Dienstag, den 28. Oktober 1930
Nr. 233
* 8L Geburtstag. Heute feiert die Wwe. Kath. B e l s, Salisweg 50, ihren 81. Geburtstag. — Ihren 78. Geburtstag feiert morgen Mittwoch, 29. Oktober, Frau Marie Müller geb. Baumgärtner, Fallbachstraße 6a.
* Oerkliches Fernsprechbuch von Hanau. Die Deutsche Roichspostreklame hat das örtlich« Fern- fpre^uch von Hanau neu herausgegeben und wird es im Laufe dieser Woche den Fernsprechteilnehmern kostenlos zustellen lassen.
* Hanauer Theatergemeinde (B. B. B.). Wir weisen auch an dieser Stelle auf das heutige Inserat betr. 4. Vorstellung hin.
* Achtung! Gelbe Armbinde mit den drei schwarzen Punkten. Als auf dem 1. Blmdenwohl- fahrtskongreck in Stuttgart 1924 in gelbe Armbinde mit den drei schwarzen Punkten als Verkehrsschutzabzeichen für Blinde gewählt wurde: war man sich schon darüber klar, daß ein Mißbrauch dieses, in bester Absicht eingeführten, Abzeichens kaum würde ganz verhindert werden können. Die Armbinde sollte nicht dazu dienen, das Mitlied des Publikums für ihren Träger zu erwecken, sondern die Aufmerksamkeit der Lenker von Fahrzeugen und der Fußgänger auf die Träger der Armbinde zu richten. Leider gibt es aber Blinde, die nach ihrer ganzen Einstellung jedes derartige Verkehrsschutzmittel weniger zu feinem eigentlichen Zweck, als vielmehr zur Erregung des Mitleides bei gebe- freubigem Publikum benutzen würden. So geschieht es denn pud) mit der gelben Armbinde. Der Spitzenorganisation der deutschen Zivilblinden, dem Reichsdeutschen Blindenverband, E. V., Berlin SW. 61, Belle-Alliancestraße 33, gehen deshalb immer wieder Anträge seitens seiner Mitglieder zu, in denen rücksichtsloses Einschreiten zur Sicherung des Ansehens der Blinden gefordert wurde, welche di« Armbinde wirklich als Schutzmittel tragen. Dem Verband ist ein wirksamer Schutz der Armbinde, die ja für die Tauben und Schwerhörigen die gleiche verkehrssichernde Bedeutung hat, nicht möglich. Er kann nur wiederholt an das große Publikum die Bitte richten, die Armbinde nur als Verkehrsschutzmittel und den Blinden nicht als Bettler anzusehen, der sich ihrer im Straßengewühl bedient, die Träger der Armbinde aber nicht zu be- achten, wenn diese zur Erregung des Mitleides mißbraucht wird.
* 400 000 Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene appellieren an den Reichstag. Der „Kyffhäuser" veröffentlicht in seiner neuesten Nummer eine Eingabe des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen des Deutschen Reichs- triegerbunbes „Kyffhäuser" an den neuen Reichstag, in dem er diesen bittet, sich der Opfer des Krieges mit Nachdruck anzu nehmen. Keinesfalls
dürfe dir Finanznot des Reiches , dazu führen, diejenigen vor anderen unter Sparmaßnahmen leiden zu lassen, die die größten Opfer für Verteidigung des Va-terlaMdes gebracht haben. Angesichts der tief- geljenlben Beunruhigung, ine bereits durch die be- kanntgewordenen Sparmaßnahmen m den Kreisen der Kreigsopfer hervorgerufan worden ist, erwarten die 400 000 im Verband der Kriegsbeschädigten und Sri eg erhinterbliben en des Kyffhäuserbundes zusam- mengeschlossenen Kriegsbeschädigten und. Krieger- Hinterbliebenen unbedingt, daß der neue Reichstag entsprechend einer Entschließung des alten Reichstages zu keinerlei weiteren, von der Reichsre^ierung s etwa bsNsichkMen" j
bie Hand bietet. Der Verband erwarrte in Uebereinstimmung mit feiner hinter Hm stehenden Mutterorganlsation, dem 3 Millionen ehemaliger Soldaten umfassenden Deutschen Reichskriegerbund „Kyffhäuser", von dem Rsichtstag, daß er die dahingehenden Sparmaßnahmen einer Nachprüfung unterzieht. Er erklärt, daß er immer bereit gewesen ist, sich in den Rahmen allgemeiner Staatsnotwendigkeiten emgus-ügen. Der Verband muß aber fürchten, daß bis getroffenen Maßnahmen sich zu einem Leistung sabbau, der nach Angabe der Reichsregierung vermieden werden sollte, auswirken werden, und bittet deshalb, die getroffenen Sparmaßnahmen wesentlich zu mWern.
Landkreis Sana«.
b Bruchköbel, 27. Okt. H erb stüb ung der F r e i w. Feuerwehr. Am vergangenen Sonntag hielt die hiesige Freiw. Feuerwehr ihre Herbstübung ab. Erst wurde eine Gerätebesichtigung mit den Führern und der Ortspolizei vorgenommen, dann folgte eine größere Uebung, und zwar war als Brandherd die Scheune von Heinrich Heckmann angenommen. Es traten sofort sämtliche Löschzüge in Tätigkeit. Zwei Minuten nach dem Brandzeichen kam schon Wasser auf das Brandobjekt und nach ca. 5 Minuten waren alle 8 Schlauchlinien in Tätigkeit. Drei Hydranten mit je 2 und die Saug- und Druckspritze mit 2 Schlauch- linien. Die Uebung wurde durch den Feuerwehr- Kommandeur, Kameraden Karl Reuter-Hanau-K. abgenommen. Bei dem folgenden gemütlichen Bei- sannnensein bei Kamerad Schmid gab der Kommandant der Bruchköbeler Wehr den Zweck der Herbstübung (Besichtigung der vorhandenen Geräte auf ihre Gebrauchsfähigkeit, sowie die Schlagfertigkeit der Wehr zu zeigen) bekannt und gab auch dem Kameraden Reuter Gelegenheit zur Sri» tit. Kamerad Reuter gab eine sachliche Kritik des Vorgeführten, aus welcher zu entnehmen war, daß die Wehr in guter Verfassung ist und ihre Schlagfertigkeit bewiesen habe.
Bruchköbel, 25. Ott. Konzert des G«- mischten Chores, unter Leitung von Herrn Hans Buhl, Hanau. Trotz des wirschaflichen Druckes, wagte es der Gemischte Chor, ein Konzert zu veranstalten. Mit dem Eröffnungschor „Die erwachte Rose" von^W. Berger war schon zu erkennen, daß die alte Schaffenskraft bei dem Chor und dem Dirigenten nicht nachgelassen hatte. Der chorische Wohlklang, die sicheren Einsätze und die Wärme des Vortrages waren wie gewohnt. Die Nr. 2 des Programms bestritt in gewohnter Weise die Vereinssolistin Frl. Anna Herwig. Sie brachte Brahms „Von ewiger Liebe". Schade, daß die Stimme durch etwas Heiserkeit die an manchen Stellen nötige Frische vermissen ließ. Mit Nr. 3, „Ave verum corpus", mit Orchesterbegleitung, hat der Chor wohl den Höhepunkt des Abends erreicht. Auch R. Schuhmanns „Zigeunerleben" mit Orchester fand eine gute Wiedergabe. Als größeres Werk kam als Nr. 6 „Dorfschwalben aus Oesterreich" von I. Strauß, ebenfalls mit Orchester. Der Beifall des Publikums zeigte, daß auch dieses Stück zu Herzen ging. Auch der letzte Straußsche Walzer „Rosen aus dem Süden" mit Orchester hatte einen solchen Erfolg, daß nach nicht endenwollendem Beifall eine nochmalige Wiedergabe erfolgen mußte. Auch die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr, die ihre Kräfte m dankbarer Weise zur Verfügung gestellt hatte, trug ihr Bestes zum Gelingen des Konzertes bei.
c Marköbel, 28. Oft. Gemeindevertrete r s i tz u n g. Gestern abend waren die Gemeindevertreter zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen. Als einziger Punkt stand auf der Tagesordnung: Einführung der Bürgersteuer (Kopfsteuer) und Erhöhung der Biersteuer. Nachdem der Bürgermeister die Dringlichkeit der Sitzung begründet hatte und dieselbe von der Vertretung als solche anerkannt wurde; gab er Aufklärung über die Einführung der betreffenden Steuern. In kurzer Debatte sprachen sich die Sprecher der Parteien gegen
bei uns nach einer noch klaren Nacht baldige Verschlechterung folgt. — Vorhersage bis Dienstag abend: Bewölkt und neue Regenneigung, milder, westliche Winde. — Witterungsaussichten für Mittwoch: Weiterhin meist bewölkt und vielfach Regenfälle, bei westlichen Winden meist kühl.
Kreis Nüdinse«.
Eberverstelgerung
Mittwoch den 29. Oktober, vormittags 11 Uhr, soll ein zum Sprung untauglich gewordener Eber meistbietend versteigert werden.
Hess. Bürgermeisterei Haingründau: K a l k h o f.
t Lindheim, 28. Okt. Beigeordneter Adolf Lipp wurde zum Bürgermeister der Gemeinde Lindheim gewählt und verpflichtet.
Kreis Os!»ha«re«.
s Gelnhausen, 27. Okt. Am Samstag, 25. Okt., wurde in Wächtersbach in einer von der Kreisbauernschaft Gelnhausen einberufenen Versammlung nach einem einleitenden Referate des Kreis- bauernschastsoorsitzenden, Altbürgermeister Georg SchmM-Obersotzbach zur Gründung einer Viehverwertungsgenossenschaft für den Kreis Gelnhausen geschritten und Atlbürgermeister Schmidt-Obersotzbach, Landwirt Hch. Gottlieb-Lichenroth und Landwirt und Kreisbauernschaftsgeschäftsführer Adam Semmel-Neuenhaßlau in den Vorstand, Landwirt Kempel-Mausminkel, Heinr. Pfeiffer-Kirchbracht, Adam Schick-Lanzingen, Bürgermeister Siebenlist- Obersotzbach und Landwirt Chr. Jung-Obersotzbach in den Aufsichtsrat gewählt. Die öffentliche Bezeichnung der neuen Genossenschaft ist: „Viehver- wertungsgenossenschaft für den Kreis Gelnhausen und angrenzende Gebiete mit dem Sitze in Gelnhausen". Die Genossenschaft soll gerichtlich emgetra- gen werden.
Ans ftmM a. M
Kuhmist für Brustkrebs
: Wenn der Fall nicht so bitter ernst läge, man könnte über die Einfalt der Menschen lachen. War da in Seeheim an der Bergstraße die Frau eines Maurers, die über Brustschmerzen zu klagen hatte und sich zunächst in die Behandlung des ortsansässigen Arztes begab, der erkannte, daß sie ein taubeneigroßes Geschwulst auf der rechten Brustseite und eine leichte Schwellung der linken Brust hatte. Die Patientin war sehr aufgeregt und bat den Arzt, ja nicht zu schneiden. Der Arzt vermutete zunächst, daß eine chronische Entzündung vorliegen könne. Als aber keine Besserung eintrat, hielt er eine Operation für dringend notwendig und die Maurersfrau erklärte, daß sie sich hierüber mit ihrem Mann besprechen wolle. Etwa ein Jahr lang hörte der Arzt nichts mehr von der Patientin. Dann fand sie sich wieder bei chm ein und er sah sich infolge ihres Zustandes genötigt, sie sogleich nach Darmstadt in eine Klinik zu überweisen, wo die Brustkrebsleidende im Oktober 1929 operiert
will sie Krebs konstatiert haben. Zur Körper- kräftigung verschrieb sie der Kranken Nährfalze, zur Regelung des Stuhlganges diverse Teès und für die Brust Salben. Die Preise für diese Dinge, die sie selbst lieferte, waren eben noch erschwinglich. „Nur nicht operieren, ich mach's alleine", sagte di« Hellwissin- schastlerln zu der gutgläub-igen Laüdfrau, ber sie den Rat gab, zuim Aufziehen der Brustgeschwürs Lehm mit ganz frischem Kuhmist, der noch .heiß sein sollte, zu nehmen. Nun, das tat die brave Land- bewhnerm auch, aber ihr Leid verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Die Heilkundige bekam eine Anklage wegen qualifizierter Körperverletzung und wogen Botrugs. Das Große Schöffengericht ver- urteilte die Angeklagte wegen fortgesetzten Betrugs und Körperverletzung zu drei Monaten GeDngnis. Die Angeklagte hat einen Monat der Strafe zu verbüßen, für den Strafrest wird sie dann bebingt begnadigt. Die Beschuldigte habe der Frau gesagt, eine Operation habe keinen Zweck, sie werde sie heilen. Die Mittel, die sie gab, soWèn nur zur Kräftigung bienen, aber die Patientin habe di« Mittel für chr Krebsleidon bezahlt.
2 Millionen RM Fehlbetrag
: Der Magistrat genehmigte du Jahresrechnung von 1929, die im Ordinarium abschlietzt mit einer Einnahme von 163 557 046.57 RM und einer Ausgabe von 165 565 052.72 RM Der Fehlbetrag von 2 008 006.15 RM ergibt sich dadurch, daß entgegen den Voranschlägen der Polizsioerwaltung. Bau- verwaltung, Wohlfahrtspflege und Finanzverwaltung mit 3 082 896.95 RM ungünstiger, dagegen allgemeine Verwaltung, Betriebe und Unternehmungen, Schulen, Kunst und Wissenschaft usw. um 1074 890.70 RM günstiger abgeschlossen haben. Der Abschluß 1929 steht, wie die Magistvatspressestclle schreibt, sichtbar im Zeichen der schweren wirtschaftlichen Krise, die sich gerade bei den Städten besonders hart auswirkt, da sie durch hohe Fürsorge- lasten mit in erster Linie die Folgen der Konjunkbu- erschütterung tragen. Starke Erhöhung der Aufwendungen für offene Wohlfahrtspflege (Vor- anschlag 1929: 12 800 000 RM, Ausgabe
19 015 684.17 RM), Verschlechterung der Wirt- schaftsergebnifse der großen Versorgungsbetriebe trotz rechtzeitig ergriffener Maßnahmen zur Betriebseinschränkung, hohe Zinsbelastungen durch die heftige Erschütterung der Geldmärkte im Frühjahr 1929 und die bekannten Vorgänge im Hevbst und Sinken der Steuererträgniffe kennzsichnen auch den Abschluß der Stadt Frankfurt. Für die Deckung des Fehlbetrages, der nach Berücksichtigung der mit dem Haushaltsplan 1930 abgedeckten 4,8 Millionen RM noch 2,008 Millionen RM beträgt, werden gelegentlich der Beratung des Haushaltsplanes 1931 die notwendigen Vorschläge gemacht werden. Sehr erheblich ist auch der außerordentliche Finanzbedarf 1929 gewesen. Läßt man den Betrag für die Durchführung der Beteiligung an der Preußen- Elektra außeracht, dann ergibt sich eine Summe von 19 548 714.91 RM, gegenüber 38 946 867.88 RM im Jahre 1928.
Hilfe für den Winter
: Die anhaltende wirtschaftliche Depression, die das Heer der. Arbeitslosen immer größer anschwellen läßt, wird im kommenden Winter eine außerordentlich große Not mit sich bringen. Die öffentliche FiÄ sorgetätigkeit, die bereits an der Grenze des Möglichen, angelangt ist, wird kaum in der Zage sein, in
Rückingen, 28. Okt. Silberne Hochzeit feiern heute die Eheleute Heinrich Hübner und Frau Katharina geb. Moock.
weitevtzeviEt
Im Bereich von Luftmassen polaren Ursprungs,
nach Darmstadt kam und dort erzählte, wie sie sich hatte behandeln lassen, da schlugen die Aerzte die Hände über dem Kopf zusammen, denn was sie da zu hören bekamen, war denn doch ein starkes Stück. Die Maurersfrau hatte sich aus der Behandlung des Ortsarztes begeben, weil sie von einer Einwohnerin die Heilkundige Frau Maria Fischer in
Frankfurt empfohlen bekommen hatte, deren Dienste sie nun in Anspruch nahm und die ungefähr ein Jahr lang an ihr herumdokterte. Diese kundige Thebanerin war früher in Heidelberg Spezereihändlerin gewesen, interessierte sich aber schon mit
die nach Westdeutschland gelangt sind, ist hier die Temperatur ziemlich zurückgegqngen. Dagegen strömen über Osteuropa warme und feuchte, von Süden her vordringende Luftmassen nordwärts. . „ , . ,, , ,
An der Grenze zwischen diesen beiden hat sich im 17 Jahren für die naturgemäße Heilbehandlung. ...... Tiefdruckwirbel gebildet Als Frau F. zu der Krebskranken gerufen wurde, lentlid) reichliche Regen- will sie erkannt haben, daß die Maurersfrau keinen
östlichen Deutschland ein !
und bringt dort außerordentlich reichliche Regen
fälle. Auch über Westeuropa dringt schon wieder Stuhlgang und sehr minderwertiges Blut besaß, warme Luft unter Druckfall und Regen vor, so daß Auf Grund der Pastor Felkeschen Augendiagnose
ub?r den Winter hmweDühelfcn. Allenthalben regt sich deshalb das Bestreben, durch Organisierung eines privaten Hilfsdienstes helfend etngufpringry
SHELL ' AU TO OE LE
O'ckvedwd., Cekmeumum ? -
SHELL-FÜHRER befragt
Stadttbeaiev Hanau
„W evfte Ssau Gelbtz*
Komödie von St. 3. Ervine
o Als in Berlin die große Diva Massary den großen Sprung von der Operettenbühne auf das seriöse Theater wagte, brauchte sie eine Rolle in der sie all ihre Fähigkeit der Nuance zeigen konnte. Diese Rollen finden sich in den Durchschnittslustspielen der Engländer am besten und deshalb war es kein Wunder, daß Frau Massary auf die erste Miß Selby fiel, die sie mit soviel Charme ausstattete, daß sie jedem der sie sehen durfte, unvergessen bleiben wird. Der Erfolg der Berliner Aufführung machte das Stück zum Schlager, um den sich die Provinz riß. Es ist ja das betrübliche an allen Pro' vinztheatern, daß man ängstlich nach Berlin schielt um ja nichts zu verpassen und dabei oft das wirklich gute am Wege stehen läßt.
etwas bestechendes. Den Onkel Philipp stattete Karl Gaebler mit feinem Humor aus. Die beiden Söhne der Frau Selby lagen bei Alfons E ck w e r t und Hanns Heitzig in guten Händen. Hanns Heitzig vor allem wußte durch eine ungeschminkte Frische zu gefallen.
Die Komödie lief in reichlich zwei Stunden unter Gaeblers Regie wie am Schnürchen ab und wurde von den Zuschauern begeistert ausgenommen. Das Bühnenbild sah sehr gut aus. Leider zeigt sich noch eine zu große Reserviertheit des Hanauer Publikums gegenüber dem Theater. Das ist unrecht, denn unser Theater verdiente in der Tat mehr Unterstützung des Publikums. Rü.
De Komödie von der Frau Selby, die es versteht ihren geschiedenen Gatten von der Seite einer Leblosen, egoistischen Modepuppe loszureißen, ist — das muß man ihr zugestehen — recht unterhaltend gemacht. Ein Netter Dialog und einige srisch hingeworfene Lustspieltypen nicht ganz neuen Datums, vermögen zwei Stunden lang immerhin zu unterhalten. Anspruchsvoller soll man Sonntags abends nicht sein.
*
Die Hauptrolle gab in Hanau Alide Ballin. Ihre warme, von Herzen kommende Art, der sie geschickt, viel mütterliche Töne beimischte, machte aus der Frau Selby eine so angenehme sympathische Frau, daß man ihr von Herzen den Sieg über den eitlen Fratz Elsie gönnte. Nahm die Mafsary die Rolle als komplizierte zarte Frau, so gab sie Alide Ballin ihrem Vermögen entsprechend als mütterliche Freundin des Mannes, das war gut und wirksam. Die Elsie wurde von Josefine Wessely mit Berve hingelegt. Ausgefallen, exaltiert, egoistisch, nervös rauscht sie herein und plappert das unge-
o „Meine Schwester und ich", das nette musikalische Lustspiel wird an unserer Bühne nach wie vor mit großem Erfolg gespielt. Bei der letzten Aufführung am Freitag hatte Herr Kapellmeister Herbert Hildenbrandt die musikalische Leitung, der damit zum ersten Male am hiesigen Dirigentenpult saß. Hildenbrandt hatte das Orchester fest in der Hand und erwies sich als begabter musikalischer Führer.
ht Abts „Nachdgchang", oder die packende vhyth-, niffche Zeichnung des „Schädiischen Tanzliedes", die StÄlgevungen in Mendelssohn „Mfchi-sd vom Wald" zeigen, welch ernste und erfolgreiche Arbeit auf dem Gebiete des Chorgesanges der Vereine geleistet hat und leistet. Dieses Jichilüumskonzert bedeutet einen guten Abschluß einer vom Erfolg gekrönten Arbeitsperiode und zugleich einen verheißungsvollen Ausblick für die in Zukunft zu erwartenden Lei- stUNMN.
Die SolisKn des Konzertes, Paula Woog aus Frankfurt, fand stürmische Anerkennung. Ihre leicht ansprechende Stimme, die natürl^iche Diktion, die gepflegte musikalische Behandlung des Stoffes, das schöne, technisch gut arbeitende Organ ließen die Vorträge der Künstlevm zum Genuß für die Zuhörer werden. Lieder von Mendelssohn, Kaun, Richard Strauß und Franz Abt verzeichnete die Vortragsfolge; „Kuckuck wie alt" von Abt mußte da capo gesungen werden.
Musikdirektor Schucht begleitete die sympa- Mische Sängerin in flüssiger und anschmtegender Weise; tonlich war freilich aus dem zur Verfügung steheân Instrument kaum etwas herauszuholen. Der Verein uNd fein tüchtiger Chorführer können auf ein wohlgelungenes Konzert stolz sein.
Dr. E. H.
o Stadltheater. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend 7.30 Uhr wird als 6. Vorstellung im Dienstag-Abonnement der große. Operetten erfolg „Der lustige Krieg", Operette m 3 Akten (4 Bildern) von Johann Strauß wiederholt. Bei den seitherigen Ausführungen dieser wirklich lustigen Operette spendete das Publikum nach jeder Nummer begeisterten Beifall, ein Beweis dafür, daß auch hier eine ausgezeichnete Wiedergabe erfolgt. — Morgen Mittwoch, abends 8 Uhr gelangt als 6. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement zum ersten Male „Die Macht der Finsternis, Schauspiel in fünf Auszügen von Leo Tolstoi zur Ausführung. In den Hauptrollen sind beschäftigt die Damen Panzer, Wessely, Müller, Conrad, Cornes und Thuran, sowie die Herren Schmitt, Wahl, Gaebler, Hiller, Heitzig, Eckwert und Andriano.
SubrMimWsnrevt dss GLiarrgvevetrrs steter weV\ äkeM-SLe ntzeßm
o Am Sonntag veranstaltete der Gesangverein „Liederzervia" in Klöm-Stemheim zur Feier seines 25jährigen Bestehens im Saale des Restaurant Herty. ' etn Jubiläumskonzert. Musikdirektor
Schucht aus Frankfurt, der Leiter des Chores, hat mit seinen Seiten Großes geleistet. Der mit ausgszeichnetsm Material zusammengestellte Chor leistete in Aussprache, Dynamik, Behandlung der Klangkomplexe, musikalischer Ausdeutung und Gestaltung Bordäches. Alle Werke wurden klang- frisch und mit solcher Unmittelbarkeit in der Wirkung vorgetragen, daß brausender Bestall diese Lei- ' Die geschmackvoll zusammenae-
reimte' Zeug eines modernen Weibchens wunderbar stungen helvhâ. Die geschmackvoA zuisammenae- echt daher. Charmant bei aller Verwerflichkeit. Den stellte Vortragssolge, (die Chöre von Msnidslsisohr, James, der zwischen den zwei Frauen steht, gab Abt, Silcher, Lendvai und Kaun kr^Ht:), Kurt Hiller. Seine ritterliche vornehme Art hatte QKaindliefifhunger wie die Begleitung der -Solostimme
Abt, Silcher, Lendvai
und
Kaun
n,
brachte),
o Hochschulpersonalien. Herr Dr. phil. et jur. Erwin R o u s s e l l e aus Hanau ist mit der Leitung des der Universität Frankfurt a. M.i ange- glieoerten China-Institutes betraut worden.
o Weinser-Konzert. Das am nächsten Donnerstag, 36. d. Mts. stadtfiudeude Konzert ist bas einzige a capella-Songeirt, das im großen Saale der Stadthall« in dieser Saison von einem hiesigen Verein gegeben wird. Wir weisen deshalb nochmals auf diese VeraUstaldung hin. Karten sind im Vorverkauf bei den bekannten Stellen, sowie an der Abendkasse zu haben.
o Symphonie-Konzert. Der O r che st e r v e r e in Hanau hat sich entschlossen, sein Symphonie- Konzert zu Gunsten der Opfer von Alsdorf und Saarbrücken zu veranstalten. Es ist zu hoffen, daß die Bevölkerung Hanaus dem Konzert aus diesem Grunde ein erhöhtes Interesse entgegen bringt. Eine Liste ist im Umlauf. Eintrittskarten sind außerdem bei Schaaf, Marktplatz und Eyermann, Rosenstraße erhältlich.
BüchevMG
»Tiere um uns". Geschichten und Schilderungen deutscher Dichter, Forscher und Tierfreunde. Einführung von Paul Eipper. Paul Franke Verlag, Berlin SW. 11. In Glanzleinen gebund. RM 4-80. Diese „Tiere um uns" wollen und sollen immer auch um Dich sein! Ein außergewöhnliches Bush von gefälligem, aber schlichtem Aeußern, das w seinem Innern eine Sensation birgt oder eigentlich mehrere. Wann wohl sieht man eine so stattliche Zahl großer Namen in einem Werk vereinigt? Pach der Einführung von Paul Eipper beginnt eine Tierschilderung, die von Gerhart Hauptmann stammt. Daran reiht sich eine Erzählung von Arnold Zweig. Etwas weiter stößt man auf Thomas- Manns Hundegefchichte, gefolgt von einer launigen Abhandlung des Geheimrats Heck vom Berliner Zoo. Dann findet man Jakob Wassermann und Wilhelm Filchner, den Tibetforscher, Waldemar Bonsels und Hagenbeck — um nur einige der zahlreichen „Prominenten" zu nennen, die hier M höchst „löblichem Tun" versammelt sind. Tiergeschichten erzählt das Buch, aber keine „fachlichen, sondern Geschichten mit Bezug auf den Menschen im Kern. So entstand ein hochwertiges Unterhaltungsbuch allgemeinster und bester Form. Dazu noch etwa 200 Bilder, di« alle wirklich des Ansehens wert sind.