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Stadt und Land
Mottau Stadt und Land
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Mittwoch den
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ^ Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung ober aus Rückzahlung deS Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.^Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956, 3957,3958
I 22. Oktober
1^30
Vishev 13? Tote in ÄUsdovß
Noch 80 Bergleute eingeschlossen, von denen der größte Teil als vevloren gilt - Die Belache noch nicht einwandfrei festgestellt
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Das preußische Staatsministerium hat in seiner gestern nachmittag abgehaltenen Sitzung beschlossen, im Reichsrat keinen Einspruch gegen das vom Reichstag beschlossene A m n e st i e g e s e tz zu erheben.
* Der Preußische Landtag bestätigte die vom Ausschuß vorgeschlagene Kürzung der Diäten, lehnte die Anträge auf Auflösung des Landtages ab und vertagte sich auf den 4. November.
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Infolge technischer Schwierigkeiten findet der außerordentliche Parteitag der Demokratischen Partei am 8. November und der konstituierende Parteitag der Staatspartei am 9. November nicht in Dresden, sondern in der Stadthälle in Hannover statt.
Die Meldung des „Daily Telegraph" über a n» gebllche Besprechungen, die Reichskanzler Dr. Brüning mit dem deutschen Botschafter in Paris v. Hoesch vor einem Monat gehabt haben soll, und in denen die Möglichkeit erörtert worden sei, Frankreich durch Unterbreitung besonderer Re- ftsrâkionsvorschläge zu versöhnen, wird von zustän-
s Përimn
3m LohNstreit der Berliner Metallindustrie hat der Reichsarbeitsminister die Parteien auf den 23. Oktober 1930 zu Nachverhandlungen über den Antrag auf Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 10. Oktober 1930 eingeladen.
Das Junkers-Flugzeug G 38, das wegen eines Kupplungsschadens längere Zeit in Konstantinopel bleiben mußte, landete gestern im weitere Verlaufe seines Europarundfluges auf dem Flugplatz Tatos. Der Kommandant des Flugzeuges Fischer wuchs von griechischen Fliegeroffizieren herzlich begrüßt.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" stieg gestern unter Führung von Kapitän Flemming zu einer fünfstündigen Schweizer Fahrt auf, an der 31 Personen, darunter Frau v. Gronau, die Gattin des Ozeanfliegers teilnahmen. Das Luftschiff ist um 4.25 Uhr glatt gelandet. *
Für die zwei Hauptangeklagten, Haubenreißer aus Meuselwitz und Helmstädter aus Frankfurt am Main, die im Prozeß wegen der blutigen Ost er v o r g ä ng e in Leipzig verurteilt worden sind, ist von den Verteidigern Revision eingelegt worden. Gegen die übrigen sechs Angeklagten ist das Urteil rechtskräftig geworden. Haubenreißer ist mit fünf Jahren Zuchthaus und vier Jahren Ehrenrechtsverlust, Helmstadter mit einem Jahr drei Monaten Gefängnis bestraft worden.
♦ Die angekündigte Stellungnahme des Reichswehrministers Gröner zu der Reichstagsrede des deutschnationalen Abg. v. Oldenburg- Januschau liegt nunmehr in Form eines Offenen Briefes vor. *
Wie bereits gemeldet, wurden am Samstag nachmittag von einem gut bekannten Aufständischen in Laurahütte die vor dem Geschäftslokal der Laurahütter sowie der Sattomifeer Zeitung aushängenden Ausgaben des Blattes zerrissen und die Schaufensterscheiben durch Steinwürfe zertrümmert. Die Laurahütter Polizei hat nunmehr infolge dieses Vorfalles verfügt, daß die beiden Zeitungen nicht zum Aushang gebracht werden dürfen mit der Begründung, daß dadurch der Verkehr auf der entsprechenden Straße behindert werde.
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Der Lippische Landtag lehnte gestern den von den Fraktionen der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei sowie von der Landvolk- unb Mittelstandsfraktion eingereichten Gesetzentwurf auf Landtagsauslösung mit gegen 9 Stimmen ab. Dagegen stimmten die neun Abgeordneten der Sozialdemokratie sowie die drei Abgeordneten der Demokratischen Partei, der Solfs» rechtspartei und der Kommunisten. Nach der Ablehnung des Gesetzentwurfes wurde von der Opposition ein Antrag eingereicht, das Landespräsidium zu ersuchen, von sich aus den Volksentscheid zur Auflösung des Landtages in die Wege zu leiten.
•) Räbetes siehe im politischen Teil.
Aachen, 22. Off. Das zuständige Oberbergaml in Bonn keilt zu der gestern gemeldeten Katastrophe im Wilhelms-Schacht der Grube „Anna" des Eschweiler Vergwerkver- eins in Alsdorf mit, daß bis heute vormittag 8 Uhr insgesamt 137 Tote geborgen wurden. In den Krankenhäusern befinden sich, nachdem bereits einige wieder entlassen werden könn- len. zurzeit noch 98 Verletzte. Von unten kommende Rettungsmannschaften berichten, daß die Zerstörung auf Sohle 4 (460 Meter) eine fast vollkommene ist. Allein dort wurden bisher 87 Tote geborgen. Es bestehen nur noch außerordentlich geringe Aussichten, die dort eingeschlossenen Bergleute zu retten. Insgesamt dürften noch 80 Mann eingeschlossen sein, von denen — wenigstens auf der Sohle 4 — der größte Teil als verloren betrachtet werden muß.
Eine spätere Meldung besagt, daß sich in den Stollen noch annähernd 60 Tote befinden. Die Stollen selbst sind, soweit sie nicht in Bruch gegangen sind, wieder befahrbar und gasfrei.
Als gestern vormittag der Draht die Kunde von dem Bergwerksunglück bei Alsdorf über die deutschen Lande verbreitete und allenthalben tiefste Trauer über das bittere Geschick der von der Katastrophe betroffenen Bergleute auslöste, da ahnte, man noch nicht den Umfang des Unglücks. Erst allmählich ließ sich erkennen, daß die Zahl der unglücklichen Opfer die der noch in frischer Erinnerung stehenden Katastrophe von Neurode am 9 Juli noch übersteigen würde. Dem Unglück von Neurode waren rund 150 Bergleute zum Opfer gefallen — diesmal dürften etwa 200 Tote zu beklagen sein.
„_ —^ __ , ,-M geschaffenen Gesetze durchbricht, das uns erneut vor Augen führt, wie klein der Mensch bei allen Erfolgen seiner Intelligenz der Natur gegenüber bleibt. Ungewöhnlich hoch ist die Zahl der Unglücksfälle, die sich im Bergbau
An der Stätte des Grauens
Alsdorf, 21. Okt. (Von unserem Sonderberichterstatter.) Die* Unglücksstätte auf dem Schacht Anna II ist nur auf Umwegen zu erreichen. Die dem Förderturm zugewandte Außenmauer des Verwaltungsgebäudes steht nur noch soweit, als sie von den sie umgebenden Schuttmassen gehalten wird. Der Förderturm selbst, der etwa 30 Meter hoch war, hat sich zur Seite geneigt und dabei einen Zementsockel beschädigt.
An dieser Stelle knickte der Turm seitlich ein und stürzte auf das Verwaltungsgebäude, das gleichzeitig von der unterirdischen Explosion erschüttert und zum größten Teil in sich zusammengesunken war. Der Schutthaufen füllt mehr als das Erdgeschoß.
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Alan weiß zur Stunde noch nicht, ob noch Beamte, Putzfrauen oder andere Personen in den Schuttmassen begraben liegen. Hier wurden die ersten Toten geborgen. Die Trümmer der benachbarten Gebäude geben ein Bild davon, was sich unter der Erde abgespielt haben mag. Von den Verletzten hört man, daß die Rettungsarbeiten dadurch erschwert werden, daß die Stollen an vielen Stellen eingebrochen finb.. Die Rettungsmannschaften sind mit dem Freimachen der Zugangswege beschäftigt.
Die dritte Sohle des Schachtes Anna II ist mit 460 Metern Tiefe die tiefste des Reviers. Dort lag in etwa zehn bis zwanzig Meter Entfernung vom Schacht ein Dynamitlager, dessen Explosionsslich-
ereignen. Nach statistischen Angaben ist jährlich im Deutschen Bergbau mit etwa 1500 Toten zu rechnen, die bei der Ausübung ihres Berufes ums Leben kommen. Weit höher ist die Zahl der Verunglückten. Jeden Tag ereignen sich auf den Gruben kleinere und größere Zwischenfälle, vor allem durch abbröckelnde Steine. Die Zahl der Verletzten Bergarbeiter geht jährlich über die 100 000 hinaus. Wenn dabei auch viele unbedeutende Verletzungen vorkommen, sprechen die Zahlen für sich selbst.
Die Ursache des neuen Unglücks ist noch nicht einwandfrei festgestellt. Man weiß noch itâ, uv üie eines Dynami wetterexplosioN zurückzuführèn strenge Untersuchung muß verlangt werden, nicht zuletzt deshalb, um aus der Ursache zu lernen und die Sicherheitsmaßnahmen noch weiter auszubauen.
flammen bis hoch über den Förderturm sichtbar gewesen sind.
Trotzdem konnten aus dem Unglücksschacht vermittels Leitern und Seilen noch drei Mann unverletzt heraufgeholt werden. Insgesamt sollen noch 3 Reviere abgeschlossen sein.
Im Förderschacht Anna I selbst kommen in kleineren Zeitabständen Verletzte zutage, die sofort von den Sanitätern betreut werden. Sie berichten über einen dumpfen Schlag und den Einsturz der Gebirge. Viele wußten zunächst garnicht, weshalb der Befehl zum sofortigen Ausfahren gegeben wurde. Die elektrischen Kabel sind zerstört und die Ausfahrt, vor allem die Verbindung der einzelnen «tollen untereinander, ist dadurch bedeutend erschwert. Trotzdem sind auch in den betroffenen Revieren zwei Verletzte geborgen worden, vor allem aus dem der Unglücksstätte benachbarten 11. Revier.
Von den Ereignissen über Tage sind
einige erschütternde Einzelheiten
bekannt geworden. In einem dem Förderturm bes' Wilhelmsschachtes besonders nahe gelegenen Stapel Grubenholz wurde ein Arbeiter mit solcher Wucht gegen das Kopfende der Balken gepreßt, daß sein Körper die Balken genau in der Körperform verschob. Dem Unglücklichen wurde dabei der Kopf völlig zertrümmert. An einer anderen Stelle fanden Sanitäter in etwa 300 Meter Entsernung von der Unglücksstätte eine einzelne Hand. In Alsdorf und besonders in den Straßen, die zur Zeche führen, sind Dächer und Fensterscheiben beschädigt, auch große Fensterscheiben, die der Luftdruckrichtung zu- gewandt waren, wurden eingedrückt. Die Straßen stehen voller Menschen, die mit besorgten Mienen auf Nachricht von ihren Angehörigen warten. Absperrungsmannschaften aus den benachbarten Orten und aus Aachen unterstützen die Ortsbeamten.
Von den geretteten Bergarbeitern waren einige mit hellem Gesteinsstaub bedeckt. Man will daraus schließen, daß automatisch auch die Gesteinsstaubsicherung in Tätigkeit getreten ist. Trotzdem reichte stellenweise die Wirkung der Explosion recht weit. Noch 250 Meter von der Unglücksstätte entfernt wurden Tote gesehen, die aber noch nicht geborgen werden konnten.
Inzwischen sind auch in dem schwer beschädigten und teilweise zerstörten Schacht Wilhelm selbst schon
Rettungsmannschaflen in die Tiefe vorgedrungen.
Die Arbeiten haben zurzeit Zwei Ziele: Von den Nachbarschächten und dem Unglücksschächt selbst aus versucht man, an die eingeschlossenen Bergleute heranzukommen, und außerdem arbeitet eine starke Kolonne über Tag an der Ausräumung des Schutts des Verwaltungsgebäudes, auf dem der Förderturm
liegt. Zwischen Turm und Gebäude lag der Waschraum, den das Fördergerüst vollkommen zertrümmert hat. In diesem Waschraum befanden sich, wie man vermutet, noch Leute der Nachtschicht, die hier infolge Verfahrens von Ueberstunden oder verspäteter Ausfahrt zurückgeblieben waren.
tveittank mit dem Tode
Unmittelbar nach den ersten Stunden des Unglücks hatte ein Mitarbeiter der „Kölner Zeitung" Gelegenheit, sich von einem Bergmann, der auf der 360-Meter-Sohle des Schachtes Wilhelm, der Grube Anna II mit der Tagesschicht Angefahren war und der sich mit fünf Kameraden in verzweifeltem Rennen durch die «tollen zum Schacht Adolf hin gerettet l>atte, sein Erlebnis schildern zu lassen. Der Bergmann erzählte:
Ich war um 6.30 Uhr mit den andern im Schacht Wilhelm Ungefähren zur Tagesschicht. Wir be- gaben uns an die Arbeit in einem vom Stollen entfernt liegenden Flöz der 360-Meter-Sohle. Die Schüttelrutschen arbeiteten mit ohrbetäubendem Lärm Mitten im Hochbetrieb der ersten Förderung ging durch den Schüttelstoß An Beben, ein dumpfes Rollen schien sich durch das Bergwerk hinzuziehen. Es gab S t e i n s ch l a g aus dem Hangenden und ab stürz ende Kahlenmassen. Zugleich war ein Luftdruck zu verspüren.
entgegen, und durch die dunklen Schächte zuckte
etwas wie Feuerschein, der nicht von Grubenlaternen kommen konnnte Mit fünf Mann liefen mir in entgegengesetzter Richtung der eindringenden Rauchschwaden dem Nebenschacht der Grube Anna II, dem Schacht Adolf, zu, kilometerweit stolpernd und hin und wieder zusammenbrechend, durch Atemverlust unb durch die Beklemmung sich schwer auf die Lungen und auf das Gehirn legender Gase benommen. Hand an Hand gefaßt stürmten wir los, dem Stollen zum Adolfschacht zu. Unterwegs schri^ ein schwerverletzter Bergknappe, den der Luftdruck in eine Ecke geschleudert hatte, um Hilfe. Wlr packten ihn auf unb schleppten ihn durch den Stollen mit, bis mir zu einem halb eingebrochenen Stapel kamen; dessen Schräge und Enge machte es uns selbst nur untqr größten Schwierigkeiten möglich, ihn zu erklettern, um in den eigentlichen, anscheinend einzigen gas- und einbruchsreien Zugangs- stollen zum Schacht Adolf zu gelangen. Wir mußten den Schwerverletzten vor dem Stapel sitzenlassen und einer Rettungskolonne zu ihm den Weg weisen, die ihn auch zu Tage brachte.
An den Zugangsstollen jum Schacht trafen noch weitere Kameraden ein, die sich ebenfalls auf ähnliche Weise gerettet hatten. Ich gi Kameraden zu unserm Schacht Wi, eingestürzt vorfanden. Mit Leitern erkletterten wir die Waschkaue, wo zwischen den Mauerresten noch unsere Kleider an der Decke hingen Dann begaben mir uns zu unseren Familien, auf dem Heimweg
jing mit Einen ilhAm, den wir
von weinenden und wehklagenden Frauen und Angehörigen unserer Kumpel umdrängt und von Fragen bestürmt.
Furchtbares hatten wir erlebt, Flammen und Rauch, giftiges, betäubendes Gas und in dem Stollen verzweifelte Kumpel, die mit dem Tod um die Wette rannten, nach dem rettenden Schacht.
Die ZevfiSvunse« übev Tag
Alsdorf, 21. Okt. Das kleine Alsdorf gleicht einer großen Stadt. Es herrscht ein Verkehr, wie er in dem belebten Berlin kaum festzustellen sein dürfte. Hunderte von Autos aus allen Teilen des Rheinlandes, aus Westfalen, aus Holland und Belgien drängen sich in der Umgebung des Schauplatzes der Katastrophe. Von tausenden Lippen kommen gequälte Fragen nach dem Schicksal der Vermißten und keiner kann Auskunft geben.
Es ist ein Bild des entsetzlichsten Jammer».
der sich den erschütterten Zuschauern bietet. An den Häusern ist kaum ein Fenster mehr ganz, kaum eine Tür. Weinende Mütter und klagende Frauen stehen vor den Trümmern.
Wir treten in ein solches „Haus" ein. Die Frau erzählt uns mit unsagbarer Wehmut, daß drei Söhne fehlen, daß die Schwiegertochter, die kurz vor ihrer Niederkunft stand, das Haus verlassen habe und man nicht wisse, wohin sie gegan-
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