Sette 8
Montag, den 13. Oktober 1930
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wenn ich das große Los gewänne
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In der Zeitung hat gestanden, daß wieder einmal Lotterieziehung gewesen ist, und daß der Hauptgewinn einem — Schulkinde zugefallen ist, dem ein Patenonkel, halb im Scherz, das glückbringende Stückchen Papier mit der Gewinnummer auf den Geburtstagsteller gelegt hatte. Und weil gerade einmal wieder ein Klassenaufsatz fällig ist, so hat die Lehrerin mit den Kindern über diesen eigenartigen Fall gesprochen und hat gemeint: I „Was würdet Ihr tun, wenn Euch nun einmal plötzlich, wie jenem Kinde, ein beträchtliches Ber- : mögen zufiele? Das möchte ich doch gar zu gern : wissen, darum schreibt mir doch mal Eure Meinung : darüber auf!"
Das Thema hat „eingeschlagen", und nun beugt sich die Lehrerin in der Stille ihres Arbeitszimmers über die Aufsatzhefte und erfährt, wie sich ihre 25 Schäflein die Sache denken. Zuerst die Mädchen, das interessiert sie naturgemäß besonders — aber auch die Buben ihrer kleinen Landschulklasie haben allerlei über diese so lockende Vorstellung von sich gegeben — und es ist aufschlußreich zu beobachten, wie verschieden die Geschlechter auf die gleiche Frage antworten.
Bei den Mädchen kommt, immer noch, trotz aller
Rede . . . Was man sich anschaffen werde, wie man dann leben werde, ja, eine dieser jungen Schriftstellerinnen erklärt nüchtern-frühreif, wenn sie das große Los gewänne, so sei sie „eine gute Partie" und könne einen seinen Herrn heiraten, auch werde sie dann eine „gnädige Frau" sein und immer nur ihren Leuten befehlen können, anstatt alles selber tun zu müssen . . . Armes Kind, dem man das Heiraten im Sinne eines Kaufgeschäftes geschildert hat, und bedauernswerte Mutter, die ihrer Tochter keine andere Auffassung von der Ehe beizubringen wußte, als daß diese die möglichst glänzende, von allen Pflichten befreite „Versorgung" sei.
Aber Gott sei Dank, diese jungen Materiali-
[tinnen finö in der Minde! schon in einem der nächsten
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; „neuen Sachlichkeit", trotz aller „vernunftmäßigen" ■ Erziehung von heute in erster Linie das Gefühls- ' Moment zum Ausdruck. Eine freilich fchlidert zuerst, was sie sich alles an schönen Kleidern kaufen würde, wenn sie das viele Geld gewänne, wie sie sich einen Bubikopf schneiden lassen würde, und wie dieser alle Tage onduliert werden müsse, damit er so aussähe, wie der des Fräuleins aus der Stadt, das diesen Sommer bei ihnen gewohnt hat. Eine andere zählt auf, was für Schmuckstücke sie sich anschaffen würde und findet besonders Freude daran, sich auszumalen, wie die Nachbarschaft vor Neid platzen würde, wenn die glückliche Gewinnerin und die Ihren nunmehr alle Tage, aufs feinste gekleidet, im eigenen Auto spazierenfahren würden. Immerhin sind doch auch diese beiden Oberflächlichsten nicht ganz so oberflächlich, wie es zunächst aussieht, denn es ist ihnen allen beiden ohne weiteres selbstverständlich, daß sie die Ihren an dem goldenen Segen ausgiebigst teilnehmen lassen werden. Diese Freude des Schenkens und andere am eigenen Glück Teilnehmenlafsens findet sich schon sehr viel klarer ausgedrückt in den folgenden Aufsätzen. In fast allen heißt es, daß die Mutter dann nicht mehr auf Arbeit gehen dürfe, ja, daß sie sich natürlich sofort eine Hilfe für den Haushalt nehmen müsse und keine anstrengende Hausarbeit mehr ausüben solle. Eine Schülerin erklärt sogar kurz und bündig, daß der Vater dann keinen Tag länger mehr ins nahegelegene Bergwerk fahren solle, sondern sich ein Häusel kaufen müsse mit so viel Land dazu, daß sie davon leben könnten, und daß er dann mieöer Bauer werden müsse, wie seine Vorfahren... Die Sehnsucht der Eltern nach der eigenen Scholle klingt hier in den Phantasien des Kindes wieder, ebenso wie die uralte deutsche Wandersehnsucht sich in den Schilderungen einer anderen Schülerin ausprägt. „Wenn ich das große Los gewänne", so schreibt sie, „so würde ich zu allererst eine Reise um die Welt machen und alle I die fernen, fremden Länder sehen, die mein Vater m seinen Iügendfahrën auch gesehen hat". ." Kann man es sich nicht bei diesen Worten so deutlich vor- stellen, wie in dieser Familie vielleicht abends alles um den Tisch sitzt und dem Vater zuhört, wie er von seinen Reisen erzählt oder auch Reisebeschreibungen vorliest und zugleich die eigene Schau- und Reiselust auch in die empfänglichen Gemüter der Kinder pflanzt?
Uebechaupt gewinnt man vielleicht nie klarere Einblicke in die Denkungsweise, die Atmosphäre, in der ein Kind daheim aufwächst, als durch solche Fragen: „Was würdest du tun, wenn du plötzlich reich würdest?" Die Lehrerin schüttelt den Kopf beim Durchfliegen einiger Aufsatzhefte, denn da ist nur von der grobmateriellen Seite der Frage die
des echten Weibes zum Ausdruck: „Wenn ich das große Los gewänne", so schreibt eine 14jährige, „so würde ich zu allererst mal unseren Rudi studieren lassen, denn das wünscht er sich von ganzem Herzen, und die Eltern könnens nicht . . ." Hierauf folgt dann freilich auch eine Aufzählung von allerlei langersehnten Herrlichkeiten, die die Schreiberin erwerben möchte, aber dafür ist sie ja schließlich auch noch ein Kind, und noch dazu ein Kind, in dem die zukünftige Evastochter steckt. Was ist natürlicher, als daß Eva sich schmücken möchte, wenn sie sichs eben leisten kann!
Und nun die Knaben ... In ihren Plänen und
Phantasien, was sie tun würden.
wenn
fie das große Los gewännen, ift zweierlei immer wiederkehrend und ein charakteristischer Gegensatz zur Einstellung der Mädchen: Von sämtlichen Schreibern kommt auch nicht einer auf den Gedanken, die goldene Fülle einfach zu verbrauchen, d. h. sich mit ihrer Hilfe sozusagen einen mehr oder weniger tadellosen, oder richtiger gesagt, einem berufslosen Wohlleben zuzuwenden, wie dieser Wunsch doch ziemlich ausgeprägt in den Aussätzen der Mädchen zum Ausdruck kommt. Natürlich findet sich auch bei den Knaben die Aufzählung von aller» lei Herrlichkeiten, die sie sich im Falle ihres Gewinnes „leisten" würden, und zwar sind diese Herr- lichkeiten überwiegeud — wieder ein charakteristischer Gegensatz zu den Mädchen — gastronomischer Art. „Wenn ich das große Los gewänne, dürfte mir meine Mutter nie mehr Schmalzstullen mit in dis Schule geben, und jeden Sonntag gäbe es Schweinebraten!" so formuliert einer — immer noch bescheiden genug — seinen Begriff vom „Luxus", der durch den Gewinn für ihn erreichbar würde. Aber schon in den nächsten Heften kommen noch andere Wünsche und Ziele zum Ausdruck. Den meisten natürlich rückt sofort das eigene Auto, das Flugzeug und ähnliches in die Nähe der Wirklichkeit; den Handwerkssöhnen schwebt ein eigener, mit allen Errungenschaften der Neuzeit ausgestatteter Betrieb als lockendes Ziel vor, den Kinidern, deren Eltern ländlichen Grundbesitz haben, die Vermehrung der eigenen Scholle. Nach eigenem Haus und Hof sehnen sich überhaupt alle, wohl ebenfalls ein Echo der Familiengespräche. Und — ein gutes Zeichen dafür, daß das Zeitalter des Materialismus und Egoismus doch noch nicht alle Jugend angekränkelt hat — es fehlen auch nickst Le Pläne, wie man die Eltern später zu sich nehmenunSverjorgen wolle^^ällns ein ganz „Reaktionärer" schreibt: „Wenn ich das große Los gewänne, dürften meine Schwestern nicht in den Dienst, ins Büro oder in die Fabrik gehen. Ich würde mir ein großes Gut kaufen, wo sie mir alle helfen könnten, bis sie sich verheiraten!" —
Das letzte Heft ist durchgelesen, und sinnend sieht die Lehrerin ins Weite . . . Soviel Aufsätze, soviel Einblicke in Kinderseelen, ihre Wünsche und Ziele . . Es wird darauf ankommen, ihnen nun klar zu machen, daß wir das „große Los" in uns selber tragen, und daß Glück und Erfolg vor allem aber innerer Reichtum und innere Befriedigung auch auf anderem Wege zu erreichen sind, als durch den Griff in Fortunas Säckel! Wird ihr das gelingen?
Suppe, Rizinusöl und Codein. Am nächsten Mor» gen saß der Affe in der Sonne und hielt beide Hände an die linke Wange. Als ich nähertrat, bemerkte ich zu meinem Erstaunen, daß Dick die linke Gesichtshälste mit nassem Lehm beschmiert hatte, mit beiden Händen einen großen Klumpen Lehm Eden linken Unterkiefer preßte und auch den ) damit gefüllt hatte. Er blickte mich traurig an, sah suchend auf meine Hände und begann zu sprechen, wobei ihm der Lehm über die Unterlippe glitt. Dabei erkannte ich, daß seine linke Gesichtshälfte geschwollen war. Dick hatte ein arges Zahngeschwür und kurierte sich ganz allein mit kaltem Lehm. Drei Tage später zog er sich selbst den kranken Zahn, brachte ihn mir freudestahlend und war wieder guter Laune. Der Affe vertrieb sich stets die Zeit damit, die Gebrechen der anderen Tiere zu erkunden. Er erkannte zuerst, daß ein elternloses Orangkind sehr krank sei. Es war Tuberkulose. Dick schleppte den Kleinen den ganzen Tag, wie eine Affenmutter, mit sich herum. Nachdem er beobachtet hatte, wie der Patient dreimal täglich Medizin erhielt, suchte er der Medizinflasche habhaft zu werden. In seinem Uebereifer erwischte er eines Tages die Kreolinflasche, und da er wohl der Ansicht war, alles,-was sich in Flaschen befand, müsse für den Freund heilsam sein, öffnete er gewaltsam den Mund des Kleinen und goß ihm das ätzende Desinfektionsmittel in den Hals. Eine Stunde später hatte das Opfer ausgelitten. Merkwürdigerweise erriet Dick auch, wenn einer der Pfleger oder ich erkrankte. Er war dann derart aufmerksam, daß man ihn gewaltsam wegbringen mußte.
Gedankensplitter.
Don (Emilie Merker-Zwingenberg.
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„Siege Dich nicht auf!" sagen die Menschen gern, während sie dir das Hertz aus dem Leibe reißen.
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Tiere der Wildnis als Aerzte. — Kammerjäger Madenhacker. — Das Schlammbad der Büffel. — Die der Gibbon Wunden heilt. — Medizinische
Künste eines Menschenaffen.
Auch Tiere werden krank, nur sind die Ursachen anderer Art als bei Menschen. Ungewohnte, zu müdrige Temperaturen setzen Tieren schon in den gemäßigten Zonen scharf zu. Der Frost schlägt sich auf Magen und Nieren. In den Tropen sind es hauptsächlich die Parasiten, die sich in den Körper- öffnungen festsetzen und ins Innere des Tieres wandern. Auch beim Tier können also die inneren Organe angegriffen sein; es kann sogar vom Mutterleib ßeüten mit übernehmen. Diese so belasteten Wesen gehen bald ein. Viele Tiermütter fressen nicht lebensfähige Junge auf oder lassen sie verhungern; das geheimnisvolle Wissen der Kreatur zwingt sie zu solchem Tun. Die Tiermutter, oft auch der Vater, erkennt, daß das Junge dem Kampf ums Dasein nicht standhalten kann. Es ist hier, als hätte die Natur dem Tier eine Gabe verliehen, die dem Menschen mangelt.
Alle T^ere der Wildnis sind mit Parasiten behaftet, die selbst wieder unter noch kleineren Quäl-. geistern zu leiden haben. So sitzen auf der großen afrikanischen Baumwanze ganz kleine, dem Auge fast unsichtbare Läuse. In der afrikanischen Steppe, auf dem Nil und anderen Binnengewässern sieht man stets auf dem Rücken der Tiere kleine oder größere Vögel, die emsig beschäftigt sind, die auf unb in der Haut ihrer Gastwirte sich herumtretben- den Insekten, Maden, Läuse, Flöhe, Holzböcke und Zecken zu verzehren. Der kleine und große Madenhacker verhütet dadurch das Ueberhandnehmen des Ungeziefers Diesen seltsamen Vogel verbindet eine innige Freundschaft mit vielen großen Säugetieren Afrikas. „Auf Nilpferden, Nashörnern, Büffeln, Kamelen, Zebras, Pferden und anderen großen Stöppentieren", so schreibt Joseph Belmont in feinem höchst lesenswerten, soeben im Schliessen-Verlag zu Berlin erschienenen Buch „Zwanzig Jahre Großtier-Fang", „beobachtete ich den Madenhacker, auch als Hochtouristen auf Giraffen sah ich ihn hcrum- fuchen. Den Elefanten meidet er im allgemeinen. Tiere, die den Vogel nicht kennen, erschrecken, wenn er sich auf ihrem Rücken msderläßt. Bald aber er» kennen die Pferde und Zugtiere, welchen Freund- fchaftÄ'enst ihnen die Madenhacker leisten. Dann nehmen sie es sogar hin, daß die Vögel mit dein Schnäbel die Haut des Gastwirtes spalten und die darunterfitzenden, sich «insressenLen Insekten hera-us-
holen und verzehren. Wären die Madenhacker nicht, würden sie plötzlich aussterben, so brächen unter all Den Lebewesen, die sich von den Quälgeistern be- reien, Hautkrankheiten und Seuchen aus, die eine Ausrottung vieler Tiergattungen zur Folge hätten. Es ist erwiesen, daß die Zecken und Holzböcke Gift für die Ekzemmikroben sind. Nimmt jedoch die Milbe überhand, verlassen alle anderen Quälgeister die verseuchte Haut. Madenhacker meiden räude- kranke Herden. Sofort überfallen Fliogenschwärme die Leidenden und bringen sie zur Raserei.
Ich habe Büffelherden beobachtet, die vollständig von der Räude verseucht waren. Die armen Tierè, an großen Stellen der Haut von Haaren völlig entblößt, mit Schorf und eiternden Geschwüren bedeckt, waren völlig abgemagert; die Knochen standen spitz aus der zerfressenden Haut heraus. Ich verfolgte die Herde und sah zu meinem Erstaunen, daß die kranken Tiere anderen, gesunden Herden auswichen. Einmal beobachtete ich, wie die kranken Büffel beim Heranflug von Madöhackern plötzlich Halt machten und mit gesenkten Köpfen erwartungsvoll dastanden. Sicher hofften sie, daß sich die Vögel auf ihrem Körper niederlassen, um sie von ihren Quälgeistern zu erlösen. Zehn Tage folgte ich der kranken Herde, dann erreichte sie einen See, der ein äußerst schlammiges Ufer belaß. Diese Tiere, deren Beschäftigung im gesunden Zustand ausschließlich aus Fressen, Wiederkauen und Dausen bestand, fraßen jetzt viel weniger, wühlten sich m den Schlamm ein und standen stundenlang bis zum Hals im Wasser. Als ich dreieinhalb Wochen später einen der Büffel einfing, konnte ich sehen, baß die räudekranken Stellen neuen Haarwuchs erhielten und nur am Halse sich noch Schorf zeigte; die Maden waren fast gänzlich verschwunden, saßen nur noch auf Hals und Nacken. Neugierig geworden, wollte ich sehen, ob die Tiere ihre Kur — denn nur um eine solche konnte es sich handeln — abdrachen, oder ob sie den Mikroben vom Halse aus neue Gelegenheit gaben, sich wieder über den Körper zu verbreiten. Einige Tage später fraßen die Büffel noch weniger und brachten die meiste Zeit im Wasser zu. Ich konnte bemerken, wie sie zusehends abmagerten und entdeckte plötzlich, daß sie sich oftmals mit dem Halse in ihrem Kot walzten, und sich dort allmählich eine ansehnliche Krause ansetzte. Einem Bullen, den ich, als er mich angriff, schoß, ließ ich die dicke, hartgewordene Kruste vom Nacken abwaschen und sah, day diese etwas eigenartige Salbe einen geradezu großartigen Erfolg gezeigt hatte Nicht die kleinste wunde Stelle war mehr zu finden. Es ist für mich erwie-
sen, daß die Büffel das Schlammbad im sicheren Bewußtsein, dort Heilung zu finden, ausgesucht haben.
Einmal fing ich einen ganz kapitalen Gibbon. Das Tier war bald zahm, und bei näherer Untersuchung merkte ich, daß es an der rechten Körperseite, in der Höhe der Mittelrippe, eine ziemlich große Beule hatte. Bei Betastung und Drücken zeigte der Affe keinerlei Schmerzempfinden. Da die Erhöhung ein Schönheitsfehler war und den Wert des Tieres beeinträchtigte, beschloß ich, die Talggeschwulst — denn für .eine solche hielt ich das
S— zu entfernen. Bobby, so hatte ich den chenasfen getauft, wurde narkotisiert, die zu operierende Stelle rasiert, und nun bemerkte ich erst eine längst überwachsene, verschrumpfte Narbe von 6 bis 7 Zentimeter Länge. Ich öffnete mit einem Schnitt die Epidermis und war eben er» staunt, daß weder Talggeschwulst noch Eiter darunter war; dafür fand ich einen Klumpen festen, faserigen, gänzlich undefinierbaren Stoffs, zu einer Kugel zufammengeballt. Darunter war die Haut dünn und rosig und zeigte eine vernarbte Zickzackwunde. Die von meinem Messer herrührende Wunde wusch und vernähte ich sorgfältig, und Bobby war nach einigen Tagen wieder wohlauf. Die chemische Untersuchung des Ballens ergab, daß er aus gründlich verlauten jungen Blättern des indischen Weihrauchbaumes bestand. Warum hat der Gibbon, der sich im Kampf oder sonstwie die große Wunde gerissen hatte, gerade nun die jungen Blätter dieser Pflanze, die er wegen ihres sehr bitteren Geschmackes sonst nicht frißt, zerkaut und in die Wunde gestopft? Sicherlich hat er von der Heilkraft dieser Pflanze gewußt, denn auch die Eingeborenen benutzen sie bei Verwundungen.
Auf Borneo fing ich einen Orang-Utan- der sich in Gefangenschaft als ein ausgezeichneter Arzt erwies. Wenn sich im Käfig eine Beißerei zugetragen hatte, betätigte sich Dick mit besonderer Vorliebe als Doktor. Er machte sich an verwundete Affen, sogar an kleine Bären, wusch ihre Wunden mit seiner Zunge und nassen Blättern von der Betelnuß, obwohl kaum anzunehmen ist, daß er etwas von der Wirkung der Betelnußblätter auf Wunden wußte. Welch guter Arzt Dick durch seinen Instinkt war, zeigt folgender Vorfall. Eines Tages erkrankte er; sein Puls ging sehr unregelmäßig, und die Hand war sehr heiß. „Was fehlt dir, Dick", fragte ich, und als ob er verstanden hätte, öffnete er den Mund. Es war nichts zu sehen. Dick bekam
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