Nr. 173
Samstag, ben 26. IuN 1930
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weiterhin kühl und regnerisch.
Die vergangen« Woche jätete zwar oorüber- ând Ansätze zu einer sommerlicheren Umgesdal- umty der Wetterlage, doch blieb der allgemeine Wittemmgscharaikter unserer Voraussage gemäss unbeständig, und namentlich in den letzten Tagen tilgte mit verbreiteten Landregen eine neue Ver- jchlechterung.
Die ersten, am Eâ der Vorwoche nieder- qeganigenen Landregen dieser Schlechtwetterperiode nieten sich besonders in Mittel- und Norddeutsch- !and durch ihre ungewöhnliche Ergiebigkeit aus. So wurden von Freitag nachmittag bis Samstag früh -ec Borwoche in Chemnitz 72, in den verschiedenen Teilen von Berlin 56 bis 61, auf dem Weißen Hirsch bei Dresden 52, in Riesa 48, überhaupt im sächsischen Eibgebiet durchweg 30 bis 60 Millimeter Regen gemessen. Das für die Jahreszeit ungewöhnlich tiefe Minimum, an das die verbreiteten Landregen geknüpft waren, war durch die großen Tempsnaturgegensätze zwischen dem Westen und dem Osten Mitteleuropas entstanden. Während am Freitag vor acht Tagen Aachen bsisipielsweise nur 16, Frankfurt a. M. 18, Adagdeburg 19 Grad Warme als Höchstteniiperaturen erreicht hatte, war in Breslau das Thermometer bis auf 31 Grad C. gestiegen. Die nach den Regeyfällen zu Beginn der Woche erfolgte Drucksteigerung wurde schon Montag bei der Annäherung einer neuen atlantischen Depression wieder abgebâut; immerhin konnten vorher in Mittel, und Süddeutschland die Dsmpera- turen auf 25 .bis 27 Grad Wärme steigen; der abermalige Einbruch maritimer Polarbuft drückte aber bann namentlich in Westdeutschland das Quecksilber stark hinab, so daß Dienstag in Aachen die Höchsttemperatur nur 14 Grad betrug. In der folgenden Nacht kam es besonders in Mitteldeutschland zu sehr starker Wkühlung, stellenweise bis auf 5 Grad Wärme. Im Gegensatz dazu floß infolge einer Dmckzunohme über den unteren Donauländern im Osten Warmluft nordwärts, so daß sich aus den erneuten großen Tsmperaturge gensätzen zwischen West und Ost abermals ein Binnenlandties ent- toicfefte, in dessen Bereich die Warmluft wieder auf die KaMust ayfglitt und so die letzten verbreiteten Landregen verursacht«, die sich über Bayern, Sachsen sowie das Gebiet zwischen Elbe und Oder erstrecken.
Zwischen zwei Hochdruckgebieten eingeschlossen, von denen das Azorenmaximum bis nach Frankreich und dem Alpengeb^iet reicht, während das östliche den Balkan und die Ukraine bedeckt, wird Mteleurapa auch weiterhin das AktionszentrUm der Großwetterlage bleiben, weil die maritime Polarluft, die auf der Ostseite des Azorenmaximums in den Kontinent einströmt, und die warme Mittel- mserlust, die aus der Westseite des Balkanhochs nordwärts fließt, sich über den mittleren Gebieten unseres Erdteils berühren und hier stets neue Zyklonen-bilden, im deren Bereich weithin schlechtes Wetter herrscht. Wie in der Vorwoche, wird auch die zwischendurch eindretende Besserung von Dauer fein; namentlich im Westen und dürfte ihr erneut ein empfindlicher Tompe- vorMigeheir. Von' veroinMenion-, wärmeren Lasen abgeilvhvn, mirs der Jteneine
K unfreundlich bferben; trübes, für die Iahres- ■ kühles und regnerisches Wetter bei Winden -aus Milchen Richtungen wird auch weiterhin vorherr- und Anzeichen für eine Wiederkehr beftän- Miger und hochsommerlicher Witterung liegen noch Wicht vor. Jedenfalls ist die Möglichkeit, daß sich Ras schlechte Wetter bis in den August hinein fort- 'itzi, und daß unter Umständen die ganzen Hunds- ioge verregnen, nicht von der Hand zu weisen, und schon jetzt ist feistzustellen, daß der Juli seit dem Ähre 1922 nicht mehr so unsommertich gewesen ist wie diesmal.
* Daten für 27. und 28. Juli. 1794: Sturz Nobespieres. 1830: Beginn der Julirevolution. — Juli: 1750: Johann Sebastian Bach in Leipzig
34. MÜMMliM«« BweiSturnfest
Das GauLuenfefi als Kufiaki
Ein Willkomm de« Gaut«e«evn r
Euch, A)r Turnerinnen und Turner des heimischen Gaues Main-Offenbach-Hanau, die Ihr den Auftakt zum Mittelrheinischen Kreisturnfest bilden dürft, gelten heute unsere Willkommensgrühe. Euch zu Ehren, hat Lie alte Turnerstadt Hanau bereits Festschmuck angelegt und sich zu einem Empfang gerüstet, der den auf Gauturnfesten für gewöhnlich üblichen noch überschreiten dürfte.
Im Schatten des Kreisturnfestes, wächst das diesjährige Gauturnfest heran, werden auf dem herrlichen Feftgelände bei WilhelmsbaL die Kämpfe um den schlichten Eichenkranz ausgetragen. Ihr alle seid Euch dessen voll bewußt, daran ist nicht zu zweifeln. Die gegenüber dem prächtig gelungenen vorjährigen Gaufest in Fechenheim wesentlich erhöhten Meldeziffern allein lassen dies schon klar erkennen. Tausende und Abertausende werden auf Euch schauen, werden sich an Euren gestählten Körpern . erfreuen und ganz Hanau wird bereits von heute ab im Zeichen der edlen deutschen Turnerei stehen. Ein würdiger Auftakt des Kreisfestes soll und wird Euer Fest werden und stolz dürft Ihr daraus sein, als erste Künder kommender großer Dinge die Kampfstätte zu betreten.
Ihr Maingauturner und -turnerinnen habt jetzt das Wort und an Euch liegt es aufs neue zu beweisen, daß sich der Gau Main-Offenbach-Hanau nicht zu verstecken braucht hinter dem Viertelhundert anderer Gau« des großen Mittelrheinkreisgebietes. Niemals aber wird dies je der Fall fein, denn wir alle kennen unseren Gau mit feiner unermeßlichen Fülle von wackeren Turnerinnen und Turnern. Auf daß man bis in die Tage des ktmmenden Mittelrheimschen Kreisturnfestes hinein nur von Euch und Euerem gelungenem Gau- fest sprechen, und Ihr Euch wohlfühlt in der alten Turnerstadt Hanau, entbieten wir Euch für heute nochmals die herzlichsten Willkommensgrüße und ein dreifaches Gut Heil!
©aiuihirnf elfte als solche bÄden ohne weiteres schon die ^jährlichen Höhepunkte im Leben der engeren Turnverbände innerhalb der alles umfassenden Deutschen Turnerischaft. Gang besonders ist dies aber bei dem vom 26.—28. Juli stattftndenlden diesjährigen Gauturnfest des Gaues Mcrin-Often- bach-Hanau der Fall, das sich im Schatten des kam- menden Mittelrheink rei sfeste s ersichtlich wohlfühlen dürfte und mit einer selten erreichten Beteiligung s- Mer dessen würdigen Auftakt achzugeben verspricht.
10 360 Bereinsangehörigen brauchen wâr ferne Worte verloren zu werden. An guten Geräte- und Volksturnern hat in ihm noch nie «in Mangel geherrscht, wie besonders auch das Jugend- und Frauenturnen, ganz zu schweigen von dem Spiel und Fechten, in unserem Gau eine dauernde Pflegestätte gefunden hat. Mit einiger Selbstverständlichkeit werden sich am kommenden Sonntag die Besten des Gaues im Kampf« um den schlichten Eichen- kranz messen und besonders die großen und größten Vereine ein starkes Aufgebot entsenden. Es sich) derer nicht wenige, allen voran die beiden
gest. 1794: Hinrichtung Robespieres in Paris. 1604: Der Philosoph Ludwig Feuerbach in Landshut geboren. 1824: Der Schriftsteller Alexander Dumas
Offenbacher Vereine T. V. und Tgs., die beide annähernd 1000 Mitglieder zählen. Es folgen die heimische Tajde und T. V. Neu-Isenburg mit über 700 Mitgliedern, T. u. Sp. Vg. 1860 Hanau, T. V. Fechenheim und Tgde. Bürgel mit je nahezu 500 Mitgliedern. Ueber 300 Mitglieder zählen weitere drei Vereine, darunter auch der heimische T. und F. C., während di« Zahl 200 weitere 8 Gau vereine überschritten haben.
Die MâegiMern der Turner (718 in 40 Megen) und Turnerinnen (278 in 18 Riegen) sind in ihren Einzelheiten an dieser Stelle bereits bekannt- gegeben. Gleichfalls allgemein bekannt ist, daß die Fechter ca. 100 Mann stark aus dem Plane erscheinen werden und die Spielmann-szüge M) Mann umjfässen. Alle Vorbedingungen für ein restloses Gelingen des Gaufestes in turnerischer und sonstiger Hinsicht sind hiermit geboten, zumal auch das stets interessante Musterriegenlurnen von rund 1200 Turnern und Turnerinnen bestritten wird und die Sänger höchst zahlreich zur Stelle sind. Nicht zuletzt verdienen in diesem Zusammenhäng die allgemeinen Freiübungen genannt zu werden, die wieder ein anmutiges Bild hervortzaubern werden.
Angesichts der noch erhöhten Bedeutung des diesjährigen Gauturnfestes als Auftakt des Wittel- vheintreisfestes dürfte es am Platze sein, nochmals in ganz kurzen Zügen auf das Programm des Festes einzugehen. Die eigentliche ErlGnung und UÜbergabe des Festes an ine Bauleitung findet am Samstag, 26. Juli, abends 7 Uhr, unter Mitwirkung der Gausänger (ca. 350 Mann) und Spiel- mannstzüge auf dem Altstädter Markt statt, von wo die Teilnehmer geischlossen unter Vorantritt der Spielmännszüge zum Festgelände ziehen. Turnerische, sportliche und gesangliche Darbietungen füllen den Bombend des Festes aus. Die Wettkämpfe beginnen am Sonntag, 27. Juli, früh 7 Uhr, auf der ganzen Linie und sollten bis gegen 12 Uhr beendet sein. Nachmittag 1% Uhr stellt sich dann der Turnerzug aus dem Marktplatz auf, um durch die Krämerstraße, Philippruher Allee, Kesselstadt nach dem Festplatz zu marschieren, wo ein interessantes, abwechslungsreiches Programm der Festbesucher harren wird. Besondere Erwähnung verdienen hierbei das Gauriegenturnen der Männer an 12 Barren, Las Gauriegenturnen der Turnerinnen, die Dolksdünze der Turnerinnen und.das Händbälljfpiel Offenbach-Hänau. Anschließend findet ein gemeinsamer Aufmarsch sämtlicher Turner und Turnerinnen statt, dem sich nach einer Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Blaum und 1. Gauvertrsters Dauner um 6^ Uhr die sinnige Siegerehrung an= schließen wird. Konzert, Tanz und Dolksbelüstigung treten alsdann bis in die späten Nachtstunden hinein in ihre Rechte. Der Montag nachmittag ist den Weinen und kleinsten Vorbehalten, die sich nach Herzenslust bei frohen Spielen tummeln sollen, wahrerS Konzert und sonstige VEsbetuksttgung in und um der Festhäkle den Beschluß Les Saufeftes bilden werden.
An die gesamte Einwohnerschaft aber ergeht zum Schlüße nochmals die dringende Bitte: „Helft dem GaMest als Auftakt zu dem Midtslrheiu-ischen Kreissest zum vollen Gelingen und betäubet durch Schmücken und Defläggen Eurer Häuser bereits in den Tagen des Gaufestes Eur« Liebe und Sympathie zu der gemeinsamen großen Deutschen Turnsache, auf daß sich Hanau als Turnerstadt aufs neue den Namen macht, der unserer Vaterstadt von alterst)er gebührt!"
d. I. in Paris geb. 1842: Der Dichter Clemens Brentano in Aschaffenburg gest. 1914: Oesterreich erklärt Serbien den Krieg.
* Seinen 81. Geburtstag begeht heute Sams- tag, 26. Juli, Herr Christian Ehrlich, Nürnberger Straße 3.
* Arbeitsjubiläum. Heute feiert Herr Konrad Jäger sein 25jâhriges Arbeitsjubiläum als Graveur bei der Firma Carl Winkler.
* Schlotzgartenkonzert. Morgen, von 11.15 bis 12.15 Uhr spielt die Kapelle der Freiw. Feuerwehr folgendes Programm: 1. „Nibelungenmorsch" von Sonntag; 2. „Wildschütz-Ouvertüre" van Lortzing; 3. „Im Walzerrausch", Walzer, von Paul Linke; 4. „Einzug der Gäste auf der Wartburg" von Wagner; 5. „Das Herz am Rhein", Lied von Meister; 6. „Die Hugenotten", Marsch von Meyerbeer; 2 Armeemärsche. Steinmetzmarsch von Br.
* Verlegung der Wochenmärkte. Wir verweisen auf die amtliche Bekanntmachung des Magistrats in der vorliegenden Nummer, nach der die Wochenmärkte am Mittwoch und Samstag nächster Woche aus Anlaß des Mittelrheinischen Kreisturnfestes ausnahmsweise auf der Französischen Allee stattfinden.
* von der Reichsbahn. Vorzug 8.20 Uhr (Werkags) fällt wegen ungenügender Besetzung vom 29. Juli ab Dienstags bis Samstags zwischen Gelnhausen (ab 4.28) und Frankfurter Hauptbahnhof (an 5.57) aus, verkehrt auf dieser Strecke nur noch am Werktage nach Sonn- und Feiertagen. Dementsprechend verkehrt Leerzug 4352 Gelnhausen (ab 23.46) — Hanau-Hauptbahnhof (an 0.23) der zur Personenbeförderung freigegeben ist, regelmäßig und fällt nur in der Nacht vom Sonntag zu Montag aus. '
* Wo fährt man billiger? Auf der Reichsbahn fährt man gut, wenn nicht am besten in Europa. Auch nach der Tatiferhöhung wird man am 1. September verhältnismäßig billig fahren. Eine Reife auf einer mittleren Entfernung von 300 Kilometer, etwa von Berlin nach Altona mit 290 Kilometer, wird künftig im Personenzug 3. Klasse billiger sein in Ungarn mit 6.66 RM, in Oesterreich mit 8.04, in Belgien 8.55, Polen 8.93, Frankreich 9.86. In Deutschland kostet sie dann 12 RM, mehr in Italien mit 12.21, in den Niederlanden mit 12.60, in Dänemark 13.67, in der Schweiz 14.76, in Schweden 15.26, in Norwegen 19.32 RM. Fast das Doppelte kostet sie in England mit 23.70 RM. Im Schnellzug 2. Klasse ist es am billigsten 1 in Belgien mit 14.86, dann in Frankreich mit 15.15, in Polen 16.78, in den Niederlanden 19.27, in Ungarn 19.97, in Italien 21.76, in Dänemark 22.26, in der Schweiz 23.13, in Oesterreich 23.16. In Deutschland kostet diese Reise 25.40 RM, mehr in Schweden mit 25.43, in Norwegen mit 31.98 RM. In England gibt es keine 2. Klasse. Man muß 1. Klasse für 39.60 RM fahren oder 3. Klasse für 23.70 RM.
* Die Beschädigung von Telegraphen- und Fernsprechanlagen ist strafbar. Die Telegraphen- und Femsprechlinien werden häufig — besonders von jugendlichen Personen — durch mutwillige Zertrümmerung der Porzellandoppelglocken beschädigt, wodurch nicht nur der öffentliche Verkehr erschwert und zum Teil sogar unterbunden wird. Die Behörden machen bekannt, daß die vorsätzliche und fahrlässige Beschädigung von Telegraphen- und Fernsprechanlagen nach den §§ 317 und 318 des Strafgesetzbuches mit Gefängnis oder in milderen Fällen mit Geldstrafe geahndet wird. Für die Ermittlung der Täter vorsätzlicher oder fahrlässiger Beschädigungen gewährt die Deutsche Reichspost Belohnungen.
* Keine Getreidekörner kauen. Weit verbreitet ist die Gepflogenheit, beim Gang durch die sommerlichen Aehrenfelder Getreidekörner zu essen. An den Gräsern, Aehren und besonders auf den unreifen Gerstenkörnern entsteht aber zu dieser Zeit ein kleiner, mit bloßem Auge nicht erkennbarer Pilz, der gesährliche Erreger der Strahlenpilz- ' krankheit. Durch Kauen der von dem Pilz befallenen Pflanzenteilen wird er in den Körper übertragen, es entsteht die Krankheit, bei der sich eine harte Geschwulst im Gaumen oder Derdau- ungskanal bildet, worauf ein Zerfall des Zellem- gèwebes erfolgt. Dieses Leiden breitet sich, wie der Name sagt, strahlenförmig im Körper aus, und wenn nicht bei Zeiten jeder Rest der Krankheitserreger durch Operation entfernt wird, endet die schmerzhafte Krankheit mit dem Tode.
Roman von 3. Schneider-Foerstl. llrheber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau lSaT
& Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
, »Ich habe alles erwogen: Die Fahrt auf einer ftwverdeckten Troika ist für jeden, der sie zum «Iten Male macht, sehr unterhaltend. Zum min= Men nicht allzu eintönig, Pelze werden wir zur Genüge bekommen. Du wirst nicht frieren, Liebste. lägst zu Petroff, du habest gehört, daß eine vschtt durch die verschneiten Wälder und Tundren gesehene Wunder enthüllen soll. Und sprichst °en Wunsch aus, sie kennenzulernen. Er wird es •'F nicht abischlagen. Selbstverständlich wird er dabei sein wollen. Das ist nur ein Vorteil für Uns- Ich werde die Juwelen, welche ich in der Men Nacht im Zimmer meiner Mutter geholt W benützen, die Kutscher zu bestechen. Wir aHen Petorsf in irgendeinem Dorfe zurück, wo es ««er Pferde noch sonst eine Verbindungsmöglich- M gibt. — Pis er die Verfolgung aufnehmen '°NN, sind wir in Archangelsk."
Marion saß schweigend. Lange Zeit fiel kein zwischen ihnen. Als Dimitri sprechen wollte, Wte sie bittend ab. Er merkte, wie sehr sie an= war: Ihre Nasenflügel fieberten und ihre Sf'rne war in tiefen Rinnen zusammengezogen. winkte ihn zu sich heran und beugte den Kopf in den Nacken.
, Er küßte den Mund, der ihm entgegenblühte, wie ihre Arme sich nach ihm hoben und fiihlte Hände über Hals und Wangen gleiten: -Marion!"
, »Du sollst nicht reden, Niki!" Ihre Augen «rannten in die seinen, ihr ganzer Körper zitterte '^entgegen.
»Karsten trat ein, ohne angeklopft zu haben. »Kommissar Petroff bittet, ihm eine Unterredung gewähren, Frau Marion."
. Sie strich, jäh aus seligem Traume gerissen, haar zurecht und raunte ihm zu: „Dimitri Ihnen sagen, wie er sich unsere Rettung aus- -roacht hat." Den Finger auf die Lippen legend, ”,n9 sie den Männern in das Schlafzimmer voran drückte die Türe hinter sich zu. Si« trat, ohne ®ften Gegenwart weiter zu beachten, an den Spie
gel, fuhr mit der Puderquaste über die dunklen Flecken auf den Wangen und zog mit dem Lippenstifte dicke, kirschfarbene Striche den schmalen Mund entlang.
Ein Klingelzeichen rief Siga herbei. „Ich lasse Herrn Komissar petroff um ein paar Minuten Geduld bitten."
Als sie gegangen mar, öffnete sie einen Schrank. Er war vollkommen leer. Che Karsten zu staunen vermochte, hob sie das eine der Bretter auf, die zugleich den Boden vorstellten, und zeigte auf die Wandeltreppe, die in die Tiefe ging. Siga hat sie heute Morgen entdeckt. Ich habe nachgesehen, wohin sie führt. Sie endigt in den Kellerräumen in einer Türe nach "der Newa. Ob jemand, davon weiß, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber sie nützt uns auch nichts. Wir sind bewacht, vorne und hinten, vielleicht schon aus der Luft. Dimitris Jplan ist das einzige, was noch in Betracht kommt."
Sie ließ den Boden leise zurückgleiten und hielt die Hände gegen den Mund. Ein Lichtschimmer kam von unten. Man sah ihn deuttich durch die Ritzen der Bretter schimmern. — Dann das Tasten eines Menschenfußes — die Diva und die beiden Männer hielten den Atem an.
Marion trat dicht an den Schrank und sagte mit lässigem Tonfall: „Siga, ich werde nun doch das blaue Brokatkleid nehmen, das mit dem tiefen Ausschnitt. Es gefällt Herrn Petroff am besten. Ich möchte sehr gerne hübsch für ihn fein. Vielleicht können Sie mir für den Achselschluß einige Rosenknospen in mattem Gelb beschaffen. Das wirkt am besten.
Mit einem Ruck klappte sie beide Schranktüren in die Oesen und horchte nach dem Boden. — Menschenfüße tappten abwärts, ihr Hall verlor sich. Kein Lichtschimmer war mehr zu sehen.
„Wir sind gut unter Aufsicht", stieß Karsten hervor.
„3$ fand gestern meinen Koffer durchwühlt", gestand Dimitri.
„Warum sagten Sie nichts davon?" Der Re- giffeur war sehr ärgerlich über die Unterlassung.
„Ich wollte niemand beängstigen. — Uebrigens fand man nichts bei mir, was mich belasten könnte."
Dimitri verließ mit dem Regisseur durch eine Seitentüre das Zimmer und ließ sich dessen Plan mitteilen, Es wurde nichts dabei gesprochen =■=
nicht einmal geflüstert. Die Treppe unter Marions Schranktür hatte Karsten mißtrauisch gemacht. Er schob Nikolaus ein Blatt Papier zu, worauf dieser feine Aufzeichnungen machte. Als er zu Ende war, las der Regisseur — nickte — las noch einmal unb warf es dann in den Kamin,, dessen helles Feuer jede Spur verschlang.
Ueber eine Karte geneigt, studierten beide die Route, die man nehmen mußte. Für alles andere würde man am besten Petroff selbst sorgen lassen. Karsten nahm wieder ein Papier zur Hand und kritzette mit seinen großen markigen Buchstaben ein paar Worte hin.
Dimitri erblaßte etwas, krümmte die Schultern und atmete mühsam.
Eine Viertelstunde später ließ sich Petroff bei der Diva melben. Sie stieß einen Ruf des Entzückens aus, als er ihr eine Fülle mattgelber Rosen überreichte. Er sah das Lächeln nicht, mit dem sie ihr Gesicht in die duftende Pracht der Blüten barg. Spion! dachte sie und drückte die Wangen in die samtenen Blätter. Nun war die geheime Treppe nicht mehr so fürchterlich. Sie kannte jetzt den, der darum wußte. Damit war die Gefahr soviel wie abgetan.
,,3d) bin gekommen, Sie um Ihren Bescheid zu bitten Madame." Petroffs Stimme bebte merklich.
Sie hob das Gesicht, das von einem Mädchenerröten überhaucht war. Der scheue Blick inachte es keusch und erwartungsvoll me das einer Achtzehnjährigen, an deren Ohr zum ersten Male Manneswerben dringt. „Ich habe nur einen Zweifel, Herr Kommissar." Die Blüten noch immer in den Händen haltend, sah sie mit einem Kinderlächeln zu ihm auf — errötete — und ließ die Lieder sinken.
Petroffs Muskeln zuckten in Bündeln. Sein ganzes Mannestum zitterte nach dem schönen Weibe, das ihm so hilflos gegenüberstand. „Welches ist dieser Zweifel, Frau Tuney?"
„Ob Sie mich auch wirklich lieben? Ob--" Er ließ sie nicht fertig sprechen. Sie fühlte seine Arme um ihre Hüften und seine Lippen auf den ihren. Die Rosen blätterten zu Boden. „Er ist sehr kultiviert", dachte sie, während ihr Kopf an seiner Schulter ruhte. Es war durchaus nichts Royes, Gewaltsames in seiner Liebkosung.
„Haben Sie auch nicht vergessen, was Sie zu mir sagten, im Falle ich Ihnen mein Jawort gebe?"
Er hob ihre Hände gegen feine Wangen: Sofort nach unserer Trauung — sie kann nach jedem Ritus erfolgen, den Sie wünschen, Marion — werden Ihre deutschen Begleiter, einschließlich Fürst Nikolajewitsch, die Erlaubnis zur Ausreffe erhalten und ungefährdet die Grenze passieren können. Sind Sie zufrieden?"
„Nach jeder Hinsicht, Herr 5kommisiar."
Sie gewahrte feinen dürstenden Mund, lächelte, bog sein Gesicht zu sich herab und küßte ihn auf Wangen und Stirne.
Man ging heute nicht in den Speisesaal, sondern feierte das Verlöbnis in Marions kleinem Wohnzimmer, das bis zum Abend in einen Wundergarten verwandelt war.
Dimitri saß wie der fleischgewordene Tod und wandte das Gesicht zur Seite, wenn Petroffs feindseliger Blick auf ihm ruhen blieb. Auffpringen und Brust an Brust mit diesem Menschen dem häßlichen Spiel ein Ende machen, das hätte ihm Erleichterung gebracht. Aber Marion hatte Recht. Es ging nicht mehr um ihn allein. Es standen weitere fünf Leben in Gefahr. Er mußte seine Wünsche zügeln.
Karsten war gleich der Diva der Situation ge- rvachsen. So sehr seine. Nerven auch in der letzten Zeit gelitten hatten, dieser Abend ließ nichts davon erkennen. Er erzählte Anekdoten aus der Filmwelt, neckte Marion, daß sie nun einen Russen zum Mann bekomme. — „Sie müssen sich das erzählem lassen, Herr Kommiar, wie unsere verehrte Diva sich gestreikt hat, mit nach Petersburg zu kommen. Sie wollte nicht filmen hier, behauptete, die Russen wären ihr ein Greuel — hätten lange Bärte, wären langweilig wie ein Regentag und sentimental wie ein hysterisches Mädchen."
„Bin ich Ihnen langweilig, Madame,"^fragte Petroff und neigte sich anbetend über ihre Finger.
Er war überselig über ihr Auflachen und daß für Sekunden ihre Finger mit leisem Druck auf seinem Arme ruhten. Es ging schon gegen vier Uhr, als der Kommissar in Bräuttgamsstimmung die Troika bestieg, deren Kuffcher beinahe erfroren war. Er war für zwei Uhr bestellt gewesen.
(Fortsetzung folgt.)