Seite 2
Samskag, den 1. November 1930
Nr. 257
«llfprucht. Da die Lage der Länder, Städte und Gemeinden ohnehin außerordentlich schwierig ist, wird sich hier mancher Widerstand zeigen, und es läßt sich noch nicht sagen, ob es möglich fein wird, die erforderliche Zweidrittelmehrheit aufzubringen. Wünschenswert wäre allerdings eine Einigung, schon um deswillen, weil die Regierung diesmal ernstlich den Versuch gemacht hat, einzusparen, was nur möglich ist. Eine Einsparung von einer Milliarde RM bei einem Nettoetat von vier Milliarden ist ganz gewiß kein Pappenstiel. In welch radikaler Weise dabei vorgegangen worden ist, geht daraus hervor, daß z. B. im Haushaltsplan des Reichsministeriums des Reichskanzlers und der Reichskanzlei eine Ersparnis von rund einer Million RM zu verzeichnen ist. Diese Ersparnis ist umso beachtlicher, als der Zuschuß des ordentlichen Haushaltes überhaupt nur rund 2,5 Millionen RM beträgt.
Besondere Bedeutung kam den Be- prechungen zu, die der Auswärtige Ausschuß )es Reichstages am Mittwoch führte, be- ondere Bedeutung insofern, als dieser Anschuß zu den verschiedenen von der Oppo- ition gestellten Anträgen über die sofortige Einstellung der Reparationszahlungen bzw. Einleitung einer Revision des Poungplans Stellung zu nehmen hatte. Die Mehrheitsver- Hältnisse in dielem Gremium ließen befürchten, daß den Absichten der Regierung zuwiderlaufende Beschlüsse gefaßt würden. Dazu ist es jedoch nicht gekommen, der Ausschuß hat vielmehr, nachdem der Reichskanzler mit Nachdruck darauf hingewiesen hatte, daß die Annahme eines der Anträge das Kabinett in eine schwierige Lage gegenüber dem Ausland bringen würde, sämtliche Anträge abgelehnt. Da auch die Anträge gemäßigter Tendenz, die von den Christlichsozialen und der Wirtschaftspartei vorlagen und die sich auf die Einleitung von Revisionsverhandlungen und das Ersuchen um ein Moratorium erstreckten, der Ablehnung verfallen sind, ist anzunehmen, daß der Reichskanzler gewisse Zusicherungen gegeben hat, dahingehend, daß aus diesem Gebiet diplomatische Schritte in Vorbereitung sind. Die Reichsregierung kann also jetzt diese Schritte fortsetzen — sie wird aus der Reserve heraustreten, so bald die Finanzerform, die, wie wir wiederholt an dieser Stelle zum Ausdruck brachten, unerläßliche Voraussetzung jeder Revisionsbemühung ist, durchgeführt ist, mit den Worten des Kanzlers gesprochen, sobald wir im eigenen Hause Ordnung geschaffen haben. Diese innere Ordnung werden wir hoffentlich im Frühjahr erreicht haben und dann kann die diplomatische Aktion der Revision, die das gesamte deutsche Volk wünscht, beginnen- „
Der Auswärtige Ausschuß hat, wie gesagt, sämtliche Oppositionsanträge abgelehnt und nur eine von der Deutschen Volkspartei ge> stellte und von den Volkskon'
Berlin, 31. Oft. GahânvÄ C. Dul sberg- Leverkuistn sprach heute im RuMunk über das Thema „Der Weg aus der Krise". Er eröffnete damit eine Reihe von Vorträgen, die namhafte Wirt- fchaftsDhrer in diesen Tagen auf der „Deutschen Welle" über die WirtschaftsLag-e halten werden. Geheimrat Duisberg führt u. ja. aus:
Die wenigen Tage ReichstMsarbeft haben ge- t, daß es trotz dem alle WM überraschenden Wusganiges dem Kaibinett Vrün'inig gelang, von der überwiegenden Mehrheit des Reichstags die Zustimmung zu feinen Rejormplänen zu er» langen. Heute sehe ich die Lage so an, daß wir mit eigener Kraft den Weg aus der Krist zu suchen haben; ich bin nicht der Meinung, daß es sich bei unserer gegenwärtigen wirtschaftlichen Notzeit nur um ZwangsWnfigkeite n handelt, auf die wir Schaffenden seinen CinKuß nehmen könnten; ich bin im Gegenteil der UoberzenMng, daß
die lleberwin^lng der Krise von der Entschlußkraft, der Opferbereitschaft eines jeden einzelnen am Nirlschaslsprozeß Teilnehmenden, sei es mittelbar oder unmittelbar, abhängt und ebenso von der reibungslosen Zusammenarbeit aller Kräfte.
Die schwelende Vertrauenskrise flammte als sofortige Revküvn auf das Wahlergebnis von neuem auf Sie zog bedenkliche ijnnerwirtschafÄiche Erscheinungen nach sich und schisn für kurze Zeit den deutschen Krsdit im AuÄanide zu erschüttern. Die Reichsregierung hat den energischen Willen bekundet, mit allen Mickeln die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu übermin&eu, und einen klaren Plan nörgelest. Man kann zu ihr das Vertrauen haben, daß sie mit allen Machtmittlen des Staates sehen Versuch, die gegenwärtige Notzeit zu Un« ruhen auszunützen, um Keime ersticken wird. Der Reichstag Hai in seiner entscheidenden Abstimmung bewiesen, daß trotz radikalen Lärms die poWlche Vernunft eine überwiegende Mehrheit beherrsch:.
Die wichtigste Aufgabe ist zunächst, so rasch wie möglich die Reste der Bertrauenskrise, die noch vorhanden, zu beseitigen.
Dies liegt allein in unserer Kraft. Mag der Winter auch schwer werden, Grund zur Mutlosigkeit haben wir noch lange nicht. Wesentlich schwieriger ist die Ueberwindung des zweiten Krissnelsmentes:
London, 31. Okt. Am gestrigen dritten Tag der öffentlichen Verhandlung über die Entstehung des Unglücks von R 101 wurde als erster Zeuge Prof. Bairstow gehört,'der Vorsitzende des Ausschusses, der über die Flugtüchtigkeit von Luftschiffen zu entscheiden hat. Seine Ausführungen waren rein technischer Art und brachten keinerlei Aufklärung über das Unglück. Der Generalstaatsanwalt legte
Ä,M. M» »iliWauifr jjgMjH^^ W 1 IV
vor, das nach feiner Ansicht von außerordentlicher Bedeutung fei, da es die Umdrehungen der Maschine und die Geschwindigkeit des Luftschiffes zur Zeit des Unglücks zeige. Die letzte Eintragung fei um 2 Uhr Morgens erfolgt. In dieser Zeit seien die Umdrehungen völlig normal gewesen. Weiter wurde mitgeteilt, daß bei dem einzigen Flug von R 101 nach dem Einbau einer neuen Zelle ein Sachver- tändiger zur Prüfung an Bord gewesen sei, und einen Bericht gemacht habe, den man inzwischen aufgefunden habe.
Heute, am vierten Tag der öffentlichen Ver- -andlung wurden die vier Ueberlebenden Ser Besatzung vernominen. Der Mechaniker Cook ,jgte aus, etwa 5 Minuten, nachdem er die Wacye in einer Motorgondel übernommen hatte, senkte sich das Vorderschiff, und die Maschinisten erhielten den Befehl zur Verlangsamung der Fahrt. Als er noch mit der Ausführung dieses Befehls beschäftigt war,
„, men, die die Ab- rüstungsfrag ëFraf. iese Entschließung ist mehr als gerechtfertigt, denn sie bringt zum Ausdruck, „daß der gegenwärtige Rüstungszustand der europäischen Mächte in scharfem Widerspruch zu dem Grundsatz der ’ Gleichberechtigung steht, daß er die Sicherheit- Deutschlands ernstlich bedroht, den Weltfrieden gefährdet und deshalb völlig unhaltbar ist" Diese Entschließung ist geeignet, der deutschen Delegation für die am 6. November zusammentretende vorbereitende Abrüstungskonferenz den Rücken zu steifen. Da es sich bei dieser Konferenz um die letzte vor der Einberufung der Weltabrüstungskoferenz handelt, so darf man erwarten, daß die deutsche Delgation eine ganz besonders klare und deutliche Sprache führen wird. Schon oft haben wir an dieser Stelle zum Ausdruck gebracht, daß für das wehrlose Deutschland der gegenwärtige Rüstungsstand der anderen Staaten unerträglich ist und nicht mehr länger aufrecht erhalten werden kann. Das Deutsche Reich ist vor 11 Jahren durch den Vertrag von Versailles gezwungen worden, abzurüsten, „um die Ein- ll ung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Rationen zu ermöglichen." Im Ar- ukel 8 der Völkerbundsatzungen sind dann die weiteren Richtlinien für die Abrüstung aufqe- stellt. Nichts ist in dieser Beziehung bisher geschehen. Besonders Frankreich hat seither alle Vorschläge für eine durchgreifende Abrüstung mit den Hinweisen des Artikels 8 völlig zunichte gemacht. Die nationale Sicherheit ^bukreichs gebietet seine Wehr nicht auf das Maß schon abgerüsteten Staaten herabzusetzen Die Erzwingung internationaler Verpflichtungen erfordert ein starkes militärisches Frankreich. Die in die Wege zu leitende Abrüstung muß der geographischen Lage Frankreichs angepaßt sein. Im übrigen sind'die besonderen Verhältnisse Frankreichs zu respektieren. Die Gründe Frankrechs sind natürlich die gleichen Polens- Tschechens usw. Set Jahren kommt man in Genf zusammen, und unterhält sich über das Abrüstungsproblen ohne daß dabei an positiven Werten etwas herausgekommen wäre. Wird es diesmal anders werden? Große Hoffnungen, haben wir nicht Wir erwarten von der vorbereitenden Kon ferenz keine Entscheidungen, — diese zu treffen ist ja erst die nächstjährige Weltabrüstungs- konferez in der Lage — aber was wir fordern müssen, ist, ba* bestimmte Erklärungen über den Abrüstungswillen abgegeben werden, un daß die Wsstabrüstungskonferez auch wi'rklic im nächsten Jahre Zusammentritt. Worte wi „Friedensliebe" haben wir genug gehört, wir wollen jetzt endlich Taten sehen. Bleiben diese aus, dann wird Deutschland die Forderung
enkte sich das Schiff ein zweites Mal, diesmal tärker. Unmittelbar darauf stieß es auch schon auf z e n B o d e n. Er stoppte seine Maschine. In die- em Augenblick ereignete sich der zweite Ausstoß, an )en sich die Explosion anschloß. Zwischen der ersten und der zweiten Bodenberührung lagen nur wenige Sekunden. Er eilte sofort an den Tank, der bereits von Flammen erfüllt war, und hatte schon alle Hoff-
teilen müssen, daß es die gleichen Rechte wie )te anderen Staaten für sich iß Anspruch nehmen kann, nämlich sein Land und Volk zu sichern.
Eine deutliche Sprache hat Reichsaußenminister Dr. Curtius am Donnerstag im Auswärtigen Ausschuß bei Behandlung der )eutsch-feindlichen Kundgebungen in Prag und des Boykotts deutscher Tonfilme geführt. Es war aber auch höchste Zeit, denn in weiten Kreisen des deutschen Volkes hat man es nicht verstanden, daß an Berliner amtlichen Stellen zu den skandalösen Begebenheiten in Prag so lange Stillschweigen bewahrt wurde. Jene wüsten Ausschreitungen, die im September in Prag verübt wurden, waren äußerlich gegen einen deutschen Tonfilm gerichtet, doch im Kern waren sie das Werk der tschechischen Ra- tionaldemokraten, die einen skrupellosen Kampf gegen das Deutschtum in der Tschechoslowakei führen. Curtius hat jetzt das Versäumte gründlich nachgeholt und der tschechischen Regierung deutlich zum Bewußtsein gebracht, daß es unerhört ist, daß man die deutsche Sprache in einem Lande zu brandmarken wagt, in dem Millionen Deutsche leben. Diese Lektion wird hoffentlich ihre Wirkung nicht verfehlen. r. h.
Sag Junkers-Großflugzeug G 38 ist Ostern auf seinem Rundflug durch die europäischen . Hauptstädte um 14.35 Uhr in Marignane bei Marseille gelandet. Es war um 10 Uhr in Rom aufgestiegen und hatte um 14.20 Uhr die Stadt Mar. stille überflogen.
Duisberg über den Weg aus der âiße
der innerwirtscha-ftlichM ftnanz- und wèrchschafts- volibischen Krise. Zwangsmäßig mußte zu Ent- lassuargUa von Arbeitskräften geschritten werden. Durch mangelnde eigene Kapitalbildung ergab sich weiter in vielen Betrieben der Zwang zu weift- gcheâr Verschâung. Das Reichskabinett muß auf firvanLpol'stiischsm Gsbist so rasch wie möglich Ordemna schaffen. Es will ibie Quellen der Gefahr, die bisher den Etat erschütterten, aiusschalten. Natürlich ist der Plan noch kein ideales Reformwerk, fonbern nur â erster Schnitt, um Ordnung in dm Haushalt, Vernunft in die Wirsichafts- polistk zu bringen. Neben dm Steuern fallen als fixe Praduktionstoftm besonders die Lohn- und Gehaüssummsn ins Gewicht. Auch ihre Sendung ist nicht mehr zu vermeiden. Härten können aber durch gleichzeitiges Senken des Preisnivsaus ausgeglichen werden. Die viel erörterte Kürzung der Arbeitszeit ist ein Mittel, das nicht generell durchführbar ist. Der Plan, einen Teil der Arbeitslosen von der Straße wegzudrängen, ist nur möglich, wenn dadurch die notwenAfge Senkung der Selbstkosten nicht beeinträchtigt wird.
Um möglichst viele Arbeiter wieder einzustellen, scheint es mir zweckmäßig zu sein, wenn ein freiwilliger Lohn- und Gehaltsabbau die notwendige Selbstkostenlage schafft, die es den Betrieben ermöglicht, die Produktion auszudehnen und so neue Arbeitskräfte wieder organisch einzugliedern. Nur dieser Weg führt zum Ziele.
Daneben ist ein rascher und energischer Ausbau des inneren Marktes durch Sanierung und Modernisierung der Landwirtschaft und rasche Hilfe zu beschaffen, nach den Vorschlägen des Reichsverbandes der deutschen Industrie, die sich heute als die einzig brauchbaren erweisen, Vorau setzung. Aber selbst, wenn dies alles gelingt, werden wir zu einer echten und dauerhaften Gesundung nur unter zwei weiteren Voraussetzungen kommen: 1. Ausschöpfung aller Revisionsmöglichkeiten des Ioungplanes- und Senkung von dieser Seite her. 2. Sicherung einer Exportbasis, um die gesteigerte Produktion unterbringen zu können. Es wird Aufgabe einer zielbewußten Außen- und Wirtschaftspolitik sein, alle Möglichkeiten, die für uns im mitteleuropäischen Raum gegenwärtig gegeben sind, sorgfältig zu prüfen, um im geeigneten Moment die Initiative zu ergreifen.
Die Tragödie des «R 101
Die Aeberisbenden von ^« ioi* lagen aus
nung auf Rettung des Lebens aufgegeben, als es ihm im letzten Augenblick gelang, durch ein Loch in der Wand ins Freie zu kommen.
Beim Passieren des Kanals, so bekundete der Zweite Zeuge weiter, habe das Schiff bereits nicht mehr hoch gestanden.
Es sank mehrmals tief zmü dann immer wieder ■»u. ^«^w-wiii^. Gvocw'ÄußekkNvvhntiches habe er dabei jedoch nicht bemerkt. Der Mechaniker Le e ch berichtet, daß der Start des Luftschiffes gut war. Der Kapitän R o p e i sagt ihm gegenüber, daß das Schiff stark rolle und stampfe. Leech faß im Rauchsalon, als das Luftschiff sich plötzlich 3 0 bis 35 Grad senkte, wobei Flaschen und Gläser von den Tischen fielen und er selbst vom Sofa herunterrutschte. 3 bis 4 Minuten später lag das Schiff wieder horizontal. Hierauf senkte sich R. 101 ein zweites Mal und stieß auf den Boden auf. Alle Lichter erloschen, und es erfolgte die Explosion, die aber nicht sehr stark war.
Der Funkentelegraphist Disley hat gehört, wie Kapitän A t h e r st o n e dem Steuermann Anweisung gab, das Luftschiff nicht unter 1000 Fuß gehen zu lassen.
Der vierte Ueberlebende S a v o r y erklärte, daß der erste Stoß nicht stark war. Der zweite Stoß habe ihn jedoch gegen die Maschine geschleudert. Er habe keine Anweisung zum Abstellen der Maschinen erhalten, die auch nach dem Ausstoß mit voller Geschwindigkeit gelaufen sind. Nach dem Stoß ist er wie ein Korken in den Nebenraum geschleudert worden. Eine heftige Flamme, die ihm das Gesicht versengte, habe ihm erst Kenntnis von der Katastrophe verschafft. An einem brennenden Oeltank entlang kam er dann glücklich ins Freie.
Dèe Gühtts Mv As BaMhsnanMiass-Gevie
(Fortsetzung von Seite 1.)
Bezüglich der Beteiligung der einzelnen Angeklagten hat das Gericht keine Feststellungen machen können, die vom Eröffnungsbeschluß abweichen.
Für die Behauptung, Frau von Oertzen sei als Agent Provokateur ausgetreten, ist auch nicht der Schatten eines Beweises erbracht.
Ein übergesetzlicher Notstand, wie er weiter von der Verteidigung behauptet wurde, kann nicht als vorliegend erachtet werden. Die Angeklagten hängen mit ganzem Herzen an ihrer Scholle. Heim hat sein ganzes Vermögen seiner Idee geopfert, aber so dringend war die Not nicht, daß eben gar kein anderer Weg übrig blieb, sie abzuwenden und auch eine unmittelbare und anders nicht abwendbare Gefahr für den Staat, für die Volkswirtschaft bestand nicht. Deshalb mußten die Angeklagten verurteilt werden.
Hinsichtlich der Beteiligung Rehlings an dem Sprengstoffdiebstahl in Mülheim mußte das Gericht trotz feiner Bedenken auf Freispruch erkennen weil einige Zweifel an seiner Schuld nicht aufgeräumt werden konnten. Dem Angeklagten von Salomon ist nicht nachzuweisen, daß er von den Attentaten Kenntnis hatte. Er mußte deshalb freigesprochen werden. Hamkens hat sicherlich davon gewußt Er hat somit die gesetzliche Anzeigepflicht verletzt' und mußte deshalb verurteilt werden. Der Angeklagte Volck konnte nicht geringer bestraft werden als Helm, denn er ist derjenige, der diesen unglückseligen Gedanken der Ak"-°------ ^ "
Gedanken der Aktivierung der Landvolkbewegung gefaßt hat, und er hat auch den noch jugendlichen Angeklagten Schmidt sowie die völlig harmlosen Eheleute Holländer überredet. Sämtlichen An-
geklagten wird die Untersuchungshaft voll angerechnet. In Anbetracht der Höhe der erkannten Stra- fen werden die Angeklagten Volck, Dick, Luhmann und Becker sofort in Haft genommen.
Meineivsameise »ege« Sva« von ©erben
Hamburg, 1. Nov. Wie die BlWsr melden, ist gegen die im Altonaer Bombenleger-Prozeß viel- fach genannte Zsucfm Frau v. Oertzen, von der be« Haupte: worden war, daß sie sich als „Agent provo- aateur" betätigt habe, MeineiidsanzeiMe erstattet waân. Man nimmt an, daß durch die Anze^ige •eine Wiederaufnahme der Bombenlegerprogesses erreicht werden soll.
DsS SiabShelmS Auiivovt an SeeȎ
Berlin, 31. Okt. Die Pressestelle des Stahlhelms teilt mit: Zu den wiederholten Anfragen des Lerausgebers der französischen Zeitung La Victoire, Gustav H e r v é , an den Stahlhelm hat jetzt der Bundeskanzler des Stahlhelms in einem Schreiben wie folgt Stellung genommen:
An die Zeitung La Victoire, z. H. von Herrn Gustav Herve, Paris.
Der Stahlhelm hat bereits vor einigen Tagen auf Anregungen von einer Seite, die er als Vermittler nicht für berufen hält, öffentlich wie folgt Stellung genommen:
Die Welt weiß, daß der Stahlhelm die Streichung der Tributlasten, die Rückgabe des Saar- gebiets, dessen Deutschtum jede Abstimmung klar erweisen würde, die Herstellung eines Groß- Deutschlands, die Schaffung von Lebensraum durch Rückgabe gesicherten Kolonialbesitzes, die Rüstungsfreiheit, den Wiedergewinn voller Hoheitsrechte für Deutschland und die Lösung der Korridor- wie der übrigen Ostfragen als vornehmste Aufgaben außerpolitischer Befrerungsarbeit unablässig betreibt. Solange indes die französische Nation an dem Glauben von Deutschlands Schuld am Kriege festhält, ist für uns im Stahlhelm keine geeignete Verhandlungsgrundlage gegeben. Für das nationale Deutschland ist die Beseitigung der Kriegsschuldlüge der aus« schlaggebende Ehrenpunkt.
Der wahre Friede der Welt kann nur auf Grund des Selbstbestimmungsrechts aller Nationen geschaffen werden.
J. A.: Gez. Wagner,
Bundeskanzler des Stahlhelms, B. D. F.
Me NoUze^seZdev füv VraurrMweds
Das Relchskabinelt behält sich die Entscheidung vor
Berlin, 31. Okt. Ueber die Frage der Weiterzahlung der Polizeigelder an Braunschweig hat der Reichskanzler folgendes Telegramm an das Staatsmini sterium in Braunschweig gerichtet:
2)ev.--i!^ der Innern hat mir von dem Inhalt des Bömtas Kenntnis gegeben, das er am 27. d. M. an die braunschweigische Regierung gerichtet hat und in dem er zum Ausdruck bringt, daß er sich die Entscheidung über'' â weitere âszcchlMa der auf das Laub Braun- schweig entfallenden Zuschüsse zu dem Polizeikosten- zujchlag vorbehalten müsse. Nachdem die Angelegen- beit zum Gegenstand einer Aussprache innerhalb der Reichsrsgierung gemacht ist, beehre ich mich mit* zuteilen, daß das R e i ch s k a b i n «t t sich die endgültige Entscheidung vorbehält. Für die Reglung des Zwischenzustandes ist der Herr Reichsminister des Innern zuständig, der hierüber gleichzeitig besondere Mitteilung macht.
Wie wir vom Reichsminister des Innern erfahren, tritt in der Zwischenzeit in der Auszahlung der Pplizsigelder keine Unterbrechung ein, vielmehr ist die Auszahlung für November 'inzwischen erfolgt.
GewaSiMÄßrtKhme kn Dosen
Pos SN, 31. Off. Durch Verfügung des hiesigen Magistrats als erste Instanz ist aufgrund eines Gutachtens einer Kommission am heutigen Freitag nachmittags 2.15 Uhr die Druckerei Concordia in Posen, das größte deutsche Unternehmen in der Provinz, in dem auch die bekannte Zeitung der deutschen Minderheit, das Posener Tageblatt, gedruâ wird, geschlossen worden. Der ganze Betrieb wurde snugelegt, so daß auch das Posener Tageblatt heute nicht erscheinen kann. Die Maschinen wurden ver- I siegelt und die Betriebsräume mit Polizeiposten be- fotzt. Durch diese Maßnahme werden über 200 Ar- belfer u. Angestellter brotlos. Die Schließung ist auf unbestimmte Zeit erfolgt, so daß noch nicht abzu- sehen ist, wie lange diese Anordnung des Magistrats in Wirkung bleibt.
a u
6
3
21
16 Tote bei dem Erdbeben in Italien
Rom, 31. Off. Die Zahl der Opfer des Erdbebens in den Markey ist glücklicherweise noch geringer, als man gestern angenommen hakle. Sie beträgt in Sinigaglia 11 lote und 275 Verletzte, in Ancona 5 Tole und 60 Verletzte, in Pesaro 8, in Fano und in Mondolfo 22 Verletzte. Dagegen ist der Sachschaden gtoß^ Don Sinigaglia, das 6000 Einwohner zählt, ist ein Drittel zerstört und ein Drittel vorläufig unbewohnbar geworden. Geschäfte, Banken, Aemler und Schulen, soweit sie noch stehen, sind geschlossen. Die Bevölkerung musste die Nacht unter Reffen oder im Freien am Meeres- ftrand zubringen.
Einskurzunglück in Villach
Klagensurt, 31. Okt. In Villach ist heute der Neubau der Polizeikaserne «ingystürzt, wobei zahlreiche Arbeiter unter den Trümmern begraben wurden. Bislang wurden zwei Tote festgestellt. Militär, Gendarmerie, die Bundespolizei und Feuerwehr sind zur Rettung erschienen, das Unglück ist anscheinend darauf zurückzuführen, daß die nördliche Außenmauer eingedrückt wurde, wodurch der Neubau zusammenstürzte.
Klagenfurt, 31. Oft Wie aus Villach gemeldet wirb, stellt sich das Einsturzunglück als nicht so chwer heraus, wie die ersten Meldungen vermuten ließen. Die Trümmer des eingestürzten Gebäudes begruben nämlich nicht 30 bis 40, sondern nur 13 'arbeitet unter sich. Diese sind bereits geborgen, omei von ihnen sind tot, die übrigen sind mehr ober minder schwer verletzt.
ri 6 st fii N ei E fe F zè re