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Montag, den 22. September 1930

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wckltuna der zufammengebrochenen Wohnungsbau- Gesellschaft m. L, H. sich von der Kongregation der Armen Schulschwestern für den Bau des Ludwigs­hafener Marienkrcmkenhaufes Blankowechsel be* schüft. Diese sollten angeblich für die Vermittlung von Zwischenkrediten dienen, wurden in Wirklich­keit aber andern Zwecken (Automaten-Einrichtung usw.) nutzbar gemacht. Die Leitung des Ludwigs­hafener Marienkrankenhauses teilt mit, daß die Schwestern für die ausstehenden Forderungen der beteiligten Banken, Handwerker und sonstigen Un­ternehmer aufiommen und die laufenden Wechsel zurückgehalten würden. Die gleiche Versicherung hat der bauleitende Architekt abgegeben. Es ist be­absichtigt, ein Konsortium von Geldgebern zu fin­den, das gegen hypothekarische Sicherheiten die nötigen Mittel zur Einlösung der Wechselverpflich­tungen aufbringen soll. Rechtsanwalt Ludwig Müller, der am Freitag in Untersuchungshaft ge­nommen wurde, hat die Veruntreuungen einge­standen und erklärt, der Hauptschuldige zu sein. Die beiden andern Verdächtigen hätten von den Wech­sel- und Geldtransakionen nichts gewußt. Man hält die Angaben Müllers jedoch nicht für glaubhaft. Alfred Goldschmidt ist ebenfalls seit einigen Ta­gen verschwunden. Paul Müller befindet sich in der Schweiz, von wo er als Schweizer sicherlich nicht ausgewiesen wird. Er hat von Basel gestern abend an dieHeidelberger Neuesten Nachrichten" einen Eilbrief geschickt. Er habe sich persönlich nicht be­reichert und auf seiner Reise nach der Schweiz nicht mehr als 500 RM aus persönlichem Besitz bei sich getragen. Trotzdem besteht der Verdacht, daß er nicht nur die Baugesellschaft und die Schwestern- kongregation in Speyer geschädigt hat, sondern auch Geld nach der Schweiz gebracht hat. Die Wohnungsbaugesellschaft, deren Unterbilanz sich auf 2 Mill. RM beziffert, wird in den nächsten Ta­gen Konkurs anmelden. Eine heute stattfindende Stützungsaktion soll beschließen, sofort 1,3 Mill. RM zur Verfügung zu stellen zur Befriedigung der dringendsten Schulden bei Handwerkern und Lieferanten für den Ludwigshafener Krankenhaus­bau und auch den Armen Schulschwestern in Speyer zu helfen.

Dev 11» Sevivekvtas des HMsbundes füv dèe Ezsaß Loihvknsev

Koblenz, 20. Sept. Der heute vormittag hier begonnene 11. Vertretertag des Hilfsbundes für die Elsaß-Lothringer im Reich wies eine noch stärkere Beteiligung auf als die bisherigen Tagungen. Außer dem Bundesvorstand und zahlreichen Mit­gliedern des Bundesausschusses waren vertreten 59 Ortsgruppen mit 94 Stimmen, ferner waren anwesend als Vertreter der Reichsregierung und des ReichsfinanzministeriuMs der Präsident des Reichsfinanzamtes Köln, von Bandt, als Vertreter des Reichsministerium des Innern Dr. Medicus, als Vertreter des Koblenzer Regierungspräsiden­ten Vizepräsident Mand, weiter Oberbürgermeister Russell, fünf Reichstagsab geordnete verschiedener politischer Parteien und mehrere Landtagsabge- ordnete. In seiner Begrüßungsansprache be= tonte der Dundesvoriitzen.de WinnteriairaA DMnèvèrt entgegen erneut ÄfÄ Vs:

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tigungen und Anwürfen aus dem Auslande, daß der Hilfsbund feine Politik treibe, weder bisher noch in Zukunft, daß es chm aber niemand ver­wehren könne, seine Sympathie für das verlorene : Vaterland zu bekunden und sich kulturell zu be- tätigen. Wenn er auch ein Interesse neunte an der , politischen Gestaltung in Elsaß-Lothringen, so müsse doch die Gestaltung ihres Schicksals voll und ganz Elsaß-Lothringen und seinen Bewegungen überlassen bleiben. Die einzelnen Vertreter der Behörden bekundeten ihre Sympathie für die Ziele des Bundes und betonten, daß, wenn die finan­zielle Lage des Reiches sich bessere und eine wei­tere Entschädigung ermögliche, eine solche auch in Betracht gezogen werden könne. Der Bundes­tag wandte sich sodann energisch gegen ein in den letzten Tagen verbreitetes, in Elsaß-Lothringen verfaßtes und gedrucktes Pamphlet, das schmutzige i Vorwürfe gegen den Bundesvorstand und den Hilfsbund erhebt. Ueber diese Schmutzschrift ging der Bundestag mit Verachtung und Nichtbeachtung zur Tagesordnung über und lehnte damit ein Ein­gehen-auf diese Schmutzarbeit ab, sprach dagegen dem Vorstand sein volles Vertrauen aus. Ueber i die Entschädigungsfrage berichtete der Geschäfts­führer des Hilfsbundes, Rechtsanwalt Dr. Purper, der eingangs betonte, daß das Kriegsschädenschluß- gesetz nicht als endgültig angesehen werde. Das Reich werde über kurz oder lang eine weitere Regelung in die Wege leiten müssen. Die Erspar­nisse des Poungplanes seien zugestandenermaßen im wesentlichen erzielt worden mit Rücksicht auf die von den Geschädigten getragenen Reparations­vorleistungen. Ferner habe das Reich zum größten Teil auf die Reparationsüberschüsse auf Kosten der Geschädigten verzichtet, müsse also seinerseits die Entschädigungspflicht übernehmen. Anhand statistischer Unterlagen und eingehender Berech­nungen stellte der Redner fest, daß von den Ueber- schüssen des für die Entschädigung vorgesehenen Betrages von 1,3 Milliarden ein Ueberschuß von fast 61 Millionen an Schuldbucheintragungen er­zielt worden sei. Dazu kämen die Rückflüsse und die Überschüsse aus den Liquidationserlösen, deren Höhe heute noch nicht feststehe. Diese Be­träge müßten den Geschädigten nach den Erklä­rungen der Reichsregierung wie des Reichstages zugute kommen. Wie die weitere Entschädigung sich gestalten werde, hänge natürlich von der finan­ziellen Entwicklung des Reiches ab. Das Reich habe umsomehr die Pflicht zu weiteren und besse­ren Entschädigungen, als nach den Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft der VerdrSngten-Ver- bände der Liquidationserlös in Gold umgerechnet 1,9 Milliarden betrug, die Gutschriften hieraus sich auf 1,6 Milliarden beliefen und das Reich hieraus 1,2 Milliarden Mark zur Tilgung von eigenen Verpflichtungen anderer Art benutzt habe, während das liquidierte Privatvermögen nach amtlichen Feststellungen rund 8 Milliarden betrug und dafür lediglich eine Milliarde unter dem Titel Entschädigungen für die Verdrängten gezahlt wor­den seien. Angesichts dieser Zittern könne man bisher nur von einer teilweisen Wiedergutmachung an die Geschädigten sprechen, nicht aber von einer Entschädigung. Die Erwartung einer Weiterent- schädigun'g sei nach diesen Ziffern durchaus nicht aufzugeben. Dazu komme noch die ungerechtter- tlgte Sonderbehandluna und bedeutende Besser­stellung der Polengeschädigten (50 Prozent gegvn-

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Preisend mit viel schönen Reden nämlich die Abrüstung so sahen jetzt in Genf gar viele Minister Europas zusammen. Aber was nutzen d ie schönen Reden, wenn unsre Aufstellung zeigt, daß allein 9 europäische Staaten pro Jahr die Riesensumme von 10,285 Milliarden Mark für Wehrzwecke ausgeben. Die Riesenzahl Englands ist bedingt durch die hohen Ausgaben für die starke Flotte und das Kolonialheer. Und die verhältnismäßig hohen Ausgaben für das kleine deutsche Heer und die noch kleinere Marine sind verursacht durch das teure System des Söldner­heeres, das uns der Versailler Vertrag vorschreibt.

über 12 bis 15 Prozent der sonstigen Geschädig­ten). Aus Gerechtigkeits- und Billigkeitsgründen werde also das Reich nicht um eine angemessene weitere Entschädigung herumkommen. Die Ar­beitsgemeinschaft hält unentwegt an ihrem seiner­zeitigen Programm fest, die allgemein als maß­voll und billig anerkannt worden ist und verwirk­licht werden müsse, wenn das schreiende Unrecht an den Verdrängten aus der Welt geschafft wer­den soll. Die Versammlung gab durch stür­mischen Beifall ihrer Zustimmung zu der Auf­rechterhaltung dieses Mindestprogramms Aus­druck. Dabei wurde von mehreren Rednern betont, daß heute bereits aus den verschiedenen Erlösen des Reiches Ueberschüffen usw. ein Betrag von rund 400 Millionen Mark zur Verfügung gestellt werden könne.

» mrd die Dvasrhen

Von Dr. Erich Anhalt

Das Hemd ist uns näher als der Rock!" So tönt es einem immer wieder entgegen, wenn man von der yieffachen Not der Deutschen im Auslande erzählt und um mitfühlende Herzen und helfende 'Hänbe « ^AW M Nok M MMrde wahrlich groß genug, um hier alle verfügbaren Kräfte einzusetzen? Und dann: Was tut denn die­ser Deutsche im Auslande für uns? Und schließ­lich: Es hat ja doch alles keinen Zweck. Der Deutsche im Auslande wird seiner verderblichen Neigung, in fremdem Volkstum aufzugehen, doch erliegen. Wir können diese Entwicklung höchstens verzögern, aber nicht unterbinden.'

Ich möchte dem gegnüber hier nicht so sehr die ideellen Werte einer Betreuungsarbeit am Aus­landdeutschtum betonen, nicht so sehr die kulturelle Zusammengehärigkest aller Deutschen, wie dies ja schon häufig genug geschehen ist und auch noch ge­schieht; vielmehr möchte ich den kritisch eingestellten Volksgenossen im Inland ganz nüchtern eine Reihe von Tatsachen entgegenhalten, wie sie sich mir wäh­rend einer längeren Reise durch Südosteuropa auf*

drängten.

Da ist z. B. im Banat vor einigen Jahren eine deutsche Ackerbauschule in Wojtek gegründet wor­den. 440 Morgen deutschen Bodens werden hier von deutschen Schwabenfäusten bestellt. Deutsche Gelehrte arbeiten hier an der Veredelung des Saat­gutes, rproben immer wieder Neues und geben dann ihre Erfahrungen in die Dörfer weiter, um die deutsche Landwirtschaft ertragreicher zu gestal­ten; schwäbische Bauernjungen treten hier, viel­leicht zum ersten Mal im Leben, in lebndigste Be­ziehungen zur deutschen Kultur, vom deutschen Märchen und vom deutschen Lied bis zu irgend einer landwirtschaftlichen oder allgemein-bildenden Frage der Gegenwart o, diese Schwaben sind sehr real gegenwartsbetont!Aber was haben w i r davon?'' Nun ,diese eine Schule hat m dem einen Rechnungsjahr 1929/30 folgende Einfuhr aus Deutschland für den eigenen Bedarf wie für den der deutschen Nachbargemeinden vermittelt: 24,Stck. Selbstbinder, 2 Waggon Grasmäher, Pferde­rechen und dergleichen, 30 Stück Rüben­schneider, 12 Häckselmaschinen, 3 Raupenstock- trwktorenl Waggon Pflüge, 10 Waggon Bindegarn für Selbstbinder (!), 1 Waggon Sojabohnensamen, 17 Oldenburger Hengste, 12 Oldenburger Stuten, 43 veredelte Zuchtschweine, 1 Zuchtstier, 3 Rinder.

Fügen wir ergänzend hinzu, daß auch die Si^ benbürgifchen Ackerbauschulen, z. B. die vorbildlich geleitete in Mediasch, grundsätzlich mit deutschen Maschinen arbeiten, daß in Temesvar, der Hun- derttausend-Einwohnerstadt, die Dank des wieder­erwachenden Bewußtseins der, 30 000 Deutschen seit 5 Wochen wieder einen deutschen Dürgermel- ster, Dr. Schmitz, hat, soeben eine riesige deutsche Dynamonmaschine als Hauptkrastguelle in das Städtische Elektrizitätswerk eingebaut wird; daß der Pfarrer eines großen Dorfes in Siebenbürgen im Juli d. I. einige Dorfälteste nach Schlesien sandte, um dort mehrere' Waggons Zuchtschweine zu kaufen; daß in den deutschen Zeitungen Rumä­niens deutsche Maschinen von der Rotations- bis zur kleinen Handpresse benutzt werden!

Was zeigen uns diese wenigen Ausschnitte? Sie zeigen uns, daß die Deutschen im Auslande durch ihre Aufträge unserer Industrie einen bemerkens­werten Austrieb und damit manchem deutschen Arbeiter das tägliche Brot geben. Denn ohne Auf­träge feine Arbeitsmöglichkeit. Die entsetzliche Ar­beitslosigkeit, unter der wir augenblicklich leiden, ; wäre noch weit umfangreicher und verheerender, wenn wir die Ausländsdeutschen nicht hätten. Wißt ; ihr, ihr Kritiker im Inland, daß wir im Jahre

1928 allein nach Argentinien, Brasilien und Chile für mehr als eine halbe Milliarde Goldmark an Jndustrieerzeugnissen ausgeführt haben? Das be­deutet Brot für Taufende von Arbeitern!

Ihr meint, die Bestellungen kämen auch so? kä­men lediglich wegen der Güte der deutschen Wa­ren. O nein! In Temeswar wurde vor eini­gen Jahren, als die deutsche Bewegung noch nicht so stark war wie heute, eine städtische Molkerei ge= baut. Die Maschinen bezog manaus politischen Gründen"^ aus Frankreich, obwohl das französische Angebot teuerer war als das deuffche! Dabei sind die Maschinen, wie ich mich überzeugen konnte, heute nach kurzer Zeit schon reichlich verbraucht, die Emaillebeläge ausgesprungen usw. Der Bürger­meister bestätigte mix auf meine Frage, daß die deutschen Maschinen erheblich besser gewesen seien. Heute würde man diese nehmen!

Genügt dieses Beispiel? Qualitätswaren ver­mögen auch andere Länder zu liefern. Z. B. ist Amerika heute in Rumänien ein starker Konkur­rent. Aber die Güte der Maschinen allein gibt heute nicht den Ausschlag. Nur weil diese Men­schen sich heute auf das engste mit dem deutschen Mutterlande verbunden fühlen, kaufen sie deutsche Waren. Als Voraussetzung dazu ist aber unbedingt na, daß sie von uns nicht einfach kaltherzig im

M gelassen werden7 Wiemele Millionen Mutsche Stammesbrüder sind uns in früheren Jahrhunder­ten schon, rein staatlich betrachtet, verloren gegan­gen, weil das heilige römische Reich deutscher Na­tionkein Interesse" daran hatte, sie zu schützen. Denken wir nur an die Schweiz und die Nieder­lande! Wieviel Millionen tüchtiger Deuffcher sind allein in dem letzten Jahrhundert in Nordamerika

ihrem Deutschtum und damit ihrem

Mutterlande

entfremdet, weil das junge Deutsche Reichkein Interesse" daran hatte, mit ihnen in Fühlung zu bleiben! Soll das so weiter gehen?

Aber die Ausländsdeutschen haben ja weniger zu leiden als wir hier im Inlands! Sind sie denn wirklich so hilfsbedürftig, wenn sie bei uns noch Maschinen bestellen können?" Dazu ist zu sagen: Erstens leben diese Deutschen Rumäniens "n einem ganz miserabel organisierten Staate und sind schon

deswegen schlechter daran als jeder Jnlandsdeutschei Die Einkommensteuer der Deutschen beträgt durch­schnittlich 15 Prozent, und das in einem sogenann­tenSiegerstaat". Die Rumänen allerdings haben es weit besser. Ihnen gegenüber versagt in den meisten Fällen jedes Mittel der staatlichen Steuer­eintreibung! Dazu kommt die sog.Agrarreform". Sie besteht darin, da ßdan den Deutschen bis zu zwei Drittel ihres seit Jahrhunderten mühselig ur­bar gemachten und von den Vätern ererbten Grundbesitzes abnimmt und das Land an rumä­nische Staatssiedler gibt, die mit diesem Geschenk bei ihrer Unkultur kaum etwas anzufangen wissen und nur auf den Augenblick warten, wo sie ihren Anteil preiswert losschlagen können. Ferner eine Zollpolitik, die mit ihren Ausfuhrverboten die land­wirtschaftlichen Erzeugnisse besonders den Wei­zen bis auf ein Minimum entwertet hat.

Alles dies drückt entsetzlich auf die Deutschen Rumäniens. In dem früheren reichen Sieben-

In dem früheren reichen Sieben­bürgen gibt es heute etwa 12 Gemeinden, die ihre deutschen Lehrer seit einem Jahre nicht mehr be­zahlen tönnem zumal sich der Staat bisher seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Min­derheiten, die er im Friedensvertrag 1919 schrift­lich anerkannt hat, gänzlich entzieht. Mir wurde ein Fall bekannt, wo ein deutscher Lehrer nur durch das Eingreifen des deutschen Konsistoriums in Hermannstadt vor der drohenden Pfändung seiner sämtlichen Habe gerettet werden konnte, allerdings auch nur für ein halbes Jahr. Er hatte seit einem Jahr keinen Gehalt bekommen! Die in­zwischen ausgelaufenen Bankzinsen (nicht unter 20 Prozent!) machten den Wert von 5 seiner Sahres* gehalter aus. Ist es unter diesen Umständen leicht, für das Deutschtum, d. h. für Euch, die Ihr dies lest, dort draußen Freunde zu werben?

Ein anderes Beispiel: Der Direktor der ein­gangs erwähnten Ackerbauschule, die so wertvolle Auftrage für Deutschland vermittelte, hat im vorigen Gahr 9 Monate lang kein Gehalt bekom­men, weil von den knappen Geldern zunächst die Tagelöhner bezahlt werden mußten. Seine beiden Mitarbeiter haben noch heute für 3 Monate ihr Ge­halt zu fordern. Sie alle- sind nicht etwa wohl­habende Leute, diees sich leisten können" sondern Menschen, für die der Pfennig noch viel wertvoller ist als für uns. Und doch arbeiten sie alle selbst­los und begeistert für die deutsche Sache. Und doch ist tn den letzten Jahren in Temeswar die Bana- tm" emporgewachsen, ein stolzer Bau, der eine Volksschule, ein Lehrerseminar mit Internat und

ein deutsches katholisches Gymnasium in fidjf^. einigt. Und doch kämpfen dort Bauern und Städter einMießlich der Arbeiter vereint für des deutsche» Volkes Geltung. Ich traf im Banat einem Me» sozialdemokratischen Führer, der froh und M deutschTamerikanische Besucher in konservatfi- schwäbische Dörfer führte und sich dort durchëms & Hause fühlte, weil er bei allen parlamsntarischeè Kämpfen nicht verlernt hatte, auch im AnLerz. denkenden den deutschen Landsmann zu schen.

Vereint blicken sie alle auch auf unsere deutsche Heimat mit einem so felsenfesten Vertrauen, baf ich mich oft fragte: Haben wir das wirklich ver­dient?Deutschland wird nicht untergehen, sondern auferstehen und auch uns nicht im Elend lassen!' Das war das A und O ihrer Reden. Sollen wir sie enttäuschen? Fragt Euch, Ihr Männer und Frauen mit warmen fühlenden Herzen, aber auch Ihr, Ihr die realen Vorteile und Nachteile dieses Lebens entscheidend in die Wagschale legt: Hat es einen Sinn, die Deutschen im Auslande als Deutsche m erhalton? Haben wir etwas davon. Betreiben wir etwa bamit eine fremde, gleichgültige Sache ober doch unsere eigene? Und ist diese Sache so MG lich hoffnungslos?

Bedenkt, daß das fast ausgerottete DsutschtM in Klausenburg heute wieder in einem erfreulichen Aufstieg begriffen ist, Bedenkt, daß weite Kreise des deutschen Banates, die noch vor 12 Jahren ihre deutsche Sprache ganz verlernt hatten und deutschen Belangen gleichgültig gegenüber standen, heute ihr Deutschtum wieder gefunden haben und sich Uz innerster Ueberzeugung nicht nur für ihre deutsche Kultur, sondern auch rein prakttsch für die Bestel­lung nur deutscher Waren einsetzen! Solltet Ihr Euch aber für die gemeinsame deutsche Sache ent­scheiden, so bebenft noch das eine; Im Anfang alles Geschehens steht nicht die leere Begeisterung, son­dern die aus der Begeisterung geborene Tat, bis Tat der Hilfsbereitschaft für alle Deutschen in Net

Das ReiG dsrr Kok«

Rosenernle in Bulgarien. 800 Tonnen Rosenöl kostbares Rosenwachs

Die diesjährige Ernte der Rosenblätter, aus denen in Bulgarien das kostbare Rosenöl und Rs> senwasser gewonnen werden, verspricht gute Er­träge. Die Rosen werden in zwei Bezirken gezüchtet, deren Zentrum die Städte Kasanlyk und Carlovo bilden. Beide zeichnen sich durch die für die Zucht der Rosen besonders günstigen Bedingungen aus, da sie durch die sie umgebenden Höhenzüge vor kalten Winden geschützt sind und sich dank dieser Lage eines gleichmäßigen, im Sommer fast tropi­schen Klimas erfreuen. Zwischen 700 und 800 Tonnen Rosenblätter werden dort alljährlich ge­pflückt, wobei aus vier bis fünf Tonnen Blätter« ein Kilogramm Rosenöl extrahiert wird. Zunächst gewinnt man das Rosenwasser, daß bei längere» Stehen eine dünne Oelschicht, das Rosemöl, an her Oberfläche absetzt, ein weiteres Produkt,J das nur selten seinen Weg nach Westeuropa findet, iss das Rosenwachs. Es bleibt an den Fingern der KWW die die Blätter abpflücken, haften und wird W aller «Sorgfalt von den Fingern abgelöst und. ty r fäfrtmëtf, benn es Alt den BalkänvMern â wertvollste Erzeugnis der ganzen Rosenkultur. knetet das Wachs zu einem Teig, aus dem winM Kügelchen geformt werden, die die reichen Miec-f talen zur Erhöhung des Rauchgenusses Zigchreüeos und Pfeifen beizumischen pflegen. Das Rosenwachs- stellt sich teurer als Rosenöl und Rosenwasser, dafür verbreiten aber die mit ihm präparierten Zigarette» und Pfeifen einen Wohlgeruch, der den ganze» Raum mit Rosenduft erfüllt. Die Blätter werden ausschließlich von den Frauen und Töchtern der Züchter gepflückt. Die Arbeit erfolgt in den früher Morgenstunden vor Aufgang der Sonne, da die Sonne eine Menge Oel in den Zellen zur Ver­dunstung bringt. Die Männer befördern die ge- pftückten Blätter so schnell wie möglich in die Desm- lieranstalten, von denen es rund 3000 im Lande gibt. Seit Jahrhunderten bedienten sich die lokalen Züchter ihrer eigenen primitiven Destillations­methoden; in den letzten Jahren haben sie sich alA einem modernen Verfahren zugewandt, das nicht nur eine Zeitersparnis bringt, sondern durch vor allem auch ungleich reichere Erträge erzist werden. Bei den neuen Apparaten werden die Blätter mit Dampf behandelt; der Destillations­prozeß dauert nur zwei bis drei Stunden. Der Wert der bulgarischen Ausfuhr von Rosenöl und Rosen- wasser stellt sich im Jahresdurchschnitt aus 6 Millionen Mark.

Großfeuer im Schloß Hohenheim

Stuttgart, 21. Sept. Im Schloß Hohenheim brach in der vergangenen Nacht im östlichen Te"- in dem sich das Technologische Institut der Lan^ wirtschaftlichen Hochschule befindet, Feuer aus, oa- rasch großen Umfang annehmend, das Institut, die Räume der Latein- und Realschule sowie die SpE' räume, einige Wohnungen und auf dem Spe'uft lagernde Hafervorräte vernichtete. Mehrere 8eU^' wehren waren die ganze Nacht über bis in a* Vormittagsstunden tätig, bis es gelang ein »euere Umsichgreifen des Feuers zu verhindern. Der w den ist sehr groß, doch ist für das abgebrannte stitut schon ein Neubau vorhanden, der bald bezv gen werden kann. Ueber die Entstehungsursache oe Brandes konnte noch nichts ermittelt werden.

3m Manöver tödlich verunglückt

Königshofen (im Grabfeld), 19. Sept. Wie er) jetzt bekannt wird, stürzten bei Alsleben iu ' Nacht zum Dienstag zwei Reiter in einen " bruch und erlitten dabei tödliche Verletzung^' Ferner hat ein störrisches Pferd, das die »ru bei Merkershausen nicht passieren wollte, Offizier abgeworfen, der dadurch tödlich verte» wurde.

Preußisch-Süddeutsche Staatslotterie. Der vo liegenden Nummer unserer Zeitung liegt Prospekt des neuen verbesserten Gewinnplans 36. Preußisch-Süddeutschen (262. Preuhss^ Klassenlotterie bei, auf den wir unsere Leser beso ders aufmerksam machen. In dem neuen Gewinn­plan ist den vielfachen Wünschen der Spieler » Vermehrung der Mittelgewinne in außerordew lichem Umfange Verdreifachung ihrer Zahl Rechnung getragen warLeu.