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Das Neueste

Der Leiter der litauischen Geheimpolizei Oberst Rusteika wurde im Hotel von 2 Wannern überfallen und lebensgefährlich verletzt. Die Täter wurden verhaftet.

Das Reichskabinett hat sich gestern mit dem Entwurf zur Wahlreform beschäftigt.

Wie das Lübecker Gesundheitsamt mitteilt, hat sich die Zahl der mit Tuberkulofekulturen vcr- gifteten Säuglinge um zwei Todesopfer auf 67 er­höht. Zurzeit sind noch 53 Säuglinge krank.-

Das preußische Staatsministerium hat eine Bekanntmachung erlassen, wonach im Lande Preu­ßen für den Wahltag am 14. Spelmeber der Aus- schank von Branntwein und der Kleinhandel mit Trinkbrannlwein verboten wird.

Anläßlich des traditionellen Marsches der Aufständischen an die Oder hielt der oberschlesische Woywode eine Rede, in der cs zum Schluß heißt, daß hinter jedem fußbreit polnischen Bodens, die ganze polnische Ration stehe.

Die Verhandlungen zwischen der Deutschen Volkspartei, den Konservativen und der Wirkschafts- partei haben zu einer Einigung geführt. Ein ge­meinsamer Wahlaufruf wird erlassen werden.

iVahwefovm

VSV dem KelchsKabirrsis

Der Entwurf des Reichsinnenministers

Berlin, 19. Aug. Das Reichskabinetl trat heute unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning zur Beratung der den gesetzgebenden Körperschaften vorzulegenden Reformvorschläge zu­sammen. Zunächst wurde der Entwurf eines Gc-

t. LovaNn

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I nahm das Kabinett einen eingehenden Vortrag des [ Reichsministers des Innern zur Wahlrechtsreform »entgegen, worüber die Beratungen in den nächsten VTagen fortgesetzt werden. 3m Wilkelpunkt der Be­ss ratungcn des Reichskabinetts, die bis in die späten I Nachtstunden andauerten, stand die erste grund­legende Erörterung der finanz-, wirkschafts- und so- zialpolitischen Probleme.

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Das Reichskabinett hat am Dienstag die Serie von Dauersitzungen, die es für die laufende Woche in Aussicht genommen hat, begonnen und sich zu­nächst mit der Frage der Wahlreform beschäftigt, über die der Reichsinnenminister Dr. Wirth Vortrag gehalten hat. Dr. Wirth will die Zahl der Abge­ordneten verringern, indem er den Wahlquotienten von 60 000 auf wahrscheinlich 70 000 erhöht, wo­durch wir bei gleicher Wahlbeteiligung 70 Abge­ordnete weniger haben würden. Er will auch die Reichsliste streichen und gleichzeitig kleinere Wahl­kreise schaffen. Die jetzt bestehenden 35 Wahlkreise sollen in 162 einzelne Wahlkreise aufgeteilt werden mit einer Durchschnittszahl von etwa 250 000 Wahl­berechtigten bei einer Bevölkerungszahl von 350 000 bis 400 000. Um dem verfassungsmäßig festgelcgten Prinzip der Verhältniswahl gerecht zu werden, sollen diese einzelnen Wahlkreise wieder in 32 Stimmbezirke zusammengefaßt werden, über denen sich wahrscheinlich nochmals Ländergruppen auf­bauen. Durch diese doppelte Filtrierung erhofft der Minister einen starken Ausgleich der in den cin- jclnen Wahlkreisen verbleibenden Reststimmcn zu erzielen. Immerhin würden demnach ganz andere Schwankungen bestehen, als sie gegenwärtig mög- N sind, wo jede Partei die ihr zufallenden Rcst- summen bis auf einen Restbetrag von höchstens «000 Stimmen in Mandate umsetzen kann. Dieses Verfahren hat aber den Nachteil, daß stärkere Ver- Ichiebungen durch eine Neuwahl kaum möglich sind. Sln Verlust von % Millionen Stimmen bedeutet Zwar für eine Partei immerhin schon viel, bedeutet ober für Len Reichstag einen Ausfall von nicht ein= Wal Neun Mandaten, so daß die Mehrheitsverhält- msse dadurch nicht ausschlaggebend beeinträchtigt merden. Das würde natürlich anders werden, je Motzer der Restbetrag würde, weil dann die Schwankungen der Valksstimmung gegenüber den ,"öclnen Parteien auch den Verlust oder Gewinn on Mandaten erheblich schärfer ausdrücken würden. Ueber die Finanzreform wird das Kabinett erst h 'w« der nächsten Sitzungen beraten. Deshalb rs die Frage gestattet sein, ob nicht die Bcratun- Überhaupt auf ein falsches Geleise geschoben -Z ®° wichtig die Frage der Wahlreform an ' 7 'm so kann man doch der Meinung sein, daß r lm Augenblick noch ungleich wichtigere $ro= me Zu lösen haben, und es will uns etwas sehr !S dünken, wenn der einzige Bonbon, den die a-.^bng Brüning den Wählern jetzt vorsetzt, die °lun9 der Wahlreform bleiben sollte.

Ms VevhandStmssn wevdstt fovige-stzt dg.Eerlin, 19. Aug.'Die Sitzung des Reichskabinetts r e ln der elften Abendstunde noch an. Die

GLniguns

Zwischen Monseevatwen, Volks- und Wivtschaftspavtei

Vnvgseiedstt rmd gemeknsamev WahSansvus

Berlin, 19. August. Die Parteiführer Treviranus (konservative Volksparlei), Dr. Scholz (Deutsche Volkspartei) und Sachsenberg (Wirtschaftspartei) haben sich in einer ge­meinsamen Besprechung darüber geeinigt, daß ihre drei Parteien im künftigen Reichstag grundsätzlich Burgfrieden gegeneinander bewahren wollen. Weiterhin haben sie beschlossen, wie das Nachrichtenbüro des Vdz. hört, in einem gesamen Wahlaufruf zum Ausdruck zu bringen, daß die drei Parteien gewillt sind, in sozialpolitischen, innen- und außenpoli­tischen Fragen zusammenzuarbeiten.

Ueber die Form dieser Zusammenarbeit wurden Beschlüsse noch nicht gefaßt. Man denkt etwa an die Bildung eines interfraktionellen Ausschusses, nicht aber an eine Fraktionsgemeinschaft. Die Verhand­lungen zwischen den drei Parteien sollen fortgesetzt werden, sie werden aber im wesentlichen nur noch der Formulierung des gemeinsamen^ Wahlaufrufes dienen.

' Die von Treviranus wieder angeregten Ver­handlungen auf der gemäßigten Rechten haben nun also doch zu einem Erfolge geführt. Das ist vor allem dem Umstand zu verdanken, daß diesmal die erstrebten Ziele etwas kürzer gesteckt wurden, als in den früheren, bekanntlich gescheiterten Verhand­lungen. So ist diesmal von vornherein nicht an eine Fraktionsgemeinschaft im neuen Reichstage gedacht, sondern lediglich die Bildung eines inter­fraktionellen Ausschusses geplant worden. Damit

aber doch auf eine

gemeinsame Arbeit nicht nur während des

Wahlkampfes, sondern auch im neuen Reichstag

Die drei genannten Parteien werden also mit einem gemeinsamen Wahlaufruf in den Wahlkampf ziehen

OoEches MismiOt in âwno

K o w n o, 19. Aug. Der Polizeichef Oberst Furleika hatte Heuke nachmittag gegen 5 Ahr in einem Zimmer des Hotels Continental eine vertrauliche Unterredung mit einem ge­wissen Iulius Vaitkevicius. Bald nach Beginn der Unterredung betrat eine zweite Person das Zimmer, und beide stürzten sich auf den Polizeichef, knebelten ihn und brachten ihm vier Dolchstiche bei. Es handelt sich um einen politischen Racheakt. "

verhaftet worden.

Die beiden Täter sind

Kowno, 19. Aug. Ueber den Mordanschlag auf den Direktor der litauischen Geheimpolizei werden folgende Einzelheiten bekannt:

Bei den verhafteten Tätern handelt es sich um zwei Studenten, die bei «der politischen Polizei als Spitzel verwendet wurden. Die beiden, die selbst Woldemaras-Anhänger sind, hatten mit dem Direk­tor zur Mitteilung wichtiger Angaben in dem Hotel eine Zusammenkunft vereinbart. Direktor Rusteika hatte vorsorglich im Hotel ein Zimmer gemietet und auf der Fremdentafel einen unleserlichen Namen verzeichnet. Nach 16 Uhr fuhr er mit seinem Auto­mobil wieder vor dem Hotel vor, wo er bereits von dem einen Ler Studenten erwartet wurde, während der zweite kurz nach ihn: erschien. Alle drei begaben sich in das Zimmer. Nach etwa 10 Minuten ver­nahm das Hotelpersonal einen Schuß. Gleich dar­auf sah man die Täter mit dem Revolver in der Hand durch den Korridor flüchten. Dem Hotel­besitzer gelang es nach kurzem Kampfe, einen Ler

Beratungen der Wahlreform wurden für heute ab­geschlossen. Es ist allerdings nicht anzunehmcn, daß damit diese Materie schon erledigt ist. Vielmehr dürf­ten die Verhandlungen über" dieses Problem in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. In später Abendstunde beschäftigte sich das Kabinett mit dem Finanzprogramm des Reichsministers Dietrich. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß die Be­ratungen heute abend noch längere Zeit dauern können.

âtmdgebrms des âAMSttssvbundss mv hsvSVfish. AerchsiasswalzZ

Berlin, 18. Aug. Mit der ParoleDurch Wahl­zwang zur deutschen Front!" wendet sich der Vor­stand des Deutschen ReichskriegerbundesKyff­häuser" in der soeben erschienenen Nummer seines amtlichen OrgansKyffhäuser" nochmals an seine in 32 000 Vereinen zusammcngcschlossenen 3 Millio­nen Mitglieder. Die Kundgebung hat folgenden Wortlaut:

und untereinander Burgfrieden bewahren. Im künftigen Parlament werden sie in sozialpolitischen, innen- und außenpolitischen Fragen zusammen­arbeiten.

Die Abmachungen der Parteiführer sind zu­nächst noch nicht verbindlich. Namentlich der Ver­treter der Wirtschaftspartei legte Wert darauf, sich erst noch einmal mit seinen Freunden zu besprechen. Auch die anderen Parteiführer werden natürlich mit ihren Parteifreunden Rücksprache nehmen. Ist das geschehen, so wird in einer abermaligen Besprechung der gemeinsame Wahlaufruf unterzeichnet und da­mit der Abschluß des Abkommens offiziell besiegelt werden. Diese neue Besprechung wird am Donners­tag stattfinden.

Am kommenden Sonntag tritt der

Ieniralvorsiand der Deutschen Volkspartei zusammen, um sich mit den Verhandlungen zu be= den rechtsstehenden Gruppe,, geführt hat. Das letzt mit der Konservativen Valkspartei und der Wirt­schaftspartei getroffene Abkommen wird in volks- parteilichen Kreisen recht günstig beurteilt. Man erklärt, daß die Einigung der drei gemäßigten Rechtsparteien schließlich dasselbe bedeute, was Dr. Scholz mit seiner Aktion erstrebt habe.

Täter festzunehmen. Straße. Auf einen Flüchtling drei Schüsse HanL.

Der andere entkam auf seiner Verfolger feuerte - ab und verletzte ihn an

der der der

Wie aus dem Militärkrankenhaus mitgeteilt wird, sind die Verletzungen des Direktors lebens­gefährlich. Er hat mit einem etwa 30 Zentimeter langen Dolch zwei Bruststiche und einen Bauchstich erhalten, wodurch er großen Blutverlust erlitt. Der Kopfschuß dagegen ist harmloser. Es handelt sich nur um einen Streifschuß. Nach der Verletzung ging Rusteika selbst in die Telephonzelle Les Hotels und meldete den Vorfall der Polizei. Dann ging er ohne jebe Hilfe hinaus, bestieg das Auto und rief Len Chauffeur an, ihn in das Krankenhaus zu fah­ren. Infolge der starken Erreguna. die sich der «tadt bemächtigt hat, sind vor den Wohnungen der Regierungsvertreter und vor Len Behörden ver­stärkte Polizeiwachen mit Karabinern aufgestellt.

Die beginnenden Wahlkämpfe haben zu einer Verschärfung der Gegensätze auch innerhalb der Volksteile geführt, die eine gemeinsame vaterländi­sche Gesinnung verbindet. Dem muß Einhalt ge­boten werden, denn diese Kräfte sollen auch in Zu­kunft die Träger des Kampfes gegen die Kriegs­schuldlüge und gegen die Vernichtung unseres Volks­tums fein. Sie sollen die berufenen Verfechter deut­schen Wesens ohne Ueberheblichkeit gegenüber frem­den Völkern sein. Sie sollen den Wehrwillen in der Nation als hohe sittliche Pflicht lebendig erhalten. Damit ist die deutsche Front gekennzeichnet. Das politische Durcheinander dieser Tage birgt die Ge­fahr in sich, daß die Zahl der Nichtivühler aus Ver­drossenheit anschwillt. Jeder Kamerad muß eine Partei wählen, die unsere vorgenannten Ziele zur Selbstbehauptung Deutschlands fördern will. Kleine Splitterparteien sind ohne Einfluß und deshalb schädlich. Vor allem aber bedenkt, Kameraden, Wahlrecht bedeutet Wahlpflicht, bedeutet Wahl­zwang! Wer sich diesem Zwange trotzdem entzieht, der hat die Berechtigung verloren, zu uns zu ge­hören. Also: marschiert geschlossen zur Wahl!"

Das Land ohne AsbeitsloKskeit

Die Hintergründe der Streikwelle in Frankreich

Die französische Wirtschaft, die in letzter Zeit mitten in dem von schweren Erschütte­rungen heimgesuchten europäischen Wirt­schaftskomplex eine Art glücklicher Oase war, ist in eine Periode großer Lohnkämpfe hinein­geraten.

Der industrielle Friede, dessen Frankreich sich in der ganzen Nachkriegszeit rühmen konnte, scheint mit dem Ausbruche einer um­fangreichen Streikwelle, die im nordfran­zösischen Industriegebiet ihren Anfang nahm, für lange Zeit gestört zu sein.

Die französische Streikbewegung, an der einige Hunderttausende von Arbeitern der Textil- und Metallindustrie Nordfrankreichs bereits teilnehmen, hatte das Inkrafttreten des neuen französischen Sozialversicherungsgesetzes zum Anlaß. Im Grunde genommen unter­scheidet sich diese Bewegung entschieden von | den Streikausbrüchen und Lohnkämpfen, denen andere Länder des Kontinents vor allem Deutschland und England ausgesetzt waren und sind. Die Lohnkämpfe in diesen Ländern waren eine Auswirkung der sinken­den wirtschaftlichen Konjunktur und in den meisten Fällen auf das Bestreben der Arbeiter zurückzuführen, das Lohnniveau auch bei ab­nehmender Betriebs^roduktion und kleineren Umsätzen auf alter Höhe zu halten.

Im Gegensatz dazu kann die jetzige fran­zösische Streikbewegung in ihren Grundzügen Mâe Dbv.ichjF.ste der Prosperität bezeich­net werden. Es genügt, die Lage des Arbeiks- marktes in Frankreich mit der anderer führen­der Industriestaaten Europas zu vergleichen, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß es bei der in Frankreich um sich greifenden Be­wegung um einen ausgesprochenen Kampf der Arbeiterschaft um Verbesserung ihrer bis­herigen Lage, um eine Anpassung an den zu­nehmenden und erstarkenden allgemeinen Wohlstand des Landes handelt.

Tafächlich! Während in Europa und Ameri­ka alle Länder bei abnehmender Jndustriebe- schäftigung an akuter Arbeitslosigheit zu leiden haben, muß Frankreich im Gegenteil, um seine wachsende Produktion zu bewältigen, immer neue Arbeitskräfte aus dem Auslande heran­ziehen. Auch im letzten Jahre sind nach offi­zieller, sogar nach unvollständiger Statistik, 164 048 Arbeiter nach Frankreich zugezogen. Und trotzdem wurde der französische Bedarf an Arbeitskräften bei weitem nicht gedeckt. All­monatlich mußten ca. 20 000 Arbeitsangebote unbefriedigt bleiben. Welch himmelweiter Unterschied von dem Zustande der ungeheuren akuten Arbeitslosigkeit, in welcher sich die bei­den größten Jndustrienachbarn Frankreichs Deuschland und England befinden!

Der Hauptgrund liegt darin, daß die fran­zösische Wirtschaft in den Nachkriegsjahren, nach der Angliederung neuer Provinzen und Kolonien, und vor allem des blühenden elsaß- lothringischen Industriegebietes mit Hilfe der deutschen Reparationszahlungen einen unge­heuren Aufschwung genommen hat, hinter wel­chem das Wachstum der Bevölkerung weit zurückgeblieben ist. Während Frankreich im Jahre 1921 nur 71 Einwohner auf einen Quadratkiometer Fläche aufzuweisen hatte, zählte Deutschland deren 135.

Jin Jahre 1920 betrug der Gssaintindex der industriellen Produktion Frankreichs nur 62 Prozent der Vorkriegszeit. Aber schon 1924 stieg der Index auf 109 Prozent, im Jahre 1928 auf 127 Prozent, 1929 bereits auf 144 Prozent, auf welcher Höhe er auch im laufen­den Jahre der allgemeinen Weltwirtschaftskrise sich behaupten konnte.

Bei dieser steigenden Produktivität konnte die französische Industrie ihre Arbeiterschaft mit verhältnismäßig niedrigen Löhnen abfin­den. Während ein Maschinenarbeiter in Ber­lin ca. 1 Mark und 29 Pfg. Stundenlohn er­hält. bekommt der französische Metallarbeiter in Reichsmark umgerechnet, nur noch ca. 1 Mark und 5 Pfg.

Diese Zahlen werfen ein grelles Licht auf die tieferen Gründe und Ursachen der Streik­welle, die in der Industrie Frankreichs plötzlich

Oie herrtise Kummer umfaßt 8 Setten