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23. Skioder

1930

248 Tote in Atsdorf geborgen

Die Ursache der âiaftvovbe «och unseklSvt - Kerne Svve«gftoffexvlofio«

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* Der zum preußischen Innenminister ernannte Reichstagsabgeordnete Severing wird sein Amt am Freitag antreten. Sein Amtsvorgänger, Prof. Dr. Waentig, wird sich heute von den Beamten des Ministeriums verabschieden.

*

: Der Vorstand des Reichslandbundes wählte Graf v. Kalckreuth zum geschäftsführenden Präsidenten. Hepp schied aus dem Präsidium aus.

Im September 1930 betragen die Reichsein- nahmen im ganzen 588,8 Mill. RM. Das Ge­samtaufkommen im ersten Halbjahr des laufenden Rechnungsjahres beträgt 4580,7 Mill. RM und bleibt, rein rechnerisch betrachtet, um 552,1 Mill. Reichsmark hinter der Hälfte des veranschlagten Jahreshaushaltsfolls zurück.

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Die am 20. Oktober aufgenommenen Verhand­lungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern über die Neuregelung der Lohnver - Hältnisse in der Rheinschiffahrt sind nach ergebnislosem Verlauf vertagt worden. Ein kleinerer Ausschuß wird sich zunächst mit den An­trägen beider Parteien befassen und über die An­beraumung eines neuen Termins schlüssig werden.

den letzten Tagen wurden im ganzen F reu staat Braunschweig Flugblätter verteilt 'und Plakate angeschlagen, die sich mit der Verhaf­tung des Landwirtes Guth in Berlin beschäftigten und zu einer Kundgebung des Reichsbanners auf­forderten. Der Minister des Innern hat nun zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ord­nung bis auf weiteres alle Umzüge und öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel verboten und die Be­schlagnahme der Flugblätter und die Entfernung der betreffenden Plakate angeordnet.

A

Der Königliche Großbritannische Botschafter Sir Hoarce Rumboldt stattete gestern dem Reichs­präsidenten einen Besuch ab und sprach ihm im persönlichen Auftrage des Königs von England dessen Beileid zu der schweren Grubenkatastrophe in Alsdorf aus.

Der im Altonaer Bombenlegerprozeß Mitangeklagte Kaphengst wurde gestern von den Schweizer Behörden nach der deutschen Grenze gebracht, um dort den deutschen Behörden über­geben zu werden.

Im Verfolg des im Jahre 1927 im Einverständ­nis mit dem belgischen Generalstab aufgestellten Gesamtplanes für den Ausbau des bel­gischen Befestigungssystems wird der Kriegsminister, wieLeSoir" meldet, für dasFinanz- jahr 1931 die erforderlichen Kredite für Moderni­sierung gewisser Anlagen der befestigten Stellung von Namur beantragen. Es soll sich um die Forts Marchevelette, Maizeret, Andoy, Dave und Saint- Roriber handeln. Es werden 30 Millionen Fran­ken für notwendig gehalten, um dem Befestigungs- lyftem von Namur den gleichen Wert wie demjeni­gen von Lüttich zu geben.

Auf Ersuchen der brasilianischen Regierung hat Präsident Hoover ein Ausfuhrverbot für Waffen und Munition nach Brasilien ungeordnet, mit Ausnahme solcher Sendungen, für die das Staatsdepartement die Ausfuhrerlaubms erteilt. Diese Maßnahme bezweckt die Verhinde­rung der Ausfuhr von Kriegsmaterial -für die brasilianischen Aufständischen.

. Chinesische Kommunisten haben in der Stadt Kianfu ein Bluttat angenchtet. Es st von 6000 Toten die Rede.

Seit vergangener Nacht schneit e s t in ferner Oberland bis Wengen hinunter ftan- Die Temperatur geht unter den Gefrierpunkt. Die neue Schneeschicht bis zum Eigergletscher mißt be­reits 12 bis 15 Zentimeter. Die Iungfraujochstation Oat 20 bis 25 Zentimeter Neuschnee. Die Tempe- rutur war dort heute morgen auf 12 Grad unter Null gesunken. Es schneit bei starkem Westwind noch Leiter. Auch die Gipfel der Neuenburger. Iura- derge waren heute früh mit Schnee bedeckt.

*). Näheres siehe im politischen Teil.

Alsdorf, 23. Off. Um 1.30 Uhr früh wird gemeldet: Die Zahl der bisher geborgenen Toten beträgt 248. Die Rettungsarbeiten werden jetzt für einige Stunden unterbrochen, da man bis zum Ende sämtlicher Reviere vorgedrungen ist. Es läßt sich noch nicht genau fest­stellen, wie viele noch vermißt werden, da unter den haushohen Trümmermassen noch Leute verschüttet sein können. Die Rettungsmannschaften melden, daß die Strecken teilweise 300 bis 500 Meter zu Bruch gegangen sind.

Alsdorf, 23. Okt. Die Meldung eines Berliner Morgenblalles, wonach eine aus einem Steiger und 20 Mann bestehende Reltungskolonne durch einen Zusammenbruch von Stollen völlig von der Außenwelt abgeschlossen worden sei, entspricht, wie wir von der Grubenverwaltung erfahren, nicht den Tatsachen.

Die Zahl der Todesopfer von Alsdorf ist fast von Stunde zu Stunde gewachsen. Zu­nächst wurde selbst von fachmännischer Seite der Verlust auf 2025 Tote geschätzt. Dann meldete man 50 und gestern vormittag wurde die Totenzahl mit 137 angegeben, und heute ist die Zahl von 200 überstiegen. Heute früh betrug die Zahl der bisher geborgenen Toten 248. Die Katastrophe hat einen Umfang an­genommen, der ein nationales Unglück be­deutet und überall Erschütterung hervorruft.

Erfreulich ist es, daß die Hilfsaktion für die Hinterbliebenen der Opfer in schnellstem Maße eingesetzt hat. Die Reichsregierung und das Land Preußen, der Herr Reichspräsident sowie zahlreiche andere öffentliche und private Stellen haben sofort nach dem Eintreffen der Trauernachrichten namhafte Beträge gezeich-

troffenen Gegend in die Lage versetzt werden, die erste Not zu lindern. Aber ohne Zweifel muß noch viel mehr geschehen. Im Alsdorfer Revier geht alles durcheinander, und ärgste Verzweiflung droht um sich zu greifen. Die Zentrale der deutschen Nothilfe in Berlin hat zwar sofort eine Hilfsaktion eingeleitet (siehe Lokalen Teil) doch wünschenswert wäre es, wenn diese Aktion erweitert würde, d. h. wenn mit einem Aufruf der Reichsregierung örtliche Sammelstellen errichtet würden. Wir

Gevering wieder preutzißOev Annenminifter Wechsel auch im VevUrrov «ollreivEdtum?

Wie bereits im größten Teil der Auflage unserer gestrigen Ausgabe gemeldet, ist der preußische Minister des Innern, Prof. Dr. Waentig zurügetreten. Zum Nachfolger des scheidenden Innenministers hat der preußische Ministerpräsident den Reichs- und Staats- ministec a. D. Severing ernannt. DemVorwärts" zufolge wird Severing sein Amt morgen. Freilag, antreten.

Der Grund für den Wechsel in der Leitung des preußischen Innenministeriums liegt einmal darin, daß der bisherige Minister Professor Waentig den dringenden Wunsch hat, wieder zu seiner wissen-

Reichsinnenminister a. D. Severing

schaftlichen Arbeit zurückzukehren. Er war ihr schon durch seine Tätigkeit als Oberpräsidcnt der Pro­vinz Sachsen entzogen worden und möchte nun eine Reihe angefangener wissenschaftlicher Aus­gaben zu Ende führen. Professor Waentig steht im 61. Lebensjahr. Preußischer Innenminister war

sind gewiß, daß jeder sein Scherflein geben wird zur Linderung der Not in dem so schwer betroffenen Alsdorfer Grubengebiet.

Im übrigen halten wir es für eine Selbst­verständlichkeit, daß die Trauer des deutschen Volkes diesem nationalen Unglück angepaßt sein muß. Reichsaußenminlster Dr. Curtius hat ein gutes Beispiel gegeben, indem er we­gen der Grubenkatastrophe den Empfang des in Berlin tagenden Internationalen Journa­listenverbandes absagte und die für den Emp­fang ausgeworfenen Beträge zum Besten der Opfer von Alsdorf überwies. Hoffentlich fin­det dieses Beispiel in den weitesten Kreisen Nachahmung. Das Feiern von Festen paßt an sich schon nicht in den Ernst unserer Zeit und man mußte dem Oberpräsidenten der Rhein- provlnz von ganzem Herzen beipflichten, als %£M ®ÄÄM 6 fern Winter in dem engsten Rahmen zu halten. Das Unglück von Alsdorf wirkt wie ein neuer Appell an unser aller Gewissen, jedes Ueber­maß an festlichen Veranstaltungen zu vermei­den und durch den Verzicht auf rauschende Vergnügungen Mittel zu gewinnen, die man zur Linderung der Not verwenden kann. Nur

er­

so werden wir den Schlag wieder verwinden, den wir durch die- Katastrophe von Alsdorf litten haben

weitere Meldungen siehe Seite 2.)

er feit dem 28. Februar ds. Is. als Nachfolger des Ministers Grzesinski. Ein weiterer Grund für den Wechsel ist darin zu suchen, daß Ministerpräsident Braun an der Sitze seines Innenministeriums ge­rade jetzt einen Mann sehen möchte, der für dieses spezielle Gebiet die Erfahrung und Autorität hat, die Minister Severing besitzt. Er war bereits zwei­mal, und zwar von Ende März 1920 bis April 1921 und von November desselben Jahres bis zum Oktober 1926 preußischer Minister des Innern, im ganzen also sechs Jahre. Dazu kommt ihm auch noch die Erfahrung zustatten, die er als Reichs­minister des Innern gesammelt hat.

Die Äuwahme in VevM

Der Wechsel im preußischen Ministerium des Innern wird in der Berliner Presse eingehend er­örtert. Die meisten Blätter unterstreichen das Ueberraschen dieses Wechsels. Die Blätter, die den Regierungsparteien nahestehen, begrüßen fast alle die Berufung Severings, der sich bereits in sechs­jähriger Ministertätigkeit bewährt habe.

DerVorwärts" bezeichnet die Ernennung Severings als Antwort auf die national- fozialistische Diktatur- u.n d Staats- st r e i ch d r o h u n g.

DieV o s s. Z t g." nennt Severing den rechten Mann auf dem rechten Platz. Waentig sei ein guter Innennminister gewesen, aber Severing der bessere, die stärkere Persönlichkeit. Auch dasB. T." spricht von dem rechten Mann auf entscheidendem Posten.

Das8 Uhr-Abendblatt" sieht in der Rückkehr Severings verstärkte Garantie für die Aufrechterhaltung der Verfassung der demokra­tischen Republik in Preußen.

In einem gewissen Gegensatz zu diesen Aeuße­rungen steht die Stellungnahme derGerma- n t a". Nachdem das Blatt zunächst daraus auf« mekrsam gemacht hat, daß man die halbamtliche Erklärung lediglich persönliche Gründe hätten Pro­fessor Waentig'zu seinem Rücktrittsgesuch bestimmt, doch mit einer gewissen Vorsicht aufnehmen müsse, führt es weiter aus:Die Situation, in der wir uns befinden, läßt viel eher den Schluß zu, daß für diesen Wechsel politische Gründe bei Herrn Braun maßgebend gewesen sind. Der etwas professorale, weiche Waenti-g wird durch den star­ken Severing ersetzt. Soll das auf eine Verstär­kung des sozialdemokratischen Ein­flusses in Preußen hinauslaufen? Dann hätte Herr Braun der Ablehnung der Miß trauen san tr ägs und der Ablehnung des Antrags auf Laudtagsau-f- lösung eine sehr weitherzige und weitgehende Aus­legung gegeben. Sicher ist, daß m Preußen die Ordnung und Ruhe ebenso aufrechtsrhalten werden muß wie im Reich. Wir erwarten aber, daß der neue Minister des Innern Severing, den wir ja aus einer langjährigen AtinisteMtigkeit kennen, in so gespannten Zeiten, wir wir sie jetzt erleben, das größtmöglichste Maß von Objektivität in allen sei­nen Handlungen an den Tag legt. Daß die.radikale Rechte und Linke nicht über den Staat herfallen, dafür wollen wir alle sorgen."

Die oppositionelle Presse bezeichnet die Betreuung Severings als eine Radikalisierung und Aktivierung der preußischen Regierungspolitik im Kampfe gegen die Opposition, Fast alle Blätter muerPreicyen besonders das - Bevhauen des Mi­nisterpräsidenten Braun, das geradezu diktatorisch seu DieD a'z" erkennt bei aller Kritik die Dualb fikation Severings für fein Amt an. DieT ä g l. Rundschau" spricht von einem svziatdemokrati- schen Kampfprogramm und einer politischen Pro­vokation Die Stellung der Reichsreglerung werde durch Brauns Maßnahme geschwächt. DerLo­ka l a n z e i g e r " spricht. von einer auffallenden Kühle für den zurückgetretenen Minister. Die D eutsche Tageszeitung" meint, daß Waentig nicht den erwarteten Zuwachs an Energie für Brâun gebracht habe, den diesen gegenüber den anderen Regierungsparteien haben wollte. Die Wiöderberufung Severing richte sich in erster Linie gegen die Strömung im Zentrum nach einer größeren Selbständigkeit gegenüber der sozial- demokratischen Vorherrschaft 6er Preußenregierung. Severing soll offenbar Dr. Wirth den Rücken st ä r k e n und der Reichsregierung Hilssstâng in dem Konflikt mit Thüringen und ähnlichen Fragen geben. DieK re uzze itung" sieht in Seve­ring das Kampssignal gegen rechts. Se­vering heiße Offensivkrieg. Braun habe gewußt, warum er das Spiel mit Brüning wagte und gehe nun brutal mit feinen Absichten heraus. Das Blatt richtet an das Reichskabinett, insbesondere an He Minister, die bisher die Zufarmneuarbeit mit der Sozialdemokratie abgelehnt haben, die Frage, ob sie nun von sich aus die Konsequenzen ziehen und dem Zustande ein Ende bereiten wollten, der daraus hinauslause, idle Sozi-aldemokratie wieder in den Sattel zu heben. Auch dieDeutsche Zei­tung" bezeichnet die Ernennung Severings als eine Herausforderung, die blitzartig die innenpolitische Zuspitzung beleuchte. Das herr­schende System habe seinen hervorragendsten Ver­treter in die Front gestellt. Die nationale Bewe­gung werde dies als Klärung begrüßen, denn sie wisse, daß in demselben Grade, wie ihr Gewalt ent« gegengesetzt werde, auch ihre eigene Kraft wachse.

Bekommt VevBht ewen ne» en WMzewvaMenien?

Berlin, 23. Okt. Im Zusammenhang mit dem Rücktritt Waentigs tauchen auch die vor kurzem noch wiederrufenen Gerüchte wieder aus, die von einem Wechsel auch im Berliner Polizeipräsidium und einer Ersetzung des gegenwärtigen Polizeiprä­sidenten Zörgcebel durch den früheren preußischen Minister des Innern Grzesinski wissen wollen. DerVorwärts" gibt sie in folgender positiver Form wieder:

Wie wir hören.steht auch ein Wechsel im Berliner Polizeipräsidium unmittelbar be­vor. Es war schon vor längerer Zeit in der Presse davon die Rede, daß Polizeipräsident Z ö r- g i e b e l als Regierungspräsident für Wiesbaden ausersehen sei. Das war ein Irrtum. Richtig ist jedoch, daß Genosse Zörgiebel für ein anderes westliches Regierungspräsidium in Aussicht genommen ist. Als sein Nachfolger als Berliner Polizeipräsident dürfte der frühere preu-

ore verrttsK stimmen umradi 14 Seher