«reiger
^mum Sitadt und Land
Erscheint täglich mit Ausnab^^ H^ Monat RM. 1.-, für den 0 dM
Samstag 12 R-Pfg. z^T GW
8 R-Pfg., im
EU
Xy ^k^rlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, M I ^^^öhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite M
^-Pfg. x Offertengebühr 50 R-Pfg.
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956,3957,3958
W. 189
— j
Samstch» !
de» 2. August
1930
Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung
Das KsusNe
-^ 3m Reichstag wurden am Freitag die Verhandlungen über ein Zusammengehen der Wirkschaftsparkei, der Chriskiichnationalen Bauernpartei und der Konservativen Volksparlei sorlgesehl. Bezüglich des weiteren gemeinsamen Vorgehens der genannten Parteien hat sich weitgehende Uebereinstimmung ergeben.
— Professor Dr. Moldenhauer hat an den Vahlkreisvorstand Köln-Aachen die Bitte gerichtet, von seiner Wiederaufstellung für die Reichslags- wllhlen abzusehen.
— Gestern ist in Berlin die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten A.-G. mit einem Aktienkapital von 150 Millionen und ausgewiesenen Reserven im Betrage von 105 Millionen gegründet worden.
— In Berlin verliefen die Ankikriegs-Demon- skrationen der Sozialisten und Kommunisten ohne Zusammenstöße.
— Das englische Unterhaus ist nach Verlesung der Thronrede auf den 28. Oktober vertagt worden.
— Die Berufung des französischen Schwimmers Cuvelier, der vom Zeitzer Schnellrichter wegen gefährlicher Körperverletzung des Zeiher Kaufmannes Schröder zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war, verworfen worden.
B — In Paris ist der 1. August vollkommen ruhig ueâutL«. LsM weder ^ur. UrheitHeinstelluna poch
ââ« MeakKrâeHsms Nit smvMWtsM EVEerr- Meen
’ Berlin, 1. Aug. Wie der Amtliche Presse- )iensl mitteilt, hat der preußische Zustizminisker Dr. Schmidt unter dem 29. Juli eine allgemeine Verfügung erlassen, in der aus die Verordnung des Reichspräsidenten aus Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung hingewiesen, und eine Umwandlung der Gefängnis- in eine Geldstrafe bei Verurteilung wegen Waffentragens nicht für zulässig erklärt wird. (Paragraph 27 StGB.) Soll der Zweck der Verordnung, so heißt es weiter, erreicht werden, so wird die verhängte Gefängnisstrafe in der Regel unnachsichtlich vollstreckt werden müssen. 2hre gewisse Aussetzung mit Bewährungsfrist wird nur ganz ausnahmsweise bei Vorliegen besonderer Umstände gewährt werden dürfen. Auch die be- dingle Aussetzung eines Teiles der Strafe wird grundsätzlich nur in Frage kommen, wenn minderns drei Monate der Strafe vollstreckt sind.
KeiM MâMOsrs MrkivMs bei MMettsrMMzmSSzr
Berlin, 1. August. Amtlich wird mitgefeilt: "orkommniffe der letzten Zeit haben den Reichs- arbestsminisier veranlaßt, die Beschaffungsressorts daraus hinzuweisen, daß es nicht abgängig ist, astenlliche Aufträge an solche Firmen zu vergeben, in den Beziehungen zu ihren Arbeitnehmern offenbar unsoziales Verhalten an den Tag 'kgen, oder durch ungerechtfertigte Aeberstunden Wassenentlassungen, die nicht in der wirischaft- Lage des einzelnen Betriebes begründet find, den Zwecken zuwiderhandeln, die die Reichsre- Swung mit dem Arbeitsbefchaffungsprogarmm
MtvikchaMkübeev rum KekâsKKu»,««
Berlin, 1.August. Reichskanzler Di. Brüning aus Anregung des Reichsverbandes der deut- Weri Industrie die Führer der deutschen Wirtschaft zu einer Besprechung am -F » n tag um 5 Uhr in die Reichskanzlei Sladen, um mit ihnen über die aktuellen Wirt- Isajtsfragen zu beraten.
Aem LaNdvsik-OsMstt- kMhjdai iw AMssr-UMHtt
_ Die Bezirksbauernschaft für Nassau und den Kreig Wetzlar und der Kurhessische Landbund ^iven einen einheitlichen Wahlvorschlag ausgestellt, der das Kennwort trägt: „Landvolkpartei für ^ftsen-Nassau." (Christlichnationale Bauern- und ds-ndoolkpartei). Als Spitzenkandidat wurde der vlsherige Reichstagsabgeordnete Hepp aufgestellt. weiter Stelle steht der bisherige Reichstags- «ogeordnete Lind- Niederissigheim.
MiwMnd
«ine SekeAftSaK fite »Wei
Berlin, 1. Aug. Am 1. August 1930 ist liche Arbeiten A.-G. mit einem Aktienkapital Reserven im Betrage von 105 Millionen RM die Errichtung und den Ausbau wertschaffend und Darlehen im Inlands an öffentlich-recht! mungen zu fördern.
Die Annahme von Depositen und der Betrieb von Bankgeschäften ist der Gesellschaft nicht gestattet. Die Tätigkeit der Gesellschaft ist gemeinnützig. Ihre Geschäfte werden auftragsweise durch die Deutsche Bau- und Bodenbank A. G., Berlin, besorgt. Die Gesellschaft untersteht der Aufsicht des Deutschen Reiches, die durch einen Reichskommissar ausgeübt wird. Zum Aufsichtsratvorsitzenden wurde Reichsmini st er a. D. Dr. Bernhard Dernburg gewählt. Im übrigen gehören dem Aufsichtsrat an die Herren Dr. Kämper, Vorstandsmitglied der Deutschen Bau- und Bodenbank A. G-, Dr.Poerschke, Geheimer Regierungsrat, Ministerialrat im Reichsfinanzministerium, Dr. Pohl, Reichs- wirtschaftsministerium, Dr. Richter, Regierungsrat im Reichsarbeitsministerium, Dr. Ritscher, Vorstandsmitglied der Reichskreditaesellschaft A. G., Dr. Syrup, Präsident der Reichsänstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Dr. Weigert, Geheimer Regierungsrat, Ministerialdirektor im Reichsarbeitsministerium, Dr. Zschucke,
Zeit den
Aufsichtsrat durch Zuwahl weiterer Mitglieder aus Kreisen der Wirtschaft, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zu ergänzen.
Zum Vorstandsmitglied wurde Dr. Wilhelmi, Direktor in der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung bestellt. Außerdem treten in den Vorstand der Gesellschaft die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bau- und Bodenbank Dr. Friedrichs und Wildermuth ein. Reichs- kommissar ist Ministerialrat Beisiegel, Abteilungsdirigent im Reichsarbeitsministerium.
Wegen Aufnahme einer Ausländsanleihe sind Verhandlungen im Gange, deren Abschluß in Bälde zu erwarten ist. *
Die Gründung dieser Gesellschaft fällt in den Rahmen des gesamten Arbeitsbeschaffungsprogramms der Regierung. Die Gesellschaft ist dazu bestimmt, das Prvgramm der Regierung in allen Einzelheiten in die' Tat umzusetzen. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hat bereits mit dem Reich ein Abkommen getroffen, daß sie Neubestellungen und Arbeiten bis zur Höhe von 350 Millionen Reichsmark über das aus der betrieblichen Finanzlage sich
Die GÄMMwNSMMZMMWLK
WNtoNÄtwM NoMsVvMvstr rmv LandvoM
Berlin, 1. Aug. Der Verlauf der Verhandlungen, die Heuke abend im Reichstag zwischen den vier Parteien der Mitte staktgefunden haben, die nach dem Ausscheiden dec Slaatspartei für die Sammlungsbestrebung übrig geblieben sind, wird in den beteiligten Kreisen außerordentlich optimistisch beurteilt.
Das kommt in der Prolokollnotiz zum Ausdruck, die die Teilnehmer unterzeichnet haben. Wan hat Dispositionen für den gemeinsamen Wahlaufruf beraten und sich im Prinzip so weit geeinigt, daß ein Redaktionsausschuß eingesetzt werden konnte, der wahrscheinlich bis Wontag den Entwurf des Aufrufes vorlegen wird. Allerdings werden die Verhandlungen erst etwa am 8. oder 9. August abgeschlossen werden, da eine Reihe von Persönlichkeiten, denen der Ausruf noch vorgelegt werden muß, kurz vor dem Verhandlungstag zurückerwartet werden. Das Kernstück des Aufrufes wird der Hinweis auf das spätere fraktionelle Zusammengehen der beteiligten Par- feien sein. Wan verspricht sich davon auch eine starke Wirkung aus die Wähler, für die es bei der allgemeinen Parleizerspiitleruug im bürgerlichen Lager schwer ist, sich für die eine oder die andere Partei zu entscheiden. Die optimistische Beurteilung hört man nicht nur aus den Kreisen der Deutschen Volksparlei, sondern auch allgemein bei den übrigen Parteien, die an den Verhandlungen beteiligt sind.
der WMM
tiMe âhârr sesvKndet
n Berlin die Deutsche Gesellschaft für Sffenk- von 150 Millionen RM und ausgewiesenen gegründet worden. Zweck dec Gesellschaft ist :r Anlagen durch Aufnahme von Anleihen iche oder gemischtwirtschaftliche Unterneh
ergebende Ausmaß hinaus in Einklang mit den dafür zu beschaffenden Mitteln in Auftrag geben wird. Die Reichsbahn beabsichtigt, zunächst für 150 Millionen RM Schatzanweisungen zu begeben. Die Verhandlungen über die neue Reichsbahnemission sind nunmehr zum Abschluß gelangt. (Siehe Handelsteil.) Nachdem bereits während der letzten Tage die wichtigsten Einzelheiten über die Bedingungen der neuen Schatzanweisungsemission bekannt geworden sind, werden nunmehr die Einzelheiten veröffentlicht.
Interessant ist vor allem, daß sich die Bank für internationalen Zahlungsausgleich sehr wesentlich an der Finanzierung dieser Transaktion beteiligen wird. Bei allen diesen Transaktionen wird die neue Arbeitsbeschaffungsgesellschaft die Vermittlung übernehmen. Von den beteiligten Kreisen wird
die Zahl der durch diese Aufträge wieder zu Arbeit und Brot gelangenden Arbeitslosen auf mehr als 180 000 für die letzten Wonate des
Gebiete des Wohnungsbaues soll Arbeitsbeschaffung erfolgen. Die Reichsregierung hat beschlossen, aus eigenen Mitteln 100 Millionen bereitzustellen und damit in Verbindung mit anderen Mitteln ein zusätzliches Bauprogramm durchzuführen, das neben der Wohnungsnot in besonderem Maße auch die Arbeitslosigkeit bekämpfen soll.
Diese beiden Arbeitsbeschaffungsprogramme der Reichsbahn und auf dem Gebiete des Wohnungsbaues werden noch eine wesentliche Ergänzung erfahren durch ein drittes Programm der Reichs- p o ft. Die Verhandlungen über die Einzelheiten und den Umfang der Auftragserteilung der Reichspost sind noch nicht abgeschlossen. Cs ist aber zu erwarten, daß dies in allernächster Zeit erfolgt. Man wird auch bei der Reichspost mit einem Programm rechnen können, das einen Betrag von 200 Millionen annähernd erreicht. Die Aufgabe der neuen Arbeitsbeschaffungsgesellschaft wird nun weiter darin bestehen, auch über den Rahmen dieser Arbeitsbeschaffungsprogramme der Regierung, der Reichsbahn und der Reichspost hinaus die notwendigen Kapitalien zur Arbeitsbeschaffung bei anderen Stellen und Behörden zu erhalten.
OMav Gsveßemmms
Gammku^äMese
Köln, 1. August. In der „Köln. Ztg." äußert sich Wolfgang Stresemann, der Sohn Dr. Stresemanns, in einem Aufsatz unter der Ueberschrift „Volkspartei und Staatspartei" über den mutmaßlichen Standpunkt, den sein Vater, wenn er noch lebte, dem Gedanken einer neuen großen Mittel- partei gegenüber einnehmen würde.
Meinen Vater hat, so schreibt Wolfgang Strese.« mann u. a., die Schaffung einer deutschen Mittelpartei seit langen Jahren bewegt. Er hat die Verlustpositionen, in die das deutsche liberale Bürgertum immer mehr geriet, schon frühzeitig bemerkt. Aber Gebote der Taktik ließen es ihm geraten erscheinen, mit der Ergreifung einer Initiative bis nach der Annahme des Neuen Planes zu warten. Koch, Mahraun, Stresemann, drei von Jnteressen- tenkreisen unabhängige Männer, sollten die Gründer sein einer Partei, die an das „Staatsvolk" appellierte. Mein Vater äußerte lebhafte Zweifel, ob es ihm gelingen würde, die ganze Deutsche
(Fortsetzung auf Seite 2)
Englische EmNive-Sovsen
Die kanadischen Wahlen, die mit der eklan- tanten Niederlage der liberalen Regierung Mackenzie King und mit dem nicht minder auffallenden Sieg der konservativen Opposition endeten, werfen neues Licht auf die Schwierigkeiten, in denen das britische Weltreich, von Asien (Indien, China, Arabien) und Afrika (Aegypten) abgesehen, neuerdings auch in Amerika begriffen ist.
Der Umschwung in Kanada kam für alle überraschend. Man wußte zwar, daß der Wahlkampf besonders scharfe Formen annahm und daß die beiden wichtigsten Parteien gleich zuversichtlich in die Zukunft blickten. Aber niemand hat eine so radikale Aenderung der Situation erwartet. Das frühere Parlament, das am 14. September 1926 gewählt wurde, und das 245 Mitglieder zählte, bestand aus 119 Liberalen und 12 Fortschrittlichen einerseits, 89 Konservativen und 11 geeinten Farmern andererseits; ferner gehörten zum kanadischen Parlament 9 Radikale, 3 Sozialisten und 2 Unabhängige. Nach den Neuwahlen besitzen die Konservativen 138 Mitglieder und die Liberalen nur 85. Die Konservativen haben folglich 49 Plätze gewonnen und die Liberalen 34 verloren. Die übrigen Gewinne der Konservativen geschahen auf Kosten der Fortschrittler, die von 12 auf 2 Mandate heruntergegangen sind. ferner auf Kosten der Radikalen, welche die Hälfte ihrer Mândatenzahl eingebüßt haben; ferner haben die Farmer einen Platz verloren. Auf diese Weise ist den Konservativen im neuen Parlament auf jeden Fall eine Mehrheit von etwa 30 Stimmen gesichert.
Die liberale Partei Kanadas sieht sich am Wendepunkt ihrer Geschichte. Sie war seit 1921 an der Macht (mit einer etwa dreimonatlichen Unterbrechung im Jahre 1926). Der kanadische Ministerpräsident Mackenzie King als Nachfolger des berühmten kanadischen Staatsmannes Wilfrid Larier war bemüht, den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der letzten Zeit mit bedachter, vorsichtiger Politik zu begegnen. Man wußte in Kanada die Klugheit, mit der Mackzie King den kanadischen Staat durch die wirtschaftlichen Klippen führte, wohl zu würdigen. Doch wurde er zum Unterlegenen, nachdem Amerika seine große Zollkampagne einleitete. Zwar hat er sich beeilt, die rigorosen Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten u. a. auch gegen den kanadischen Handel einführten, mit ähnlichen Waffen zu bekämpfen und Zollschranken gegen die Einfuhr der USA. nach Kanada zu errichten. Doch war die kanadische Oeffentlichkeit anscheinend der Meinung, daß das liberale Kabinett sich nicht energisch genug dem neuen Zolltarif der Vereinigten Staaten widersetzte. Es kam zu einem Konflikt mit dem Abgeordnetenhaus in Ottawa, der zur Auflösung des Parlaments ein Jahr vor Ablauf der Legislaturperiode führte. Es kamen die Neuwahlen, der Ergebnis für Mackenzie King umso niederschmettender war, das nicht weniger als fünf Mitglieder feiner Regierung, darunter der Finanzminister Dunning nicht wiedergewählt wurden.
Die Niederlage der Liberalen in Kanada kann nicht allein auf die Verschärfung des Zollkampfes mit USA. Zurückgeführt werden. Vielmehr spielte die innsrvolitische und vor allem die wirtschaftliche Lage eine entscheidende Rolle. So haben die Liberalen in der Provinz von Quebecs 20 von 61 Mandaten verloren wegen der schmierigen Lage der dortigen Industrie. In Montreal wurde der liberalen Regierung vorgeworfen, daß sie das Vordringen der neuseeländischen Butter auf Kosten der kanadischen nicht energisch genug bekämpft hätte. Schließlich bewirkte der Mißerfolg der Getreideorganisationen, daß die Landwirte Kanadas ihre Stimmen den Gegnern Mackenzie Kings gaben, der lange Zeit hindurch den Preis für das kanadische Getreide künstlich über den Weltmarktpreis hielt.
Die bsttiiss Kummev umkafft 10 Setten