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-scheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Wnat RM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.— ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Sem-tag 12 JUpfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Greife 8R-Pfg.« im Reklametell von SS mm Breite 25 R-Pfg. ✓ Offertengebühr so R«pfg.
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12. September
1930 '
Das Ne«eKe
— In einer Besprechung zwischen dem Reichs- kmzler und dem Reichstagspräsidenken Loebe ist Jet Zusammentritt des Reichstags nunmehr aus kn 13. Oktober festgesetzt worden.
— Dem Kurssturz an der Börse am Montag ist jeffern eine Beruhigung gefolgt. Die Stimmung ist «senklich zuversichtlicher, da einmal die erwarte- im Auslandsverkäufe nicht eingefroren sind, und mdererseils, wie eine Umfrage bei den Groß- imken ergibt, die Geldofferlen des Auslandes wie bisher vorliegen.
— 3m Völkerbund sprach gestern unter großer Aufmerksamkeit Reichsaußenminister Dr. Curtius über Deutschlands Stellung zur Abrüstung, zur Minderheitenfrage und zu Baneuropa.
— Die Völkerbundsversammlung hat in einer liachlsihung die. allgemeine Aussprache geschlossen. Die Vertreter Rumäniens, Kolumbiens und perlens kündigten den Beitritt ihrer Länder zur Fakultativklausel des Haager Gerichtshofes an.
— Das offizielle Frühstück der Vereinigung der Völkerbundjouvnalislen gestaltete sich durch drei Beben des deutschen Ministers des Aeußern Dr. Lurlius, des englischen Ministers des Aeußern Henderson und des französischen Ministers des Äußern Briand zu einer bemerkenswerten politisch-menschlichen Kundgebung.
— Der deutsche Gesandte in Buenos Aires ist beauftragt worden, der neuen argentinischen Regierung mitzuteilen, daß sie von der Reichsregie- tung anerkannt wird.
Wie teil nun MSßevi werden?
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M Keine reizte Sache"
Drei Reden vor den Völkerbundjournalisken
Genf, 16. Sept. Die Vereinigung der beim Völkevbund akkreiditierten Journalisten vemnstaltete heute anläßlich der Völkerbundsversammlung ihr straditionelles Frühstück, an dem der Präsident der Wlkevbundsvevsammlung und die meisten Haupt- pelegi erben der Tagung teilnahmèn. Reichsminister Dr. Curtius, Henderson und Briand hielten An- Mvachen, in denen in teils launiger, teils ernster Meise Streiflichter aus die politische Lage ge- Wvnssn wurden. Der Präsident der Vollversamm- ^ng, Titulescu, kam aus die Idee eines Hauses der Weltpresse, das in Verbindung mit dem Völkerbund fr Genf errichtet werden soll, zu sprechen. Dr. Murtius sprach über die Synthese zwischen Mationalbowußlisein und internationalem Verant- Msortungsgefühl. Jeder Delegierte habe die Pflicht, sie innere Harmonie zwischen diesen beiden Polen sherzustellen. Auf dieser Grundlage müsse am Friedenswerk der Welt gearbeitet werden. Hender- lön ging kurz auf die im Anschluß an seine bekannte Äbrüstungsrede in der Presse erschienenen Komemntare ein u. erklärte, daß zwischen ihm und Briand lediglich Meinungsverschiedenheiten über die Methode, nicht über das Ziel beständen. Briand sprach in Erwiderung auf die Ansprachen des englischen und deutschen Außenministers über das Friedensproblsm. Er widmete dem verstorbenen Außenminister Dr. Stresemann, innerlich sichtlich bewegt, einen herzlichen Nachruf. Briand erklärte: Ich habe jahrelang hier mit einem Mann zusam- mengearbeitet, mit dem mich große Zuneigung und größtes Vertrauen verband: Dr. Stresemann. Schon
Walksk.-ußauernptn, = KonservafwMkspartei+We/fen i +t)eutscties Lanako/k+&mtst/icfy-M^
Vo/ks<tiemtip)eufsct)e Bauernpartei
Unsere Aufstellung zeigt die Möglichkeiten einer Mehrheitsbildüng innerhalb des neuen Reichstags. Ob diese Möglichkeiten politisch diskutierbar sind, ist eine andere Frage. Die bisherige Brüning-Koalition (rechts oben) ist durch die Neuwahl noch mehr in eine Minderheitsposition gedrängt
sach wenigen Wochen hatte ich volles Vertrauen zu ihm und er zu mir, weil wir unsere Sorgen mit aller Offenheit im Interesse unsrer Völker miteinander besprachen. Wir waren bald davon überzeugt, daß der Friede zwischen unseren Ländern der Friede für Europa sei, und heute, wenn ich schwere Stunden durchzumachen habe, sehe ich ihn immer moralisch an meiner Seite. Ich beschwöre sein Gesicht, und ich frage ihn, ob ich recht gehandelt habe. Dann habe ich das Gefühl, daß er zu mir spricht. Du hast gehalten, was wir uns versprochen haben. Das gibt mir für meine Arbeit immer wieder neue Stärkung. Der Friede ist keine leichte Sache. Was wäre es für ein Verdienst in der Arbeit um ihn, wenn er leicht wäre? Ich denke an die Gelehrten, wie Pasteur, die in der Verborgenheit in ihren Studierstuben unermüdlich darum gerungen haben, vernichtende Krankheitskeime zu entdecken und sie dann zu vernichten, j Diese Aufgabe haben auch wir, die wir hier ver- - sammelt sind. Wir finden Schwierigkeiten, das ist j sicher. Es-sind die Interessen der Völker, es sind die Leidenschaften, es ist zum Beispiel die Angst um ihre nationale Existenz, manchmal ein übertriebener Patriotismus, die uns Hindernisse bereiten. Aber ! der Kämpfer für den Frieden wird nie aufhören, I für diese große Sache einzutreten, und wenn er einmal niedergeworfen ist, dann wird er sich immer I wieder mit eiserner Energie erheben, um weiter- ; zukämpfen.
1 Das zahlreiche Publikum, das seiner Erklärung i beiwohnte, war besonders durch die Worte über
Etrèsemann sichtlich tief erschüttert.
Kolvrogramm
als «oatttkonSdafiS
Berlin, 16. Sept. Amtlich wird mitgeleilt: Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers D r. Brüning trat Dienstag das Reichskabinett in einen Meinungsaustausch über die durch die Wahlen geschaffene politische Lage ein. Es bestand die einmütige Auffassung, daß die Reichsregierung das im Sommer in Angriff genommene Programm einer fachlichen Arbeit zur Lösung der wirtschaftlichen, finanzpolitischen und sozialpolitischen Aufgaben mit allem Nachdruck so weit zu fördern hat, daß dem neuen Reichstag bestimmte Vorlagen zugeleitet werden können. Der Reichskanzler wird seinen geplanten kurzen Urlaub nicht antreten.
Nach diesem Kabinettsbeschluß ist mit einigen Tagen der politischen Ruhe zu rechnen. Die parteipolitischen Auseinandersetzungen werden zwar fortgesetzt, aber Besprechungen zwischen den Parteiführern und Verhandlungen des Reichskanzlers sind vorläufig nicht vorgesehen. Der Reichskanzler wird sich im Gegenteil, ebenso wie der Ministerpräsident Braun, einige Tage der Ruhe gönnen, um für die kommende Entwicklung gerüstet zu sein. Sie werden Berlin nicht verlassen, sich aber von den Geschäften etwas zurückziehen. Allerdings ist eine Aussprache zwischen dem Reichskanzler Dr. Brüning und dem preußischen Ministerpräsidenten Braun schon für die nahe Zukunft vorgesehen. Ministerpräsident Braun hat in einer Unterhaltung, die er mit einem amerikanischen Pressevertreter hatte, von der Notwendigkeit gesprochen, eine „Sammlung der Vernünftigen" anzubahnen. Der Reichskanzler hofft, daß bei einem Versuch, den er jelbst^in dieser Richtung anstellen wird, ber' Ministerpräsident Braun ihm wirksame Hilfe leisten wird.
Zunächst ist das Reichsfinanzministerium und das Reichsarbeitsministerium beauftragt, die notwendigen Gesetzentwürfe für die Finanzreform auszucirbeiten. Sie sollen dann, wenn es-irgend möglich ist, in der nächsten Woche vom Reichs- kabinett beraten und beschlossen werden. Man steht in den Kreisen der Regierung auf dem Standpunkt, daß aus politischen Gründen die Fortführung dieser Reformarbeit unbedingt notwendig ist, weil nur dadurch die Grundlagen für eine gesunde politische Entwicklung geschaffen werden können. Das Kabinett wird dann mit diesem Programm sachlicher Aufbauarbeit vor den Reichstag treten, in der Erwartung, daß es dort eine Mehrheit finden wird.
Wwih übev tote vomr-che Lase maG den wahren Berlin, 16. Sept. Reichsirmenmimstsr Dr. Wirth sprach heute abend im Rundsunk über i die politische Lage nach den Wahlen. Der Mmister
worden.
führte u. a. aus:
Der Radikalismus hat eine Schlacht gewonnen; aber — klingt es auch paradox — die Regierung behauptet Las SchlachtfeD, L. h.: sie regiert, sie bleibt im Amt, sie lfährt fort, die Probleme der Finanzen, des Wirtifchasts- und sozialen Lebens genau wie in den verflossenen Monaten noch fachlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Wir werden Gelsgsrcheit nehmen, in den nächsten Wochen auch dem Wähler von draußen klar zu sagen, nach welcher Seite unsere Vorlagen sich darstellen werden. Wir umgehen die Frage nicht, ob wir etwa durch- komnxen mit den Kräften, die heute hinter uns stehen.
Ls ist ja bekannt, daß uns an einer Mehrheit, die 28s Stimmen umfassen müßte. 80 Stimmen fehlen. Die Opposition ohne Sozialdemokratie umfaßt 226 Stimmen. Es fehlen also der Regierung, selbst wenn die Sozialdemokratie völlige Neutralität proklamieren würde, immer noch 17 Stimmen. Eine Neutralität der Sozialdemokratie wäre demnach nicht ausreichend, um die Regierung auch nur vor einem Mißtrauensvotum zu sichern.
Wir wollen den ganz klar zum Ausdruck kommenden radibalen Strömungen ein klares, fachliches, soziales Wirtzchasts- und finodâisches Programm entgegensetzen. Verfassungsändernde Gesetze' sinld gegen einen Block der reinen Negation nicht möglich.
Eine sogenannte Rechtssronl könnte nur dann politisch wirksam werden, wenn Bayrische Volkspartei und Zentrum LazutrÄen. Das ist politisch nicht diskutierbar^
Man kann unmöglich an Ler Frage Vorbeigehen, wie ist biefe politische Explosion im deutschen Volke möglich gewesen. Aèan kann nicht von einem gesunden Vechassungsleben sprechen, wenn aus der Tiefe Les Volkes Ströme Les Radikalismus aus» brechen, die geradezu dem Ausbruch eines Vulkans gleichen. v
In allem Ernste fei gesagt: Was das deutsche Volk in einer 12jährigen harten Schule des Leidens und Ertragens ausgehalten hat, das hat seine Grenze erreicht. Wer draußen in der Welt nicht sieht, das die Grenze des Möglichen für das deutsche Volk gekommen ist, der möge sich einmal prüfen, ob er denn nicht selbst einmal jung gewesen ist. Iung sein, heißt doch Lebenshoffnung in sich tragen. Eine Jugend ohne Hoffnung, ohne Lebens- sreude, das ist ein Widerspruch in sich: Die Staatsmänner aller Nationen mögen sich einmal innerlich überlegen, ob nicht die Zeit gekommen ist, wo die Probleme des deutschen Volkes im Rahmen der jetzt fast die ganze Welt betreffenden wirljck^ists- krife nicht einer Prüfung zugeführt werden müssen. Für das Maß des unpolitischen Geistes, der auch jetzt aus dem deutschen Volk durch die Wahlresul- tafe ausgebrochen ist, darf man nicht das deutsche Volk allein verantwortlich machen.
Wir sind von dem Willen beseelt, das deutsche
Volk zur Selbstoerantwortung zu führen, d. h., «s zu politisieren im wahrsten Sinne Les Wortes. Nicht ausscktießlich wir sind schuld an Dingen, für die Lie ganze Welt mitverantwortlich ist. Der Appell an die deutsche Jugend ist deshalb ein Appell an die Jugend der Welt. Zum Schluß kündigte Dr. Wirth Ausführungen anderer führender Politiker im Rundfunk an und sagte: Wir gehen zur Arbeit. Die Arbeit wird eine rein sachliche sein. Wer guten Willens ist, möge an unsere Seite treten. Die Regierung führt und sie wird weiter führen.
wefiavv fite âoalttèon mit den Kaiwnalsozèattföert
Die Nationalsozialisten als Erziehungsobjekt
Berlin, 16. Sept. In der „Kreuzzeitung" nimmt heute Graf W e st a r P-Stellung zum Wahlergebnis. Er kommt zu dem Schluß, Laß Lie Bildung ein er Großen Koalition unmöglich sei, weil Lie bisherigen Parteien einer Großen Koalition nur 280 Stimmen aufbringen würden, während die absolute Mehrheit 289 beträgt. Die Wirtschaftspartei und die aus der Deutschnationalen Volkspartei hervor" gegangenen Parteen dürften nach seiner Ansicht für eine Große Koalition niemals in Frage kommen. So sei die Bildung einer Großen Koalition nicht durchführbar. Dagegen ergebe sich bei Zusammenfassung von Zentrum, Bayer. Volkspartei, Nationalsozialisten, Deutschnationalen, den aus der Deutschnationalen Volkspartei hervorge- gangenen Parteien, der Wirtschaftspartei, der Deutschen Bauernpartei und der Deutschen Volkspartei eine Mehrheit von 337 Sitzen, die auch bestehen bleibe, wenn eine der kleineren Gruppen sich nicht beteiligen würde. Die Regierung Brüning werde sich nicht der Aufgabe entziehen dürfen, über diese, Mehrheitsbi l d u n g in V e r h a n d l u ngen einzutreten, wenn sie alle parlamentarischen Möglichkeiten aus schöpfen wüt Der Schmutz gehässiger Ag^arum
Mr Rettung aus der Kakastrophe in Frage den Weg zur Pflichterfüllung nicht versperren. Voraussetzung dieser Regierungsbildung sei die L 0 s- lösung des Zentrums von der Sozial- Üemokratsis in Preußen, Lie auch von den Konservativen gefordert worden sei. Es bleibe die Frage offen, ob in Verbindung mit den Nationalsozialisten das' Programm der Hilfe für die Landwirtschaft und den Osten, der umfassenden Reformen der Sozialversicherung, Ler Finanzen und der Wirtschaft sich durchführen und weiter ausbauen läßt, um dessentwillen der Reichspräsident den Reichstag aufgelöst habe. Das Zentrum habe »ft ausgesprochen, daß es sich berufen fühle, andere Parteien zur Verantwortung zu erziehen.
Die Nationalsozialisten bieten sich ihm jetzt als Erziehungsobjekt dar. Man werde es ihnen — im Ernst gesprochen — nicht ersparen können, den Rachweis zu führen, ob sie, ihrer so überraschend gewonnenen Stärke entsprechend, gewillt und befähigt sind, verant- wörtlich an der Leitung der äußeren und inneren Politik teikzunehmen.
AMes MSV den wahMss des; ^toftaliosMftett
München, 16. Sept. In dem überfüllten Gebäude des Zirkus Krone sprach heute abend Adolf Hitler über das Thema: „Nach dem Siege bindet den Helm fester!“ Hitler bezeichnete in seiner Rede den Stimmenerfolg der Nationalsozialisten bei den Wahlen am 14. September als einen Anfang im Kampfe um die Erringung der Macht im Staat auf dem legalen Wege der Verfassung und erklärte ferner, daß die Nationalsozialisten Revolutionäre seien, aber nicht Revolutionäre im Sinne eines Putsches, einer Revolution oder eines Umsturzes, sondern Revolutionäre des Geistes. Bemerkenswert war außerdem, daß Hitler in seiner Rede etwaige Koalitionsmöglichkeiten in keiner Weise erwähnte, so daß daraus zu schließen ist, daß die Nationalsozialisten sich in dieser Richtung jedenfalls freie Hand vorbehalten wollen. Hitler richtete weiter ernste Worte an die S. A.- und S. S.-Leute, die er ermahnte, weitere Opfer zu bringen, wenn das Ziel erreicht werden soll. Der Kampf dürfte keine Sekunde erlahmen. Darum müsse das Wort Sieg heute wieder aus den Köpfen gestrichen und an seine Stelle wieder das Wort Kampf gesetzt werden. Zu Zwischenfällen ist es nach Schluß dgr Versammlung nicht gekommen.
Me tvivitEakspavte« wertet ab
Berlin, 16. Sept. Durch die Tagespresse gehen Mitteilungen, nach denen angeblich zwischen der Wirtschaftspartei und andern Parteien Verhandlungen über die Rsgierungsbi-ldtkng stattgefunLen haben'sollen. Die Pressestelle der Wirtschaftspartei
Die hetsikse Nummer umfaßt 10 Gelte«