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E^vVetttral ÄKyriger sirr^^W^ WKiMmr Giadt und Land

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat O.I.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg., im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. Offertengebühr 50 R-Pfg.

Nr. 242

Meustas den

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Liefemng oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises./ Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr.d / Fernspr. 3956,3957,3958

21. SAodev

1930

furchtbares GruveuungtüB bei Aachen

Vev Wilhelmsichacht des Gvube Anna n dusch ExvloKon revftövt - Nie Sahl dev Tate« und NeeuuslüBteu wird auf 200 geschützt

M»M 'Swi^ltSj^OM'

Der Reichspräsident empfing gestern den deutschen Botschafter in Paris Dr. von Hoesch.

*

Der Preußische Landtag überwies am Montag nach durchgeführter erster Lesung das neue Sölbftoorwottungsgefetz Grohäerlins an den Gemeiudeausschuß. Innenxnmister Waeniig teilte tritt, daß voraussichtlich die Bürgermeisteruerfassung pbtiigatorijsch für ganz Preußen webds.

*

* Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages trat gestern unter dem Vorsitz des natfonoGozialiftifchen Abg. Dr. Frick zu einer Sitzung zusammen. Reichsauße ummister Dr. Cur­tius leitete die Verhandlungen eiln mit näheren Ausführungen über die Genfer Völkovbundsver- Handlungen. *

Das preußische Kabinett dürfte sich heute über seine Stellung zum A m n e st i e g e s e tz Müssig werden, "das im Reichstag mit Zweidrittel- Mähvhsck angenommen worden ist und gegen das formal noch der Einspruch des Reichsvats möglich ist. Wird Einspruch erhoben, so könne der Reichs­tag das Gesetz mit einem netten Zweidrittelbeschluß trotzdem in Kraft setzen.

2 «nforg^ der Vertagung des Reichstages

Abgeordneten v. Olibenib fing «Samts 3f au zurückzuwei- fen, wird der Reichsweh r mi n ift er am den Abgeordneten v. Oldenburg - Ianu- 1 cha n einen Brief richten, in dem die erhobenen Angr-iffe zurückgowiiefen wenden.

*

Wie wir erfahren, hat der Parteivorftanid der Deutschen Volkspartei gestern den Abgeordneten Dr. Dingeldey zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt. Damit. führt Dr. Dingeldey während des Urlaubs von Dr. Scholz nicht nur die Rvichstagsfraktion, sondern auch die Parte igeschäfte.

Reichskanzler Dr. Brüning und Dr. Die t- rich werden, wie verlautet, heute zu kurzem Aufent­halt in Stuttgart eintreffen und sich mit den Ministern von Württemberg, Baden und Hessen über Fragen des Finanzausgleichs und der Gestal­tung der Finanzen von Reich, Ländern und Ge­meinden aussprechen. Der Besuch dient lediglich der Besprechung dieser Fragen. Irgendwelche Emp- jänge finden nicht statt. *

* In Königsberg begann der o st p r e u ß i s ch e Landvolkprozeß. Im ganzen wird gegen acht Angeklagte wegen Landfriedensbruches bzw. Auf­ruhr verhandelt.

Die Ortsgruppe des Vereins Deutscher Eisengießereien hat mit Rücksicht auf die geplante Senkung der Löhne in der Berliner Me­tallindustrie um 8 Prozent beschlossen, beim In­krafttreten dieser Lohnsenkung ihrerseits für Berlin die in der Ortsgruppe bestehenden Staffel­preise um 4% zu senken, obwohl der Lohn- anteil am Produkt eine so starke Senkung der Staf- selpreise nicht rechtfertigt.^

Die gestrigen Verhandlungen zu-ischen Zechen­verband und Bergarbeiterverbänden im Ruhrberg­bou über das Arbeitszeitabkommen, das bekanntlich von den Gewerkschaften gekündigt worden ist, ver­liefen ergebnislos. Die ^Gewerkschaften bestanden auf ihrer Forderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit unter Tage um eine Stunde. Der Zechenverband mußte, wie er erklärt, jede Arbeits- Sätverkürzung ablehnen, weil mit ihr eine solche Steigerung der Selbstkosten verbunden sein wurde, daß die Absatzlage des Ruhrbergbaues weiter ver- Ichlechtert und weitere Entlassungen und Stillegun- «en ihre Folge sein würden. Anfang November vird der Schlichter sich der Frage annehmen.

. Der als M i l i r g o u v e r n e u r von iub a bekanntgewordene Generalkapuan uno Mere Chef des Generalstabes Valeriana Weyl er i $ gestern nachmittag im Alter von 91 Jahren ge­storben.

I *

- Die Wahlen zum norwegischen ^torthing sind im ganzen Lande ruhig ver­laufen. Die Mihlbeteiligung war sehr stark. Soweit Mtèllbar ist, haben die Rechtsparteien starken Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Die Arbeiter- I Partei hat ungefähr acht Mandate verloren.

*1 Näheres stehe im politischen Teil.

Aachen, 21. Off. Der Wilhelmsschacht dec Grube Anna II in Alsdorf wurde heule früh durch eine Explosion eines Dynamiklagers auf der 200 Meter-Sohle zerstört. Die Explosion verschüttekemehrerehunderlBergleute. Der Förderturm wurde umgelegt und mehrere Häuser in Alsdorf wurden zerstört. In der Grube kam ein Spreng­stoffmagazin zur Explosion, wodurch die gesamte Grubenanlage zerstört wurde. Das För­dergerüst ist eingefiürzt; jede Verbindung nach außen abgeschnitten.

An den umliegenden Siedlungsbauten sind zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert und Dächer abgedeckt worden. Sanitätskolonnen und Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis Aachen eilten sofort zur Anglücksstelle. Man schätzt die Zahl der Toten und Ver­unglückten auf 200.

Vorläufig wird versucht, von der Grube Anna n, die mit dem Wilhelmsschacht durch einen unterirdischen Gang in Verbindung steht, zur Unglücksstelle zu gelangen. Man ist zunächst damit beschäftigt, die über Tage befindlichen Verunglückten fortzuschafsen.

Aachen, 21. Okt. Die Explosion erfolgte 7.20 Uhr. Allem Anschein nach handelt es sich um eine Dynamilexplosion. Der gesamte Schachtbau und der daraus stehende Förderturm mit den in der näheren und weiteren Umgebung befindlichen Maschinen- Häusern, Maschinenräumen usw. sind eingestürzt. Unter dem Bürogebäude befand sich ein Benzol, lager, das ebenfalls in die Luft flog und das ganze Gebäude umriß. Zurzeit der Explosion waren in dem Gebäude etwa 30 Beamte tätig. Bis jetzt find Zwei Tote geborgen. Die übrigen Beamten find mehr oder weniger verletzt.

3ht unterirdischen Gebiete war die ganze Früh-

in ösn Nächbärgruben Adolf, Strelffeld und Anna I. an den Unglücksherd heranzukommen. 3m ober­irdischen Gebiet ist die ganze Stätte ein wüstes Trümmerfeld,

Wie weiter gemeldet wird, ist es bereits ge- langen, die Wetterführung der betroffenen Schacht-

H-tmgplan-NevM-n oder M-vai-vLutn?

Ssi matt ht Amerika beveiös von dev K-iwettdiskeii einev AW-rr üdevzettgt? - NâvechttWStL Schachts mit

Stimf-tt, Mellon nnv Aoovev

London, 19. Okt. WieTimes" unter allem Vorbehalt und unter Hinweis darauf, daß eine Bestätigung nicht zu erreichen fei, aus Washington meldet, soll nach dort umlaufen­den Gerüchten von gewissen Kreisen, zu denen in «ft« Linie der Sekretär des Schatzamts Mellon, der Unterfekreiär Ogden Mills und der Leiter der Federal Reserve Bank von Newyork George Harrison gehören, der Plan eines Moratoriums für die Schuldenzah­lungen der früheren Alliierten an die Vereinigten Staaten erörtert werden.

Diesem Plan, so berichtet der Korrespondent, würde natürlich nur eine bedingte Bedeutung zu­kommen. und mehr der Frage gelten, ob ein sol­cher Entwurf überhaupt später einmal den tatsäch­lichen Verhältnissen angepaßt werden könne, als daß die in ihm vorgesehenen Bedingungen im Augenblick schon Anwendung finden könnten. Aber die kaum mehr als theoretische Bereitschaft der amerikanischen Regierung, solche Maßnahmen in Erwägung zu ziehen,

müßte allein schon alle diejenigen ermutigen, die von der Notwendigkeit einer entschlossenen Aktion seilens der Vereinigten Staaten in einer nicht allzu fernen Zukunft überzeugt sind.

Weiter meldet dieTimes", daß der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht am Samstag abend eine halbstündige Unterredung mit dem Staatssekretär Stimson gehabt habe und heute den Präsidenten Hoover und dem Schatzsekretär Mellon sprechen werde. Ueber den Inhalt der Unterredung mit Stimson sei nichts Näheres be­kannt, aber Dr. Schacht habe beim Verlassen des Büros des Staatssekretärs Pressevertretern gegen­über sich dahin geäußert, daß nach seiner Ueber« Zeugung Deutschland früher oder später gezwungen sein werde, ein Moratorium für seine Repa­rationszahlungen zu beantragen. Auf die Rückwir­kungen eines solchen Schrittes in internationaler Beziehung sei Dr. Schacht nicht näher eingegangen, er habe jedoch auf die wirtschaftliche Ungerechtig­keit, die Deutschland durch den Versailler Vertrag widerfahren sei und die Notwendigkeit einer Revi­sion desselben hingewiesen.

DerTmi«s"-KovreWondowt bemenft dazu, es märe überraschend, wenn Dr. Schacht in seiner heutigen Unterredung mit bem Präsidenten und anderen Führern der ammtmitidjen Regierung nicht auf dasselbe Thema nach näher e'mgiuge. Der Besuch Schachts sei aber nicht erst notwendig ge-

anlage wieder in Ordnung zu bringen. Rettungs- kolonnen sind eingefahren. Es besteht Hoffnung, daß auf der tieferen Sohle niemand gefährdet ist. Die Zahl der Toten und Verletzten ist nach Lage der Dinge zurzeit nicht feststellbar. Die Belegschaften der Nachbargruben sind aus Sicherheitsgründen so­fort nach dem Unglück herausgezogen worden.

Aachen, 21. Okt. Bis 10.30 Uhr waren von den bei der schweren Grubenkalastrophe Betroffe­nen etwa 50 Tote und Verletzte gebor­gen. Diè Trümmer des Förderturmes sind jetzt zum kleinen Teil beseitigt, jedoch ist der Zugang zu Dem Ungtücksschachk noch nicht ganz freigelegt. Mit

m>, âMj^MMMtztzâe LiUgLMtoMneu Berg­leuten besteht noch lelephonifchc Verbindung. Die Verschütteten haben sich als noch lebend gemeldet. Das technische Büro, das ebenfalls einstürzke, Hal alle darin befindlichen Angestellten unser sich begra­ben. Von diesen sind drei tot und mehrere verletzt worden.

wessen, um die finanziellen Machthaber der Ver- einigten Staaten davon zu überzeugen,

daß die Ereignisse einer Krisis zutreiben, und zwar einer Krise, die größere Hilfsmaßnahmen erforderlich mache als nur das Notmittel eines Moratoriums.

Der GolLahfluß aus Europa nach den Ver- einiglen Staaten und Frankreich unit) die damit verbundene Immobilisierung »der Goldvorräte be­reite Newyork und Washington große Sorge. Die führenden Bankiers machten aus ihren Befürchtun­gen keinen Hohl, daß dieser Gang der Dinge eine allzugroße Belastung für das internationale System der Goldwährung bedeute. Die Entwicklung der amerikanischen Politik, so schließt der Newyorker Korrespondent seine Betrachtung, werde jedoch nicht von den Finanzleuten allein, sondern hauptsächlich durch die Po litiker bestimmt.

DeMchland muh geholfen tvevden!

Newyork, 20. Ost. Der Abgeordnete Mac Fadden, der Vorsitzende des Ausschusses für Bankwesen und Währu'ngsangelegeNheiten im Re­präsentantenhaus, gab heute in einem Interview mit einem Vertreter der Newyork Daily Investment News wichtige Erklärungen über Deutschlands Wirlschastslage und das Repavati onsproblem ab.

Deutschland ' sieht sich einer ernsten Wirt­schaftskrise gegenüber, betonte Fadden,und es muß unverzüglich etwas geschehen, um

Deutschlands Lage zu erleichtern".

Es ist jetzt an der Zeit, m aller Offenheit das Re­pa rationsprMem zu erörtern. Anleihen auslän­discher Banken zur Tilgung früherer Verschuldun­gen Deutschlands sind eine offensichtliche Hinaus - schiârng einer. Lösung des Reparattonsproblams.

(Fortsetzung aus Sette 2)

Das Echo dev Keichs- tagswochek« Svankvekb

Die ziemlich erhebliche Mehrheit, die im Reichstag bei der entscheidenden Abstimmung einen Sturz des Kabinetts Brüning verhin­dert hat, ist auf die französische Oesfenlichkeit nicht ohne Eindruck geblieben. Man glaubt auch in Paris nicht mehr an unmittelbare Ge­fahr, daß die Reichsregierung von der Oppo­sition. überrannt wird. Im großen und gan­zen ist aber doch unverkennbar, daß die Er­eignisse der ersten Woche, die der neugewählte Reichstag durchlebt hat, eine gewisse Beun­ruhigung in Frankreich hervorgerusen haben. Die Organe der Linken gehen mit der Regie­rungserklärung im großen und ganzen glimps- lich um. Sie heben hervor, daß der Reichs­kanzler keine unmittelbare Revision des Poungplanes verlangt habe, und sie folgern daraus, daß der Reichskanzler Brüning die Außenpolitik der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten nicht zu der feinen mache. Indessen klingt auch durch diese Kommentare die besorgte Frage durch, ob der Kanzler Brüning auf die Dauer imstande sein werde, den Einfluß der Nationalsozialisten auf die

Politik

Rechten halten sich nicht lange mit der Bor- rede auf, sondern prophezeien eine verhältnis­mäßig rasche Entwicklung der deutschen Regie- rungsoerhältnisse zu einer Diktatur, die nach ihrer Ansicht der nationalsozialistischen Strömung Rechnung tragen wird.

Man braucht in Deutschland auf diese Kundgebungen dèr französischen öffentlichen Meinung an sich nicht viel Wert zu legen. Die französische Linke übt keinerlei Einfluß auf den Kurs der französischen Außenpolitik aus. Es ist also nicht sehr bedeutungsvoll, was ihre Presse zur innerpolitischen Lage in Deutschland zu sagen weiß. Und die Presse der französischen Rechten hat es bisher noch immer verstanden, auch aus der reinsten Honigblüte der deutschen Politik Gift zu saugen. Man wird sich mit den Aeußerungen der französischen öffentlichen Meinung nur zu beschäftigen haben, weil sie für die Geistesverfassung, die sogenannte Men­talität der Franzosen, bezeichnend sind. In Deutschland weiß man genügsam, wie teuer der Abzug der Franzosen aus dem Rheinlands erkauft werden mußte. Es kann auch keinem Zweifel unterliegen, daß die Franzosen ein sehr schlechtes Andenken in dem von ihnen be­setzten Gebiete hinterlassen haben. In Frank­reich aber glaubte man mit der Zurückziehung der Besetzungstruppen ein edles und selbstloses Werk getan zu haben. Man betrachtete die Preisgabe des Rheinlandes als ein Opfer zum Besten der Völkerversöhnung. Man glaubte Anspruch auf Dank und Anerkennung zu be­sitzen und nimmt deshalb an der Erstarkung dèr nationalsozialistischen Bewegung, die in der ersten Woche des neuen Reichstages einen so lärmenden Ausdruck gefunden hat, erheblichen Anstoß. Es ist für den französischen Dünkel vielleicht nichts bezeichnender, als diese Reak­tion auf das Anwachsen der nationalsozialisti- schen Volksbewegung. Trotz der brutalen Ge­walt- und Rachepolitik, die man jahrelang gegen Deutschland getrieben hat, glaubt man sich noch Dank und Anerkennung verdient zu haben. Es ist selbstverständlich, daß für eine derartige Gedanken- und Gefühlseinstellung auch die Regierungserklärung eine Ent­täuschung bedeutet.

Wie dem auch sei man muß mit dieser französischen Volksstimmung rechnen und ferner auch damit, daß die Stimmung von den französischen Parteien der Rechten für ihre Zwecke ausgenutzt wird. Nach dieser Richtung ist ein Artikel außerordentlich bezeichnend, den die bekannte ZeitschriftRevue des deux mon- des" in ihrer letzten Ausgabe veröffentlicht. Der Artikel ist nur mit drei Sternen gezeichnet,

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