Einzelbild herunterladen
 

Srschelnt täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummern Freitag 15, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite -Pfg.. im ReNameieil von « mm Breite 25 R-Pfg. / Offertèngebühr 50 R-Pfg.

fit. 216

Montag den

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. / Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung deS Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Srscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr. S / Fernspr. 3956,3951,3958

15. Sevtembev

1930

-Keine WeHsheiL für die Regierung

Mabme dev Wahlbeteiligung - GewaMges Anwachsen dev Kationalkozialisten, die von 12 ans los Mandate «eftiegen sind - Auch die Kommunisten vevstSvkt - Starke Verluste SugenbersS und der Deutschen Solksvartek

Dev elfte Eindsruek

T Das deutsche Volk hat gewählt. Das Kenn­zeichen der Wahl von 1930 ist das stürmische Anwachsen der Nationalsoziali­stischen Stimmen. Während bei den Wahlen im Jahre 1928 die Nationalsozialisten im ganzen rund 800 000 Stimmen und 12 Mandate erzielt haben, steht jetzt nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis eine Stimmenzahl von 6 400 000 mit 107 Manda­ten fest. Ein Erfolg in einem Ausmaße, den die Nationalsozialisten selbst nicht erwartet hatten. Die Nationalsozialisten sind damit zur zweitstärksten Partei geworden, sie haben so­gar die Kommunisten um fast 2 Millionen stimmen überflügelt. Trotzdem haben auch die Kommunisten zugenommen und zwar um rund 1300 000 Stimmen.

Was die übrigen Parteien anbetrifft, so wird die Sozialdemokratie zwar noch immer als stärkste Partei in den Reichstag einziehen, obwohl sie einen Verlust zu verzeichnen hat. Beträchtlich sind die Verluste Hugenbergs und der Deutschen Volkspartei, ebenso hat die neu- aegründete Staatspartei Verluste zu verzeich­nn. Einen Gewinn zu verbuchen haben Zen-

-roA.

Die Wahlbeteiligung ist im gUi liegen und zwar im Durchschnitt um o daß der Reichstag von 1930 naturgemäß tärker sein wird, als alle seine Vorgänger.

Wie lange er bestehen wird, muß der Zukunft überlassen bleiben. Allgemein ist man der Auf­fassung, daß seine Lebensdauer nicht lang sein und daß das deutsche Volk sehr bald erneut zur Wahl aufgerufen wird.

Berlin, 15. Sept. Das Wahlergebnis, das sich wegen der Berechnung der Reststimmen in den Wahlkreisvsrbänden und auf der Reichsliste zu­nächst nur annähernd übersehen läßt, wird mit seinen ft arten Verschiebungen auf d i e Anwendung der Koalitionsmöglich­keit naturgemäß einen erheblichen Ein­fluß haben. Die gegenwärtigen Regierungs­parteien verfügen nur noch über 172 Mandate. Die große Koalition mit Sozialdemokraten, Zentrum, Deutsche Volkspartei, Staatspartei, Bayerische Volkspartei ist gleichfalls eine Minorität, natürlich auch die ehemalige Weimarer Koalition. Beide Kombinationen haben keine Mehrheit. Eine große Koalition, bei der die bürgerlichen Parteien mit enthalten sind, die die Regierung Brüning unter- Jlüfeten, also auch Landvolk und Konservative, bättén 321 Mandate, also zusammen die absolute Mehrheit, aber nicht die qualifizierte Mehrheit von Swei Drittel des Hauses zur Durchführung ver- sassungsändernder Gesetze. Die Opposition aus Na­tionalsozialisten, Kommunisten und Deutschnatio- Ualen würde über 224 Mandate verfügen.

Was soll werden? Das ist die bange Frage.

Die wahren in Bev»«

Zwei Todesopfer

. Berlin, 14. Sept. Ein ernster Zusammenstoß er- Mete sich in der Nacht zum Sonntag kurz nach

Uhr auf dem Bülowplatz, wo sich das Karl-Lieb- mechthaus befindet. Als um angegebene Zeit °'n mit Natinoalsozialisten besetzter Lastkraftwagen Oen Platz passierte, wurde der Wagen von Kom­munisten beschossen und mit Steinen beworfen. Po- Mibeomte gingen gegen die Demonstranten mit Gummiknüppeln vor und gaben auch mehrere Schreckschüsse ab, da die Angreifer heftigen Wlder- imnd leisteten. Wer den Anstoß zu den Zwischen- Men gegeben hatte, konnte noch nicht ermittelt werden. 'Jedenfalls sind von verschiedenen Seiten insgesamt 50 Schüsse abgegeben Wurden. Eine Kugel hat den 46 Jahre alten «auklempner Arthur' Hanert aus der Prenz- wuerstraße 11a in den Unterleib getroffen, so daß " wenige Augenblicke später verstarb. Wer die wdljche Kugel abgefeuert hat, ist noch nicht bekannt.

Leiche wurde jedenfalls polizeilich , beschlag- ?uhmt und dem Schauhaus übergeben, wo man bet Obduktion die Kugel finden dürfte, aus deren ^uliber dann auch auf die Waffe zu schließen wäre. ~~ Bis 24 Uhr waren 170 Personen zwangsgestellt Serben, die Andersgesinnte angriffen und auch der , Polizei Widerstand geleistet haben. Wie die Ber- uner Morgenblätter melden, soll der Tote der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an- Wört haben.

Das vorläufige amlliOe Wahlergebnis

Berlin, 15. Sept. Nach der vorläufigen amtlichen Zählung wurden bei der Reichs-

lagswahl 34 943 460 (30 738 381)

gültige Stimmen abgegeben. Es entfielen auf:

1930

1928 Mandate

Sozialdemokraten

8 572 016

(9 151059)

143

(152)

Deukschnalionale

2 458 497

(4 380 029)

41

(73)

Zentrum

4 128 929

(3 711141)

68

(61)

Kommunisten

4 587 708

(3 263 354)

76

(54)

Deutsche Volkspartei

1 576 149

(2 678 207)

29

(45)

Deutsche Staatspartei

1 322 608

(1 504 148)

20

(25)

Wirlschafrspartei

1 360 585

(1 395 684)

23

(23)

Bay. Volkspartei

1 058 556

(945 304)

19

(16)

Nationalsozialisten

6 401 210

(809 771)

107

(12)

Deutsches Landvolk

Deutsche Bauernpartei

1 103 889

(775 873)

18 6

(13) (8)

Konservative Volkspartei

2

(-)

Christl.-soz. Volksdienst Landbund

14

3

(-)

(3)

Das GmeSmis in

anau

Sozialdemokratische Partei Deutfchnakionale Volksparkei Zentrum Kommunisten Deutsche Volksparkei Lhrist.-soz. Volksgemeinschaft Deutsche Staatspartei Wirtschaflspartei Nationalsozialisten Deutsches Landvolk Volksrechkpartei Deutsche Bauernpartei Konservative Volkspartei Christl.-Soz. Volksdienst Kriegsbeschädtigte u. Hinterl Unabhängige foz. Partei

Ungütige Stimmen

Außer den bis Mitternacht Sistierten sind im Laufe der Nacht und am Sonntag vormittag in Berlin noch rund 200 Ruhestörer festgenommen worden. Im Verlaufe politischer Auseinander­setzungen wurden mehrere Personen insbesondere durch Messerstiche verletzt. Bei dem Versuch einer kommunistischen Rotte, in die Wohnung eines Na­tionalsozialisten in Wittenau einzudringen, feuerte dieser zwei Schüsse durch ein zertrümmertes Fen­ster auf die Kommunisten ab. Getroffen wurde ein unbeteiligter Maurer Sohr, der seiner Verletzung im Krankenhaus erlegen ist.

Um 2.30 Uhr nachts versuchten etwa 100 Kom­munisten, in ein Polizeirevier in Neu-Kölln einzu­dringen, wobei sie auf den Beamten feuerten. Ver­letzt wurde niemand.

Den Sonntag über boten die Straßen Berlins das Bild, das man an den Wahltagen gewöhnt ist. Allerdings ging es diesmal schärfer zu, weil der Kampf der radikalen Parteien sich mehr in den Vor­dergrund schiebt. Die Propaganda hatte diesmal besonders den Motor in ihren Dienst gestellt. Kraft­wagen und Motorräder mit Propagändaschildern und Parteifahnen durchfuhren ununterbrochen die Straßen Berlins, mit Hornsignalen suchten sie die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken; Flugblätter wurden abgeworfen, und die Propagandisten der Parteien schrien die Nummer ihrer Liste ins Pub­likum. Auf den Höfen der Häuser, besonders im Norden und Osten der Stadt, sagten Sprechchöre ihre Sprüchlein her. In den ersten Nachmittags­stunden ließ der Betrieb etwas nach, um sich dann kurz vor Wahlschluß noch einmal zur letzten Kraft- anstrengung der Parteien zu beleben. Wer zu Hause blieb, hörte im Rundfunk vor jeder Darbie­tung die Mahnung, ja zur Wahl zu gehen.

L« KMieMeuifMattd

Leipzig, 14. Sept. In Mitteldeutschland ist der Wahltag nach den aus dem Freistaat Sachsen, der Provinz Sachsen und aus Thüringen vorliegenden Meldungen bis in die Nachmittagsstunden, abge­sehen von kleinen Zwischenfällen ruhig verlaufen. In Dresden konnten belanglose Zusammen-

1930

(1928:

) 1930

456-3

(5345) 8506

474

(1258) 610

1993

(1723) 2159

7195

(5330) 9688

2254

(3170) 547

69

(-

) 71

1406

(1682

) 839

1994

(1599

) 1927

3461

(232:

) 3188

64

(-

) 3046

41

(107

) 26

6

(13

) 25

193

(-:

) 46

550

(-

) 953

2 29

(-

) 52

8

(40:

) 9

231

422

(1928) (9357) (4129) (1978) (7464)

(1072)

(945) (1265)

(198)

(72)

(48)

(52)

rottungen mühelos zerstreut werden. In Leipzig kam es in der Nacht zum Sonntag mehrfach zu Schlägereien zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, bei denen eine Anzahl Festnahmen erfolgte. Vor einem kommunistischen Verkehrslokal in der Albrechtstraße erschienen 60 bis 70 National­sozialisten, angeblich um einen Kommunisten aus- findig zu machen, der vorher auf einen National­sozialisten geschossen haben sollte, und versuchten in das Lokal einzudringen. Ein Polizeibeamter, der die Nationalsozialisten zurückdrängen und die aus dem Lokal kommenden Kommunisten zurückhalten wollte, wurde von beiden Seiten bedrängt und ge­schlagen. Bei der sich entwickelnden Schlägerei gab es auf beiden Seiten Verletzte. Acht Personen mußten sich im Krankenhaus verbinden lassen. Eine große Anzahl Beteligter wurde festgenommen. Auch 'am Sonntag vormittag kam es mehrfach zu Schlä­gereien, die aber jedesmal von der Polizei schnell beendet werden konnten. Mit besonders lebhaftem Interesse hatte man im Hinblick auf die bekannten Zwischenfälle der letzten Tage dem Wahltag im große Anzahl Beteiligter wurde festgenommen. Auch gierung hatte dorthin starke Polizeikräfte entsandt. In Plauen erreichte die Wahlpropaganda am Samstag ihren Höhepunkt.

In Falkenstein sprach am Samstagnach­mittag Max Hölz. Am Abend begab er sich mit seinen Anhängern auf fünf Lastkraftwagen nach Bad Elster und nach Markneukirchen. Kurz vor Markneukirchen wurde der Trupp von einem Kom­mando der Landespolizei angehalten. Nach dem Führer gefragt, stellte sich Max Hölz als Max (!) vor. xGs wurde ihm eröffnet, daß er allein nach Markneukirchen kommen könne, die Mannschaft aber zurückbleiben müsse. Da Hölz dies ablehnte, zog er es vor, nach Falkenstein zurückzukehren. In Bad Elster hatten sich auch von jenseits der Grenze Kommunisten eingefunden, die Hölz begrüßen wollten.

Die Wahlpropaganda, namentlich auch die Stra­ßenpropaganda, hielt überall bis in die späten Nacbmittagsstunden an. In der Mittagsstunde hat­ten meist 40 bis 50 Prozent der Wähler ihr Wahl­recht ausgeübt. Vielfach muhten wegen des An-,

dranges der Wähler Notwahlstellen aufgestellt wer. den. Besonders bemerkenswert ist die starke Wahl­beteiligung auf Stimmscheine, die darauf schließen läßt, daß diesmal auch die Ausflügler nicht auf die Ausübung ihres Wahlrechts verzichten wollten.

Scholz und Wels über de« wahSausfa«

Berlin, 15. Sept. Das WTB. Hat einer Reihe Persönlichkeiten unseres parkeilebens die Frage vorgelegt, wie sie das Wahlergebnis beurteilen. Der Führer der Deutschen Dolksparlei Dr. Scholz sagt: Das Ergebnis der Reichstagswahl beweist wohl am stärksten die Notwendigkeit des Zusam. menschlusses der Mitte, den ich seit Monaten an- geskrebt habe. Das Ergebnis ist eine Bestätigung der ernsten Befürchtungen, die ich bereits auf dem Wannheimer Parteitag ausgedrückt habe. 3m Wahlkampf habe ich bereits erklärt, daß die Samm- lungsaklion nach dem 14. September fort, gesetzt werden muß, das mutz mit aller Entschiedenheit gestehen. Die Frage nach der Koalitionsbildung ist nicht ohne weiteres, zu beantworten, weil ich es vermeiden möchte, der Entscheidung des Reichspräsidenten vorzugreifen.

feht die Nationalsozialisten an die Regierung kommen müßten, um zu erkennen, was sie leisten. Die Durchführung eines solchen Experiments wäre eine Katastrophe, die wir uns fehl unter keinen Umständen leisten können.

Der Führer der Sozialisten Wels sagt: Niemand wird leugnen wollen, daß die Sozialdemokratie sich gut ge­schlagen hat. Auch der Erfolg der Natio- n a l s o z i a l i st e n bereitet mir keine Sorge, diese Partei ohne jedes Programm u. ohne jeden Grund­satz dürfte ebenso schnell wieder vergehen, wie sie aufgeschwemmt worden ist. Die Verantwortung für das, was kommen wird, liegt jetzt bei den Parteien der Mitte.

Die wablsveife

Abkürzungen: G. St. = Gültige Stimmen, Soz. = Sozialdemokraten, Dn. = Deutsch­nationale, 3- Zentrum, Kom. = Kommunisten, DVp. = Deutsche Volkspartei, Dem. = Demo­kraten, Wp. = Wirtschaftspartei, BayVp. Bayerische Volkspartei, Nat.-Soz. = National­sozialisten, Chr.-N. Christlich-Nationale Land­volk- und Bauernpartei, DH. = Deutsch-Hanno­veraner, DBp. = Deutsche Bauernpartei.

Die Zahlen in Klammern bezeichnen die An­zahl der Mandate, die die Parteien in den Ein­zelwahlkreisen erhalten haben sKreissitze).

Bei den drei sächsischen Wahlkreisen sind außerdem die Ergebnisse der Landtagswahlen vom 22. Juni 1930 zum Vergleich aufgeführt, bei dem Thüringischen Wahlkreis die Ergebnisse der Landtagswahl vom 8. Dezember 1929.

Wahlkreis 1 (Ostpreußen)

Soz. 221 883, Dn. 204 654, Z. 84 902, Kom. 122 666, DVp. und Sons. 56 843, Stp. 27 788, Wp. 17 247, Nat.-Soz. 235 463, DLo. 15 689, DBp. 5044, Ch-.-Soz. 46 014. sonstige 12 473, gültige Stimmen 1091 436.

1928: G. St. 998 807, Soz. 268 007 (4), Dn. 313 089 (5), Z. 74 271 (1), Kom. 94 949 (1), DVp. 97 968 (1), Dem. 38 343 (0), Wp. 20 431 (0), Nat.- Soz. 8097 (0).

Wahlkreis 2 (Berlin)

Soz. 346 014, Dn. 145 022, Z. 44 567, Som. 408 642, DVp. 27 517, DStp. 53 095, Wp. 27 369, Nat.-Soz. 158 165, DLv. 397, DBp. 96, Sons. 4818, Chr.-Doz. 10 369, sonstige 13 314, gültige Stimmen 1 238 132.

1928: G. St. 1 189 721, Soz. 404 786 (6), Dn. 186 470 (3), Z. 39 845 (0), Kom. 352 086 (5), DVp. 51032 (0), Dem. 78 096 (1), Wp. 28 629 (0), Nat.-Soz. 16 464 (0), Chr.-N. 1468 (0).

Wahlkreis 3 sPolsdam II)

Gültige Stimmen 1 103 620. Soz. 285 385, Dn. 164 031, Z. 37 663, Kom. 217DVp^58W3,

Oie heuttae Kummer umfaßt 10 Gerte«