Nr. 239
Samstag, den 11. Oktober 1930
. Seife 3
Stadt Sana»
»Ei» dir sau«
! Unter dieser Überschrift brachten wir anfangs W einen Bericht über eine Verhandlung vor I» hiesigen Schöffengericht, in der sich zwei iKhrige Wohftahrtsempfänger wegen Körperver- I dpng zu verantworten hatten. Der Tatbestand I oar folgender: Am 17. März besuchte der Geschäfts- I Hier des hiesigen Metallarbeiterverbandes in Be- I -leitung des Geschäftsführers der „Bolksstdmme" I iai Friedhof, um einen Grabstein für die letzte I Mhsstätte seines verstorbenen Vaters auszu- I fchen. Aus einer Gruppe der auf dem Friedhof I s-chirftigcen Kurzarbeiter erscholl beim Vovüber- I jenen der beiden Passanten der Ruf: „Ihr Stro- I mer!" Dieser Ruf wird erklärlich, wenn man in I Macht zieht, daß die dort Beschäftigten über- I wiegend zur kommunistischen Partei gehörten, der I Uchäftsführer des Metallarbeiteroerbandes früher IM Führer dieser politischen Partei war und I m ungefähr 2 Jahren zur sozialdemokratischen I Mei übertrat. Als die beiden Besucher des Fried- I Hofes daraufhin den Vorarbeiter ersuchten, den I Kmen des Rufers feftzustellen, kam letzterer mit I [einer Schippe herbeigeeilt und geriet auch gleich IM dem Geschäftsführer der „Dolksstimme" in I eine Schlägerei. Richt genug damft, ergriff er die I jur Erde geworfene Schippe und stürzte sich auch I nur dessen Begleiter, den verhaßten früheren I kommunistischen Führer. Nur durch schnelles Bor«
■ riirtsspringen konnte dieser der Wucht des I Schlages entgehen. Er wurde nur von dem I Schippenstel an Kopf unld Schulter getroffen. I Ser Angreifer versetzte dem Ueberlfallensn dann noch verschiedene Faustschläge in das Gesicht, so daß dieser aus Mund und Rafe blutete. Der I zweite Angeklagte soll den Gefährten des Miß- hwdelten. der zur Hilife eilen wollte, am Sin« greifen verhindert haben. Die Verhandlung vor dem l Schöffengericht endete damals mit der Verurteilung des Hauptattentäters, eines einschlägig schon mehrfach vorbestraften Menschen, zu zwei Monaten Wngn's, während der Komplize mit 30 Mark Mistrale davon kam. Gestern stand diese uner« I seitliche Angelegenheit vor der Strafkammer als Berufungsinstanz erneut zur Verhandlung. Wie schon vor dem Schöffengericht, so auch in der gest- chen Verhandlung verteidigten sich der Haupt- ongeklagte damit, daß der Ruf: „Ihr Stromer!" richt den beiden Besuchern des Friedhofes gegolten habe, sondern den eigenen Arbeitskollegen, die ihm den Tabak ausgeführt hätten. Nicht er, sondern die beiden Besucher seien die Angreifer gewesen, so behauptete der Angeklagte weiter. Der Mite Angeklagte will erst dazu gekommen sein, als der Schlag mit der Schippe bereits geführt war und nur in der Absicht, um seinen Kollegen von seinem Opfer zu trennen. Von den beiden Mißhandelten wurde der Vorgang dagegen wie in her Vorinstanz geschildert. Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte. der Vertreter der An- klagebchörde Verwerfung der Berufung. Das Ur= teil lautste unter Aufhebung des schöffsngericht- lichen Urteils gegen den der Mithilfe Bezichtigten auf Freisprechung, während der Hauptanasklagte ft einem Monat' Gefängnis verurteilt wurde. Die Zeugenaussagen waren nach Ansicht des Gerichtes ft widersprechend, um das erste Urteil aufrecht aage^u sönnen. t .
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I * Schloßgarkenkonzerk. Der Hanauer Orchester- 'rein spielt am Sonntag, 12. Oktober, 11.15 Uhr, <i Schloßgarten folgende Konzertstücke: Marsch: es war ein Knabe gezogen", von C. Zimmer; Ouvertüre „V'vat Aoädsmia", von C. Zimmer;
■3er „Rosen aus dem Süden" von Strauß; Mariische Tänze Nr. 5 und 6 von Brahms; Fan- „Traviata" von Verdi; Marsch „The Liberty von I. P. Sousa.
j * Der Gesangverein Sumset veranstaltet heute »bènd 8 Uhr in der „Centralhalle" einen Liederabend, verbunden mit Jubilarehrung und Stiftungsfest des Jugendbundes unter Mitwirkung der Feuerwehrkapeile, Leiter Herr Otto Lohrey. Ein gutes Programm ist ausgestellt. Nach den Vorträgen findet Tanz statt.
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Von Paul Oskar Höcker
Copyright 1930 by August Scherl G. m. b, H., Berlin.
9- Sortierung.
(Nachdruck verboten.)
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^ ^» ^. „Na, hat sie also doch gleich Ersatz ge- Mden, die Olle. Wieviel kriegen Sie? — Jotte- N, Sie haben keine Kommode? Bloß ’n Schließ- hrb? Hoben Sie noch keine Wanzen? Na, ich wein man bloß! Die Alte hat schon dreimal ge« trugt. Sie müssen Jnädige auf ihr sagen. Haben be Wäsche mit übernommen? Na, Sie werden ^auKöre staunen. Er, Oer Alde, ist ein bißchen zudringlich, aber er läßt was springen, wenn er im Mumm ist Vor Klenke, dem Mieter, der vorn den vMratemgang hat, da müssen Sie sich in ÄH Wa- der für Weiber oft mitbringt, ut schon eine Schande. Hänisch, der Sd'.efbruder °tt Jnäd gen, der ist ungefährlich. Aber ein ge> ^s Aas — au Backe, fast noch schlimmer "r“ sie Oll«. — Da kommen schon die Goren
Anen bekucken!" — Ein Mädel von fünfzehn, em Atze Don vierzehn liefen den langen dunklen Arridor her und hin, rissen dann weiter vorn die zum großen Berliner Eßzimmer auf und ne- sn aufgeregt: „Mutta, die Neue ist da. "~:uf * 'st wie eine ferne Dame! Und Bubikopf hat . auch, ganz wie du, Mutda!" — 2ch rechn« re
dem Gemüsemann ab und meldete mich bei ^ner Herrin. „Wie heißen Sie eigentlich? fragte Mu Petriakeit und drehte das Formular, das Frau JWat ausgefüllt hatte, in den Händen, „wie "^en Sie gerufen?" Ich nannte meinen Vor- >n. Nun lächelt« Frau Petrigkeit überlegen.
mein liebes Kind, da lachen fa die Hühner, ^"n ich Sie Dolores nenne. Sie heißen bei mir Ä einfach Minna. Ist es Ihnen recht?' Nastu - war ich mut der Taufe einverstanden. Und 1v ?trde ich denn bei Herrn Petrigkeit, bei den Kin- Mt und d«n beiden Mietern als frischgebackene ^^na in meinen Dienst eingeiührt.
.Ser Familienanschluß, den mir Frau Petng- A bei der Mietsfrau in Aussicht gestellt hatte, doch ganz seltsame Rückschlüsse auf die Be- We von'Familienleben zu, die in diesem Hause ssAchen mögen. Anna, die Köchin, freute sich bte« über meinen „Reinfall"; sie patschte sich mi- Menlyng krachend vor Lachen auf die breiten
Dev Wochenmav«
Wochenmarkt bedeutet ein besonderes Kapitel im Leben der Hausfrau, dem scheinbar auch der allergrößte und einschneidenste Wandel der Zeiten und Verhältnisse nichts anhaben kann. Höchstens ein eingefleischter Junggeselle wird über diese un« umstößliche Tatsachenfeststellung ein mitleidiges Lächeln riskieren, dieweil wir Ehemänner uns längst von der Wichtigkeit dieses Tages überzeugen konnten oder notgedrungen mußten.
Ein förmliches Fieber hat um die Mitte und das Ende einer jeden Woche unsere bessere Hälfte gepackt. Markttasche und Geldbörse sind schon am Vorabend in Bereitschaft gelegt, eine voll« Stunde früher wird aus den Federn geschlüpft, schnell noch die letzte ordnende Hand im Haushalt angelegt, Mann und Kinder förmlich hinausbugsiert und dann gehts los. Auf in den Kampf, so heißt die allgemeine Hausfrauen-Parole an jenen beiden Tagen der Woche, an denen das weite Viereck des Marktplatzes bevölkert ist von ehrsamen und zungenfertigen Vertreterinnen einer unaussterblichen Zunft.
Ein Orientierungsgang durch di« Reihen der Gemüse- unix Dbjqtänöe, Buller, uno Eiertorbe, Fleisch- und Backwarenbuden bildet die Ouvertüre. Vertraute Klänge treffen das Ohr. Worte der Begrüßung und des Anpreisens hallen nur so durch die duftgeschwängerten Lüfte. Prüfend beugen sich Köpfe über die angebotenen Herrlichkeiten, wägend tasten Hände und schnuppernd recken sich Nasenflügel. Es sind dies mit die wichtigsten Augenblicke an jedem Markttag, denn zu jedem erfolgreichen Feldzug gehört vorweg ein richtiger Orientierungsplan. Planmäßig und gründlich wird das Gelände sondiert, einzelne Stützpunkte vorgemerkt und zwischendurch ein kleines Schwätzchen da und dort riskiert. Langsam verrinnt die Zeit und der große Moment naht, an dem erstmalig der Griff ins Portemonnaie riskiert wird. Die Zeiten sind schwer, Sparen ist die allgemeine Losung, die jede gute Hausfrau nach Gebühr zu beobachten hat. Lediglich
Schenkel. „Weil der Edu, der Lausebengel, jetzt schon so groß und zu frech ist, als daß er mit seiner Schwester noch zusammen in einem Zimmer schlafen soll — er ist eine ganz rüdige Bolle geworden —, da haben sie ihn auf den Hängeboden gestoppt. Und darum steckt man Ihns in Kinderzimmer. Aber der Junge hat noch immer seine Schulsachen dort, seine 'weißen Mäuse und sein Handwerkszeug, und wenn Sie sich gerade ausziehen, dann kommt er mit Fleiß herein, und schließen Sie ab, dann muckscht die Alte und meint, Sie hätten Geheimnisse. Und die kleine Griebe, die Rose, die hat der Mile einmal Brausepulver in den Nachttopf geschütt't. Und so was nennt die Jnädige Famiüenanschluß. Die Rose hat's hinter den Ohren. Noch nicht konfirmiert, aber einen Freund hat sie schon angeschafst, feste. Mit dem geht sie ins Kino. Und wo die Eltern nicht zu Hause warèn, neulich, da hab' ich die beiden im kleinen Zimmer überrascht. Aber die Rose hat mir hernach vier Mark suffzig gegeben — dreie waren von ihrem Freund —, damit ich bloß den Mund halte:"
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Hier erst habe ich die Hausarbeit so richtig als Beruf einschätzen und hochachten gelernt. Mit dem Schuhputzen und Kleiderreinigen fängt der Dienst an, und es handelt sich alle Morgen um eine Stiefelparade für vier Erwachsene und zwei Halberwachsene —, in fünf Zimmern sind Kachelöfen zu heizen, Betten zu machen, Waschtische zu säubern, Teppiche, Regale, Vorhänge mit dem Staubsauger zu bearbeiten —, das Unerfreuliche an dieser Vormittagsarbeit ist die ständige Unterbrechung: es klingelt am Telephon oder im Entree. Oder: „Ach, Minna, springen Sie mal rasch hinunter, Bolle kommt und die Anna ist noch nicht vom Markt zurück! — Minna, Sie müssen schnell zur Post und das Eilpaket aufgeben! — Minna, laufen Sie doch eben in den Zigarrenladen und rufen Sie beim Amt an, Störungsstelle, es meldet sich niemand! — Ach, Minna, nun sind Sie schon wieder im Rückstand und sollten mir doch heute um zwölf Uhr die Fuchsboa vom Kürschner abholen, ich kann doch nicht ganz ohne Pelz zum Tee gehen, was denken sich sonst die Damen!" — Und diese Berge von Wäsche! — Anna lacht mich aus. Sie war mir von Anfangan nicht so recht gewogen. Ich arbeite ihr zuviel. Das sei kein Korpsgeist meint sie. Im ganzen Hause hat sie mich
verpetzt. Die kleine Blonde stellte mich am Milchwagen vor einem halben Dutzend anderer zur Rede. Ich verdürbe allen die Preise. Ob ich etwas Befseres sein wollte? Dann sollt' ich's doch gleich als Wirtschafterin versuchen, in einem recht großen Haushalt, als Antreiberin, nur ja immer auf feiten der Herrschaft, dann könnte ich mich aber oorsehen. Empört erzählte eine Köchin, die bei reichen Leuten in Stellung ist, ihre Gnädige habe beim Frühkaffee zu ihrem Mann gesagt: Dienstboten seien nichts anderes als bezahlte Feinde im Haus. Am nächsten Sonntag sei Versammlung im Zentralverband der Hausangestellten, da werde das alles ja schon zur Sprache kommen. Anna ist organisiertes Mitglied und keilt dafür alle Mädchen in der Nachbarschaft. Wenn ich nicht auch hingehe, dann ziehe ich mir die Feindschaft in der ganzen Umgebung zu. „Los von der Sechzehnstundenarbeit!" heißt das Verhandlungsthema. Ich weiß nicht, wie gerade die dicke Anna sechzehn Stunden Tagesarbeit für sich herausrechnen will.
Ich war am Sonntag in der Versammlung am Rosenthaler Tor. Die sehr gewandte Einberuferin ereiferte sich zuerst über die ja schon längst ge« fallens Gesindeordnung und knüpfte daran an: neue Sklavenketten mochte man nun schmieden und dazu das Hausgehilfengesetz benutzen. Es handle sich um einundeindrittel' Million Mädchen in Deutschland, die noch länger als vierzehn Stunden am Tage arbeiten müßten, ohne hierfür aus« reichend entschädigt zu werden. Um Arbeitszeit und Lohnverhültnisse endlich zu regeln, müsse vor allem der Zustand beseitigt werden, der die Hausangestellte zwinge, auch die Nacht im Hause des Arbeitgebers zuzubringen. Welchen Schutz biete denn etwa der Haushalt des Arbeitgebers einem jungen unerfahrenen Mädchen? Und sie schilderte allerlei schreckliche Vorkommnisse. Ein paar Damen, die sich daraufhin zum Wort meldeten, um allerlei Uebertreibungen richtigzustellen — sie waren der Einberuferin rednerisch nicht entfernt ge« wachsen —, wurden kaum bis zu Ende anaehört. Den Schluß der Versammlung bildete der Appell an alle: der Organisation beizutreten. „Vergeht nicht", rief die Einberuferin, „daß aus diesen körperlich und geistig versklavten Mädchen grauen und Mütter werden, daß sie Erzieherinnen einer künftigen Generation sind, und daß es für die gesamte Arbeiterbewegung von ungeheuerer Bedeutung ist, wenn es uns gelingt, diese Mädchen, die
aus dieser Erwägung heraus beginnt sie hin ynb wieder auch zu handeln und freut sich königlich, wenn sie einen Pfennig am Pfund oder gar noch mehr heruntergehandelt hat. Die Marktfrauen aber machen gute Miene zum bösen Spiel, besonders wenn es gegen Schluß hingeht und das Angebot wie so oft die Nachfrage wesentlich übersteigt. Es soll aber auch Marktfrauen mit streng festen Prei- sen geben und sogar Hausfrauen, die nicht feilschen können oder wollen. Inwieweit dieses Tatsache ist, kann man von der hohen Warte des Schreibers aus nicht beurteilen. Unmöglich ist jedenfalls kein Ding auf Erden.
Ein besonderes Kapitel bildet die Stammkundschaft, die stets bevorzugt bedient wird. Es ist dies aber auch nicht mehr wie recht, denn Treue wurde schon immer belohnt. Wehe aber, wenn eines Tages eine Stammkundin untreu wird und zur Konkurrenz überläuft, dieweil sie dort einige Pfennige zu ersparen glaubt. Wenn Blicke töten könnten, wäre es um die Aermste geschehen. Es geht halt wie im Leben so auch auf dem Markte nichts über ein schönes dauerhaftes Verhältnis. Inzwischen hat sich das Marktnetz zusehends gefüllt, manches ist hineingeschlupft, von dem man beim Gange zu Markte noch nicht träumte, obenauf aber ruht als Krönung ein bunter Strauß Herbstblumen. Mit der Fülle des Netzes hat die Leere des Geldbeutels über« raschend gleichen Schritt gehalten, langsam schreitet man zum letzten Orientierungsgang und bildet alle 10 Schritt« mit einer anwesenden Bekannten ein kleines Verkehrshindernis. Da plötzlich trifft ein Glockenschlag das Ohr, jäh wandert der Blick hinauf zur Rathausuhr und Knall auf Fall verabschiedet man sich, um eilenden Schrittes dem heimischen Herde zuzueilen und gerade noch die Linsensuppe vor einem unrühmlichen Ende zu bewahren. Ein Markttag hatte sein Ende erreicht, es lebe der kommende. ho.
• Daten für 12. und 13. Oktober. 12. Okt.: 322 D. Chr.: Der griechische Redner Demosthenes auf Kalauria gest. 1492: Kolumbus entdeckt Amerika; er landet auf Guanahani. 1855: Der Dirigent Arthur Nikisch in Szent-Mikles geb. 1896: Der Komponist Anton Bruckner in Wien gest. 1924: Das Zeppelinluftschiff L. Z. 126 verläßt Friedrichs. Hafen zur Fahrt nach Amerika. 13. Okt.: 1821: Der Mediziner und Politiker Rudolf Vichow in Schivel- bein geb.. 1924: Der französische Schriftsteller Anatole France auf seiner Besitzung bei Tares gest.
* Das Fest der silbernen Hochzeit feiern Montag, 13. 10. die Eheleute PH. Werner und Frau Marie, geh. Stenger, Altstraße 2.
* Kursus zur Vorbereitung aus die Meisterprüfung. Der Kursus zur Vovberânig auf die Meffter,Prüfung, die im Frühjahr 1931 stattfindet, beginnt noch im Laufe dieses Monats. Alle Handwerker und Handwerkerinnen, die boahsichtigen dis Meisterprüfung abzulegen und an dem Kursus teilzunehmen, wollen ihre Anmeldung, soweit dies noch nicht geschehen ist, umgehend bei der Geschäftsstelle der Handwerkskammer-Nebenstelle Hanau, im Baugert Nr. 2, anbringen.
* Liu Zusammenstoß zwischen einem Motorradfahrer und einem Perssonenkraftwagen ereignete sich gestern nachm. 2 Uhr an der Kreuzung Steinheimer- uNd Römeystraße. Personen kamen dabei nicht zu Schaden, lediglich beide Fahrzeuge trugen geringe Beschädigungen davon. Wie so oft bei derartigen Anlässen, erschwerte das sich rasch ansammelnde Publikum wiederum ganz erheblich die polizeilchen Fsststângen.
* Ein Schuppenbrand im Garten eines in der Hochwasserzone der Kinzig in der Philippsruher Allee liegenden Anwesens führte in der vergangenen Nacht gegen 542 Uhr zur Alarmierung der Feuerwehr. Die Wehr rückte sofort mit zwei Fahrzeugen aus. Der Brand selbst konnte durch Aufwerfen von Sand erstickt werden. — Ein junger, an AnfAen leidender Mensch lief b>eim Ausrücken der Wehr bis zur Phillipsruher Allee in rasendem Tempo hinter einem der Fahrzeuge her, bis er plötzlich zusammenbrach und von der Fveiw. Sanftätskolonne in das Landeskrankenhaus verbracht werden mußte.
* Arbeils- und Dienstverträge zwischen Ehe- leuten. Das Rèichsarbeitsgericht befaßt sich in einem Urteil mit der Frage der Wirksamkeit von Arbefts- oder Dienstverträgen zwischen Eheleuten. Ist der Ehemann, so heißt es in dem Urteil, im Geschäft der Ehefrau gegen Entgelt neben freier Kost und Wohnung tätig, so ändert die später wegen schlechten GüschÄftsganges eingetretene Un« Möglichkeit, dieser vertraglichen Zahlungsverpflichtung ganz ober auch nur zum Teil nachzukommen, an dem Bestehen der Vereinbarung und einer daraus zu folgerndem Arb eitnehmersigenschaft des Ehemanns solange nichts, als diese nicht ausdrücklich oder stillschweigend aufgehoben ist. Das Reichsarbettsgericht hat die Wirkfamkeü von Arbettsoder Dienstverträgen zwischen Eheleuten im Anschluß an die Rechtsprechung des Reichsgerichts unter Verneinung des dagegen oorgsbrachten Gesichtspunktes der Sittenwidrigkeit wiederholt und auch dann bejaht, wenn der verschuldete Ehemann für seine Tätigkeit im Geschäft der Ehefrau eine geringere als die sonst übliche Entlohnung erhält, es sei denn, daß der Vertrag in der nachgewiesenen Absicht geschlossen war, den Gläubigern des Ehemannes den sonst möglichen Zugriff auf sein Einkommen äbzuschneiden.
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Tag für Tag in Hause unserer politischen und gewerkschaftlichen Gegner leben müssen und von ihnen beeinflußt werden, einzureihen in die Kampffront der klassenbewußten Arbeiterschaft!" Die Versammlung stimmte begeistert zu und löste sich auf. Ich ging recht nachdenklich weg.
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Mit meiner Nachbarin in der Hausangestellteu- Versammlung bin ich gestern beim Drogisten zusammengetroffen. Sie ist der Organisation eben- sowenig beigetreten wie ich. Ihr Verlobter ist bei der Reichswehr. Er steht in Kottbus. Nur alle paar Wochen sehen sie einander. Heiraten können sie erst in drei Jahren, wenn er seine Abfindung bekommt. Von dem Geld wollen sie ein Jn- stallatiosgeschäft aufmachen. Daraufhin — und auf ihre Aussteuer — spart Tilde nun schon das vierte Jahr jedes Fünfzigpfennigstück. Sie ist ein reizendes, offenes, flinkes Mädel. Immer guter Dinge und arbeitsluftig. Sie hat hübsche Augen im Kopf und weiß sich sehr klug auszudrücken. Sie steht schon lange ganz allein; die Mutter war Köchin, ging später als Kochfrau in die Häuser; nach dem Vater soll man nicht fragen, wenn man sich noch nicht näher kennt. Tildens augenblicklicher Dienst ist nicht schwer. Abends hat sie oft schon frühzeitig frei, weil ihre Herrschaft gewohnt ist, im Hotel zu speisen. So kann sie Aushilfen übernehmen in Häusern, wo Abendgesellschaft ist. Auch gute Trinkgelder gibt es da manchmal. Sie hat im Monat November an Gehalt, Abendverdienst und Extras gegen zweihundert Mark auf die Sparkasse tragen sönnen. Freilich gibt sie für sich kaum einen Pfennig aus. Nur wenn ihr Fritz da ist, Sonntags einmal, da gönnen sie sich ein Vergnügen. Auch Fritz ist Berliner, „Vogtländer" wie sie —, worauf er be« sonders stolz fei, sagt Tilde. Man muß den Berlinern, die so viel verschrien sind, gut werden, wenn man so ein Prachtmädel wie die Tilde sieht. Ich hab' ihr versprochen, am ersten Sonntag im Dezember, wo ihr Schatz Urlaub hat, in Hellers Kolosseum mitzukommen. Man zahlt dort nur neunzig Pfennig für Kaffee und Kuchen und kann dabei noch unentgeltlich die neuen Tänze bei einem richtigen Tanzmeister lernen.
(Fortsetzung folgt.)