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Der Reichspräsident empfing gestern die Führer der Grünen Front Graf Kalckceuth, in Brandes, Dr. Hermes, Dr. Fehr und nahm von ihnen einen gemeinsamen Bericht über die Lage her deutschen Landwirtschaft, insbesondere der bäuerlichen Beredelungswirtschaft, entgegen.

* Der Parteiführer der Deutschen Bolkspartei, Abg. D i n g e l d e y hatte gestern eine Bespre­chung mit dem Reichskanzler, in der er betonte, daß die Deutsche Volkspartei unbedingt auf der rechtzeitigen gesetzlichen Sicherstellung 'hres Antrages auf weitere Ersparnisse wn Reichshaushalt für 1931 bestehen müsse.

Der kommunistische Abgeordnete im Preußischen Landtag Rudolf Tunkel wurde in KSnigshütte wegen angeblicher kommunistischer Um­triebe und kommunistscher Propaganda innerhalb der Königshütte verhaftet.

In Lüttich wurde gestern ein Ausschuß von Sachverständigen aus einigen Universitätsprofesso- ren und einem Tierarzt gebildet, der die Ursache bet infolge des Nebels emgetretenen Todes- und Krankheitsfälle erforschen und prüfen soll, ob der Nebel giftige Stoffe enthielt.

Gestern früh explodierte in Lyon vor einem großen Warenhaus eine Bombe Meh­rere Schaufensterscheiben gingen in Trümmer. Es scheint sich um ein Attentat zu handeln, ähnlich der Art, w'e sie seit einigen Monaten in Lyon häufiger vorgekommen sind.

'* Der Braunschweigische Landtag nahm das Ge­hst das die Pensionsberechtigung der Minister bei

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18. Dezember

Die gefieigen s^avinetis- Veeaiungen

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Berlin, 17. Dez. Das Reichskablnett traf heute zu einer Vollsitzung zusammen, in der es eine umfangreiche Tagesordnung erledigte. Vor Weihnachten wird nun am Freitag noch eine Kabinettssitzung stattfinden. Es wird nicht nur die letzte dieses Jahres sein, son­dern auch dick letzte in dem alten Gebäude der Reichskanzlei. Zwischen Weihnachten und Neujahr wird der Erweiterungsbau bezogen werden, der nun ferliggeslellt ist.

Zunächst nahm das Kabinett den Bericht des Preissenkungsausschusses entgegen. Beschlüsse des Kabinetts über neue Preissenkungen werden vor Weihnachten nicht mehr veröffentlicht werden. Der Ausschuß für Preissenkung wird im Januar wieder zusammentreleu. Alsdann beschäftigte sich das Kabinett mit den Beförderungsverhältnissen in den Reichsämtern und zwar mit der Frage der Auf­hebung der Deförderungssperre, die wahrscheinlich

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stallen.

zum 1. Januar erfolgen wird. Das Kabinekt nehmigls außerdem noch eine Bestimmung zur gänzung der Krafkfahrzeugsteuer, die sich im wesent­lichen auf die Verteilung des Ertrages dieser Steuer auf die Länder bezieht. Grundsätzlich soll es einst­weilen bei der gegenwärtigen Regelung belassen werden. Reichsaußenminisier Dr. Curtius gab dann eine Darstellung über seine Verhandlungen in Königsberg. Am Nachmittag erstattete Graf Bern­storff dem Reichskanzler und den zuständigen Kabinettsmitgliedern Bericht über die Genfer Äb- " Morgen wird er im Aus-

timmén der ationalsözialistcn und Sozialdemo­kraten an.

Ein volkspartelicher Antrag im Preußischen Landtag ersucht das Staatsministerium, der verantwortungslosen Ausgabenwirtschaft und den Korruptionserscheinungen in der öffentlichen Verwaltung, insbesondere auch dort, wo sie in pri-

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stattfinden, und zwar wahrscheinlich unter Teil­nahme des Reichspräsidenten.

Der Beschluß, den kommenden 18. Januar als den 60. Jahrestag der Reichsgründung feierlich zu begehen, dürfte allgemein begrüßt werden. Schon der 50. Jahrestag hätte eine besondere Feier ver­dient. Im Jahre 1921 gingen aber die Wellen der Revolutionszeit und der inneren Unruhe noch so hoch, daß für die würdige Ausgestaltung einer 50= Jahr-Feier des Reichsbestandes leider kein Raum vorhanden war. Deshalb ist es in jeder Beziehung angebracht, wenn am kommenden 18. Januar das Versäumte nachgeholt wird. Für die 60-Jahr-Feier ist sogar ein fester Grund und Boden vorhanden, denn es hat sich inzwischen nach einem Verlauf von weiteren zehn Jahren gezeigt, daß die Mauern des Deutsche Reiches in der Tat fest genug gegründet worden sind, um allen Stürmen stândzuhalten. Was vor zehn Jahren noch wankte und schwankte, hat sich in der Zwischenzeit wieder mehr und mehr

Nowttibe Vavbavel

Unerhörter Folter-Skandal im 20. Jahrhundert

Die barbarischen Zustande in Polen werden durch nichts besser beleuchtet, als durch eine Interpellation, die gestern von den Abgeord­neten der Zentrolinken Partei im nsugewähl- ten Sejm eingebracht worden ist. In dieser Interpellation wird die furchtbare Behandlung der im Militärgefängnis von Brest-Litowsk eingekerkerten oppositionellen Politiker geschil­dert. Diese Schilderung zeigt, daß die phan­tastischen Schreckensnachrichten durch die Wirk­lichkeit übertroffen werden. Die Mißhandlun­gen der dem Marschall Pilsudski nicht geneh­men Politiker verdienen in vollem Maße in eine Reihe mit den empörenden Terrorakten in Ostoberschlesien und in der polnischen Ukraine gestellt zu werden. Marschall Pilsudiki, der krankheitshalber auf dem idyllischen Ma­deira weilt, hat anscheinend den Ehrgeiz die Kosakenausschreitunaen der Vorkriegszeit in den Schatten zu stellen. Mes dürfte ihm ge­lingen. Wenn seine Tätigkeit irgendwo von Erfolg ist, so gewiß hier, auf dem Gebiet des unverdecktesten Terrors. So richtet der pol­nische Diktator sich selbst. Was Polen betrifft, so wird dieses Land das Prädikat Kulturstaat nur noch in Gänsefüßchen führen müssen.

vatwirtfchafèlicher Form betrieben werde, ein Ende ----,- -- - zu machen durch straffe Handhabung der Staats- der Lander b> aufsicht und durch Einschreiten gegen die staatlichen Ruckiran aut < Organe, die es in dieser Hinsicht an der nötigen Festigkeit und Unparteilichkeit fehlen ließen.

Das Reichskabinekk hak sich weiter mit der Frage beschäftigt, wie am 18. Januar die 80jährige Wieder­kehr der Reichsgründung gefeiert werden soll. wie , wir hören, ist eine amtliche Feier geplant, die etwa denselben Charakter trägt, wie die üblichen Ver­fassungsfeiern am 11. August. Ursprünglich war wohl der Gedanke erwogen, die Ministerpräsidenten

fassungsfeiern am 11. Augi wohl der Gedanke erwogen, ...

22 1 besonders nach Berlin einzuladen: mit Rücksicht auf die Kosten hat man davon Abstand genommen. Die Hauptfeier wird im Reichstage

ÄÄ"« » Reiches feiern, so können wir es mit dem immerhin stolzen Bewußtsein tun, daß die Schöpfung Bis­marcks ihre Probe in einem Existenzkamps von beispielloser Schwere und Härte beftanbep hat. Es ist also aller Anlaß gegeben, den 60. Reichsgrün­dungstag durch eine besondere Feierlichkeit aus der Reihe der Werktage herauszuheben. Vielleicht kommt dabei auch manchem eindringlich zum Be­wußtsein, daß der Reichsgrüdungstag der wichtigste Tag unserer nationalen Geschichte ist. Auch diese Lehre kann nicht schaden.

5m Lohn st reit des deutschen Buch­druck erg ew erb es hat gestern das zuständige tarifliche Zentralschlichtungsamt einen Schieds­spruch gefällt, der den bestehenden Lohntarif bis zum 13. Februar 1931 mit der Maßgabe ver­längert, daß zur Fortsetzung der Beratungen und zur Fällung eines weiteren Schiedsspruchs die Schlichterkammer am 2. Februar 1931 von neuem zusammentritt.

Mehrere in- und ausländische Zeitungen mel­deten unlängst das Vorkommen russischer Fünf-Rubel-Noten mit gleichen N u m- M e r n. Der deutschen Zentralstelle zur Bekämpfung von Geldfälschungen haben 200 Stück Fünf-Rubel- Noten der Ausgabe von 1925 vorgelegen, von denen je 100 das gleiche Serienzeichen und die gleiche Kontrollnummer aufwiesen. Nach dem Gut­achten der technischen Sachverständigen der Deut­schen Reichsbank zeigen die Noten zwar die Merk­wale echter Fertigung, es ist aber trotzdem eine Fälschung der Noten nicht ausgeschlossen. Die nöti­gen Schritte zur Feststellung der Noten sind einge­leitet.

.. Entgegen der Pressemeldung, daß Argen-

2 :_____.....i g für ein Jahr

tzesperrt habe, wird uns von zuständiger Stelle wiigetcilt, daß diese Nachricht den Tatsachen nicht entspricht. Argentinen hat die Einwanderung "'cht untersagt.

^nien b i e Einwä y derun

Nach in Newyork vorliegenden Meldungen wen gestern weitere 20 Banken ihre Zah- *?nSjen eingestellt. Es handelt sich ausfchließ- um kleinere Provinzbanken, von denen sich im Staate Arkansas befinden.

Zwölf italienische Wasserflugzeuge sind Ostern früh unter dem Befehl des Luftfahrts- ^misters Balbo zum Fluge nach Brasilien ?"sgestiegen. Das Ziel des ersten Flugabschnittes P die spanische Hafenstadt Cartagena.

Auf der Deutschen Werft in Hamburg "st der 13 300 Tonnen große Tankdampfer Nivose w die Compagnie Nationale de Navigation in vom Stapel. Es ist der dritte Tankdampfer, den die Deutsche Werft für diese französische Gesell- chaft erbaut hat, wobei besonders bemerkenswert daß dieser nicht auf Reporationskonto, sondern Vach freiem Vertrag zwischen Reederei und Werft gebaut wurde.

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RevowiisttSve Gehevuns in Guatemala

SO Tose, dämmte« des rKvregsm'nMsV - Eine neue Ae^seVUNs gediMZi

New York, 17. Dez. Associated Preß meldet aus Mexiko: Aus Guatemala sind Funk­meldungen eingetroffen, denen zufolge dort gestern eine bewaffnete Erhebung ausgebrochen ist. Die Regierung des Präsidenten Lhacon ist gestürzt worden.

, 1S. De;. Nach havasmeldungen voll- Absetzung der Präsidenten der Republik

Paris, 18. Dez. Nach havasmeldungen voll- zog sich die Absetzung der Präsidenten der Republik Guatemala durch milkärische Kreise, die im Einver­nehmen mit den Liberalen handelten. Eine Stunde wurde um das Präsidenlschafksgebäude gekämpft, wo der Kriegsminister und mehrere Milkärs fielen. Im ganzen zählte man 50 Tote.

Newyork, 18. Dez. Nach Privatmeldungen aus Guatemala ist dort eine provisorische Regierung gebildet worden, die unter Füh­rung des General Manuel Orellana steht. Orellana war Kommandant der Festung Makaoros.

Die Ursache der Revolution ist die weit verbrei­tete Unzufriedenheit mit der Regierung des Präsi­denten Chacon, der in der letzten Woche schwer erkrankt ist. Ein Kabinettsrat beschloß daraufhin, Baudillo Palma als amtierenden Präsidenten ein­zusetzen. Offenbar sahen die Revolutionäre jetzt die Gelegenheit für gekommen, gegen Palma, der ein intimer Freund Chacons ist, loszuschlagen.

Die Ironie des Schicksals will es, daß die Regie­rung der Vereinigten Staaten, die bereits während der Revolution in Brasilien in peinliche Verlegen­heit wegen der Frage der Anerkennung der neuen Regierung geriet, jetzt auch in Guatemala den glei­chen Schwierigkeiten gegenübersteht. Gerade einen Tag vor Ausbnich der Revolution erkannte nämlich Präsident Hoover die Amtsübernahme Palmas for­mell an und wünschte ihm in einem sehr herzlich ge­haltenen Telegramin guten Erfolg in seinem neuen Amt.

Die Republik Guatemala, ip der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ein Bestandteil der Vereinigten Staaten von Mittelamerika, hat die Größe von Bayern, Sachsen und Thüringen und zählt 2% Millionen Einwohner, davon % reinras­sige Indianer und % Mischlinge. Die Zahl der Deut­schen beträgt etwa 900. Hauptausfuhren sind Kasfee und Bananen, Hauptverkehrsländer die Vereinig-

Lazaro Chacon,

der gestürzte Präsident des südamerikanischen Staa­tes Guatemala. Bisher war Guatemala einer der wenigen südamerikanischen Staaten, die von den politischen Unruhen nicht berührt waren.

ten Staaten und Dutschland, wobei festzustellen ist, daß das Deutsche Reich vor dem Kriege auf wirt­schaftlichem Gebiet die führende Rolle in Guatemala gespielt hatte, während des Krieges aber den Ver­einigten Saaten diese Rolle abtreten mußte. Di- Hauptstadt des Landes, die auch Guatemala heißt, ist mit ihren 112 000 Einwohnern die größte Stadt Mttelamerikas.

Aus Warschau wird gemeldet: Wenige Minuten vor Schluß der heutigen Nachtsitzung des Sejm wurde von den Abgeordneten der Zentrolinken Partei eine Interpellation eingebracht. Die Inter« pellation betont, daß die oppositionellen Führer, die ohne Gerichtsbeschluß auf Verfügung des Jnnen-

.....^^..enem Wagen in

tung verschleppt wurden. Auf der Fahrt wurden sie impft und bedroht.

ozialistische Führer Dr. Liebermann wurde auf dem Wege nach Brest von den begleitenden Polizisten so lange geschlagen, bis er das Bewußt­sein verlor. Etwas später blieb das Auto in einem Walde stehen und Liebermann wurde mit ftol eti- stößen in den Wald getrieben. Im Walde schlug ihn ein Polizeikommissar zweimal ins Gesicht, so daß er zu Boden stürzte. Liebermann wurde dann ent- kleidet und nochmals derart geschlagen, daß er über 20 blutige Wunden davontrug. Gleichzeitig rief man ihm zu: »Du hast es gewagt. Deine Stimme gegen den Herrn Marschall zu erheben!"

Im Gefängnis wurden die Gefangenen von wachthabenden Offizieren und Gendarmen mit den gemeinsten Schimpfworten belegt. Man hielt sie zu den schwersten Arbeiten an. Liebermann, Pofessor Prager und der ehemalige Minister­präsident Witos mußten mit Lappen oder mit einem kurzen kleinen Besen, alle fast mit bloßen Händen, Aborte reinigen und Fußböden scheuern. Dr. Liebermann erlitt bei dieser Arbeit einen Herz­anfall.

Wenn die Abgeordneten die Gefängnisordnung irgendwie verletzten, sperrte man sie in finstere Zel­len ein, in denen nicht einmal Kübel für die natür­lichen Bedürfnisse standen. Das Lager bestand aus einer Bettstelle ohne Strohsack mit voneinander abstehende Holzleisten. Als Nahrung erhielten die Gefangenen etwas Brot und warmes S a l z w a f s e r.

Der Abgeordnete Popiel wurde eines Nachl­auf Befehl eines Haupkmanns in einen dunklen Raum gesperrt. Als er die Schwelle übertrat, wurde er von zwei Gendarmen auf einen Tisch geworfen. Dann legte man ihm ein nasses f Tuch auf den Rücken und versetzte ihm mit eisernen Stäben 30 Hiebe. Popiel verlor dabei die Besinnung. Als die Exekution abgebrochen wurde, erklärte ihm der Haupt­mann, der die Mißhandlung beaufsichtigte:Du kannst froh sein, so wenig erhalten zu habe«. Das nächste Mal wird Marschall Pilsudski be­fehlen, Die eine Kugel in den Kopf zu jagen.

Dann sperrte man Popiel einige Tage in bey Keller in. Ebenso wie Popiel wurden auch noch Korfanty und der Bauernabgeordnete Ba­ginski verprügelt. Andere Abgeordnete wurden barbarisch ins Gesicht geschlagen, wie beispeilsweise der Ukrainer Kohut. Während des Prügelns wurde stets der Motor des Wasserwerks in Bewegung ge­setzt, um durch sein Geräusch die Schreie der miß­handelten Opfer zu übertönen.

Der Gefängniskommandant Oberst Biernacke er­klärte Dr. Liebermann, daß das Schicksal der Ge­fangenen vom Befehl Marschall Pilsudfkis abhänge. Ein anderer Offiizer fügte hinzu:

wenn der Marschall befiehlt, die Gefangeuen zu töten, so würden sie getötet werden, und wenn er befiehlt, sie zu verstümmeln, so würde« sie verstümmelt werden.

Weiter bestätigt die Interpellation die schon bekannt gewordenen Scheinhinrichtungen. Die Unterzeichner der Interpellation fragen schließ-

V;e heutige ünmmeü «mfatzt 14 Sette«