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Sekte 4

Dienstag, den 19. August 1930

Nr. 193

Die ävettsmaEiage im Bezirk des Arbeitsamtes Sana«

Der Arbeitsmarkt im Bezirk stand auch in der ersten Augusthälfte unter dem Zeichen weiterer Verschlechterung der Lage. Sowohl die Zahlen der Arbeitssuchenden überhaupt, als auch der Haupt­unterstützungsempfänger stiegen leicht an. Die Zu­gänge erstrecken sich in der Hauptsache auf das Metallgewerbe und die Papierindustrie, aber auch das Baugewerbe und andere Erwerbszweige nah­men Entlassungen vor, so daß in den meisten Be­rufen die Zugänge überwiegen. Aeußerst stark wird die Krisenfürsorge beansprucht, deren männliche Ziffern in allen Teilbezirken gestiegen sind. Die Zahl der überhaupt Ausgesteuerten ist im Wachsen begriffen.

An Arbeitssuchenden waren bei Schluß der Zählung 7475 vorhanden gegenüber 7434 am 30. Juli.

am 31. 7. 30 am 15. 8. 30 m. w. insges. m. w. tnsg. In d. Arbeitsl. Vers. 3693 1030 4723 3745 993 4783 In d. Krisenfürsorgö 1002 199 1201 1056 183 1239

Die Zahlen der Bezirke sind folgende:

Arbeitsl.-Vers.: Krisenfürsorge: m. w. insgef. m. ro. insg. Hanau Stadt... 946 367 1313 355 97. 452 Hanau Land . . . 1208 239 1447 422 61 483 Gelnhausen. , . .1124 363 1487 240 20 260 Schlüchtern. . . 467 24 491 39 5 44

Die Lage in den einzelnen Berufsgruppen

Land- und Forstwirtschaft. Auch in der Berichtszeit war infolge der Ungunst des Wet­ters keine bemerkenswerte Nachfrage nach Arbeits­kräften vorhanden. Die Zahl der Arbeitssuchenden ist etwas zurückgegangen.

Industrie der Steine und Erden. In den Ziegeleien des Landkreises konnten keine Neu­einstellungen vorgenommen werden, nach wie vor klagt man über Absatzmangel. In geringeren! Um» sang stellte die Basalffteininhustrst Arbeiter ein. Im Bezirk' Hanau-Land kamen Diamantschleifer zur Entlassung, die aber nach wenigen Tagen wie­der eingestellt werden konnten ohne die Unter­stützung in Anspruch zu nehmen. Obwohl die Roh­stofflieferung und -Verteilung sich unter schwierig­sten Umständen vollzieht, wird in den Schleifereien noch überall voll gearbeitet.

Metallgewerbe. Fach- und Hilfskräfte aller Kategorien wurden entlassen. Die Draht­industrie gab Drahtzieher, -Flechter und -Binder frei. Weitere 16 Aluminiumschmiede und Hilfs­arbeiter kamen zur Entlassung.

Papierindstrie. Durch Teilstillegung einer Fabrik von Hartpapiererzeugnissen im Kreis Geln­hausen wurden zunächst 154 Arbeiter erwerbslos.

Baugewerbe. Noch immer hält der Zu­gang von Bauarbeitern an. Es zeigt sich dabei, daß der größte Teil keine 26 Wochen Beschäftigung nachweisen und nur auf Reste der alten Anwart­schaft zurückgreifen kann. In dieser Berufsgruppe sind die Aussteuerungen besonders zahlreich.

Lohnarbeit wechselnder Art. Bei den Arbeiten für das verflossene Kreisturnfest konnte eine große Zahl von Arbeitern vorüber­gehend beschäftigt werden. Die Anforderung von Arbeitskräften war aber sonst im allgemeinen ge­ringe dementsprechend auch die Vermittlungsmög- lichkeit.

.Kaufmännische Büro- und technische A n g e st e l l t e. Die Lage ist wie bisher ungünstig. Für die Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen konnten bereits einige Kräfte vermittelt werden.

Msv San« Lussudheebsrse« desrutze« ?

Das Deutsche Jugendherbergswerk ist eine außerordentlich segensreiche Einrichtung selbst ausländische Jugend ist darüber des Lobes voll und wünscht sich auch solcheyouthiinns", wie die Deut­schen sie haben!, aber die Benutzungsbestimmun­gen sind leider noch immer nicht genügend bekannt. Allzuoft kommt es vor, daß Wanderer bei >den Her­bergsvätern spät abends Aufnahme heischen, ohne

Me Hambachev Sahne

o Bei Hey Berichten über die Verfassungsfeier der Reichsregierung am 11. August im Sitzungs­saals des Reichstags ist davon die Rede gewesen, daß unter der festlichen Ausschmückung des Saales auch eine dem Tag angemessene, gerade jetzt 100 Jahre alte Reliquie ausgestellt war. Dies war die sogenannte Hambacher Fahne, die schwarz-rot- goldene Fahne, die bei dem Hambacher Fest am 27. Mai 1832 als Sinnbild der republikanischen Bewegung in Deutschland gedient hat. Selbst diejenigen, die sich aus der Geschichte die­ses Festes in dem kleinen Dorfe südlich von Hambach, auf dem Hambacher Schloß bei Neustadt, am Fuße der Hcrcwdt, entsinnen, wer­den nicht wissen, wie die Fahne 3U der Berliner Feier dieses Jahres gekommen ist. Zu Pfingsten 1832, nachdem durch die französische Julirevolution bie demokratische Bewegung auch in Deutschland neuen Antrieb erhalten hatte, war eine große Volksversammlung nach dem Schlosse bei dem pfäl­zischen Dorfe berufen worden, um für den repu­blikanischen Gedanken zu werben. Es sollen gegen 20 000 Menschen bei dieser Gelegenheit versammelt gemessen sein. Die Versammelten hörten Reden für Deuffchlarchs Einheit und die republikanische Ver­fassung und proklamierten die Vokkssouveränität. An der Spitze der Bewegung standen Männer wie Siebenpfeiffer, Wirth, die Advokaten Schüler und Geib. Zum ersten Male trat hier eine republika­nische Partei in Deutschland öffentlich hervor. Einem, revolutionären Charakter hatte das Hambacher Fest nicht; aber es hatte die Folgen einer revolutionären Bewegung, freilid) die negativen. Es führte zur völligen Unterdrückung der Presse- und Versamm­lungsfreiheit durch -den Bundesrat. Die Leiter der Bewegung flüchteten ins Ausland; nur Wirth blieb im ßârtbé und wurde zu einer Gefängnishcsst ver­urteilt. Die Fahne, die bei dem Fest benutzt wurde, befindet sich noch jetzt im Privatbssitz und ist vom Reichsministerium des Innern, dessen Träger eben­falls den Namen Wirth führt, geliehen worden, als besondere symbolische Zierde des Festsaales im Reichstage. In den Besitz der Familie, die sie jetzt verwahrt, ist die Fahne durch Erbschaft gelangt. Sie ist das Originaltuch aus jener Zeit und noch in ausgezeichnetem Zustande, da sie von den Besitzern immer in hohen Ehren gehalten und sorgfältig auf»

gültige Ausweise, oder ohne überhaupt einen Aus­weis zu haben. Man merke sich daher kurz das Wichtigste aus den Benutzungsvorschriften der DIH.: Wer über 20 Jahre alt ist, braucht eine gelbe Mitgliedskarte" (jährlich 3 bis 4 Mark), die das Recht gibt, in über 2000 Jugendherbergen, die Ein­zelwanderern freistehen, zu übernachten. Von jun­gen Leuten unter 20 Jahren wird keine Mitglied­schaft verlangt; siè brauchen nur einen grünen Blsibenausweis" (0.50 Mark jährlich). Geschlossen wandernde Gruppen erholten für 25 Pfennig einen blauenFührerausweis" für ihren Leiter, wenn sie die körperschaftliche Jahresmitgliedschaft erwerben (mindestens 5 Mk.). Führer von Schulgruppen er­halten den Führerausweis durch ihre Schule.

SeftttGketten um Aittbee

Man kennt längst die Kinderfeste. Jeder von uns erinnert sich aus seiner Jugend, wie hübsch das war, wenn den Kindern an einem Tage kindliche Freude bereitet wurde. Es gab Kaffee und Kuchen, schließlich allerhand schöne Spiele. Es war gut und ganz nach Wunsch von Kindern und Eltern. Man hatte es alles für das Kind hergerichtet, und die Kinder merkten, daß man auf sie bedacht war, ohne daß die Erwachsenen dabei auf ihre Kosten kom­men wollten.

*

Es gibt auch heute noch Kinderfeste. Und diese Kinderfeste sind noch wirkliche Kinderfeste, aber immer mehr drängt sich jene Macht hervor, die ganz unkindertümlich ist und die Kleinen behandelt, als wären sie schon Große. Sieht man sich solchen Rum­mel an, dann wird einem wehleidig zumute. Man hört Schlagermusik für Kinder, die auf Tanzdielen sich frühreif bewegen. Womöglich gröhlt die Jugend die Texte mit. Dann werden Ueberraschungen ver­kauft oder verschenkt. Ein kleines enttäuschtes Mäd­chen bekam drei Päpierschmetterlinge, die man flie­gen lassen konnte. Diese Dingerchen aus Papier trugen folgendekindliche" Aufschriften:Fräulein, ich zahle heute den Champus für Sie".Du hast 'nen schönen Bubikopf" undAugust, wo sind deine Haare?" Das Mädchen war mit Recht enttäuscht. Wir Großen waren auch enttäuscht. Das war nicht mehr kindlich, das war kindisch!

*

Es verrät wenig erzieherisches Geschick, wenn man die Welt der Erwachsenen verkleinert auf die Kinderwelt überträgt. Es ist durchaus nicht nötig, daß Kinder schon Tanzkränzchen haben, daß sie Maskenbälle veranstalten und sich gegenseitig Feste- reien geben, bei denen sich die Eltern oft viel mehr anstrengen müssen, als sie nach außen erkennen lassen wollen. Da wird das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinausgeworfen, nur damit manmit­machen" kann. Die Kinderchensollen nichts ent­behren."

*

Blickt man näher hin, dann sind es meist die armenEinzigen", um die solches Theater gemacht wird. Der dauernde Umgang des Kindes mit Er­wachsenen läßt das natürliche kindliche Gefühl ver­kümmern. An feine Stelle tritt überreizte Genuß­sucht, die es gern den großen Leuten mit ihrer Eitelkeit und Prahlerei nachtut. Sind solche Kinder je Kinder gewesen? Wir brauchen wieder Feste für unsere Kinder, schlichte, herzerfreuende, kindliche

Kinder.

* Wahlversammlung der Reichsparlei des deut­schen Mittelstandes (Wirtfck^ftsparlei). Die hiesige Ortsgruppe hatte am 13. August in dieCentral­halle" zur Versammlung eingeladen. Erfreulicher­weise konnte der Vorsitzende Herr Heinrich Linck eine große Anzahl Mitglieder begrüßen, als er um %9 Uhr die Versammlung eröffnete. Es war ge­lungen, zu dieser wichtigen Mitgliederversammlung den Provinzial-Landtagsabgeordneten und Mit­glied des Preußischen Staatsrates Herrn Dr. W. Schulz aus Frankfurt als Redner zu gewinnen, der in seinem mehr als einftürtbigen Referat mit den alten bürgerlichen Parteien scharf zu Gericht ging. Wo man heute Hinblicke, sei nichts als Zer­

bewahrt worden ist. Die Fahne ist aus sehr guter Seide hergestellt, das Gold nicht durch gelbe Seide bargéf teilt, sondern aus Goldfäden gemirft. Sie ist, wenn auch die Farben schwa-rz-rot-gold schon lange vorher von der Burschenschaft benutzt worden sind, das erste äußere Symbol des republikanischen Ge­dankens in Deutschland gewesen.

SSseS, die den MenMen «och iMt kennen

o Ueberall, wo die Natur noch unberührt ist, haben die Tiere den Menschen noch nicht als chren Feind kennengelernt; sie fliehen nicht vor ihm und nähern sich ihm ohne Scheu. Diese Tatsache fanden die Mitglieder der Südsee-Expedition unter der Führung des früheren Gouverneurs von Texas, Pinchot, bestätigt, worüber in einer amerikanischen naturwissenschaftlichen Zeitschrift berichtet wird. Während der Fahrt ruhten sich viele Vögel, die in schlechtes Wetter gekommen waren, auf dem Schiff aus, manche der" erschöpften Tiere fanden keinen Halt, stürzten ins Meer und ertranken oder wurden von räuberischen Seevögeln gefangen. Noch 16 Kilometer von der Küste entfernt ließen sich auf dem Schiff Savannahsperlinge nieder. Einer wurde der Liebling der Mannschaft. Als er sortstiegen wollte, fiel er ins Meer, eine Welle hob ihn hoch und ein Windstoß trug ihn aufs Verdeck zurück, wo er abgetrocknet und mit Haferflocken gespeist wurde, bis er die weite Reise zum zweiten Mal antrat. Später begegnete man braunen Tölpeln, die sich auf das stlberschimmernde Loghotz stürzten, das sie für einen Fisch ansahen, sodaß man einen tüch­tigen Ruck an der Leine verspürte. Auf dem Kokos- Eiland wurde die Expedition von Tölpeln geradezu überfallen, die dauernd vom Schiff entfernt werden mußten, trotzdem schien es, als kämen die eben erst 8ortgejagten wieder zurück. Eigenartig verlief das rutgeschäft der Seeschwalben, die ihre Eier mit großer Geschicklichkeit in Astlöcher wie in einen Eierbecher legten, ohne ein Nest zu bauen. Es er­forderte von den ausschlüpfenden Jungen die höchste Geschicklichkeit, so im Astloch zu balancieren, daß sie nicht herausfielen, bis sie Herangewachsen waren und fliegen konnten. Die Seeschwalben waren beim Brüten gar nicht furchtsam, sie ließen sich dabei streicheln, gaben nut einen leisen Klagelaut von

splitterung in den Reihen der alten bürgerlichen Parteien festzustellen, Parteidämmerung, Partei- Untergang, wohin man auch sähe. Bei der heute links wie rechts bestehenden Parteiauflösung und Zersplitterung solle nun das deutsche Volk am 14. September entscheiden, was es wählen solle. Keine Partei sei unter diesen Umständen heute mehr be­rufen führend einzugreifen als gerade die Reichs­partei des deutschen Mittelstandes (Wirtschasts- partei), da sich ihr Programm auf berufsständiger Grundlage aufbaue. Schon die letzten KommUnal- Landtagswahlen haben durch den ungeheuren Zu­wachs an Stimmen, die die Wirtschaftspartei allenthalben zu verzeichnen hatte, bewiesen, wie sehr der Zusammenschluß des gesamten Mittelstandes auf dem Marsche ist. In seinen weiteren Ausfüh­rungen ging der Redner mit den Nationalsozialisten zu Gericht, denen heute auch unverständlichcrweise Kreise des Mittelstandes nachlaufen, ohne zu be» denken, daß gerade die programmatischen Forde­rungen der Nationalsozialisten eine ihren nationalen Bedürfnissen angepaßte Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke, Abschaffung des Bodenzinses und - Verhinderung jeder Bodenspeku­lation fordern. Redner streifte in seinen weiteren Ausführungen die Tatsache, daß die Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) im bevorstehenden Wahlkampf mit der Christl. Natio­nalen Landvolk- und Bauernpartei in den Wahl­kampf gehe, alle anderen Pressemitteilungen, die vom Zusammenschluß mit anderen alten bür­gerlichen Parteien reden, sind unrichtig. Es sei im Anschluß hieran notwendig zu betonen, daß nur eine geschlossene Wahlbeteiligung des Mittelstandes am 14. September zum Siege verhelfen könne. In der kurzen Zeit, in der die Wirtschaftspartei aktiv in der Regierung mitwirke und vor allen Dingen den wichtigsten Posten im Reichsjustizministerium besetzen konnte, sind für den Mittelstand wesentliche Erleichterungen steuerlicher und sonstiger Art erreicht worden. Das Programm der Wirtschaftspartei anführend, legte der Referent die Stellungnahme klar zur Frage des Berufsbe­amtentums und bemerkte ausdrücklich, daß der Kampf der Wirtschaftspartei nicht dem Berufs­beamtentum im Besitze wohlerworbener Rechte .gelte, sondern den Beamten mit dem Parteibuch in der Tasche. Ebenso wende sich die Wirtschaftspartei gegen / die Doppelverdiener, verlange die Fest­setzung tragbarer Pensionen und Zahlungsmögliche Gehälter der höheren Beamten. Mit dem bisheri­gen Zustand, daß der an sich bankrotte Staat dazu noch als Wohlfahrtsstaat benutzt werde und die notwendigen Mittel immer und immer wieder aus dem Mittelstand herauspresse, müsse Schluß gemacht werden. Vielmehr müßten diese Lasten auch auf andere Weise verteilt werden. Die jetzt nach aktiver Mitwirkung der Wirtschaftspakte! geschaffenen Steuerverordnungen ohne alleinige Belastung des Mittelstandes bedeuten nur einen kleinen Anfang von Gerechtigkeit. Die Einführung der Arbeits­dienstpflicht, nach der jede männliche Person vom 17. bis 25. Jahre arbeitsdienstpflichtig ist, sei mit eine Hauptnottvendigkeit, um produktive Arbeit für den Staat gewährleisten zu können. Durch diese nationale Arbeitsorganisation sei es möglich, bei unserer Jugend den Stolz auf Arbeit neu zu er­wecken, den ethischen Wert des Dienstes im Interesse des Volkes neu zu störten. Der Kampf der Wirt- fchaftsparter gegen bk Gewerbesteuer und die Ein- beziehung der freien Berufe dieGewcrbesteusr- zahlung habe die Kampffront derer, die die Ge­werbesteuer bekämpfen, nur noch größer gemacht, was nur zum Vorteil gereichen könne. In Preußen seit die Erhöhung der Grundvermögensteuer mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und des Zentrums erhöht worden, die Wirtschasts- partei habe dagegen gestimmt und sich damit für die Mieter eingesetzt. Damit entfalle die ost zu hörende Ansicht, als sei die Wirtschaftspartei nur eine Interessenvertretung für den Hausbesitz. Die Wahl am 14. September werde auf alle Fälle eine vernichtende Generalabrechnung für die alten Par­teien bedeuten und für den Mittelstand einen be­freienden weiteren Sieg und damit einen wirt­schaftlichen Aufstieg. In der Diskussion sprach noch der als Gast anwesende Provittzial-Landtagsabge- ordnete Wachsmuth - Kassel, der als Hand­

sich und pickten behutsam in den Finger. Ein Habicht ließ sich auf dem Kopf eines Teilnehmers nieder. Sein Nest maß 105 Zentimeter vom Boden bis zum Rand. Es wurde jedes Jahr vergrößert, sodaß man gewissermaßen Jahresringe daran sah. Albatrosse, die auf ihren Bodennestern saßen, ließen sich durch nichts stören; auch konnte man keine Flugaufnahme von Möven machen, da sie durch nichts zu einem Flug aufgescheucht werden konn­ten. Eine Spottdrossel setzte sich auf Pinchots Strohhut und wollte die Oese um bie Ventilations­öffnung heraüspicken. Diese Vögel und Abarten von Tauben näherten sich den im Gras hinge- fkreckten Personen und begannen, an chrer Kleidung herumzuzupfen, sie besahen sich alle Ausrüstungs­gegenstände aus nächster Nähe und hüpften darauf herum, ja, sie ließen sich mit langen Gerten vom Boden hochheben und an anderer Stelle nieder­setzen.

o Dr. Hoch's Konservatorium. Rudolf Scheel, Spiellleiter am Frankfurter Dpernhaus, und Emma Holl, Mitglied des Frankfurter Opernhauses, wur­den als Lehrer für dramatischen Unterricht der Frankfurter Opernschule an Dr. Hochs Konser­vatorium mit Wirkung vom 1. September 1930 ab neu verpflichtet.

o Ein geheimnisvoller Tintoretto. Nach der Meldung eines Londoner Blattes hat eine Kunst- ^ambtung im Iber smMchen Hauptstadt auf ânz geheimnisvolle Weist ein ganz ausgezeichnetes Wstd Ibes großen PortvmtMalers Ciacono Tintoretto aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Das Bild fft aluif Sz «geheime Weist aus Italien, von wo die Aus- r alter Kunstwerke verboten ist und streng be­wacht wird, entführt und nach London gebracht worden, wo es sich jetzt ihn Besitz einer bekannten Kunifthandlung bielfinben soll. Nach verschiedenem Schätzungen SachverMâiger soll iber Wert des Gemäldes aus 40 000 Pfund berechnet worden sein. Ob das zutrifft und um welches Bild von Tinto- netto «es sich handelt, ist noch nicht Mannt gegeben worden.

o 28 Millionen Bände in deuffchen Bibliotheken. Nach einer Statistik steht Deutschland mit einem WMothökenbesitz pon 28 Millionen Bänden an der Spitze iberBücherinhaber" Europas. Von diesen ; .28 Millionen Mnden, die die öffentlichen deutschen

werksmeister in seinen Ausführungen ebenfalls zur Einigkeit des Mittelstandes aufrief und verlangte, daß die Wahl am 14. September dem Mittelstand nicht schwer fallen dürfe. Wir verweisen an dieser «stelle nochmals auf den Inseratenteil der heutigen Ausgabe, aus dem hervorgeht, daß die Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirt- schaftspartei) morgen M i t t w o ch, 2 0. August, abends 8 Uhr, in derCentralhalle" ihre e r^e öffentliche Wahlversammlung abhält. Das Referat hat der Preuß. Landtagsabgeordnete Otto Mentz- Berlin übernommen, der über das ThemaWas verlangt der Mittelstand vom neuen Reichstag" spricht.

* Der nasse Tod. Die Streitfrage, ob der Tod beim Baden durch Ertrinken als Unfalltod im Sinne der Unfallversicherung anzusehen ist, ist kürz­lich vom Reichsgericht durch Urteil vom 17. Januar 1930 VII 390/29 bejaht worden. Das Reichs­gericht hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die in den Versicherungsbedingungen aufgestellten Merkmale des Unfallbegriffes auch dann gegeben seien, wenn die unmittelbar tödliche äußere Ein­wirkung, das Eindringen des Wassers in die Luft­wege, durch einen Krampf, einen Schwächeanfall oder eine andere zeitweilige Hemmung der Körper­bewegungen ermöglicht worden sei, die ihrerseits wiederum durch die Einwirkung einer kalten Strö- mung auf den Körper oder durch andere äußere Einwirkungen unwiderstehlich herbeigeführt wurde. (Mitgeteilt vom Deutschen Versicherungs-Schutz­verband, e. V., Berlin W. 30.)

* Handelsverkehr mit Syrien und dem Libanon- staat. Der Deutschs Konsul in Beirut, Herr Dr. Schmörbel, hält am Montag, 25. August in Frank­furt a. M. Sprechstunden für die Firmen ab, die am Handelsverkehr mit Syrien und dem Libanon- staat beteiligt sind. Firmen, dis an den Sprech stunden teilnehmsn wollen, werden gebeten, dies «her Außenhandelsstelle für das Rhein-Maingöbiet, Franchurt a. M., Börst (Telephon: Hansa 20 361) bis zum 22. ds. Mts. mityuteiien, damit eine Wer- tsÄmtg der Besucher auf die zur .Verfügung stehsude Zeit stattfinden kann.

* Preuß. Massenlotterie. Am 8. Zishungstage wurden unter anderen folgende Nummern gezogen (ahne Gewähr): 7239, 36174, 79631, 79709, 105850, 110310, 110314, 110324, 135730, 254821, 263894, 346365, 360772, 376527.

* Formvorschriften des Rechtsgeschäfts. Im all­gemeinen herrsch für den Abschluß von Rechtsgi- schäften sogenannte Formfreiheit. Nur in einzelnen" Fällen hat das Bürgerliche Gesetzbuch bestimmte Formen vorgeschriebsn. Die wichtigste dafür ist bie sogenannte Schriftform, die insbesondere für Miet- unb Pachtverträge über ein Grundstück auf langes als ein Jahr, für die Bürgschaftserklärung, in ver­schärfter Form für das eigenhändige Testament un® einzelne andere gilt. Die Schristform erfordert schriftliche Abfassung der in Fruge stehenden Er- klärung und eigenhändige Namensunterschrift des Ausstellers oder bei den Analphabeten gerichtlich oder notariell beglaubigte Handzeichen. Daraus er- I gibt sich, und das wird von der Rechtsprechung' allgemein vertreten, daß eine gedruckte und Faksimile wisdergegebene Handschrift zur Eri füUung der gesetzlich vorgeschriebenen Schristform, nicht ausreichend ist.

* Verkehrsgefahren und ine Menschen. Die Ge- f obren der Straße und "dès allen nur möglichen VorbeuAungsmitteln mit tun wirksamsten bekämpft werden durch Aufklärung und Belehrung der Menschen, die den Straßen- und Verkehrsgefahren ausgesetzt sind. Nach der Art, wie diese Aufklärungs- und Belehrungsavbett^ auf die Menschen wirkt, kann man drei große Srupl pen unterscheiden. Die eine, die dankbarste Gruppe« ist die der Belehrbaren, sie ist nur bedauerlicher z Weise nicht immer die zahlreichste. Ihr steht gegen-1 über die Gruppe der Unbelehrbaren. Sie muß man j in Verkehrsgefahren leider einfach ihrem guten Stern' überlassen, soweit nicht durch sachliche Vor-f sichtsmaßnahmen, die Unfallgefahr von vornherein

Wa-Ms"!'

Bibliotheken auf weisen, entfallen rund 24 Millio­nen auf die Städte Berlin, München, LeipM, Dresden, Stuttgart, Hamburg, Frankfurt a. â und Breslau. Diese verteilen sich auf die einzelnen Städte wie folgt: Berlin 9 360 000, München 4 260 000, Leipzig 3120 000, Dresden 1890 000, Stuttgart 1400 000, Hamburg 1370 000, Frankfurt a. M. 1280 000, und Breslau 1230 000.

o Das neue Buch von Ludwig Renn. Nachdem eben erst Remarques zweites Buch angekündigt worden ist, wird jetzt auch von Renn gemeldet, daß feinNachkrieg" im Herbst erscheinen werde.

o Ein Andersen-Museum. In Auswirkung des durch die zählreichsn Attdetzfen-iFeiisru ln Dänemark !nsuibelbbten Interesses für Iben großen Märchen- dichter, wird die GeburtÄstadt Anldshfens, Öbenffe, die bereits ein Am^dehssn -Denkmal singsweiht hat, auch den Grundstock legen für ein' Andersen' Mustum. Ein privater Stifter hat sich bereit er­klärt, die Hälfte der Kosten für die Anlage âsts Mulsemms, zu ibem das Geburtshaus uimgswanldslt itoetibein soll, zu tragen. Den übrigen Teil der Küsten werden (bie Gemeinde Odense und die idä nische Untere ich t M er Waldung gemeinsam auf bringen.

o Ein Verlag für anonyme Bücher. Ein eigen­artiger Versuch wird jetzt von einem neuen Pariser Verlag, den Carrefour Editions, unternommen. Sie haben jetzt ihr erstes astonymes Buch veröffent­licht und erklären, daß sie auch fernerhin nur Werke ohne Namen des Verfassers herausbringen wer­den. Die Gründe dafür werden in einem Prospekt angegeben, in dem es heißt, daß das persönliche Element im Schrifttum der Gegenwart sich allzu­sehr hervorgedrängt habe und daß man heute die Bücher viel mehr nach den Namen des Verfassers als nach ihrem Inhalt beurteile. Heutzutage müsse der Künstler die Hälfte seiner Kraft darauf ver­wenden, für sich selbst Reklame zu machen und den einmal bekannt gewordenen Namen in aller Munde zu erhalten. Wenn man die Verfasserschaft im Dunkeln lasse, dann erweise man dem Autor einen großen Dienst, denn er könne seine ganze Energie auf sein Werk verwenden; er könne leben, wie es ihm gefalle, und sei vor dem Fluch der Oeffent« lichkeit bewahrt, der auf so vielen Künstlern der Gegenwart laste.