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Sette 4

Donnerstag, den 25. September 1930

Som Wr«ievLahvv!att

Mit der Ausarbeitung des diesjährigen Winter- fahrplanes, her am 5. Oktober in Kraft tritt, war der Reichsbahrwerwaltung diesmal keine leichte Aufgabe gestellt. Zweierlei Momenten galt es dies­mal gerecht zu werden, der alle Jahre wiederkehren­den Einschränkung des Sommerfahrplanes und als besondere Aufgabe, über die Einschränkung -des Winterfahrplanes den grossen kostspieligen Ver­kehrsapparat der Reichsbahn dem außergewöhn- lichsn Verkehrsrückgang anzupassen, der infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage schon ssit den Smn- mermonaten eingetreten ist Mit möglichst zarter Hand, wie die Direktive der ReichsbaM-Hauptver- maltung hieß, gilt es da, in das komplizierte Räder­werk des Verkehrs einzugreifen, ohne durch die wirtschaftlich notwendigen Einsparungen die glatte Wwicklung des Verkehrs zu beeinträchtigen. Der Bezirk Frankfurt hat mit den Hauptzentten des Reiches so viele Verbindungen, daß es möglich war, einzelne Fernverbindungen einzusparen, ohne daß die Verkeh rsmogli dffeit gehemmt wird. Am stärk­sten wird der Bezirk Frankfurt natürlich von dem starken Rückgang des Berussverkehrs infolge der wirtschaftlichen Sepreffion betroffen. Bisher dop­pelte Verkehrsleistungen konnten hier grundsätzlich ohne Nachteil für das Publikum vereinfacht wer­den. Eine erfreuliche Erscheinung im kommenden Winterfahrplan sind eine Anzahl Verkehrsverbefse- nungen für den Wochenend- und Wintersportverkehr nach dem Taunus, nad) der Rhön und dem Vogels­berg. Don Grünberg aus wird eine weitere Rück- ' fahrtgelegenheit an Sonntagen geschaffen durch den Personenzug 2182, ab Kronberg 19.09, an Frankfurt 19.43. Der schnellfahrende Sonntags- Personenzug Frankfurt ab 8.55, Kronberg an 9.20 Uhr wird noch bis 31. Oktober fahren und auch als Wftftevsportzug vorgesehen. Nach der Rhön bringt der am Samstag beschleunigt durchgeführte Per­sonenzug 821 eine Verbesserung: Frankfurt ab 15.00, Fulda an 17.22 mit Anschluß an Gersfeld und Wüstensachsen. Die Sonntaasrückfahrt wird eben­falls verbessert durch den beschleunigen Personen­zug 824 mit Anschluß von diesen beiden Stationen; Fulda ab 19.06, Frankfurt an 21.33. Nach dem Vogelsberg wird der Wintersport- und Wochenend­verkehr verbessert durch den Personenzug 4109, der vom 6. 12. bis 28. 2. verkehrt: Frankfurt ab 13.39, Hartmannshain an 17.02. Daneben bleibt der -bis­herige Wintsrsportverkehr bestehen. Bstbehalten werden im Winterfahrplan auch die Oden-wald- Eilzüge E 141/52 FrankfurtEberbachHanau

* Hospitalkirche. Heute abend 8 Uhr findet in der Hospitalkirche Bibelstunde durch Pfarrer Kurz statt.

* Märchengastspiele in derLenftalhalle". Stadtschulrat Nydal, Berlin, schreibt anläßlich der Berliner Gastspiele: Es ist die Wicht aller Eltern und Erzieher, ihren Kindern die Märchenwelt zu erschließen, darum besucht mit ihnen die Märchen­vorstellungen des Deutschen Märchentheaters im Kleinen Theater. Der beste Beweis für die Lei­stungen des Deutschen Märchentheaters. Zur Auf­führung gelangt am Samstag, 27. Sept., nachm. 4 Uhr:Rumpelstilzchen" in 5 Bildern, und Sonn­tag, 28. Sept., nachm. 4 Uhr:Schneewittchen" in

* Internationale Lederschau Berlin 1930. Auch die Firma Deutsche Klebstoffweke G. m. b. H. Hanau a. M. war mit ihrren Spezial-Erzeugnissen für die lederverarbeitende Industrie auf der Inter­nationalen Lederschau Berlin (18. bis 21. Septem­ber) vertreten und zeigte dortselbst nicht nur allein ihre verschiedenen Kitte, Klebemittel und Zemente usw., sondern auch anschaulich durch die verschie­densten Ledermodelle und Halbfabrikate, Anwen­dung und praktischen Erfolge ihrer mehrfach paten­tierten Spezial-ErzeugnisseDekalin". Die wissen­schaftliche Versuchs- und Lehrwerkstätte dieser Firma wurde von in- und ausländischen Be­suchern hoch bewertet. Auch die leitenden Vorstände der technischen Hochschule Berlin, Gerber-Schule Freiburg, sowie technische Gewerbeschule in Frank­furt a. O. zollten ihre besondere Anerkennung über

die wertvolle Ausgestaltung der Ausstellung dieser Firma, die als einzigste Spezial-Schau anwesend war.

Lavdkvsrs Saum».

Windecken, 25. Sept. Vereinswetturnen. Am kommenden Sonntag, 28. September, nach­mittags 1 Uhr, veranstaltet der DurnoersinJaHn" Windecken auf dem Sportplatz fein diesjähriges Vereinswetturnen. Am Abend findet im Gasthaus ,Zur Hochmühle" TaWbelustigung statt. Der Abend wird durch einige turnerische Vorführungen ver­schönert.

Windecken, 24. Sept. Die alte historische GaststätteGasthaus zum Engel" geht nach hundertjährigem Familienbesitz in einem längeren Pachtverhältnis an die GfÄsute Metzgermeister Peter Reul und Käte, geb. Schwab, in Windecken, über. Nach vollständiger Renovierung wird der Betrieb am 1. Oktober eröffnet. Vor hundert Jah­ren hat der Johannes Engel das Anwesen, welches einen Teil des Hafgudes Stars teilte und mit der Feftungsmauer eng verwachsen war, von dem Frl. Stauffen, damalige Eigentümerin- der Herrngutes, käuflich erworben und gründete dasGasthaus zum Engel". Es gibt keinen Fuhrmann und Reisenden der alten Generation des alten kurhsssifchen San­des, dessen Weg von Kassel nach Hanau -führte, der nicht Rast und Unterkunft im Engel gefunden hätte. Nach dem Tode des Iohannes Engel' Ang das An­wesen an dessen jüngste Tochter, Frau Albert Basse, Margarethe, geb. Engel, über und nach^deren Tode an die Schwester, Frau Heinrich Lapp, Sophie, geb. Engel, um nach deren Wleben an den ältesten Sohn, den jetzigen Eigentümer Heinrich Karl Lapp überzugehen.

Wachenbuchen, 24. Sept. Sängertag. Das Ruthsche Poppelquartett Harmonie veranstaltet am Sonntag, 28. September anläßlich seltnes 11jähei­gen Bestehens in den Lokalitäten des Gastwirts Pflug in Wachen-buchen einen Liedertag, zu welchem nachstehende Vereine ihre Mitwirkung zugesagt haben: GesanMerein Harmonie Siebtos, Sänger» kranz Mittelgründau, Sieberblüte Kesselstadt, Ein­tracht Roßdorf, Walzersches Soppelquartett Hoch- stadt, Tonblüte Großauheim, Concordia Wachen­buchen, Kirchenchor Wachenbuchen, Haingründau, Soloquartett 1924 Hanau. Ein gut zusammengestell­tes Programm von Kunstchören und Volksliedern bürgt für einige genußreiche Stunden für Gesangs­und Musikfreunde. Sänger und Sangesfreunde ladet das Quartett hiermit aufs herzlichste ein. Nach Beendigung des Programms Tanz.

Marköbel, 24. Sept. Gemein è> evertreter- sitzu n g. In der Sitzung der Gameindavertreter am Montag abend stand folgende Tagesordnung zur Beratung: Wechsel der Lehrerdi enllwohnu ng. Verlegung des Landjägerpasten von Hürtengssäß nach Marköbel. Zahlung einer Entschädigung an Herrn Dr. Becker betr. Anlagen im Doktorhaus. Verschiedenes. Punkt 1. Das in Kürze fteiwer- bentbe Wohnhaus des Herrn Dr. Becker (Gerne inde- eigentum) fall durch entsprechenden Umbau für 2 Lehverdie nstw ohnungen Verwendung finden. Die Umbaukosten sollen" durch die Hausmieten getbecEt werden. Das

UWaftung beaW-chK-gt Den LaNdjägerposten von Hüttengsfäß nach Marköbel zu verlegen. Die Dertvetung hat nichts dagegen einzuwenden, kann aber eine entsprechende Woh­nung nicht zur Verfügung stellen. Punkt 3. Im Wohnhaus des Herrn Dr. Becker wurden von dem­selben Umänderungen und Neuanschafffungen ge­troffen, für welche er von der Gemeinde eine Ent- schädigung verlangt. Sie Gemeinde -Bank ommtfifi o n wird beauftragt, die Angelegenheit zu prüfen und iber Vertretung in nächster Sitzung Bericht zu er­statten. Von feiten des Kreisbaumeisters wird die Entfernung der Reklämetafel am Rachaus wegen Verunstaltung^ des Hauses gefordert. Die Tafel soll an anderer Stelle angebracht werden. Nach Bekanntgabe einiger Mitteilungen durch den Bei­geordneten Wöller folgte eine geheime Sitzung.

MettevveviM

Vom Allantischen Ozean erstreckt sich über Deutschland bis nach Rußland hinein ein Hoch­druckgebiet, in dem vielfach heiteres Wetter herrscht. Die im Nordwesten noch nordwärts wan­dernden Tiefdruckstörungen werden unsere Witte­rung kaum mehr beeinflussen, so daß mit Anhalten der meist heiteren Witterung zu rechnen ist. Vorhersage bis Donnerstag abend: Meist heiter, trocken, tagsüber wieder wärmer, meist südliche Winde. Witterungsaussichten für Freitag: Meist heiter und trocken, etwas kühler, südwestliche Winde.

SWS SvaE««t a. M

Unschädlichmachung von Sittlichkeilsverbrecheru

: In medizinisch-wissenschaftlichen Kreisen hat man sich neuerdings mehrfach mit der Frage be­faßt, wie man die Allgemeinheit vor Sittlichkeits­oerbrechern schützen kann, die ttotz Bestrafungen immer wieder neue Vergehen oder Verbrechen auf diesem Gebiet begehen, und man hat dabei auch das Interesse der Täter selbst, sie vor weiteren Taten zu schützen, im Auge gehabt. Man ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Verhütung solcher Straftaten am besten dadurch gewährleistet wird, wenn die betroffenen Personen einen operativen Eingriff an sich vollziehen lassen und eine Kastration stattfindet. Es gab Gefangene, die sich hiermit einverstanden erklärten und die Operation vornehmen ließen. Sie stellten nachher aber Schadenersatzansprüche an den Fiskus. Seit­dem verweist man derlei Uebeltäter an Privat­ärzte, um finanzielle Konsequenzen zu verhindern. Ein so gelagerter Fall beschäftigte das Große Schöffengericht. Da stand ein betagter Heizer aus einem Vorort unter Anklage, an einer Minder­jährigen unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben. Er hatte im Juli aüf der Straße in Höchst ein achtjähriges Mädchen an sich gelockt, dem er Bonbons kaufte und Geld schenkte. Als das Kind auf diese Weise zutraulich geworden war, beging der Angeklagte die Straftat. Die Verhandlung er- Sb, daß der Beschuldigte mit dem Gesetz aus- ließlich wegen Sittlichkeitsdelikten in Berüh­rung gekommen war, daß er in Wiesbaden ein­mal drei Jahre Gefängnis erhielt, weil er sich an acht kleinen Mädchen verging. Später hat er aus gleichem Anlaß noch zwei weitere Freiheitsstrafen bekommen. Alle diese Strafen zog er sich in der Nachkriegszeit zu. Die Bestrafungen hatten zur Folgen daß er eine lange Jahre innegehabte Stelle verlor. Im Krieg ist der Angeklagte in russische Gefangenschaft geraten, und als er nach Jahren die Freiheit wieder erlangte und heimkehrte, ent­zweite er sich mit seiner Frau. Er wurde geschie­den und als schuldiger Teil erklärt. Das letztere ist seiner Behauptung nach auf seine Bestrafung zurückzuführen, der schuldige Teil sei eigentlich seine Frau gewesen. Der Angeklagte führt die Straftaten auf seine Veranlagung zurück und er will schon häufig tief unglücklich über sein Ver­halten gewesen sein. Einmal habe er sogar einen Selbstmordversuch unternommen. Seine Bemühun­gen, durch eine Operation das ihm anhaftende Uebel zu beseitigen, feien an der Kostenfrage ge-

Beobachtungen berichten, die er selbst in einem süddeutschen Kriegsgefangenenlager machte, und die bestätigen, daß Personen, diè lange der Frei­heit entzogen seien, leicht zu Verfehlungen auf sittlichem Gebiet neigten. Der Angeklagte, der leicht senil sei, habe sich bereit erklärt, eine Operation an sich vornehmen zu lassen, aber der Justizminister habe die Anweisung gegeben, daß derlei Operationen nicht im Gefängnis gemacht werden dürften, sondern privat erfolgen müßten. Lasse sich der Angeklagte operieren, dann werde ihm geholfen. Verantwortlich sei der Angeklagte, aber nur im verminderten Maße. Der Staatsan­walt beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und hielt aus heilpäldagogifchen Grün­den eine sofortige Haftierung am Platze. Das Ge­richt erkannte auf die beantragte Strafe, gab dem

Angeschuldigten aber mit der Maßgabe rungssrist, daß er binnen zwei Monaten § kehrungen trifft, um eine Wiederholung des L» brechens unmöglich zu machen. Es darf noch » wähnt werden, daß dem Angeklagten von % Kohl ein Arzt namhaft gemacht wurde, der & Operation vornehmen werde. Ein Haftbefehl wurs nicht gegen den Angeklagten erlassen.

Die umgetausten Glücksspielappavake

: Nachdem die bekannten Bajazzoapparate, ^ a tf erwärts in Wirtschaften hingen, als ©lüctsfpy, apparate von den höchsten richterlichen Instar erklärt worden waren, verschwanden sie aus Verkehr, da sich Personen, die diese Apparat«« ihren öffenllichen Lokalen anbrachten, der sèftto. fung ausfetzten. Nach einiger Zeit tauchten £ gleichen Apparate unter dem NamenSÜIaatir auf. Als die Polizei hiervon Kenntnis beim wurden die Apparate beschlagnahmt. Gegen Iw Wirte kam es zur Anklage. Vor dem Klei^ Schöffengericht mürbe jetzt gegen eine Anzahl Wich wegen Vergehens nach § 284 Str. G.B. verhaMj Ihre Verteidigung ging dahin, daß die Apparaji Geschicklichkests- und keine Glücksspielapparote feier Das Gericht war gegenteiliger Ansicht unb w urteilte die Beschuldigten zu Geldstrafen von 20 bis 60 RM. Wenn es sich bei den Apparaten um* schicklichkeitsspie! drehen würde, so wären die 3p, parate nicht in solcher Vielzahl aufgestellt, denn km Mensch würde dabei ein Geschäft machen. De« sich der Betrieb rentieren soll, müssen erhMh mehr denn 50 Prozent Mieten herauskommen. Ls; Gewinnen hängt Mi diesen Apparaten von ZnsK^ feiten ab. Es gibt allerdings Leute, die sich etit solche Geschicklichkeit aneignen können, daß sie M hoher WahrschÄinlichkeit aus einem Apparat »m Gewinn herausholen können, aber nur wenige st in der Lage, dies tun zu können, und kommen fit dann am einen anderen Apparat, dann müssen fit wieder mit Zufälligkeiten rechnen, bis sie mi* eingeübt sind. Für den Durchschnittsspieler -bedeut!! dieses Spiel Glückssache.

Fahrlässige Tötung

: Ein schwerer Fall tödüichsr Wovgiftnng, de: bereits vier Monate zurückliegt, aber aus bestirnt» ten Gründen, von den zuständigen Behörden rot veröffentlicht wurde, kommt jetzt aus Anlaß der 3» klageerhebung gegen den Schuldigen zur Rennte der Oeffentlichkeit. Ein junger Kaufmann Sch. bf fand sich im Frühling in einer ftäbt. Heilanstalt u Behandlung -wegen Schlafkrankheit und erhielt hi« von dem behandelnden Arft ein Medikament, bat ihm im Wasser aufgelöst eingespritzt wurde. Dr: junge Mann begab sich eines Tages non feinet Wohnung in eine Apotheke, ließ sich hier «Hand des Rezeptes abermals das Medikament verabfolge» und darauf in der Anstalt die Injektion an sich von

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nehmen. Kaum hatte der junge Mann die ®» spritzung erhalten, als sich bei ihm Erbrechen te schwere Lähmungserscheinungen âstellten, trotz allen ärftlichen Gegenmaßnahmen trat M Tod schon nach zwei Stunden ein. Die Staat» anwaftschftst leitete sofort ein Ermittlungsoerfch ren ein und ließ durch die KriminalpoAzei den Resi der Injektiansflüssig-keit beschlagnahmen. Man siâ im Verlaufe der Untersuchung fest, daß denn Kau mann von dem Provisor der Apotheke tC? Prä

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Ein Stück von R. K. Sherriff.

Wieder ein Kriegsstück. Haben wir nicht genug an den Dutzenden von Kr-ftgsfiunen, Kriegsdramen, antSchstderungen ausiSchützengraben, vomStângs- frieg, Sturmangriff, Etappenleben usw.? Besteht denn noch immer eine Notwendigkeit, sich mit den Problemen des Völkermordens auseinanderzusetzen? Man möchte so gern nein sagen, es wäre so schön, wenn man wußte, dieser Krieg, der in seinen Opfern und Ausmaßen unerreicht gewesen, hätte einen Abschluß gebildet, er wäre die letzte Aus­einandersetzung gewesen unter den Völkern der Erde. Wären wir -dessen sicher, gern würden wir die Bücher schließen und keine Feder sollte sich mehr rühren, um das zu beschreiben, was wir erkannt haben als das Inferno der Menschheit.

Wer wie steht es? Spricht man nicht schon wieder von kriegerischen Auseinandersetzungen wie von Selbstverständlichkeiten? Ein Geschlecht wächst heran und verschafft sich Geltung, das den Krieg nicht erlebte, ihn nur vom Hörensagen kennt. Kann es den Krieg wirksamer erleben als durch die Lite­ratur?

Sherriff, der feine Eindrücke aufschrieb, ohne daran zu denken, etwas für die Öffentlichkeit zu schaffen, ist der rechte Führer durch den Krieg, wie er gewesen. In dem so fabelhaft anständigen, weil gänzlich untendenziösen Stück dringt er vor bis in jene Bezirke, da das Erlebnis von Einzelnen zum Erlebnis von Millionen wird. Das Schicksal dieser fünf Offiziere war das Schicksal aller, hüben wie drüben.

Die andere Seite, das ist die Front der Eng­länder, aber die Nationalität spielt keine Rolle, denn überall ist es das Gleiche gewesen. Mit zer­rütteten Nerven warteten die Menschen aiuif etwas. Hier im Stück warten fünf Offiziere auf die deutsche Offensive. Der Kompagnieführer Stanhope, der Held", vergöttert von seinen Leuten, angebetet von dem jüngsten Seutnant, der gerade von der Schul­bank zu ihm in die Kompagnie kommt, ist so zer­mürbt, daß nur der Whisky ihm seine Kraft gibt,

eine Kraft, die nichts als verdrängte Angst ist. Hib­bert hat es nicht fertiggebracht, diese Furcht zu ver­drängen, er bricht zusammen. Ein Phlegmatiker des Schützengrabens ist der Vierte und den Schluß bildetder Onkel", die schönste Figur des Stückes. Wie ein guter Vater steht er zwischen all den schon tot gemachten Menschen. Er selbst ist der erste, den die Kugel trifft bei einem Erkundigungsgang. Die anderen suchen Betäubung im Trunk, bis am nächsten Morgen die große Offensive beginnt und den Unterstand auf der anderen Seite zusammen­kartätscht und alle begräbt.

Ein Stück so ehrlich und vornehm in der Gesin­nung, auch gegen den Gegner, so ohne allen Pathos und fern aller gewollten Sentimentalität, ist ein wirklicher Gewinn. Es ist deshalb zu begrüßen, daß man das Wagnis unternahm und nach dem Gastspiel des Frankfurter Schauspielhauses im Vor­jahr das Stück mit eigenen Kräften herausbrachte. Das Wagnis ist geglückt, es wurde ein starker Theaterabend.

Kurt Wahl führte die Regie; er hat gute ehr­liche Arbeit geleistet. Sachlich klar läßt er alles plastisch hervortreten und steigert geschickt einige Höhepunkte, die so sich herausheben und mit Recht hervordrängen. Um so unverständlicher bleibt, daß er die Sektszene, die für Stück und Verständnis der Charaktere von so eminenter Wichtigkeit ist, stark beschneidet. Aus den Darstellern holte er im übrigen das letzte heraus, was sie zu geben ver­mögen. In erster Linie Maximilian Schmi d t, dessen Osborne so rührend einfach, so menschlich, pathoslos war, daß er den stärksten Eindruck hinter' ließ. Stanhope, den Trinker aus Verzweiflung, gab Kurt Wahl, zerquält schon im Auftreten, sich steigernd zur Ueberreiztheit. Prächtig in der Schlußszene. Den Angstdurchbruch Hibberts wußte Hanns Heitzig zu einer an den Nerven rechen­den Episode zu gestalten. Frisch und jugendhaft gestaltete Alfons Eckwert den Raleigh, ferne schönsten Momente hatte er aber erst, nachdem für ihn das Erlebnis Krieg zusammengebrochen. (Zweiffellos hätte feiner Art die Rolle des Hibbert mehr gelegen, während die gesunde frische Art von Hanns Heitzig dem Raleigh sehr zu statten ge­kommen wäre.) Der Oberst wuâe von Kurt Hiller scharf umniffen. Mit einem feinen Humor

gab Heinrich Asper seinen Offizierskoch. Un­genügend war die wichtige Rolle des Feldwebels besetzt, während man Wolfgang A n - dria n o eine unbedeutende Rolle zugewiesen hatte.

Das Publikum nahm das Stück Ergriffenheit auf und zeichnete die Schluß durch starken Beifall aus.

mit sichtlicher Darsteller am

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Abonnements

o Städtische Konzerte 1930/31.

zu den 5 städtischen Konzerten, ausgeführt von dem Landes-Symphonie-Orchester für Pfalz und

Saargebiet unter Leitung seines 1. Dirigenten, Generalmusikdirektor Prof. Ernst Boehe und unter Mitwirkung von Gafpar Cosfado, Varoel-on-a (Violoncello), Arno Kotte (Flöte), Cläre Insprucker (Hache), Alma Moodie-Berlin (Violine), Prof. Josef Pembaur-München (Klavier), Berthe de Vigier-Solothurn (Sopran), werden in den Ver­kaufsstellen weiterhin entgegengenommen. Die Verkaufsstellen sind auf den öffentlichen Anschlä­gen zu ersehen. Interessenten und Musikfreunde werden gebeten, sich baldigst ein Abonnement zu bestellen, damit ihren Platzwünschen entsprochen werden kann. Die außerordentlich niedrigen Ein­trittspreise ermöglichen es jedem, selbst unter Be­rücksichtigung der jetzigen Wirtschaftslage, sich an dem Abonnement zu beteiligen. Ueber die Zah­lungsbedingungen geben die Vekaufsftellen gern Auskunft. Das allgemeine Urteil maßgebender Sachverständiger hat in dem vergangenen Konzert­winter außer allem Zweifel festgestellt, daß die Darbietungen des Landes-SymphonieOrchesters jedem auswärtigen Konzertunternehmen, insbeson­dere auch denen unserer Nachbarstadt Frank­furt a. M. ebenbürtig zur Seite gestellt werden können, so daß für keinen Musikfreund Veranlas­sung besteht, vor den Hanauer Musikveranstal­tungen den Werbungen auswärtiger Konzertunter­nehmen den Vorzug zu geben. Herr Generalmusik­direktor Prof. Ernst Boche wird auch in dicsom Jahre alles aufbieten, um die städtischen Konzerte zu einem besonderen musikalischen Ereignis zu ge­stalten.

o Stadltheater. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Außer Abonnement geht heute Don­nerstag, abends 8 Uhr, das äußerst amüsante Lust­

spielWenn der junge Wein blüht" vo« Björnstjerne Bförnson in Szene. Morgen Me- tag, abends 8 Uhr, findet als 1. Vorstellung ® Freitag-Abonnement die erste Wiederholung durchschlagenden Schauspiel-ErfolgesDie. anM Seite" von R. C. Sherriff, deutsch von Hans Reif' ger, statt. Kommenden Sonntag, abends Uhr, gelangt der Operetten-WelterfolgDas LaB des Lächelns", Operette in 3 Akten von FraV Lehar, zur Aufführung. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß der Vorverkauf auch A die letztgenannte Vorstellung bereits begonnen

o Der neue planet Pluto. Ueber den sonnew fernsten, am 21. Januar dieses Jahres von Slip^s an der Sternwarte in Flagstaff (Arizona, gefundenen Planeten liegen jetzt nähere BahE' rechnungen vor, die das Objekt endgültig als neten sichern. Allerdings ist die Bahn so merkwur dig, daß es verft-ndlich ist, daß man zunackl zweifelte, einen Planeten gefunden zu haben, p1^ mehr der Ansicht zuneigte, es müsse sich um eine Kometen handeln. Während nämlich alle andere Planeten in einer ekliptischen Bahn um die Son wandern, die von einem Kreis nur wenig 0 ' weicht, so daß also chre Entfernung von der Son beiSonnennähe" undSonnenferne" nur 8, ringe Unterschiede aufweist, ist die sog. »ExE zität" beiPluto" ganz bedeutend. Seine minn Entfernung van der Sonne beträgt 5900 Mllstane Kilometer (Erde 150 Mill.), zurzeit der groBt Sonnennähe, die im Jahre 1939 erreicht werv- wird, beträgt die Entfernung immer noch Mill. Klm., zurzeit der größten Sonnenferne av 7500 Mill. Klm. Die Umlaufzeit des Körpers uv die Sonne (seinJahr") beträgt 249 Erdjahre sonders bemerkenswert ist auch die große Nefguot seiner Bahn gegen die Ekliptik; während naml ) die Bahnen aller großen Planeten nur ganz wem» gegen die Erdbahn geneigt sind, ist die Bahn p> tos 1700 geneigt. Salbei ist der neue Manch . winzig kleiner Körper, seine Masie beträgt vermu lich nur 0,17 Teile dèr Erdmasse.

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In dem Augenblick, in dem wir einen geliebte, Menschen öffentlich einer Kritik unterbieten, ist Höhepunkt unserer Zuneigung zu ihm verc überschritten.

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