KanamMzeiger
U^vVeueral Anzeigse fSi^VWmtatt «Siadt und Laud
MMMW Giadt und Land
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Maat RM. t-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 1L, Samstag 12 R-Psg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite S R-Pfg.. im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. / Osfertengebühr 50 R»pfg.
«e. 221
Diensta« den
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der tieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956, 3952,3958
18. Ksvemdsv
1630
#iw$* ^«^*5j4ow
* Zwischen Reichsregierung und Ländern ist eine Einigung über die Kürzung der Länder- Zuweisungen um 100 Millionen und in der Frage der Realsteuer zustandsgekommen. Die Kürzung der Beamtengehälter soll nach den BeWüssen des Reichsrates ab 1. Februar vorgenommen werden.
* Der Kabinettsausschuß verhandelte mit dem Präsidenten des Deutschen Städtetages um Senkung der städtischen Tarife. In Berlin werden die Seefische billiger.
Der thüringische Ministerpräsident Baum wird im Laufe dieser Woche nach Berlin kommen. um mit Reichskanzler Dr. Brüning persönlich den Konflikt zwischen dem Reichsinnenministerium und der thüringischen Regierung zu besprechen. Wie das Blatt wei- ter berichtet, beabsichtigt Ministerpräsident Baum, über das Vorgehen des Reichsinnenministeriums Beschwerde zu führen.
Wie verlautet, plant die hessische Regie, rung die Grundsteuern zu erhöhen und die Mieten um 4 Prozent über den jetzigen Stand hinaufzusetzen. Die Mieterhöhung soll atu 1. Dezember 1930 in Kraft treten.
Das Wehrkreiskommando Stettin hat das 750 Morgen große Gut Crummen im vorpommerschen Kreise Franzburg-Barth angekauft, um es als Lehr' gut für Reichswehrsoldaten zu verwenden, die nach ihrer Entlassung zur Landwirtschaft übergehen wollen.
*
Heute abend wird der Parteivorstand der Deutfchen Volkspartei hier zu einer
fammsntrei-n, aus der Abgeordneter Dmgeldey über qetne Locârno-Reise berichten wird. Der Stâ vertretende Vorsitzende der Partei, Abgeordneter Dauch, wird wahrscheinlich an einem der nächsten Tage gleichfalls eine Besprechung mit Dr. Scholz in Locarno haben.
Nachdem die Arbeitnehmerorganisationen den Arbeitszeitschiedsspruch für den Ruhrbergbau vom 12. November abgelehnt haben, hat jetzt der Zechenverband den Schiedsspruch angenommen und seine Verbindlichkeitserklärung beantragt. Der Schlichter Profeor Vrahn ist gebeten worden, die Angelegenheit dem Reichsarb eltsministerium zuzuleiten.
Nachdem vor kurzem Walter von Molo aus der Deutschen Dichter-Akademie ausgeschieden ist, ist auch Hermann Hesse aus der Dichter- Akademie ausgetreten.
Der Reichsverband der Bankleitun- gen hat die Vertreter der Avbeitnehmerorganisa- tionen zum 18. November nach der Berliner Industrie- und Handelskammer eingeladen, um mit ihnen über den am 31. Dezember ablaufenden Tarifvertrag zu verhandeln.
• Die deutsche Abordnung hat im Abrüstungsausschuß einen bedeutungsvollen Antrag eingebracht, der ein Verbot der schweren Angriffswaffen vorsieht.
*
Der Aero-Club und der Nautische Klub von Südwestfrankreich haben zu Ehren von Dr. Dornier in Bordeaux einen Empfang veranstaltet.
Wie das amerikanische Marinedepartement bekannt gibt, ist das amerikanische Kanonenboot „T u t u i l a" auf dem Vangtse gestern zwer Mal von chinesischen Räubern beschossen worden. Geschütze und Maschinengewehre beantworteten das Feuer und brachten es zum Schweigen. Gestern war bereits ein anderes amerikanisches Kanonenboot beschossen worden. In beiden Fällen gab es keine Verletzte an Bord.
Anläßlich der 12. Wiederkehr des Jahrestages des Einzuges der französischen Truppen in Straßburg wird sich PoincarL am Sonntag nach Straßburg begeben. Poincarë wird nach dem „Matin" keine Rede halten.
Eine Massenversammlung von Arbeitern von etwa einem Dutzend Strumpffabriken hat in B e r k s c o u n t i (Pennsylvania) , beschlossen, in den Ausstand zu treten. Die Arbeiter verlangen die Anerkennung ihrer Gewerkschaft und erheben gegen Lohnkürzung Einspruch. Von dem Ausstand werden ungefähr 12000 Arbeiter betroffen, in—iij „
L 1 Näheres flehe im politischen Teil.
Das Ainanzprogramm im Aeichsrat angenommen
Sn rtveiisv Lesung - GeÄattsküszung bsv Beamten vom 1. Kevenas 1931 ab
Berlin, 17. Nov. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers verabschiedeten die vereinigten Ausschüsse des Reichsrats in der heutigen Nachmittagssitzung in zweiter Lesung das Reichshaushaltsgesetz und den Haushaltsplan 1931. Nach schwierigen Verhandlungen erklärte sich die Reichsregierung einverstanden, den Ländern für die Kürzung der Ueber- weisungen um 100 Millionen RM, die im Hinblick auf die Einschränkung des Personalaufwandes in der öffentlichen Verwaltung der Länder und Gemeinden vorgesehen ist, einen Ausgleich zu gewähren. Für einen Betrag von 50 Millionen RM werden ihnen im Reichsbesitz befindliche Reichsbahnvorzugsaktien übereignet. Die Tragung der restlichen 50 Millionen RM soll ihnen dadurch ermöglicht werden, daß die für drei Jahre vorgesehene sechsprozentige Gehaltskürzung der Beamten schon mit dem 1. Februar 1931 beginnen und dementsprechend mit dem 31. Januar 1934 außer Kraft treten soll. Ab 1. Februar wird die Reichshilfe der Beamten auf die Gehaltskürzung der Beamten angerechnet.
Die Verhandlungen der Reichsratsausschüsse trugen heute wieder das Gepräge eines großen Tages Außer dem Reichskanzler, der selbst den Vorsitz führte, waren die zuständigen Minister oder Ministerpräsidenten der meisten Länder persönlich anwesend, u. a. der bayrische Ministerpräsident Held, der württembergische Minister Bolz, der badische Minister Schmitt, der hessische Ministerpräsident Adelung, der thüringische Minister Baum, der sächische Ministerpräsident Schieck und der braunschweigische Minister Küchenthal.
Die Tabaksteuernovelle wurde im Reichsrat in zweiter Lesung angenommen. Hierzu hört man noch, daß die von der Regierung vorgè-
süN Beschlüssen einverstanden erklärt'. triftig ist nur noch eine Frage, die deshalb für die dritte Lesung zurückgestellt worden ist. Von einigen Ländern wird im Hinblick auf die neue starke Belastung der Zigarre noch eine erhöhte Belastung für d i e Z ig arette für notwen- d i g gehalten. Ueber die Frage soll es bis zur dritten Lesung noch zu Verhandlungen kommen.
Im weiteren Verlauf der Verhandlungen der Reichsratsausschüsse wurde das Gesetz über die Realsteuersenkung in zweiter Lesung angenommen. Die Senkungsvorschläge der Regierung wurden grundsätzlich ausrechterhalten, jedoch wurde das Gesetz im Einvernehmen mit der Regierung mit Rücksicht auf die Verschiedenartigkeit der Verhältnisse in den einzelnen Ländern etwas beweglicher gestaltet.
Hierzu erfahren wir noch: Ursprünglich war eine generelle Kürzung der Realsteuern sämtlicher Gemeinden vorgesehen. Nunmehr ist vereinbart worden, daß die Gemeinde-Real st euern nur in den Ländern gekürzt werden müssen, in denen seit 1926 eine Erhöhung der Realsteuer eintrat. Bei dieser Regelung wird zum Beispiel in B a y e r n eine Senkung der Realsteuer nicht notwendig, wohl aber in zahlreichen preußischen Gemeinden. Sonderregelungen sind noch für Sachsen und die hanseatischen Städte vorgesehen. Die hanseatischen Städte werden der schematischen Senkung der Realsteuern nicht unterworfen, weil sie durch die Hafenausgaben, die dem gesamten Reichsgebiet zugute kommen, eine Sonder- belaftung zu tragen haben. Diese Vereinbarungen sind im Laufe des heutigen Nachmittags auch offiziell in den Reichsratsausschüssen behandelt und in zweiter Lesung angenommen worden.
Die Reichsatsausschüsse haben weiterhin heute den R e i ch s w e h r e t a t in der vom Kabinett vorgeschlagenen Form angenommen, daß heißt also
Die Gejmwahlen in Polen
Kbiolnie Mehvhert dev Resievuttgsvavtek
Warschau, 17. Nov. Die offiziellen Schluß- ergebnisse der Sejmwahlen liegen nunmehr vor. Danach haben von insgesamt 444 Mandaten erhalten (in Klammern die bisherigen Mandatszahlen):
Regierungsblock 248 (122).
Nationaldemokralen 65 (37).
Oppositioneller Block der Zenlrolinken 78 (164).
Christl. Demokraten mit Korfanty 14 (15).
Ukrainer 20 (37).
Juden 7 (13).
Kommunisten 5 (7).
Deutsche 5 (19).
Milde 2.
Cs steht somit fest, daß die Regierungspartei durch den starken Druck der Anhänger Pilsudskis die absolute Mehrheit im neuen Sejm hat. In zahlreichen Kreisen des Ostens, in geschlossenen ukrainl- schen und weißrussischen Sprachgebieten, sind sämtliche Mandate dem Regierungsblock zugefallen. Die Notionaldemokrokcu haben gewon-
einschließlich des Panzerkreuzers B und des Marinebauprogramms. Die preußischen Anträge gegen den Panzerschiffbau und gegen das Marinebauprogramm sind abgelehnt worden, ebenso auch der preußische Antrag, der Ausgabenkürzungen von je 10 Millionen bei den Heeresund Marmeausgaben vorsah.
Siv««» des VreMenkunssauSksbMsS
Berlin, 18. Nov. Der Preissenkungsausschuß der Reichsregierung ist gestern nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers wieder zusammen- auf.eine allgemeine Senkü'ng der Drogenpreise hinwirken. Außerdem besteht der Wunsch, eine Lockerung der Kartellbildungen zu erzielen, wenn auch bisher Vorschläge, in welcher Form dies geschehen könnte, noch nicht vorliegen. Im Programm ist auch ein Vorgehen gegen die Tapetenindustrie, die ihre Kartellpreise noch immer aufrechterhält, sowie gegen das sogenannte Zugabewesen enthalten. Mit einem Abschluß der Beratungen ist vorläufig nicht zu rechnen. Die Durchführung des Gesamtprogramms wird vielmehr noch längere Zeit in Anspruch nehmen.
Bei den gestrigen Beratungen war u. a. der Präsident des Deutschen Städtetages Dr. M u l e r t zugegen. Er wird auch an den weiteren Beratungen teilnehmen, weil sich die unbedingte Notwendigkeit herausgestellt hat, eine direkte Verbindung zu den Gemeindeverhaltungen herzustellen, um die Beschlüsse des Preissenkungsausschusses auch in der Provinz durchzusetzen. Der Deutsche Städtetag wird einen besonderen Preisnachrichten dienst einrichten, um durch schnelle Feststellung jeder Aenderung Les Preisniveaus die Verbraucher ständig auf dèm Laufenden zu halten.
WveèsienZtMtz Wv GseMchs
Berlin. 17. Nov. Bei der heute im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ab- gehaltenen Besprechung wurde als Ergebnis erziell, daß die durchschnitlichen Kleinverkaufspreise für ein Pfund Seefische für Berlin mit sofortiger Wirkung herabgesetzt werden. Die Preissenkungen betragen u. a.: für Schellfische im ganzen 9^ Pfg. gleich 16 Prozent, für Kabeljau im Anschnitt 21 Pfg. gleich 28 Proz. und für Fischgelee 30 Pfg. gleich 38 Prozent. Der Reichsverband der deutschen Fischhändler e. V. wird für eine entsprechende Verminderung der Preise im ganzen Reiche Sorge tragen.
nen und der Oppositionelle Block der Zenlrolinken Hal sich, wenn man die Ungültigkeitserklärungen von 11 wertvollen Listen und die Gefangennahme der Führer und Agitatoren berücksichtigt, recht gut gehalten. Den Hauptdruck haben die nationalen Minderheiten ausgehallen, die auch demgemäß die st ä r k st e n V e r l u st e erlitten haben. Die Deutschen haben sämtliche Mandate in Kongreß-Polen und in Pomerellen, drei in Oberschlesien, zwei in der Provinz Posen und eins in Ostgalizien verloren. Die deutsche Vertretung roirb somit im kommenden Sejm von 21 auf 5 Sitze zu- sammenschmelzen. Aehnlich stellt sich das Verhältnis für die ukrainische und die weißrussische Vertretung.
Der Plldsudski-Block hat zwar die einfache, nicht aber die zur Durchführung der Verfassungsreform ange- strebte Zweidrittelmehrheit erreicht. Die sich daraus ergebenden innerpoplilischen Komplikationen können zurzeit noch nicht übersehen werden.
Nev Sontttas dev Mable«
Am Sonntag haben in Baden und in Mecklenburg Gemeindewahlen stattgefunden. Das Interesse wendet sich diesem Ereignis in besonderem Maße zu, weil man in dem Ergebnis der Gemeindewahlen trotz aller Verschiedenheiten doch einen gewissen Maßstab des Vergleichs mit der letzten Reichstagswahl erblicken kann. Die Voraussetzungen sind bei einer Reichstagswahl und einer Gemeindewahl gewiß nicht dieselben. Aber es treten doch dieselben Parteien in den Wettbewerb um die Wählerstimmen ein und wenn in dem ganzen Lande gewählt wird, so erheben sich die Wahlen doch auch über die Bedeutung eines rein örtlichen Ereignisses. Es wird also erlaubt sein, unter gewissen Vorbehalten politische Schlüsse aus dem Ergebnis der Gemeindewahlen zu ziehen. Seit dem 14. September, dem Tag der Reichstagswahl, sind mehr als acht Wochen vergangen. Die Parteien haben sich inzwischen im Reichstag gemessen und die Reichsregierung hat vielen Widerständen zum Trotz weiter an der Durchsetzung ihres Reformprogramms gearbeitet. Wie hat sich unterdessen die Stimmung der Wählerschaft entwickelt?
Die Gemeindewahlen in Baden und in Mecklenburg stehen in einem einheitlichen Zeichen. Die Stimmung der Wählerschaft ist also in Norddeutschland dieselbe wie in Süddeutschland, eine immerhin bemerkenswerte Erscheinung, wenn man bedenkt, daß die politischen und sonstigen Verhältnisse des Nordens und des Südens sehr stark voneinander abweichem Die ânouaij oz^alisten haben aus der ganzen Linie Fortschritte erzielt und sogar gegenüber den Ziffern der Reichstagsneuwahl noch gewonnen. Einen kleinen Zuwachs haben auch die Kommunisten zu verzeichnen. Bei allen übrigen Parteien sind die Wahlziffern sehr stark zurückgegangen, viel stärker, als bei dem Rückgang der allgemeinen Wahlbeteiligung an sich erklärlich gewesen wäre. In den starken Rückgang sind auch die Sozialdemokraten mit einbezogen. In Karlsruhe haben sie im Stadtparlament sechs Sitze verloren, in Heidelberg fünf, in Mannheim drei, in Trieberg sechs usw. In Mecklenburg ist ihre Stimmenziffer ebenfalls sehr erheblich zurückgegangen. Die Verluste der Sozialdemokraten werden durch die Gewinne der Kommunisten keineswegs wettgemacht, so daß die nationalsozialistischen Erfolge zum Teil zweifellos auch auf Kosten der Sozialdemokratie gewonnen worden sind. Man wird also nicht mehr behaupten können, daß die Radikalisierung der Wählerschaft nur dem Besitzstand der bürgerlichen Parteien angreife. Vielmehr beginnen auch die Sozialdemokraten sehr empfindlich die Konkurrenz der extremen Flügelparteien zu verspüren. Sicher ist jedenfalls, daß die nationalsozialistische Welle noch keine Neigung zeigt, allmählich zu verebben. In einer Reihe von badischen Städten haben die National' sozialisten sich an die Spitze aller Parteien gesetzt und die Sozialdemokratie und das Zentrum, bisher fast überall die Beherrscher der Gemeindedomäne, weit überflügelt. Offenbar haben die Nationalsozialisten aus ihren Wahllorbeeren nicht geschlafen, sondern weiter eine rührige Agitation entfaltet. Und ihre Agitation fällt auch immer noch auf fruchtbaren Boden. Man wird sich in den Kreisen der bürgerlichen Parteien darüber Rechenschaft geben müssen, daß die sachlich ausgezeichneten Gegengründe, mit denen man nach dem 14. September die Nationalsozialisten bekämpft hat, nicht gerade von großer Wirkung auf die Hählermassen gewesen sind. Die bürgerlichen Parteien der Mitte werden daraus erkennen müssen, wie sehr eine Aktivierung der bürgerlichen Mitte nottut — und wie weit wir von diesem Ziel noch entfernt sind. Diese Erkenntnis fordert auch die "Köln. Ztg." wenn sie schreibt: „Gewiß, die Wirtschaftskrise erleichtert dem Radikalismus allenthalben das Spiel. Aber der Niedergang des Liberalismus gerade in Baden, feiner einstigen stolzen Hochburg, sollte den Verantwortlichen doch zu denken geben. Es genügt nicht, die Parteiapparate zu überholen, der
Die heutige stammet? umfatzt 12 Seiten