren bereits hätten erkennen lassen, daß das Spiel für die deutsche Minderheit verloren fei. Vielmehr stand die Art und Weise, wie die polnischen Behörden Zehntausenden von Nutschen widerrechtlich das Wablrecht genommen haben, breiig vor den Sejm-Wahlen fest Aber auch die große Auslandspresse hat sich damit be« 'chäftigt, und diese Methoden sind vorher schon in der rèichsdsutschen Presse hinreichend angeprangert worden. Gerade aber dadurch, daß man eben

mrrMev a. D. 3M David

Berlin, 28. Dez. In der Halle des Parkfried- Hofes zu Lichterfelde fand heute die Trauerfeier für den verstorbenen Reichsminister a. D. Dr. David statt. Reichskanzler a. D. Müller zeichnete das Lebensbild des Verewigten als eines Kämpfers, Politikers, Staatsmannes, eines lauteren und ehren, haften Menschen, verläßlichen Freundes und treuen Kampfgefährten.

Reichswehrmivistcr Dr. Groener widmete dem Verstorbenen namens der Reichsregierung einen letzten Gruß und legte einen Kranz am Sorge nieder. Dr. Groener unterstrich die vaterländische Gesinnung, die der Verstorbene mit der Wahrung seiner parteipolitischen Ueberzeugungen in vollkom­mener Einheit zu verschmelzen wußte.

Reichspräsident Löbe sprach im Namen des Reichstags, der Interparlamentarischen Union und

sprach für den Freistaat Hessen und den Rerchsrat. Er gab eine Darstellung der unermüdlichen Wirk­samkeit Dr. Davids.

Zum Schluß sprach der preußische Innenminister Dr. Severing als Freund des Verstorbenen.

Chorgesang beschloß die stimmungsvolle, von einer gewaltigen Menschenmenge besuchte Feier. Der Sarg, von Reichsbannerkameraden getragen, wurde nach Schluß der Feier im Trauerzuge zur Bahn überführt. Die Beisetzung findet am Dienstag °" Mainz statt.

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PEchev SWWiMa

Berlin, 28. Dez. In der Porkstraße, im Süd­westen Berlins, kam es in der vergangenen Nacht zu einer Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten in deren Verlauf auch einige Schüsse abgefeuert wurden. Ein Kommunist erlitt eine Schußverletzung am Halse. Er wurde auf der nächsten Rettungsstelle verbunden und dann in seine Wohnung gebracht. Ein Nationalsozialist, der als Täter bezeichnet worden war, wurde fest­genommen,

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Vien, 27. Dez. Die Korrespondenz Hertzog mel­det aus Innsbruck, der frühere Stabschef der Heim­wehr, Major Pabst, habe sich entschlossen, von einer weiteren Müarbeit in der Tiroler Heimwehr und in der ganzen österreichischen Heimwehrbewegung Abstand zu nehmen. Aus diesem Anlaß habe der Landesführer Dr Scidle an Major Pabst ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, daß die Tiro­ler Heimwehrbewegung der Ausgangspunkt für den Wiederaufbau des Staates gewesen sei. Leider sei diese Volksbewegung nicht in entsprechendem Maße im Interesse des Staates ausgenutzt worden.

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London, 28. Dez. Am Samstag starb der lische Wirtschaftsführer und Politiker Lord Mel­chett o f Langford, früher Sir Alfred

eng-

Mond, im Alter von 62 Jahren.

Der Vater Lord Melchett, Dr. Ludwig Mond, wanderte aus Darmstadt nach England aus, gründete dort mit dem Deutschen Brunner die

Firma Brunner, Mond und Company, die aus kleinsten Anfängen zu dem größten englischen Chemiewerk und schließlich zum Mittelpunkt der 1927 erfolgten Fusion aller bedeutenden chemischen Fabriken Englands in der Imperial Chemical In­dustries Ltd. geworden ist. Die Errichtung dieses englischen Chemietrusts ist das Werk Lord Mel- chetts, dem zweifelsohne das Vorbild der deutschen 3. G. Färben-Industrie vorgeschwebt hat. Er hat damit auch die schärfste Konkurrenz zur deutschen Farbenindustrie geschaffen. Politisch hielt Lord Mel- chett ursprünglich zu den Liberalen und war seit 1906 im Unterhaus. 1910 wurde ihm der Sir-Titel verliehen. Während des Krieges legte er alles andere als eine freundliche Haltung dem Vaterlande seines

ganze Schichten der deutschen Minderheit ihres Wahlrechtes beraubte, will man beweisen, daß das deutsche Volkstum in Polen in der Abnahme be­griffen sei.

Die Haltung der ftanzösischen Presse läßt deut­lich ertennen, daß Deutschland im Januar der Front aller Minderheitenfeinde so ziemlich auf sich angewiesen, gegenübergestellt fein wird. Auch der demonstrative Empfang des polnischen Botschafters in Paris durch den Außenminister Briand ist im gleichen Sinne zu deuten.

Beukhen, 28. Dez. Die Blätter des Konzerns der oberschlesischen Zentrumspresse erklären u. a., es sei eine Herausforderung, wenn der polnische Außen­minister sage, Deutschland rolle die Minderheiten-

minister sage, Deutschland rolle die Mindert), fragen auf. Gerade das Gegenteil sei der Fall.

Die

brutale Snei Minderheit,

-chtung und Mißhandlung der deutschen die systematischen Verletzungen einge­

gangener Verträge durch Polen fei die Ursache dafür, daß die Völkerbundstagung im Januar sich mit der Frage des Minderheitenschutzes für die Deutschen im ab getrennten Gebiet befassen müsse. Wenn jetzt ge­sagt werde, Deutschland betreibe den Minderheiten­schutz nur als Mittel zum Zweck der Grenzrevision, so wisse jeder, daß hier nur die polnische Propaganda dahinterstecke. Sie wolle damit die öffentliche Mei­nung beunruhigen, als ob eine Behandlung des ver­sagten Minderheitenschutzes die allergrößten Konse­quenzen für den Frieden haben müßte. Demgegen­über müßte man klipp und klar erklären, daß es sich nur um die Frage handele, wie Polen das Recht ver­letzt habe und wie diesen Rechtsbrüchen gegen die deutsche Minderhest wirksam ein Ende bereitet wer­den könne.

Jahre 1926 trat er, bisher Führer der Liberalen, zu den Konservativen über, weil er Lloyd Georges Politik nicht billigte und auch dessen Rußlandpolitik nicht mehr zu folgen können glaubte. Lord Melchert setzte sich dann zunächst für einen Zollzusammen- schlutz des englischen Weltreiches als Gegenwert gegen die wirtschaftliche Unabhängigkeit der USA. und der in Bildung begriffenen wirtschaftlichen Konzentrationsbewegung in den westlichen Indu­striestaaten des Kontinents ein. Melchett ist gewähl­ter Führer der Zionisten in England und Präsident der Exportkommission zur Erforschung Palästinas.

Des Sustric-AuSschtttz vsstagt

Drohung mit andern Skandalen.

Paris, 28. Dez. Das parlamentarischeEhren­gericht" über die in den Oustric-Skandal verwickelten Staatsmänner und Parlarnentairer hat feine Der- höre His zum 5. Jaguar veriag:. Zuletzt wurden als chef Coggia, der Jpäter Aussichtsrätsstellen bei von der Bank Duftric. abhängigen Unternehmungen übernahm, und der Äinifterialdirektor im Handels­ministerium, Serruys, angehört.

Das sozialistische Ausschußmitglied Renaudel gedenkt zu beantragen, daß dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß zur Erfüllung der ihm aufge- tragenen Pflicht gewisse richterliche Befugnisse über­tragen werden sollen: so das Recht zu Haussuchun­gen, zur Beschlagnahme gewisser Dokuments, zur Einleitung von Strafverfolgungen wegen falscher Zeugenaussagen usw. Die Zemingen fahren fort, Initialen aus den besonderen Buchhaltungsakten des Herrn Duftric zu veröffentlichen: über die Neu­jahresfeiertage können sich die Pariser damit ver­gnügen, mit ihnen ein interessanteres Rätselraten als mit den beliebten Silben- und Kreuzworträtseln anzustellen. In der Gegenwehr gegen die Beschul­digung, daß die Linke jetzt völlig weitere Enthüllun­gen zu verhindern suche, droht Renaudel, der Aus­schuß werde sich nicht bloß auf die Nachforschungen wegen der Einführung der Sma-Biscoja und des Oustric-Skandals zu beschränken haben, sondern auch einer ganzen Reihe anderer bisher im Dunkel gehaltenen Korruptionsgeschichten, so der Veräuße­rung des sequestrierten ehemaligen deutschen Eigen­tums in Lothringen usw. nachaehen muffe. Er ver­weist im besonderen auf das Aktenstück derConven­tion Mètallurgique de la Sarre." Der Ausschuß müsse dieser Angelegenheit sein besonders Augenmerk widmen. Er habe bereits die Aufmerksamkest dar­auf gelenkt.

MmrschM «Stoffs Rest im Sterben

Paris, 27. Dez. Marschall Joffre, der seit einigen Tagen an einer Entzündung der unteren Glied­maßen leidet, mußte operiert werden. Die Ope­ration hatte zunächst eine vorübergehende Besserung im Befinden Joffres zur Folge; jedoch ist jetzt der Zustand des Marschalls wieder besorgniserregend.

Paris, 27. Dez. WieJournal des DLbats" berichtet, handelt es sich bei dem gemeldeten ope- ratiuen Eingriff, der bei Marschall Joffre not­wendig wurde, um die Abnahme 'des rechten Fußes. Die Aerzte befürchten, daß eine zweite Operation notwendig wird.

Paris, 28. Dez. Nach einem Krankheitsberlcht, der im Laufe des Nachmittags ausgegeben wurde, nimmt der Schwächezustand des Marschall Joffre zu. Eine zweite Operation, von der man im Laufe des gestrigen Abends gesprochen hatte, ist nicht aus- geführt worden.

Duca MachfolssV Vvattamts

Bukarest, 28. Dez. Der Vorstand der Liberalen Partei trat heute hier zusammen und beschäftigte sich mit der Frage der Nachfolge für den verstor­benen Führer Vintila Bratianu. Dinu Bratianu, der Bruder des Verstorbenen, schlug als Nachfolger den früheren Außenminister Duca vor, der dann auch durch Zuruf gewählt wurde. Morgen wird Duca die Vertreter der Auslandspreise empfangen, um Er­klärungen über sein Programm abzugeben. Wie es heißt, wird die Liberale Partei die Revision der wirtschaftsichen Grundsätze über die Zusammenarbeit mit ausländischen Kapitalisten durchzusetzen ver­suchen.

3wi Käufer ist Lttsiee verschüttet

Man spricht von 40 Toten.

Algier, 28. Dez. 3m Eingeborenen­viertel wurden gestern abend zwei Häuser, die an einem Abhang standen, durch einen Erdrutsch verschüttet. Dem Unglück sollen etwa 40 Personen zum Opfer gefallen fein. Die Feuerwehr Halle bis zu Beginn der Rächt erst drei Leichen geborgen.

Algier, 28. Dez. Sieben Leichen sonnten nunmehr in dem Araberdorf La Carriere geborgen werden. Wie sich fehl herausskellt, wurden über 40 Personen verschüttet. Unter den Gebäuden, die vollkommen zerstört wurden, be- findet sich auch eins, in dem eine Hochzeit gefeiert wurde. Alle Teilnehmer der Hochzeit wurden ver- schüllel. Man befürchtet, daß die Mehrzahl der Verschütteten nicht mehr lebend geborgen werden kann.

Paris, 29. Dez. Wie dasJournal" aus Algier berichlek, sollen sich unter den Trümmern der eingestürzlen beiden Häuser noch die Leichen von etwa 40 Frauen und Kindern befinden, wenn man den Aussägen eines Arabers, der den Haus- einsiurz miterleble, Glauben schenken darf. Die Villa des deutschen Generalkonsuls Windels befindet sich in der Rahe der Unqlücksstäkle. Rach Ansicht des Generalkonsuls ist das Terrain, auf dem der HSufereinsturz erfolgte, durchlöchert, weil die Ein­geborenen dort Ton zum Bau ihrer Behausungen aus der Erde Hollen und dadurch das Terrain unterhöhlten.

Familienkragödie in Drunshauplen.

Berlin, 29. Dez. Nach einer Meldung des Mon- tag aus dem Ostleebad Brunshaupten wurde der Bankagent der Mecklenburgischen Depositen- und Wechselbank, Adolf Becker, mit seiner Gattin ins Schlafzimmer tot aufgefunden. Das Motiv des Doppelselbstmordes ist noch nicht geklärt. Man nimmt an, daß finanzielle Sorgen das Ehepaar in den Tod getriebn haben. Auf den Nachttischen stand ie ein Glas Glühwein, der vermutlich Gift enthalten bat. Man nimmt an, daß die Lebensmüden die Tat bereits am ersten Feiertag verübt haben. In der Wohnung des Ehepaares fand man alles in mustergültiger Ordnung.

Ein Hirsch tötet einen Tierpfleger

Berlin, 29. Dez. Im Tierpark der Stadt Stral­sund wurde, wie der Montag, meldet, der Tier­pfleger Jonas von einem Hirsch angegangen und so zugèrichtet, daß der Schwerverletzte seinen Wunden erlag. Der Hirsch mußte erschossen werden.

Letzte Teleseamme.

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Berlin, 29. Dez. Reichskanzler ^> B r ü n l.u g hat hem Herausgeber dtzrWohlfaho.is-

es'Mßk- Auch dieses Jahresende frisst das

Volk bei der Erkemitms, daß es schwere Mona le» durchzumachen hat. Die Weliwirlschaftskrlse, die alle Staaten erfaßt hat, trifft es nach den Kriegs- und Jciflakionsjähren besonders hart. Aber mu­tiger Wille, Selbstzucht und Bereitschaft zum ge­meinsamen Tragen können und werden uns helfen. Wenn wir die schlimmen Zeiten benutzen, um Miß- br.uche abzustellen, die sich in unser gesellschaftliches, soziales und politisches Leben eingeschlichen hakte«,

wir die nötigen Reformen heute unter dem Druck der Rok kraftvoll norantreiben, dann ziehen wir die rechlen Lehren. Und wenn wir jetzt, wo uns gemeinsames Schicksal die engste Verbundenheit aller Schichten und Stände täglich beweist, uns als ein Volk fühlen lernen, dann werden zugleich die seelischen Kräfte lebendig, die die besten Bürgen einer schöneren Zukunft sind.

wenn

Mne GMKmms Barrdesveldes m den belgischen Keeveskeedtten

Paris, 29. Dez. Derpopulaire veröffent­licht Heuke eine Erklärung Vanderveldes über die Stellung feiner Partei tSozialdemokralen) gegen­über den Heereskredilen. Vandervelde führte aus, als ich nach viermonatiger Abwesenheit wieder nach Belgien zurückgekehrt bin, habe ich einen völlig ver­änderten Geisteszustand in Belgien vorgefunden. Die Reden Nundinis, die faschistischen Intriguen auf dem Balkan, die Erfolge der hitleranhSnger in Deutschland, die bedauerliche Vahl in Polen unter den Fußkrillen des Militärs, bestärkten bei dem Mann der Straße den Eindruck, daß Europa nor einem Kriege stehe, und daß dieser Krieg morgen mit der gleichen Plötzlichkeit ausbrechen könnte wie 1914. Er, Vandervelde, habe die Ueberzeugung, daß auf dem nächsten Kongreß der belgischen Arbeiterpartei mit einer sehr großen Mehrheit der Ge­danke einer einseitigen Abrüstung, der die demokratischen Länder wehrlos mache und den poli­tisch rückständigen Ländern unterwerfen werde, abgelehnl werde. Aber die belgischen Sozialisten seien entschlossen, auf'nationalem' wie auf inter­nationalem Gebiet ihre Aktion zugunsten der gleich- 1 eisigen Abrüstung weiter zu verfolgen. Man würde den Versailler Vertrag zu einem Fetzen Papier machen, wenn man die Erfüllung der moralischen und rechtlichen Verpflichtungen des Vertrages nicht eillhallen würde, der den Deutschen die Entwaff­nung aufzwang, um die Abrüstung der übrigen Länder in gleichem Maße vorzubereilen. Die fetzige belgische Regierung tue aber das Gegenteil. Belgien fei vielleicht das einzige Land, dessen Heeresbudget höher als 1914 sei. Die belgischen Sozialisten woll­ten nicht, daß unter dem Vorwand der Landesver­teidigung Rüstungen für die Aufrechterhaltung ge­wisser Militär-Hegemonien vorbereitet würden.

«aubübeekall aus eine Dovositenkasse

Köln, 29. Dez. Auf die Deposilenkasie der D. D. Bank, in der Dürenerftraße, wurde heute mor- gen ein Raubüberfall verübt. Geraubt wurden 15 °00 RN. Die Erhebungen an Ort und Stelle sind noch im Gange.