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Anzeiger Mr
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* Der Reichspräsident empfing am Mittwoch Uwmittag den Reichskanzler, der über seine Unter- WWandlungen mit den Parteiführern Bericht er- WMtè.
. * Reichswehrminister Gröner hat in einem I Schreiben an General von der Goltz seine Auf- Mssung über den Ulmer Reichswehrprozeß darge-
* Zur Durchführung der Wirtschafts- und Fi- Wianzpläne der Reichsregierung werden 30 neue I Sefe^e notwendig sein, die aber bis Reichstags- I beginn nicht alle werden fertig sein können.
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I Aus Mexiko wird gemeldet: Infolge Hochwassers I des Flusses Avonidas wurden die Straßen der I Stabt Pachuca im Staate Hidalgo in metertiefe I Seen verwandelt. 50 Personen werden vermißt.
Eine halbe Stunde nach Mitternacht wurde in I Teheran ein Erdstoß verspürt. Es ist der dritte in I den letzten 14 Tagen gewesen. Schaden wurde nicht I ungerichtet.
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* Der Zentralausschuß der Reichsbank ist für Donnerstag den 9. Oktober, vormittags 11 Uhr, einberufen' worden. Wie WTB.- Handelsdienst aus ! Vankkreisen erfährt, dürfte es sich um die Frage einer Erhöhung des Diskontsatzes um 1 Prozent handeln. *
In zweitägiger Verhandlung verurteilte das Schwurgericht Essen den 22jährigen Schmied Wilhelm Haarmann und den 25 Jahre alten Bergman Louis Vaupel, beide aus Bochum-Linden, wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Die beiden hatten am Pfingstsonntag dieses Jahres ihren Jugendgenossen, den 19jährigen Handlanger Tybussek, in einen Kohlenkeller gelockt, für, ben Besuch der Kirmes zu ver- Mafsen. Gie erschlugen ihn mit einem MM» und Münderten ihn aus. Als Beute fielen ihnen ganze »Mark in die Hände.
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I In dem O-Zug Prag—Paris spielte sich ein sLiebesdrama ab. Ein Tscheche namens Füber befand sich mit feiner Frau auf der Hochzeitsreise. Wèi der Abfahrt aus Prag hakte sich ihnen die ehemalige Geliebte Fübers, eine geschiedene Frau, am 'geschlossen und fuhr mit dem Hochzeitspaar im gleichen Abteil. Als der Zug den Bahnhof Nancy verlassen hatte, begab sich Frau Füber in den Waschraum. Diesen Augenblick benutzte die ehemalige Geliebte, um Füber mit einem Revolver niederzuschießen.
Havas meldet aus Hendaye, daß in Malaga Streikende Autodroschken und Straßenbahnen mit Steinen beworfen hätten, um sie am Ausfahren zu hindern. Der Zivilgouverneur habe die Verhaftung her Mitglieder des Streikkomitees angeordnet. Bei Zusammenstößen zwischen streikenden und arbeitswilligen Eisenbahnern habe die Polizei eingreifen füllen. Einige Personen seien verletzt und eine Person getötet worden. *
Wie aus München gemiethet wird haben sich die Sozialdemokraten mit der politischen Lage in Payern befaßt. Es wurde beschlossen, den an sie seinerzeit ergangenen Auftrag, die Bildung einer Julien Regierung in die Wege zu leiten, angesichts der Unmöglichkeit, eine Biehrheit für die Wahl eines «misterprästdenten zu erreichen, zurückzugeben.
3n eiiyr Sitzung der Finanz- und Steuerdeputation des Berliner Magistrats wurde vom Stadt- kümmerer über den Haushalt für das Jahr 1930 berichtet. Danach würde trotz der weitgehenden Ausgabeneinschränkung ein Fehlbetrag von 60 Millionen RM vorhanden sein, der durch die Einfüh- hing neuer Steuern um 20 Millionen ermäßigt werden könnte. Die Ursache dieser furchtbaren Finanzlage der Stadt Berlin liegt in den erhöhten âohlfahrtslasten und der Verringerung der Steuer- ^Mgänge begründet.
Wie Havas aus Boulogne berichtet, ist das Wet- im Kanal so schlecht gewesen, daß der fahrplan- maßig« Kanaldampfer fünf Mal vergeblich versuchen mußte, in den Hafen an der srgnzopfchen einzulausen. Er war genötigt, hinter einer ®une Schutz zu suchen und konnte erst um 9 Abends einlaufen, was eine Verspätung der nach Mel und Paris gehenden Anfchluhzüge von be:= buhe 4 Stunden zur Folge hatte.
,. In Hannover entstand in der Nacht zum Heu- Mn Donnerstag gegen ^2 Uhr in der Rohproduk- wn-Hroßhandlung Barksen mn Norden der Stadt, wahrscheinlich durch Selbstentzündung, ein. Brand, ber infolge des starken Windes sehr rasch um Üch Wund das Gebäude in helle Flammen hüllte. Die Feuermehr mußte alle verfügbaren Kräfte entteßen, bm das rasende Element zu bekämpfen. Die an- swenzenden Häuser sin>d durch starken Funkenstug Ar gefährdet Gegen 4 Uhr morgens war das ^roßfeuer noch nicht gelöscht. Ueber den Umfang Schadens läßt sich noch nichts Genaues sagen.
• ) Näheres siehe im politischen Teil.
Des Reichskanzler berichtet dem Reichspräsidenten
Das âabittZit noch ohne Änsaaen der SvooKtion - âeA Antrag ans Tridntmoratormm vsv DnrchsÄhrnng des Sinanzprogramms
Berlin, 8. Oft Der Reichspräsidenk empfing, wie angekündigt, heute vormittag Reichskanzler Dr. Brüning zur Entgegennahme eines Berichtes über die mit den Parteien geführten Besprechungen. Der Reichskanzler konnte nur berichten, daß bestimmte Zusagen der Opposition sowohl von rechts als auch von links, das Kabinett im Parlament zu unterstützen, noch nicht vorliegen. Der Reichspräsident hat sein Einverständnis mit der Auffassung des gesamten Kabinetts ausgesprochen. Eine irgendwie grundlegende Aenderung der bisherigen Politik der Reichsregierung ist nicht zu erwarten. Das Reichskabinett wird in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung vor den Reichstag treten. Bekanntlich bestand auch innerhalb der hinter dem Kabinett stehenden Parteien teilweise Gegnerschaft gegen Reichs- auhenminister Dr. Eurtius und Reichsinnenminister Dr. Wirth, die sich aber nicht durch- gesetzt hak.
Das Kabinett wird vor 4em Reichstag feine Politik kurz darlegen: Der außenpolitische Teil wird davon ausgehen, daß zunächst die finanz- und wirtschaftspolitische Sanierung durchgeführt werden muß.
Vor der Durchführung des hierfür ausgestellten Programms der Reichsregierung soll ein deutscher Antrag für ein Moratorium der Tribukzahlungen nicht gestellt werden.
Was das innerpolitische Programm anlangt, so soll mit allen parlamentarischen Mitteln die Durchdringung versucht werden. Nach Auffassung der der Regierung nahestehenden Kreise werden die Reichstagsverhandlungen zunächst nur etwa zehn Tage in Anspruch nehmen. Nach der Wahl des Präsidiums wird der Reichstag das Regierunas- iLMMWiMMchAKO nschluß daran wird über kommunistische Mißtrauensanträge gegen das Kabinett und Anträge auf Aufhebung der Steuèrnotoerovdnungen abgestimmt werden. Man erwartet, daß die Sozialdemokraten gegen diese Anträge stimmen werden. Danach soll sich der Reichstag bis Mitte November vertagen, um alsdann in die Beratung des neuen Haushaltsplans einzutreten. Ob sich das Programm so abwickeln wird, bleibt abzuwarten. Das Kabinett wird vor Reichstagsbeginn keine Sitzungen mehr abhalten. Mehrere Minister sind für kurze Zeit in Urlaub gegangen.
Der RsichsverbanH Her ^hOde zum SiuanMau
Herr KeichSsssrevuns
Berlin, 8. Okt. Das Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hat sich heute in einer außerordentlichen Präsidialsitzung mit dem Wirtschafts- und Finanzplan der Reichsregierung beschäftigt und dazu folgende Stellung eingenommen:
Der Wirtschafts- und Finanzplan der Reichs- regierung ist als ein erster Schritt zu würdigen, die öffentlichen Finanzen Deutschlands in Ordnung zu bringen und die deutsche Wirtschaftspolitik den Verhältnissen anzupassen, die durch die Verände- ungen auf dem Weltmarkt, durch die hohen Reparationsverpflichtungen Deutschlands und die verfehlten Maßnahmen der Vergangenheit entstanden sind. Der Plan ist geeignet, das öffentliche Vertrauen wieder hcrzusteüen, wenn er tatkräftig durch
Gowjei-VroteK-Roie an Hie ManHßchurei
M o s k a u, 9. Oft Der Generalkonsul der Sowjet-Union in Mukden überreichte Tsangshülliang eine Rote der Sowjekregierung. In der Rote heißt es, die Sowjet- regierung stellt fest, daß die chinesischen Behörden keine einzige der vertraglich übernommenen Verpflichtungen erfüllt haben, trotz wiederholter Mahnungen und Forderungen. Die Sowjetregierung verfügt über unwiderlegliche Beweise unbehinderter sowjetfeindlicher Tätigkeit der weißen Emigranten in der Mandschurei, die ihre Tätigkeit in der letzten Zeit noch verstärkt haben.
In den Grenzgebieten der Mandschurei bilden die Weißgardisten, mit Geld und Waffen reichlich versehen, Banden, die den normalen Verkehr auf der Ostchina-Bahn unterbinden und friedliche chinesische und Sowjetbürger ausräubern. Diese Banden erhalten aktiven Beistand von den bei chinesischen Regierungen konstitutiv angestellten weißen Russen. Die Sowjetregierung stellt fest, daß die Tätigkeit dieser Weißgardisten, die das Werkzeug sowohl der Sowjetunion als auch China feindlich gesinnter Kräfte sind, dem Interesse der beiden Völker widerspricht und eine ernste Gefahr für die Aufrechterhaltung des Friedens im fernen Osten sowie der freundnachbarlichen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und China bedeuten. Die Sowjet- regierung p r o t e st i c r t energisch dagegen, daß
geführt wird und wenn alle Volksteile in dem Wunsche einig sind, unter Vermeidung von Experimenten den völligen W'rtschaftszusammenbruch abzuwehren.
Es ist nicht Aufgabe des Augenblicks, zu den Einzelheiten des Planes Stellung zu nehmen und auf die an manchen Stellen vorhandenen Lücken und Unstimmigkeiten hinzuweisen, weil die Gesetzentwürfe erst abgemartet werden müssen.
Der Grundgedanke des Programms ist richtig, wenn er davon ausgeht, daß tn erster Linie unter äußerster Sparsamkeit und unter Eindämmung der wirtschaftsschädlichen Steuern eine einheitliche und zielsichere Gestaltung der öffentlichen Finanzpolitik und eine vollständige Ordnung der öffentlichen ^ÜUESU, ,insdklend,ere aych der Finanzen der Län- der und Gemeinden, geschaffen werden muß. Das kann nur erreicht werden, wenn die öffentlichen Ausgaben derjenigen Einnahmen angrpaßt werden, die unter Berücksichtigung der Veränderungen in den Preisverhältnissen auf dem Weltmarkt von Wirtschaft und Bevölkerung aufgebracht werden können, ohne daß die Grundlagen ihres Daseins und eines Wiederaufbaues zerstört werden.
Die Wiedereinführung der Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß ist nur möglich, wenn die Höhe der öffentlichen Ausgaben und aller Bestandteile der Produktionskosten nicht mehr hemmend im Wege steht.
Nur so kann auch der Preisabbau der Verbrauchsgüter und Produktionsmittel verwirklicht werden. Neben der Einschränkung der Personalausgaben der öffentlichen Verwaltung ist dabei eine der Lage des jeweiligen Wirtschaftszweiges angepaßte Herabsetzung der Löhne und Bezüge aller in der Privatwirtschaft Tätigen wichtigste Voraussetzung.
Wenn es gelingt, auf diesem Wege die Produktionskosten zu vermindern unb den Preisabbau zu sichern, dann bedeutet die Herabsetzung von Lohn und Gehalt keine Verminderung der Kaufkraft und keine Beeinträchtigung der Lebenshaltung. Vielmehr bewirkt die dadurch ermöglichte Wiedereingliederung der Arbeitslosen in das Erwerbsleben eine Erhöhung der Gesamtkaufkraft und der des Einzelnen.
In keinem Programm für die Gesundung der innerdeutschen Perhältnisse darf die Verwaltungsund Verfassungsreform fehlen.
(Fortsetzung auf Seite 2)
die Tätigkeit der Weißgardisten unbestraft bleibt und erwartet, daß die Regierung in Mukden die Notwendigkeit der Erfüllung der vertraglich übernommenen Pflichten erkennen wird. Die Sowjetregierung besteht auf der unverzüglichen Entwaffnung der weißen Banden, auf der Ausweisung ihrer Mitglieder aus der Mandschurei, der Auflösung der sowjetfeindlichen Bandenorganisationen in der Mandschurei, auf Einziehung des Eigentums und Verhaftung und Ausweisung der leitenden Aktivisten, ferner auf der Entlassung der in chinesischen Diensten stehenden weißen Russen, die gleichzeitig aktive Mitglieder weißgardistischer Organisationen sind und schließlich auf der sofortigen Einstellung der in der weißen Presse der Mandschurei geführten Antisowjetcampagne.
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Dreißig Gesetze notwendig
Zur Durchführung des Wirtschafts- und Finanzplanes der Reichsregierung ist die Ausarbeitung und parlamentarische Verabschiedung einer großen Anzahl von Gesetzen erforderlich. An dieser Ausarbeitung der Gesetze wird gegenwärtig gearbeitet, die dann, bevor sie dem Reichsrat und dem Reichstag zugehen, noch das Kabinett passieren müssen.
An erster Stelle steht das Gesetz über den Reichshaushalt für das Rechnungsjahr 1931, das u. a. auch die Ermächtigung zur Aufnahme des Ueberbrückungskredites enthalten wird.
2. Das Schuldentilgungsgesetz (Fondsgesetz) für eine dreijährige Laufzeit.
3. Ein Gesetz zur Kürzung der Gehaltsbezüge des Reichspräsidenten, Reichskanzlers, der Reichsminister, Reichsbeamten, Wartegeld- und Ruhegehaltsempfänger sowie der Reichstagsdiäten. Die Besoldungsordnungen für die Reichsbank- und Reichsbahnbeamten sowie die Tarifverträge für die Angestellten der Reichsbehörden werden dem Gehaltskürzungsgesetz entsprechend anzupassen sein.
4. Ein Besoldungssperrgesetz zur Sicherung der Einsparungen bei den Gehältern der Minister und Beamten in den Ländern und der Diäten sowie der Beamtengehälter in den Gemeinden. Preußen ist sich schlüssig geworden, über die Gehaltskürzung hinaus noch die Aufwandsentschädigungen herabzusetzen, die im allgemeinen allerdings seit vier Jahren erheblich höher gewesen sind, als die vergleichbaren im Reich. Es bleibt nur zu wünschen, daß auch die Gemeinden dem preußischen Beispiele folgen und insbesondere System in die Gewährung von Nebeneinnahmen für beamtete Personen bringen.
Diesem Zweck soll auch eine Vereinbarung mit den Ländern zur Sicherung einheillicher Spargrundsätze bei Reich, Ländern und Gemeinden dienen.
5. Ein Gesetz zur Anpassung der Haushaltsrechte der Länder und Gemeinden an die Grundsätze des Reiches. Dazu gehört auch die Schaffung einer unabhängigen Rechnungsprüfung bei den Gemeinden.
6. Eine Novelle zum Finanzausgleichsgesetz, in der die Kürzungen der Ueberwei- fungen an Länder und Gemeinden geregelt werden.
7. Ein endgültiges Finanzausgleichsgesetz, das jedoch erst mit dem 1. April 1932 zu laufen beginnt, weil bis dahin mit der Verabschiedung des Steuervereinheitlichungsgesetzes gerechnet wird.
8. Gesetz über Ersparnismaßnahmen auf dem Gebiete der Rechtspflege.
In derselben Richtung bewegen sich die angekündigten Verwaltungsmaßnahmen zur Verminderung der lokalen Verwaltungs- und Gerichtsbehörden.
9. Spargesetz zur Sicherung der Haushalte für Reich, Länder und Gemeinden (Plafondgesetz), durch das eine Erhöhung der Ausgaben für die Dauer dreier Jahre verhindert werden soll.
10. Gesetz zur Erhöhung der Tabaksteuer.
11. Gesetz zur Verlängerung der durch Notverordnung in kraftgesetzten Ledigensteuer.
12. Gesetz zur Verlängerung des durch Notverordnung in kraftgesetzten fünfprozentigen Zuschlags zur Einkommensteuer (für Einkommen über 8000 RM).
13. Gesetz zur Vereinfachung des Steuersystems mit besonderen Gesetzen.
14. über landwirtschaftliche Einheitssteuer sowie
15. über gewerbliche Einheitssteuer.
16. Gesetz zur Aenderung des Reichsbewertungsgesetzes.
17. Gesetz zur Aenderung des Vermögens- steuergesetzc^
18. Gesetz zur Aenderung des Umsatzsteuer- gesetzes.
Gleichzeitig sind erforderlich:
19. ein Grundsteuerrahmengesetz,
20. ein Gewerbesteuerrahmengesetz und
21. ein Steueranpassungsgese'tz.
Das Steuervereinheitlichungsgesetz hat bereits dem früheren Reichstage vorgelegen und soll jetzt verabschiedet werden.
Die heuttse Kummer umfatzt 12 Gelten