Sette 6
Mittwoch, den 29. Oktober 1930
Nr. 254
städtischen Gasintereßen durch die Gründung der neuen Maingaswerke A.-G. mit einem Aktienkapital von 30 Millionen RM mit großer Mehrheit angenommen.
Bei der dann folgenden Beratung der Gerneinde- biersteuererhöhung nahm Stadtkämmerer Asch Gelegenheit, sich gegen den Artikel einer hiesigen Tageszeitung über die falsche Jnvestierungspolitik der Stadt Frankfurt zu wenden. Der größte TeU der Investierungen, so sagte der Kämmerer, sei für werbende und rentable Unternehmungen aufge- wendet worden. Auf ihre Wohnungs- und Bau- Solitik könne die Frankfurter Verwaltung stolz sein.
n der Aussprache wandte sich neben den Flügelparteien nur die Wirtschaftspartei gegen die „Sonderbesteuerung des Gastwirtsgewerbes." Bei der Rede des sozialdemokratischen Stadtverordneten Heiße kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten, wobei nach und nach drei Kommunisten unter wüstem Lärm von der Sitzung ausgeschlossen wurden. Schließlich wurde die Erhöhung der Gemeindebiersteuer mit Wirkung vom 1. November mit überwiegender Mehrheit beschlossen. Dagegen lehnte die Versammlung einstimmig die Einführung der Ge- meindegetränkesteuer ab. Die Ermäßigung der Wertzuwachssteuer auf 10 Prozent des Wertzuwachses wurde (unter bestimmten Voraussetzungen) einstimmig beschlossen.
Zu der bekannten Frage der Einführung einer Stadtspende zugunsten der Erwerbslosen wurde ein Aktionsausschuß gebildet, der demnächst Vorschläge unterbreiten wird. — Ein kommunistischer Dringlichkeitsantrag, den Opfern der Maybacher-Gruben- katastrophe eine Spende von 5000.— RM zu überweisen, wurde, wie bereits kurz gemeldet, angenommen. — Zum Schluß beschäftigte sich die Versammlung mit der Zollpolitik der Regierung Brüning, wobei die Aussprache in wüste Lärmszenen ausartete. Das Boschhorn und die Glocke spielten hier eine sehr bedeutsame Rolle.
Ein Aufruhrprozeß
: Dor dem großen Schöffengericht begann Dienstag eine gegen zehn Angeklagte sich richtende Verhandlung. Lediglich zwei der Beschuldigten sind ältere Leute, darunter der kommunistische Landtagsabgeordnete Oskar Müller. Die Anklage wirst ihm Aufforderung zum Aufruhr durch Verbreitung einer Druckschrift vor unter dem straferjchwerenden Umstand, daß die Aufforderung von Erfolg begleitet gewesen sein soll. Bei den Akten befindet sich eine Mitteilung des Justizministers, wonach der Landtag seine Genehmigung zur Strafverfolgung Müllers gegeben hat. Von den übrigen Angeklagten sollen sich sechs des Landfriedensbruches, und zwar als Anführer schuldig gemacht haben, zwei weitere Angeklagte sind des Widerstandes und ein anderer Angeklagter des tätlichen Angriffes gegen Polizeibeamte angeklagt. Die Straftaten fallen in die Zeit des Dezember 1929, in der sich bekanntlich die Erwerbslosen um di« Erlangung einer Winterbeihilfe bemühten. Unter kommunistischer Führung kam es zu Umzügen. Die Gegend des Rathauses war poli= zeilich abgesperrt, doch bemühte man sich, dorthin zu gelangen. Die Vorgänge, die sich am 16. Dezember abspielten, hatten einen Strafprozeß gegen mehrere Kommunisten und andere Personen zur Folge, der bereits rechtskräftig entschieden ist. In dem setzt zur Anklage stehenden Fall drehte-Estch um die Ereignisse, die sich am 17. Dezember abspielten. Da berief die Kommunistische Partei durch Flugblätter und Aushang im Arbettsamt die Erwerbslosen zu neuen Kundgebungen. An einem Demonstrationszug sollen sich 5000 Personen beteiligt haben. Dieser Zug bewegte sich zunächst in geordneten Bahnen im Stadtzentrum, dann aber soll sich die Ordnung gelöst haben, und es kam an verschiedenen Stellen zu Zusammenstößen mit der Polizei, die vielfach mit Steinen beworfen wurde. Ein Polizeikommando vor der Nassauischen Landesbank kam derart in Bedrängnis, daß es Schreckschüße abfeuerte und retirieren mußte. Durch Steinwürfe wurden bei dieser Gelegenhett fünf große Ekerscheiben der Firma Carsch an der Liebfrauenstraße zertrümmert. Die meisten der heute beschuldigten Personen sollen mit Steinen nach den Beamten geworfen haben. Die Angeklagten bestreiten das. Einige wollen sich an den Umzügen gar nicht beteiligt haben, sondern müßige Zuschauer gewesen sein. Der Angeklagte Müller äußerte sich in längeren Ausführungen zu der Anklage. Den Demonstrationen am 17. Dezember lagen keine An- grifssabsichten zugrunde. Die Polizei sei durch Falschmeldungen und Provokateure verhetzt worden. Nicht von Demonstranten, sondern von Provokateuren seien di« Scheiben eingeworfen. Der Angeklagte bestreitet, daß in dem Flugblatt eine Aufforderung zum Angriff enthalten gewesen sei. Müller erklärt, daß er die pressegesetzliche Verantwortung für das Flugblatt übernehme. Ein Demonstrationsverbot habe für den Tag nicht bestanden, es wurde nur zu friedlicher Demonstration aufgefordert, und wenn die Polizei eingriff, so griff sie widerrechtlich ein. Zur Verhandlung sind über zwanzig Zeugen geladen, und es wird mit einer dreitätgigen Verhandlungsdauer gerechnet.
Verbot des „Frankfurter Volksblattes".
r Der Oberpräsident der Provinz. Hessen-Nassau hat heute die beiden nationalsozialistischen Blätter „Frankfurter Volksb'latt" und die in Wiesbaden erscheinende „Rhein-Wacht", die beide von einem Wiesbadener Verlag herausgegeben werden, auf die Dauer von vier Wochen verboten, weil sie seit Beginn ihres Erscheinens die republikanische Staatsverfassung und ihre Repräsentanten m hestigster Weise angegriffen und sich dadurch gegen § 14 des Republikschutzgesetzes vergangen haben.
Lind vom Lastauto getötet
7 Am Dienstag nachmittag gegen 2 Uhr versuchte sich der neunjährige Ernst Beutner aus Neu- Jsenburq auf den Anhänger eines Lastenzuges zu auf die Straße und die Räder des An-
setzen. Er rutschte aus und fiel zwar so unMckKch, daß ihm Hängewagens über den Kopf Tod auf der Stelle einten.
5000 RM-Spende Frankfurts Opfer
gingen, so daß der
für die Waybacher
: Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hat heute aus Antrag der Kommunisten beschlossen, den Hinterbliebenen der Opfer der Maybacher Grubenkatastrophe den Betrag von 5000.— RM zur Verfügung zu stellen.
Gemeingefährliche Handlejerin.
• In letzter Zeit sind hier verschiedene Personen von einer Handleserin erheblich geprellt worden. DK berufslose Magdalene Philippine Schön aus
Aus den SchreEensSammeen der LiOesa
' Paris, 28. Okt. Im „Matin" beginnt das ehe- malige Mitglied der russischen Tscheka, George Aga- befoff, aufsehenerregende Enthüllungen über die
russische Geheimpolizei zu veröffentlichen Einleitend erklärt der Berfasser, daß
Einleitend erklärt der Verfasser, daß in allen Berichten, die bisher über die Tscheka erschienen seien, nicht die Wahrheit, wenigstens nicht die volle Wahrheit gesagt worden sei Die Tscheka sei die leitende Kraft der Sowjetregierung. Das russische Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten, die dritte Internationale, der Spionagedienst und
die berüchtigte GPU.
seien ein und dasselbe. Das oberste Büro sei das Politbüro (Politisches Büro des Zentralkomitees der kommunistischen Partei) und der Chef sei Stalin. Das Ziel sei die Weltrevolution.
Die Sowjetregierung habe für ihre verschiedenen Einrichtungen reichlich Gest» zur Verfügung. Für die Auslandsspionage allein beliefen sich die jährlichen Ausgaben der GPU. auf drei Millionen Dollar. Die Beträge stammten aus dem Exportertrage und aus dem Verkaufe der notwendigsten Produkte, die man dem ausgehungerten Volke chrt- nehme. In Moskau beschäftigte die GPU. 10 000 Personen, in jeder Stadt der Welt habe sie ihre Agenten untergebracht Das Hauptquartier in Moskau zähle etwa 2500 Mitarbeiter, die sich namhafter Vorteile erfreuten. Jedes verdächtige Mitglied werde allerdings ohne Urteil beseitigt.
Außer dem Kreml des alten Rußlands bestehe noch ein zweiter Kreml, eine Schöpfung der GPU. Er liege am Lubianka, im belebtesten Viertel von Moskau. Dort befänden sich die Verwaltungsund Unterkunftsgebäude sowie das Gefängnis der GPU., zu dem nur die Woche Zutritt habe. Neben dem Kreml sei der Bund der Dschekiften in
Schlagwetter und Kohlenstaub
Die Schrecken des Bergmanns unter Tage.
Don fachmännischer Seite wird uns geschrieben: Schlagwetter und Kohlenstaub, das sind die beiden größten Feinde des Knappen, sie verfolgen chn auf Schritt und Tritt, ständig schwebt er in Lebensgefahr. Trotz größter Bemühungen ist es bisher noch nicht gelungen, diese Geißel des Grubenarbetters zu besiegen. Die erneute Trauer, die das zweite furchtbare Grubenunglück innerhalb weniger Tage über uns alle verhängt hat, spricht eine allzu deutliche, allzu beredte Sprache.
Die schlagenden Wetter bilden eine unvermeidliche Begleiterscheinung des Bergbaubetriebes, da sich in den Kohlenflözen, in langsamen Prozeßen der gleiche Entwicklungsvorgang abfpielt, wie er in den Basanitaten in ganz kurzer Zett vor sich geht: Tag für Tag strömt aus den Zechen des Ruhrreviers eine ungeheure Menge von Grubenaas aus. Die Steinkohle zerfetzt st» und banden gewisse Mengen von brennbaren Gasen abgegeben, die im wesentlichen aus Methan bestehen. Unter schlagenden Wettern versteht der Bergarbeiter aber nichts anderes, als Sumpfgrubengas oder Methan, das eine chemische Verbindung von Kohlen- und Waßerstoff ist. Bei bestimmten Mischungsverhältnissen der Luft ist dieses Gas explosibel. Um den auf diese Weise entstehenden Gefahren vorzu- bcugen, wird eine so starke Luftzufuhr vorgeschrieben, daß im allgemeinen nur eine 2%ige Beimischung von Methan zur Luft eintritt, so daß das Grubengas physiologisch ungefährlich für den Menschen unb nicht explosibel ist. Bei besonders schwierigen Förderbedingungen ist eine Beimischung bis zu 1% gestattet. Auch in diesem Zustand ist das Methan ungefährlich.
Das Auftreten des Grubengases geht jedoch nicht in gleichmäßiger Form vor sich, sondern bisweilen bricht es plötzlich in größeren Mengen unter erheblichem Druck, meist während des Abbaues oder bei Sprengungen, hervor. Dadurch kann verhältnismäßig leicht ein explosives Gemisch entstehen, das aber solang« ungefährlich bleibt, wie es nicht zur Entzündung gebracht wird. Deswegen werden schon seit über 100 Jahren besonders geschützte Grubenlampen benutzt. Vor der offenen Flamme befindet sich ein dichtes Drahtnetz. Die Entzündung der Gase wird durch das verhältnismäßig kühle Drahtnetz am Heraustreten nach außen verhindert.
Speyer gebraucht einen Trick, den sie bereits in früheren Jahren erfolgreich angewandt hat. Aus der Hand deutet sie Leichtgläubigen die Zukunft. Sie weist besonders darauf hin, daß vor allem ein Lotteriespiel das Glück brächte. Wenn sie dann aus dem Geburtsdatum die Glücksnummer ermittelt hat, bietet sie sich zum Ankauf des Loses bei einer auswärtigen Lotterieeinnahme an. In den meisten Fällen wird der verlangte Betrag für das Los anstandslos gezahll. Bei Nachfragen bezüglich des Ergebnisses der Ziehung vertröstet die Schön« die Geschädigten unter der Angabe, daß man den Gewinn in den nächsten Tagen übersenden werde. Die Schön ist 61 Jahre alt und wird von der Polizei eifrig gesucht.
Arrs M K«d Settu
Die presse geht voran
— Kassel, 28. Oft Die Kasseler Presse wird in diesem Winter von der Veranstaltung eines Pressefestes in dem seit Jahren üblichen Rahmen absehen. Die Verleger der Kasseler Zeitungen und der Kur- hessische Presseverband sind angesichts der riesengroßen wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten, unter denen das ganze deutsche Volk leidet und im Winter sicherlich noch viel stärker leiden muß, ein- mütig zu diesem Entschluß gekommen. Sie sind der Ansicht, daß die Zeiten zu ernst sind zu rauschenden kostspieligen Festen.
Mehrere tausend Zentner Stroh verbrannt
— Friedberg, 28. Okt Sonntag abend geriet ein großer Strohhaufen auf dem benachbarten Hofgut Beienheim in Brand. Das Feuer hielt die ganze
einem Gebäude mit dem berüchtigten Schießsaal und einem Zimmer mit steinernem Fußboden untergebracht, indem die Hinrichtungen stattfänden. Diese
geheimnisvollen Hinrichtungen
würden in den Morgenstunden vorgenommen. Die Henker erschienen polternd und trunken, und nach dem vollbrachten Werke erhielten sie eine gute Ration Wodka. Agabekoff schildert eine solche Hinrichtung ausführlich. Der ahnungslose Gefangene werde aus seiner Zelle gezogen. Durch ein Labyrinth von Gängen gelange er in den Schießsaal, von dort aus betrete er einen langen Durchgang, zu dem einige Stufen herabführen. Hier stießen ihn die Soldaten brutal hinunter. Stolpere der Gefangene, so erhall« er einen Schuß von hinten und stürze vollauf hinaus. Ne meisten der mit der Hinrichtung betrauten Henker seien keine normale Menschen mehr und endeten selbst auf tragische Weise. Einer von ihnen, namens Weiß, habe sich selbst erschossen, als er wegen Enthüllungen von Geheimnirßen Mr Rechenschaft gezogen werden sollte.
Agabekoff geht dann auf einige Taten der GPU. im Auslande ein und berichtet, wie der afghanische Konsul in Taschkent mit Hilfe schöner Frauen betrunken und wehrlos gemacht wurde. Dann habe man ihm die Ärschen ausgeraubt, die Schlüße! weggenommen und wertvolle Dokumente aus seinem Geheimfach kopiert. Als der Konsul in den Armen seiner Freundin erwachst, sei das Werk erledigt gewesen, und im Konsulat habe wieder schönste Ordnung geherrscht. Der Organisation der GPU. gelang es durch Bestechung, in Teheran jeden Brief aller ausländischen diplomatischen Missionen an sich zu bringen. Chiffrierte Telegramme wurden abgefangen und ausgebeutet.
Der Kumpel erkennt auch die Gefahr sofort daran, daß das Grubenlicht bläulich flackert. Mit der Einführung der elektrischen Grubenlampen ist leider mit ihrer größeren Sicherheit (eine vollständige Sicherung bieten sie auch nicht) ein wichtiges Warnungszeichen in Fortfall gekommen. Die Entzündungsgefahr eines hoch explosiven Gemenges von Methan und Luft beruht noch auf anderen Ursachen, so auf dem Funkensprühen bei maschinellem Bohrbetrieb, das durch den sogenannten Wasserschleier vermieden wird und auf Grubenbrände. Letztere können verschiedene Ursachen haben. Mitunter veranlaßt ein Sprengschuß oder eine Explosion ein fortglimmendes Grubenfeuer. Wird es nicht rechtzeftig entdeckt, können damit furchtbarste Katastrophen verbunden sein. Eine Gefahrenquelle ist auch die Selbstentzündung von Kohle, die durch I«rf«ßen WWWWWWWWWWWWWWWW wierigen Grubenbränden führen kann, falls man nicht durch einen Zufall das Unglück rechtzeitig entdeckt.
Der zweite Todfeind des Knappen, der Kohlenstaub, kommt bei verschiedenen Sorten von Steinkohle in verschiedenen Mengen vor und weift verschiedene Beschaffenheit auf. Er enthält je nach der Art der Kohle, von 6 bis 46 Prozent flüchtige Bestandteile. Die Explosion geschieht in der Weise, daß erhitzter Kohlenstaub plötzlich entgast wird. Die von ihm eingeschlossenen Schlagwetter werden frei und bilden das Explosionsgemisch, das sich bei der vorhandenen Wärme sofort entzündet und detoniert. Kohlenstaubexplosionen sind fast immer später zu erkennen, da der Kohlenstaub in Gestalt feiner Koksperlen zurückbleibt, Mnd das Vorhandensein solcher Koksteilchen einen untrüglichen Hinweis bildet. Je kleiner die Kohle gemahlen wird, umso größere Entzündungsfähigkeit besitzt sie und desto größer ist auch chre Heizfähigkeit. Aus diesem Grunde hat man ja auch vielfach die Kohlenstaubfeuerung eingeführt. Wird der Kohlenstaub durch Sprengschüsse oder schlageride Wetter aufgewirbell und durch Stichflammen zur Entzündung gebracht, so richten solche Explosionen ungeheure Verwüstungen an, auch vernichten die Oxydgase alles Lebende. Der Gefahr der Kohlenstaubexplosionen sucht man durch Berieselung oder durch das sogenannte Gesteinstaubverfahren entgegen zu wirken.
Nacht hindurch an und vernichtete mehrer« tausend Zentner Stroh. Der Feuerschein war weithin sicht- war. Es wird Brandstiftung vermutet.
Kahlgrund-Eisenbahn
— Kahl, 28. Okt Mtt Wirkung vom 3. November ds. Js. fallen die beiden im Winterfahrplan versuchsweise eingelegten Abendzüge Nr. 14 und 15, d. i. ab Schöllkrippen 18 Uhr und ab Kahl 20,13 Uhr wegen schlechter Frequenz an Werktagen aus. Ob in allernächster Zeit wieder mit Einlegung der im vergangenen Sommerfahrplan gefahrenen Züge ab Schöllkrippen 17,20 Uhr und ab Kahl 18,10 Uhr gerechnet werden kann, hängt von dem Ausgang der Verhandlungen ab, welche zurzeit mit den betreffenden Vertretern der Arbeiterschaft in fraglicher Angelegenheit geführt werden.
Raubüberfall in Aschaffenburg
— Aschaffenburg, 28. Oft. In der Nacht zum Montag wurde ein Mann aus Schweinheim an der Stadtgrenze von zwei Männern überfallen, die mit dem Ruf „Hände hoch!" den Passanten anhielten. Dieser kam der Aufforderung nach, worauf die beiden Männer ihm die Taschen nach Geld und Wert- gegenstände durchsuchen wollten. Der Ueberfallene hatte aber zuvor schon vorsichtigerweise sein Messer gezogen und es unbemerkt von den beiden Räubern beim Hände hochhallen in der Hand gehabt. Als die beiden Straßenräuber die Durchsuchung beginnen wollten, stieß der Ueberfallene sein Messer auf einen der Wegelagerer, der sofort zusammensank. Der andere gab darauf auf den Ueberfallenen einen Schuß ab, ohne jedoch zu treffen. Es gelang schließlich den beiden, unerkannt zu flüchten. Die' Gendarmerie hat die Untersuchung dieses mysteriösen UeberfaUes ausgenommen.
Rachts in den Bach gestürzt und ertrunken
— Schönberg a. d. B., 28. Okt. Unterhalb des Ortes Schönberg wurde im Lauterbach die Leiche des Maschinienha ndlers und Dreschinaschme nbesitze rs Heinrich «wiifert angsschwemmt. ©leiser hatte am Samstag abend 'm Schönberg eine Wirtschaft besucht und scheint auf dem Heimweg in den Lauterbach gestürzt zu sein. Am Kopf des Toten wurde eine klaffende Wunde festgestellt.
Schweres Brandunglück in Mörfelden.
— Darmstadt, 28. Oft. Bei einem Zimmerbrand, der gestern abend in der Wohnung oer Eheleute Wilhelm Rieß in Mörfelden ausbrach, erlitten die beiden Eheleute schwere Brandwunden. Auf dem Transport in das Darmstädter Krankenhaus ist die Frau ihren schweren Brandwunden erlegen, während der Mann in bedenklichem Zustand darniederliegt.
Wenn man jünger sein will als man ist.
— Darmstadt, 28. Oft. In der heutigen Verhandlung des Schwurgerichts hatte sich eine 31- jährige Friseuse aus Offenbach a. M. wegen Meineides zu verantworten, den sie in einer Ehescheidungssache geleistet haben sollte. Der zweite Punkt der Anklage lautete auf fahrlässigen Falscheid, weil sie bei einer Vernehmung ihr Alter zu niedrig angegeben hatte. Das Gericht sprach die Angeklagte wegen wissentlichen Meineides frei, verurteilte sie aber wegen fahrlässigen Falscheides durch die falsche Altersanga^e zu vier Monaten Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten.
Der Wiesbadener Lindermord
— Wiesbaden, 28. Oft. Wie bereits kurz berichtet, wurde der zurzeit arbeitslose 32jährige Tapezierer Adolf Dörr in Untersuchungshaft genommen, da er dringend verdächtig ist, seine beiden nur einige Monate alten Kinder ermordet zu haben. Zu dem Fall erfahren wir noch folgendes: Die Eheleute Dörr hatten kürzlich einen Familienstreit, in deren Verlauf die Frau ihrem Manne zurief: „Du Mörder!" Diesen Ausruf hörten Mitbewohner, die bereits im Jahre 1925 beim Tode des ersten Kindes und 1927 beim Ableben des zweiten Kindes Bedenken wegen eines natürlichen Todes der Kinder hegten, zumal die Mutter jeweils einige Stunden vorher die Kinder noch gesund und munter auf den Armen trug. Da sich jedoch der ärztliche Toderschein in Ordnung befand, fehlten die Unterlagen zum Einschreiten der Behörden. Auf den Ausruf der Frau hin entschloß sich einer der Zweifler zu einer anonymen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, die zu neuen Erhebungen führte. Es ergab sich, daß sich beide Fälle während der Abwesenheit der Frau ereigneten. Dörr gibt an, daß die Kinder unruhig geworden seien, so daß er nervös wurde. Um sich Ruhe zu verschaffen, habe er das Kind an der Schulter hochgehoben und tüchtig geschüttelt. Als das Kind aber weiter schrie, habe er dessen Kopf fest mit der Hand in die Kissen gedrückt, woraus Ruhe eingetreten sei. Nachher habe er allerdings Bedenken gehabt, daß er doch zu fest gedrückt habe, und daß etwas passiert sei. Darauf sei er Weggelaufen, um den Arzt zu holen. Als dieser später erschien, habe er ihm erklärt, das Kind habe Krampf, bekommen und sei daran gestorben. Zwei Jahre sei es ähnlich mit dem anderen Kinde gewesen. D^ Arzt bescheinigte in beiden Fällen „Herâoäche
^erunötebenunberannr. Die Unkërfuchüng nimm' ihren Fortgang. Die bisher vernommenen Zeuge,r und Frau Dörr belasteten den Inhaftierten.
Die Badenheimer Bluttat J
— Bodenheim. 28. Okt. Gestern nachmittags^ die Obduktion der Leiche des ermortteifen StuL«^ Haub statt Die Leiche wies fünf Schüsse auf, einen im linken Oberarm, einen auf der linken Vrustiseiti, einen Herzschuh und zwei Bauchschüsse. Davon waren zwei Schüsse tödlich. Die Leiche wurde hierauf zur Beerdigung freiigelgeben und heute nachmittag unter starker Anteilnaihme der Bevölkerung beendigt. Inzwischen ist auch der Revolver, der von dem Mörder benutzt wurde, gefunden worden. 3« dem Revolver steckte noch eine Kugel.
Opfer des Rauschgiftes
— Reuwied, 28. Okt. Das Erweiterte Schöffengericht Neuwied verurtellte nach zweitägiger Verhandlung den Rechtsanwalt Dr. Schmidt aus Ehrenbreitstein und seine Ehefrau, die angeklagt waren, von Klienten eingehende Gelder unterschlagen und für sich verbraucht zu haben, zu sechs Monaten einer Woche bezw. zu zwei Monaten Gefängnis. Das Urteil stützt sich darauf, daß die Ehre der Anwaltschaft und das Vertrauensverhältnis zwischen Anwaltschaft und Klienten unbedingt geschützt werden müßten. Der Ehefrau wurde eine dreijährige Bewährungsfrist zuerkannt. Der Rechtsanwalt, der seine Praxis seit 1926 ausübte, galt allgemein als tüchtiger Anwalt. Seit Ende 1928 ließ jedoch seine Praxis nach, so daß Schmidt nicht mehr in der Lage war, aus den eingehenden Gebühren die hcchen Kosten seines Haushaltes zu decken. Hinzu kam, daß beide Eheleute sich einem immer stärker werdenden Rauschgiftgenuß hw" gaben. Zur Beschaffung des Kokains verwendeten sie nach den Angaben des vor Gericht vernommenen Sachverständigen bisweilen 500 bis 1000 Marr monatlich. Die Angeklagten konnten bald den einfachsten Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Vorstellungen der Büroangestellten, die aus die Mißstände in der Praxis hinwiesen, blieben erfolglos, so daß es schließlich zur Einleitung eines Straf- verfahrens gegen die Eheleute auf Betreiben der geschädigten Klienten kam. Die Angeklagten machten in der Verhandlung geltend, daß für die h^’.T Zeit ihre Willensbestimmung infolge des .Bauiw' giftgenusses vollständig ausgeschlossen war, eine ^n. sicht, die auch der Sachverständige vertrat, und das ihnen daher der § 51 zur Seite stehen müße. Das Gericht ließ jedoch diese Einlassung nur in stral milderndem Sinne gelten.
es
Kohlenabbau ohne Sprengstoffe
Einem amerikanischen Bergbauunternehmen gelungen, Kohlenflöze ohne Sprengarbeit avz bauen. Die Sprengwirkung wurde hierbei dm, Keilwirkung ersetzt. Die Kohle wird zunächst unter schrämt; dann werden di« Bohrlöcher gebohrt, un in diese werden die aus Spezialstahl besteheuve Keilvorrichtunaen eingebracht. Die Versuche ver liefen sehr befriedigend. Die besten Ergebnisse « zielte man bei mächtigen Flözen mit harter, slst^ : Kohle. Der wesentliche Vorteil dieses Derfahret» liegt in seiner durch den Wegfall der Sprengstoff bedingten großen Sicherheit. Außerdem kann diu Abbaumethode jederzeit ohne Unterbrechung u anderen Arbeiten vorgenommen werden.