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Nr. 176

Mittwoch, den 30. 3uÜ 1930

Sette 5

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eine Straßensammlung zum Zwecke der Erlan­gung von Geldmitteln für den weiteren Ausbau, und die Förderung ihrer Ziele. Wie überall da, wo erste Hilfe not tut, so wird die Kolonne auch aus Anlaß des 34. Mittelrheinischen Kreisturnfestes sich zu jeder Stunde des Festes bereit halten, um bei Unfällen sofort sachkundig helfend einzugreifen. Durch opferwillige, selbstlose Arbeit aller ihrer Mit­glieder hat die Organisationsleitung der Kolonne erreicht, daß sie alle Anforderungen, welche an sie gestellt werden, erfüllen kann. Aber durch die Meinig« ideelle Hingabe der freiwilligen Helfer an der großen und schönen Sache des freien Hilfsdienstes, sind nur die individuellen Aufgaben ! der Kolonne zu lösen. Darüber hinaus sind große Geldmittel nötig, um alle die durch die Tätigkeit der Kolonne notwendigen Hilfsmittel für die Er­füllung ihres schweren Dienstes bereitzustellen, und die ständig entstehenden hohen Kosten für Ver­bandstoffe, Medikamente und Krankenpflegeartikel, die in den allermeisten Fällen unentgeltlich abge­geben werden müssen, zu decken. Viel Segen hat die Arbeitersamariterkolonne seit ihrer Gründung gestiftet, bisher hat ihr die dankbare Anerkennung der Hanauer Bürgerschaft nicht gefehlt. Wir glau­ben deshalb, wohl auch die Bitte und den Wunsch an alle richten zu können, die Verständnis für das Arbeitersamariter-Liebeswerk besitzen, am kommen­den Sonntag und Montag ihr Scherflein den Sammlern und Sammlerinnen der Kolonne nicht vorzuenthalten.

Dem GedSchturs MsmavBs

weitevvevr<bs

Ueber Finnland und Skandinavien liegt ein fla­ches Tiefdruckgebiet, von dem sich ein Ausläufer bis nach England hin erstreckt. An dessen Südseite strömt vom Ozean her mäßig warme Luft über Mitteleuropa, und in dieser treten auch bei uns bei lebhaften Winden außerordentlich viel Regenschauer auf, die sich an manchen Stellen bis zu Gewittern verstärken. Dieser Witterungscharakter hält zunächst noch an; eine wesentliche Aenderung ist nicht zu er­warten. Vorhersage bis Mittwoch abend: Wolkig, zeitweise aufheiternd, noch Schauerneigung, bei westlichen Winden mäßig warm. Witterungs­aussichten für Donnerstag: Weiterhin unbeständig.

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LaUdiwekS Aa«a«.

Vevewie âaft Gvohes ft&affi!

Unkerverbandslag der ländlichen Genossenschaften des Kreises Hanau

Nachdem die seit längerer Zeit gepflogenen Ver­handlungen zwischen dem Kasseler Raiffeisen-Ver­band und dem Verband landwirtschaftlicher Ge­nossenschaften für den Regierungsbezirk Kassel zu ber am 26. Juni d. J. auf den beiderseitigen Ver­bandstagen mit großer Einmütigkeit vollzogenen Verschmelzung der beiden GenossenfchastsoerbäNde geführt haben, fand am 27. Juki d. J. im Gasthaus zum Waldhof in Marköbel der erste Unterverbands­tag der im neuen Kurhessischen Verband ländlicher Genossenschaften Raiffeisen e. V. vereinigten ssenschaften des Kreises Hanau statt.

Unteroerbandsdirektor Wende- Langendiebach,

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ilngsänfprache über 300 Vertreter der Genossen- chaftèn und zahlreiche Ehrengäste begrüßen, dar­unter den Vertreter des Landrates Assessor Fitte, .Landwirtschaftsrat Gielen, Landwirtschaftslehrer 'Dr. Schneider, Bürgermeister Goldacker, Rechts­anwalt Krieger.

Von den Kasseler Zentralen waren erschienen der neue Leiter des Einheitsverbandes Verbandsan­walt Schmidt, der Leiter der Einheitsbank Direktor Weith, der Leiter der genossenschaftlichen Waren­zentraleHessenland" Direktor Hennings, General­sekretär Most, Augustin, Verbandsrevisor Linne­berger.

Assessor Fitte überbrachte die Grüße des ver­hinderten Landrates und wünschte der Genossen­schaftsbewegung weiteres Gedeihen und hoffte auf ^n ersprießliches Zusammenarbeiten zwischen Kreisverwaltung und Genossenschaft tn Anbetracht der' zu erwartenden schweren Zeiten.

Landwirtschaftsrat Gielen begrüßte die Zu­sammenlegung des ländlichen Genossenschaftswesens und würdigte dessen Bedeutung für die einzelnen Genossen und die ganze notleidende Wirtschaft. Er erhofft, einen wesentlichen Aufschwung für den landwirtschaftlichen Bezug und Absatz.

Im Mittelpunkt der Tagung stand der Bericht von Verbandsanwalt Schmidt über die Lage der kindlichen Genosseuschafts-Organifafton in Kurtze ssen. Gr führte u. a. aus: Durch den Zusammenschluß der beiden Verbände Raiffeisen und Haas sind jetzt in öfterem Bezirk rund 700 Genossenschaften zusam- Engefaßt Und zwar 575 Kreditgenossenschaften, 25 ^ftgs- und Absatzgenofsenschaften, 40 Molkereien nb 75 sonstige Betriebsgenossenschaften mit einem Ginlagenbeftand in Spareinlagen und laufender Rechnung von 55 Millionen RM. Zweck des Zu- stmmenfchlusses soll sein, in gemeinsamer Arbeit r>ne Konzentration der Kräfte und eine Vermeidung oon Leerlauf in genossenschaftlichen Zentralinfti" en, besonders aber die Hebung der genossenschaft­lichen Belangen nach der Absatzseite, damit die Rot orr ländlichen Bevölkerung möglichst intensiv be- rompft werden kann.

Da nunmehr zum Untervevband Hianau 29 Kredit- Mossenfcha'fben, 2 Molkereien, 1 Kornhau sgeselil- ja>atft u. 10 sonstige Betriebsgenossenschaften gehören, der Unterverband Hanau der stärkste Unter­verband des Kasseler Verbandes geworden. Die llesgchenden und aus innerer Ueberzeugung ge­machten Ausführungen fanden reichen und ungeteil­ten Beifall. Man hatte das Empfinden, daß das ftrheffifche ländliche Genossenschaftswesen einen ftchkundigen Führer gefunden hat,den- rechten ^tann am rechten Platz", dessen Mahnung zur ge- stossenschaftlichen Einigkeit nicht umsonst ergangen lein möge.

Im folgenden Vortrag verbreitete sich Direktor 7»cith eingehend über die Zinspolitik der länd­lichen Genossenschaften, wobei er überzeugend nach- m,es, daß die ländlichen Genossenschaften keines- ®e9s zinsvcrteuernd wirkten und daß die von ihnen ftrèchuete Zinsspanne zwischen den Soll- und ^obenzinfen von keinem Geldinstitut unterboten werden könne.

. Peber das genossenschaftliche Warengeschäft be­richtete Direktor H e n n i n g s . Er erwartet durch Oen Zusammenschluß der beiden Genossenschafts­verbände einen gesteigerten Umsatz und forderte alle lvenossenfchasten zur gemeinsamen Arbeit im Warengeschäft auf.

KW

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Die neue Bismarck-Gedächtniskirche im Sachsenwald

zwischen Aumühlen und Friedvichsruh wird heute, am 30. Juli, dem 32. Todestag Bismarcks, ihrer Bestimmung übergeben.

Eine -wertvolle Bereicherung erfuhr die Tagung durch den ausgezeichneten Vortrag von Rechts­anwalt Krieger überTestaments- und andere juristische Fragen." Die Ausführungen sämtlicher Redner waren so klar und überzeugend, daß keine Diskussion darüber gewünscht wurde.

Nach einem kurzen zuisamkneüfassenden Schluß­wort des Verbandsanwaltes, konnte Unterverbands­direktor Wende den ersten im Zeichen des Kur­hessischen Einheitsverbandes stehenden Unterver­bandstag um 18 Uhr schließen.

Äwi6 Gelubauke».

)( Gelnhausen, 29. Juli. Einwohner des Kreis­ortes Wolferborn sahen die Pferde eines Land­wirtes aus dem gleichen Ort führerlos auf. dem Feld umherirren. Man ging der Sache nach und fand den 57jährigen Besitzer des Gespanns leblos auf seinem Acker liegend. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein plötzliches Ende bereitet.

Kreis Vüdinsen.

f Büdingen, 28. Juli. Das auf der Wahlvor-

'lagsliste der Deutschen Volkspartei zum

des Kreises Büdingen im November o. J. gewählte Kreistagsmitglied Fabrikdirektor Morhenn der

Eisenwerke Hirzenhain, hat mit Rücksicht seiner Wahl zum Provinzialausschuß der Provinz Ober­hessen, sein Mandat als Kreistagsmitglied nieder­gelegt. An seine Stelle wurde Schlossermeister Otto Grom, Ortenberg, von der Kreiswahlkommission als Mitglied des Kreistages festgestellt und dazu be­rufen. Der Gemeinderat der Stadt Büdingen hat mit Rücksicht auf die Schulferien die Beigeord­netenwahl vom 3. auf den 17. August verschoben. Bis jetzt sind zwei Wahlvorschläge eingereicht wor­den. Der eine lautet auf Metzgermeister Theodor Oberheim, der andere- auf SteuerinisPöktor Emil Diemer.

A«S S«a«S§«vt a. M

Kaubüherrfatt auf einen woSSssahvisnttesse

Der Ueberfallene durch einen Schuß schwer verletzt

: Dienstag abend gegen 6 Uhr wurde der Wohlfahrtspfleger Richard Surek in feiner Woh^ nung in der Hafenstraße 19. von einem bis jetzt noch unbekannten Täter überfallen und durch einen Schuß in die Brust schwer verletzt. Surek hatte heute Wohlfahrtsgelder empfangen, die ihm ge­raubt wurden. Beim Eintreffen des Ueberfallkom- mandos war der Täter bereits verschwunden. Surek wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Nach den bisherigen Feststellungen handelt es sich bei dem Raubüberfall auf den Wohlfahrts­pfleger Surek um einen Betrag von 810 000 Mk., der dem Täter in die Hände gefallen ist. Die Kri­minalpolizei konnte bis jetzt noch keine Spur von dem Täter entdecken. Möglicherweise handelt es sich auch um mehrere Personen, die den Ueberfall ausgeführt haben. Der oder die Täter müssen ganz genau Bescheid gewußt haben, daß der Ueber­fallene eine größere Summe in Besitz hatte. Sie wählten auch zu der Tat eine Zeit, zu der Surek allein in seiner Wohnung anwesend war.

Selbstmordversuch im Nachtlokal

: Ein Gast eines Nachtlokals auf der Zeil fchnift sich Dienstag früh gegen 6 Uhr die Pulsader auf und suchte sich dann mit aller Gewalt seiner Ver­bringung ins Krankenhaus zu widersetzen, die als­bald durch die Rettungswache erfolgte.

Sie wollte ihren Ehemann los fein

: Gegen die Ehefrau eines Gewerbetreibenden ist Anklage wegen Aufforderns zu einem Ver­brechen erhoben worden. Die Frau, die in unglück­licher Ehe mit ihrem Mann lebt, bemühte sich.einen Bekannten anzustiften, ihren Mann umzubringen. Der Bekannte aber benachrichtigte die Polizei und das Verbrechen wurde vereitelt. Die Frau ist in­zwischen von ihrem Mann geschieden worden.

Gemäldediebstähle in Wartezimmern.

: In letzter Zeit sind mehrfach aus den Warte­zimmern von Aerzten bzw. aus den angrenzenden Simmern Gemälde entwendet worden. In einem

Falle handelt es sich um eine Heidelandschaft mit untevgehender Sonne von dem Maler Karl Meyer, in einem anderen Falle um ein Gemälde von Heevdt, eine italienische Landschaft mit Herde und Hirten. Als Täter kommt ein etwa 35 Jahre alter Mann in Betracht.

Aus KM ««d Seen.

Fünf Verletzte bei einem Alokorradunglück

Fulda, 29. Juli. Am Sonntag ereignete sich in dem Kreisort Löschenrod ein schweres Motor­radunglück. Dort befand sich eine Familie aus Schweinfurt zu Besuch. Die jungen Leute wollten am Nachmittag eine Fahrt mit dem Motorrad machen. Dabei nahm ein junges Mädchen aus Schweinfurt auf dem Soziussitz Platz, während ein junger Mann vor dem Fahrer auf dem Tank zu fitzen kam. Diese Fahrt zu Drift sollte den jungen Leuten zum Verhängnis werden. An einer Kreu­zung der Dorfstraße rannten sie mit einem aus Fulda kommenden, aus Thüringen stammenden

Kraftrad in voller Fahrt zusammen. Dabei wurde das junge Mädchen in weitem Bogen auf die Straße geschleudert und blieb mit schweren Ver­letzungen liegen. Der Löschenröder Motorradfahrer

r Kreistag erlitt einen komplizierten Oberschenkelbruch. Auch . gewählte die drei andern Beteiligten mußten in das Kranken-

Haus in Fulda gebracht werden. Das junge Mäd­chen liegt in bedenklichem Zustand darnieder und hat erst gestern morgen das Bewußtsein wieder­erlangt. Man hofft jedoch, daß die Verunglückten mit dem Leben davonkommen.

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verurteilter Kommunistenführer

Kassel, 29. Juli. Das Große Schöffengericht Kassel verurteilte am 28. Juli in einer Sitzung

Witzenhausen den dortigen Führer der Kommu­nisten Paul Jörg wegen Beleidigung des Präsi­denten der Landesversicherungsanstalt, Thöne,' in zwei Fällen zu einer Gesamtstrafe von sechs Wochen

Gefängnis. Anläßlich der Kreistagswahl im vori­gen Spätjahr hatte Jörg eine Anzahl Wahlver­sammlungen abgehalten und dabei zwei Behaup­tungen über die frühere Tätigkeit Thönes als Landrat von Witzenhaufen aufgestellt, die zur Er­hebung der Anklage führten. Zunächst hatte Jörg behauptet, Thöne habe als Landrat einen Betrag von 76 000 RM aus den Ueberweisungen des Ueberlandwerkes Edertalsperre drei Jahre lang in seiner Tasche gehabt und habe diesen Betrag erst kurz vor seinem Abgang von Witzenhausen wieder der Kreiskasse zugeführt. Die zweite Behauptung ging dahin, daß das Wirtschaftsamt Witzenhausen an einen Gutsbesitzer in Harmutfachsen Erbsen ver­kauft und dafür Schweine erhalten habe. Der Land­rat Thöne habe das dickste davon bokammen. In einer mehrstündigen Verhandlung ging das Gericht beiden Behauptungen in allen Einzelheiten nach mit dem Ergebnis, daß 76 000 RM Ueberweisun­gen tatsächlich stattgefunden hatten, die aber der Kreiskasse zugeflossen waren. Lediglich über die Art der Berechnung der Ueberweisungen im Etat habe eine Meinungsverschiedenheit auftreten können. Die zweite Behauptung Jörgs wurde als vollständig entstellt ausgenommen. Das Wirtschaftsamt Witzen- Haufen hatte an den Gutsbesitzer allerdings Ab'fall- erbseN verkauft und dafür Schweine erhalten. Der Landrat hatte aber mit diesem Geschäft nicht das mindeste zu tun. Da der Angeklagte Jörg bereits vor zwei Jahren wegen Beleidigung des Präsiden­ten Thöne bestraft worden war, sprach sich das Ge­richt dahin aus, daß von einer Geldstrafe nicht mehr die Rede^sein könne und erkannte auf die oben genannte Strafe.

Befreiungsfeier der Rheinischen Jäger und Kund­gebung für die deutsche Saar in Trier

, Trier, 29. Juli. Die alte römische Kaiserstadt Trier rüstet sich zur Wiedersehensfeier aller Ange­hörigen des Rheinischen Jägerbataillons Nr. 8, das im elsässischen Städtchen Schlettstadt gelegen, im Weltkrieg in den Vogesen und an der Westfront treue Grenzmacht hielt. All den Kämpfern, die ihr Leben für den freien deutschen Rhein eingesetzt haben, aber auch ihren Angehörigen und allen deutschen Freunden, die das nunmehr freie Mosel­land Wiedersehen wollen, bietet die Stadt Trier ein herzliches Willkommen. Unter dem Eindruck der chrecklichen Brückenkatastrophe in Koblenz wird. Jie Feier am 10. August einen ernsten Charakter ragen. Sie soll auch eine machtvolle Kundgebung ür das noch vom Reiche losgetrennte Saargebiet ein. Im Rahmen der Rheinischen Jägcrtage findet «in allgemeines Preisschießen, eine Gefallenen­gedenkfeier, ein Festzug durch die Stadt und ein Begrüßungsabend in der Stadthalle statt,

Suche nach dem letzten Opfer von Koblenz

Koblenz, 29. Juli. An der Unfallstelle von Koblenz-Lützel ist man noch immer um die Bergung weiterer Opfer bemüht. Dem schlammigen Grund des Hafenbeckens sucht man auch noch das letzte Opfer zu entreißen. Gestern wurde bei den Such­arbeiten noch eine Handtasche aufgefischt. Auch nimmt man an, daß sich mindestens noch eine Leiche im Gebiet des Hafens befinden muß, da «eine Vermißtmeldung vorliegt, von der man mit Bestimmtheit annimmt, daß sie nur durch einen Fund im Hafenbecken ihre Erledigung finden wird. Heute soll das Hafenb affin nochmals gründlich abgesucht werden.

Ein ganz Schlauer

Steinebach (Westerwald), 29. Juli. Ein jun­ger Bergmann von hier alarmierte morgens die Landjägerei und gab an, ihm seien über Nacht 1500 RM, die er tags zuvor von der Volksbank in Wissen abgehoben hatte, aus der verschlossenen Schublade entwendet worden. Ein Landjäger, der mit einem Polizeihund bald zur Stelle war, ver­suchte die Spur des Einbrechers aufzunehmen, was jedoch nicht möglich war, weil rund um das Haus alles mit Pfeffer bestreut war. Die Art der Dar­stellung des Diebstahls und eine Reihe anderer Umstände ließen bei der Polizei den Verdacht auf­kommen, daß es sich um einen fingierten Einbruch handle. Die Nachforschungen bei der Bank bestätig­ten dies denn auch. Nach längerem Verhör gestand der Bursche endlich, daß er ein Verhältnis unter­halte, von dem die Eltern seiner Angebeteten jedoch nichts hätten wissen wollen, weil er mittellos sei. Um dieses Hemmnis aus dem Weg zu räumen, habe er sich ein Sparkassenbuch über 20 RM ange­legt, von dem er wieder 15 RM abhob. Er ließ sich eine Bescheinigung von der Bank geben über 15 RM, an die er flugs zwei Nullen hing. Mit diesem Dokument wollte er deb gestrengen Eltern zeigen, daß er nicht mittellos sei. Die Fälschung dürfte für den Liebhaber noch ein peinliches Nach­spiel haben.

Mit dem Motorrad in einen Teerbehäller.

Andernach, 29. Juli. Zwei Motorradfahrer aus Hagen irrten in der Dunkelheit von der Straße ab und gerieten auf einen Weg, der dicht am Rhein in die Änlagen der Rheinwerft führt. Plötzlich sah sich der Fahrer knapp vor dem Wasser des Rheins. Er erkannte die Gefahr und riß das Steuer her­um. Dabei stürzte das Fabrrad in ein mit Teer- macadam gefülltes drei Meter tiefes Silo. Die Motorradfahrer blieben schwer verletzt liegen. Auf die Hilferufe der Verunglückten kamen Einwohner hinzu und veranlaßten die Ueberführung der am ganzen Körper Geschwärzten ins Krankenhaus. Einer der Verletzten ist kurz darauf den schweren Wunden, die durch den Teer noch gefährlicher ge­worden waren, erlegen.

Rheinreise britischer Arbeiter.

Mannheim, 29. Juli. In der ersten August­woche werden 350 britische Arbeiter mit ihren Frauen eine achttägige Rheinreise auf dem DampferLckhengrin" der Köln-Düsseldorfer un­ternehmen. Die Besucher sind Mitglieder der Reise­vereinigung britischer Arbeiter. Durch Anlage von Sparguthaben, die m wöchentlichen Raten bezahlt werden, verfolgt diese 1922 gegründete Ver­einigung den Zweck, den Arbeitern im Sommer Erholungsreisen zu ermöglichen. An der Rhein­landfahrt beteiligen sich Mitglieder aus allen größeren Städten Englands, sowie auch aus Schottland, Irland und Wales. Die Zahl der ein­gegangenen Anmeldungen war so groß, daß sogar ein größerer Dampfer gemietet werden mußte, als ursprünglich vorgesehen war. Die Fahrt be­ginnt am 2. August und geht über Ostende-Straß­burg näch Mannheim. Von dort aus wird der DampferLohengrin" die Gäste aus England nach Mainz, Koblenz, Köln und Düsseldorf führen. Die Teilnehmer werden zu einem Drittel bei den Uebernachtungen die Gastfreundschaft deutscher Arbeiterfamilien in Anspruch nehmen, während der Rest in Gasthöfen Unterkunft findet.

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Von Dr. Külz, Reichsminister a. D.

Has deutsche Volk und der deutsche Reichstag sind in den letzten 12 Jahren vor so viele Ent­scheidungen von ungeheurer Tragweite gestellt ge­wesen, daß jeder einzelne Staatsbürger von einem gewissen Abgestumpftsein selbst gegenüber schick­salhaften Notwendigkeiten befallen ist. Zeiten wirt­schaftlichen Tiefstandes, wie wir sie jetzt durch­leben müssen, begünstigen einen derartigen Fa­talismus.Schlechter kanns nicht werden, mir ist alles gleichgültig", das ist die GrunÄstimmung von Tausenden, und aus dieser Stimmung heraus füllen sie die Reihen derer auf, die mit tönenden Phrasen auf die Unfähigkeit des Staates und seiner Organe, auf die Schlechtigkeit der Menschen, auf die Zinsknechtschaft des internationalen Kapitals, auf die Versklavung Deutschlands, schimpfen und wettern, ohne selbst auch nur einen Finger zur Besserung der Verhältnisse zu rühren. Aus solcher Stimmung heraus werden Wahrten zum Parla­ment nicht mehr zum politischen Bekenntnis, son­dern zum Ausdruck des Volksunwillens, der Ver­ärgerung, der Verzweiflung. Ach es ist menschlich nur all zu verständlich, daß gerade jetzt sich Not und Sorge breiten Schichten des Volkes als Rat­geber aufdrängen, aber den Weg zur helfenden Tat führen diese Ratgeber niemals.

Der Mensch denkt an sich s lbst z u - c r ft ; auch im öffentlichen Leben. Das ist ein Naturgesetz, über das man mit noch so idealen Floskeln nicht hinwegkommt. Deswegen ist es auch durchaus logisch, wenn im Kampf ums Dasein der einzelne Mensch und die einzelne Schicht ihre In­teressen mit Nachdruck vertreten. Das ist ihr gutes Recht. Aber und hier liegt das Entscheidende es gibt kein einziges Recht, weder im Leben des einzelnen Menschen, noch im Leben des Volkes, noch im Zusammenleben der Völker, das nicht seine Grenze fände an dem Mitbestehen der Rechte an­derer und an einer eigenen Pflicht. Darum darf und soll der Einzelne seine eigenen Interessen wahrnehmen, aber er muß sie im letzten Grunde ein ordnen in den Bereich des Allgemeinwohles. 91 i e m a n b i ft für sich allein auf der Welt, sondern nur als Glied einer Gesamtheit mit einer zwangsläufigen Gemeinschaft. Wir sind kein Volk, das nur aus Arbeitern, nur aus Bauern, nur aus Handwerkern, nur aus Fest- besoldeten, nur aus Industriellen bestünde, und des-