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OLMMt Gitadt und Lund

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2. September

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Telle ist Hanau. > Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gyvalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung ober auf Rückzahlung deS Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet., Geschäftsstelle: Hammerstr.S / Fernspr. 3956,3957,3958

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer io, Freitag is, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg.. Im ReNameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. / Offertengebühr so R«pfg.

Na Neueste

In Budapest kam es anläßlich von Arbeiter- kundgebungen zu Plünderungen. Ein Mann wurde gelötet und etwa 50 Personen verletzt. Der Polizei ist es gelungen, im Laufe des Montag nachmittag die Ordnung wieder herzustellen.

vom Rekchswahlkommissar sind 24 Wahl­vorschläge für gültig erklärt worden.

Generaloberst Heye erklärt öffentlich, daß sein Rücktritt mit politischen Fragen nicht das ge­ringste zu tun hat.

Hitler ist nach Berlin gefahren, um den Streit zwischen der Sturmabteilung und der Schuh­garde Dr. Goebbels zu schlichten.

Der Sachschaden den das Großfeuer in der Güterabfertigung Hannover-Rord der Reichsbahn- direktion am Samstag verursacht hat wird nach amtlicher Mitteilung aus 45 Millionen Reichs­mark geschäht.

3m Gebiet des Wilden Kaisers wurden der Münchener Werkmeister Georg Roltner und seine Braut Berka Brunner tot bzw. schwer verwundet ausgefunden. Es ist dies der 20. tödlich verlaufene Bergsteigerunfall im Gebiet des Wilden Kaisers in diesem Zahre.

Die beiden französischen Flieger Loste und Bellonte sind gestern in Le Bourget zum Ozean­slug gestartet.

24 ^ehHtoWtw^

-MaS^'^lblaus dèr^Frrsi für die Einreichung der Reichswahlvorschlägc' hat der Reichswahlausschuß, der am Montag untèr dem Vorsitz des stellvertre- L tenden Reichswahlleiters tagte, die Reichswahlvor- schkäge folgender 24 Parteien für zugelassen erklärt:

1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands

' 2. Deutschnationale Volksparkei

3. Deutsche Zenlrumsparlei

I 4. Kommunistische Partei Deutschlands

5. Deutsche Volkspartei

I 6. Deutsche Staakspartei (Deutsche Demokratische Partei, Volksnakionale Reichsvereinigung und verwandle Gruppen)

7. Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirl- ß schafksparlei)

8. Bayerische Volksparkei

9. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbewegung)

I 10. Deutsches Landvolk (Lhrisll.-Ral. Bauern- und I Landvolkpartei)

t 11. Volksrechtparlei (Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung und Lhristlich-Soziale Partei) ; 1?. Deutsche Bauernpartei

- 13. Landbund

17. Lhristl.-So;ial. Volksdienst (Evang. Bewegung) ; 18. Freibund des Handwerks, Kleinhandels und Ge­werbes (Reichsbund des deutschen Mittelstandes)

I 19. Rationale Minderheiten Deutschlands

I 20. Deutsche Einheitspartei für wahre Volkswirt­schaft

E 21. Partei gegen den Alkohol

E 22. Kriegsbeschädigten- und Hinkerbliebenen-Parkei ß der deutschen Mannschaft einschließlich Abge­fundenen

23. Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutsch, lands

I 24. Haus- und Grundbesitzer

| 25. Arbeiterpartei für das arbeitende und schaffende Volk

- 26. Mieter- und Volksrechtparlei

27. handel, Handwerk, Hausbesitz

Die vom Reichsinnenminister unter den Num­mern 14, 15 und 16 vorgesehenen Reichswahlvor- schlage fallen aus der Reichsliste aus, da die be- ' treffenden Parteien (Deutsch-Hannoversche Partei, ' Sächsisches Landvolk und Konservative Volkspartei) : einem anderen Reichswahlvorschlag (dem Reichs- ; wahloorschlag 10) angeschlossen sind.

Sechs Reichswahlvorschläge mußten vom Reichs- Wahlausschuß zurückgewiesen werden

- Die ParteienRecht werde Macht",Kleinbesitzer, ! Handwerker Mittelständler",Zurückgedrängter ; Mittelstand und Invaliden" undVolksbund deut- i scher Arbeit" hatten nur Reichswahlvorschläge, aber keinen Kreiswahloorschlag eingereicht. Eine soge­nannteMenschheitspartei", die ebenfalls einen I Reichswahlvorschlag eingereicht hatte, mußte zurück- : gewiesen werden, da Mängel in der Liste der Un= t tenschriften für einen Kreiswahlvorstcmd festgestellt ; worden waren. DieRadikale Deutsche Staats- Partei", die einen Kreiswahlvorschlag im Wahlkreis : Köln-Aachen eingereicht hatte, konnte für den Reichs- â wahlvorschlag gleichfalls nicht zugelassen werden, da » der Kreiswahlvorschlag zum Teil ungültige Unter­schriften aufwies.

GchwereLltwuhen w Budapest WepEudevee Lädeu, umgestLvzie Auios u. skusewsvkeue SeufSeVtzcherde-Z - Ein Toiev und üdev scr Sev etzte ..Budapest, 1. Sept. In der ungarischen Hauptstadt ist es am Montag zu Zusammen- stoßen zwischen demonstrierenden Arbeitern und Polizei gekommen, die einen ernsten Eha- rarter annahmen. Soweit sich dasSchlachtfeld" bis jetzt übersetzen läßt, ist bei den Un­ruhen ein Demonstrant umgekommen, während mehr als 50 erheblich verletzt wurden.

Die Sozialdemokratische Partei hatte bei der Polizei um die Erlaubnis nachgasucht, am 1. Sept, einen Straßenumzug der Arbeiterschaft zu veran­stalten; dieser Umzug sollte eine

Demonstration gegen die Arbeitslosigkeit darstellen Der Oberstadthauptmann von Budapest hat dieses Ansuchen abschlägig beschieden und stützte sich darauf, daß bei einem solchen Umzug die öffent­liche Ruhe und Ordnung nicht gewährleistet werden könnte, weil die Polizei erfahren habe, daß extreme Elemente diesen Anlaß zu Ausschreitungen benutzen wollten. Die Sozialdemokratische Partei hat darauf beschlossen, die Arbeiterschaft, zu veranlassen, ent­gegen dem polizeilichen Verbot, am 1. September Straßenkundgebungen zu veranstalten und in allen Betrieben um die Mittagsstunde die Arbeit einzu­stellen.

In Erwartung dieser Demonstrationen glich das ungarische Innenministerium seit Sonntag einer KriegsleUung. Staatssekretär SztranyMszky über­nahm bereits in den frühen Morgenstunden des Sonntag den Dienst im Innenministerium, Halb- stündiich erstattete ihm der Leiter der Sicherheits­abteilung Bericht. Am Abend wurde

die ganze Budapester Garnison in Bereitschaft gesetzt.

Nachdem der Aufmarsch der Arbeiterschaft - in den frühen BorminagsstunLLn ruhig verlaufen war, rotteten sich gegen Miitag etwa 10 000 Arbeiter in der Andrassystraße zusammen.

Die Fenster der Häuser und der vorüber- fahrenden Automobile wurden eingeworfen, ebenso die der Straßenbahnen, wobei mehrere Fahrgäste verletzt wurden.

Die Polizei griff ein und zerstreute die Menge. In der Dohanygassè mußte die Polizei bei der Zer­streuung einer größeren Gruppe von Demonstran­ten blank ziehen. Ein Arbeiter wurde am Kopfe verwundet. Auch am Stadtwäldchen mußte eine Gruppe von jungen Arbeitern mit Waffengewalt zerstreut werden In dieser Gruppe befanden sich Verteiler von kommunistischen Flugzetteln. Eine Gruppe der von der Andrassystraße zurückgedräng­ten Demonstranten stürmte in einer Nebengasse die Läden, und versuchte sie zu plündern, wurde jedoch von herbeigeeilten Polizeiverstärkungen zerstreut. Auch hier mußte die Polizei von der Waffe Ge­brauch machen. Im Stadtwäldchen wurde

ein Kaffeehaus von den Demonstranten demoliert.

Gn der Dembimskygasse in der Nähe der Andrassy­straße sind die Demonstranten nicht nur in einige Villen eingedrungen, sondern begannen auch, die Geschäfte zu plündern.

Die Demonstranten stürzten weiter in der Nähe des Millenius-Denkmats, dem Hauptherd der Ruhe­störungen, ein Auto um und setzten es in Brand. Die Polizei ging mit der blanke Waffe vor. Sie wurde dabei mit Steinen und Eisenstücken be­worfen. H'erauf wurden Panzerwagen mit Maschi­nengewehren entsandt, die aus der Straße ausgestellt wurden. Die Demonstranten warfen mit Steinen und von ihnen mitgebrachten Bleistücken zahlreiche Fenster ein und verwundeten viel Passanten. Allein in einem in der Nähe befindlichen Sanatorium wurden 200 Leute mit Notverbänden versehen.

Aus ds« tVahIbewesuns

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Mainz, 1. Sept. Auf einer Kundgebung der Konservativen Volkspartei sprach heute abend Reichsminister Treviranus im großen Saal der Stadthalle. Ausgehend von der Frage, warum die Partei gerade den Namen Konservativ gewählt Hube, da sie doch Jm Osten nichts zu suchen habe und für den Westdeutschen dieser Bezeichnung das Odium des Ostelbiertums anhafte, erläuterte der Redner den Begriff konservativ, wie die neue Par­tei ihn verstehe und betonte, daß nach den Zeiten der Not die Völker nur dann wieder gesund wer­den. wenn sie sich der Bewahrung unverlierbarer Werte befleißigen, wenn die konservativ sind. Er wies vor allem auf die Notwendigkeit hin, sich von den Scheuklappen enger Parteidoktrin zu befreien und vor der harten Wirklichkeit nicht die Augen zu verschließen. Wenn wir der Gegensätze uns be­wußt sind, wird der Ausgleich leichter gefunden, als wenn wir um die Dinge herumreden. Wenn die Regierung es ablehne, bei dem großen Reform­werk die Hilfe der Sozialdemokratie in Anspruch zu nehmen, so leite sie nicht ein Gefühl des

Zur Fortschaffung der Verwundeten mußten Privatautos in Anspruch genommen werden, aus denen die Rotekreuzflâgge gehißt wurde.

Bei der Räumung des im angrenzenden Stadt­wäldchen von den Demonstranten angegriffenen Kaffeehauses machte die zur Hilfe herbeigeeilte Gendarmerie auch von der Schußwaffe Gebrauch. Sowohl aufseiten der Demonstranten wie aufseiten der Polizei sind hier zahlreiche Verwundete zu ver­zeichnen. Demonstranten, die in den Nebengassen der Andrassystraße die Geschäfte zu plündern ver­suchten, wurden von Polizei- und Gendarmerie zer­streut. Im Stadtwäldchen wurde

ein Auto der freiwilligen Retter umgestürzt, ebenso zwei Autobusse und zwei elektrische

Straßenbahnwagen, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Bei dem Vorgehen gegen d.e Menge fielen auch einige Schüsse.

Die von der Polizei abgedrängten Demonstran­ten zogen durch die Nebengassen nach dem Großen Ring, wobei sie Fenster einschlugen und einige Läden plünderten. Eine andere Gruppe zog durch die Königsgasse und versuchte zu plündern. Auch gegen diese Gruppe wurde vorgegangen, wobei zwei Polizeileut' schwer verwundet wurden. Die Zahl der erheblicher Verletzten wird auf etwa 50 ge- i^

ein Menschenleben zum Opfer gefallen.

Der demokratische Stadtrepräsentant Dr. Klar wollte in der Nähe des Staddwäldchens die Menge von seinem Auto aus beruhigen. Die Demonstran­ten stürzten aber fein Auto um und steckten es in Brand. Klar wurde durch einen Stockhieb so schwer verletzt, daß er bewußtlos in ein Sanatorium ge­bracht werden muhte.

*

Der getötete Demonstrant, der einer Schuß­wunde erlag, ist ein Gerüstarbeiter. Die freiwilligen Retter hatten bis nachmittags 4 Uhr etwa 70 Per­sonen die erste Hilfe geleistet, darunter befinden sich auch zwei Journalisten, die durch Steinwürse und Glassplitter verletzt wurden. Die meisten wurden durch Würfe mit Steinen und Eisenstücken verletzt. Einer von ihnen erlitt eine Gehirnerschütterung. Die meisten Demonstranten haben Säbelschnittwunden davongetragen. Verschiedene Straßen weisen noch zahlreiche Spuren der Kundgebungen auf. In der Szondigasse liegen zahlreiche zerbrochene Säbel. Die Fensterscheiben des Museums für schöne Künste, der türkischen Gesandtschaft und vieler Villa in der Andrassy-Straße sowie mehrerer Häuser in der Podmanycki-Gasse sowie einiger Kaffeehäuser wur­den zertrümmert.

Der Aufmarsch in den Provinzstädten ist nach den.bisher vorliegenden Meldungen ohne Zwischen­fall verlaufen.

131 Verhaftungen in Budapest

Budapest, 1. Sept. Die Polizei hat 131 Per­sonen feftgenommen, die als Rädelsführer der heu­tigen Ausschreitungen angesehen werden. Gegen sie wird ein Strafverfahren eingeleitet werden.

Bei den Kundgebungen auf der Andrassystraße trafen einige Steinwürfe auch das Gebäude der türkischen Gesandtschaft, wobei zwei Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Eine ernstliche Beschädigung hat' das Gebäude nicht davongetragen.

Ressentiment, sondern die Erfahrung der letzten Zeit Der Redner wandte sich gegen die Demagogie extremer Parteirichtungen, die unerfüllbare Hoff­nungen erweckten. Als Ziel stellte er auf: Be­reinigung der Verträge und Bereinigung der öffent­lichen Haushalte, da ohne das zweite das erste nicht erreicht werden könne. Die konservative Volks­partei werde dafür sorgen, daß keine Regie­rung sich halten kann, die es wagen wollte, die finanzielle Sanierung nicht durchzuführen. Sie wolle mit dem Prinzip ein Ende machen, daß die Ausgaben von Leuten beschlossen werden, die für die Deckung nicht aufzukommen brauchten. Sie wolle das alte Mär­chen von dem Unterschied der direkten und indirekten Steuer aus der Welt schaffen, und sie werde Mittel suchen, der Kapitalflucht durch Wiederherstellung des Vertrauens in die deutsche Wirtschaft Einhalt zu tun. Wir werden mit dem System der unbeschränk­ten Zuschüsse aus dem Haushalt an die Arbeitslosen­versicherung Schluß machen müssen. Dabei werden wir ohne die Errichtung von Gefahrenklassen nicht auskommen. Auch die Krankenkassen- -r e f o r m werde sich als zwingende N o t» (Fortsetzung auf Seite 2)

Nölkevbundsvekovttt - EuvoNavekorm?

Große Tage in Genf.

Wird die unmittelbar bevorstehende Diplo­matenzusammenkunft in Genf zu greifbaren Ergebnissen führen? Der Aufmachung nach zu urteilen ja; laut Erfahrungen der letz­ten Jahre nein. Es darf als stille Ueberein- kunft gelten, daß aus Genf kein Heil für die Welt oder für Europa kommt. Alle Ereignisst der Nachkriegszeit, die irgendwie Anspruch auf Weltgeltung und auf geschichtliche Bedeut­samkeit in positivem oder negativem Sinne erheben könnten, haben bezeichnenderweise außerhalb Genfs stattgefunden. Man denke nur an das Londoner Reparationsabkommen 1924, an den Locarnopakt, an den Pariser Kelloggpakt, an die Haager Houngverhand- lungen. Wie man sich zu allen diesen Begeben­heiten auch stellen mag, ihre Schicksalhaftigkeit ist nicht zu bestreiten. All diesem hat Genf nichts gegenüberzustellen. Deswegen sieht man auch der diesjährigen Vollversammlung des Völkerbundes, aber auch der so interessan­ten ersten Paneuropa-Konferenz mit nicht un­begründeter Skepsis entgegen.

Ist man sich in Genf eigentlich darüber im Klaren, daß es keine Enttäuschungen mehr ge­ben darf? Ist man sich dort völlig des Ernstes der Lage bewußt, in der sich die Welt heute befindet? Diejenigen, die guten Willens sind, sind machtlos, und die Mächtigen dieser Welt haben keinen guten Willen, oder jedenfalls lassen in der Praxis nichts davon merken. Feierliche Deklarationen zählen da Nicht mit. Mn diesen hat es nie gefehlt, auch schon vor dem Weltkriege nicht. Im entscheidenden Augenblick erweisen sie sich stets als Schall und Rauch. Es hat sich so allmählich in den letzten Jahren herumgesprochen, daß der Völ­kerbund, diesesInstrument des Friedens", in Wahrheit manchen Ländern als Mittel zu ganz besonderen und nicht immer ganz un­eigennützigen Zielen dient. Wer hat diesbe­züglich noch irgendwelche Illusionen? Mie- mand, nicht einmal die Männer in Genf, die nur ihre Rollen lustlos und gelangweilt her­unterspielen.

Es hilft nicht viel, zu sagen:So geht es nicht weiter!" So geht es ausgezeichnet wei­ter. und wenn die Katastrophe kommt, so wird sie am wenigsten für diejenigen unerwartet kommen, die dasGerede" davon für albern und übertrieben hielten.

Die Hauptsensation der diesjährigen Zu­sammenkunft ist sicherlich die Europakonse- renz, der es obliegt, sich mit den Briandschen Vorschlägen zu der Paneuropa-Frage zu be- fassen. Der französische Außenminister hat die Ergebnisse seiner Rundfrage in einem Weiß- Buch zusammengefaßt, das nun den Aus- gastgspunkt einer neuen Diskussion bilden soll. Eine weitere Unterlage für diese Diskussion wird das Projekt sein, das von der inter­nationalen Juristischen Union aüsgearbeitet wurde. Diese Union sucht konkrete Vorschläge für die künftige Gestaltung der europäischen Verhältnisse zu machen. Das Projekt sieht die Bildung eines europäischen Rates vor, in dem Deutschland, Frankreich, England, Italien und Spanien sowie Vertreter der Kleinen Entente und wohl noch anderer europäischer Länder sich zusammentun sollen, um europäische Ta­gungen einzuberufen und Konflikte innerhalb der europäischen Staaten auf friedlichem Wege zu lösen. Das Programm der Inter­nationalen Juristischen Union ist mehr als dürftig. Genau dieselben Aufgaben wie die von ihr vorausgesehenen, hat einerseits ber Völkerbund selbst, andererseits das Gremium aller Staaten, welche den Kellogg-Pakt, den Pakt der Kriegsächtung, unterschrieben haben. Wozu allen diesen Instanzen noch eine an­gliedern? Die Erklärung liegt ganz nahe: offenbar glaubt man in maßgebenden Krei­sen nicht an die Wirksamkeit der bereits be­stehenden Institutionen, und dies wohl nicht ohne gute Gründe. Dieselben Gründe bleiben aber auch bei Erwägung der Chancen der künftigen europäischen ^Arbeitsgemeinschaft" in voller Geltung. Das Briandsche Projekt in seiner heutigen Gestaltung, soweit man von einer Gestaltung schon sprechen kann, würde nur zu einer weiteren Schwächung des ohne-

Die heuNse Nummev «mfafH 1(5 Gelten