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Samstag, den 27. Dezember 1930

Nr. 302

erfassen und die Freiheitssehttsucht wird nach neuer Gestaltung drängen. Das ist die Zwick­mühle, in die London hineingeraten ist. Wenn man weiß, daß der große Salzmarsch zum Meere, den der Mahatma Gandhi dirigierte, den Londoner Machchabern viel Kopfzer­brechen gemacht hat, dann kann man ungefähr ermessen, mit welcher Besorgnis heute London und zwar ganz gleich. Macdonald ebenso wie Baldwin und Lloyd George den Ausgang der Konferenz in der nächsten indischen Zukunft entgegensetzen.

Daß dabei auch noch innerenalische Ge­sichtspunkte maßgebend sind, versteht sich von selbst. Macdonald weiß sehr wohl, daß er auf dieser Konferenz nicht mehr konzedieren darf unb kann als gemeinsam mit Baldwin und Lloyd George ausgemacht ist. Die englische Delegation enthält ja auch die Vertreter aller drei Richtungen des Londoner Parlaments. Madonald denkt nicht daran, der Rechten etwa die willkommene Parole zu liefern und den nächsten Wahlkampf im Zeichen der Wah­rung der Rechte Englands gegenüber Indien auszufechten.

Man sieht kein Ende, die Stimmung der Konferenzteilnehmer selbst ist absolut auf Fiasko eingestellt. Es liegt wohl eine Portion Hohn darin, wenn die Einlader des Banketts vom 13. Januar bereits davon gesprochen haben, daß sie nach diesem Bankett bald in ihre Heimat zurückzuketzren hoffen. Lord Wil- lington wird vermutlich auch einer der Gäste dieses Banketts sein. Denn er ist der Nach­folger Lord Irwins, des Dizekönigs con In­dien, der sein Amt im Frühjahr verläßt. Man kann sich kaum vorstellen, daß Lord Willing­ton mit sehr großen Erwartungen und mit Begeisterung das Amt des indischen Bize- königs antreten wird. Es könnte doch sein, daß er der letzte Träger dieser „Krone" ist.

Mne Bomb«

im Babubok Delhi

Delhi, 26. Dez. Bei der Explosion einer Bombe auf dem indischen Haupftuchnhof wurde eine Person getötet und zwei verletzt. Die Bombe war vor einigen Tagen in einem wollenen Rock eingemitfett am Gepäckschalter abgegeben worden. Durch un­vorsichtiges Hantieren mit diesem Gepäckstück wurde Die Bombe Zur Entzündung gebracht Ein Mann, der mit der Angelegenheit in Verbindung stehen soll, wurde bereite verhaftet.

Das Meiiebe 1930

See KeWsuerrbaud des SaudweekS Ms «euveselmts des Kovavatiousfsass

Der Reichsverband des Handwerks teilt, wie aus Berlin gemeldet wird, mit: Das Jahr 1930 war für die gesamte Wirtschaft wie auch für das deutsche Handwerk ein großes Notjahr. Ungünstig beeinflußt war das Geschäftsjahr noch infolge der im zweiten Halbjahr heroortreienden Bestrebungen der Reichs­regierung auf Preissenkung, durch die dadurch be­dingte Zurückhaltung der Käufer. Das Handwerk verschließt sich durchaus nicht diesen Notwendig­keiten. Im Gegenteil, es hat sich

wiederholt zu Preisherabsetzungen bekannt und solche auch mehrfach vorgenommen.

Allein, es darf nicht verkannt werden, daß es sich ' iftungen handell, da die für eine Preise in Betracht kommenden

hierbei um Borlei'

Herabsetzung der .

Unkostenfaktoren doch keine merkliche Senkung er­fahren haben. Die direkte Verbindung des Hand­werks mit den Käufern beschwert den Berufsstand

mit allen Folgen der bisherigen verfehlten Wirt­schaftspolitik, deren unerträgliche Belastung in so­zialer und steuerlicher Hinsicht bekannt ist. Das Handwerk weiß sehr wohl, daß eine Preispolitik, die etwa im dauernden Gegensatz zu der allge­meinen Lebenshaltung stünde, zu einer zunehmenden Einschränkung des Absatzes, ja zu einer völligen Verdrängung' vom Markte führen müßte.

Hoffentlich beginnt mit den Notverordnungen vom 26. Juni und vom 1. Dezember 1930 das unbedingt notwendige durchgreifende gesetz­geberische Reformwerk.

Das Handwerk hat den darin festgelegten Wirt- fchafls- und Finanzplan der Reichsregierung als einen Anfang der Maßnahmen anerkannt, dre zur Gesundung der öffentlichen Finanzen in Deutsch, land und zur Rettung der deutschen Wirtschaft vor weiterem Verfall notwendig sind. Allein den ersten Schrillen müssen weitere folgen, um eine wirkliche Entlastung der Wirtschaft und damit die Möglich- keil zu einem wirksamen Preisabbau zu geben. Die eingeleiteten Maßnahmen müssen weitere Ergän. zung finden durch die so notwendige Reichsreform an Haupt und Gliedern und durch die ebenso nicht mehr hintanzuhaltende

Neuregelung der Repartiovssrage

Für das Handwerk bleibt das Jahr 1930 noch von besonderer Wichtigkeit, weil in ihm der Aus­schuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Ab­satzbedingungen der deutschen Wirtschaft seine Er­gebnisse über das deutsche Handwerk vorlegen konnte. Wir dürfen kurz darauf zurückgreifen, daß noch den Untersuchungen dieses Ausschusses für das Jahr 1926 1300 000 Handwerksbetriebe mit 1320 000 Inhabern, 150 000 Gesellen und 766 000 Lehrlingen 110 000 Angestelltn festgestellt wurden. Der Gesamtumsatz des Handwerks wird für das Jahr 1928/29 cnit 20,6 Milliarden Reichsmark oder 14 bis 16 Prozent des volkswirtschaftlichen Ge­samtumsatzes angegeben. Einschließlich der Berufs­zugehörigen finden innerhalb der Handwerkswirt­schaft rund acht MLwnen Deutsche oder 12,6 Pro­zent der Bevölkerung ihr Brot.

Kund um den GuKvießkandal

SrsdSKiisrmssn gegen Briand - Briand als Sense vom BntevkMb»mss<mssth«S geladen

Dv. DE *

Frankfurt ß. 2H„ 24. Dez. Der langjährige sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und ehe-

Paris, 26. Dez. Die parlamentarische Unter- suchungskommlsfion für die Oustric-Affäre hat be­schlossen, Außenminister Briand für Samstag vormittag vorzuladen, der einige Aufklärungen über die Verzögerung geben soll, die gewisse für die Ein- führung der Suia-Viscofa-Aktien wichtige Briefe des französischen Handelsatiachees in Rom, die sehr ungünstig für die geplante Einführung lauteten, im Außenministerium erlitten haben.

Dies wird von der Rechtspresse weidlich gegen den Außenminister ausgeschlachtet und vor allem verlangt, daß Briand über ein Chiffrekonto bei der Oustric-Bank einige vielleicht recht aufschlußreiche Mitteilungen machen soll. Hinter der mysteriösen Chiffre vermutet man nämlich niemand anderen als

malige- NèAsMMrr des -Tunern Dr< G^srdt^ ^ * ^«3x1, baß

Gilbert Peycelon, die sogenannte «graue Eminenz" Briands. Der Außenminister hat heute an die Unterjuchungskommission^ einen Sri gerichtet,

Mandel: Ihre Erklärung genügt mir. Sie ist deutlich genug. Sie haben sich einem Ban­kier als Mann der Politik vorgestellt. Zu jenem Zeitpunkt saßen sie noch im Parlament. Sie waren sogar Unterstaatssekretär. Der Bankier hat nichts Eckigeres zu tun, als für Sie ein Konto zu eröff­nen. Und mit Rücksicht auf die Garantie, die, wie Sie sagen, Ihre Person bietet, weist er Ihnen eine beträchtliche Summe Geld an.

Vidal: Man eröfnet mir ein Konto.

Mandel: Ohne daß S'ie einen Cen­time auszugeben brauchen, tätigt man für Sie einen Kauf von Aktien. Dann weist man Ihnen eine Summe Geld zu und gibt Ihnen Vor­schüsse. Und als einzige Garantie bieten Sie Ihre Person an?

Vidal: Jawohl!

Mandel: Also sind wir durchaus einer

das Plenum des Vollzugsausschusses der Parket gefordert wird.

Das Weihnachtsfest ist in Moskau sowie in der ganzen Sowjetunion im Zeichen des Kampfes gegen die Religion verlaufen. Alle Be­triebe haben am 25. und 26. Dezember wie üblich gearbeitet. Trotz der Hetze gegen das Weihnachts- feft waren am Abend sämtliche Kirchen in Moskau überfüllt. Die Behörden hatten jedoch den Sängern der Staatsoper verboten, in den Kirchen zu singen. In Moskau haben am Heiligen Abend etwa hundert antireligiöse Versammlungen stattgefunden, in denen die Vertreter der Kommunistischen Partei zum Kampf gegen die Religion aufforderten und die weitere Schließung von Kirchen verlangten.

SluKAiMS des NaelameutS in Mstme»

Paris, 26. Dez. Der Fürst von Monaco hat durch Verordnung den Nationalrat und den Ge­meinderat aufgelöst und gewisse verfassungsrechtliche Garantien außer Kraft gesetzt. Aufgrund der Ver­ordnung werden die Befugnisse des Nationalrates vorläufig dem Staatsrat übertragen, der nach der Verfassung die Aufgabe hat, die Gesetze und das Budget auszuarbeuen. Die Befugnisse des Stadt- und Gemeinderates werden einer besonderen Ge­meindeabordnung übertragen, die aus Beamten be­steht, und an deren Spitze der Staatsrat und der Gesandschaftsrat stehen. ,

Dieser Staatsstreich ist von der einheimischen Bevölkerung mit großer Ruhe ausgenommen wor­den. Es ist nchmlich schon das dritte Mal seit zwanzig Jahren, daß die parlamentarische Vertretung in Monaco aufgehoben wird, ohne daß sich daraus be­sondere Nachteile für die 25 000 Bewohner dieses Fürstenums ergeben hätten. Diesmal ist der Anlaß zu diese- Maßnahme durch die Streitigkeiten ge­geben worden, die seit fast zwei Jahren die wahl­berechtigten Bürger Monacos in zwei feindliche Lager spalten und die sogar unlängst zu Unruhen und Kundgebungen geführt haben. Die arkadische Landschaft dieses Zwergstaates ist durch aufregende Reden und Schlägereien gestört worden, die Ge­richte mußten eingreifen und die zahlreichen Frem­den — auf jeden Einwohner kommen 12 bis 15 Fremde.—- sind in ihren friedlichen Spaziergängen und in der minder friedlichen Beschäst.gung der Spielsäle von Monte Carlo beunruhigt worden." Der Dezember neigt dem Ende zu, und die F'?m- densaison beginnt. Die Fortsetzung der Unruhen hätte sich ungünstig auf die bereits durch die Welt­wirtschaftskrise bedrohten Einnahmen der Hotels und des Spielkasinos auswirken können. Durch die Auf­lösung des Parlaments glaubt der weise Herrscher von Monaco seinem Fürstentum diese Gefahr er­sparen zu können. Ein Staatsstreich zur Förderung des Fremdenverkehrs!

Die beratende Wirtschaftskammer die von den in Monaco ansässigen Ausländern ge­wählt wird, veröffentlicht heute eine Adresse an Hon Fürsten, in der es heißt: „Die Kammer wendet W

an den Herrscher und Schiedsrichter zwischen ^öeti vers ./eder.u Interessen des. Landes, m eine

ALr bi n - Z e h! è n o o r i gestorbÄ. Dr. David, Eh^uruls um beschleunigte Üeberfendung der für

g zu eröffnen.

keine böoOÖ FrankM ert sein soll, so weiß ich

war am 11. Juni 1863 in Eidger an der Mosel ge­boren. Er war zuletzt Gesandter des Reiches in

Darmstadt.

Ursprünglich zum Kaufmann bestimmt, machte David in Berlin eine dreijährige Lehre durch, konnte aber dann doch seine Gymnasialbildung ab­schließen und Gejchchie und Germanistik studieren. Damals wurde er mit Begeisterung Burjchenjchaft- her, gab auch später eine Zeitlang die Burschen- schastlichen Blätter heraus. Seine Laufbahn als hessischer Gymnasiallehrer in G ehen war nur kurz, da er sich bereits Anfang der neunzi­ger Jahre zur Sozialdemokratie bekannte, und aus dem Lehramt ausschied. Er wurde zunächst lei­tender Redakteur des Mainzer Parteiblatts, ■ blieb dann aber bis zum Tode lediglich Mitarbeiter sozia­listischer Zeitungen und Zeftschriften. Sein beson­deres Interesse galt von Anfang an der Agrarpolitik. Schau auf dem Frankfurter Parteitag 1894 wurde er zum Mitglied der Agrarkommission gewähü. Er wollte auch ein groß angelegtes Werk über Sozialis­mus und Landwirtschaft schreiben, kam aber über den 1922 erschienenen ersten Band über die Betriebs- frage nicht hinaus, die er im Gegensatz zur mar­xistischen Lehre behandelte. In der Partei galt er als ihr Archivar und Wissenschaftler. Parlamen­tarisch betätigte sich David von 1896 bis 1908 im Hessischen Landtag und von 1903 an bis zuletzt im Reichstag Prinz Max von Baden berief den kennt­nisreichen Politiker zum Unterstaatssekretär in das Auswärtige Amt, in dem er auch nach dem Zu- fammenbrud) zunächst verblieb. Die Nationalver­sammlung wählte David zu chrem ersten Präsiden­ten, aber schon acht Tage später muß's er dieses Amt mit dem eines Ministers ohne Portefeuille im Kabi­nett Scheidemann vertauschen. Als dieses Kabinett wegen der bevorstehenden Unterzeichnung des Frie- bensnertrags zurücktrat, übernahm David das Ministerimn des Innern, das er jedoch schon nach einem Vierteljahr an Koch-Weser abtrat. Dr. David war also alles andere als ein Kleber. Fortan hiell er sich von den Regierungsgeschäften fern. Lediglich das Amt eines Vertreters des Reichs in Hessen über­nahm er noch, gier konnte er in der ihm eignen stillen unb ernsten Weise noch bis in die letzten Wochen wertvolle sachliche Arbeit leisten.

die Zulassung notwendigen Papiere gebeten habe.

Die parlamentarische Untersuchunaskommission für die Börsenskandale vernahm am Mittwoch er­neut den ehemaligen Unterstaatssekretär Vidal. Der Schluß des Verhörs ist bezeichnend für den Ton, der zwischen Untersuchunasaus'chuß und Ver­hörten herrscht. Das Ausschußmitglied Mandel fin­det es sonderbar, daß der Bankier Duftric dem Herrn Gaston Vidal ohne alle Garantien 60 000 Franken auf sein Konto vorgeschossen hatte.

Mandel: Sie hatten also wirklich Ihre Person als Garantie angeboten?

Vidal: Wollen Sie mir unterstellen, mein Herr, daß meine Persönlichkeit keine 60 000 Fran­ken wert sein soll?

mir

Zu

- ) nicht mehr . . .!

Mandel: Ich habe kein Werturteil fällen.

Vidal: Der Ton allein, in dem Sie das sagen, " Werturteil.

Der Unterdirektor der Bank von Frankreich,

R è My, der bei der Oustric-Bank ein Konto be­saß, hatte sich vor dem Disziplinarausschuß der Bank von Frankreich zu verantworten. Remy machte einen völlig zusammenaebrochensn Eindruck. Er gab seine Beziehungen zu Duftric zu, behauptete jedoch, daß das Konto in einem Darlehen seinen Ursprung habe, und bestritt hartnäckig. daß er dem Bankier irgendwelche Vorteile bei der Diskon­tierung seiner Wechsel durch die Bank von Frank­reich verschafft habe.

Betracht kommenden Berufes nicht zur Verfügung! stehen.

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des MavvmrsehMss

Berlin, 24. Dez. Der Kirchensenat der evan­gelischen Kirche der Mpreußischen Union hat be­schlossen, daß auch die Bezüge der im Dienst der Kirchengemeinden und kirchlichen Verbände stehen­den Pfarrer, Beamten und Angestellten ent- sorechend den Bestimmungen der Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen gekürzt werden sollen.

Ende des getvmrbsmSAsert

GiärtvSVmWANrrA

Berlin, 24. Dez. Nachdem das Gesetz über eine vorübergehende Reglung der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung nunmehr in Kraft getreten ist, gilt folgendes:

Grss« Vie DspAâsVdkLrrsV

Ein sozialdemokratischer Antrag

Berlin, 26. Dez. Die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion ersucht in einem Antrag die Reichs­regierung, alsbald in einem Gesetzentwurf zu be­stimmen, daß allen in Reichs-, Staats- oder Kom- munaldiensten und in den Diensten öffentlich-recht­licher Körperschaften ständig beschäftigten Personen die Uebernahme und Ausführung außerdienstlicher entgeltlicher Berufstätigkeit grundsätzlich untersagt ist Der Reichsarbeitsminister soll ermächtigt werden, für Berufe, die besonders unter der Beschäftigung von Dopelverdienern und unter Schwarzarbeit zu leiden haben, den Zwang zur Meldung aller offe­nen Stellen bei den Arbeitsämtern und zur Be­nutzung der Arbeitsämter einzuführen. Schließlich sollen die Arbeitsnachweise verpflichtet sein, Per­sonen, die in anderen Berufen oder Betrieben be« rufsmäßig als Arbeitnehmer tätig sind, nur dann eine zusätzliche Beschäftigung zu vermitteln, wenn für diese Beschäftigungen geeignete Arbeitslose des in

1. Alle gewerbsmäßigen Stellenvermittler (mit Ausnahme der Konzertagenten), die ihr Gewerbe nach dem 2. Juni 1910 begonnen haben, müssen chren Betrieb am 31. Dezember 1930 einstellen.

2. Gewerbsmäßige Stellenvermittler für Ar­tisten, Bühnenangehörige, Chor-, Tanzpersonal und Musiker, die ihr Gewerbe mindestens seit dem 2. Juni 1910 ausüben, müssen ihren Betrieb eben- alls am 31. Dezember 1930 einstellen, sie werden nach näherer Vorschrift des Gesetzentwurfs entschädigt, der vom Reichsrat bereits ver­abschiedet ist und dem Reichstag in den nächsten Tagen zugehen wird.

3. Die Konzertagenten dürfen chren Be- trieb bis auf weiteres fortführen.

4. Die übrigen gewerbsmäßigen Stellenver­mittler, die ihr Gewerbe mindestens seit dem 2. Juni 1910 ausüben, erhalten die Erlaubnis, ihren Betrieb zunächst bis zum 31. März 1931 fortzuführen; wann sie endgültig ihren Betrieb ein­stellen müssen, wird in dem vorerwähnten Gesetz­entwurf geregelt werden.

Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten sind stets recht rege gewesen, und die bemerkenswerte Steigerung des Handelsverkehrs zwischen den beiden Ländern in den letzten Jahren ist ein klarer Beweis für die Stärke ihrer wechselseitigen Interessen. Noch in­tensiver wurde diese Zusammenarbeit durch den bedeutenden Anteil, den beide Staaten an der Entwicklung und Anwendung moderner in« dustrieller Methoden und Verfahren genommen haben. Aber die engen Beziehungen zwischen unserm Land und Deutschland beschränken sich nicht nur auf Handel und Finanzen, eine so große Rolle diese auch spielen: die kulturellen Bindungen zwi­schen beiden Völkern sind ein gleich großer und wirkungsvoller Faktor in den deutsch-amerika­nischen Beziehungen. Deswegen wird alles, was in Deutschland vor sich geht oder was Deutschland an« geht, in den Vereinigten Staaten mit großem und herzlichem Interesse verfolgt. In der gegenwär­tigen, die ganze Welt umfassenden wirtschaftlichen Depression richten sich unsre Augen nach Deutsch­land, mit vollem Vertrauen, daß es bald aus

einen gegenwärtigen Handels- und industriellen Schwierigkeiten herauskommen werde.

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gegen das Deutschtum in Oberschlestrn. M

Biala, 26. Dez. Wie der „Oberschlesische Kurier" meldete, plante das Schulinspektorat von Biala einen Vorstoß gegen die deutsche Volks- und Bür- ■ gerjchule Diese sollte in eine polnische Lehranstall umgewandetl werden. Die bisherigen deutschen Klassen sollen dagegen in anderen Gebäuden unter- gebracht werden. Diese Neuregelung soll mit dem Schulbeginn im neuen Jahre vorgenommen werden.

Dieser angekündigte Vorstoß ist bereits erfolgt. , Der Ortsschulrat beschloß, die ^hule so zu teilen, daß einige deutsche Klassen im Stockwerkaufbau des Feuerwehrdepots, andere im Gebäude des Polni­schen Schulvèreins untergebracht werden, während die restlichen fünf deutschen Schulklassen vorerst noch in dem Gebäude belassen werden. Diese Verfügung widerspricht einem verbrieften Recht. Das Schul­gebäude ist von den Deutschen mit deutschem Gelde errichtet worden, und es ist urkundlich festgelegt, daß das Gebäude, das der katholischen Pfarr­gemeinde gehört, nur so lange zu Schul- und Unter« richtszwecken zur Verfügung gestellt wird, als die Unterrichtssprache die deutsche ist.

Gv-Hsben

In Ksvdwefi-Avgettiküett

Salta, (Argentinien), 24. Dez. Ein heftiges Erdbeben suchte den Nordwesten Argentiniens heim. 35 Personen wurden getötet, 70 verletzt. Die Stadt Lapoma, die etwa 1500 Einwohner zählt, soll gänz­lich zerstört fein. Eine Hilsservedition ist «nterwegs-

Salta (Argentinien), 26. Dez. Die Not und der Schrecken der Ikberiebenben des vorgestrigen Erdbebens wurde noch durch sechs weitere Erdstöße und durch starke Regenfälle erhöht. Die Hilfsmann- schafken haben den zerstörten Gebirgsort Lapoma nach einem Tagesmarsch erreicht. Sie fanden die Aeberlebenden durchnäßt auf den Trümmern ihrer Heimstätten hockend vor. Infolge des Erdbebens sind zwei große Erdspalten entstanden, aus denen heißes Wasser hervorquillt. Eine Anzahl Personen sind in diese Spalten gestürzt Sie blieben verschwunden.

ÄlmevWas &M&ti&$i£dttiW an DentiGSand

Washington, 24. Dez. Handelsminister Lamont gab dem hiesigen Vertreter des WTB. folgenden iWsihnachtsgruß für die deutschen Leset:

Moskau, 24. 12. Das Arbelkskommlssariat erließ zwecks Erhöhung der Arbeiisleistung neue < Verordnungen, durch die strengste Disziplin in der ; Arbeilskäligkelt erreicht werden soll. Arbeiter, die < die Disziplin systematisch verletzen, werden künftig : fristlos und ohne Entschädiguna entlassen und . dürfen sechs Monat in keinem anderen Beirieb be­schäftigt werden. Wenn die Verletzung der Disziplin in böser Absicht geschieht, werden die Arbeiter strafgerichtlich zur Verantwortung gezogen. Falls ein Arbeiter die Betriebsleitung nicht rechtzeitig da­von unterrichtet, daß ein durch ihn Herqestelltes (Er­zeugnis untauglich ist, verliert er den Anspruch auf Lohnauszahlung. Diese drakonische Verordnung er­gänzt die srühere, die einen freiwilligen Wechsel der Arbeitsstelle verbietet, und wurde erlassen, um die möglichste Beschleunigung des Tempos der Erfül­lung des Fünfjahrplaues durchzuführen, die durchs

Nachspiel zu einem Raubüberfall auf einen Chauffeur

Wien, 26. Dez. Am 15. November war zwischen Manfred und Mühlhausen (Hessen) ein Chauffeur von einem Kaufmann Gotthold Schmidt aus Mühlhausen und dessen Sohn August zu einer Fahrt ausgenommen worden. Vater und Sohn schlugen dabei den Chauffeur nieder und raubten ihm 2000 RM. Der Chauffeur ist später schwer verletzt aufgefunden worden. Er hatte nur dadurch sein Leben retten können, daß er sich tot stellte. Der junge Schmidt war vor einiger Zeit in Kaiserslautern verhaftet worden. Als der Verdacht auftauchte, daß sich Gotthold Schmidt nach Wien begeben habe, schickte die Kriminalpolizei Kassel ■ einen Kriminalbeamten nach Wien, mit dessen Hilfe es gelang, Gotthold Schmidt hier festzu­nehmen. Schmidt, bei dem nur noch 50 RM vor« i aefunben wurden, wurde ins Landgericht etnge- 1 liefert.

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